17. März 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Walter Boys" von Ali Nowak



Titel: Ich und die Walter Boys
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Aileen Wrozyna
Verlag: der Hörverlag
Preis: 22,95€
Seiten: 448
Dauer: 11h 8m

 

Obwohl ich inzwischen auf dem Papier wohl zu alt für Teenieserien und große Liebesdramen bin, bin ich in meinem Herzen noch immer das Mädchen, das in den 2000ern keinen Romance-Film ausgelassen hat. Wohl auch deswegen schaue ich noch immer voller Leidenschaft alle Neuveröffentlichungen, in denen die Storyline simple ist: Sie - unscheinbar. Er - der Star. Hinderungsgrund der Beziehung - variabel. Wichtig - Happy End.
In dieses Beuteschema passt natürlich auch die Serie "My life with the Walter Boys". Die Serie war solide. Aber wie so oft, war ich neugierig auf die Buchvorlage. Ist sie besser oder schlechter als die Serie? Meine Antwort? Zusammen sind sie perfekt!


Jackie hasst unvorhersehbare Ereignisse. Als perfekte Tochter hat sie ihr Leben in New Yorks High Society fest im Griff und sonnt sich in der Aussicht auf eine erfolgreiche Zukunft. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Mit einer Lawine unvorhersehbarer Ereignisse: 1. Jackie steht plötzlich alleine da. 2. Sie muss zu ihrer Vormundfamilie, den Walters, nach Colorado ziehen. 3. Die Walters haben nicht nur Pferde, sondern auch zwölf Söhne! Mitten in der Pampa, allein unter Jungs von 6 bis 21, für die Privatsphäre ein Fremdwort ist, lautet Jackies erster Gedanke: Nichts wie weg. Und ihr zweiter: Moment...ein paar der Kerle sehen unfassbar gut aus!


Hat man zuerst eine Verfilmung gesehen, hat man immer ein Problem mit der Buchvorlage: Man stellt sich die Charaktere und die Handlungsorte genauso vor, wie im Film oder in diesem Fall wie in der Serie. Man ist eben nicht mehr unvoreingenommen. Jackie Howard sieht im Buch beispielsweise vollkommen anders aus, ebenso Alex. In meinem Kopf waren es trotzdem die Gesichter der Schauspieler. Doch man sollte "Ich und die Walter Boys" nicht an der Serie messen. Bleiben wir also beim Buch.
Woran ich mich allerdings zuerst gewöhnen musste, war der Umstand, dass es im Buch noch mehr Kinder sind, als in der Serie. Insgesamt leben bei den Walters 12 Kinder/heiße Jugendliche. Über die Absurdität dieser Vorstellung brauchen wir glaube ich nicht zu diskutieren. Doch im Buchkontext funktioniert das tatsächlich sehr gut. Eigentlich ist es schade, dass einige Figuren später gestrichen wurden.
Da mir das Setting und die Handlung gewissermaßen vertraut waren, fühlte ich mich in der Geschichte sofort wohl. Jackie ist eine unverbesserliche Perfektionistin, die ich trotzdem als erfrischend empfand. Irgendwie hat man gemerkt, dass die Erstausgabe der Geschichte schon zehn Jahre alt ist. Denn Jackie ist eine Protagonistin, die viel zweifelt. Die auch oft falsche Schlüssel zieht und total subjektiv handelt. Von außen denkt man immer wieder "Wiesoooo?", aber irgendwie hat mir das typische Teenagerverhalten von ihr gefallen! Denn heute sind mir viele Protagonistinnen zu selbstbewusst und straight. Alle wissen immer, was sie wollen und insgesamt geht es viel zu sehr um Sex. Das ist hier ganz anders und dafür war ich dankbar! 
Jackie ist ein ganz gewöhnlicher Teenager, der mit einem grausamen Schicksalsschlag zurecht kommen muss. Dieses Thema wurde meiner Meinung nach gut umgesetzt und passte in die Geschichte. Neben der Trauerbewältigung sind Themen wie Freundschaft, Verliebtsein, Eifersucht und Familie sehr wichtig. Zusammenhalt wird bei den Walters großgeschrieben. Das imponierte mir. Insgesamt hat mir die Welt, in die Jackie geworfen wird, sehr gut gefallen. Das liegt natürlich vor allem an den "Boys". Bei dieser Vielzahl an verschiedenen Jungstypen ist natürlich für jedes Mädchenherz etwas dabei. Auch deswegen funktioniert die Geschichte ja so gut. Mein Herz hatte direkt Danny erobert. In der Serie muss ich ja auch gestehen, dass ich Cole gegenüber sehr distanziert war. Im Buch sind die Lager da schon klarer. Alex ist ein super süßer Kerl. Dass Jackies Herz aber für Cole schlägt, ist nicht zu übersehen. Und ich muss zugeben, dass Cole in "Ich und die Walter Boys" auch wirklich süß ist. Er hat sich seinen Status irgendwie nicht ausgesucht, sondern hat eben dieses Charisma. Er wäre wohl auch ein komischer Typ, würde ihm das nicht gefallen.
Ich fand die Szenen zwischen den beiden schön und authentisch. Da Jackie die Ich-Erzählerin ist, weiß man aber auch sehr schnell, dass Alex eher eine Art Notlösung ist. Die Spannung dahingehend war also eher schwach. Trotzdem bleibt bis zum Ende nicht klar, wofür Jackie sich entscheiden wird. Einen Jungen oder doch eben sich selbst?
Die Charaktere im Buch sind vielseitig und spannend. Wie ich schon sagte, ist für jeden etwas dabei. Schön waren auch die Szenen, in denen Jackie neue Freunde gefunden hat. Es ist wirklich schade, dass einige der Mädchen es nicht in die Serie geschafft haben, wie Heather zum Beispiel. Gleichzeitig muss man sich aber nichts vormachen. Die Autorin spielt natürlich auch mit Klischees. Ich bin keine Hörerin, die das stark hinterfragt. Denn solange die Figuren die Handlung nach vorn bringen, bin ich fine damit. Trotzdem sei hier erwähnt, dass viele Figuren Stereotypen entsprechen.
Der Schreibstil von Ali Nowak ist flüssig und jugendlich. Er passt super zum Buch und ist ein weiterer Wohlfühlfaktor. Die Sprecherin des Hörbuchs Aileen Wrozyna macht ihre Sache ebenfalls toll. Ihre Stimme hat super zu Jackie gepasst. Sie fängt die Atmosphäre gut ein, sodass man sich schnell mit Jackie identifiziert.
Zum Schluss noch ein letztes Thema. Lohnt es sich, das Buch zu lesen, wenn man die Serie schon kennt? Wenn einem die Serie gut gefallen hat, dann auf jeden Fall! Die Serie hat tatsächlich den Vorteil, komplexer sein zu können. Das Buch ist auf Jackies Sicht beschränkt. Die Serie kann die Gefühle vieler Figuren einfangen und baut so neue Handlungen auf, die es im Buch tatsächlich gar nicht gibt. Daher ist die Serie irgendwie eine schöne Ergänzung zum Original. Denn natürlich bietet auch "Ich und die Walter Boys" Szenen, die es eben nicht in der Serie gibt. Ich persönlich kann Jackie nach dem Hören der Geschichte viel besser verstehen, schaue aber auch die Serie wirklich gern weiter. Teenie forever.


