17. November 2020

Rezension: "Escape Book - Tutanchamuns Geheimnis"

 


Titel: Pocket Escape Book - Tutanchamuns Geheimnis
Autor: Vincent Raffaitin
Verlag: Ullmann Verlag
Preis: 5,99€
Seiten: 128

Rätsel! Die meisten von uns mögen sie sehr gern. Die einen mehr, die anderen weniger. Doch das Herumraten, Knobeln und Nachdenken finden die meisten Menschen sehr spannend. Und deswegen gibt es inzwischen auch die „Rätsel-Indurstrie“, die früher aus einfachen Heften bestand und heute sogar interaktive Schnitzeljagden via Handy-App möglich macht. In diese Industrie gehören auch die sogenannten „Escape-Books“, von denen ich hier auf dem Blog bereits ein paar Mal berichtet habe. 
Nachdem mein erstes Escape Book mich und meinen Freund extrem überfordert hat, wagten wir uns – samt unserer gesammelten Erfahrung – an ein neues Abenteuer: „Tutanchamuns Geheimnis“. Selber Verlag, selber Autor wie unser erstes Abenteuer („Rätsel um Leonardo“). Und doch…SO VIEL BESSER!

Stellen Sie sich vor, es gäbe im Tal der Könige, in der Grabkammer des Tutanchamun ein ungelöstes Geheimnis… und Sie können derjenige sein, der es lüftet und der Öffentlichkeit zugänglich macht! Sie müssen nur die Hieroglyphen richtig interpretieren, die Ihnen ein geheimnisvoller Fremder zugespielt hat…

Für alle, die nicht genau wissen, was das Medium „Escape Book“ meint, erkläre ich es noch einmal kurz. „Escape Books“ sind quasi schriftliche Escape Rooms. Man begibt sich also in eine Art Spiel, das man alleine, aber auch mit mehreren Personen lösen kann. Ziel ist es „von einem Raum in den nächsten zu kommen“, bevor die Zeit abläuft. In jedem „Raum“ gibt es ein Rätsel, das gelöst werden muss und erst, wenn dies geschehen ist, kommt man weiter. 
In schriftlicher Form bewegt man sich zwar statt durch Räume nur durch Seiten, doch wer glaubt, dass es dadurch weniger interaktiv wäre, der täuscht sich. Denn diese kleinen, dünnen Büchlein warten mit der einen oder anderen Überraschung auf. Haltet also Stift, Kleber, Schere, Lupe oder Licht bereit, wenn ihr euch auf Rätseljagd begeben solltet! Ihr könnt diese Dinge gut gebrauchen!
Für die Escape Books aus dem Ullmann-Verlag  hat man 60 Minuten Zeit. Ob die Lesezeit darin enthalten ist, frage ich mich leider bis heute. Denn um das Escape BOOK zu lösen, muss man natürlich eine erhebliche Menge Text LESEN. Das kann dauern, je nach Leser. 
Insgesamt sind in „Tutanchamuns Geheimnis“ ca. 15 Rätsel auf 120 Seiten in fünf Kapiteln enthalten. Am Anfang des Buches findet man eine Art Spielanleitung, in der erklärt wird, wie die Rätsel ungefähr aufgebaut sind und welche Möglichkeiten man hat. Zu jedem Rätsel gibt es die Möglichkeit zwei Hinweise anzufragen, die unter einem Code hinten im Buch zu finden sind. Im besten Fall benutzt man diese Hinweise nicht. 
Bei meinem ersten „Escape Book“ war ich zutiefst frustriert! Die Rätsel waren unglaublich schwer, ich habe die Zeit um mehr als das Doppelte überschritten und fühlte mich ehrlich gesagt ziemlich dämlich. Vielleicht liegt es an der Erfahrung, die ich mit dem ersten Buch dieser Art gemacht hatte, aber „Tutanchamuns Geheimnis“ war so viel besser! Und tatsächlich auch leichter zu lösen. Am Ende war ich nur ca. bei 80 Minuten, statt bei 140. 
Ob dies ein subjektiver Eindruck ist, kann ich leider nicht sagen. Vielleicht weiß man nach dem ersten Buch, worauf man ungefähr achten muss. Ich glaube das allerdings nichts. Die Rätsel in „Tutanchamuns Geheimnis“ sind sehr viel visueller, als in „Rätsel um Leonardo“. Oft bekommt man Bilder oder Gegenstände zur Hand, auf denen man etwas entdecken muss. Diese Gegenstände sind in sehr guter Qualität im Buch abgedruckt, zum Teil muss man sie auch ausschneiden. Man kann sich recht gut in die Rätsel denken und die Lösungen sind logisch. Dabei will ich nicht behaupten, dass sie super einfach sind. Das nicht. Aber das nötige Hintergrund- und Allgemeinwissen hält sich in Grenzen. Es geht eher um Logik, als um Wissen. 
Mich hat allerdings auch das Thema des Buches total gefesselt! Ich bin ein großer Fan des Alten Ägyptens und weiß sehr viel über Tutanchamun (, deswegen kann übrigens das Ende auch nicht realistisch sein). Die Aufmachung des Buches hat so viele tolle Details aus dem Alten Ägypten, dass es einfach nur Spaß macht, sich in ebendieses gedanklich zu begeben. 
Ich habe das Buch wieder gemeinsam mit meinem Freund gelöst und wir waren beide total begeistert! An der einen oder anderen Stelle waren wir tatsächlich verwundert, dass des Rätsels Lösung „so einfach“ war – schließlich waren wir anderes gewohnt. Ich würde dieses Escape Book definitiv als einfacher einstufen, als „Rätsel um Leonardo“, das ebenfalls von Vincent Raffaitin erarbeitet wurde. Vielleicht kam ich deswegen besser damit zurecht. Es gibt allerdings auch ein Rätsel im Buch, das mein Freund und ich auch nach den beiden Hinweisen und dem Lesen der Lösung nicht verstanden haben. Nun ja. Auch das kommt vor.
Man kann sich auf jeden Fall sicher sein, dass man mit „Tutanchamuns Geheimnis“ für ca. 6€ wirklich nichts verkehrt machen kann! Die Gestaltung ist absolut hochwertig. Es gibt tolle Darstellungen, Rätsel und Farbseiten in dieser gut erzählten Geschichte, sodass man unbedingt auf seine Kosten kommt. Und vor allem möchte man ja eines: Rätsel lösen! Und davon bietet dieses Escape Book reichlich!

