28. Juli 2016

Rezension: "Solo für Clara" von Claudia Schreiber


Titel: Solo für Clara
Autor: Claudia Schreiber
Verlag: Carl Hanser Verlag
Preis: 16,90€
Seiten: 272


„Solo für Clara“ ist ein Buch, das mich tief beeindruckt hat. Ich bewundere Pianisten und liebe es ihrer Musik zu lauschen. Doch bis zu diesem Buch hatte ich nicht einmal in Ansätzen eine Ahnung, was es heißt, sein Leben der Musik zu widmen. „Solo für Clara“ ist ein Buch über eine unermessliche Leidenschaft  und einen großen Traum. Um diesen Traum zu erreichen, muss viel überstanden werden und das nicht nur von der jungen Clara – sondern von jedem in ihrem Umfeld. Das Buch wurde in der kurzen Zeit die ich es las ein Teil von mir und ließ mich nicht mehr los. Taucht ein in eine virtuose Welt voller Musik, die man dank moderner QR-Codes im Buch sogar während des Lesens genießen kann. Für mich ein absolutes Highlight!

Klappentext


Das Porträt eines musikalischen Talents: Die Geschichte eines Mädchens, das mit Ehrgeiz und Leidenschaft seinen Traum verfolgt, Pianistin zu werden
Mit fünf sitzt Clara zum ersten Mal am Klavier. Eigentlich soll sie nur das Instrument kennenlernen, doch Clara zeigt eine außergewöhnliche musikalische Neugier und Begabung. Bald erhält sie professionellen Musikunterricht und verbringt jede freie Minute am Flügel. Sie weiß, dass sie es mit Fleiß, Disziplin und ihrer großen Liebe zur Musik zur Konzertpianistin schaffen könnte. Doch sie ahnt nicht, wie sehr ihr die vielen Reisen, der Neid und die Intrigen ihrer Konkurrentinnen sowie der Verzicht auf ein normales Leben zu schaffen machen. Dennoch lässt Clara sich nicht entmutigen und kämpft entschlossen für ihre Ziele, bis ihr großer Traum von einer Karriere als Solistin greifbar nahe ist …


