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13. März 2024

Rezension [Hörspiel]: "The Quest - Die längste Reise" von Melanie Raabe

 


Titel: The Quest - Die längste Reise
Autorin: Melanie Raabe
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 11,95€
Dauer: 4h 10m

Ich liebe Hörbücher. Und Hörspiele. Aber manchmal kann ich mich nicht entscheiden, was ich lieber mag. Die Hörspiele für Erwachsene sind definitiv in der Unterzahl und trotzdem finde ich es immer toll, wenn mehrere Sprecher einen unterhalten und in eine authentische Geschichte entführen. Hintergrundgeräusche, verschiedene Stimmen und Musik machen für mich gute Hörspiele aus. Und um ein solches handelt es sich definitiv bei „The Quest“ von Melanie Raabe. Normalerweise bin ich nicht im Thriller- oder Krimigenre unterwegs. „The Quest“ würde ich ersterem zuordnen und eines kann ich vorweg nehmen: Es wird spannend…und etwas gruselig! Und auch für Neulinge im Thrillergenre ist beste Unterhaltung garantiert.


Paul ist verschwunden. Eigentlich war der leidenschaftliche Journalist nur drei Wochen in einem Kurhotel zur Recherche. Doch als ihn seine Lebensgefährtin Alice vom Zug abholen will, taucht er nicht auf.
Alice‘ Anrufe laufen ins Leere, Paul versäumt das vielleicht wichtigste Interview seiner Karriere. Und das Hotel behauptet, er sei schon vor Tagen abgereist.
Schließlich checkt Alice selbst dort ein. Sie findet heraus, dass in den vergangenen Jahren gleich mehrere Personen seit ihrem Aufenthalt in dem Hotel nicht mehr aufgetaucht sind. Was ist dort geschehen? Mit all diesen Menschen – und mit Paul? Und welches Geheimnis verbindet die sonderbar undurchschaubaren Hotelgäste?

Der Anfang des Hörspiels „The Quest“ ist ein kleines bisschen verwirrend. Aber das soll definitiv so sein. Für mich hat einiges erst am Ende Sinn ergeben und deswegen muss ich der Autorin schon einmal mein Kompliment aussprechen. Melanie Raabe hat eine spannende und etwas skurrile Geschichte erschaffen, in der sie alle Fäden in den Händen behalten und am Ende sinnvoll zusammengeführt hat. So passt beispielsweise die Stimme der Erzählerin, für die eine ältere Frau gewählt wurde, erst sehr spät ins Bild. Aber am Ende dachte ich eben: „Ach, klar!“ Solche Momente ergeben sich innerhalb der Geschichte immer wieder und das hat mir gut gefallen. Es zeigte mir, dass „The Quest“ definitiv durchdacht ist. Ob das gleichzeitig heißt, dass die Story logisch ist, kann ich gar nicht genau sagen. Trotzdem ist sie nicht unlogisch.
Da ich nicht spoilern will, kann ich an dieser Stelle das große Geheimnis von „The Quest“ natürlich nicht verraten. Im Grunde geht es um eine junge Frau, die herausfinden will, was mit ihrem Lebensgefährten geschehen ist, nachdem er in einem Kurhotel im Schwarzwald verschwunden ist. Gerade der Anfang der Geschichte ist super spannend. An dieser Stelle sucht Alice (die übrigens eine bemerkenswerte, wenn auch nicht unbedingt sympathische Protagonistin ist) nach Paul. Er ist einfach verschwunden und sie kann ihn nicht erreichen. Niemand hat etwas von ihm gehört. Die Atmosphäre im Hörspiel ist zu Beginn sehr düster und mysteriös. Alles ist seltsam und deswegen sehr spannend. Doch dann erreicht Alice Paul plötzlich. Er ist also eigentlich nicht verschwunden. Doch er ist verändert. Und er verändert sich immer weiter und zwar so sehr, dass Alice beschließt, selbst in den Schwarzwald zu reisen. Das Wort „seltsam“ passt nicht nur zu den Geschehnissen rund um Paul. Es beschreibt auch die meisten Gäste des Hotels. Irgendetwas geht vor sich, das merkt Alice schnell. Warum fragt man sie, ob sie „eine von uns“ sei und wer klopft nachts immer wieder an eine Wand. Wer ist „der Doktor“ und wer der unbekannte Dauergast, den scheinbar nie jemand sieht? Es stellen sich unzählige Fragen, von denen eine spannender ist als die nächste.
Melanie Raabe hatte mich sehr schnell in ihre Welt gezogen und ich war gefesselt. Die gelungene Aufarbeitung der Geschichte als Hörspiel tut ihr übriges. Gerade die leise Hintergrundmusik macht viele Szenen schaurig. Es gibt eine Vielzahl an Sprechern, die wirklich einen guten Job machen. Ich dachte beim Hören mehrfach, dass die Geschichte nicht wie eine Realityserie gesprochen ist, bei der man sofort merkt, dass geschauspielert wird. Nein, die Sprecher reagieren im Gespräch alle sehr natürlich und dadurch wird die Geschichte authentisch. Die Figuren selbst sind (wie die Geschichte auch) skurril. Alice ist eine interessante Protagonistin, die aber eine recht aufwühlende Vergangenheit hat. Ich konnte mich nicht mit ihr identifizieren und ich hätte definitiv nicht wie sie gehandelt. Aber warum auch. Alice ist mutig, manchmal etwas rücksichtslos und willensstark. Ihr Freund Paul ist ebenfalls ein Freigeist, der mir in den Flashbacks aber sehr gut gefiel. Alle Hotelgäste sind eher merkwürdig, wofür es natürlich einen Grund gibt. Und den herauszufinden, macht Alice sich zur Aufgabe. Diese Aufgabe meistert sie.
Ob man mit der Auflösung und der Bedeutung von „The Quest“ einverstanden ist, muss jeder Hörer selbst wissen. Ich fand das Konzept wirklich spannend! Allerdings wäre es nichts, was ich jemals ausprobieren wollen würde. Auf keinen Fall. Und ich hoffe wirklich, dass es sich nur um eine fiktive Sache handelt. Ansonsten würde ich nachts wahrscheinlich nicht mehr so ruhig schlafen können.
Ihr merkt also: Die Geschichte lässt einen nicht mehr wirklich los. Ich habe viel über die Handlung von „The Quest“ nachgedacht und die Geschichte bleibt einfach im Gedächtnis. Ich habe mich super unterhalten gefühlt. Allerdings hatte der Spannungsbogen schon einen Knick, als Alice herausfindet, was „The Quest“ ist. Die Geschichte bleibt zwar spannend, wendet sich aber einer zweiten Handlung zu, die ich als nicht ganz so interessant empfand.
Jeder der Sprecher macht seine (und ihre) Sache toll! Es ist unglaublich, wie viele Personen an diesem Hörspiel beteiligt waren. Doch in meinen Augen hat sich dieser Aufwand gelohnt. Die Figuren sind alle sehr verschiedene und durch die Stimmen sind die unterscheidbar. Dieser Durchblick ist auch nötig, um die Geschichte zu verstehen.

