15. November 2017

Rezension: "Amour Fantastique" von Sarah Nisse


Titel: Amour Fantastique
Autor: Sarah Nisse
Verlag: Dark Diamonds
Preis: 4,99€
Seiten: 338

Schon eine Weile schlich ich um ein magisches Buch mit lockendem Titel herum. Bücher über die Liebe zu Büchern und Geschichten sind immer etwas ganz Besonderes und wenn diese verzauberten Geschichten auch noch im romantischen Paris spielen – wer kann dann schon Nein sagen? Ich jedenfalls nicht! Und so griff ich zu „Amour Fantastique“ von Sarah Nisse, das mich durch seinen Klappentext wirklich sehr neugierig gemacht hat. Man nehme eine magische Schreibfeder, einen eingebildeten Millionärssohn, ein Familiengeheimnis und eine unglaublich sympathische Protagonistin und heraus kommt ein über die Maßen gelungenes Buch, aus dessen Seite die reinste (Bücher-)Liebe sprudelt und das ich aus vollem Herzen empfehlen muss! Es ist im wahrsten Sinne des Wortes: „fantastisch“!

Ghostwriterin Lily Olivier hat die Gabe geerbt, schlechte Romane in wunderschöne Geschichten zu verwandeln. Grund dafür ist ihre magische Schreibfeder, mit der sie nun auch den miserablen Liebesroman von Millionärssohn und YouTuber Frédéric Leblanc überarbeiten und zu einem Kunstwerk machen soll. Doch als Frédéric sie schließlich auf frischer Tat bei der Arbeit erwischt, stellt er Lily eine Bedingung. Im Gegenzug für sein Schweigen verlangt der attraktive Junggeselle, die Hintergründe der Feder und die Mysterien von Lilys Familie aufzudecken. Und während die beiden dem Schlüssel zur Auflösung der verborgenen Rituale und Intrigen immer näher kommen, scheinen sie auch einander nicht mehr allzu fern zu sein…
Ich habe wirklich lange überlegt, aber mir will beim besten Willen nichts einfallen, das ich an „Amour Fantastique“ kritisieren könnte! Von der ersten bis zur letzten Seite ist die Geschichte mit einem besonderen Zauber versehen, der mich sofort in seinen Bann zog.  Einfach alles an dem Buch ist stimmig! Das beginnt bei seiner äußeren Form, zieht sich über den Handlungsaufbau mit seinem roten Faden und endet in den liebevoll ausgearbeiteten Charakteren der Figuren. Sarah Nisse hat sich einfach über alles Gedanken gemacht und eine absolut traumhafte Geschichte geschrieben, die sowohl modern, als auch altertümlich und klassisch ist. Vorherrschend ist das Thema der Bücher und Geschichten selbst und deswegen herrscht eine große Intertextualität im Buch vor. Und dennoch schafft die Autorin in diesem Universum verschiedener Geschichten ihre ganz eigene, die sich aber wunderbar in den Bücherkosmos einfügt.
Zuerst lobe ich gern die Abgeschlossenheit der Geschichte. „Amour Fantastique“ hat eine grandiose Idee, die toll umgesetzt, letztendlich aber auch zu einem Ende gebracht wird. Und das gefällt mir sehr gut! Im Bereich Fantasy/Young-Adult findet man kaum noch Einteiler, oft wird die Geschichte so lange ausgereizt, bis man eben drei Bücher zu Stande gebracht hat. Aber das ist hier nicht so. Nisse hat viel zu erzählen, doch sie bringt es in einem Buch auf den Punkt und lässt dich Geschichte rund enden. Natürlich trennt man sich ungern von den tollen Charakteren, aber als ich das Buch zuklappte, hatte ich ein zufriedenes Lächeln im Gesicht, weil hier einfach alles richtig gemacht wurde.