Meinung


Ich habe mir das Buch aus persönlichem Interesse nach der Lesung von Claudia Schreiber auf der Buchmesse in Leipzig gekauft. In meiner Freizeit höre ich sehr gern klassische Musik und mein Lieblingsinstrument ist dabei das Klavier. Aber so gerne ich es auch höre, so wenig Ahnung habe ich davon. In meiner Jugend habe ich Querflöte gespielt, was vielleicht nicht unbedingt mit einem Piano gleichzusetzen ist – vor allem nicht, wenn von einem Kind mit Hochbegabung die Rede ist. Denn das ist Clara ohne Frage: hochbegabt. 
Für mich war „Solo für Clara“ etwas ganz Besonderes. Das begann bereits beim Cover. Von weitem dachte ich tatsächlich, dass ein verkrüppeltes Herz zu sehen wäre, bis ich das Klavier und das Mädchen mit den wehenden Haaren erkannte. Dazu der Hintergrund von Notenlinien und das raue Hardcover. Für mich ist das Buch bereits äußerlich perfekt. Aber dazu kommt natürlich der Inhalt. Claudia Schreiber erzählt nach wahren Vorbildern die Geschichte eines Kindes, das nichts anderes im Kopf hat als das Klavier. Zwar gibt es keine konkrete biographische Vorlage für Clara, dennoch ist sie sehr authentisch! Die Autorin ließ sich von verschiedenen Musikern zu diesem Roman inspirieren und somit gelingt ihr ein unglaublich hohes Maß an Authentizität. Dies liegt zum größten Teil an der Thematik, die sehr professionell vermittelt wird, zum anderen aber auch an Claras Art zu erzählen. Das junge Mädchen erzählt seine Geschichte selbst. Der Stil von Claudia Schreiber ist somit vor allem zu Beginn sehr kindlich, jung und naiv. Aber dennoch ist immer eine starke und disziplinierte Note vertreten, die Clara zu dem Mädchen machen, das sie ist. Der Stil ist absolut gelungen und altersgerecht.
Die Geschichte beginnt bei einem Wettbewerb, als Clara 12 Jahre alt ist. Die Kapitel sind immer mit der Formel „Als ich … Jahre alt war“ eingeleitet und schildern Claras Erfahrungen in diesem Jahr. Obwohl die Handlung bei 12 Jahren einsetzt, macht sie einen Sprung zurück, als Clara fünf war und geht von 8 Jahren an regelmäßig aufwärts, so dass das Buch endet, als Clara 16 Jahre alt ist. Obwohl wir hier als Leser also nur eine relativ kurze Spanne verfolgen, offenbart die Protagonistin doch ihre gesamte Kindheit vor uns. Und diese ist keinesfalls normal. Als junges Kind denkt Clara an nichts anderes als das Spielen, denn sie will einfach nichts anderes. Schnell entwickelt sich der Wunsch in ihr, Konzertpianistin zu werden. Doch was das wirklich heißt, wird erst im Verlauf des Buches klar. Der anfängliche Spaß und die dazugehörige Disziplin werden überschattet von harter Arbeit, Ausblenden des realen Lebens und purer Konzentration auf das Ziel. Der Druck nimmt zu, die Konkurrenz wird stärker – doch Clara wird auch besser. Ich war fasziniert davon, was dieses kleine Mädchen alles auf sich nimmt, um ihrem Traum ein Stück näher zu kommen. Wahre Helden sind hierbei auch ihre „Erwachsenen“, wie Clara ihre Eltern gern nennt. Beide arbeiten selbst gern und hart, doch mit einem hochbegabten Kind – ja, soll man sagen „Wunderkind“? (dieser Begriff wird im ganzen Buch jedenfalls vermieden) – müssen sie erst einmal zu Recht kommen. Clara braucht einen Flügel, der Unterricht muss bezahlt werden, ein zweites Instrument muss her, die Reisen zu den Meisterkursen kommen dazu und dort muss sie außerdem begleitet werden. Es geht in diesem Buch nicht nur um Clara. Sondern um all das, was getan werden muss, damit das „Solo für Clara“ überhaupt erst möglich wird. Zum Teil war ich schockiert, zum Teil fasziniert. Es ist schwer zu beschreiben. Clara ist nicht unbedingt sympathisch. Oftmals ist sie rücksichtslos und egoistisch. Vor allem ihre Eltern müssen mit ihr kämpfen. Doch sie hat auch viele positive Eigenschaften und eine sehr luxuriöse Situation. Denn ihre Eltern zwingen sie zu nichts, wollen sie sogar zum Aufhören bewegen. Aber sie WILL Klavier spielen, denn nichts anderes auf der Welt macht sie so glücklich, wie der Applaus nach einem schweren Stück, an dem sie stundenlang gearbeitet hat. 
Ich könnte noch stundenlang über den komplizierten Charakter des jungen Mädchens schreiben, oder über die familiäre Situation, die mehr als einmal unter Claras Ambitionen leidet. Aber für irgendetwas müsst ihr das Buch ja auch selbst lesen.
Interessant ist sicher noch der Aspekt der Konkurrenz untereinander. Für mich war es sehr nachvollziehbar, dass sich unter den kleinen Wunderkindern mehr als nur ein Biest versteckt. Ein interessanter und ambivalenter Charakter ist außerdem Claras Musikprofessor Eisenstein. Nutzt er es aus, mit so jungen Menschen zu arbeiten? Oder lebt er lediglich für die Musik?
Die Themen des Buches sind für mich überaus interessant gewesen, allerdings sind sie auch speziell. Jeder, der Musik liebt, wird sich in diesem Buch wiederfinden und vielleicht ebenso fasziniert sein. Eine tolle Innovation, wenn auch nicht unbedingt revolutionär, sind die QR-Codes, die sich oft im Buch finden lassen. Immer wenn Clara sich mit einen neuen und komplizierten Stück beschäftigt, findet man am Seitenrand einen Code. Wenn man ihn scannt, kommt man zu Youtube-Videos, die einem Claras aktuelles Stück vorspielen. Die Musik während des Lesens laufen zu lassen, schafft eine atemberaubende Atmosphäre und bringt uns der Protagonistin ein kleines Stück näher. Für mich war es sehr interessant, allerdings bin ich mir auch dessen bewusst, dass QR-Codes auch Schwächen haben. Dennoch gefällt mir die Idee.

Fazit




Ich schreibe schon viel zu lang, was daran liegt, dass ich das Buch selbst noch verarbeite. Es ist so vielschichtig, so authentisch, tragisch und irgendwie wunderschön. Ich finde es faszinierend und kann es jedem ans Herz legen, der sich für das Thema Musik interessiert. Claudia Schreiber zeichnet hier ein besonderes Porträt eines speziellen Lebensweges, der zwar viel Negatives mit sich bringt und dennoch Großes hervorbringen kann. Ich kann nur  5 Spitzenschuhe vergeben, während ich dem Klang des „Glöckchens“ weiter lausche.



Kommentare:

  1. Huhu Julia,

    du klingst von dem Buch so was von begeistert und in jedem Wort in dieser Rezension, spürt man diese Begeisterung und auch, was für einen Effekt dieses Buch auf dich hatte. Es klingt nach etwas, dass man nicht so schnell vergisst und worüber man noch lange Zeit später nachdenken kann. Deine Rezension macht wirklich mehr als neugierig und die Idee mit den QR-Codes, finde ich total cool. Dass man sich da auch noch die Mühe gemacht hat, dass man sich die Stücke als Leser anhören kann und sie durch die Codes schneller findet, finde ich klasse. Klingt auf jeden Fall sehr gut, so dass ich es unbedingt im Hinterkopf behalten muss! =)

    Ganz liebe Grüße
    Leni =)

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    1. Hey Leni :)
      Ja, du hast sowas von Recht! Mich hat das Buch wirklich begeistert und ich werde es so schnell sicher nicht vergessen. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung es in Leipzig zu kaufen.
      Ich finde das mit den Codes auch total toll! Klar, das klappt mit der Internetverbindung nicht unbedingt immer und wer weiß, wie lange die Videos verfügbar sind, aber es schafft einfach eine ganz besondere Atmosphäre.
      Schön, dass dir die Rezi gefallen hat :) Ich kanns dir ehrlich nur empfehlen.
      Liebst,
      Julia

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