17. März 2016

Rezension: "Ich träum von dir..." von Ellen Sommer


Titel: Ich träum von dir...
Autor: Ellen Sommer
Verlag: Ellen Sommer Verlag
Preis: 2,99€ (kindle Edition)
Seiten: 314

Ich bin ein großer Fan von Leserunden und das hat seine Gründe. Man lernt Autoren und Bücher kennen, die man sonst oftmals nie entdeckt hätte. So ging es mir auch mit der Autorin Ellen Sommer und ihrem Debütroman „Voll erwischt“. Die Selfpublisherin schrieb ein Jugendbuch mit einem Hauch Mystik. Mir gefiel das Buch, allerdings hatte ich auch einige Kritikpunkte, die ihr hier in meiner Rezension noch nachlesen könnt. Inzwischen schrieb die Autorin aber eine Fortsetzung, auf die ich mich sehr gefreut habe. Das Liebespaar Lille und Chris schienen nämlich noch eine Menge Potenzial zu haben.  „Ich träum von dir…“ heißt die Fortsetzung, die mir besser gefallen hat, als sein Vorgänger. Auch hier sind immer noch Schwächen zu finden, doch die Logik der Geschichte ist deutlich spürbarer.

Inhalt


Chris und Lille sind endlich ein Paar und das obwohl Lilles Oma wirklich vieles versucht hat, damit Chris sich von Lille fernhält. An ihren Problemen hat sich aber nicht viel geändert. Denn langsam kommen Chris Erinnerungen an den Unfall zurück. Doch an was er sich erinnert, ist einfach nicht möglich. Wer ist das Mädchen, das im Koma liegt? Was hat es mit dem Teppich im Arbeitszimmer von Lilles Großmutter auf sich? Und sind die Geschichten über die Schicksalsweberinnen aus der griechischen Mythologie wahr? Aber wenn das so ist, was hat das alles mit Lille und Chris zu tun?
Der zweite Teil der „Voll erwischt“-Reihe fügt sich nahtlos an den Vorgänger an, bringt ein wenig Licht ins Dunkel und baut das ein oder andere interessante Detail ein.

Meinung



Schon im ersten Teil hatte ich so meine Probleme mit der Protagonistin Lille. Ich empfand sie als egoistisch und oberflächlich und das, obwohl ihr Ruf als schüchtern eingestuft wurde. Dem ist im zweiten Teil immerhin nicht mehr ganz so. Lille ist selbstbewusst und wird auch von allen so wahrgenommen. Sympathisch ist sie mir allerdings noch immer nicht. Woran genau das liegt, ist schwer zu sagen. Mir gefällt ihre Art zu denken und Dinge zu kommentieren einfach nicht. Ich verweise hier allerdings wieder mal auf Geschmackssache. Sehr viel besser gefällt mir noch immer Chris. Er ist niedlich und sehr verliebt in seine Lille. Allerdings war auch er es nicht, der meine Aufmerksamkeit in diesem Buch auf sich zog. Wie auch im ersten Teil, gibt es drei Erzählperspektiven: Lille, Chris und Sara. Sara ist die beste Freundin von Lille und erzählt nebenbei quasi noch ihre eigene Geschichte. Sie ist mit ihrem absoluten Traumtypen Jack zusammen, doch plötzlich verbringt sie relativ viel Zeit mit Nils, einem Jungen, den sie nie wirklich beachtet hat, der aber mehr als nur ein netter Kerl zu sein scheint. Dieser Erzählstrang beginnt ungefähr nach einem Drittel des Buches und war für mich das Highlight. Sara hat eine schönere Art zu erzählen als Lille. Und auch wenn sie nicht unbedingt frei von Egoismus ist, so gefiel mir ihre Entwicklung einfach super. Die Geschichte zwischen Nils und ihr, das Wechselbad der Gefühle und all das Chaos drum herum waren authentisch und schön mitzuverfolgen. Von Sara und Nils würde ich jederzeit mehr lesen wollen – allerdings ist das ja auch irgendwie problematisch, oder? Eine Geschichte innerhalb einer Geschichte, die zum Teil isoliert von der eigentlichen Geschichte agiert, aber meiner Meinung nach die bessere Geschichte ist. Ihr könnt mir folgen?
Schade war an diesem Teil, dass er mitten im Buch startet, dann eine ganze Weile lang geht und dann auch abgeschlossen ist. Meiner Meinung nach hätte die Autorin hier ein bisschen besser mixen sollen. Schließlich gibt es die verschiedenen Perspektiven und was bietet sich da mehr an, als dass man die Geschichte ein wenig mehr aufteilt…Wie dem auch sei. Sara und Nils bescheren dem Buch noch eine besondere Romantik, die zwar zwischen Lille und Chris auch besteht, mich hier aber nicht überzeugen konnte. Ansonsten bleibt sich die Autorin treu. Ein Großteil der Story spielt weiterhin im Schulalltag und handelt von den Problemen jedes normalen Jugendlichen. Hinzu kommt nun endlich der mystische Teil, der im Vergleich zum Vorgänger größer geworden ist. Mich hat diese Idee von Anfang an begeistern können und ich finde sie auch weiterhin gut. Die Einarbeitung der Moiren ist sehr interessant. Man muss sich allerdings auch darauf einlassen, um die Geschichte genießen zu können. Ich finde, dass einige Unklarheiten aus Teil 1 beseitigt werden konnten, allerdings kamen andere hinzu. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich auch bis zum Ende hin ein paar Dinge einfach nicht verstanden habe, den Epilog mit eingeschlossen. Jetzt im Nachhinein glaube ich zwar, dass ich weiß, wie das Ende zu verstehen ist, aber so viele Rätsel müssen doch gar nicht sein.
Der Stil von Ellen Sommer ist an manchen Stellen etwas speziell. Ein paar Ausdrücke kannte ich nicht, was aber mit den verschiedenen Regionen Deutschlands zu tun hat. Auch wenn der Stil flüssig ist, mag ich es nicht, wenn oftmals Füllwörter wie „super“ gebraucht werden. Das ist aber eine Eigenschaft von Lille, was auch einfach heißen kann, dass ich sie als Erzählerin nicht mag. Der Sprachstil ist allerdings auch humorvoll. Als Chris auf Lilles Großmutter trifft um mit ihr zu sprechen, entsteht beispielsweise folgender Dialog: 
„Spiros. Ich heiße Spiros mit Nachnamen, junger Mann!“, stellte Oma klar. Und so, wie sie es sagte, war es ein Kapitalverbrechen, das nicht zu wissen. Keine guten Voraussetzungen für ein Gespräch mit ihr,  das wurde mir jetzt glasklar“ (S. 106)

Für mich gab es im Buch keinen absoluten Höhepunkt. Das Ende ist zwar der offensichtliche, aber innerhalb der Handlung hätte ich mir ein wenig mehr Action gewünscht.

Fazit



Alles in allem gehe ich mit einer gemischten Meinung aus diesem Buch. Es gefiel mir, wie der Vorgänger auch und ich finde, dass Ellen Sommer sich gesteigert hat. Das Buch beinhaltet mehr Logik und schönere Schwerpunkte. Allerdings gefiel mir Saras Geschichte einfach viel besser, als die von Lille. Ich vergebe 3,5 Spitzenschuhe. Ein süßer Roman über das Leben von Jugendlichen, das Verlieben und einen Hauch Wundersamen in unserer simplen Welt. 



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