"Ich und die Walter Boys" ist eine schöne Geschichte für vor allem jugendliche Hörerinnen, die nicht zu viel nachdenken wollen. Natürlich ist das Setting nicht immer realistisch und abgesehen von Jackies fürchterlichem Schicksalsschlag fehlen große Probleme. Aber ist man ein Teenager und zum ersten Mal verliebt, ist eben genau das das große Problem. Jackie meistert das im Kontext der 12 Jungs ziemlich gut und hat mich die ganze Zeit gut unterhalten. Als Hörbuch funktioniert die berühmte Geschichte ebenfalls klasse, weshalb ich vier von fünf Sternen vergebe.



4. Februar 2026

Rezension [Hörbuch]: "Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen"

 


Titel: Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen
Autorin: Judith Rossell
Sprecherinnen: Merete Brettschneider, Maria Hartman
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 6h 49m
Seiten: 320
Preis: 15,95€

Jedes kleine Mädchen hatte wahrscheinlich einmal den Wunsch, Detektivin zu werden. So sein wie Hanni und Nanni im Internat oder all die anderen Kinder, die spannende Abenteuer erlebten. In die Reihe von den „Fünf Freunden“ und Co. darf sich nun eine weitere Gruppe eintragen: die Mädchen des Midwatch Instituts. Denn diese jungen Mädchen können mit den genannten Detektiven definitiv mithalten. „Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen“ ist ein grandioses Kinderbuch, das ich vor allem Mädchen ab neun Jahren unbedingt empfehlen würde! Freundschaft, Zusammenhalt und das Stärken des eigenen Selbstbewusstseins stehen hier in Verbindung mit Spaß und Humor und machen dieses Hörbuch zu einem wundervollen Hörerlebnis.

