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2. September 2025

Rezension [Hörbuch]: "Daughter of Chaos - Die Lüge der Götter" von A.S. Webb


Titel: Daughter of Chaos - Die Lüge der Götter
Autorin: A.S. Webb
Sprecherin: Viola Müller
Verlag: Radomhouse Audio
Seiten: 560
Dauer: 16h 52m
Preis: 29,95€
 

Es ist kein Geheimnis, dass mich alles interessiert, was mit griechischer Mythologie zu tun hat – auch im literarischen Bereich. „Alte Geschichte“ war nicht umsonst eines meiner Lieblingsmodule an der Uni. Der antike Stoff zieht mich immer wieder in seinen Bann. Deswegen horchte ich auf, als ich von „Daughter of Chaos – Die Lüge der Götter“ hörte. Der Klappentext fesselte mich sofort. Allein die Schlagwörter „Delphi“ und „Herakles“ hätten gereicht, um mein Interesse zu wecken. Also gab ich mich den mehr als 16 Stunden Hörgenuss hin…und habe es nicht bereut! „Daughter of Chaos“ ist ein spannender Auftakt mit einer tollen Interpretation des Stoffes und grandiosen Charakteren. Die Mischung aus Bezügen zur „Realität“ und eigener Fiktion ist wirklich gelungen und man weiß nie, was als nächstes passiert. Das macht dieses Hörbuch so spannend!

»Die letzte Tochter wird kommen, die Herrschaft des Donners beenden und zum Licht werden, das die Menschheit befreit.« Im antiken Griechenland leiden die Menschen unter der Tyrannei und Willkür der Götter. Doch eine alte Prophezeiung spricht von Hoffnung, von jemandem, der die Menschheit befreien wird.
Auf Naxos entwickelt Danae, Tochter eines Fischers, eines Tages mysteriöse Kräfte. Aus ihrem Dorf vertrieben, sucht sie Rat beim Orakel von Delphi – findet aber nur weitere Fragen ... aber auch Gerüchte über ein geheimes Netzwerk von Gläubigen, die schon lange auf ihre Ankunft gewartet haben. Auf der Suche nach Antworten schließt Danae sich dem Halbgott Herakles an. An seiner Seite macht sie sich auf, legendäre Monster zu jagen. Doch es sind die Götter des Olymps, auf deren Fährte Danae wirklich ist.

