2. Februar 2017

Rezension: "My Dear Sherlock - Nichts ist, wie es scheint" von Heather Petty


Titel: My Dear Sherlock - Nichts ist, wie es scheint
Autor: Heather Petty
Verlag: cbj
Preis: 14,99€
Seiten: 336

Ich bin ein ernstzunehmender Suchti, wenn es um Sherlock Holmes geht. Ich liebe die originalen Geschichten, mag die Verfilmungen, liebe die Serie und lese viele Adaptionen. Umso erstaunter war ich, dass ich von „My Dear Sherlock“ von Heather Petty zuerst gar nichts gehört hatte. Erst als ich „Nichts ist, wie es scheint“ in einem Buchladen entdeckte, hatte das Buch meine Aufmerksamkeit. Obwohl es ein zweiter Teil ist, musste ich ihn lesen. Und ich war sehr froh, dass es möglich ist, ohne dass man den Vorgänger kennt. Für mich ist dieses Buch eine gelungene Adaption des Holmes-Stoffes, die zwar abgewandelt ist und dessen Zentrum verlagert wird, aber gerade das macht das Buch so spannend. Für mich absolut gelungen!

Klappentext


Sherlock und Mori haben ihren ersten Fall gelöst, doch was erst als Spiel gedacht war, wurde zu einer ernsten und für Mori sehr persönlichen Angelegenheit. Nun erhält Mori anonyme Drohbriefe und die Liste möglicher Verdächtiger ist lang. Jemand hat Mori zur Zielscheibe gemacht, es scheint nur eine Frage der Zeit, bevor die Katastrophe hereinbricht. Fest steht aber auch, dass Mori alles tun wird, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Und niemand – nicht einmal Sherlock – wird sie davon abhalten können.

Meinung


Wie ich bereits erwähnte, habe ich den ersten Teil nicht gelesen. Es ist nicht so, als wenn Teil eins abgeschlossen ist und man in Teil zwei eine neue Geschichte bekommt. Doch die Autorin macht es gut, dass man als Leser das Geschehen gut nachvollziehen kann. Ich habe die Geschichte, die sich zuvor ereignet hat, schnell verstanden und war in der Story drin. Ich habe mir zwischenzeitlich zwar gewünscht, auch den ersten Band gelesen zu haben, aber das hatte nicht so viel mit den Morden und der Handlung zu tun. Denn eigentlich war ich einfach nur neugierig, wie Lock und Mori sich anfangs angenähert haben. Denn eins begreift der Leser sofort: Die Verbindung zwischen den beiden Figuren ist etwas Besonderes. Ich sprach von einer abgwandelten Adaption und ich denke es liegt auf der Hand, was ich damit meine. Es geht hier nicht um Holmes und Watson. Im Zentrum steht der eigentliche Todfeind Moriarty – oder kurz: Mori. Natürlich ist Mori ein Mädchen, ein süßes noch dazu. Sherlock, der liebevoll Lock genannt wird, ist in sie verliebt. Watson – ja, wo ist eigentlich Watson? – spielt quasi keine Rolle. Viele Fans nehmen das der Autorin übel. Ich hingegen finde es sogar ziemlich gut. Nur weil man einen Stoff adaptiert, heißt das ja nicht, dass man alle Hanldungsmuster übernehmen muss. Die Liebesgeschichte, die zum Verzweifeln tragisch ist, war für mich das Highlight. Lock ist so ein querdenkender und mysteriöser Charakter, wie man es erwartet. Und dennoch ist er so liebevoll und herzlich. Für mich war er der absolute Held des Geschehens. Er versucht immer als Moris Retter dazustehen und gibt alles für sie. Natürlich zeigen die beiden sich aber eigentlich nie, was sie wirklich fühlen. Zu viele Intrigen, zu viele Feinde, zu viele Geheimnisse. Man weiß nie genau, was man denken soll oder wem man trauen kann. Aber genau das suggeriert ja auch der Titel. 
Die Ausgangslage ist klar. Moris Vater sitzt im Gefängnis, da er als Serienmörder festgenommen wurde. Er hat sogar versucht Mori zu töten. Doch es gibt Zweifel. Und obwohl Mori weiß, dass ihr Vater die Morde begangen hat, versucht jemand, ihr selbst die Taten in die Schuhe zu schieben. Da hilft es auch nicht, dass ihr Vater eigentlich Polizist war und viele Freunde innerhalb der Polizei hat. Jemand droht Mori und sie und Sherlock müssen herausfinden, wer das ist. Und dann geschehen weitere Morde. Die Lage ist nicht leicht zu durchschauen, aber die beiden Protagonisten führen den Leser gekonnt durch das Buch. Ich sagte bereits, dass Lock hier mein Favorit ist. Mori ist allerdings auch gut getroffen. Ihr Charakter ist sehr interessant, da sie viel an sich selbst zweifelt und das grundsätzlich Böse in sich spürt. Dabei will sie lediglich ihre drei kleinen Brüder vor ihrem Vater beschützen. Sie opfert sich auf und trifft deswegen nicht immer die richtigen Entscheidungen. Manchmal ist man von ihrer selbstzerstörerischen Ader sogar genervt. Aber im gesamten Handlungsplot macht genau das Sinn und daher gefiel es mir gut. Ihre drei kleinen Brüder sind herzerwärmend und sie ist eine tolle große Schwester. Ihre Tante Alice, die eigentlich keine Tante ist, ist ebenfalls interessant, wenn auch zwielichtig. Nach und nach erfährt man mehr über die Tätigkeiten von Moris Eltern – und die waren wohl nie ganz legal. Kein Wunder also, dass sie sich für böse hält. 
Ich bin mir sicher, dass wenn man Teil eins kennt, Teil zwei noch besser ist. Das Buch hat viel Spannung, die nicht ganz typisch konstruiert wird. Die kleinen Momente zwischen Mori und Lock heitern alles etwas auf. Man hat Spaß mit dem Buch. Der Stil ist angenehm und humorvoll, an den richtigen Stellen aber ernst und dramatisch. Mir persönlich hat das Ende nicht so gut gefallen, da es plötzlich doch sehr kompliziert wird und man Probleme haben kann, die verschiedenen Personen den Taten zuzuordnen. Man muss also mit viel Aufmerksamkeit lesen, um alles genau zu verstehen. Das Ende ist eine Art Cliffhänger, der gelungen ist. Ich möchte gern wissen, wie es weitergeht. Aber ich habe mir auch fest vorgenommen, zuerst den ersten Teil zu lesen.

Fazit


Für mich ist „My Dear Sherlock – Nichts ist, wie es scheint“ ein solides Buch, voller Spannung, Nervenkitzel und Emotionen. Die neue Konstruktion des Holmes-Stoffes gefiel mir sehr gut. Und auch, wenn es stärkere Holmes-Geschichten gibt, lernt man hier einen neuen Blickwinkel kennen. Die Beziehung zwischen Mori und Lock ist wahnsinnig toll und bildet für mich das Highlight des Buches. Es geht nicht nur um die Aufklärung eines bestimmten Falles, sondern auch viel um die Abgründe des Menschen im Generellen. Ich habe das Buch gern gelesen und kann diese Reihe Detektivfans auf jeden Fall empfehlen. Ich vergebe 4 von 5 Spitzenschuhen für einen außergewöhnlichen Sherlock und seinen zauberhaften Gefühlen für Moriarty. 




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