Ich bin mit „Tutanchamuns Geheimnis“ total zufrieden! Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, sich auf die Reises dieses Buchs zu begeben und das Geheimnis um den jungen Pharao zu lösen! Man kann wirklich fast alle Rätsel aus eigenem Antrieb schaffen und das auch ungefähr in der angegeben Zeit. Davon sollte man sich allerdings nicht hetzen lassen, sondern ruhig das Setting und die Aufmachung des Buches genießen. Ich kann dieses Escape Book nur empfehlen und wünsche allen Abenteurern und Rätseljägern da draußen ganz viel Spaß mit diesem 5-Sterne Buch!


10. November 2020

Rezension: "Federn über London - Erwachen" von Sabine Schulter

 


Titel: Federn über London - Erwachen
Autor: Sabine Schulter
Verlag: selfpublished
Preis: 3,99€
Seiten: 254

Es gibt Autoren, von denen würde ich einfach alles lesen. Selbst ohne den Klappentext des neusten Werkes zu kennen. Eine dieser Autorinnen ist definitiv Sabine Schulter! Seit ich 2015 auf sie aufmerksam wurde, lese und liebe ich ihre Bücher. Warum? Weil sie so vielseitige und innovative Ideen hat, aus denen sie liebevolle und spannende Geschichten macht, die in allen möglichen Bereichen des Fantasy-Genres spielen.
Eine solche Geschichte ist auch ihr neustes Buch „Federn über London – Erwachen“. Wenn man so viele Bücher einer Autorin kennt, bestimmt man manche zu Lieblingen. Und der erste Teil der geplanten Tetralogie „Federn über London“ gehört für mich jetzt schon zu ihnen! „Erwachen“ ist eine großartige Einführung in eine spannende Welt, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Vielschichtige und interessante Figuren mit geheimnisvollen Vorgeschichten, eine komplexe und fantastische Welt und natürlich eine tolle Handlungsidee machen die erste Geschichte rund um Clear und die weiteren Todesengel zu einem fulminanten Reihenauftakt!


Als Clear erwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Weder weiß sie, wer sie ist, noch warum sie in einer Wanne voller blauem Wasser liegt. Als ihr eröffnet wird, dass sie gestorben ist und von nun an als Todesengel in London Seelen sammeln soll, glaubt sie an einen üblen Scherz.
Doch die schwarzen Schwingen auf ihrem Rücken überzeugen sie von der Wahrheit.
Zusammen mit ihrem Teamleiter Ease und den anderen Todesengeln sorgt sie von nun an dafür, dass die Seelen der Verstorbenen zurück in den Lebensstrom gelangen. Allerdings wartet in der Welt der Übersinnlichen noch viel mehr auf Clear und auch Londons Unterwelt mit all ihren magischen Wesen ist in Aufruhr. Denn das dunkle Nichts hat sich gerade jetzt vorgenommen, die Millionenmetropole ins Chaos zu stürzen.

Wer nun meint, dass Geschichten über Engel total langweilig seien, der sollte sich eines Besseren belehren lassen. Denn Sabine Schulters Engel haben nicht viel mit den pausbäckigen, dicken Kindergestalten gemeinsam, die man in den Kaufhäusern dieser Welt so oft sieht. Die Engel aus „Federn über London“ haben Flügel, sind jung und durchaus attraktiv. Und da hören die Klischees dann auch schon auf. Doch um sie wirklich zu beschreiben, muss ich etwas weiter ausholen und zunächst einen Blick auf den Weltentwurf der Geschichte werfen. Denn genau dieser ist das Interessante und Innovative an „Federn über London“. 
Die Engel haben Aufgaben. Jeder Mensch kennt sogenannte „Schutzengel“, denn wir verbinden den Begriff „Engel“ immer mit etwas Gutem und Friedlichem. Diese Schutzengel gibt es auch in „Erwachen“ und sie haben selbstverständlich weiße Flügel. Doch die Protagonistin ist kein solcher Schutzengel –, denn ihre Flügel sind schwarz. Clear wird nach ihrem eigenen menschlichen Tod als „Todesengel“ wieder geboren und erinnert sich an rein gar nichts aus ihrem menschlichen Leben. Sie erwacht in einer für sie (und auch für den Leser) völlig unbekannten Welt. Eine Welt, in der die Todesengel dafür sorgen, dass die guten Seelen der Menschen eingesammelt werden und die Möglichkeit haben, wiedergeboren zu werden. Das ist eine wichtige Aufgabe und diese hat von nun an auch Clear. Doch ich würde nicht von einer komplexen Welt sprechen, wenn es mit dem Unterschied „Schutz- und Todesengel“ schon getan wäre. Wo sich ein übersinnliches Wesen befindet, dort sind meistens noch mehr. Und so auch in Sabine Schulters London. Es ist voll von Übersinnlichen, wie etwa Sukkuben, Feen, Elfen, Dämonen, ja vielleicht sogar griechischen Göttern. Sie leben unter den Menschen und gehen ihren eigenen Aufgaben nach. Einige von ihnen gehören in die „Oberwelt“, andere in die „Unterwelt“, beide haben ihre Anführer. Und in der Unterwelt wird es erst so richtig spannend! Doch mehr kann ich kaum verraten.
Ihr seht also schon: Diese Fantasy-Welt ist neu! Und das hat mir unglaublich gut gefallen! Die Autorin führt sehr gut in alle diese neuen Dinge ein und nimmt den Leser mit. Die Protagonistin des Buches ist Clear. Bis auf diesen Namen, der natürlich nicht ihr menschlicher war, weiß sie rein gar nichts über sich selbst. Zumindest keine genauen Informationen. Sie hat Weltwissen, das ja. Doch sie muss sich nach ihrem Erwachen als Engel neu kennenlernen. Das ist auf der einen Seite sehr spannend, führt auf der anderen aber auch dazu, dass der Leser zunächst eine Beziehung zu ihre aufbauen muss. Und das ist schwer, wenn man nicht genau weiß, mit wem man es zu tun hat. Nichtsdestotrotz ist Clear sehr sympathisch und gibt offen zu, mit der Situation überfordert zu sein. Doch nach und nach findet sie sich zurecht, auch wenn sie noch viel zu wenig über diese magische Welt weiß. Das liegt übrigens daran, dass die Engel eine Art Ausbildung durchlaufen und Entwicklungsschübe durchmachen. Erst wenn Clear alle drei Entwicklungsphasen hinter sich hat, verfügt sie über all ihre Fähigkeiten und tatsächlich auch über das Wissen ihres eigenen Todes. Denn natürlich hat es einen Grund, warum Clear ein „Todes“- und kein normaler Engel geworden ist. Doch welcher?
Clear ist einer von fünf Todesengeln, die über London wachen. Diese vier weiteren Charaktere nehmen nicht alle den gleichen Teil in der Handlung ein, doch sie sind allesamt liebenswert. Egal, ob das der impulsive Black, die verschlossene Tune oder die ruhige Wet ist. Sie haben alle ihre Details, die sie sehr besonders machen. Der Teamleiter ist der älteste der Todesengel: Ease. Ihn zeichnet eine ganz besondere Ruhe und Besonnenheit aus, die mir sehr gut gefiel. Ease ist eine spannende und vielschichtige Figur, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Auch Clear vertraut ihm sofort und zwischen ihnen entsteht eine Zuneigung, die vielleicht noch tiefer reichen wird. Doch darüber kann ich nur spekulieren.
Neben den Engeln und übersinnlichen Wesen spielen noch die Verras eine besondere Rolle. Hierbei handelt es sich um gefallene Sterne, die sehr viel Macht besitzen und die Engel nutzen diese Macht. Ihr habt keine Vorstellung, wie die Verras aussehen? Das kann ich gut verstehen. Doch glaubt mir, ihr werdet sie lieben! Ich war sehr überrascht, als sie das erste Mal „in persona“ auftauchten, doch die Autorin hat mir mit ihrer Erschaffung eine unglaubliche Freude gemacht. Ich liebe die Verras. Besonders Zerus!
Ich könnte noch so viel mehr zu dieser Geschichte und ihren Details erzählen, doch dann könnt ihr auch gleich das Buch lesen. Also noch ein paar kurze Informationen zur Geschichte.
Diese wird in diesem Reihenauftakt eigentlich nur angerissen. Den größten Teil des Buches nimmt die Einführung in die Welt in Anspruch samt all ihrer interessanten Wendungen und auch die ersten Aufträge werden geschildert. Es passiert derzeit etwas in der Welt der Übersinnlichen. Doch wer zieht die Strippen? Wer hetzt die einzelnen Wesen gegeneinander auf? Es ist absehbar, dass hier etwas Großes geschieht. Und natürlich sind Clear, Ease und die anderen Todesengel mittendrin! Es wird also definitiv spannend. Besonders gelungen ist neben den Kapiteln, die in der Unterwelt spielen, das Finale! Es geht rasant und spannend zu und man hält als Leser den Atem an und fiebert mit. Das tut man natürlich teilweise auch, weil die Autorin es versteht, mit ihrem Schreibstil zu begeistern. Er passt sehr gut zur Geschichte, wird schnell, wenn es spannend wird und findet viele schöne Beschreibungen für die ruhigen Stellen.
Übrigens wird das Buch auch so vielschichtig durch die verschiedenen Erzählperspektiven. Nicht nur Clear erzählt die Geschichte, Teile davon auch Ease und manche sogar Lance, der Teamleiter der Schutzengel. Es gibt also noch einige Charaktere mehr, die ich hier gar nicht genauer betrachten konnte.
Als letztes muss ich natürlich noch sagen, wie wunderschön das Cover des Buches ist. Ich habe mich sofort verliebt! Des Weiteren passt es zu einhundert Prozent zur Geschichte.

„Federn über London – Erwachen“ ist etwas Neues, etwas Gewagtes und Unbekanntes. Doch mich konnte die Autorin mit dieser Geschichte absolut begeistern! „Erwachen“ ist keine 0-8-15 Geschichte über Engel, hier ein bisschen Liebesgeschichte, da ein bisschen Drama. „Erwachen“ ist eine vielschichtige und interessante Geschichte, die Spannung bietet und den Leser Neues entdecken lässt. Sie verzichtet auf große Liebesschwüre nach nur wenigen Tagen des Kennens, sondern legt ihren Wert auf die Figurenentwicklung, Charaktertiefe und überraschende Wendungen. Dieser Reihenauftakt kann nur einen kleinen Teil dieser großen Welt abdecken, doch das gelingt sehr gut! Wenn man am Ende ist, hat man das Gefühl, dass die Geschichte grade erst angefangen hätte und will einfach nur weiterlesen. Und weil ich an Clear und Ease wirklich einen Narren gefressen habe, kann ich natürlich nicht anders, als dieses Buch mit 5 Sternen zu bewerten. Ich freue mich schon sehr, zu erfahren, wie es mit den „Federn über London“ weitergehen wird.



4. November 2020

Rezension [Hörbuch]: "Verstand und Gefühl" von Jane Austen

 


Titel: Verstand und Gefühl
Autor: Jane Austen
Sprecher: Ulrich Noethen u.a.
Verlag: Der Hörverlag
Dauer: 3h 53m
Preis: 20,00€

Jane Austen hat viele große Romane geschrieben. Beinahe jeder Literaturliebhaber kann etwas mit den Titeln „Stolz und Vorurteil“ oder „Emma“ anfangen. Und in dieser Aufzählung darf man natürlich auch ihren frühsten Roman nicht vergessen, der zurecht als Meisterwerk gilt: „Verstand und Gefühl“. Zwischen all diesen schönen Werken kann ich mich kaum entscheiden, doch „Verstand und Gefühl“ liebe ich ganz besonders. Deswegen war für mich auch klar, dass ich die erstmals als Hörspiel veröffentliche Version aus dem „Hörverlag“ unbedingt hören musste. Aus diesem Programm habe ich bereits „Northanger Abbey“ gehört und war begeistert. Doch mit „Verstand und Gefühl“ kann erstgenanntes es kaum aufnehmen. Denn mit diesem Hörspiel haben sich alle Beteiligten übertroffen  - nicht nur Austen selbst.

Zwei ungleiche Schwestern, eine besorgte Mutter und zahlreiche Verwirrungen. Dass sich die stürmische Marianne Hals über Kopf in den attraktiven Frauenschwarm John Willoughby verliebt, überrascht niemanden. Auch die rationale Elinor hat scheinbar ihren Traummann gefunden und ahnt nichts davon, dass dieser die Ehe bereits einer anderen versprochen hat. In ihren Enttäuschungen lernen die Schwestern einander besser zu verstehen – aber werden sie auch in der Liebe ihr Glück finden?