Mir hat „The Quest“ wirklich gut gefallen und vor allem habe ich mich unglaublich unterhalten gefühlt. Die Geschichte von Alice und Paul ist spannend und ganz sicher ungewöhnlich. Das Seltsame und Skurrile ist wohl das Reizbare an dieser Geschichte. Ich selbst konnte mich mit vielen Dingen von „The Quest“ nicht identifizieren und musste deswegen eine gewisse Distanz zur Handlung bewahren. Trotzdem ist die Geschichte spannend, etwas gruselig und wirklich, wirklich gut gemacht! Deswegen vergebe ich insgesamt vier Sterne und kann jedem Hörspielfan dieses seltsame Hörspiel nur ans Herz legen.


  

11. August 2022

Rezension [Hörbuch]: "Die Spur - Er wird dich finden" von Jan Beck

 


Titel: Die Spur - Er wird dich finden
Autor: Jan Beck
Sprecher: Florens Schmidt & Nina Reithmeier
Verlag: der Hörverlag
Preis: 21,95€
Seiten: 416
Dauer: 10h 31m

Der Klappentext von „Die Spur – Er wird dich finden“ hat mich sofort angesprochen. Ein Serienmörder, der die Opfer als Kunstwerke ausstellt und über ganz Europa verteilt?! Wäre es nicht so spannend, würde es einfach nur grotesk klingen. Doch so eröffnet Jan Beck das Setting seines Romans und man muss sagen, er hat den Leser bzw. den Hörer damit sofort in seinen Bann gezogen. Es beginnt eine spannende Jagd durch Halbeuropa, die an eine besondere Schule in Bologna führt. Spannung, Nervenkitzel und Gänsehaut sind garantiert. Denn „Die Spur“ ist ein tolles und vielseitiges Hörbuch.


Mitten in Lissabon wird eine Leiche gefunden. Der Anblick ist grotesk: Das Opfer wurde wie eine Statue drapiert. Wenige Tage später folgt ein weiterer grausamer Fund – diesmal am Kapitelplatz in Salzburg, und wieder trägt der Mord dieselbe Handschrift. Über zweitausend Kilometer liegen zwischen den beiden Städten, und doch scheinen die Opfer miteinander verbunden. Europols Topermittler Inga Björk und Christian Brand folgen der Spur des Killers, der noch lange nicht genug hat. Bald wird klar, dass die Taten mit einer jungen, einflussreichen Elite aus Top-Talenten zusammenhängen, die mitten in Europa agieren und deren Geheimnisse tödlich sind...

