24. Juli 2017

Rezension [Hörbuch]: "Star Wars - Episode III: Die Rache der Sith" von Matthew Stover


Titel: Star Wars - Episode III: Die Rache der Sith
Autor: Matthew Stover
Sprecher: Philipp Moog
Verlag: Randomhouse Audioz
Preis: 14,99€
Dauer: 14h
Seiten Original: 449

Ich liebe „Star Wars“ (und ich weiß nicht, wie viele Rezensionen ich schon mit diesem Satz angefangen habe). Mein Herz gehörte immer den Episoden I und II, weil ich Padmé bewundere, ganz vernarrt in Anakin bin und Obi Wan mich fasziniert. Ich liebe die Effekte der Filme, das Konzept, die Figuren. Umso grausamer empfinde ich „Episode III: Die Rache der Sith“. Denn obwohl man weiß, wie die Geschichte ausgehen muss, blutet mir jedes Mal das Herz, wenn ich an den Wandel von Anakin Skywalker zu Darth Vader denke. All der Krieg, all die Dunkelheit und Zerstörung – ja, die Vernichtung der Jedi. Die Geschichte ist einfach furchtbar, aber sie gehört dazu, sie muss so ablaufen. Beim Film breche ich jedes Mal nach spätestens einer Stunde in Tränen aus und diese versiegen nicht mehr. Nachdem ich die Hörbücher zu Episode I und II gehört hatte, überlegte ich lang, ob ich mich auch der verhassten Episode III zuwenden sollte. Ich konnte nicht anders. 
Meine Erwartungen waren gering, da ich den Film so schrecklich finde. Würde ich es aushalten, 14 Stunden lang zu hören, wie Anakin sich der dunklen Seite der Macht zuwendet und damit alles zerstört – ohne zu weinen?! Ich hielt es aus. Denn das Hörbuch ist wie auch die ersten beiden absolut gelungen! Der Sprecher Philipp Moog, der den Charakter Obi-Wan auch synchronisiert, ist unglaublich überzeugend und haucht der Geschichte Leben und Emotionen ein! Ich habe nicht geweint, aber gelitten. Leider ist der Stil des Autors etwas ruppig, aber Moog macht das alles wett und deswegen wird „Die Rache der Sith“ ein unwiderstehliches Star Wars Abenteuer!

Die Dunkle Seite wird stärker, überall in der Galaxis herrscht Krieg. Während der Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi auf den Planeten Utapau reist, um den berüchtigten General Grievous zu töten, fürchtet Anakin um das Leben seiner geheimen Liebe Senatorin Padmé Amidala. Er wird von fürchterlichen Visionen gequält, in denen Padmé stirbt. Um sie zu retten, begibt er sich auf einen gefährlichen Pfad und bestimmt damit sein Schicksal und das des altehrwürdigen Ordens der Jedi. Darth Sidious erkennt Anakins Schwäche und schafft einen neuen Sith Lord, größer und mächtiger als alle vor ihm: Darth Vader.

Greift ihr zu diesem Hörbuch, muss euch bewusst sein, dass es eine epische Länge besitzt. Vierzehn Stunden empfinde ich als enorm! Sicher, der Film ist auch nicht gerade kurz, aber die Dauer des Hörbuches lässt schon vermuten, dass manche Stellen etwas gezogen sind. Das trifft aber nur in Teilen zu. Zu keinem Zeitpunkt empfand ich das Hörbuch als langweilig, manchmal aber doch als etwas in die Länge gezogen. Außerdem ist die Verteilung etwas merkwürdig. Es dauert ewig - mehrere Stunden – bis Anakin und Obi Wan nach Coruscant zurückkehren, nachdem sie Count Doku eliminiert haben. Dieser erste Kampf ist episch und wird bis ins kleinste Detail geschildert. Aber genau hier beginnt eben auch Anakins Weg zur dunklen Seite der Macht und deswegen ist er so wichtig und auch ausführlich geschildert. Es wird viel Zeit auf die Entwicklung der Charaktere verwendet. Man gewinnt eine unglaubliche Innensicht der Figuren und wird Teil ihres Gefühlschaos. Hört man sich das Hörbuch an, versteht man die Entwicklungen dieser Geschichte, auch des Films, so viel besser! Man kann die Entscheidungen verstehen, man erkennt die Logik der Handlung.
Dennoch hat es mich überrascht, dass das Ende relativ abgekürzt ist. Nicht einmal das letzte Drittel des Hörbuchs agiert nicht mehr Anakin, sondern Darth Vader. Das ist ein Wechsel, den ich als überaus positiv hervorheben muss. Ich dachte, ich komme mit diesem Wandel nicht zurecht. Aber Matthew Stover, der Autor des Buches, schafft es gut, Anakin Skywalker auszulöschen und an seine Stelle eine völlig andere Figur zu setzen – Darth Vader. Diese beiden Figuren haben nichts mehr gemein und das erleichtert dem Hörer das Verstehen, aber auch diese Entwicklung. Insgesamt muss man aber sagen, dass der Schreibstil von Stover etwas eigen ist. Sehr oft, vor allem zu Beginn, werden Kapitel eingeleitete mit „Dies ist….“ und dann „Anakin Skywalker, Obi Wan Keboni, Padmé Amidala" oder sonst jemand. Dann wird eine Art Innensicht präsentiert, die zwar verdeutlicht, wie sich der Charakter fühlt, der in einer Art Hörfluss aber deplatziert wirkt. Der Schreibstil gefiel mir nicht so gut, obwohl viele Kampfszenen toll geschildert sind und auch die romantischen Szenen zwischen Anakin und Padmé gut geschrieben sind. Wer aber wirklich für die hervorgerufenen Emotionen verantwortlich ist, ist der Sprecher Philipp Moog. Er ist wahnsinnig gut und hat sich über die ersten beiden Hörbücher wirklich noch einmal entwickelt. Seine Stimme trägt die Handlung, vertont sie authentisch und schenkt ihr Lebendigkeit. Sein Ton ist immer angenehm, sein Tempo angemessen, seine Betonung absolut genial. So spricht er zum Beispiel Dark Sidious so düster wie es sich gehört, Meister Yoda humorvoll und gerecht und auch General Grievous ist toll interpretiert. Selbst an Padmé hat er gearbeitet. Dass er Obi Wan Kenobi noch mit Abstand am besten spricht, ist keine Frage, denn für diese Figur scheint er ein besonderes Gespür zu haben. Aber auch jeder andere Charakter ist einfach toll dargestellt. 
Hört man das Hörbuch, kennt man im Normalfall die Geschichte. Daher ist es auch nicht stark zu kritisieren, dass Vieles schon schnell vorweggenommen wird. Innerhalb der ersten Szenen ist klar, dass der oberste Kanzler der Sith-Lord ist. Das fand ich etwas schade, nimmt der Handlung aber nicht ihre Spannung. Diese kommt vor allem zum Ende hin. Das Tempo wird noch einmal enorm angezogen und die Spannung steigt. Ich konnte kaum noch aufhören, an die Geschichte zu denken. Denn durch ihre Intensität und auch durch ihre Länge zieht sie den Hörer in eine Art Sog. Man kann der Geschichte nicht entkommen, man ist Teil dieses Universums. Deswegen denkt man auch oft „Nein! Tu das nicht!“, oder auch „Hättest du das jetzt nicht gemacht, hätte alles anders ausgehen können“. Aber natürlich geschieht alles genauso fatal, wie es sein muss, damit das Imperium entstehen kann.
Die Charaktere sind einfach großartig! Allen voran Obi Wan, der neben Anakin die wichtigste Figur ist. Die Beziehung der beiden Freunde wird so wunderbar gezeichnet, so verständlich dargestellt. Man gewinnt ein völlig neues Gefühl für die beiden Charaktere und das habe ich sehr genossen. Außerdem ist der Umgang unter den beiden wirklich humorvoll. Ich musste des Öfteren über Obi Wan schmunzeln und wünschte mir, meine Weltsicht wäre der seinen etwas ähnlicher. Auch die anderen Charaktere gefielen mir gut. Anakin ist ein herzensguter Jedi, doch er handelt nach den falschen Idealen und lässt sich meisterhaft manipulieren. Diese Manipulation wird toll aufgezeigt und man hasst Palpatine nur noch mehr. 
Die Szenen sind gut dargestellt, die Kämpfe rasant und spannend. Alles verläuft sehr authentisch und da sich mit den verschiedensten Figuren aus allen Lagern befasst wird, gewinnt man einen gelungenen Gesamteindruck der Lage und kann die Entwicklung verstehen. Großartig!


