18. Juni 2018

Rezension: "Herrscherin der tausend Sonnen" von Rhoda Belleza


Titel: Herrscherin der tausend Sonnen
Autor: Rhoda Belleza
Verlag: cbt
Preis: 14,99€
Seiten: 400


Ich bin ein großer Star Wars Fan und doch lese ich sehr selten im Bereich Sci-Fi. Dabei finde ich den Weltraum als Handlungsort sehr faszinierend und vielleicht bin ich auch deswegen am Titel „Herrscherin der tausend Sonnen“ hängen geblieben. Das Cover war ein Blickfang und die Softcover-Ausgabe ist hochwertig gestaltet. Der erste äußere Eindruck war absolut positiv, der Klappentext klang interessant und so begann ich mit dem Lesen. Der Stil von Rhoda Belleza ist relativ ungewöhnlich. Manchmal ist er etwas sprunghaft, manchmal distanziert. Aber trotzdem konnte sie mich schnell mit all ihren neuen Begriffen in das Universum von Rhee ziehen! Und ich habe Rhees und Alys Geschichte sehr gern verfolgt. Bedauerlicherweise merkte ich erst im Epilog, dass es sich um eine Dilogie handelt – ups.

Prinzessin Rhee Ta'an beherrscht das Schwert meisterhaft und will nur eins: Rache. Nachdem ihre Familie ausgelöscht wurde, ist sie für den korrupten Kronregenten lediglich eine Marionette. Jetzt, mit fast 16, wird sie die Kaiserkrone tragen und hofft, endlich die Mörder ihrer Angehörigen zu bestrafen. Doch dann entkommt Rhee selbst nur knapp einem Anschlag und muss untertauchen. Zur gleichen Zeit verschwindet ihr vermeintlicher Mörder – Pilot Alyosha, eben noch galaktischer Superstar, nun von der Regierung gejagter Verbrecher. Aly und Rhee ahnen noch nicht, dass das Schicksal der ganzen Galaxie in ihren Händen liegt: Eine dunkle Macht droht ihre Welt in einen interplanetaren Krieg zu stürzen ...