Alle, die glauben, sich mit diesem CD-Paket ein ganz normales Hörbuch zuzulegen, muss ich enttäuschen. Denn diese Produktion des Hessischen Rundfunks ist kein solches. Und das mit Absicht. Bei diesem wunderschönen Set handelt es sich um ein HörSPIEL, die einzelnen Charaktere haben also alle ihre eigene Stimme, es gibt Hintergrundgeräusche und Musik. Wer jetzt denkt, dass Hörspiele nur etwas für Kinder sind, liegt ebenfalls falsch. Denn die anspruchsvolle Geschichte von „Verstand und Gefühl“ passt auch nicht in diesen Rahmen. Dieses Hörspiel ist eine ganz wundervolle Konzeption für Erwachsene, für Liebhaber von Jane Austen und auch für jene, die noch nie Kontakt mit ihren Werken hatten. Denn ein Hörspiel unterhält auf ganz andere Art und Weise, als das Buch oder Hörbuch. Und tatsächlich fühlt man sich beim Hören manchmal dem Medium Film näher, da ein eigener kleiner Film im Kopf abläuft. Man kann also sagen: Egal ob Austen-Fan oder Neuling - dieses Hörspiel ist ein guter Start!
Mir war das Konzept des Jane-Austen-Hörspiels nicht neu, da ich bereits die Aufnahme von „Northanger Abbey“ rezensiert habe. Doch an diesem Werk kritisierte ich die Kürze und dass man den Figuren deswegen nicht wirklich nahe käme. Das ist hier vollkommen anders! Das mag allerdings auch an der Vorlage liegen. Denn während Northanger Abbey ein recht kurzer Roman ist, fällt „Verstand und Gefühl“ mit Länge und Liebe zum Detail auf. Der Regisseur und die Beteiligten hatten also eine ganz andere Ausgangslage.
Und diese haben sie genutzt.
Es war eine Weile her, dass ich das Buch gelesen oder eine der Verfilmungen gesehen hatte. Dennoch war mir die Geschichte beim Hören sofort wieder präsent. Die Sprecher ziehen den Hörer einfach sofort in Jane Austens Welt und dort will man verweilen. Die Handlung selbst ist nicht neu. Zwei Schwestern, die unterschiedlich sind und durchaus als die Verkörperungen des „Verstandes“ und des „Gefühls“ gesehen werden können, stehen im Mittelpunkt. Es geht um ihre Ansichten bezüglich der Liebe und die Entwicklungen ebendieser. Die Geschichte ist meiner Meinung nach wahnsinnig unterhaltsam, hat Humor und bietet viele Handlungselemente, mit denen man sich identifizieren kann. Die Geschichte der Schwestern Dashwood ist zeitlos. Denn Jane Austen hatte ein Talent dafür, menschliche Wesenszüge und die Beziehung von Menschen – ganz egal, ob Liebende oder nicht – darzustellen. In diesem Roman gibt es eine ganze Menge solcher Menschen und Beziehungen, die durch ihre herausragenden Sprecher wirklich eine Seele bekommen. Da wäre die vernünftige Elionor, die eine so beruhigende Stimme verliehen bekommen hat, dass man ihr sehr gern lauscht. Mein Kompliment an dieser Stelle an Birte Schnöik. Sie erzählt einen sehr großen und wichtigen Teil der Geschichte und das macht sie noch besser. Aber auch die quirlige und herzgesteuerte Marianne ist wahrlich interessant. Auf der Seite der „Guten“ sind ganz sicher noch Edward Ferris, Oberst Brandon und Sir John Middleton zu nennen. Alle drei sind herzensgute Männer, wenn auch letzterer der nervigste unter ihnen ist. Und auch die Gegenspieler hat der Hessische Rundfunk ideal besetzt. Ganz egal, ob das die piepsige Lucy Steele, die grausame Fanny Dashwood oder der charmante John Willoughby ist. Der Verlag hat sehr gute Sprecher für diese vielschichtigen Rollen gefunden, sodass die Geschichte, die vor dem inneren Auge entsteht, sofort in Bildern umgesetzt wird. Besonders hervorheben möchte ich die Stimme von Ulrich Noethen, der den Oberst Brandon spricht. Oberst Brandon ist tatsächlich schon vorher eine meiner Lieblingsfiguren gewesen, doch diese sanfte, tiefe und beruhigende Stimme von Noethen unterstreicht die Edelhaftigkeit dieser Figur. Seine Stimme passt wie die Faust aufs Auge. 
Alle zusammen schaffen es, den Hörer in die damalige Welt zwischen Herrensitzen und kleinen Cottages zu entführen und den Liebesdramen der Schwestern zu lauschen. Für mich vergingen die knappen vier Stunden wie im Flug und ich hörte das Hörspiel an nur wenigen Tagen zu Ende. Die musikalische Untermalung passt ebenfalls sehr gut in die Geschichte und verfeinert das Hörerlebnis.
Ein weiteres schönes Extra ist übrigens das gesamte Booklet. Nicht nur, dass das Cover ein wahrer Traum ist, auch die Gestaltung als kleines Büchlein passt perfekt. Das Büchlein ist mit einem kleinen Essay von Denis Scheck gefüllt, der über wenige Seiten seine Gedanken zu Austens Werk darlegt. Dieses kleine Essay ist wirklich gut geschrieben und eine sehr schöne Ergänzung zum Gehörten.

Alles in allem handelt es sich bei der Hörspielfassung von „Verstand und Gefühl“ um einen wahren Schatz! Die Stimmen der Protagonisten sind sehr gut gewählt, ebendiese lassen ihre Charaktere authentisch handeln und die Inszenierung des Werkes entführt den Hörer in eine längst vergangene Welt voller Heiratskandidaten und solchen, die es gerne wären. Ich werde diesen Schatz hüten und sofort gut sichtbar in mein Regal stellen. Natürlich hat es fünf Sterne verdient und ich kann diese Version jedem Austen-Liebhaber nur ans Herz legen!

    

2. November 2020

Rezension: "Rentierfieber" von Emma Zecka

 

 

Titel: Rentierfieber
Autor: Emma Zecka
Verlag: selfpublished
Preis: 9,99€
Seiten: 216

Auch wenn in diesem Jahr alles anders ist, so steht eines doch sicher fest - Weihnachten gibt es trotzdem! Und in der bald nahenden Weihnachtszeit wollen wir auf vieles nicht verzichten: Plätzchen, viele bunte Lichter, Weihnachtsbummeln… und nicht zu vergessen die weihnachtliche Lektüre. Denn gerade wenn es draußen schnell dunkel und sehr kalt wird, gibt es nichts Besseres, als es sich mit einem schönen Buch gemütlich zu machen, das auch noch in die Jahreszeit passt. Ein solches Buch für die Vorweihnachtszeit ist definitiv „Rentierfieber“ von Emma Zecka. Denn diese Geschichte wird euer Herz erwärmen, ganz egal, ob ihr 7 oder 70 Jahre alt seid!