Obwohl ich Angst vor diesem Hörbuch und seiner Geschichte hatte, bin ich so froh, sie gehört zu haben! Philipp Moog ist wirklich der beste Sprecher für dieses Buch, den man sich nur wünschen kann. Er überzeugt auf allen Ebenen und bereinigt so auch den etwas unschönen Stil des Autors. Die Charaktere sind so lebendig und authentisch dargestellt, die Handlung ist groß, wird aber enger gezogen und gewinnt an Spannung. Freundschaft, Liebe und Verrat sind wichtige Themen der Geschichte. Nach dem Hören kann ich die Geschichte nun viel besser verstehen und besser einordnen. Nie hätte ich es gedacht, aber das Hörbuch ist absolut gelungen. Nur wegen merkwürdiger Formulierungen und Langatmigkeit muss ich einen halben Punkt abziehen und komme zu 4,5 Spitzenschuhen. Und ich muss sagen, dass ich sehr traurig bin, die ersten drei Episoden abgeschlossen zu haben und keine neuen Jedi-Abenteuer, gelesen von Philipp Moog, mehr hören zu können.



23. Juli 2017

Rezension: "Der Vorleser" von Bernhard Schlink


Titel: Der Vorleser
Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes
Preis: 10,00€
Seiten: 207

Ich gehöre zu einem Jahrgang, der um den Roman „Der Vorleser“ während seiner Schulzeit herum kam. Bei mir waren Kleist und Ibsen Programm. Nicht aber Bernhard Schlink. Durch mein Studium bin ich allerdings ein großer Klassiker-Fan und kaufte mir das berühmte Buch deswegen für mein Regal. Ich muss zugeben, dass ich nicht den blassesten Schimmer hatte, was das eigentliche Thema des Buches ist. Ich las es einfach ohne große Erwartungen. Und deshalb bin ich im Nachhinein positiv überrascht. Schlinks Stil war für mich zwar nichts Großartiges, seine Geschichte allerdings wirklich besonders. Sie macht eine 180° Wendung und konnte mich so abholen. Ich erkenne viele Gründe, dieses Buch zur berechtigten Schullektüre zu machen.


Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er … und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.


"Es ist dünn. Es klingt ganz nett. Es passt zu einer Challenge." Das waren meine Gedanken, als ich zu „Der Vorleser“ griff. Ich dachte mir, dass ich das Buch schon fix durchhaben würde. Viel mit dem Inhalt anfangen konnte ich allerdings zuerst nicht. Erst auf Seite 76 wird zum ersten Mal vorgelesen. Ich fragte mich also schon, in welche Richtung Schlink seine sonderbare Geschichte wohl wenden würde. Was passiert bis dahin? Ein 15-Jähriger beginnt für eine ältere Frau zu schwärmen, verliebt sich in sie, ja wird in gewisser Weise abhängig. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, teilen jedes Mal das Bett und dennoch bleibt die Beziehung merkwürdig. Mal ganz abgesehen von dem Umstand, einen 15-Järhigen mit einer Mittdreißigerin als Liebespaar zu betrachten. Es beginnt sich ein Ritual zu entwickeln – Michael beginnt Hannah vorzulesen. Eine romantische Vorstellung. Doch von einem Tag auf den anderen verschwindet Hannah und so bricht Michaels halbes Leben zusammen. Er lebt einfach weiter, entwickelt sich weiter und trifft Hannah eines Tages wieder. In einer Gerichtsverhandlung. 
Achtung Spoiler. 
Ich komme um das Thema nicht herum, wenn ich „Der Vorleser“ wirklich beurteilen möchte: Der Nationalsozialismus. Hannah steht vor Gericht, weil sie Aufseherin in einem Außenlager von Auschwitz war. Erst vor ein paar Wochen habe ich das KZ in Polen besucht. Daher berührte mich das Thema sehr. Und Schlink nahm einen absoluten Plottwist vor. Was mit einer sonderbaren Geschichte beginnt, wird zu einer drastischen Nachkriegserzählung. Wie normal muss es in den 50er und 60er Jahren gewesen sein?! Es ist so wichtig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, was mit den Leuten eigentlich geschah, die aktiv während des NS tätig waren! Nur, weil Hitler gestorben ist und die Nationalsozialisten besiegt wurden, änderte nicht jeder Mensch sein Denken. Wie hätte man das auch von einen auf den anderen Tag verarbeiten sollen?
Was Schlink ganz hervorragend schafft, ist die Authentizität, mit der er seine Charaktere ausstattet. Hannah ist eine interessante Figur. Sie ist sehr stolz und eigensinnig. Sie sieht ihre Fehler nicht und versucht dennoch ein gerechter Mensch zu sein. Sie hat ein großes Geheimnis für das sie sich schämt. Michael kommt hinter dieses Geheimnis und ich fand es so berührend, wie sich die Beziehung der beiden dadurch wandelt. Das Buch ist in drei Teile verfasst. Der dritte Teil berührte mich wirklich sehr. Er zeigt deutlich, was Michael für ein guter Kerl ist und dennoch führt er einem vor Augen, wie sehr dieser Junge in seiner Jugend durch die Beziehung gelitten hat. Es ist nicht die interessante Beziehung zwischen Hannah und Michael oder der Storyturn. Es ist auch nicht die Abnormalität des Geschehens oder die authentischen Beschreibungen des Autors. Es ist sein Talent, dieses schwere Thema zu verpacken, was dieses Buch so bemerkenswert macht. Einen besonderen Draht zur Historizität legen. Der Leser wird in einen Sog gezogen und kann sich die Dinge vorstellen, kann Begriffe füllen und Dinge verarbeiten. Ich finde den gewählten Weg wirklich großartig! 
Da ich selbst Geschichte studiert habe, empfinde ich solche Werke als sehr künstlerisch und ziehe meinen Hut vor Schlink für diese Geschichte. Mit einem Zitat sprach er etwas aus, das ich sofort unterschreiben würde. Ja, womit man sogar jede Geschichtsstunde beschreiben kann:
„Geschichte treiben heißt Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen und beide Ufer beobachten und an beiden tätig werden.“ (S. 172)