Wie bereits erwähnt, zog mich hier der Klappentext ganz besonders an. Tatsächlich kenne ich die beiden Vorgängerteile nicht, sodass das Ermittlerduo für mich neu war. Nichtsdestotrotz kommt man auch ohne Vorwissen sehr gut in die Handlung. Es ist sicher sinnvoll, die anderen beiden Bände auch zu kennen, allein damit man Hintergrundwissen über die Ermittler Inga Björg und Christian Brand hat – denn beide sind wahrlich keine leichten Charaktere – aber es geht eben auch so.
Ich habe „Die Spur – Er wird dich finden“ als Hörbuch gehört und zunächst muss ich die Qualität loben. Es gibt verschiedene Sprecher, einen weiblichen und einen männlichen. Beide lesen verschiedene Figuren und Zeitschienen. Sowohl Florens Schmidt als auch Nina Reithmeier machen ihre Sache sehr gut. Beide lesen flüssig, ruhig und angemessen. Man folgt der Geschichte durch diese beiden Stimmen wirklich noch mehr und identifiziert die Charaktere eben damit.
Die Geschichte ist genauso spannend, wie sie auch klingt. Anfangs bekommt man als Hörer nur sehr wenige Brocken, aber man versucht die ganze Zeit selbst zu kombinieren und so auf den Täter zu kommen. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Inga Björg und Christian Brand sind beide als Erzähler der eigenen Sicht eingesetzt. Und das ist auch gut so, denn tatsächlich scheint einer der beiden auch persönlich in den Fall verwickelt zu sein. Neben diesen beiden Figuren gibt es aber auch die Perspektiven der Opfer und die einer ehemaligen Schülerin der Toptalente Schule. Amelies Handlungsstrang erzählt Geschehnisse aus der Vergangenheit. Was diese mit der aktuellen Mordserie zu tun hat, ist anfangs natürlich unklar. Und trotzdem entfaltet Jan Beck genau das hervorragend. Sein Schreibstil ist wirklich sehr gut und er weiß die Spannung zu erhalten. An manchen Stellen allerdings fand ich ihn auch zu ausschweifend. Einiges hätte man sicher kürzen können. Andererseits haben mich manche Szenen gerade weil sie so ausführlich geschildert und in die Länge gezogen wurden aufgeregt, was dafür spricht, dass der Autor den Hörer emotionalisiert.
Die Charaktere sind rundum authentisch und sehr verschieden. Es ist ein guter Mix aus Privatem und dem Beruf. Denn natürlich haben auch Björg und Brand ganz persönliche Meinungen übereinander und müssen eben trotzdem zusammenarbeiten. Aber auch die anderen Charaktere sind interessant, allen voran Amelie. Des Weiteren hat mir das Setting außergewöhnlich gut gefallen. Der Roman spielt an vielen verschiedenen Orten in Europa: Den Haag, Salzburg, Paris, Malmö oder Berlin. Das Jetsetten ist zwar etwas abstrus, aber dadurch wird die Geschichte eben auch aufregend.
An der Handlung habe ich tatsächlich nur einen Kritikpunkt: das Ende. Ich hatte dann doch etwas mehr erwartet und fand die Lösung nicht so toll wie den Rest des Buches. Einfach nicht ganz so würdig. Und wenn ich dabei bin, dann muss ich noch einen letzten Kritikpunkt loswerden: Ich finde den Titel wirklich nicht passend. Das Wort „Spur“ wird glaube ich nie erwähnt und eigentlich fehlen Björg und Brand genau diese für den Fall. Ich verstehe schon die Kürze und den Willen, dass sich der Titel gut in die Reihe fügt, aber trotzdem ist er nichtssagender, als er sein müsste.

Insgesamt bekommt man bei „Die Spur – Er wird dich finden“ einen fesselnden und toll geplanten Thriller, der unglaublich gut unterhält. Die Geschichte ist durchweg spannend und hat eine gute Mixtur zwischen Privatem aus dem Leben der Ermittler und Arbeit an dem Fall. Nur das Ende sorgt für leichten Abzug, weshalb ich vier von fünf Sternen vergebe. Und trotzdem ist es ein richtig tolles Hörbuch, das ich gern empfehle!


27. Mai 2016

Rezension (2015): "Hörst du den Tod" von Andreas Götz


Titel: Hörst du den Tod
Autor: Andreas Götz
Verlag: Oetinger
Preis: 16,99€
Seiten: 336

Ein Thriller zum Miträtseln, zum Nachdenken und Zittern. „Hörst du den Tod“ von Andreas Götz ist ein Jugendthriller, dem ein ziemlich interessantes Thema zu Grunde liegt: Das Hören.