Maggie Fishbone wird auf das Midwatch-Institut für unerwünschte Mädchen geschickt. Doch Maggie stellt bald fest, dass das Institut nicht der schreckliche Ort ist, für den ihn alle halten. Im Gegenteil: The Midwatch heißt die verstoßenen Mädchen willkommen und ermutigt sie, ihre Talente einzusetzen und weitere nützliche Fähigkeiten wie Schlösserknacken und Morsen zu erlernen. Denn es sind die verstoßenen Mädchen des Midwatch-Instituts, die mit ihren besonderen Fähigkeiten Kriminalfälle lösen und die Stadt vor Bösewichten beschützen.

Greift man zu diesem Hörbuch, muss man sich des Adressaten natürlich bewusst sein. Das Buch ist definitiv für Kinder geschrieben und genau für diese ist es absolut wunderbar! Laut Klappentext geht es um die kleine Maggie Fishbone, die zusammen mit zwei anderen Mädchen ins Institut kommt. Eine richtig zentrale Protagonistin ist Maggie allerdings nicht. Ihre Freundinnen Nell und Sophie stehen ebenso im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Harriet oder all die anderen Mädchen. Sie bilden gemeinsam ein Team. Und damit wären wir bei einem großen Thema des Buches: Freundschaft. Judith Rossell zeigt auf eine sehr schöne Art, wie Freunde das eigene Selbstbewusstsein stärken und wie man selbst daran wächst. Maggie ist am Ende ein anderes Mädchen und findet im Midwatch-Institut nicht nur neue Freunde, sondern sogar Familie.
Die kleinen Mädchen sind tolle Protagonistinnen. Insgesamt sind in „Midwatch – Schule der unerwünschter Mädchen“ ein Haufen schrulliger und skurriler Persönlichkeiten zu finden. Einige sind natürlich überzeichnet, wie zum Beispiel die Bösewichte, aber das passt insgesamt sehr gut zum Charakter des Buches. Die Mädchen müssen einen kniffligen Kriminalfall lösen, der sehr spannend ist. Das Setting hat mich hierbei anfangs ein wenig verwirrt. Denn obwohl „Midwatch“ kein Fantasy-Buch ist, gibt es durchaus fantastische Elemente. Zum Beispiel ist ein ganz normales Fortbewegungsmittel in Maggies Welt das Zeppelin. Ansonsten scheint die Geschichte etwa in den 20er Jahren zu spielen und das heißt auch, dass Glanz und Glamour auf eine gewisse Art nicht fehlen dürfen: schicke Hotels oder der Tanz Charleston sind beispielsweise an der Tagesordnung.
Auf der Tagesordnung von Maggie stehen ziemlich interessante Fächer: Morsen, Knoten knüpfen, Fechten, Schweizerdeutsch, Charleston oder Verstecken. Und ganz ehrlich…welches Mädchen hätte als Kind nicht gern solche Fächer in der Schule gehabt?! Tatsächlich kann man nebenbei noch eine ganze Menge aus „Midwatch“ lernen. Alle paar Kapitel taucht nämlich ein kleines Exkurs-Kapitel mit dem Titel „Nützliche Dinge, die jedes Mädchen wissen sollte“ auf. In einem wird zum Beispiel das gesamte Morse-Alphabet erklärt, in einem anderen verschiedene Knotentechniken gezeigt. Als Hörbuch funktioniert das nur semigut, aber im Buch ist es für junge Leser sicher ein Highlight!
Der Schreibstil ist wirklich gut. Er ist flüssig und sehr fantasievoll. Vor allem aber ist das gesamte Szenario unglaublich humorvoll und charmant. Es gibt kein böses Wort zwischen den Mädchen, dafür aber viel zu Lachen. Die Sprecherin Merete Brettschneider macht ihre Sache gut. Sie liest zeitgemäß und sehr passend zur Geschichte. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich als Erwachsene beim Hören manchmal etwas abgedriftet bin. Die Nützliches-Wissen Kapitel werden von Maria Hartmann gelesen. Auch hier gibt es keinerlei Kritik.


Die größte Stärke dieses Buches sind wirklich die Werte, die Judith Rossel transportiert. Sie zeigt, wie wichtig Freundschaft ist, wie man zusammenhält und so aus jeder Klemme kommt. Denn zusammen ist man stark. Das lernen Maggie und ihre Freundinnen während dieses spannenden Kriminalabenteuers ganz nebenbei. Für junge Mädchen, aber sicher auch Jungen ist es ein wirklich tolles Buch, das ich sofort verschenken würde. Ich persönlich musste mit dem Setting erst zurechtkommen, vergebe aber gern 4,5 Sterne, die es verdient haben, aufgerundet zu werden.