27. April 2018

Rezension: "Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott" von Rick Riordan



Titel: Helden des Olymp - Der verschwundene Halbgott
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen
Preis: 10,99€
Seiten: 592

Alles, was Rick Riordan anfässt, scheint zu Gold zu werden. Mit der „Percy Jackson“-Reihe wurde er weltberühmt und verlieh vielen Kindern eine Heldenfigur. Auch ich liebe diese Reihe und ich bin Rick Riordan für seine Leidenschaft zur Mythologie wahnsinnig dankbar! Denn nicht nur die Griechen haben es ihm angetan, auch die Ägypter und natürlich die Römer. An die letztgenannten wollte ich mich nun wagen, also griff ich zum ersten Teil der „Helden des Olymp“-Reihe, mit dem Titel „Der verschwundene Halbgott“. Und obwohl ich mich in gewisser Weise in diesem Riordan-Universum wie zu Hause fühle, konnte mich der Reihenauftakt nicht immer fesseln. Es gibt viele neue Elemente und Figuren, aber auch Altbekanntes. Die Mischung ist gelungen, aber die hochgelegte Messlatte konnte das Buch leider nicht erreichen.

Jason erinnert sich an gar nichts – nicht einmal an seine besten Freunde Piper und Leo. Und was hat er in Camp Half-Blood zu suchen, wo angeblich nur Kinder von griechischen Göttern aufgenommen werden? Zu allem Überfluss gehören die drei Freunde laut Prophezeiung zu den legendären sieben Halbgöttern, die den Olymp vor dem Untergang bewahren sollen. Kein Problem – Leo treibt einen mechanischen Drachen als Transportmittel auf und los geht’s! Und dann gilt es auch noch einen seit längerem verschwundenen Halbgott zu finden, einen gewissen Percy Jackson ...

