12. Mai 2018

Rezension: "Step by step - Herzschlag im Dreivierteltakt" von Verena Bachmann



Titel: Step by step - Herzschlag im Dreivierteltakt
Autor: Verena Bachmann
Verlag: Impress
Preis: 3,99€
Seiten: 231


Ich sah das Cover von „Step by step – Herzschlag im Dreivierteltakt“ und wusste, dass ich dieses Buch einfach brauchte. Ich bin Tänzerin und immer auf Geschichten über und mit dem Tanzen erpicht, sodass ich sofort zur Geschichte von Hayne und Arthur aus der Feder von Verena Bachmann griff. Wer all seine Erwartungen von literarischer Qualität oder weltverändernden Büchern an diesen kleinen Roman hängt, der wird enttäuscht sein. Wer sich aber auf eine zuckersüße Geschichte freut, die kein großes Nachdenken erfordert, der wird in ihr versinken. Kleinigkeiten wie kleine Formfehler und auch manche klischeehafte Szenen ließen mich zwar aufschrecken, änderten aber nichts daran, dass ich durch dieses Buch nur so dahinfloss, es nicht weglegen konnte und innerhalb eines Tages las. Step by step verliebte ich mich mehr in das Buch und konnte deswegen über Klischees hinweg sehen. Sehr gut!

Tanzen gehört so gar nicht zu den Talenten von Schulsprecherin Hayne. Und trotzdem steht die Vorzeigeschülerin nun vor der Herausforderung, eine Choreographie für das Frühlingsfest der Schule vorzubereiten und obendrein auch noch einen geeigneten Tanzpartner zu finden. Mädchenschwarm Arthur kommt ihr da mit seinen Tanzkünsten gerade recht. Doch das Ganze hat seinen Preis: Dafür, dass Arthur ihr das Tanzen beibringt, muss Hayne seine Freundin spielen. Was für beide anfangs nur ein Mittel zum Zweck ist, entwickelt sich Schritt für Schritt zu etwas, das die Herzen der beiden ziemlich aus dem Takt bringt…