Inhalt


Der 17-jährige Linus ist etwas Besonderes, auch wenn er das gar nicht möchte: Er hört nahezu alles. Sein Gehör ist unglaublich ausgeprägt und auch sein Vater hat dieses Talent in ähnlicher Weise. Als Linus Mutter spurlos verschwindet, versucht er sich keine Sorgen zu machen, schließlich haben sich seine Eltern vor kurzem erst getrennt. Doch als ihn und seinen Vater Audiodateien erreichen, wird die böse Vorahnung Gewissheit. Vera ist entführt worden und der Entführer schickt nichts als Geräusche. Es geht ihm nicht um Lösegeld, aber um was dann? Als auch noch Linus Freundin Lucy verschwindet, beginnt ein Spiel gegen die Zeit. Doch kann Linus seinem Patenonkel und BKA-Beamten Frank trauen? Was hat Lucys Familie damit zu tun? Und ist auf den Audiodateien wirklich der Tod zu hören, womöglich der Tod seiner Mutter?


Meinung


Andreas Götz hat mit seinem Thriller „Hörst du den Tod?“ wieder mal einen guten Jugendthriller geschaffen. Für mich persönlich war das Thema des Hörens wirklich interessant. Sich vorzustellen, ein Mensch kann die leisesten Geräusche hören, ist schon unglaublich. Und dann auch noch Aufnahmen auf denen jemand stirbt…?! Das Thema hat mich also schon mal gereizt.
Im Roman sind aber neben dem Hören und der Entführung, noch ganz andere und verschieden Themen verarbeitet. Liebe, Freundschaft, Scheidung, Familie, Psychologie, Musik und Sex. Nicht unbedingt alles in gleichem Maße, aber es ist doch eine Menge zu finden.

Die Charaktere des Buchs sind gut gezeichnet. Auch wenn ich nicht unbedingt die größte Nähe zu ihnen empfunden habe, sind doch viele Details verarbeitet und vor allem die Familienverhältnisse sind interessant. Der große Unbekannte ist ebenfalls ein guter (im fiesen Sinne) Charakter. Er ist ziemlich schlau und spielt sein ganz eigenes Spiel. Oft ist man von seinem Denken (, denn es gibt auch Kapitel aus seiner Sicht) angewidert und geschockt, aber es macht die Sache auch spannender. Ich persönlich bin bis zur Auflösung nicht drauf gekommen, wer der Bösewicht ist. Wie bereits erwähnt, ist aber auch das Thema von Familie und auch von Gesellschaft mit in den Thriller eingebunden. In diesem Zusammenhang hat es mir besonders gefallen, dass Linus und Lucy von Anfang an zusammen waren und nicht zuerst eine ausführliche Liebesgeschichte erzählt wurde. Die Liebesgeschichte findet so auf einer Art Nebenbühne statt und kommt dennoch nicht zu kurz.
Der Stil des Autors ist flüssig und leicht lesbar. Dennoch ist er nicht anspruchslos. Ich finde, dass Götz durch seinen Stil immer eine bestimmte Spannung aufbaut und sie auch durchhält, wenn sie auch manchmal etwas extremer hätte sein können. Das Buch ist in einer Art Countdown geschrieben. Es wird heruntergezählt, bis zu dem Tag, an dem Linus Mutter sterben soll. Außerdem sind innerhalb der Kapitel kleine Abschnitte, die nach Uhrzeiten angeordnet sind. So ergibt sich ein lockeres Schriftbild, das einen guten Überblick vermittelt. Die Geschichte an sich ist spannend und das Ende kam für mich in gewisser Weise unerwartet. Gute Charaktere, tolle Idee und eleganter Stil. Das Cover ist übrigens auch wirklich überzeugend und absolut passend zum Inhalt. 

Fazit


„Hörst du den Tod?“ ist in erster Linie spannend und der Leser verfängt sich immer wieder in dem Netz, das der große Unbekannte spinnt. An manchen Stellen hätte die Story etwas besser ausgearbeitet sein können, aber schon alleine das Thema und die vielen verschiedenen Untergeschichten machen das Buch toll. Von mir gibt es verdiente vier Spitzenschuhe.


 

20. März 2016

Rezension: "That Night - Schuldig für immer" von Chevy Stevens


Titel: That Night - Schuldig für immer
Autor: Chevy Stevens
Verlag: Fischer
Preis: 9,99€
Seiten: 464


Selten konnte mich ein Buch so in seinen Bann ziehen, dass ich noch Tage später über die Geschichte und die Emotionen zwischen den Seiten nachdenken musste. „That Night – Schuldig für immer“ ist unglaublich fesselnd, spannend und hat mich wirklich mitgenommen. Viele der auftauchenden Stränge und Emotionen empfand ich als furchtbar – aber das ändert nichts daran, dass das Buch furchtbar gut ist!