Wie ich schon sagte, es ist die Mischung und das gekonnte auf den Punkt-Bringen, das diese Geschichte zu einem so guten Buch macht. Zwischenzeitlich ist das Buch alles andere als spannend, sondern eher befremdlich. Aber auch das ist sicher gewollt. Vor allem zu Beginn plätschert Vieles vor sich hin und es dauert, bis die Geschichte sich aufbaut. Dennoch finde ich das Konzept gelungen. Man hat es mit einer sehr ungewöhnlichen Geschichte zu tun – von Anfang bis Ende. Das Ende machte mich sehr traurig und obwohl es auch tragisch ist, passt es wirklich gut zur Geschichte. Beide Hauptcharaktere sind keine Helden oder Identfikationspersonen. Man beobachtet sie eher aus der Ferne. Aber das genügt. Man beobachtet genug, um etwas für sich selbst und das eigene Verständnis mitzunehmen. Und genau deswegen wird es auch in der Schule gelesen. Ich freue mich darauf, später Klassen mit Hilfe dieser Geschichte zu unterrichten, auch da sie meine beiden Fächer optimal vereint. Danke, Bernhard Schlink.



„Der Vorleser“ wird nie mein Lieblingsbuch sein und dennoch hat es mich fasziniert und gelehrt. Das große Thema, das hinter der Geschichte steht, ist sehr wichtig und die Betrachtung davon ist hier sehr gelungen. Es ist in ein kleines Thema eingebettet und auch dieses kann überzeugen. Ich spreche in Rätseln? Dann löst das Rätsel und lest das Buch selbst. Ich vergebe vier Spitzenschuhe.



21. Juli 2017

Rezension: "Die vierte Braut" von Julianna Grohe


Titel: Die vierte Braut
Autor: Julianna Grohe
Verlag: Drachenmond Verlag
Preis: 14,90€
Seiten: 360

Es gibt Bücher, von denen hört man durchgehend Gutes. Und dadurch steigen die Erwartungen, gleichzeitig wird man aber neugierig auf die Geschichte und schließlich landet das Buch im Regal. So erging es mir bei „Die vierte Braut“, von dem nur geschwärmt wurde. Es ist ein schöner Roman mit einem märchenhaften Thema. Sicher kommt man um den Vergleich zu „Selection“ nicht umhin, aber die Autorin hat eine ganz eigne Geschichte aus einer ähnlichen Idee gemacht – und diese hat mir wirklich gut gefallen! Auch wenn ich die angestrebte Parallele zu Cinderella nicht ganz sehe, ist „Die vierte Braut“ auf jeden Fall ein romantisches und träumerisches Buch, das hält, was es verspricht. Vielleicht nicht so überragend, wie oft geschildert, aber zuckersüß.

Auf Wondringham Castle findet eine riesige Brautschau mit vielen Prüfungen statt. Unzählige junge Damen aus allen Teilen des Landes kommen zum Schloss, um die Gunst eines der vier Prinzen zu erlangen. Aber die junge Gouvernante Mayrin Barnaby, die durch unglückliche Umstände ebenfalls dorthin gerät, will gar keinen Königssohn heiraten, sondern nur schnellstmöglich zurück nach Hause. Dort warten ihre beiden jüngeren Geschwister auf sie, für die sie verantwortlich ist.
Als jedoch der charismatische Hauptmann dafür sorgt, dass Mayrin bleiben kann, beginnt ein aufregendes Abenteuer voller Leidenschaft und Intrigen.


Für mädchenhafte Geschichten oder Adaptionen bin ich immer offen. Deswegen wurde ich auch schon früh auf „Die vierte Braut“ von Julianna Grohe aufmerksam. Aber meine Erwartungen stiegen mit jeder guten Rezension und irgendwann stand das Buch dann eher ohne Leseabsicht im Regal. Durch Zufall fiel es mir wieder in die Hände und ich begann zu lesen. Die Geschichte startet ruhig, nimmt aber schnell an Fahrt und Spannung auf. Insgesamt muss ich sagen, dass ich das Buch als relativ spannend empfunden habe, denn die Autorin hat mich oft überrascht. Anfangs rechnete ich mit einer Geschichte, die leicht voraussehbar sei – aber das änderte sich. Die typische Protagonistin begegnet uns schließlich sofort: unscheinbar, aber auf ihre Art schön, intelligent, mittellos, herzlich, verantwortungsbewusst und mit der Prise vom Besonderen. Natürlich hat sie eine wunderschöne beste Freundin aus gutem Haus und durch diese, Tionne , geschieht das Missverständnis und Mayrin nimmt aus reinem Zufall an der Brautschau teil. Die Konzeption fand ich sehr amüsant, aber auch etwas zu gewollt. Wie ich eingangs erwähnte, musste ich des Öfteren an „Selection“ denken, vor allem zu Beginn. Der einzige offensichtliche Unterschied ist der, dass man um vier, statt nur um einen Prinzen kämpft und die Aufnahme etwas anders abläuft. Das Konzept „Mädchen-aus-Volk-kämpft-um-Gunst-des-Prinzen“ ist hier aber vorzufinden. Und auch hier will die Protagonistin damit eigentlich nichts zu tun haben. Für Mayrin gibt es nichts Wichtigeres als ihre beiden kleinen Geschwister. Diese beiden Figuren sind eine Art Bonus für mich gewesen. Leo und Neela sind einfach zum Knuddeln und ich konnte gut verstehen, dass May die beiden nicht allein zurücklassen wollte. Aber dann taucht ja der gutaussehende Hauptmann auf und sorgt dafür, dass May ihre Geschwister in ihrer Nähe haben kann. Damit wäre dann auch der männliche Protagonist auf den Plan getreten. Ich war durchaus verwirrt. Denn May bemüht sich zwar, kämpft aber eigentlich nicht um die Gunst eines der Prinzen. Ihre Motivation ist Geld. Und daher versucht sie so lange wie möglich im Rennen zu bleiben, um für ihre Geschwister die Zukunft absichern zu können. Diese Motivation mag falsch erscheinen, ist aber doch recht edel. Es gibt also auch einige Werte im Buch zu finden.
Ich mochte May schon, allerdings war sie mir ein zu typischer Charakter. Die sanfte Liebesgeschichte, die zwischen ihr und dem Hauptmann entsteht, ist wirklich süß und romantisch. Aber man bleibt verwirrt – sollte May nicht um einen Prinzen kämpfen?! Es entstehen Missverständnisse, Intrigen, ja aber auch die erwähnte Leidenschaft. Es wird spannend, vor allem zum Ende hin, denn ich wusste wirklich nicht mehr, was ich erwarten konnte. Man kann die Lösung vielleicht erahnen, mit ihren Wendungen haute die Autorin mich allerdings um. Sehr gut! 
Die Liebesgeschichte ist wirklich schön und der Hauptmann ein ehrlicher Typ, der dem Leser schnell gefällt. Die vier Prinzen sind ebenfalls interessante Charaktere, die man nur allmählich zu durchschauen lernt. Tionne ist ein liebes Mädchen, ohne das May wohl nicht so gut klarkommen würde. Und dann wäre da noch die liebe Rose, die mir ebenfalls gut gefiel. Leider verlor ich sehr schnell die Übersicht über die vielen Kandidatinnen, aber die meisten sind auch nicht sehr wichtig. Trotzdem war dieser Umstand schade. Manchmal dümpelt die Geschichte ein bisschen vor sich hin, aber dann kommen tragische Ereignisse und drehen wieder alles. Manchmal ist das etwas sprunghaft, andererseits abwechslungsreich. So gut mir die Geschichte auch gefiel, ein bisschen was fehlte mir doch.
Der Stil von Grohe ist gut und besitzt märchenhafte Elemente, die mit sehr modernen Ansätzen gepaart sind. Das Buch ist sehr viel dicker, als es den Anschein macht. So hat man aber mehr von der Geschichte.