»Du willst mir also sagen, dass all meine Rentiere in Wahrheit verzauberte Weihnachtsmänner sind?« Als das Christkind Besuch vom Weihnachtsmann bekommt, erschrickt es. Der sonst so fröhliche Mann sieht müde aus und zeigt erste Anzeichen einer drohenden Rentierverwandlung. Um dieses Schicksal zu verhindern und Weihnachten zu retten, schickt ihn das Christkind zu den Menschen, um einen Nachfolger zu finden. Doch was er wirklich bei den Menschen entdeckt, ist noch viel wichtiger.


Als ich den Klappentext von „Rentierfieber“ zum ersten Mal las, schlich sich ein Lächeln auf meine Lippen. Denn dass die Idee des Kinderbuchs sehr innovativ ist, steht außer Frage. Für mich stand außerdem sofort fest, dass die Suche nach einem neuen Weihnachtsmann unterhaltsam sein muss. Und obwohl ich kein Kind mehr bin, freute ich mich sehr auf diese weihnachtliche Geschichte.
Zurecht.
Denn Emma Zecka hat mit diesem Buch eine wirklich liebevolle und lesenswerte Geschichte zu Papier gebracht. Sie unterhält die Kleinen unter uns und hat für die Großen die ein oder andere Lebensweisheit im Gepäck, sodass ich mir sicher bin, dass man an dieser Geschichte seine Freude hat - egal wie alt man ist. Aber worum genau geht es denn?
Der Weihnachtsmann wird müde. Er lebt in Christstollen und dort bereiten die Elfen und er sich jedes Jahr intensiv auf das Fest vor. Doch er verliert die Freude daran. Er ist nicht mehr so enthusiastisch wie seine beiden „Chef-Elfen“ Freddy und Rubina. Und dann verändert sich auf einmal sein Körper. Was hat das zu bedeuten? Als er beim Christkind eine Antwort sucht, schickt dieses ihn zu den Menschen. Denn der Weihnachtsmann hat „Rentierfieber“ und wird sich in ein solches verwandeln, wenn er nicht bis zum Weihnachtsfest einen Nachfolger findet. Also macht der Weihnachtsmann sich zuversichtlich zu den Menschen auf und sucht nach einem neuen Weihnachtsmann. 
Erst an dieser Stelle wird die Geschichte so richtig spannend. Denn was erwartet den Weihnachtsmann bei den Menschen? Wie soll man auf jemanden reagieren, der behauptet, er sei der Weihnachtsmann und der sich in der Welt überhaupt nicht auszukennen scheint? Ich kann verraten: Es wird durchaus lustig. Die Autorin hat einen sehr guten Ton getroffen, sodass Kinder ganz sicher zwischendurch auflachen müssen, aber auch Erwachsene ins Schmunzeln kommen. Die Reise des Weihnachtsmannes ist definitiv spannend! Denn er trifft in der Menschenwelt auf ganz andere Wesen als Elfen und Christkinder. Da gibt es die Guten, wie etwa Joe, Maya, Tamara oder Jakob. Sie vertrauen dem skurrilen Mann und versuchen ihm zu helfen, einen neuen Weihnachtsmann zu finden. Aber wie findet man einen solchen eigentlich? Hier baut Emma Zecka die moderne Welt meines Erachtens sehr gut ein. Natürlich castet man einen Weihnachtsmann. Aber findet man so einen?
Um das herauszufinden, müsst ihr definitiv zum Buch greifen. Und nicht nur deswegen. Die Geschichte glänzt wirklich durch ihre liebevolle Art. Grundsätzlich ist sie schlicht. Es gibt nicht allzu viele Figuren, sodass man gut überblicken kann, wer wer ist. Auch die Schauplätze sind begrenzt, sodass der Überblick gut gelingt. Die Figurenkonstellation ist allerdings sehr gelungen. Ich sprach bereits von den Guten. Und die Bösen? Die gibt es natürlich auch. Denn ein Weihnachtsmann kann auch Feinde haben. Ebendiese Bösen haben mir sehr gut gefallen, denn die Moral, die dahinter steht, ist sehr lehrreich. Und so verhält es sich mit dem ganzen Buch. Man kann so viel aus der Geschichte ziehen, da sie ihre Akzente und Werte richtig setzt. Es geht um Freundschaft, um Gemeinschaft, Zusammenhalt und Liebe. Liebe zu Kindern, zum Weihnachtsfest und auch zu sich selbst. 
Ich habe diese Geschichte wirklich unglaublich gern gelesen, denn sie unterhält nicht nur – sie ist auch zuckersüß. Und das nicht nur, weil die Elfen grundsätzlich nur Süßes essen. Nein. Sondern weil man sich selbst ein wenig in diesem Geist von Weihnachten wiederfindet, den die Autorin immer wieder beschreibt. Es ist einfach schön, der Geschichte von Niko dem Weihnachtsmann zu folgen und ihn dabei zu begleiten, wie er sich bei den Menschen zurecht findet. 
Der Schreibstil von Emma Zecka ist dabei wirklich passend. Er ist fließend und bildreich. Sie schreibt sehr kindgerecht und dennoch lassen sich ein paar kleine Witze für die Erwachsenen unter uns finden. Die beschriebenen Schauplätze sind nur wenige, doch diese sind passend und schön dargestellt. Alle Figuren sind liebevoll ausgearbeitet und man empfindet sofort viele Sympathien. Für jeden gibt es sicher eine Figur, mit der er oder sie sich identifizieren kann!

Und da mir das Buch von vorne bis hinten unglaublich gut gefallen hat, vergebe ich definitiv 5 Sterne. Es ist einfach alles dabei: Das Gefühl von Kindheit, die richtigen Werte, die vermittelt werden sollen, schöne Handlungselemente, wunderbar liebevolle Figuren, eine innovative Idee und vor allem eine wundervolle Moral. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dieses Buch später meinen Kinder vorzulesen: immer ein Kapitel am Tag in der Vorweihnachtszeit! Ich bin mir sicher, dass das sehr gut funktioniert. Und dann kann man gleich als ganze Familie herausfinden, ob es Niko gelingen wird einen Nachfolger zu finden. Schließlich sagte ich zu Beginn, dass Weihnachten auch dieses Jahr kommen wird. Aber ohne Weihnachtsmann? Wir werden sehen!

   

25. September 2020

Mein SuB kommt zu Wort: Karli #50

 Hallo ihr Lieben!

Der September neigt sich dem Ende. Und das 20. Kalenderblatt ist leider schon vor ein paar Tagen gefallen. Höchste Zeit also, das SuB-Interview nachzuholen. 
Wie ich schon letzten Monat befürchtet hatte, war der September bisher durchaus ereignisreich. Der Schulstart lief im letzten Monat bemerkenswert gut. Ich glaube, alle sind froh, dass der Unterricht wieder stattfindet und damit ein wenig Normalität hergestellt wird. Mir macht das Unterrichten auch wieder super viel Spaß, auch wenn das Arbeitspensum natürlich hoch ist. Aber in welchem Beruf ist das nicht so?!
Mein Geburtstag war auch sehr schön. Da man sich aber inzwischen in einem Alter befindet, in dem die Geburtstage nicht mehr ganz so weltbewegend sind, war es mit ein paar Familienbesuchen auch getan. Mehr dazu wird Karli sicher gleich erzählen. Denn er steht schon in den Startlöchern ;) Ich übergebe also an meinen lieben, kleinen SuB :)

Wenn euch die Aktion der "Stapel ungelesener Bücher" interessiert, dann schaut unbedingt bei Anna und ihrem schönen Blog vorbei, die diese Aktion ins Leben gerufen hat!



1. Karli, wie groß bist du aktuell?

Fünf Tage. Ach, was soll ich da noch sagen. 
Ich starte mal mit einem einfach "Hallo, ihr alle!" Julia legt das Datum "20. eines Monats" inzwischen relativ flexibel aus. Aber vielleicht sollte ich lieber froh sein, dass sie überhaupt noch an mich denkt. Schließlich habe ich letzten Monat schon etwas ganz anderes prophezeit. Bei uns geht es im Moment nämlich drunter und drüber. Überall werden Umzugskartons gepackt, Handwerker bestellt und irgendwelche Termine mit Menschen gemacht. Ziemlich komisch das Ganze. Aber das schlimmste? Julia legt Hand an mich! Ja! Denn offensichtlich ziehen wir um. Und das schließt mich mit ein. Meine freche Besitzerin packt also langsam ein paar Bücher in Kisten und tatsächlich sortiert sie dabei auch aus O.o Das ist erschreckend! Denn Julia hat noch nie (!) Bücher aussortiert. Bisher sind ihr nur bereits gelesene Exemplare zum Opfer gefallen, aber ich bin sehr gespannt, ob auch mich noch das ein oder andere Buch verlassen wird. Ein bisschen Angst habe ich ja...
Andererseits werde ich dann kleiner, richtig?! Und das leitet mich natürlich ganz wunderbar zur ersten Frage über. Mein Lieblingsthema: meine Größe. Ich hatte vor dem September-Interview große Angst, weil Julia ja immer Bücher zum Geburtstag geschenkt bekommt. Doch derzeit kann ich mich noch in Sicherheit wiegen - vorerst. Denn Julia hat bisher nur zwei von drei Familienbesuchen gehabt. Es fehlt noch das Essen mit dem lieben Herrn Papa. Und genau dieser Papa ist für die Buchwünsche in der Familie zuständig. Hört ihr mich zittern??? Ich meine es ganz ernst. Nächste Woche werde ich um ein Vielfaches gewachsen sein.
Ich genießen also den zeitlich begrenzten Zustand weniger Geburtstagsbücher. Bisher hat Julia nämlich nur zwei neue Bücher zum Geburtstag bekommen. Hinzu kamen allerdings eine ganze Menge Rezensionsexemplare. Aber davon berichte ich gleich.
Es geht erst einmal um die nackten Tatsachen. Im letzten Monat war ich 119 Bücher groß. Das war der niedrigste Stand, den ich je hatte. Und ich war so, so, so glücklich!!
Heute bin ich nicht mehr ganz so glücklich. Aber es könnte auch schlimmer sein. Denn ich bin im Moment 123 Bücher groß. Das ist eine sehr bekannte Zahl. In diesen Sphären habe ich viele Monate rumgedümpelt...Ich befürchte allerdings Schlimmes in Bezug auf die kommende Woche 🙈


2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen - zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel.

Es ist das erste Mal seit vielen Monaten, dass ich so richtig gewachsen bin. Ich habe deutlich mehr als drei Neuzugänge zu verzeichnen. Eigentlich sogar neun, darunter drei Hörbücher. Ich bin völlig geflasht, wenn ich zurückdenke, wie lange es her ist, dass so viele neue Bücher bei mir in einem Monat eingezogen sind. Entscheiden muss ich mich aber ja doch. Also zeige ich euch hier drei der neun neuen Bücher:

  

Ich habe versucht, die Bücher ein wenig zu kategorisieren. Wie ich bereits sagte, hat Julia insgesamt drei neue Hörbücher angeschafft. Darunter "Vanitas II" von Ursula Poznanski und "Das Geheimnis der Goldmine" von Agatha Christie. In letzterem fehlt Julia nur noch ein Viertelstunde, also habe ich mich für den dritten Vertreter der Zunft entschieden. Und das ist "Sinn und Sinnlichkeit" aus dem Hörverlag. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Hörbuch und Hörspiel. Julia hat bereits die Vertonung zu "Northanger Abbey" gehört und freut sich nun sehr auf dieses wunderschön aufgemacht Hörbuch zu Jane Austens Klassiker. Eigentlich sollte das Hörbuch übrigens im März erscheinen. Nun ist es doch erst Ende September gekommen - ob Corona etwas damit zu tun hatte?!
Nummer zwei der gezeigten Bücher ist "Litersum - Musenfluch" von Lisa Rosenbecker. Dieses Buch ist der Stellvertreter für die Bücher, die Julia zum Geburtstag bekommen hat. Auf dieses Exemplar freut sie sich sehr, da sie den Vorgänger "Musenkuss" richtig toll fand. Ich bin mir sicher, dass auch das zweite Buch dieser Welt Julia überzeugen wird.
Und dann wären da noch die von Julia neu entdeckten "Escape Books" aus dem Ullmann-Verlag. Hier zeige ich euch "Tutanchamuns Geheimnis". Das Konzept dieser Bücher ist wirklich cool. Quasi ein Escape Room in Buchform. Falls euch das Thema interessiert, schaut bei Julias Rezension zu "Rätsel um Leonardo" vorbei.
Ich freue mich jedenfalls sehr, dass ich auch endlich mal wieder etwas von Neuzugängen berichten kann. Auch wenn der Platz nicht für alle reicht.


3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, eine Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)? 

Als letztes hat mich gestern erst ein dünnes Büchlein verlassen, nämlich das Drama "Dantons Tod" von Georg Büchner. Es handelte sich um einen 88-Seiten dünnen Klassiker, den Julia ehrlich gesagt ganz furchtbar schrecklich fand. Sie hat mehrere Tage für diese wenigen Seiten gebraucht, was glaube ich schon eine ganze Menge aussagt. Ich glaube kaum, dass eine Rezension folgen wird, allerdings wäre diese auch sehr kurz. Julia fasste ihr Fazit für mich so schön zusammen: ziellos, ohne Handlung und viel zu ausschweifend. Fast die Hälfte des Dramas sollen originale Zitate von Danton und seinen Zeitgenossen sein, was schon mal erklärt, warum das Buch irgendwie anstrengend gewesen sein muss.
Wirklich nichts gegen Klassiker...aber mit dem hier konnte Julia wohl nichts anfangen.
Das Buch war übrigens seit etwa einem Jahr bei mir. Eine Leiche war es also noch nicht ;)



4. Lieber Karli, der erste Herbstmonat 2020 ist da! Um den Herbst entsprechend zu begrüßen, wäre es doch schön, ein Buch zu zeigen, welches ebenfalls mit "H" im Titel beginnt.

Ach, der Buchstabe H ist ein wirklich schöner. Ich wusste zunächst nicht, ob sich viele Bücher mit einem Titel mit H auf meiner Liste finden lassen würden, aber Julia und ich haben gemeinsam sogar drei Stück gefunden. Ich habe mich für zwei davon entschieden und überlasse Julia die Entscheidung, welches der beiden sie im kommenden Monat lesen will.



Sind sie nicht schön? Julia hat sich in London in das Cover von "Heartless" verliebt und es vor zwei Jahren direkt mitgenommen. Leider hat sie den englischen Roman bis heute nicht gelesen. Höchste Zeit also das nachzuholen ;) Oder aber Julia entscheidet sich für ein noch älteres Buch, nämlich "Hundert Namen" von Cecilia Ahern, das ich wirklich schon EWIG besitze! Die Story scheint aber eine sehr schöne zu sein, vielleicht also etwas passender, als die Geschichte einer "Bösewichtin". Wer weiß. Ich bin gespannt, für welches Buch Julia sin entscheidet und sehr optimistisch, dass ich eines der beiden im nächsten Monat nicht mehr beherberge.
Als Update zum letzten Monat: Ich hatte als "Hype-Buch" "Divinitas" von Asuka Lionera genannt. Julia hat das Buch tatsächlich daraufhin gelesen und es hat mich verlassen *.* Ich bin ganz stolz auf meine Besitzerin. Das Buch war übrigens ganz in Ordnung, wie Julia es ausdrückte. Richtig begeistert war sie nicht. Vielleicht wäre das zu damaligen Hype-Zeiten ja anders gewesen. Auch das weiß ich leider nicht...


Und so schnell kann es leider gehen. Vier Fragen vergehen einfach wirklich schnell. Aber ich hatte wieder einmal wirklich Spaß, sie zu beantworten. Mein persönliches Monatsresumee fällt einigermaßen positiv aus. Allerdings steht mir auch noch der Besuch von Julias Vater bevor...das kann nur böse für mich enden!
Im nächsten Monat schreibe ich euch dann schon aus meinem neuen zu Hause. Drückt die Daumen, dass ich in ganzen Stücken dort ankomme ;) Ich freue mich auf Ende Oktober!

Alles Liebe,
euer Karli



Es so schwarz auf weiß zu sehen, ist schon krass. Max und ich sind tatsächlich im Umzugsstress und dass wir in zwei Wochen nicht mehr in unserer Wohnung sein werden, fühlt sich unwirklich an. Ein bisschen Angst darf man aber ja haben - auch der liebe Karli. Ich bin aber sehr optimistisch, dass er fast genauso groß in unserem neuen Haus ankommen wird, wie er aktuell ist!

Wie lief euer SuB-Monat? Habt ihr viele Bücher mit dem Buchstaben H auf eurem SuB liegen?


Liebst, 
eure Julia


20. September 2020

Rezension: "Escape Book - Rätsel um Leonardo"


Titel: Pocket Escape Book - Rätsel um Leonardo
Autor: Vincent Raffaitin
Verlag: Ullmann Verlag
Preis: 5,99€
Seiten: 128


In unserer Gesellschaft gibt es unzählige Trends. Einer, der sich durchgesetzt hat, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „rätselhafter“. In den letzten Jahren sind viele „Escape Rooms“ entstanden und natürlich begeben die Menschen sich gern auf die Jagd nach Abenteuern und Rätseln! Ich selbst war leider noch nie in einem Escape Room, doch das Format reizt mich sehr.  Und deswegen war ich sehr gespannt, als ich in der Vorschau des Ullmann-Verlags die Reihe der „Escape Books“ entdeckte. Der Name ähnelt sich nicht ohne Grund – denn ein „Escape Book“ ist sozusagen ein „Ecape Room“ in schriftlicher Form. Für mein allererstes Escape-Abenteuer entschied ich mich für ein toll aufgemachtes Heft mit dem Namen „Rätsel um Leonardo“ vom Autor Vincent Raffaitin, in dem der Leser die hinterlassenen Geheimnisse des großen Leonardo da Vinci entschlüsseln muss. Ich war Feuer und Flamme! Und ich wurde überrascht…sowohl in positiver als auch negativer Form.


Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Möglichkeit, Leonardo da Vincis letztes, größtes Geheimnis zu lüften… und Sie können derjenige sein, der es entdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich macht! Sie müssen nur die kryptischen, verschlüsselten Hinweise richtig interpretieren, die er hinterlassen und die Ihnen ein geheimnisvoller Fremder zugespielt hat. 