Inhalt


Die 18-Jährige Toni Murphy ist eine rebellische Teenagerin, die einfach nur die Schule hinter sich lassen will, um ein Leben mit ihrem Freund Ryan zu führen. Sie und Ryan machen nicht immer alles richtig – Gelegenheitsjobs, ein Joint hier oder auch mal eine Konfrontation mit dem Gesetz dort. Tonis Eltern sehen die Beziehung nicht gern und erst Recht ihre Mutter hat Probleme mit ihrer Tochter. Toni ist das Gegenteil ihrer „ach-so-perfekten“ Schwester Nicole. Sie kommt pünktlich nach Hause und tut, was man ihr sagt. Doch auch Nicole hat ihre Geheimnisse. Niemand hätte ahnen können, was im Sommer 1996 passiert, doch als Toni und Ryan für den Mord an ihrer Schwester festgenommen werden, beginnt jeder an ihre Schuld zu glauben. 15 Jahre ihres Lebens verbringt Toni im Gefängnis – und das während der wahre Täter noch frei ist. Was ist in jener Nacht wirklich passiert? Wer ist Schuld an Nicoles Tod? Denn auch wenn Toni sie nicht umgebracht hat, ist sie doch schuldig für immer…

Meinung


Das Buch wird in zwei verschiedenen Zeiten erzählt. Der Leser erfährt so immer bruchstückhaft, was in Tonis Vergangenheit alles geschehen ist. Die Geschichte beginnt mit Tonis Entlassung 2012 und springt im Wechsel immer wieder ins Jahr 1996. Es geht um ihre Schulzeit, die Cliquen der Schule und wie sich ihre kleine Schwester verändert hat. Immer wieder gepaart mit ihren Erfahrungen im Frauengefängnis. Harten Schlägereien und erschreckend realer Brutalitäten.
Durch den Erzählstil bleibt die Geschichte durchgehend spannend. Allerdings stellt man sich nicht gern jedem Ereignis. Viele Dinge, die Toni im Gefängnis lernen musste, sind furchterregend.

Das Besondere an diesem Thriller ist die Art zu Erzählen und Emotionen aufzubauen. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und man fühlt alle Gefühle Tonis mit. Diese Geschichte ist so unfair und man fühlt sich während des Lesens tatsächlich hilflos. Wie unfair kann die Welt sein, dass niemand daran glaubt, dass du deine eigene Schwester nicht umgebracht hast? Oftmals wurde ich wirklich aggressiv während des Lesens. Wie Toni von ihrer Mutter behandelt wird, lässt jeden gesunden Menschenverstand aussetzen. Auch wenn man vieles nachvollziehen kann, sitzt man doch oft mit schüttelndem Kopf vor den Seiten.
Aber dies ist eigentlich ein Kompliment für die Autorin, Chevy Stevens, die mit „That Night“ wirklich einen tollen und spannenden Thriller geschaffen hat. Der Stil ist flüssig und bleibt dem Charakter von Toni treu. Man erlebt alles aus ihrer Sicht, was auch zur Folge hat, dass man viele Geheimnisse nur erahnen kann. Ich konnte das Ende keinesfalls voraussehen, aber es passt sehr gut zur Geschichte. 
Auch wenn zwischenzeitlich nicht allzu viel passiert, beschäftigt man sich ständig mit der Frage, was wirklich passiert ist. Wer war beteiligt? Warum war Nicole in den letzten Monaten vor ihrem Tod so anders? Was hat die fiese Schulclique mit der Sache zu tun und warum gab es nie andere Verdächtige als Ryan und Toni?

Fazit



Wer auf all diese Fragen eine Antwort haben möchte, sollte schnell zum Buch greifen. Auch wenn ich eigentlich kein Thriller-Fan bin, hat mich dieses Buch absolut gefesselt. Zwar bin ich so zart besaitet, dass es mich erschreckt, dass solche Dinge tatsächlich geschehen, aber in diesem Thriller ist es sehr gut verarbeitet. Er stellt die harte und grausame Realität dar und nicht nur einmal habe ich mich gefragt, wie ich in Tonis Situation reagiert hätte. Wie dem auch sei…verdiente 5 Spitzenschuhe für eine Nacht, deren Verlauf für viele zerstörte Leben gesorgt hat (Gott sei Dank in einem fiktiven Rahmen).