Seit ich ein kleines Mädchen bin, tanze ich. In den Jahren kamen verschiedene Stile zusammen und ich habe viel ausprobiert. Doch eines hat jeder Tanz mit dem anderen gemein: Lebensfreude! Tanzen bedeutet so viel mehr, als einfach nur ein paar Schritte aneinander zu reihen. Tanzen heißt Fühlen und mit dem Tanzen kann man jegliche Gefühle zeigen. Das kann Angst und Frust sein, genauso aber Stärke oder Unabhängigkeit und natürlich auch die Liebe. Auf letzteres stürzt sich natürlich der Roman „Step by step“. Da Tanzen in meinem Leben einen großen Teil einnimmt, freue ich mich immer über Bücher, in denen das Thema auch Einzug gefunden hat. Als ich „Step by step“ begann, fühlte ich mich gleich in die Geschichte gezogen. Und besonders froh war ich, als schnell einer der Charaktere Ähnliches äußerte, was auch ich übers Tanzen denke:
„Beim Tanzen kannst du so vieles ausdrücken. Freude, Leid, Wut…Es ist ein wundervoller Weg, um seinen ganzen inneren Ballast abzuwerfen.“ (9%)
Der Satz stammt von der Mutter der Protagonistin, die ziemlich merkwürdig ist. Und somit komme ich auch gleich zu den Charakteren. Vorher aber: „Step by step“ ist ein kurzes Buch und auch die Geschichte ist kurzweilig. Ich selbst habe lediglich einen Tag gelesen und schon war es durch. Doch ich wollte auch nicht aufhören, denn es ist, trotz aller Klischees und Stereotypen, einfach wundervoll. Die Geschichte versetze mich zurück in mein 14-jähriges Ich, als ich Teeniefilme über alles liebte und täglich meine Dosis Träumerei brauchte. Dieses Buch wäre eine solche Dosis gewesen und kann locker mit Hilary Duff oder Selena Gomez-Filmen mithalten. Das vorweg.
Der Roman beginnt wirklich unmittelbar. Das erste Kapitel war für mich noch ein wenig stockend, doch nach kleinen holprigen Stellen kam ich gut in die Geschichte. Man lernt die Protagonistin Hayle kennen, die sehr zielstrebig und selbstbewusst ist. Sie ist Schulsprecherin, Streberin und Jungs-Schreck. Natürlich sieht sie trotz all ihrer tollen Charaktereigenschaften super aus, was ich wie immer etwas verurteile. Sicher, es gibt solche Menschen, aber würden wir all die Geschichten nehmen, in denen solche Protagonistinnen auftauchen, wäre unsere Gesellschaft nicht sehr realistisch abgedeckt. Aber egal. Ich mochte Hayne nämlich. Sie ist die ideale Protagonistin für diese Teenie-Schwärmerei-Geschichte! Denn so unlogisch ihr Charakter auch sein mag, hat er alles, was diese Geschichte toll macht. Hayne lässt sich nicht veräppeln, weiß was sie will und ist ein Vorbild. Trotzdem kann sie naiv sein und außerdem ist sie wirklich lustig. Ich mochte ihre Ironie so sehr! Hayne ist gleichzeitig auch die Erzählerin der Geschichte. Hier fand ich sie manchmal etwas zu eingreifend, vor allem wenn sie Dinge aus der Vergangenheit erzählt hat, aber das war es jetzt auch mit der Kritik. Hayne ist von vielem ein bisschen zu viel und somit perfekt. Denn was das Tanzen angeht, ist sie nicht sonderlich talentiert. Und hier kommt Arthur auf die Bühne. Er passt perfekt in diese Geschichte, denn er ist der Star der Schule. Der Kerl, der einfach alles kann und eigentlich einen ganz weichen Kern hat. Beide Protagonisten sind Verkörperungen von vielen Stereotypen – aber diese Typen funktionieren einfach! Und ich fand jeden Dialog, jede Szene zwischen Arthur und Hale so wundervoll. Ich habe beim Lesen gelächelt und mich selbst ertappt, wie ich die Dialoge mit den Lippen mitgeformt habe. Hach…im Herzen bin ich eben ein Teeniemädchen geblieben. 
Die Geschichte ist manchmal etwas konstruiert und nicht ganz realistisch. Es wäre beispielsweise unwahrscheinlich, dass Hayne bei der Tanzaufführung einspringen muss, oder dass Arthur und sie die Fake-Beziehung eingehen. Aber muss es immer realistisch sein? Ich konnte mich mit all diesen Konstruktionen wunderbar anfreunden, denn sie machen diese Geschichte einfach zu der, die sie ist! Und auch, wenn man ein paar Dinge vorausahnen kann, vor allem, was das Ende betrifft, war es mir einfach egal. Denn ich wollte mehr! Ich wollte mehr von dem Jungen und dem Mädchen, die nur eine Beziehung vorspielen und sich dabei eben doch verlieben. Ich wollte weiter träumen! Und genau das hat mir Verena Bachmann ermöglicht - und dafür danke ich ihr! Außerdem geht das Thema des Tanzens nie wirklich unter, was ich ebenfalls toll fand! Es ist jetzt nicht wie Step up, oder so, aber das Training für die Aufführung, ein kleiner Ball und eine Dirrty Dancing Szene finden Einzug in die Geschichte und bilden somit einen roten Faden. 
Die Nebenfiguren machen die Geschichte ebenfalls sympathisch und sehr lustig. Auch hier herrschen Stereotypen vor, aber braucht nicht jeder diese ungewöhnlichen und schrillen Freunde, um die Geschichte toll zu machen? Hayne hat zwei ungewöhnliche und schrille Freundinnen, die immer für sie da sind. Die Ehrlichkeit in der Freundschaft hat mir sehr gut gefallen! Auch sind Haynes Eltern ziemlich lustig, wenn eben auch etwas strange. Geld ist nie ein Thema und jeder Charakter gleitet automatisch an seinen Platz, an den er perfekt passt. Die Jugendlichen sind vor allem selbstbewusst und wissen, wo sie hingehören. Es geht sicher auch anders, aber in diese Geschichte passt es. Die ganze Handlung hat keinerlei Leerlauf, es passiert immer etwas Wichtiges für die Geschichte. Und das ist meistens etwas ziemlich Schönes! Ich habe dieses Buch wirklich geliebt, jede Seite, jeden Spruch von Arthur und die Chemie zwischen Hayne und ihm.
Der Schreibstil ist anfangs noch ein kleines bisschen holprig, doch die Autorin gewinnt an Mut und Routine innerhalb der Seiten. Der Stil passt toll zum Inhalt und man fliegt durchs Buch! Allerdings sind dem Lektorat ein paar Fehler unterlaufen und so fehlen immer mal wieder Kommas oder Worte sind falsch geschrieben. Das ist nicht oft der Fall, ließ mich manchmal aber stocken. Im anfänglichen Zitat beispielsweise gibt es im Buch sogar zwei kleine Fehler, die ich hier korrigiert habe. Mich stören solche formale Fehler auf jeden Fall. Und dennoch können sie vorkommen und ich verzeihe es diesem schönen Buch!


Ich habe jede Seite und jede Wendung von „Step by step – Herzschlag im Dreivierteltakt“ geliebt und genossen! Ich wollte nicht aufhören zu lesen, viel zu sehr trieb mich die Chemie zwischen Arthur und Hayne an. Es handelt sich hier um ein Buch zum Träumen, wenn…Achtung wenn! Wenn man keine Geschichte erwartet, die es so noch nie gegeben hat. Wer aber auf der Suche nach romantischen und zuckersüßen Geschichten ist, der ist hier genau richtig. Verena Bachmann ließ mein Herz höher schlagen und ich finde es toll, dass das Thema des Tanzens immer präsent ist. „Step by step“ ist nicht der nächste Literaturnobelpreisträger – aber das Buch hat meinen Tag so viel schöner gemacht! Aufgrund von Kleinigkeiten ziehe ich ein bisschen ab und lande trotzdem bei 4,5 Spitzenschuhen. Vielleicht sollten Hayne und Arthur als nächstes ja ein Pas-de-deux tanzen? Die Spitzenschuhe helfen sicher.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen