8. September 2017

Rezension: "Königsblau" von Julia Zieschang


Titel: Königsblau
Autor: Julia Zieschang
Verlag: Dark Diamonds
Preis: 4,99€
Seiten: 325

Während meiner Kindheit habe ich irgendwann einmal etwas von der Geschichte von „König Blaubart“ gehört. Über den genauen Handlungsablauf wusste ich nicht mehr viel, doch eine Sache kann man wohl nicht vergessen: Den frauenmordenden Blaubart selbst. Das Märchen stammt aus Frankreich und wurde zigmal adaptiert. So auch von Julia Zischang in ihrem neuen Buch „Königsblau“. Das Cover ist düster und geheimnisvoll und der Klappentext hat mich sofort überzeugt. Für Märchen bin ich immer zu haben und „Blaubart“ ist doch noch relativ unbetastet im Vergleich zu Märchen wie „Die Schöne und das Biest“ oder „Cinderella“. Die Autorin hat einen wirklich traumhaften Job gemacht, denn sie paart die bekannte Geschichte mit einer zweiten, ebenso märchenhaften Handlung. So bekommen wir in „Bluebeard“ gleich zwei Parallelgeschichten geliefert, die natürlich zusammenhängen, die einen dadurch aber auch immer wieder überraschen können. Märchenelemente, ein toller Stil und eine düstere Kulisse bilden ein sehr empfehlenswertes Ganzes!

Ihr Leben lang hat Rosalie gehofft, nie an der königlichen Brautwahl ihres Landes teilnehmen zu müssen. Denn nichts fürchtet sie mehr, als dass die Entscheidung des Mannes mit den königsblauen Haaren und der eisigen Ausstrahlung auf sie fallen könnte. Doch als genau das geschieht, befindet sie sich plötzlich hinter den dicken Mauern einer Festung, die ebenso viele Rätsel aufwirft wie der Mann, der sich in ihr verbirgt… 