Eine Trilogie, der das griechische Pantheon zugrunde liegt, kann eigentlich nur eine Schwäche haben – und die hat auch A.S. Webbs „Daughter of Chaos“: Die Geschichte hat manchmal seine Längen. Mit dieser Kritik starte ich direkt, denn es ist die einzige, die ich habe. In „Die Lügen der Götter“ geht es letztendlich um ein Mädchen, das herausfindet, dass es gewisse Kräfte und eine damit verbundene Bestimmung hat. Um diese Bestimmung zu erfüllen, muss sie eine lange Reise durchmachen. Und „lang“ trifft es eben sehr gut.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die alle einen anderen Teil von Danaes Reise beschreiben. Sie sind sehr sinnvoll eingeteilt. Im ersten Teil befindet sich die Tochter eines Fischers noch auf ihrer Heimatinsel Naxos und ahnt nichts von ihrem Schicksal. Man merkt nur sehr schnell, dass Danae rebellischer und hitzköpfiger ist als andere Mädchen in ihrem Alter. Der zweite Teil lüftet langsam die ersten Geheimnisse und führt das junge Mädchen nach Delphi. Doch erst im dritten Teil offenbart sich das eigentliche Ziel, Danaes Gabe und das große Ganze wird sichtbarer. Auch Herakles spielt hier erst eine große Rolle. Eine lange Reise, auf der sich vor allem der Charakter der Protagonistin entwickelt und reift, kostet den Leser oder Hörer einige Zeit. Ich persönlich habe diese Zeit unglaublich gern investiert, denn ich fand jedes noch so kleine Abenteuer, jede Abschweifung total spannend. Aber generell könnte man dem Buch eben das vorwerfen. Es hat gewisse Längen.
Wie kommen diese aber zustande? Und nun beginne ich mal bei den viele großartigen Dingen dieses Buches. Ich habe bereits angerissen, dass die Protagonistin auf einer kleinen Insel aufwächst. Danae lebt als zweite Tochter bei ihrer Familie. Ihre großen Brüder sind bereits alle verheiratet und so sind nur noch ihre Schwester Alea und sie bei ihren Eltern. Der erste Teil der Geschichte widmet sich dem alltäglichen Leben. Man bekommt einen wunderbaren Eindruck, wie das einfache Leben der Menschen in der Antike war. Gleichzeitig versteht man, wie A.S. Webb diese Welt gestaltet. Die Autorin versteht die antike Welt so, dass all die überlieferten Sagen wahr sind. Sprich, es gibt die Götter. Es gibt die mythischen Wesen und Ungeheuer, die Helden und die Phänomene, die man heute kaum noch begreifen kann. Für einiges davon gibt es logische Erklärungen. Aber wenn Geister oder magische Vögel, geflügelte Pferde oder sechsarmige Monster auftauchen, dann ist das die Realität in dieser Geschichte. Ich fand das eigentlich ziemlich cool. Diese Dinge werden auch ganz selbstverständlich erzählt. So kommt der Mix aus High Fantasy und antikem Stoff wirklich gut zur Geltung. Viele der eingearbeiteten Details sind übrigens wirklich so überliefert. Natürlich handelt es sich vor allem um Stoff aus den Sagen (an dessen Wahrheitsgehalt man definitiv zweifeln darf), aber das verleiht dem Buch noch mehr Authentizität und zeigt, wie liebevoll die Autorin mit ihrer Geschichte umgeht. Ich habe beispielsweise erst einmal gegoogelt, wer alles auf der „Argo“, dem Schiff des Helden Jason, dabei war. Und tatsächlich: Herakles oder auch Atalanta waren dabei. Eben solche Details sind auch in „Daughter of Chaos“ eingearbeitet. Man muss allerdings auch sagen, dass manches ganz anders überliefert wurde und nicht ganz in die Handlung passt. Aber ich schweife ab.
Danaes Reise beginnt ganz zaghaft und es dauert eine Weile, bis das Setting aufgebaut und man in der Geschichte angekommen ist. Erst wenn der zweite Teil beginnt, wird es eigentlich so richtig spannend. Dann nehmen auch die Bezüge zur Antike zu. Die Geschichte von Theseus, Atalanta, den Amazonen Herakles und dem Orakel von Delphi spielen hier eine Rolle. Insgesamt gibt es neben der Hauptgeschichte unglaublich viele „Nebenabenteuer“, die überstanden werden müssen. Danae lernt dabei listig zu sein, manchmal zu lügen und vor allem: zu überleben. Der Charakterwandel ist grandios. Gleichzeitig bleibt sie aber authentisch und definitiv sympathisch. Sie ist eine Protagonistin, die zweifelt und unsicher ist. Die trotzdem Stärke zeigt und sich kämpferisch gibt. Grandios sind übrigens auch die Nebenfiguren. Allen voran der berühmte Herakles, der eben auch Schwächen hat. Auch die anderen Reisegefährten wie Atalanta sind interessant und sehr vielschichtig. Sie sorgen für ordentlich Gezanke und Reibereien, aber auch für lustige und herzerwärmende Momente. Trotzdem gibt es viele grausame Aspekte in der Geschichte, die zum Teil mit den Handlungen der Figuren zu tun haben. Besonders spannend fand ich übrigens Manto als Figur. Er/Sie spielt gar nicht so lange mit und trotzdem prägt er/sie die Geschichte. Das einzig wirklich Verwirrende war die „Wokeness“ dieses Charakters. Denn Manto bezeichnet sich als weder weiblich noch männlich und jeder verwendet ganz selbstverständlich im Zusammenhang mit dieser Figur das Pronomen „dae“. Ich gebe zu, dass ich anfangs dachte, es würde sich um zwei Figuren handelt: Manto und Dae. Tat es aber nicht. Ich glaube weniger, dass man es im antiken Griechenland einfach akzeptierte, wenn jemand keinem Geschlecht zugeordnet werden wollte, weshalb es für mich nicht so in die Geschichte passte. Aber okay. Warum eigentlich auch nicht?!
Die Punkte Handlung (spannend und vielseitig) und Figuren (grandios und abwechslungsreich) können wir abhaken. Bleibt noch die Sprache. A.S. Webb schreibt flüssig und sehr bildhaft. Ich fand ihren Stil für das Setting der Geschichte sehr gut. Sie scheut nicht davor zurück, auch die Schattenseiten der Geschichte darzustellen, weshalb es eben auch Themen wie Tod und gar Mord zu Hauf in „Daughter of Chaos“ gibt. Hier wird nichts geschönt und das wird dem Hörer auch transportiert. Die Sprecherin Viola Müller hat eine sehr angenehme Stimme, die ich vollkommen mit Danae identifiziert habe. Ich hatte ihre Stimme auch lange nach dem Hören noch im Kopf. Müller betont gut und nimmt den Hörer mit auf diese vielschichtige und spannende Reise.

Alles in allem hat mich „Daughter of Chaos – Die Lüge der Götter“ wirklich überrascht – im positiven Sinne. Ich habe das Buch unglaublich gern gehört und wollte immer wissen, wie es weitergeht. Kommen unsere Helden ans Ziel? Wird Danae sich den Göttern stellen können? Welche Abenteuer werden noch auf dem Weg dorthin geschehen? Die ganze Reise ist spannend. Aber verlustreich. Die Entwicklung der Charaktere ist sehr gut gelungen und für jeden gibt es definitiv Figuren, mit denen man sich identifizieren kann. Stören einen die Längen nicht, hat man mit diesem Hörbuch eine Menge Spaß. Ich hatte ihn und deswegen warte ich nun gespannt auf den zweiten Teil und vergebe gern fünf Sterne für diese Reise ins antike Griechenland.



18. November 2023

Rezension: "Di Bernardo" von Natasha Korsakova


Titel: Di Bernardo
Autorin: Natasha Korsakova
Verlag: Septime
Preis: 24,00€
Seiten: 264
 

Obwohl ich selten Ausflüge ins Krimi-Genre mache, gibt es doch etwas, das mich immer wieder dazu bewegen würde: ein neuer Roman von Natasha Korsakova. Die Autorin hat mich mit ihren ersten beiden Büchern über den Detektiv Dionisio Di Bernardo, der in Rom ermittelt, absolut überzeugt. Das Besondere an ihnen ist der Musikcharakter. Denn was man wissen muss, Korsakova ist eigentlich professionelle Violinistin. Kein Wunder also, dass di Bernardo immer mal wieder in der Musikwelt ermitteln muss. So auch diesmal in Korsakovas neustem Buch, das genauso heißt, wie seine Hauptfigur. Und obwohl ich an "Di Bernardo" durchaus kleine Kritikpunkte habe, muss ich sagen, dass mich das Buch trotzdem absolut in seinen Bann gezogen hat!