Wie ich bereits beschrieben habe, war „Rätsel um Leonardo“ mein allererstes „Escape Book“. Das Konzept hinter einem solchen Buch scheint einfach. Man liest das etwa 120 Seiten dünne Büchlein linear, also von vorn bis hinten. Anfangs wird man in die Geschichte eingeführt, – in diesem Fall in man ein junger Journalist, der einen Tipp zugesendet bekommt – anschließend tauchen alle paar Seiten Rätsel auf. Als Journalist muss man sich an verschiedene Orte begeben und dort Rätsel lösen. Diese Rätsel sind ganz verschiedener Natur. Zu jedem Rätsel gibt es zwei Hinweise. Diese sind mithilfe von Nummern im Buch gekennzeichnet und ganz hinten lässt sich ein Verzeichnis dieser Nummern finden. Sie sind übrigens nicht chronologisch, sodass man nicht aus Versehen einen weiteren Hinweis mitliest. Die Hinweise sollen natürlich helfen, das Rätsel zu lösen und „in den nächsten Raum“ zu kommen. Manche Rätsel bestehen auch aus einer Art Suchseite. In diesen Suchbildern verbirgt sich dann zumeist ein Buchstabe, der mit dem „Decodierer“ entschlüsselt werden muss. Der Decodierer ist ebenfalls eine Seite ganz hinten im Heft, der quasi weitere Anweisungen gibt. In den Regeln der Einleitung steht, dass man für das gesamte Buch nur 60 Minuten Zeit hat (man soll die Zeit stoppen) und dass man theoretisch nur fünf Hinweise insgesamt nutzen darf. Hat man drei Mal ein Rätsel nicht lösen können, ist die Geschichte theoretisch vorbei. Das Schöne ist aber ja, dass dies niemand kontrollieren kann.
So viel zu den Regeln und der Theorie.
Und dann kommt die Praxis.
Zuallererst muss man sagen, dass dieses dünne Heft wirklich toll aufgemacht ist! Von außen macht es bereits eine Menge her und der Klappentext ist absolut fesselnd. Man hat sofort Lust, die verschiedenen Rätsel zu lösen. Die Zeichnungen, Bilder und Hinweise im Büchlein sind hochwertig und sehen toll aus. Es gibt keine Rechtschreib- oder Druckfehler, sodass man theoretisch alle Rätsel lösen kann. Und da sind wir an einem problematischen Punkt: ich konnte die meisten Rätsel nicht ansatzweise lösen.
Mein Freund und ich haben und „Rätsel um Leonardo“ an einem Freitagabend geschnappt und uns gemeinsam ins Abenteuer gestürzt. Wir waren voller Vorfreude und stellten unseren Timer. Und irgendwann waren wir zutiefst frustriert. Denn die einzelnen Rätsel waren so, so, so schwierig! So blöd es klingt: ich halte mich für nicht auf den Kopf gefallen und dachte wirklich, ich könnte diese Rätsel lösen. Aber der Schwierigkeitsgrad ist unglaublich hoch und man muss oft mehr als nur um die einfache Ecke denken! Leider gibt es keine Angabe über einen Schwierigkeitsgrad, was ich wirklich schade finde. Wenn man vielleicht eine Zuordnung von drei Levels vorn auf das Cover hinzufügen würde, sodass der Leser sofort sieht „Aha, es ist ein schweres Escape-Book“, wäre glaube ich schon vielen geholfen. Denn mein Freund und ich waren schon beim ersten Rätsel überfordert. Bei nur zwei Rätseln (von insgesamt 19) haben wir nicht in die Hinweise geschaut. Oft ist der erste Hinweis auch unnötig, da man von selbst auf diesen Ansatz kommt, er aber eben nicht weiter hilft. Und obwohl in der Einleitung steht, dass der zweite Hinweis immer sehr eindeutig sei, waren wir nach dem Lesen noch immer ratlos.
Es mag sein, dass viele unserer Probleme mit unserer Unerfahrenheit zusammenhängen. Kennt man das Konzept und den Aufbau eines solches Buches, mag es einfacher sein. Doch auch so braucht man einen unglaublich hohen Grad an Vorwissen und Allgemeinbildung, um die Rätsel zu lösen. Mit anderen Worten: Man muss wirklich verdammt klug sein! Deswegen finde ich die Altersangabe von „ab 12 Jahren“ auch absolut verfehlt. Ich persönlich kenne zumindest keinen 12-Jährigen, der dieses Buch hätte lösen können. Ein weiterer Kritikpunkt ist meines Erachtens die Zeitangabe. Nach 75 Minuten waren mein Freund und ich gerade in Kapitel drei von fünf, uns fehlte also noch gut ein Drittel des Buches. Dabei haben wir bei den Rätseln gar nicht so lange verweilt oder uns groß Zeit genommen. Aber allein die Textmenge zu bewerkstelligen, kostet einen geübten Leser viel Zeit. Deswegen sind die 60 Minuten wirklich unrealistisch. Rechnet man die Lesezeit aus, kann es allerdings gut funktionieren!
Nach viel Kritik folgt natürlich auch etwas Positives: Die Geschichte ist wirklich cool und die Sache an sich macht wirklich Spaß! Kann man die Rätsel lösen, bestimmt noch viel mehr, als wenn man (wie wir) immer wieder auf dem Schlauch steht. Das Setting ist toll, die Grundlage des Rätsels ebenfalls und auch der Schreibstil ist flüssig. Kritisieren würde ich wiederum die Auflösung des Rätsels, da der Autor hier relativ unlogisch wird. Bei den Rätseln selbst herrscht allerdings die Logik vor! Und man muss bei einigen Rätseln auch wirklich kreativ werden! Manchmal bietet es sich an, im Heft herumzumalen, Seiten zu knicken oder auch das ein oder andere Hilfsmittel aus dem Haushalt zu benutzen…klingt spannend? Ist es auch definitiv!

Ein Fazit zu diesem wirklich toll gestalteten „Escape-Book“ zu fällen, erscheint mir schwer. Denn ich bin überzeugt, dass „Rätsel um Leonardo“ richtig, richtig viel Spaß machen kann! Das hat es auch immer dann, wenn man das Gefühl hatte, auf der richtigen Spur zu sein. Blickt man aber immer wieder auf die fortschreitende Zeit und kommt einfach nicht auf des Rätsels Lösung, setzte schnell ein gewisser Grad an Frustration ein. Mein Freund und ich haben insgesamt über zwei Stunden, ca. alle Hinweise und viele Nerven gebraucht, um dieses Büchlein zu lösen. Aber wir hatten trotz allem viel Spaß und ich konnte dem Konzept an sich sehr viel abgewinnen. Auch dieses spezielle „Escape-Book“ hat eine faszinierende Geschichte, die sicher viele Rätselfreunde in Zukunft erfreuen wird. Deswegen vergebe ich vier Sterne und freue mich schon auf das nächste Rätselabenteuer! Wer weiß, vielleicht werde ich dank meiner Erfahrung das nächste Mal besser abschneiden…


           




Vielen Dank an den Ullmann-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!