Als ich den Klappentext zuerst las, musste ich beim ersten Satz natürlich an Bücher wie „Selection“ oder „Die vierte Braut“ denken. Aber weit gefehlt. Es geht keinesfalls um die „Brautschau“, denn diese wird bereits im ersten Kapitel abgehandelt. Es geht um so viel mehr! Der Klappentext ist ein wenig fehlleitend, denn meiner Meinung nach kann man durchaus auf die Idee kommen, dass Rosalie diejenige sein könnte, die Bluebeard ändert und ein wahres Märchen entstehen lässt. Schon nach kurzer Zeit wird aber klar, dass niemand Bluebeard ändern kann und er das personifizierte Böse ist. Wovon im Klappentext gar nicht die Rede ist, ist Claires Geschichte. Dabei ist diese mindestens genauso wichtig, wie die von Rosalie. Julia Zieschang erzählt in diesem Buch im ständigen Wechsel. „Königsblau“ hat zwei Protagonistinnen und das sind eben Rosalie, aber auch Claire. Beide kennen sich nicht und dennoch sind ihre Geschichten miteinander verwoben. Claire ist die Prinzessin des Landes, die verflucht wurde und deswegen wie ein altes Mütterchen aussieht, das nur von der wahren Liebe erlöst werden kann. Ihr merkt schon, wie haben es hier mit einem wahren Märchen zu tun. Flüche, Prinzessinnen, das Böse – all diese Elemente sind sehr wichtig. Und welches fehlt noch? Natürlich: die Liebe. Denn das ist das wahre Motiv hinter der Geschichte. Rosalie muss zu Blueberad gehen, wird von ihrer Familie getrennt und lebt von nun an in Angst und Schrecken. Alles im Schloss ist merkwürdig und grausam. Doch was sie nicht weiß, ist, dass ihr Bruder Ric sie befreien will. Wahre Familienliebe.  Er macht sich auf die Suche nach ihr, denn natürlich ist auch ihm bekannt, dass keine von Bluebeards vorherigen Ehefrauen wieder gesehen wurde. Auf seinem Weg begegnet er Claire. Diese lebt abgeschieden in einem Haus in den verschneiten Bergen. Doch sie ist nicht allein, denn die letzten vier Blumenelfen leben bei ihr. Magische kleine Wesen, die jeder Leser sofort ins Herz schließen muss. Die quirlige Poppy versucht Claire immer wieder zu zeigen, wie liebenswert sie ist, denn diese hat sich beinahe schon aufgegeben. Claire beschließt Ric zu helfen und gemeinsam machen sie sich auf, Rosalie zu retten. Doch dieser läuft die Zeit davon. Denn Bluebeard hat ihr bereits den ominösen Schlüsselbund überlassen, mit dem Hinweis den kleinsten und simpelsten Schlüssel auf keinen Fall zu benutzen…
Es gibt vieles, was an diesem Buch einfach richtig toll ist! Zum einen finde ich desnHandlungsaufbau einfach nur klasse. Man liest zuerst ein Kapitel von Rosalie mit einem Hinweis von „Zwei Monate zuvor“ oder Ähnliches und danach folgt immer eines von Claire, das mit „Jetzt“ betitelt ist. So schafft die Autorin einen Spannungsbogen, der ganz offensichtlich gegen die Zeit läuft. Man kann sich nach jedem Kapitel kaum entscheiden, welche Geschichte denn nun spannender ist. Nach einer Weile kristallisierte sich Claire als meine Favoritin heraus und das hatte ich anfangs gar nicht erwartet. Aber die zarte Liebesgeschichte zwischen Ric und Claire ist einfach wunderschön. Die Reise, die die beiden bestreiten, wird toll geschildert und ist abenteuerhaft. Außerdem sorgt ihre kleine Begleitung Poppy immer wieder für niedliche Momente und weiß genau den richtigen Grad zwischen Ermutigung und Zurückhaltung an den Tag zu legen. 
Bei Rosalie herrscht deutlich das Motiv der Angst und Dunkelheit vor. Das düstere Schloss, mit nur wenigen Angestellten, der blutliebende Bluebeard, all die Geheimnisse und die Grausamkeit. Man gruselt sich schon manchmal ein bisschen. Aber auch hier gibt es einen Ausblick – Will. Denn auch für Rosalie wurde für eine Liebesgeschichte gesorgt. Ich muss allerdings sagen, dass ich dem Stallburschen irgendwie nie ganz vertraut habe. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden fand ich deutlich schwächer als die zwischen Ric und Claire. Mich konnten die beiden in Bluebeards Nähe einfach nicht so fesseln. Die tragenden Figuren waren für mich einfach Claire und Ric und sie bringen sie Geschichte auch ordentlich voran. Natürlich ist auch die Figur des grausamen Blueberads sehr interessant. Es gefiel mir gut, dass er so gar nichts Gutes in sich hatte. Das hatte noch mal einen tollen Märcheneffekt. 
Der Stil von Zieschang ist fließend und fügt sich sehr schön in diese Märchengeschichte. Sie beschreibt die Orte gut und hat ein Händchen für die romantischen Momente – jedenfalls bei Claire und Ric. Mir hat die Kulisse sehr gut gefallen und auch das Motiv der Magie wurde toll verarbeitet! Des Weiteren spielt die Autorin mit den Gefühlen des Lesers. Am Ende war ich kurz vorm Weinen, weil die Geschehnisse so traurig waren. Und dann war ich wieder überglücklich, weil alles so schön war. Es ist ein Wechselbad der Gefühle…
Im Grunde finde ich dieses Buch großartig. Etwas schwächer war wie gesagt die zweite Liebesgeschichte. Gut umgesetzt wurde auch das Finale. Aber auch hier habe ich noch einen kleinen Kritikpunkt. Der abschließende Kampf mit Bluebeard kommt keinesfalls im letzten Kapitel vor. In meinen Augen schloss der Kampf mit einem Satz, der mir weismachte, es sei doch noch nicht vorbei. Kann man bei solch magischen Büchern ja nie wissen. Dass das Buch dann noch zwei weitere Kapitel geht, hat mich etwas verwirrt. Doch eigentlich nimmt die Autorin sich lediglich die Zeit für ein richtig schönes Happy End. Und das sei im Märchen verziehen!



Julia Zieschang hat mit ihrer Märchenadaption eine so schöne Geschichte geschaffen, so dass ich „Königsblau“ absolut empfehlen kann. Die typischen Märchenmotive wie Gut und Böse, die Liebe, Familie und Magie spielen eine große Rolle. Aber das Buch hat durchaus auch moralische Züge. Die Figuren sind alle sehr gut gelungen und für jeden ist sicher eine potenzielle Liebslingsfigur dabei. Ich habe meine in Ric und Claire gefunden. Wobei ich auch Poppy sehr geliebt habe. Der Stil ist flüssig und angenehm und so schafft es die Autorin den Leser in ihre Welt zu entführen. Wegen kleiner Schwächen ziehe ich einen halben Punkt ab und komme auf 4,5 Spitzenschuhe für das schöne und teils auch düstere Märchen.




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