20. Februar 2017

Rezension: "Young Sherlock Holmes - Eiskalter Tod" von Andrew Lane


Titel: Young Sherlock Holmes - Eiskalter Tod
Autor: Andrew Lane
Verlag: Fischer Taschenbuch
Preis: 9,99€
Seiten: 352


Schon oft bin ich im Buchladen an der „Young Sherlock Holmes“- Reihe vorbei gegangen. Immer mal ein kleiner Flirt, aber zum Kauf hatte es bisher nicht gereicht. Doch dann kam der Tag, an dem ich an einem Mängelexemplar nicht vorbeigehen konnte. Obwohl es sich um den dritten Teil „Eiskalter Tod“ handelte, dachte ich mir, steige ich mal in die Reihe ein. Es war eine interessante Reise in die mögliche Vergangenheit der großartigen Figur Sherlock Holmes, die sich zwischenzeitlich aber auch in die Länge zog.

Klappentext


London, 1868 – Der junge Sherlock Holmes ist einer hinterhältigen Verschwörung auf der Spur. Sein Bruder Mycroft steht unter Mordverdacht und die Beweislage scheint eindeutig: Mycroft wurde mit der Leiche in einem verschlossenen Raum gefunden, ein blutiges Messer in der Hand. Nur Sherlock glaubt an die Unschuld seines Bruders. Doch kann er sie auch beweisen ... und Mycroft vor dem Galgen bewahren?

Meinung


Ich habe einfach eine Vorliebe für den britischen Detektiv, der eigentlich in jeder Lage mit seinem Genie glänzen kann. Kein Wunder also, dass ich auch der Reihe von Andrew Lane eine Chance gebe. Meine Erwartungen waren nicht unbedingt gering und deshalb fiel mir der Einstieg ins Buch auch schwer. Da ich die beiden Vorgänger nicht kenne, wusste ich nicht bei allem, was erwähnt wird, Bescheid. Aber sonderlich problematisch war das nicht. Ich hatte zwar erwartet, dass die Abenteuer noch einen Tick eigenständiger dastehen, aber man findet auch ohne Vorwissen in die Geschichte. Tatsächlich dauert es ein wenig, bis sie beginnt. Und dann hat man das Gefühl, als wenn der Großteil vor Mitte des Buches schon erzählt sei. Das ist natürlich nicht der Fall, aber der angekündigte Mord, der Mycroft Holmes in die Schuhe geschoben werden soll, ist relativ schnell geklärt. Es gefiel mir nicht so gut, dass dadurch der Fokus der Geschichte unklar wird. Was passiert denn dann noch? Es beginnt eine weitere Reise, die die Protagonisten sogar nach Russland führt und die Geschichte entwickelt sich weiter. Dennoch war nicht jede Entwicklung für den Leser nachvollziehbar und arg verkompliziert. Was ich allerdings sagen muss, ist dass die letzten 50 Seiten mit viel Spannung aufwarten. Am Ende habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Art des Aufklärens. Zwar gefiel es mir nicht, dass der erste Mord so schnell aufgeklärt wurde, andererseits gefiel mir die Methode. Sherlock verbringt die erste Hälfte des Buches mit Mr. Crowe, eine Art Hauslehrer und gleichermaßen Spion. Er bringt Sherlock von Anfang an sehr viel im Wesen der Deduktion bei und hier kann man den Schliff zur späteren Persönlichkeit von Holmes erkennen. Der Autor streut gekonnt kleine Details ein, wie Sherlock Holmes bestimmte Sachen gelernt haben könnte. Ich finde die Vorstellung des jungen Sherlocks sogar ziemlich gelungen. Man musste ihn quasi ein bisschen zu seinem Glück zwingen und ermutigen, bevor er zu dem Genie wird, das er später ist. Das hatte ich so nicht erwartet, macht die Geschichte aber realer. Mir gefielen die Lehrstunden sehr gut und Crowe und Sherlock waren in der ersten Hälfte des Buches ein tolles Team. Mycroft ist ein spezieller Charakter, bei dem man sich nie sicher sein kann, ob man ihn nun mag oder nicht. Auch Sherlock ist sich in dieser Frage später ja nie ganz sicher. Er ist es, der im zweiten Teil eine große Rolle spielt. Die Beziehung unter den Brüder ist interessant. Vor allem wird deutlich, wie kindlich Sherlock zu dieser Zeit noch ist. Die Verlagerung des Handlungsorts gefiel mir gut, denn selten bewege ich mich im russischen Raum. Warum die beiden allerdings nach Moskau fuhren, konnte ich nicht ganz verstehen. Die Gründe waren schon sehr inszeniert und ein wenig unglaubwürdig. Nichtsdestotrotz ist die endgültige Auflösung wirklich gelungen und das Buch hat ein packendes Finale.
Gestört hat mich aber auch noch etwas – der ausholende Stil. Es gibt einige Kapitel, die von Fluchten oder ähnlichem handeln und die in der gegebenen Länge absolut unnötig sind. Ungewöhnlich oft muss Sherlock irgendwelchen Situationen entkommen und die Beschreibung dieser Vorhaben war mir einfach zu lang und auch zu langweilig. Ansonsten ist der Stil des Autors gut, wenn auch nicht mein persönlicher Fall. Die Geschichte wird authentisch erzählt und historisch passt sich das meiste an. Die erwähnten Längen verlangsamen allerdings das Lesevergnügen.

Fazit




Meine hohen Erwartungen an den jungen Sherlock wurden nicht gänzlich erfüllt, aber ich bin dennoch zufrieden. Die Figuren selbst sind sehr authentisch und bereiten dem Leser Freude. Der Prozess des Erlernens der Deduktion war für mich sehr spannend und vom Autoren gut eingefangen. Lediglich die Erzähllängen sind nicht von Nöten. Sherlock Holmes glänzt allerdings wieder als Held in einer Geschichte, auch wenn er hier noch nicht so perfekt und arrogant ist, wie er später sein wird. Anfangs kam ich schwer ins Buch, aber besonders das Ende konnte mich packen und so vergebe ich 3,5 Spitzenschuhe.



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