11. Juli 2017

Rezension: "Demetrias Rache" von Robert Gordian


Titel: Demetrias Rache - Odo und Lupus Kommissare Karl des Großen
Autor: Robert Gordian
Verlag: dotbooks/ Universo
Preis: 5,99€
Seiten: 221

Vor einer Weile gab meine Oma mir bei einem Besuch zwei Bücher mit, mit der Empfehlung diese zu lesen. Es handelte sich um den ersten zweiten Teil einer Reihe, auf die ich sonst niemals und auch wohl sonst kaum jemand je aufmerksam geworden wäre. „Odo und Lupus, Kommissare Karl des Großen“ ist der Name der Reihe und ich griff meiner Oma zur Liebe zum ersten Teil „Demetrias Rache“, was übrigens erst 2013 neu aufgelegt wurde. Inzwischen gibt es das Buch übrigens als ebook bei dotbooks. Mein erster Eindruck schien also doch nicht so zutreffend. Ich hatte keine großen Erwartungen und gerade deswegen hat mich das Buch wirklich positiv überrascht. Es vermittelt einen anständigen Eindruck der Zeit Karls des Großen, beinhaltet Spannung (auch Längen) und ist irgendwie sympathisch. Dennoch kein Weltroman, aber durchaus erfreulich.

Klappentext


Das Frankenreich, Ende des 8. Jahrhunderts. Im Auftrag Karls des Großen bereisen zwei Männer das Land, die unterschiedlicher nicht sein können: Der Adlige Odo ist tapfer bis zur Tollkühnheit und stets bereit, sich von den Reizen der Damenwelt den Kopf verdrehen zu lassen; Lupus hingegen ist ein Mönch und hochgebildeter Rechtsgelehrter, auch wenn er nie etwas gegen einen weiteren Krug Bier einzuwenden hat. Ihre Mission: Für Recht und Ordnung sorgen. So auch, als der Dichter Siegram angeklagt wird, eine junge Edeldame ermordet zu haben. Alle Indizien sprechen gegen ihn – bis zu dem Moment, als ein unerwarteter Zeuge hoch zu Ross in die Gerichtsverhandlung sprengt …

Meinung


Die Ausgabe, die ich von Robert Gordians „Demetrias Rache“ besitze, hat ein sehr unangenehmes Schriftbild. Die Seiten sind dünn und sehr eng bedruckt. Daher täuscht die Angabe von gerade einmal 220 Seiten gewaltig. Erzähler der Geschichte ist der gelehrte Mönch Lupus. Wie es sich für einen Mönch gehört, schweift er doch das ein oder andere Mal ab, wenn er von den Abenteuern berichtet. Im Grunde hält sich das Buch nämlich an das bewährte Schema von Holmes und Watson, wobei die Talente nicht gleich verteilt sind und die beiden Weltdetektive auch nicht wirklich als Vorbild dienen. Lediglich die Tatsache, dass Lupus die Abenteuer schriftlich festhält, ja sogar für einen bestimmten Adressaten, einen anderen Gelehrten, vermittelt Parallelität. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der Wert, in dessen Namen die beiden durch die Welt ziehen: das Böse besiegen und für Recht und Ordnung sorgen.
Die Geschichte beginnt tatsächlich ganz spannend. Karl der Große merkt, dass in seinem Land vieles nicht so läuft, wie es soll und schickt deswegen Paarungen aus je einem Kirchenmann und einem Edelmann in seine Gebiete. Niemand will dabei nach Sachsen, denn diese sind bekanntlich barbarisch. Durch aberwitzige Zufälle trifft es den ruhigen Lupus und den temperamentvollen Odo. Anfangs haben die beiden Annährungsprobleme und dennoch merkt man gleich, dass die Chemie stimmt. 
Interessant ist die Art des Erzählens. Der Leser wird auf angenehme Distanz gehalten, die typisch für das Mittelalter scheint. Der Zeitgeist wurde meiner Ansicht nach gut getroffen. Durch mein Germanistik- und Geschichtsstudium fühle ich mich in der Lage, dies zu beurteilen. Geschichte – klar. Aber warum Germanistik? Ein großer Teil des Buches handelt vom Sänger Siegram, der auch als Verdächtiger angeklagt wird. Der Minnegesang, also der Liebesgesang für eine hohe und adelige Dame, spielt somit eine große Rolle. Und Minne ist auch im Germanistikstudium von Wichtigkeit. In den Vorlesungen konnte ich mir das Konzept nie so recht erklären, aber Gordian trifft einen guten und authentischen Ton und daher gefiel mir das sehr gut! Der Minnegesang ist für mich ein Phänomen, das in dieser Geschichte aber wunderbar verwendet wird. Auch der Rest der Erzählung ist historisch wenig zu kritisieren und da es immer künstlerische Freiheiten gibt, tue ich dies auch nicht. Alles in allem wird ein sehr authentischer Eindruck vermittelt.
Manchmal hat das Buch so seine Längen, aber vieles ist auch spannend. Die Auflösung des Falles, in den Odo und Lupus durch Zufall gerieten, war gut. Hier kann man auch noch einmal die Minne anführen. Die letzten Seiten hingegen waren etwas gekünstelt aufregend. Was mich am meisten störte, war die Voraussehbarkeit der Handlung. Als Leser kann man sich schnell denken, in welche Richtung alles gehen wird. Ganz schlecht ist dabei die Wahl des Titels, da er zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach alles verrät. Dann kommt es nur noch darauf an, wie Odo und Lupus den Täter überführen. 
Der Stil ist nicht immer leicht, passt aber zum Thema. Man muss sich beim Lesen durchaus konzentrieren. Authentisch ist der Schreibstil allerdings. Die beiden Hauptfiguren sind ebenfalls gut ausgestaltet und perfekt für diese Art von Geschichte. Während Lupus immer abgeklärt und gotthörig ist, verstößt Odo gern mal gegen die Regeln und vergnügt sich mit dem weiblichen Geschlecht. Zusammen sind die beiden allerdings ein gutes Team.


Fazit



Insgesamt ist der Roman gelungen. Die Handlung ist leider relativ voraussehbar, aber die Umsetzung gefiel mir dennoch. Der Fokus auf dem Minnegesang und der Paarung zweier wirklich verschiedener, aber sympathischer Charaktere passt genau zum Buch. Der Stil trägt zur vermittelten Authentizität bei. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, der Empfehlung meiner Oma zu folgen. Allerdings muss man sich auch auf das Buch einlassen und seine Erwartungen nicht zu hoch ausarten lassen. Für mich war „Demetrias Rache“ durchaus eine positive Überraschung, der ich 3,5 Spitzenschuhe gebe. 



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