19. Juni 2016

Rezension: "Das Funkeln zwischen den Zeilen" von Anna Davis


Titel: Das Funkeln zwischen den Zeilen
Autor: Anna Davis
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 7,99€
Seiten: 368

Cocktails, Charleston und Zigarettenrauch. Das Ganze in einem Nachtclub im London der 20er Jahre. Eine musikalische Kulisse und eine Frau mit zwei Gesichtern. Willkommen in der Welt von Grace Rutherford, besser bekannt als die Kolumnistin Diamond Sharp – eine Protagonistin mit Pfiff in einer Geschichte, die so einige Längen aufweist. „Das Funkeln zwischen den Zeilen“ ist ein Roman mit viel Potenzial, dieses aber einfach nicht ausschöpft.

Inhalt


Grace Rutherford hat zwei Identitäten. Am Tag arbeitet sie als Texterin in einer Werbeagentur, in der Nacht zieht sie als berühmt-berüchtigte Kolumnistin durch die Clubs des schicken Londons und seiner High Society. Sie ist talentiert, keine Frage. Doch als Frau hat man es in diesen Zeiten nicht einfach. Als Alleinverdienerin muss sie ihre Familie, sprich ihre Schwester mit den Kindern und ihre eigene Mutter, durchbringen und auch mit den Männern läuft es nicht, wie sie es gern hätte. Bis der mysteriöse Autor O‘Connel auftaucht. Doch er ist ein Playboy – also perfekt für Diamond Sharp … und somit auch für Grace Rutherford, oder nicht? Intrigen, Partys und das reale Leben treffen in einer spritzigen Geschichte aufeinander. Kann neben Diamond auch Grace ihr Glück finden?

Meinung


„Das Funkeln zwischen den Zeilen“ ist ein wirklich schöner Titel. Er verspricht eine Geschichte, die mit dem Schreiben zu tun hat und in der man viel Romantik finden kann. Beides beinhaltet dieses Buch tatsächlich. Dennoch bin ich ein wenig enttäuscht. Wirklich gut gefiel mir das Setting des Romans. London in den 20er Jahren, eine wilde Zeit, in der sich viel geändert hat. Wir befinden uns zeitlich also im Umbruch und man kommt nicht umhin zwischenzeitlich an den großen Gatsby zu denken. All das Flair weist auch das Buch von Anna Davis auf. Von der Kulisse war ich wirklich begeistert: All die Nachtclubs, die Cocktails, das Mysteriöse, die beginnende Emanzipation und die Überwindung des ersten großen Krieges. Geschichtlich hat mich das Buch sehr fasziniert. Doch leider ist es mit einem Handlungsort allein nicht getan. Auch die Charaktere und die Handlung selbst spielen eine große Rolle – und beides muss ich leider kritisieren.
Grace ist eine interessante und vor allem moderne Frau. Es ist nicht so, als wenn sich ihre beiden Identitäten nicht vertragen würden. Sie ist einfach beides und das jeweils ein bisschen. Sie ist exzentrisch und selbstbewusst, begehrt und einsam. Sie hat einen schweren Charakter, musste jedoch auch Einiges im Leben mitmachen. Dennoch empfand ich ihre Vergangenheit oftmals nicht als Entschuldigung. Diese Frau hat eine menge Fehler gemacht – doch sie ist nicht allein daran schuld gewesen. Es gibt viele Figuren in dieser Geschichte. Manchmal verliert man den Überblick. Doch viele der Figuren konnte ich einfach nicht leiden. Zum einen lag das an ihrer Oberflächlichkeit, die für den Rahmen der Handlung aber selbstverständlich ist, zum anderen waren sie einfach unsympathisch. Der „Teufel“, O’Connel ist beispielsweise so ein Fall. Ich konnte ihn von Anfang an nicht leiden. Ebenso unsympathisch empfand ich Grace Schwester Nancy und ihren verstorbenen Ehemann George. Wenn ich so drüber nachdenke, gab es eigentlich wenige Figuren, die ich wirklich mochte. Da wären nur John, Dickie und Sheridan – drei Männer mit Charakter, wenn ihr mich fragt.
Allerdings ist es schwer in eine Handlung zu finden, wenn man keinen Liebling in ihr hat. Grace ist zwar eine starke Persönlichkeit, doch leider auch keine Sympathieträgerin. 
Auch die Handlung selbst weist Schwächen auf. Es gibt viele Nebenhandlungen und manchmal erkennt man nicht, dass es nur um den Findungsprozess von Grace geht. Es ist das reinste Getrudel, die Geschichte dümpelt so vor sich hin. Ich will damit gar nicht sagen, dass es nicht auch spannende Stellen gibt. Mir gefiel das Leben, das Grace als Diamond Sharp führt und wirklich gut hat mir auch die Rivalität der Männer John und O’Connel gefallen, die das Geheimnis um die mysteriöse Eva lange hüten. Die Passagen aus der Vergangenheit haben ebenfalls Pep. Allerdings nicht alle. 
mich hat einfach zu viel gestört. Die vorherrschende Arroganz, die vielen Längen in der Handlung und die fehlende Zielorientierung, dazu kommt noch das konstruierte Gewissen von Grace.
Der Schreibstil ist soweit gut, aber nicht sonderlich anregend. Wirklich toll sind die Kolumnen von Diamond Sharp, die vor jedem Kapitel abgedruckt sind. Man könnte Grace als Vorgängerin von Gossip Girl betrachten. Der Ton der modernen Frau war toll. 
Das Allerschlimmste an diesem Buch war allerdings seine Vorhersehbarkeit. Es ist ein nettes Buch in einer schönen Atmosphäre, aber schon sehr, sehr früh kann man voraussagen, wie es enden wird. Und leider kommt es auch ganz genauso.

Fazit


Jeder, der sich ein bisschen in den Twenties in London wiederfinden möchte, sollte zu diesem Buch greifen. Allerdings sollte man von der Geschichte nicht allzu viel erwarten und sich auf oberflächliches Gehabe vorbereiten. Dennoch kann man mit dem Buch Spaß haben, denn ein bisschen Funkeln zwischen den Zeilen ist durchaus zu finden. Ich vergebe 3 Spitzenschuhe, mit denen Diamond Sharp vielleicht auch einen tollen Charleston tanzen kann.




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