26. Januar 2016

Rezension: "Mörderische Unschuld" von Rikje Bettig


Titel: Mörderische Unschuld
Autor: Rikje Bettig
Verlag: Midnight
Preis: 4,99€ (kindle-Edition)
Seiten: 485


Für mich war „Mörderische Unschuld“ von Anfang an etwas ganz Besonderes. Nicht nur, dass die Autorin mir nicht unbekannt war, nein. Dieser unglaublich gut durchdacht und spannend erzählter Thriller spielt auch noch in meiner Heimatstadt, dem wunderschönen Bremen. Bei „Mörderische Unschuld“ handelt es sich um ein Buch, das nicht nur durch die Handlung und den Regionalcharakter besticht, sondern vielmehr durch die vielschichtigen Charaktere und ihre Erzählweise etwas ganz Besonderes wird. Absolute Empfehlung!

Inhalt


In Bremen ereignet sich ein brutaler Mord. Der Verdächtige ist in dem exzentrischen Barbesitzer und absolutem Macho Max Rosing schnell gefunden. Er ist ein brutaler Egomane, der eine Bettgeschichte mit dem Opfer hatte, von ihr zurückgewiesen wurde und ihr aus Rache die Kehle durchschnitt. Aber ist es so einfach, wie es den Anschein macht? Als Eilert Wend die Verteidigung von Rosing übernimmt horcht man erstmals auf. Ist er nicht eigentlich Wirtschaftsanwalt? Eilert holt schnell seine junge Kollegin Josi Berger mit ins Team, die danach strebt sich zu beweisen und außerdem ist Eilert tatsächlich nicht ganz neutral. Jo setzt alles daran Rosing schnellstmöglich aus der Untersuchungshaft zu bekommen. Doch weiß niemand genau, ob er da wirklich zu Unrecht sitzt. Als er auch noch persönliches Interesse  an Josi zeigt, wird die Lage brenzlig. Kann die junge Anwältin den Mord aufklären? Es entwickelt sich eine spannende Geschichte, in der nichts ist wie es scheint. Als sich dann auch noch ein weiterer Mord ereignet begreift Jo, dass sie in etwas viel Schlimmeres hineingerutscht ist, als gedacht.

