15. November 2015

Rezension: "Pakete an Frau Blech" von Rolf Bauerdick


Titel: Pakete an Frau Blech
Autor: Rolf Bauerdick
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
Preis: 21,99€
Seiten: 416

Wer dieses Buch in den Händen hält, ist sich seiner Wirkung anfangs keineswegs bewusst. Rolf Bauerdick hat mit „Pakete an Frau Blech“ ein wunderbares Buch geschaffen, welches einen Ehrenplatz in jedem Bücherregal verdient.
Ja, schon klar. Das klingt ein wenig dick aufgetragen, aber „Pakete an Frau Blech“ zog mich in seinen Bann und entlässt mich bis heute kaum. Sowohl aus literarischer Sicht, als auch aus historischem und narrativem Blickwinkel  ist dieses Buch einfach nur großartig. Mein Kompliment. Hier werden Geschichte und Erzählstil auf eine Art und Weise vereint, die den Leser – in diesem Falle mich  - einfach nur bezaubert.

Inhalt



Maik ist in der DDR aufgewachsen, im einzig gerechten sozialistischen Staat. Nicht in diesem kapitalistischen Lügenland namens BRD. So zumindest wird es ihm seit Kindesbeinen an erzählt. Als Maik 14 Jahre alt ist, geschieht ein tragischer Unfall und er muss zu seiner Tante nach Heidelberg – in den Westen. Einem anfänglichen Misstrauen weicht die Realität. Doch auch im Westen geschehen Dinge, die Maiks Leben schneller ändern, als ihm lieb ist. Er macht seinen Weg – und der führt ihn in den Zirkus. Er arbeitet als Junge für alles und kämpft sich bis zur rechten Hand des Direktors: Albert Bellmann. Mit diesem Menschen beginnt eigentlich die Geschichte. Oder besser, mit dem Tod des großen Zirkusdirektors Alberto Bellmonti. Maik ist gezwungen sich  mit Hilfe seiner alten Zirkusfreunde Szymbo und Albina seiner Vergangenheit zu stellen und muss den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Illusion begreifen. Welches Vermächtnis hat sein Ziehvater ihm hinterlassen? Was hat seine Mutter im Winter 1979 wirklich erlebt? Und wer war seine Tante, Vera Blech?

Meinung



Die Handlung von „Pakete an Frau Blech“ zusammenzufassen ist eine recht komplizierte Angelegenheit. Die Story verläuft keinesfalls so chronologisch, wie ich es gerade darstelle. Bis zur Mitte des Buches springen die Kapitel in ihrer Zeit. Eines handelt immer von der Gegenwart (2007), während das Folgende sich mit den Jahren ab 1979 beschäftigt. Natürlich laufen beide Handlungsstränge irgendwann ineinander. Insgesamt muss man sagen, dass Rolf Bauerdick sehr viele verschiedene Handlungsstränge eröffnet, die am Ende erst alle zusammenlaufen. Es gibt Geheimnisse über Geheimnisse und unaufgeklärte Ereignisse, die alle nur darauf warten endlich enthüllt zu werden. Die Themenbereiche sind vor allem das Leben in der DDR, das Stasisystem, Manipulation, Freundschaft, der Zirkus und natürlich auch die Illusion. 
Das besondere Highlight ist hierbei der Erzählstil. Der Autor beschreibt so lebendig und bildreich, dass man alles um sich herum vergisst. Obwohl das Buch recht dick (haha...dick und Bauerdick...) ist und man bei diesen ernsten Themen vielleicht davor zurückschreckt es zu lesen: Es lohnt sich! Der Stil ist nicht kompliziert, aber unglaublich schön. Man kann diesen Roman einfach nur genießen! Auch die Figuren sind wirklich gut gelungen. Die wenigsten von ihnen sind greifbar, denn irgendwie sind diese ganzen Zirkusidentitäten doch etwas abstrus. Allerdings will der Autor auch gar keine Figuren zu Identifikationszwecken schaffen, denn sonst wäre doch die Illusion dahin. Maik ist ein erwachsener,  vernünftiger, etwas schüchterner Mann. Szymbo ist ein polnischer Passionsmusiker und Albina die unnahbare russische Schönheit. Neben diesen drei Hauptfiguren spielen aber noch andere Menschen eine wichtige Rolle und besonders die Nebenfiguren, wie etwa Pater Loenard bilden die Sympathiträger.

Fazit


Für mich als Geschichtsstudentin (, die im Abi auch noch das Thema DDR hatte) war dieses Buch bereits ein Lesehöhepunkt des Jahres. Lasst euch in die Vergangenheit entführen und findet heraus, was die Stasi und der Zirkus gemeinsam haben. Große Leseempfehlung meinerseits: 5 Sterne!

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