Die Idee der Geschichte ist klasse und auch der Titel passt richtig gut, denn so entsteht eine Geschichte in der Geschichte. Dementsprechend gefiel mir übrigens auch das Ende, aber das könnt ihr erst verstehen, wenn ihr das Buch schon selbst gelesen habt. Welcher Buchliebhaber träumt nicht von einer magischen Schreibfeder, die Geschichte herbeizaubern kann, vorhandene Geschichten besser macht oder noch ganz andere magische Fähigkeiten besitzt? Mich konnte die Autorin mit dieser Schreibfeder jedenfalls sofort fesseln. Und auch die dazugehörige Schreibmagierin Lily passt ideal zum Buch. Sie ist eine sehr liebenswürdige Person, für die die Familie vor allem anderen kommt. Sie liebt Geschichten, ist treu und fröhlich. Und dennoch gibt es auch melancholische Züge an ihr, denn die Realität geht an niemandem spurlos vorüber. Lilys Familie spielt eine große Rolle und ihre Schwestern und ihre Mutter sind allesamt sehr gelungene Figuren. Das gesamte Familienkonstrukt der Oliviers ist authentisch und man schließt diese ungewöhnliche Bande sofort ins Herz. Doch jede Familie hat auch seine schwarzen Schafe und in jeder guten Geschichte muss es auch Bösewichte geben. All das wird von Lilys Tante Florence verkörpert, eine ehemalige Schreibmagierin, die alles dafür tun würde, wieder an die Macht der Feder zu gelangen. Ihre Person ist sehr interessant und sorgt im Buch für Spannung. Ihr Charakter ist toll gewählt, denn er verdeutlicht, dass niemand vollkommen böse oder vollkommen gut ist. Dies lässt sich auch auf ihre beiden Söhne übertragen. Der wahre Held der Geschichte ist aber der eingebildete Youtube-Star Frédéric Leblanc. Schon alleine die Tatsache, dass unsere moderne Welt Einzug in diesen Roman gefunden hat, in dem vor allem klassische Buchelemente eine Rolle spielen, fand ich großartig! Die Tatsache, einen Millionärssohn zu treffen, ist vielleicht wenig realistisch, aber unter den Umständen wie das hier der Fall ist, ist es gar nicht mehr abwegig! Einfach alles fügt sich toll in die Handlung. Und mit dem Auftauchen von Frédéric wird auch eine weitere Sehnsucht befriedigt – die Liebe. Denn natürlich wächst das zarte Pflänzchen der Liebe in diesem Buch heran und das muss es auch. Die Liebesgeschichte zwischen dem aufbrausenden Charakter von Frédéric und der talentierten Magierin gefiel mir so so so gut! Die beiden nähern sich nur langsam an und dennoch funkt es irgendwie sofort. Ich fieberte auf Entwicklungen in ihrer Beziehung hin und freute mich auf jede Szene.
Der Handlungsaufbau ist super gelungen. Die Geschichte startet sanft und baut sich immer schneller auf. Geheimnisse säumen Lilys Weg, bis sie sich ihnen nicht entziehen kann. Und mit der Hilfe der Schreibfeder lernt sie, für Ordnung und Gerechtigkeit zu sorgen. Auf dem Weg dorthin stehen ihr ihre Freunde zur Seite. Die Geschichte hat Moral und Herz und auch eine gute Seele. 
Wirklich gefallen hat mir auch die Intertextualität, denn Sarah Nisse nimmt auf sehr viele Bücher Bezug. Das sind moderne Geschichten wie etwa Harry Potter, aber auch Klassiker wie Stolz und Vorurteil, Aschenputtel oder Der kleine Prinz. Außerdem gibt es tausende namenlose Geschichten, die wichtig werden. Der Bezug zu all ihnen ist klasse geworden und wenn man einige der Texte kennt, ertappt man sich selbst dabei, wie man über diese Geschichte lächeln muss.
Der Schreibstil der Autorin ist ebenfalls wunderbar. Er ist bildreich und verträumt. Er passt zum Charakter von Lily, aber auch zum Thema der aufgeschlagenen Buchwelten. Ich empfand ihn als magisch und deswegen kommt man sehr schnell durchs Buch. Ich wollte wirklich gar nicht mehr aufhören zu lesen und trotzdem lächelte ich, als die Geschichte mit all ihren magischen Elementen aus war.



„Amour Fantastique“ ist eine traumhaft schöne Geschichte, aus der die Liebe zu Büchern und Geschichten spricht. Magie und Zauber sind nur zwei Elemente, die dieses Buch so besonders machen. Gepaart mit einem Hauch von Familiendrama, einer Prise Humor und einem ordentlichen Schuss Liebesgeschichte ergibt es ein atemberaubendes Buch, das mit allem aufwartet, das ein Buchliebhaber sich nur wünschen kann. Ich vergebe natürlich fünf magische Spitzenschuhe für diese fantastische Liebe. Ich kann euch dieses Buch wirklich nur empfehlen!



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