16. Dezember 2015

Rezension: "Der Himmel über München" von Katharina Lankers




 
Titel: Der Himmel über München
Autor: Katharina Lankers
Verlag: FeuerWerke Verlag
Preis: 11,99€
Seiten: 295
 

Zwei kleine Schutzengel, die sich um das Wohl ihrer verliebten Schützlinge kümmern – das ist das Grundgerüst des Romans „Der Himmel über München“. Dazu kommt ein wunderbares Cover und ein schöner Schreibstil. Katharina Lankers schuf mit ihrem Debüt einen etwas anderen Liebesroman, der durchaus erheitert, in dessen Zielgruppe ich allerdings nicht falle.

Inhalt


Theresa verbringt die Sommerferien 1983 in der WG ihrer Tante in München. Schnell verliebt sie sich in deren Mitbewohner Simon und eine kleine Romanze entsteht. Simon scheint absolut perfekt zu sein. Doch einen Haken hat die Sache: Theresa kommt aus Bonn. In einer Zeit, in der gerade mal der Festnetzanschluss existiert, ist eine Kontaktaufnahme gar nicht so leicht. Zum Glück gibt es die Schutzengel der beiden Xerxes und Spekulatius. Gemeinsam schmieden sie Pläne über die nächsten Treffen ihrer Schützlinge, auch wenn diese Jahre auseinanderliegen können. Es beginnt eine Art Lebensgeschichte, in der der Leser Theresa und Simon mit Xerxes und Spekulatius begleitet. Eine Liebesgeschichte voller Aufs und Abs, die sich verkompliziert, umso älter die beiden werden.

Meinung


Ich hatte einen etwas anderen Roman erwartet, als ich mich für das Buch bei Lovelybooks bewarb. In meinem Kopf stand die Liebesgeschichte sehr viel deutlicher im Fokus. Allerdings sollte man das Buch gar nicht unbedingt als Liebesgeschichte verstehen, sondern vielleicht sogar eher als „Frauenroman“, auch wenn das ein total bescheuerter Begriff ist. Es geht nicht primär um die Liebe zwischen Theresa und Simon, sondern viel mehr um das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.
Der Leser muss sich drei Perspektiven stellen. Meiner Meinung nach bietet dies willkommene Abwechslung. Ein paar Passagen sind aus Theresas und andere aus Simons Sicht verfasst. Hinzu kommen kursiv gedruckte Textstellen, die von den beiden Engeln im Himmel handeln. Die beiden sind sehr quirlig und anfangs auch wirklich niedlich. Doch auch sie werden älter. 
Komme ich vielleicht mal dazu, warum ich finde, dass dies eher ein „Lebensroman“ ist. Die Geschichte beginnt im Jahr 1983 und endet im Sommer 2015. Man verfolgt die beiden also von ihrer Jugend an, bis sie über 50 Jahre alt sind. So bekommt man einen sehr detaillierten Einblick in beide Leben, die nur teilweise gemeinsam gelebt werden. Natürlich besteht zwischen den beiden Protagonisten eine sehr tiefe Verbundenheit, doch ist dies nicht immer Liebe.
Das gefiel mir an dem Buch ganz gut: Man bemerkt einen Wandel der Figuren. So wie sich auch die Zeit ändert, ändern sich genauso die Charaktere. Dies wirkt sehr reif und realistisch. Viele der Handlungselemente sind ebenfalls realistisch. Allerdings heißt das nicht, dass sie mir gefallen haben. Moral (oder eben auch vergessene Moral) steht ebenfalls oft im Fokus. Ich war am Ende soweit, dass ich eine arge Abneigung gegen Simon entwickelt habe. Wieso? Findet es selbst heraus.
Die Charaktere sind liebevoll gestaltet, allerdings hatte ich so meine Probleme. Theresa ist eine neugierige und entdeckungsliebende Persönlichkeit, Simon ist dagegen schon fast ein bisschen heimatverbunden langweilig. Beide sind sich absolut unähnlich, was aber wohl zu ihrer Anziehungskraft beiträgt. Gerade der Status des Unerreichbarseins macht den anderen umso attraktiver. Gemeinsam gefielen sie mir immer ganz gut und man gibt die Hoffnung eigentlich nie auf, dass die beiden nicht doch irgendwann nochmal ein Paar werden. Simon spricht übrigens mit bayrischem Akzent. Dieser wurde auch immer treu vertreten, was ebenfalls authentisch ist.

Fazit


Ich habe mich mit dem Roman ein wenig schwer getan. Ich finde die Handlungsidee gut und der Schreibstil hat mir ebenfalls gefallen. Ich finde aber auch, dass die Engel ruhig mehr Aufmerksamkeit hätten bekommen können. Begeistert hat mich der Roman nicht, denn er beinhaltet einfach nicht das, was ich gerne lese. Allerdings glaube ich, dass ich einfach die falsche Zielgruppe bin. Einer Frau, die älter ist als ich und vielleicht auch schon mehr über das Leben weiß, gefällt er sicher besser. Ich vergebe 3,5 Sitzenschuhe, da ich durchaus Steigerungspotenzial in der Spannungskurve sehe. Das dauernde Auf und Ab ohne ein richtiges Vorankommen in der Story hat mir nicht gefallen. Die Idee mit einigen Umsetzungspassagen war aber ganz gut. Außerdem rundet das Ende die gesamte Geschichte ab, auch wenn ich mir hier ebenfalls mehr gewünscht hätte. Dennoch, ein gelungenes Debüt.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen