29. November 2015

Rezension: "Die Flüsse von London" von Ben Aaronovitch


Titel: Die Flüsse von London
Autor: Ben Aaronovitch
Verlag: dtv
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
Seiten: 480

Als ich nach London flog, brauchte ich dringend die passende Lektüre. Ach, und da war auf meinem Kindle doch noch dieses nette Buch „Die Flüsse von London“. Absolut passend, also ab in den Koffer. So schön die Geschichte aber auch klingt, ein wenig wurde ich doch von ihr enttäuscht. Den Leser erwartet hier eine Art Kriminalroman, der versucht mit Magie und Humor zu glänzen. Für mich war das Buch eine kleine Berg- und Talfahrt zwischen total super und super langweilig. Ganz coole Idee, Umsetzung eher nur okay.

Klappentext


Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Was seinen Vorgesetzten nicht entgeht. Auftritt Thomas Nightingale, Polizeiinspektor und außerdem der letzte Zauberer Englands. Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Ein Mord in Covent Garden führt den frischgebackenen Zauberlehrling Peter auf die Spur eines Schauspielers, der vor 200 Jahren an dieser Stelle den Tod fand.

Meinung


Mit Absicht habe ich hier mal wieder den Original-Klappentext verwendet, statt die Story selbst zusammenzufassen. Denn ich finde, dass er einfach absolut cool klingt! Ein Mord mitten in London, der von einem Zauberlehrling gelöst werden soll und dieser trifft dabei auch noch auf Geister…Ich war absolut begeistert von diesem Appetithäppchen und wollte schnell mehr. Vieles war allerdings nicht so, wie ich es erwartet hatte. Mal ehrlich, ich glaube niemand konnte sich den Gedanken auf Harry Potter verkneifen, wenn er die Worte „Zauberer“ und „London“ gelesen hat. Sehr humorvoll geht auch der Autor selbst damit um, was mir schon einmal gut gefiel. 
Peter ist ein starker Protagonist, den ich persönlich aber nicht mochte. Vielleicht war seine Art zu erzählen einfach ein bisschen zu maskulin. Zumindest konnte ich manche seiner Gefühlsregungen nicht nachvollziehen. Auch Leslie, für die Peters unerhörtes Herz schlägt, gefiel mir eigentlich gar nicht. Die Figuren konnten mich nicht erreichen, obwohl sie genau genug gezeichnet wurden. Geschmackssache, würde ich sagen. Wer mir allerdings gefiel war Peters Meister: Nightingale. Der alte zaubernde Ermittler war für mich die Wohlfühlfigur. In einem Gespräch zwischen ihm und Peter kommen sie dann auch wirklich auf Harry Potter zu sprechen, was wirklich gut gemacht ist:
„Nightingale seufzte. „Nein, nicht wie Harry Potter.“ „Wieso nicht?“ „Ich bin schließlich keine fiktive Romanfigur“, antwortete er.
Bei dem Satz musste ich dann wirklich schmunzeln. Hat der Autor wirklich gut gemacht. Den Stil von Ben Aaronovitch fand ich hingegen etwas anstrengend. Wie ich bereits sagte, fand ich manche Stellen sehr spannend und auch gut geschrieben, an anderen wird sehr weit ausgeholt und so richtig was tut sich in der Handlung auch nicht. Für mich war die Handlung im Allgemeinen mit leichten Minuspunkten verbunden. Mir war lange nicht klar, wovon das Buch eigentlich handelt. Schon klar, dass es den Klappentext gibt, aber bis die Ereignisse so weit sind, wie es beschrieben wird, dauert es dann doch eine Weile. Insgesamt finde ich die Handlung manchmal auch etwas unübersichtlich. Es gab Stellen, an denen ich mir einfach nicht vorstellen konnte, was der Autor gerade versuchte zu beschreiben. 
Was er allerdings gut gemacht hat, und was ja auch allseits gelobt wird, ist der Humor. Ich fand ihn gut und passend zum Buch. Als herausragend würde ich ihn allerdings nicht beschreiben. Peter kommentiert in Gedanken ganz gern die ein oder andere Äußerung.
„Alles ist möglich", antwortete Nightingale. „Wenn Ihr Hund ebenso beeinflusst war wie sein Herrchen und Coopertown, wäre das eine Erklärung dafür, dass er auf die Vestiga so empfindlich reagiert.“ Mir fiel auf, dass Toby jetzt offenbar mein Hund war.“
Diese kleinen Einschübe gefielen mir ganz gut. Außerdem steigert sich die Story zum Ende hin extrem und es wird richtig spannend. Zumindest gefiel mir gut, was es mit der Organisation der Morde auf sich hat. Cool war natürlich auch die Lebendigkeit des Buches. Viele Orte in London werden ausführlich beschrieben und man weiß eigentlich immer, wo Peter gerade unterwegs ist. (Für mich persönlich wurde die Sache noch cooler, als ich selbst durch Covent Garden spaziert bin.)
Achso...auf die Flüsse wollte ich noch eingehen. Ich verstehe schon, warum das Buch so heißt, allerdings spielen die Flüsse eher eine untergeordnete Rolle. Daher finde ich auch den Titel etwas merkwürdig gewählt, aber Interesse weckt er auf jeden Fall. 

Fazit


Insgesamt finde ich, dass die Idee von „Die Flüsse von London“ richtig gut ist. Die Umsetzung ist manchmal gut und manchmal eher nicht. Für mich war die Story etwas zu sprunghaft und die Charaktere konnten mich zum größten Teil nicht erreichen. Außerdem hatte ich mir etwas mehr Zauberei erwartet, andererseits zeichnet sich die Geschichte so deutlich von Hogwarts und Co. ab. Ich habe mir leider sehr viel von dieser Lektüre versprochen und wurde deshalb etwas enttäuscht. Das muss aber nicht für jeden so sein. Für Fans des britischen Humors ist dieses Buch sicher ein Muss! Ob ich es mit dem nächsten Teil allerdings versuche, weiß ich noch nicht. Ich vergebe  3 Paar der Spitzenschuhe.



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