Rom. Ein grausamer Doppelmord hat sich neben der Basilica di San Giovanni in Laterano ereignet. Alessandro Ferro, ein bekannter römischer Komponist, liegt tot in einer riesigen Blutlache, eine Pistole in der Hand. Dagegen scheint niemand die junge Frau zu kennen, die nur wenige Meter entfernt von ihm erschossen wurde – mutmaßlich von Alessandro selbst. Commissario Di Bernardo, der zusammen mit seinem Inspettore Roberto Del Pino schon Jahre zuvor in der illustren Musikwelt ermittelt hat, wird mit dem Fall beauftragt. Schon bald gibt es eine Handvoll Verdächtige. Eine von ihnen ist Alessandros Ex-Freundin Elisa – eine Geigerin, die mit Umweltaktivisten sympathisiert, die sich gegen den illegalen Holzhandel starkmachen. Eine andere Spur führt Di Bernardo zu einem römischen Bogenbauer, der die gefährdeten Tropenhölzer quasi mit Gold aufwiegt.
Ohne es zu ahnen, betritt Di Bernardo eine Welt, die von Habgier, Existenzängsten und Konkurrenzdruck gleichermaßen regiert wird.
Doch wie weit kann man für die eigenen Ziele gehen? Eine Frage, die auch der Commissario sich stellen muss, als die dritte Leiche gefunden wird und alle seine bisherigen Hypothesen zunichte gemacht werden …