Am Anfang von „Der verschwundene Halbgott“ war ich einfach nur verwirrt. Ich hatte gehört, dass die Reihe so ähnlich sein soll, wie Percy Jackson, nur eben mit den römischen Göttern. Außerdem sagte man mir, dass auch Percy eine Nebenrolle spielt. In meinen Augen machte die erste Information Sinn und ich bekam Lust auf das Buch. Die zweite allerdings ließ mich ein wenig skeptisch werden. Ich liebe Percy Jackson als Figur und Held. Aber ich mag es nicht, wenn das Geschehen aus kompletten Reihen revidiert wird, nur damit man eine Fortsetzung schreiben kann. Um es direkt zu sagen, das ist auch nicht geschehen. Und trotzdem kam ich mit diesem Mischmasch nicht ganz klar. Percy taucht das ganze Buch über nicht auf – denn um irgendwen muss es sich beim „verschwundenen Halbgott“ ja auch handeln. Und trotzdem ist er allgegenwärtig. Annabeth spielt zu Beginn des Buches eine Rolle und einen kleiner Teil findet auch im Camp Halfblood statt. Das Setting ist dem Leser also bekannt – die Figuren sind aber neue. Das Konzept an sich ist logisch und macht Spaß. Warum nicht den Leser in eine bekannte Welt entlassen und diese mit neuen Figuren füllen?! Riordans Ansatz sorgte bei mir für Begeisterung. Aber die neuen Figuren konnten es irgendwie, trotz Sympathie, nicht ausfüllen. Und der Punkt, den ich bereits angerissen habe, dass man auf das vorher Geschehene durch diese Reihe einen neuen Blickwinkel bekommen muss, gefällt mir immer noch nicht. „Percy Jackson“ endet relativ offen und natürlich gibt es ungeklärte Fragen. Aber so große unentdeckte Welten daraus zu machen, war mir suspekt. Aber trotzdem muss ich auch den positiven Faktor benennen: Und das ist das Heimatgefühl, das schon auf den ersten Seiten einkehrt. Man kennt die Welt von Camp Halfblood, die Götter, ihre Kinder und die Aufträge, die diese bestehen müssen. Das Konzept bleibt auch in diesem Buch gleich.
Kommen wir also zu den Charakteren. Neben den Bekannten, wie Chiron, Annabeth und Rachel tauchen drei neue Protagonisten auf, aus dessen Sichten das Buch auch geschrieben ist. Das ist zum einen Piper, eine Rebellin und die Tochter eines Cherokee und der Aphrodite. Anfangs empfand ich für sie keine großen Sympathien, aber mit der Zeit wird Piper ernster und akzeptiert sich selbst. Der Prozess ist schön zu beobachten, dennoch kam ich mit ihrer Art nicht immer klar. Nummer zwei im Bunde ist Leo, ein wahnsinnig talentierter Handwerker und Techniker und somit kein anderer als der Sohn des Hephaistos. Leo war für mich absolut authentisch, herrlich witzig und interessant. Er muss seine Hände immer beschäftigen und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, was ihn super sympathisch macht. Er war mein absoluter Liebling! Und sein Metalldrache namens Festus ist das perfekte Maskottchen für das Dreierteam. Und „Dreierteam“ deutet schon an, dass noch ein Protagonist fehlt. Hierbei handelt es sich um Jason. Er ist ein schwieriger Charakter, denn er erinnert sich an rein gar nichts. Außerdem scheint er nichts über die Griechen, aber eine Menge über die Römer zu wissen. Wenn jemand beinahe nichts über sich selbst weiß, ist es schwer die Leser zu gewinnen. Ich konnte mit Jason jedenfalls nicht allzu viel anfangen. Er ist der Leader und in gewisser Weise das Gegenbild zu Percy Jackson. Und tatsächlich ist er das große Mysterium des Buches. Man möchte seine Geschichte erfahren und bekommt immer nur kleine Stückchen.
Zusammen bilden die drei ein gutes Team. Natürlich erinnert es an Percy, Annabeth und Grover, ohne allerdings an diese drei heranzukommen. Aber wahrscheinlich ist das auch einfach nicht möglich. Zu dritt müssen sie einen Auftrag für Hera durchstehen und dabei erleben sie einen Haufen Abenteuer. Davon waren manche spannender, manche etwas träge. Dennoch ist der Aufbau gelungen und unterhaltsam. Man stolpert in eine bekannte Welt und entdeckt dennoch so viel Neues! Das Grundabenteuer ist ganz in der Percy-Jackson-Manier verfasst und der Höhepunkt von Anfang an das klare Ziel. Mir gefiel das Finale wirklich gut und da zog die Spannung auch ordentlich an! Vorher hatte ich allerdings nicht immer den Drang, weiterlesen zu wollen. Und das ist sehr schade. Jason, Piper und Leo konnten mich nicht richtig fesseln, aber was ich gelesen habe, war "ganz gut". Nur eben nicht packend, wenn man es so sagen kann. Aber ich verzeihe dem Auftakt diese etwas langgezogenen Elemente, denn eine neue Reihe muss erst mal Fahrt aufnehmen. Am Ende ist vieles klarer und trotzdem bleiben wahnsinnig viele Fragen. Für mich war die große Bösewichtin von Anfang an klar ersichtlich. Es wunderte mich sogar, dass die Halbgötter so lange gebraucht haben, um zu erkennen, gegen wen sie kämpfen sollen. Der Final Fight ist wie gesagt gelungen, danach ebbt die Spannung wieder etwas ab. Der Stil von Riordan bleibt ungebrochen gut. Manchmal schweift er allerdings ein wenig aus und die Auferstehung des ein oder anderen Bösewichts weniger hätte mir durchaus gefallen. Schön war allerdings, dass immer wieder bekannte Figuren aufgetaucht sind und so auch die Jägerinnen der Artemis eine Rolle spielen. Die Kapitel sind übrigens immer aus der Sicht eines Protagonisten erzählt, so dass man zum Innenleben von Piper, Leo und Jason eine Verbindung bekommt und für Abwechslung gesorgt ist. Außerdem trägt jeder so seine Geheimnisse mit sich rum, von denen der Leser so als erstes erfährt.


Insgesamt ist „Helden des Olymp – Der verschwundene Halbgott“ eine unterhaltsame Abenteuergeschichte, die mich aber nicht immer fesseln konnte. Das bekannte Setting erleichtert vieles, doch die neuen Figuren müssen sich erstmal beweisen. Der Stil von Rick Riordan ist wie immer lebhaft und spannend, manchmal aber auch etwas ausschweifend. Ein kleines bisschen mehr Humor hätte ich mir auch gewünscht, obwohl Leo und Trainer Hedge durchaus für gewisse Momente sorgen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, hatte von diesem Reihenauftakt aber etwas mehr erwartet. Und deshalb vergebe ich 3,5 Spitzenschuhe für Jason und seine Freunde.



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