7. November 2016

Rezension: "Zwischen Macht und Spiegel" von Ann-Kathrin Wolf


Titel: Zwischen Macht und Spiegel
Autor: Ann-Kathrin Wolf
Verlag: Impress
Preis: 3,99€
Seiten: 294


„Ihr seid die Schönste hier. Doch Schneewittchen hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen ist tausendmal schöner als Ihr!“

– Jetzt müsst ihr euch bitteres Gekreische vorstellen und eine böse Hexe, die von Wut gepackt wird. Und dann haben wir nicht nur das Schneewittchenszenario heraufbeschworen, sondern stehen kurz vor der Geschichte der Märchenherzreihe von Ann-Kathrin Wolf. Eine Reihe die ich mit großem Spaß begonnen, mit packender Spannung verfolgt und einem lachenden und einem weinenden Auge beendet habe. Der Abschlussband „Zwischen Macht und Spiegel“ nimmt den Leser noch einmal gemeinsam mit Alex, Lilly, Will und Co. auf die Reise ins Märchenland und beinhaltet alles, was man sich wünscht. Ein rasantes und temporeiches Finale, das die Reihe wunderbar zu Ende bringt.

Klappentext


Nach der Flucht aus Grimms Manor kommen sich Alex und ihr Wächter William Grimm endlich wieder näher. Aber Alex‘ Gedanken wandern immer wieder zu dem charmanten Prinz Ian zurück, der weiterhin wie vom Erdboden verschwunden scheint. Wie soll sie ihn nur finden, wenn eine viel schwerere Aufgabe auf sie wartet? Schneewittchens größte Rivalin ist erwacht und ihre schwarze Magie droht die Märchenwelt zu verschlingen – und mit ihr auch die Welt der Menschen. Alexandra und ihre Freunde setzen alles daran, die böse Königin aufzuhalten. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn nur eine kann den Kampf zwischen Liebe und Hass gewinnen…

Meinung


Die Märchenherzreihe gehört zu den wenigen Reihen, die ich in diesem Jahr angefangen und auch beendet habe. Das Thema ist einfach absolut meins und umso dankbarer bin ich, dass die Umsetzung Ann-Kathrin Wolf wirklich gut gelungen ist. Es gibt viele Märchenadaptionen. Aber oft werden Geschichten nur nacherzählt. Hier hat die Autorin es geschafft die Geschichte von Schneewittchen neu zu erfinden und dem Alten treu zu bleiben. Aber nicht nur das. Sie hat die verschiedensten Märchen innerhalb einer Welt miteinander verbunden. Nicht nur „Schneewittchen“ ist von Bedeutung. In „Zwischen Macht und Spiegel“ spielen auch Märchen wie Rapunzel, Dornröschen, Der Froschkönig oder Die sieben Raben eine Rolle. Gekonnt werden die Märchen in die Handlung eingebunden und verarbeitet. Das war für mich ein grandioser Aspekt der Geschichte! 
In diesem Buch haben wir es mit Altbekanntem zu tun. Es knüpft nahtlos an den zweiten Teil an und fährt mit den Ereignissen fort. Die Figuren kennt der Leser und jeder hat bereits seine Lieblinge. Meine sind immer noch Lilly und Lancelot. Zu Will und Alex konnte ich in der gesamten Reihe keine allzu große Bindung aufbauen, aber das hat mir nie missfallen. Viele der Nebenfiguren sind fähig die Handlung zusätzlich zu tragen. Außerdem kann man in diesem Teil zusätzlich Alex Entwicklung verfolgen. Sie hat sich von der grauen Maus zur liebenden Frau entwickelt, die bereit ist ihr Erbe anzutreten. Diese Weiterentwicklung ist wichtig für die Geschichte und schließt somit den Kreis. Die Liebe zwischen Will und Alex ist wichtiger als noch in den Vorgängern und das passt auch zur Geschichte. Trotzdem war es eher die Liebesgeschichte zwischen zwei anderen Figuren, die mich mitnehmen konnte. 
In diesem Buch geht es emotional her. Zwischenzeitlich war ich kurz davor an den verschiedensten Stellen ein Tränchen zu verdrücken. Sei dies nun aufgrund der beispiellosen Liebe zwischen Mutter und Tochter oder wegen der Geschichte des Krähenmannes. Dieser ist für mich übrigens eine Schlüsselfigur gewesen. Bereits in Teil zwei kann er glänzen, doch nun entwickelt er sich zur tragischen Figur der Geschichte. Auf seine Erzählanteile habe ich mich immer sehr gefreut! Insgesamt ist die Erzählweise sehr gut gelungen. Man verfolgt einen spannenden Wechsel zwischen Alex Abenteuern, denen von Lilly und bekommt als Bonus noch Anteile des Krähenmannes geliefert. Die Mischung sorgt für solide Spannung in der Handlung. Die Schlingen, die die Autorin in „Zwischen Blut und Krähen“ gelegt hat, werden allesamt aufgelöst. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich der Kreis zu einem großen Ganzen schließt. Während Teil eins manchmal noch etwas unentschieden herüberkam, können die Folgeteile mit Logik und durchdachten Handlungssträngen glänzen. So tauchen auch viele magische Wesen auf, die vielleicht nur eine kleine Rolle spielen und doch ein großer Teil der Märchenwelt sind. Ich denke hier vor allem an kleine Elemente wie den Hüter des Waldes, die gute Fee oder Alex' Zwerg. 
Das Finale des Finals (,wenn man es so sagen darf) ist absolut gelungen, rasant und spannend! Vielleicht kommt es nicht ganz unerwartet, aber auch hier bleibt die Autorin dem Verlauf ihrer Geschichte einfach treu. 
Wie immer ist die Aufmachung des Buches außerdem sehr gut und die Märchenzitate stimmten mich wunderbar auf den Inhalt ein. Das Buch ist sehr liebevoll geschrieben und angenehm zu lesen. Manchmal haben mich die wiederholenden Formeln wie etwa ‚Wills Geruch nach Frühling‘ ein wenig gestört, da die Motive sehr häufig auftauchen. Auch haben sich ein paar Rechtschreibfehler ins Buch geschlichen (f/v-Schwäche), die ich einfach mal überlesen habe. Die Sprache des Buches ist grundsätzlich ebenso märchenhaft wie seine Geschichte. Eine Kleinigkeit, die ich etwas schade fand, war dass die Bruderschaft keine Rolle mehr spielt. Gern hätte ich mehr von Edmund erfahren, allerdings sind das Ende und deren Erwähnung auch so schlüssig.


Fazit




„Zwischen Macht und Spiegel“ ist ein märchenhafter Abschluss einer wunderschönen Reihe. Die Figuren entwickelten sich und mit ihnen hat sich auch die Autorin entwickelt. Der Handlungskomplex, in den die verschiedensten Märchen gewoben sind, hat mich sehr fasziniert. Die Figuren, vor allem die kleinen Details, sind wunderbar durchdacht und so schuf Ann-Kathrin Wolf ein großartiges Ganzes. Aus diesem märchenhaften Thema entwuchs eine tolle Adaption. Da Teil zwei für mich aber der beste der Reihe ist, verbleibe ich mit 4,5 Spitzenschuhen. Und wenn sie nicht gestorben sind…



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