Insgesamt ist „Die vierte Braut“ eine wirklich schöne Geschichte in einem gut ausgearbeiteten Märchensetting. Der Stil von Grohe ist flüssig und angemessen. Die Figuren haben viel zu bieten und die entstehende Liebesgeschichte ist sehr romantisch. Vor allem kann das Buch durch unerwartete Handlungsänderungen überzeugen, was durchgehend für Spannung sorgt. Ich vergebe solide vier Spitzenschuhe für eine überzeugende Geschichte.



20. Juli 2017

Mein SuB kommt zu Wort: Karli #14

Hallo ihr Lieben!


Wir sind pünktlich! Oh ja, man glaubt es kaum :) Aber Karli und ich haben eine Punktlandung gemacht und dürfen euch heute sein Monatsinterview präsentieren! Wuhu! Er steht bereits in den Startlöchern. Aber bevor es losgeht, noch kurz ein paar Worte von mir.




Ich liebe die Aktion "Mein SuB kommt zu Wort" so sehr und bin der lieben Anna mehr als dankbar für ihr Engagement! Schaut bei ihr vorbei und vielleicht darf euer SuB ja demnächst auch mal ein paar Takte sagen. Meinen habe ich liebevoll Karli genannt, da ich ein Anhänger von Namen bin. Meine Beziehung zu Karli war in den letzten Monaten relativ durchwachsen, aber im Moment bin ich glaube ich langsam auf dem Weg der Besserung, was eine gute Hausherrin betrifft. 
Was meinst du, Karli? Wie mache ich mich im Moment? Bist du noch sauer? 
Lass uns starten!



1. Karli, wie groß bist du aktuell?


Ein herzliches Hallo von mir! Ich grüße euch :) Es freut mich, dass ihr an meinem Lieblingstag im Monat wieder zu uns gefunden habt: Mein Interview steht an! Juhu! Wenn ich es könnte, würde ich jetzt in die Luft hüpfen. Aber dann wäre Julias Regalordnung völlig hin und ich will mir nicht wieder Ärger mit ihr einhandeln. Denn, wie sie schon angedeutet hat, läuft es im Moment ganz gut zwischen uns. Endlich wieder! Es gab harte Phasen, oh ja! Und ich habe zwischendurch sogar über einen Bruch nachgedacht. Aber das brachte ich dann doch nicht übers Herz. Und siehe da: Kaum hat man düstere Gedanken, bemüht sich meine schusselige Besitzerin wieder etwas mehr um mich ;) So ist's richtig!
Nachdem ich mich ja schon letzten Monat gefreut habe, von 124 Büchern auf 120 geschrumpft zu sein, habe ich in diesem Monat erneut einen Fortschritt gemacht. Zwar kauft Julia im Moment weniger Bücher, aber Zuwachs habe ich trotzdem immer. Deswegen bin ich stolz auf sie, dass sie trotz Zuwachs meine Zahl auf 117 Bücher verringern konnte! Ihr müsst euch gekreischtes Gejubel an diese Stelle vorstellen. Meine Freude lässt sich über den Bildschirm nur schwer transportieren. Aber sie ist echt! Und ich hoffe, dass Julia in diesem Monat noch einen draufsetzt und mich auf mindestens 115 Bücher bringt. Nächsten Monat möchte ich nämlich wieder von meinen Fortschritten berichten können :) Weiter so! Ich weiß schließlich auch, dass man zum richtigen Zeitpunkt durchaus Anfeuerungen aussprechen darf ;)



2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen - zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel.


Habe ich von meinem Stolz berichtet? Wenn nicht, dann muss ich es an dieser Stelle noch einmal. Wenn doch, dann lasst ihn mich einfach noch einmal kurz anführen. Denn, Trommelwirbel! Julia musste grade wirklich nachdenken, welche drei Bücher denn seit letztem Monat überhaupt neu sind. HA! Wer hätte das gedacht...dass es mal so weit kommen würde. Hach...



Nun gut, ich zeige euch meine drei neusten Schätze sehr gern. Eines der drei Bücher ist sogar nur ein E-Short, das es kostenslos zu haben gab. Bei sowas ist Julia ja immer schnell dabei und daher lud sie "Schicksalsbringer - Fortunas Vermächtnis" ganz fix auf den Reader. Sie hat selbstverständlich die dazugehörige Reihe noch nicht einemal genauer betrachtet, aber das E-Short sah hübsch aus und klang interessant. Tja, so sind wohl die Frauen. Ich erspare mir weitere Kommentare.
Dann wäre da noch ein Spontankauf. Den ersten Teil der "Eden Academny" wollte Julia tatsächlich schon sehr lange haben. Aber es war jetzt auch keines der Bücher, die man super schnell besitzen muss - eher so eine ferne Traumvorstellung. Jedenfalls war Julia in ihrem kleinen Örtchen einen Bummelspaziergang machen und landete in der örtlichen Buchhandlung. Irgendwie war sie in Kauflaune, fand dieses schöne Taschenbuch und nahm es kurzerhand mit...So ist das eben.
Und zu guter Letzt wäre da noch das Hörbuch zum Film "Star Wars Episode III - Die Rache der Sith". Julia hört es gerade während sie puzzelt. Bei einem 6000-Teile Puzzle kann man eben auch eine geraume Zeit zuhören. Das Hörbuch geht 15 Stunden und aktuell ist Julia bei etwas mehr als der Hälfte. Wenn ich das sagen darf, dann hat Julia sich wirklich überwinden müssen, bei diesen CDs auf Play zu drücken. Sie liebt Star Wars. Wir sind beide riesige Fans der Reihe! Aber immer, wenn Teil drei läuft, muss Julia ganz bitter weinen, weil alles so traurig und böse ist. Sie hat den Film wirklich noch nie gesehen, ohne zu weinen. Wie man weiß, geht er keine 3 Stunden. Die Konsequenz, sich das 15-stündige Hörbuch anhören zu wollen, wenn man doch schon in den drei Stunden leidet, ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Aber gut. Ich muss ja nicht in ihren Kopf gucken.
Übrigens gab es noch zwei weitere Neuzugänge, die aber beide schon wieder ausgezogen sind: "Solo für Sophie" und "Schreiben nach Auschwitz" wollte ich trotzdem mal nennen ;)



3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, eine Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Auch wenn ich weiß, dass es regelmäßigen Lesern dieses Blogs bereits zu den Ohren raushängt, möchte ich es trotzdem einmal kurz erwähnen. Schließlich gibt es ein paar Menschen, die nicht jeden Beitrag lesen :D Ich bin nämlich ein bisschen stolz auf Julia. Sie hat im letzten Monat ihre Masterarbeit abgegeben und ist jetzt sogut wie fertig mit der Uni. Das ist nicht nur für sie ein beunruhigender Gedanke. Denn wenn sie im nächsten Jahr fast schon eine richtige Lehrerin sein wird, wird mein Abbau sicher ein wenig ins Wanken kommen. ABER, bis dahin ziehen noch ein paar Tage ins Land - und von denen profitiere ich. Auch im Moment schon. Julia liest derzeit nämlich ziemlich viel. Einfach aus dem Grund, weil sie wenig anderes und wichtiges zu tun hat! Das wird sich spätestens in zwei Wochen wieder ändern, wenn Julia wieder Training geben muss (schließlich sind ja auch noch Sommerferien), aber bis dahin schafft sie schon einiges. Und deswegen verlassen mich grade alle paar Tage Bücher. Was für ein Wahnsinnsgefühl!