Kronregent, Wraetaner, Ta’an, Tai, Kalusianer und, und, und…. Am Anfang von „Herrscherin der tausend Sonnen“ wird der Leser mit einer Neologismus- und Vokabelflut beinahe überrollt. Neue Worte, neue außerirdische Völker und natürlich neue Medien, wie der „Würfel“. Dieses Buch zu beginnen ähnelt einem Sprung ins kalte Wasser. Doch gibt man dem anfänglichen Chaos eine Chance, gelingt das Zurechtfinden doch recht schnell. Der Einstieg in die erschaffene Welt der Autorin Rhoda Belleza geschieht unmittelbar. Es werden keine großen Versuche unternommen, den Leser einzuführen – all das geschieht nebenbei. Aber irgendwie gefiel mir diese unmittelbare Erzählweise sehr gut! 
Zu Beginn steht die Prinzessin, die letzte Ta’an, die Rose der Galaxie und natürlich Thronerbin, namens Rhee. Vor vielen Jahren wurde ihre Familie ermordet und nun soll sie mit 16 Jahren den Thron besteigen. Doch Rhee will eigentlich nur eines: Rache. Denn sie ist sich sicher, dass der Kronregent Seoras ihre Familie verraten hat. Für Rhee beginnt eine Reise in die Welt der Intrigen und Manipulation und schnell merkt sie, dass sie niemandem trauen kann. Rhee ist die Protagonistin und mit gefiel sie wirklich gut! Sie ist noch relativ jung und handelt nicht immer rational. Sie lässt sich von ihren Gefühlen leiten, lässt sich von manchen Wesen betrügen und merkt erst spät, in was für eine Intrige sie geraten ist. Rhee ist manchmal naiv, aber sehr stark und zielstrebig. Im Laufe der Geschichte macht sie einen tollen Wandel durch und für mich war ihre Entwicklung absolut authentisch. Ein junges Mädchen, zu Höherem geboren und eigentlich doch nicht dafür bereit. Leidend und allein. Und zwischen all dem soll sie ihren Weg finden. Die Lage scheint aussichtslos und doch habe ich Rhee sehr bewundert, obwohl sie vieles nicht so gemacht hat, wie ich es mir gewünscht hätte. Rhee ist die Heldin des einen Erzählstranges, doch es gibt einen zweiten. Beide Geschichten wechseln sich Kapitel für Kapitel ab. Zuerst lernt man Rhee kennen und danach Alyoscha. Aly ist ein Wraetaner und auch wenn ich nicht genau weiß, wie ich mir dieses Volk vorstellen soll, ist es sehr menschlich und dennoch in der Galaxie verschrien. Die Wraetaner sind unbeliebt und werden verachtet. Gegen sie führte man unter anderem den großen Krieg, der eine zentrale Bedeutung für die Geschichte hat. Aly ist Raumpilot und eine Art Fernsehstar. Anfangs erschien mir die Kombi skurril und verwirrend, aber andererseits ist der Aufbau der Geschichte im Allgemeinen so. Und dennoch passt alles zusammen. Wenn man die ganze Galaxie bereisen kann, hat sich auch die restliche Technik entwickelt und natürlich gibt es Unterhaltungsmedien. Aly ist mit seinem besten Freund gemeinsam so etwas wie ein Reality-TV-Star, doch auch er rückt in den Fokus der Galaxie: Denn er soll Rhee ermordet haben. Natürlich lebt Rhee noch und so beginnen auch hier die Intrigen.
Ich gebe an dieser Stelle auf, die Handlung von „Herrscherin der tausend Sonnen“ beschreiben zu wollen. Es ist einfach zu kompliziert, wenn man das Buch nicht kennt und für jeden neutralen Leser nur verwirrend. Im Grunde geht es also um zwei Menschen, die sich nie bewusst begegnen, die aber beide in die große Intrige der Herrschaft des Universums verwickelt sind. Rhee soll von Aly ermordet worden sein. Rhee ist allerdings nicht tot, obwohl die Galaxie das denkt und Aly ist kein Mörder. Beide sind auf der Flucht, beide suchen ihren Platz. Und versuchen nebenbei den machtgierigen wahren Bösewicht auszuschalten. Gut gegen Böse. Krieg der Sterne. Klassische Elemente.
Ich muss sagen, dass es beinahe unmöglich ist, jede Kleinigkeit des Buches zu verstehen, aber das macht gar nichts. Denn die Geschichte konnte mich dennoch packen und vielleicht müssen auch ein paar Fragezeichen erhalten bleiben. Schließlich gibt es einen zweiten Teil.
Die Handlung war meiner Meinung nach zu jeder Zeit spannend und ich habe immer gern zu diesem Buch gegriffen. Die Figurenentwicklung ist authentisch und der Weltentwurf der Autorin durchaus logisch, auch wenn nicht alles erklärt wird. Die Galaxie ist dennoch gut gelungen! 
Was mich ein wenig verwirrt hat, war der Stil. Grundsätzlich passt die relativ neutrale Beschreibungsweise gut zur Geschichte. Manche Charaktere werden stärker beleuchtet, als andere, was in Ordnung ist. Die Welt wird ausreichend erklärt. Doch manchmal passieren Dinge zu schnell und zu unangekündigt. Innerhalb eines Absatzes geschieht manchmal eine riesige Veränderung, die gar nicht richtig in die Geschichte passt. Das ist zwei, drei Mal passiert, was mir nicht gut gefiel. Auch wird manchmal etwas merkwürdig beschrieben. Aly lernt zum Beispiel eine sehr wichtige Figur auf seiner Flucht kennen – Kara. Aufgrund der anfänglichen Beschreibung hielt ich sie für ein kleines, junges Mädchen im Alter von vielleicht 10 Jahren. Herausgestellt hat sich später aber, dass sie um die 20 Jahre alt sein muss, was mich absolut verwirrte. Hier hätte man genauer arbeiten müssen, da der Leser unnötig verwirrt wird.


Die Geschichte von „Herrscherin der tausend Sonnen“ ist absolut gelungen und spannend. Der Stil hätte an der ein oder anderen Stelle sauberer sein können, manche Dinge sind unzureichend erklärt, doch diesen Punkt will ich gar nicht weiter kritisieren. Rhee und Aly sind tolle und starke Charaktere, auf deren weitere Entwicklung ich mich sehr freue. Das Setting ist riesig, aber grandios. Es gibt viele offene Fragen, doch so bleibt die Spannung erhalten. Das Buch hat lockere und sehr ernste Seiten. Es gibt Humor, aber auch Trauer. Insgesamt ist es eine gute Mischung. Die Idee ist klasse, die Umsetzung manchmal etwas ungenau. Insgesamt hat Rhee mich aber auf eine tolle Reise ins Universum mitgenommen und dafür vergebe ich vier von fünf Spitzenschuhen.




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