29. Juni 2017

Rezension: "So weit uns Träume tragen" von Christiane Lind




Titel: So weit uns Träume tragen
Autor: Christiane Lind
Verlag: Selfpublished
Preis: 1,99€
Seiten: 364

Die Titanic und ihr Untergang sind Themen, die mich seit meiner Kindheit faszinieren. Mein Vater hatte ein Faible für das berühmte Schiff und in unserer Vitrine stand immer ein Nachbau des Luxusdampfers. Jeder hat schon einmal etwas von der Titanic gehört. Kaum jemand kennt nicht den berühmten Film von 1997. Und obwohl das Thema bekannt, ja fast schon ausgereizt ist, gibt es noch immer viele Adaptionen. Meiner Meinung nach zurecht, denn dieses grauenhafte Schicksal der über 1500 Opfer kann wohl nie so ganz begriffen werden. Eine dieser Adaptionen ist das Buch „So weit uns Träume tragen“ von Christiane Lind, welches zuvor unter dem Titel „Weiße Rosen und die Titanic“ erschien. Der neue Titel ist gelungen, wenn man mich fragt. Die Geschichte ist allerdings zu großen Teilen eher eintönig, obwohl sich um viele Genrewechsel bemüht wird. Erst das Ende watet mit puren Emotionen auf, die niemanden kaltlassen. Aber wie sollte es bei dem bekannten Ende, das die Titanic nahm, auch anders sein? „So weit uns Träume tragen“ ist ganz nett, es blieb dennoch hinter meinen Erwartungen zurück.


Klappentext


Frühjahr 1912: Die Schauspielerin Paula hat ihr Erbe ausgeschlagen, um auf der Bühne zu stehen. Gemeinsam mit der Kostümbildnerin Luise erobert sie die Berliner Theaterwelt im Sturm. Doch von einem Tag auf den anderen stehen die Freundinnen vor dem Nichts. 
Als ein Verehrer ihnen ein Erste-Klasse-Ticket für die Titanic schenkt, ergreifen die jungen Frauen mutig die Chance auf ein neues Leben. An Bord des eleganten Luxusdampfers lernt Luise den schüchternen Steward Leonard kennen und lieben, während der geheimnisvolle Ferdinand von Fahlbusch großes Interesse an Paula zeigt.
Wird es ihm gelingen, ihr Herz zu erobern?
Ist Paula bereit, ihre Träume über Bord zu werfen?


Meinung



Wie man schon erahnen kann, wird versucht dem Leser hier einen vielfältigen Themenmix zu bieten. Im Grunde geht es um zwei Frauen, die seit ihrer Kindheit befreundet sind und alles im Leben gemeinsam angehen. Somit ist das Thema Freundschaft das präsenteste im Buch. Paula und Luisa sind ein nettes Gespann, das sich aufeinander verlassen kann. Sie stehen alles gemeinsam durch. Luise ist dabei die bescheidenere der beiden. Als Kostümbildnerin ist sie sehr begabt, doch im Mittelpunkt steht immer Paula, die außerdem von adeliger Abstammung ist. Ich mochte Luise weitaus lieber als Paula. Obwohl sie ein sehr lebhafter und auch guter Charakter ist, war sie mir manchmal zu perfekt. Gerade das soll sicher vermieden werden, aber mich konnte Paulas Charakter nicht für sich gewinnen. Insgesamt leidet ihre Figur unter der Handlungskonstellation. Ich persönlich empfand die gesamte Geschichte zu konzipiert, zu stark durchgeplant mit zu vielen Zufällen, die letztendlich zum Ausgang des Ganzen führen. Das ganze Theater um die Reise mit der Titanic ist dabei nur der Anfang und das hängt stark mit Ferdinand von Fahlbusch zusammen. Seine Figur ist natürlich nicht zu mögen. Seine Geschichte ist schnell erraten und dieser verrückte Mann soll wohl für das Thrill-Element in der Geschichte sorgen. Verrat und Vergangenheit sind Themen, die gleichzeitig auf den Plan treten. Der gesamte Handlungsstrang um Ferdinand hat mich genervt. Es war übertrieben und somit wenig authentisch. Natürlich ist der Mann größenwahnsinnig, aber etwas weniger Drama hätte ich mir hier gewünscht. Ein weiteres Thema ist die Liebe. Dieses zarte Pflänzchen, das sich zwischen Luise und Leonard entwickelt, hat mir gut gefallen. Natürlich hatten die beiden äußerste wenig Zeit, sich ineinander zu verlieben, aber das kann auf der Titanic schon mal vorkommen. Der Themenmix aus Liebe, Hoffnung, Thrill und Verrat, kam für mich nicht ganz logisch zusammen.
Sehr positiv ist aber der gesamte Titanic-Kontext, bzw. die Titanic als Handlungsort. Als Leser weiß man von Beginn an mehr als die Figuren des Buches. Die Ereignisse sind historisch ziemlich genau geschildert. Natürlich ist der Autorin ein Rahmen an Fiktion erlaubt. Damals gab es schließlich auch genügend Gerüchte und Spekulationen, die im Buch gut verarbeitet werden. All das hat mir gut gefallen. Der Höhepunkt des Buches ist natürlich der Untergang der Titanic. Bis dahin musste ich mich zum Teil durchs Buch zwingen, doch diese Kapitel, haben mich unglaublich mitgenommen. Ich musste meine Tränen trocknen, als Menschen lieber zusammen sterben als alleine leben wollten. In diesen Szenen hat Lind wahres Können bewiesen und spielt mit den Emotionen des Lesers. Wirklich schade, dass der Rest mich nicht so überzeugen konnte. Auch das Ende des Buches war mir ein bisschen zu kitschig. Im Grunde ist der Schreibstil flüssig, die Kapitel sind kurz, manchmal war mir Paulas Sicht deutlich zu subjektiv.

Fazit




Ein großartiger Handlungsort und wirklich gelungene Schlusskapitel machen aus „So weit uns Träume tragen“ durchaus ein lesenswertes Buch. Leider ist die gesamte Handlung etwas zu sehr gewollt und konstruiert. Die Charaktere sind in Ordnung, der Genremix gelingt leider nicht. Insgesamt vergebe ich 3,5 Spitzenschuhe. Das Buch frischte meine Titanic-Faszination in jedem Fall wieder auf, eine interessantere Handlung hätte ich mir aber gewünscht.



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