Gestern hat mich gerade erst "Der Vorleser" verlassen. Das war ein Spontan-Lesen. Das Buch passte in eine Challenge, ist nicht allzu dick, also los. Aber es hat Julia wirklich überraschen können - mehr als einmal. Auch weil sie so gar keine Ahnung hatte, worum es in dem Buch eigentlich geht. Aber es gefiel ihr! Die Rezension ist noch nicht getiptt, wird aber in den nächsten Tagen noch kommen. Das Buch ruhte übrigens auch so um die sechs Monate bei mir...also schon ein kleiner Senior ;)




4. Lieber Karli, vor einem Jahr fragte ich nach deinen drei ältesten SuB-Leichen: Sind sie immer noch ungelesen oder haben sie es mittlerweile in die Reihe der Gelesenen geschafft?


Oh, das ist mir jetzt wirklich überaus peinlich. Julia und ich fanden diese Frage super spannend und wir zählen auch tatsächlich zu denjenigen, die vor einem Jahr schon mit dabei waren. Also haben wir uns schnell hingesetzt und zum Beitrag aus dem Juli 2016 gescrollt. Also ich persönlich konnte mich an die Frage natürlich noch erinnern. Schließlich ist mein Gedächtnis dem eines Elefanten gleich. Julia hingegen wusste gar nichts mehr davon. Tja...umso schlimmer, was für ein Ergebnis uns erwartete. Die drei genannten "Senioren", wie ich sie lieber nennen möchte ("Leichen" klingt doch irgendwie abwertend, oder nicht?") sind tatsächlich noch alle drei bei mir beheimatet. SCHANDE AUF DEIN HAUPT, JULIA! Sie versteckt sich gerade in einer Ecke des Zimmers - absolut zurecht, wenn ihr mich fragt! Das ist doch wirklich überaus beschämend, dass noch keines der drei Bücher innerhalb eines Jahres gelesen wurde. Ach mann...Das muss sich bessern, du gemeine Besitzerin!
Von welchen drei Senioren rede ich aber denn?
Tja, das erste kann man sich sicher schon denken. Des Öfteren muss ich dieses Buch nennen, wenn es um Vertreter geht, die schon lange bei mir zu Hause sind: Anna Karenina von Lew Tolstoi. Noch schlimmer ist, dass Julia einen lieben Kommentar auf unsere Interview von damals bekam, in dem ihr das Buch wärmstens ans Herz gelegt wurde. Ich gebe ja zu, dass ich auch Respekt vor diesem Werk habe, aber so langsam sollte es gelesen werden. Das war jetzt wohl mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl...
Naja und auch Nummer zwei und drei sind geblieben: Die Eismalerin und Es soll Liebe sein. Wenn ich das richtig beobachtet habe, dann hat Julia beide Bücher nicht einmal bisher in die engere Auswahl gepackt. Auch das ist kein gutes Verhalten, meine Liebe! Du solltest dringend an deinem SuB-Abbau-Verhalten arbeiten und auch mal ältere Bücher miteinbeziehen :P Beide Bücher sind wohl etwas unauffällig...wer weiß. Ich hoffe, dass wenn mir diese Frage in einem Jahr wieder gestellt werden sollte, ich sie anders beantworten kann.

Ach ja...und das war es jetzt schon wieder von mir! Es hat mir heute wieder wirklich sehr viel Spaß gemacht! Im Moment ist einfach alles in geregelten Bahnen und ich hoffe, dass ich mir dieses Hochgefühlt noch ein bisschen erhalten darf. :) Drückt mir die Daumen, dass Julia in ihrer Freizeit weiterhin viel an mich denkt und meine Größe ein wenig herabsetzt ;)
Ich freue mich schon auf den nächsten Monat, wenn ich euch wieder mit ein paar verlorenen Kilos/ Büchern überzeugen darf!
Bis dahin,

euer Karli


Auch ich hatte diesen Monat sehr viel Spaß an diesem Post! Bei so süßen Worten kann ich ja gar nicht anders, als ganz viel an meinen großen, aber süßen Karli zu denken. Vielleicht sollte ich mir aber mal seine Tipps zu Herzen nehmen und endlich Anna Karenina von seinem Stapel erlösen. Was meint ihr? ;)

Was hatten eure SuBs so zu sagen? 


Eure Julia


19. Juli 2017

Rezension: "Nova und Avon - Mein böser, böser Zwilling" von Tanja Voosen


Titel: Nova und Avon - Mein böser, böser Zwilling
Autor: Tanja Voosen
Verlag: Carlsen
Preis: 11,99€
Seiten: 304

„Tanja Voosen“ ist kein unbekannter Name in der Bloggerszene. Auch nicht in der Autorenszene. Tatsächlich ist ihr Blog einer der ersten, denen ich gefolgt bin und auf meinem Kindle befindet sich das ein oder andere Buch von ihr. Dennoch hatte ich bisher noch nichts von Tanja Voosen gelesen. Auf der LBM stellte sie aber ihr Buch „Nova und Avon – Mein böser, böser Zwilling“ vor, das ein wenig anders ist, als ihre anderen Bücher. Es handelt sich um den ersten Teil einer Kinderbuchreihe, die ein zauberhaftes Cover ziert. Tanja Voosen stellte das Buch so herzerwärmend vor, dass ich nicht widerstehen konnte. Obwohl es sich nicht um mein absolutes Lieblingsgenre handelt, wurde „Nova und Avon“ mein erstes Buch der Autorin. Und ich fand es einfach nur zuckersüß! Perfekt für junge Mädchen! Hätte ich eine Tochter, ich würde ihr diese magische Geschichte sofort in die Hand drücken.


Klappentext


Hier ist NOVA: unscheinbar, schüchtern, tollpatschig. Dort ist ein böser Fluch. Und auf einmal gibt es AVON: intrigant, zuckersüß und verflucht gefährlich ...
Nova ist sprachlos. Sie glaubt nicht an Magie. Doch seit sie auf dem Jahrmarkt von einer Wahrsagerin verhext wurde, ist da plötzlich diese Doppelgängerin: Avon. Eine hinterhältige Nova-Kopie, die sich bei Novas Eltern einschleimt, die dem süßesten Typen der Schule peinliche Sachen sagt und Novas Wellensittich ärgert. Schnell wird klar: Nova muss ihren bösen Zwilling wieder loswerden. Sie muss mutig sein und über ihren Schatten springen. Vor allem aber braucht sie eine gute Freundin – am besten mit magischen Fähigkeiten. Denn gegen so viel schwarze Magie hilft nur eines: noch mehr Magie ...