Meinung


Mal wieder ein Buch, bei dem mir die Inhaltsangabe nicht leicht fällt. Bei Thrillern ist es häufig so, dass die Handlung so vielschichtig ist, dass man nur schwer erklären kann, worum es geht. Ebenso hier. Allerdings reicht mir auch oftmals der Klappentext nicht. Bei „Mörderische Unschuld“ steckt nämlich noch sehr viel mehr drin, als draufsteht.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten geht es vor allem um die Verteidigung von Max Rosing. Der zweite beschäftigt sich mit den Morden und der privaten Vorliebe vom Mandanten zu seiner Anwältin. Es wird quasi persönlicher. Mit dem persönlicherem, kommt aber auch das Brutalere. Man kann sagen, dass sich die Handlung entwickelt. Jeder der beiden Teile hat seinen eigenen Höhepunkt und dennoch gehören sie untrennlich zusammen. 
Im ersten Teil ist die Verhandlung das absolute Highlight. Hier beschreibt die Autorin so authentisch und fesselnd, dass man denkt, man sei in einem Film. Die ausgiebige Recherche und Expertise kann man hier aus jeder Zeile lesen und man möchte einfach nur wissen, wie die Verhandlung ausgehen wird. Der zweite Teil läutet das Finale ein. Die Kapitel sind im gesamten Buch nicht sehr lang, was mir persönlich sehr gut gefällt. Kurz vor Ende des Buches werden sie immer kürzer. Dieser Tempowechsel trägt die Handlung voran und steigert die Spannung. 
Die Perspektiv in den Kapiteln wechselt häufig, so dass in jedem eine andere Figur im Mittelpunkt steht. Unter anderem werden übrigens die „Gedanken“ des Mörders wiedergegeben. Diese Stellen waren für mich die Interessantesten, auch wenn sie sehr philosophisch und ja - auch krank waren.
„Der Untergang der modernen Gesellschaft scheint unabwendbar zu sein. Ist also unsere Zivilisation lediglich eine Momentaufnahme? Das menschliche Bewusstsein nicht mehr als eine missglückte Laune der Natur? Wie können wir uns vor diesem Hintergrund anderen Lebewesen überlegen fühlen?
Denken die Menschen?
Sprechen sie?
Leiden sie?
Nur, wenn es um sie selbst geht.
Warum also sollte ich gerade sie lieben?“
(Kapitel 27)
Teilweise wird man den Gedanken nicht los, dass der Mörder – wer auch immer er ist – gar nicht so Unrecht hat. Jedenfalls steckt viel Wahres in seinen Gedanken. Wie man vielleicht schon an diesem Zitat merkt, hat der Mörder seinen ganz eigenen Erzählstil. Allerdings ist das ein Punkt, der auf alle Figuren ausgeweitet werden muss und der mir unglaublich gut gefiel. Der Schreibstil von Rikje Bettig ist sehr wandelbar und ausgereift. Jede Figur hat ihre eigenen Charakteristika, was sie unverwechselbar macht. So sind die Kapitel, die sich mit Max beschäftigen sehr derb, Fäkalsprache wird verwendet und der grobe Charakter scheint hier durch. Jo hingegen ist sehr wortgewandt, ebenso wie Eilert, dem man aber immer seine persönliche Unsicherheit anmerkt. Tessa, die beste Freundin des Opfers, ist ängstlich und ebenfalls verunsichert:
„Er würde es nicht finden. Aber dennoch. Sie spürte, wie die kalte Luft in ihre Lunge strömte“ […] „Tessa fühlte sich hilflos. Gestresst untersuchte sie die Verriegelung genauer. Es sah so aus, als ob…Hatte sie das Fenster nicht auf Kipp gestellt, als sie zur Uni gefahren war?“ (73%)
Die Figuren sind sehr verschieden und detailreich gestaltet. Problematisch war es für mich anfangs, dass es so viele von ihnen gibt. Sie alle tragen zur Handlung bei – keine Frage. Dennoch brauchte man einen Moment um einen Überblick zu bekommen. Jede Figur hat seine Geheimnisse. Ein Paradebeispiel ist hier die eiskalte Mutter von Max, Hanna Rosing. Aber auch die überhebliche Staatsanwähltin Bente Ambrosseling lässt den Leser nicht kalt. Auch wenn ich mich mit Jo, der eigentlichen Protagonistin, nicht identifizieren konnte, empfand ich ihre Entwicklung als sehr spannend. Ebenfalls das Auftauchen des Journalisten Martin Petersen verleiht der Story noch das gewisse Etwas, auch wenn ich von ihm ein bisschen mehr erwartet hätte.
Alles in allem ist der Schreibstil mit diesem schönen Fokus auf den Figuren für mich das Highlight. Aber auch der Tempoanzug zum Ende hin gefiel mir wirklich gut. Die Geschichte ist spannend, auch wenn sie nicht allzu brutal ist. Zum Ende hin kommt allerdings noch ein wichtiges Detail heraus, von dem ich mir mehr gewünscht hätte. Das Ende selbst passt zwar gut zum Buch, ließ mich aber mit einem kleinen Schmollmund zurück. 
Zum Schluss möchte ich noch kurz auf den Regionalbezug eingehen. Rikje Bettig scheint Bremen wirklich zu lieben. Es gibt so viele Orte, die erwähnt werden und wenn man sich zeitgleich in dieser Stadt aufhält, kommt man nicht drum herum an den Thriller zu denken. Ob man nun an die Schlachte, ins Viertel oder an die Uni geht – überall begegnet man dem Buch. Ich muss gestehen, dass ich so das Gefühl bekam, als wenn das Buch nur für mich allein geschrieben worden wäre. Ich kenne so gut wie jeden Ort im Buch und verbinde mit den meisten etwas. Die Schauplätze machen die Geschichte unglaublich real. Dass  dann auch noch ein Germansitik-Referat über den Roman „Erec“ von Hartmann von Aue erwähnt wird, setzte dem Ganzen die Krone auf – so eines musste ich auch schon einmal halten.

Fazit


Ich habe „Mörderische Unschuld“ sehr genossen und gerne gelesen. Es ist ein facettenreiches Buch, das alles hat, was ein guter Thriller braucht. Die Spannung wird konstant aufgebaut und endet in einem tollen Finale. Die Figurengestaltung ist wirklich die Kirsche auf dem Eisbecher. Ich vergebe wunderbare 4,5 Spitzenschuhe. Vielleicht gehe ich sogar zu hart ins Gericht, da mir das Buch sehr gut gefallen hat, aber ich hätte mir die ein oder andere Stelle einfach ein bisschen anders gewünscht. Dennoch: Lesen!



8. Januar 2016

Review: "Die Vorsehung - Solace"




Titel: Die Vorsehung - Solace

Regie: Afonso Poyart

Länge: 102 Minuten

FSK: 16

Produktionsland: USA

Erscheinungsjahr: 2015





Wir planten einen Kino-Abend, allerdings ohne wirklich zu wissen, was wir sehen wollten. Nach ein wenig Rumgesuche stießen wir dann auf den Thriller „Die Vorsehung – Solace“, der uns sofort begeistern konnte, da Antony Hopkins in der Hauptrolle einfach gut sein musste.
Tatsächlich: „Die Vorsehung“ ist ein guter und spannender Film, in dem Hopkins allerdings etwas blass bleibt. Gute Unterhaltung für einen Abend, perfekter allerdings noch zu Hause auf DVD als im Kino.

Darum geht's...