Meinung


Natürlich gibt es bei Kinderbüchern Unterschiede zu Büchern aus anderen Genres. Es wäre auch fatal, wenn dies nicht der Fall wäre. Die Handlung ist schlichter, ein paar mehr Stereotypen können bedient werden und natürlich ist der Stil simpler, die Sätze kürzer und so weiter. All dieser Dinge war ich mir vor dem Lesen von „Nova und Avon“ bewusst und sie sind auch deutlich zu erkennen. Aber für mich hat Tanja Voosen den Genrewechsel einfach perfekt gemeistert! Beim Lesen habe ich mich wieder wie eine 12-Jährige gefühlt, die in ihrer Lieblingsreihe liest. Für mich hat Voosen hier ein großartiges Konzept erschaffen.
Nova ist eine Figur zum Identifizieren, denn sie ist tollpatschig, in den coolsten Jungen der Schule verliebt und auch ein klein bisschen nerdig. Andererseits ist ihr gesamtes Leben völlig überspitzt. Sie hat keine richtige Freundin und ihre Eltern sind mehr als oberpeinlich. Beide führen auch noch Berufe aus, in denen sie quasi magische Phänomene beweisen wollen und deswegen hält jeder Nova für die Tochter von Spinnern. Auch Nova glaubt ja so gar nicht an Magie, aber dann bestiehlt sie eine Wahrsagerin und das Unglück nimmt seinen Lauf. 
Tatsächlich taucht die zweite Titelheldin "Avon" erst relativ spät, zur Mitte des Buches hin, auf. Aber bis dahin ist es keinesfalls langweilig. Und nachdem Avon auf der Bildfläche aufgetaucht ist, erst recht nicht mehr. Mir gefiel die gesamte Geschichte wirklich unglaublich gut. Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt stehen ganz klar im Fokus. Aber auch Themen wie Familie oder die erste Liebe stehen im Raum. Und natürlich die Magie. Der magische, oder auch phantastische Anteil der Geschichte passt wunderbar zum Buch. So ein bisschen darf doch jedes Mädchen an Magie glauben, oder? In Rahmen der Geschichte verhält sich die Handlung logisch und ist zielstrebig. Sehr typisch für ein Kinderbuch und vielleicht gerade deswegen so gut. Die einzigen Nebenhandlungen betreffen Novas Schwarm Fitz und ihre Eltern. Beide Nebenhandlungen gefielen mir wirklich gut!
Die Figuren sind überaus gut gelungen. Wie ich schon sagte, ist Nova eine Figur, mit der man sich identifizieren kann. Zumindest als Mädchen. Wir waren schließlich alle einmal in diesen peinlichen Schulsituationen. Und jeder von uns weiß, wie wichtig dann Freunde sind. Womit wir bei meinem Lieblingscharakter wären: Fee. Ich habe tatsächlich im wahren Leben eine Freundin, mit genau diesem Namen, nur ist er bei meiner Freundin nicht mal ein Spitzname. Das war für mich von Anfang an ein gutes Zeichen. Fee ist die verrückte, etwas verdrehte, aber so liebenswürdige Freundin, die Nova unbedingt gebraucht hat. Mit ihr kommt sehr viel Humor ins Buch (, Nova ist in ihrer Art zu erzählen allerdings auch wirklich amüsant). Fee ist lustig, ohne es zu wissen und ließ mies des Öfteren schmunzeln. Schon ihre Vorstellung, war ein Wahnsinns-erster-Auftritt! Nova und Fee begegnen sich zum ersten Mal in einer Bibliothek:
„Ach so, ich hab mich noch gar nicht vorgestellt.“ Fee verbeugte sich dramatisch. „Ich bin Felicitas von Feetastisch und Expertin für Magie jeder Art. Und für alles Übernatürliche. Außerdem bin ich ganz gut darin Rätsel zu knacken, und ich kann ziemlich beeindruckende Regentänze – willst du mal sehen?“ Nova packte sie am Arm. „Lieber nicht.“ „Ja, du hast Recht. Die armen Bücher.“
Oh ja, was würden die Bücher nur machen, wenn es in der Bibliothek plötzlich regnen würde? Denn dass Fee gut im Umgang mit der Magie ist, ist sonnenklar. Gemeinsam mit ihr begibt Nova schließt Nova nicht nur eine tolle und tiefe Freundschaft, gemeinsam machen sie sich auch daran die fiese Avon zu besiegen. Denn die ist der absolute Albtraum. Sie ist quasi alles Schlechte, was es an Nova gibt, nur noch hundertmal schlimmer und peinlicher. Man leidet regelrecht mit Nova mit.
Auch, weil sie natürlich die Oberzicke der Schule zur Feindin hat. Hach, ich erinnere mich auch noch gut an diese Statuszeiten in der Schule. Demnach ist das Buch also gar nicht so unrealistisch.
Nova ist die Erzählerin der Geschichte und das passt gut zu ihr. Voosens Schreibstil gefiel mir wirklich gut und ich schlitterte in so kurzer Zeit durchs Buch, dass es erschreckend ist. Das Schreibstil ist bildreich, flüssig und kindgerecht.


Fazit



Ich habe Novas Reise so gern verfolgt! Das Buch hat einfach alles, was es braucht und ein tolles Kinderbuch zu sein. Die Themen sind altersgerecht und aufregend, die Geschichte spannend und der magische Anteil macht die Sache noch besser. Außerdem sind die Charaktere einfach traumhaft, jeder auf seine ganz eigene Art. Am Ende musste ich mich wahrlich fragen, wie ich das Buch bewerten soll. Denn natürlich hat es nicht die Klasse von Weltliteratur, oder käme an meine Lieblingsbücher heran. Aber dann fragte ich mich, was an dem Buch hätte anders sein sollen und kam zu dem Schluss: Nichts! Denn das Buch ist perfekt so, wie es ist. Und deswegen vergebe ich 5 Spitzenschuhe.




18. Juli 2017

[Wissenswert]: Jane Austens 200. Todestag


Hallo ihr Lieben!


Als ich heute Morgen meine Regionalzeitung aufschlug, stutze ich kurz. Denn von der Titelseite traf mich der Blick von Keira Knightley als Elizabteh Bennet. Es war tatsächlich ein Bild aus der Verfilmung "Stolz und Vorurteil" von 2005 - einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Denn, was ich nicht wusste: Heute ist der 200. Todestag der wunderbaren Jane Austen. Und deswegen empfand ich es als richtig, dieser Dame heute auch auf meinem Blog ein kleines Tribut zu zollen.


Jeder, der sich für Bücher interessiert, kennt den Namen Jane Austen. Und auch, wenn man eigentlich lieber Filme mag, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass man ihrem Namen mal begegnete. Am 18. Juli 1817 verstarb die Autorin im Alter von 41 Jahren. Nie verheiratet und auch seit dem 11. Geburtstag kein Schulunterricht mehr - und dennoch wohl eine der gebildetsten Frauen des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Ihre Romane erlangten Weltberühmtheit - alle sechs von ihnen. Denn das ist die Zahl der Werke von Austen. Ihre Titel?

Nun, da ist wohl zuallererst "Stolz und Vorurteil" zu nennen. Dieses Werk wird noch heute zahlreich adaptiert, aber dazu später mehr. Dann natürlich "Sinn und Sinnlichkeit", "Emma", "Mansfield Park", "Kloster Northanger" und "Überredung". Ich muss zugeben, dass mir das letztgenannte Buch nur auf Englisch etwas sagt ("Persuasion") und auch das nur ganz vage. "Love and Friendship" ist übrigens auch ein Werk von Austen, aber keiner ihrer großen Romane. Vor seiner Verfilmung im letzten Jahr kannte kaum einer dieses Buch. Es handelt sich um einen Briefroman, der sehr früh entstanden ist und deshalb eigentlich nie zu ihren Büchern gezählt wird. Aber der Name Austen ist eben Programm und deshalb wurde auch "Love and Friendship" 2016 verfilmt. 



Ich habe drei der berühmten Romane gelesen und sie alle geliebt. Allerdings scheine ich ja noch drei (oder vier) vor mir zu haben. Darauf freue ich mich jetzt schon, vor allem, wenn man sich ansieht, was für schöne Ausgaben es von Jane Austens Büchern gibt. Aber auch dazu später mehr.

Warum sind die Bücher der Autorin noch heute, 200 Jahre nach ihrem Ableben, so berühmt? Der Artikel, den ich heute Morgen diesbezüglich las, führt vor allem Austens feinen Spott und analytische Gesellschaftskritiken an. Und ich muss den Autoren des Artikels zustimmen. In Austens Romanen geht es immer um eine junge Frau, die ihr Glück machen will. Das passiert, indem sie die wahre Liebe findet, heiratet und sich ihren gesellschaftlichen Stand sichert. Auf dem Weg dahin werden Höhen und Tiefen durchlebt und der Leser kann sich letztendlich an einem Happy-End erfreuen. Das Thema Heiraten ist immer überaus präsent bei Austen, was verdeutlicht, wie wichtig es zu ihrer Zeit war.
Das Konzept ist simpel. Aber die Gesellschaftsverhältnisse scheinen wunderbar durch. Jane Austen selbst lebte immer in bescheidenen Verhältnissen. Auch sie strebte einst auf Bällen nach einer guten Partie, opferte sich aber letztendlich ihrem Schreiben. Austen erzählt sehr authentisch und trifft mit ihrer Prise Spott viele Geschmäcker. Ich persönlich liebe ihre Figuren. Oftmals sind sie etwas rebellisch, manchmal unreif, aber manchmal eben auch sehr abgeklärt. Vielschichtig sind sie in jedem Fall, denn dafür sorgte die Autorin mit etlichen Überarbeitungen.

Ich will hier gar keine große Jane Austen Biografie schreiben. Das könnt ihr alles im Internet nachlesen. Ich möchte lediglich an diese wunderbare Schriftstellerin zu ihrem Todestag erinnern und euch ihre schönen Bücher ins Gedächtnis rufen.


In meinem Regal finden sich die gezeigten drei Bücher und eine DVD Collection. Die Verfilmungen der Austen Bücher sind ebenfalls sehr berühmt und es gibt bei Weitem mehr, als die hier gezeigten. Zum Beispiel auch "Sense & Sensibility" mit Kate Winslet, den ich persönlich ebenfalls toll finde. Oder die BBC Serie zu "Stolz und Vorurteil" mit Colin Firth als Mr. Darcy.

Noch heute begeistern Jane Austens Bücher eine große Leserschaft. Der Artikel aus dem Weser Kurier behauptet sogar, dass die Romane so beliebt sind, wie nie zuvor. Mich selbst wundert das wenig. Schaut euch doch nur mal an, in was für wunderschönen Ausgaben die Bücher zu haben sind! Man muss allerdings sagen, dass die englischen so viel schöner sind. Da fällt es schon wirklich schwer, nicht zuzugreifen. Was meint ihr? Welche gefällt euch am besten? Mit Klick auf die Bilder gelangt ihr übrigens zu einer Verkaufsseite. Nur mal so. :D

   




Der Stoff geht auch heutigen Autoren kaum aus dem Kopf. Nicht umsonst gibt es so viele Adaptionen. Gerade macht vor allem "Vermählung" die Runde, welches mich auch sehr interessiert. Oder auch "Stolz und Vorurteil und Zombies" - etwas wo ich mich wohl nie ran wagen werde. Der Klappentext macht mir hier eher Angst...und das wurde sogar verfilmt...Himmel.

Die Fanbase ist jedenfalls sehr groß. Es tummeln sich Fans in den englischen Orten ihrer Bücher, alle auf den Spuren von Jane Austen. Und auch hier zu Lande gibt es einen Fankult. Wer kennt nicht die berühmten Taschen mit dem Slogan "I love Mr. Darcy" oder andere wundervolle Artikel? Da wird doch auch jedes Fanherz schwach...
Nachdem ich mich heute Morgen nun wieder ein wenig mit Jane Austen beschäftigt habe, verlangt es mich geradezu danach, noch einmal Stolz und Vorurteil zu lesen. Und natürlich interessiert es mich, was ihr von der Schriftstellerin haltet!

Seid ihr auch ein Austen-Liebhaber? Oder findet ihr die Liebesromane vielleicht vollkommen überbewertet? Lasst mir gern eure Meinung hier, ich würde mich freuen!



Habt noch einen schönen Tag! Vielleicht begegnet ihr ja heute irgendwo einer Austen-Ausgabe oder einem Fanartikel ;)

Eure Julia



17. Juli 2017

Rezension [Hörbuch]: "Sturz der Titanen" von Ken Follett


Titel: Sturz der Titanen
Autor: Ken Follett
Sprecher: Johannes Stecke
Verlag: Lübbe Audio
Preis: 13,49€
Seiten: 1041
Dauer: 930 Min.

Der Name „Ken Follett“ hat etwas Respekteinflößendes. Mit seinen Büchern verbindet man Epen, zentimeterdicke Jahrzehnt oder Jahrhundertdramen. Kurzum: verdammt gute und verdammt dicke Bücher. Ich habe mich bisher nie an etwas von Follett gewagt, meine Mutter wollte dies aber scheinbar ändern. Sie schenkte mir das Hörbuch zu „Sturz der Titanen“, dem ersten Teil der sogenannten Jahrhundert-Saga. Das Original hat 1041 Seiten, das Hörbuch 12 CDs. Gewaltig, wenn man mich fragt. Mit etwas Zeit wagte ich mich an die Geschichte und war sehr gespannt. „Sturz der Titanen“ ist ein authentisches, gut recherchiertes Buch über den ersten Weltkrieg und seine Folgen in einem sehr interessanten fiktiven Rahmen. Manchmal etwas schwer, manchmal etwas zu wollüstig – und trotzdem wirklich bemerkenswert.