Bei den Ermittlungen zu einer Reihe mysteriöser Mordfälle tappen die FBI-Agenten Joe Merriwether (Jeffrey Dean Morgan) und Katherine Cowles (Abbie Cornish) im Dunkeln. Daher beschließt Merriwether, seinen alten Freund, den Psychoanalytiker Dr. Clancy (Anthony Hopkins) um Hilfe zu bitten, da dieser über hellseherische Fähigkeiten verfügt, die schon für entscheidende Hinweise in dem einen oder anderen kniffligen Fall gesorgt haben. Obwohl Clancy anfangs zögert und Cowles ihre Zweifel an seinen angeblich übersinnlichen Kräften äußert, willigt der Arzt schließlich ein, Merriwether und seine Partnerin zu unterstützen. Dank seiner Visionen erkennt Clancy schon bald ein bislang verborgenes Muster unter den Mordopfern, wodurch das FBI dem mysteriösen Täter (Colin Farrell) tatsächlich allmählich auf die Schliche kommt. Zugleich müssen die Verfolger jedoch feststellen, dass dieser ihnen bei der Verwirklichung eines perfiden Plans in jeder Hinsicht überlegen zu sein scheint.
(http://www.filmstarts.de/kritiken/41696.html)

Meine Meinung


Ich persönlich finde die Handlung wirklich gut. Als kleiner Fan von Serien wie „Criminal Minds“ war ich gleich Feuer und Flamme, auch wenn ich doch eigentlich sehr zart besaitet bin. Traurig aber wahr: Auch wenn ich diese Thrill-Sachen super spannend finde, habe ich doch Angst davor. Allerdings ist „Die Vorsehung“ ein Thriller der besonderen Art. Es geht um Schicksal und eben Vorbestimmtheit. Der Film ist im Allgemeinen nicht wie große Hollywoodstreifen angelegt – auch wenn es wohl eigentlich einer ist. Er beginnt sehr ruhig und unmittelbar. Die ruhige Atmosphäre ist ein Mittel, das immer wieder eingesetzt wird. Gepaart mit den Visionen. Immer wieder gibt es die „Cuts“, in denen Dr. Clancy seine Visionen hat. Diese Szenen kommen plötzlich, sind hektisch und teilweise erschreckend. Dr. Clancy ist eine besondere Person. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass jemand auf dieser Welt tatsächlich diese Gabe der „Vorsehung“ hat, wenn aber doch, dann beneide ich denjenigen  nicht. Im Film kommt die Vorsehung wie eine Strafe herüber.
Der Plot plätschert anfangs ein wenig vor sich hin, nimmt aber am Ende an Fahrt auf. Die anfänglichen Visionen tauchen im Laufe des Films wieder auf und man beginnt als Zuschauer zu verstehen. Insgesamt enthält der Film viel Erstaunliches und Mysteriöses und ja…er regt auch ein bisschen zum Nachdenken an. Denn alle Opfer verbindet die Tatsache, dass sie dem Tod bereits geweiht waren. Ist es dann tatsächlich Mord, wenn sie vor dem Auftauchen ihres Leids umgebracht werden? All solche moralischen Fragen kommen immer wieder vor. Durchaus interessant und faszinierend. Als filmerisches Mittel fiel mir noch auf, dass man auf eine bestimmte Ästhetik Wert gelegt hat. Bilder und Kameraeinstellungen fangen bestimmte Motive ein, so dass manche Szenen etwas Künstlerisches haben. Dieser Stil passt gut zu den Vorsehungen.
Die Schauspieler machen ihre Sache ganz gut. Jeffrey Dean Morgan hat mir gut gefallen. Antony Hopkins hat einfach schon zu viele gute Rollen gespielt, als dass man „Die Vorsehung“ dazu zählen könnte. Außerdem ist er wirklich alt geworden. Das ist keineswegs schlimm und passt außerdem zu seiner Rolle. Dennoch hätte man ihm wirklich eine andere Frisur im Film verpassen sollen. Seine Leistung ist kein Vergleich zu früher (Hannibal!). Er bleibt ein bisschen schwach, auch wenn sein Charakter die Geschichte natürlich trägt. Colin Farrell hingegen taucht recht wenig auf, passt aber gut in die Rolle des Bösewichts und mimt den verrückten Typen sehr gut. 

Also...


Alles in allem ist der Film eine runde Sache. Am Ende bleiben nicht viele Fragen offen und man wurde durch die interessante und faszinierende Handlung gut unterhalten. Dennoch finde ich, dass man sich den Film auch zu Hause auf DVD ansehen könnte. Ich schwanke so ein bisschen zwischen 3,5 und 4 Sternen, entscheide mich aber für die 3,5, da ich den Film doch lieber auf DVD gesehen hätte.