Klappentext


1914. In Europa herrscht Frieden, doch die Weltmächte rüsten zum Krieg. Ein einziger Funke könnte dieses Pulverfass entzünden. Der Schatten des drohenden Konflikts fällt auf die Lebenswege mehrerer Familien aus verschiedenen Ländern, die sich über ein ganzes Jahrhundert immer wieder kreuzen werden.
- Ethel Williams, Kind einer Bergmannsfamilie aus Wales, ist Dienerin im Haus von Earl Fitzherbert. Als sie von ihm ein Kind erwartet, wird sie in Schande entlassen. Aber Ethel lässt sich nicht entmutigen und beginnt, während die Männer ins Feld ziehen, für die Rechte der Frauen zu kämpfen.
- Walter von Ulrich, Spross einer Adelsfamilie, sehnt sich nach einem demokratischen Deutschland. In London verliebt er sich in die emanzipierte Lady Maud. Am Tag vor der deutschen Kriegserklärung an Russland heiraten sie heimlich. Aber der Krieg reißt die Liebenden auseinander. 
- Grigori und Lew Peschkow wachsen in St. Petersburg als Waisen auf. Der rechtschaffene Grigori wird zum Revolutionär. Sein leichtfertiger Bruder gelangt in Amerika zu Reichtum. Doch dann muss Lew zur Armee, kehrt als Soldat in die Heimat zurück - und sieht sich seinem Bruder gegenüber.


Meinung


Ich bewundere Ken Follett. Nie im Leben könnte ich mir vorstellen, ein Buch wie „Sturz der Titanen“ zu schreiben. Geschweige denn zwei Fortsetzungen. Das Buch ist mit seiner Geschichte riesig, so will ich es ausdrücken. Alles ist in einem so großen Rahmen angesetzt, vollkommen unabhängig voneinander. Erst langsam werden die Verknüpfungen aufgebaut und alle Handlungsstränge in eine Richtung gezogen. Am Anfang ist es einfach nur schwer zu folgen und man fühlt sich mit jeder neuen Figur, die auftaucht, erschlagen. Es erfordert Konzentration, dem Verlauf zu folgen und zu begreifen, wer jetzt mit wem was am Laufen hat und in welchem Land man überhaupt grade ist. Follett meistert aber auch einfach Unschaffbares. Er siedelt den Roman in England, Deutschland, Russland und den USA an. Alle vier Länder haben natürlich eine große Bedeutung für den ersten Weltkrieg und gleichzeitig hat jedes Land mit all seinen Einwohnern seine ganz eigenen Probleme. Ich finde, dass gerade dieser Umstand unglaublich gut zur Geltung kommt. Meiner Meinung nach hat der Autor wirklich gut recherchiert. Denn er musste so viel bedenken. Es ist sicher nicht leicht, in diesem ganzen Kriegschaos noch den Überblick zu behalten und gleichzeitig authentisch historische Ereignisse, wie etwa die Russische Revolution einzuarbeiten. Genau das finde ich an „Sturz der Titanen“ unglaublich gut. Es ist mehr als clever, wie Follett all seine Geschichten zusammenlaufen lässt. Nachdem man endlich den Überblick über alle Charaktere gewonnen hat, fällt einem das Folgen der Geschichte nicht mehr schwer. Außerdem sorgen diese vielen Perspektiven für eine unglaubliche Abwechslung.
Meine persönliche Lieblingsgeschichte war die um Walter und Maud. Auf ihre Szenen habe ich immer wieder gehofft. Aber auch Will Williams, Ethels kleiner Bruder, war für mich ein Herzenscharakter. Insgesamt sind die Figuren so vielseitig und vollkommen verschieden. Es gibt die guten, die bösen, die unberechenbaren, die rechtschaffendes, die egoistischen und die kämpfenden. In einem riesigen Handlungskomplex lassen sich viele Untergeschichten finden, die Follett nie vernachlässigt und die die Geschichte letztendlich zu dem machen, was sie ist: bemerkenswert.
Für das Grundkonzept fällt mir nichts anderes als Lob ein. Das Thema ist sicher gewöhnungsbedürftig. Ich habe ein paar Mal gelesen, dass einige die Präsenz des Krieges kritisieren. Nun ja. In einem Roman, der im Rahmen des ersten Weltkrieges spielt, ist dies wohl kaum vermeidbar. Die Allgegenwärtigkeit des Krieges sehe ich sogar als überaus positiv an. Es verdeutlicht die Unsinnigkeit und das Leid, was ich heute als extrem wichtig empfinde. Außerdem macht Follett den gekonnten Versuch, geschichtlich zu lehren. Der erste Weltkrieg ist ein so komplexes historisches Thema, dem man sich in Romanform sicher gut annähern kann. Ich denke schon, dass ich am Rande etwas gelernt habe, auch wenn viele historische Fakten nur so nebenbei erwähnt werden. Follett macht Geschichte wieder real und führt so die Wichtigkeit dieser vor, was ich großartig finde. Schon allein deswegen sollte man sich mit diesem Buch oder auch der ganzen Reihe beschäftigen. Da ich gerade die Reihe anspreche: „Sturz der Titanen“ ist ein in sich abgeschlossenes Buch. Die Fortsetzung „Winter der Welt“ handelt von der nächsten Generation, die im ersten Teil bereits das Licht der Welt erblickt. Ich hätte es nicht erwartet, aber irgendwie reizt mich das zweite Buch schon. Auch, da es nun in den zweiten Weltkrieg geht. Dass „Sturz der Titanen“ abgeschlossen ist, finde ich gut. Allerdings endet es 1923, als Hitler gerade wegen seines Putschversuchs eingesperrt wird. Die Urteile der Figuren über das Geschehen sind in diesem Zusammenhang extrem interessant. 
Die Handlung kann allgemein als interessant betitelt werden. Natürlich spielt Politik eine große Rolle. Viele Szenen spielen außerdem auf dem Schlachtfeld. Überwiegend ist das aber nicht. Der Gesellschaftsschnitt wird jedenfalls sehr deutlich und gut dargestellt. 
Mir gefielen ein paar Kleinigkeiten allerdings auch nicht. Das ist zum Teil das Vokabular, was aber mit bestimmten Figuren einhergeht. Lew Peschkow ist wohl insgesamt die hassenswerteste Figur überhaupt. Naja, oder Fitz. Aber Lew verwendet ein sehr derbes und vulgäres Vokabular. Fast alle Männer haben ständige Sexfantasien und leben diese auch aus. Neben der Sprache, war dies der zweite Punkt, den ich nicht mochte. Andauernd schläft irgendwer mit irgendwem und das wird auch hübsch ausführlich geschildert. Wenn man das Buch hört, ist es noch schlimmer. Sexszenen zu lesen ist kaum so befremdlich, wie sie zu hören.
Insgesamt ist der Sprecher Johannes Steck ein angenehmer Leser. Das Buch ist relativ maskulin, weshalb seine Interpretation gut passt. Die Hintergrundmusik am Ende mancher Kapitel fand ich überflüssig. Der Sprecher liest flüssig und betont angemessen. Im Allgemeinen ist auch der Stil von Follet gut und geschmeidig und das Vokabularproblem ist eher eine Charaktereigenschaft mancher Figuren, dennoch gefiel sie mir nicht.


Fazit



„Sturz der Titanen“ ist ein überwältigendes Buch. Der Versuch, ein riesiges Stück Geschichte mit fiktiven Handlungspunkten zu vereinen und einen großen Roman daraus zu machen, ist mehr als gelungen. Zwar hatte ich mit kleinen Teilen Probleme, doch insgesamt ist das Buch das Lesen oder Hören wert. Die Geschichte ist vielseitig, interessant und lehrreich. Neugierig hat der Autor mich auf jeden Fall gemacht, so dass ich vielleicht sogar zu Band zwei greifen werde. Ich vergebe 4 von 5 Spitzenschuhen.