Commissario Di Bernardo war für mich wahrlich kein Unbekannter. Schon Korsakovas Debüt „Tödliche Sonate“ ließ mich zu einer Anhängerin des Kommissars werden. Ich war also sehr gespannt, wie sich die Figur entwickelt hat und was sein neuster Fall bringen würde. Tatsächlich finde ich, dass Di Bernardo selbst und seine Entwicklung in diesem Buch mehr im Fokus stehen, als in den beiden Vorgängern. Daher ist wahrscheinlich auch sein Name als Titel gewählt worden. Wenn ich gerade an diesem Punkt bin, muss ich hier aber leider auch meine Kritik äußern. So sehr ich den Mitfünfziger mag und seine Denkweise schätze, seinen eher leisen Humor liebe und wirklich gern lese, wie er sich um sein Team kümmert, so muss ich doch festhalten, dass der Titel „Di Bernardo“ der Geschichte einfach nicht gerecht wird. Meiner Meinung nach hätte man hier wirklich etwas Aufmerksamkeitserregenderes wählen sollen. Denn, ja! Natürlich ist Di Bernardo die Figur, die die Handlung trägt. Aber nichtsdestotrotz gibt es noch so viele tolle Nebenfiguren und eben auch die Morde haben titeltechnisch wirklich viel mehr Potenzial.
Aber gut. Daran will ich mich nicht aufhalten. Der Titel stört mich eben auch nur deswegen, weil ich ihn für ein mögliches Publikum so wenig aussagekräftig finde. Und das ist schade. Denn die Geschichte hatte mich sofort in ihren Bann gezogen!
Der Leser findet sich als erstes in einem Prolog wieder, deren Charaktere gänzlich unbekannt sind. Wir sind in Rumänien und werden Zeuge eines Beseitigungsmordes. Schon hier kochten meine Emotionen hoch, denn die Autorin versteht es wirklich gut, auch die Abgründe des Menschen darzustellen und nichts schönzureden. Die Welt ist in vielen Teilen unfair und das wird hier sehr deutlich. Zu keinem Zeitpunkt versucht das Buch irgendwelche Kompromisse zu machen oder unlogische Handlungsstränge aufzubauen, nur damit es möglicherweise ein Happy End gibt. Und genau das führt dazu, dass man mit den Figuren mitfühlt. Ich konnte Di Bernardos Verzweiflung an vielen Stellen so nachfühlen, wenn er in den Ermittlungen auf der Stelle trat. Gerade der Mord an der jungen Livia ist bewegend und wirft Rätsel auf. Wie der Klappentext schon vermuten lässt, ist die Handlung und die darin enthaltene Ermittlung vielschichtig. Es gibt mehrere Spuren und alle scheinen ins Leere zu führen. Lange sind Di Bernardo, Del Pinio und das restliche Team ratlos. Das sorgt aber keinesfalls für Langeweile beim Leser. Im Gegenteil. Leerstellen werden mit privaten Angelegenheiten gefüllt, sodass die Figuren sehr menschlich werden und das Szenario unglaublich realistisch wird. Auch Korsakovas Beschreibungen von Orten oder Straßen sorgen dafür, dass ich immer wieder dachte, ich sei wirklich in Rom. Ihre Sprachvielfalt ist gewaltig. Und gleichzeitig ist der Schreibstil sehr flüssig und immer gut lesbar. Meines Erachtens schreibt sie auf eine gewisse Weise intelligent und spricht damit genau ihre Zielgruppe an.
Über Di Bernardo selbst habe ich glaube ich genug gesagt. Die Nebenfiguren der Geschichte sind ebenfalls sehr sympathisch. Roberto Del Pino ist eigentlich schon keine Nebenfigur mehr und der jüngere Ermittler übernimmt auch in diesem Fall eine sehr große Rolle. Er zweifelt erstmals deutlich an sich und man bemerkt seine Verletzbarkeit. Doch auch die Gerichtsmedizinerin Isabella oder Personen wie Andrea, Anna oder Frederica sind authentisch gestaltet und nehmen ihre Position in der Handlung gut ein. Das gesamte Figurenkonstrukt ist gelungen. Und dann wären da noch die Verdächtigen. An diesen mangelt es anfangs definitiv. Doch auch die finale Auflösung hat mir sehr gut gefallen. All die falschen Fährten führten zwar nicht unbedingt zur Lösung, doch sie hinterlassen beim Leser oft Denkimpulse. Hier meine ich vor allem den Umweltschutz. Denn wem, der kein professioneller Musiker ist, ist schon klar, dass die Geige durchaus umweltschädlich ist? Ich fand diesen Kontext sehr spannend, obwohl er manchmal auch verwirrend für den Leser sein kann. Als „verwirrend“ empfinde ich auch noch immer ein paar kurze Kapitel im Buch. Eine Handvoll sind aus einer recht unklaren Perspektive in kursiven Lettern geschrieben. Ehrlich gesagt bin ich mir immer noch nicht sicher, was mir diese kurzen Absätze sagen sollen, weshalb ich sie für die Handlung als nicht wirklich notwendig empfinde. Aber wahrscheinlich hat sich mir der höhere Sinn einfach nicht erschlossen.
Neben meinen kleinen Kritikpunkten muss ich aber auch eine Sache noch hervorheben. Im Buch sind insgesamt fünf QR-Codes abgedruckt, zumeist zu Kapitelbeginn. Diese führen zu Youtube-Aufnahmen der Autorin. Hier kann sich dann tatsächlich jeder überzeugen, dass Korsakova nicht nur eine unglaublich tolle Autorin, sondern auch eine atemberaubende Musikerin ist. Es macht schon Sinn, die Codes zu scannen, während man liest und entweder mit der Musik im Hintergrund weiterzulesen oder sich ihr ganz allein hinzugeben. Es macht doch etwas mit einem als Leser, wenn man dies tut. Und so schwer ist es in unserer digitalen Welt ja nun einmal nicht. Toll an den Stücken ist auch, dass so noch einmal viel deutlicher wird, dass die Musik die ganze Zeit Teil der Ermittlung und auch ein alter Bekannter ist.

Meine Kritik an „Di Bernardo“ lässt sich schnell zusammenfassen: Der Titel (und übrigens auch das Cover) ist mir zu wenig aussagekräftig und der Geschichte unwürdig. Kurze Abschnitte im Buch haben sich mir nicht erschlossen. Und das war’s. Punkt.
Der Rest wird zu einer Lobeshymne. Mich hat dieser Kriminalfall sehr gut unterhalten. Ich habe immer gern weitergelesen und bekam auch von der Entwicklung der Figuren nicht genug. Di Bernardo und Del Pinio sind ein tolles Team, das sehr realistisch in einem authentischen Rom ermittelt. Hier bleiben keine Emotionen auf der Strecke, im Gegenteil: Als Leser muss man sich einigen menschlichen Abgründen stellen und auch ein bisschen weiterdenken. Die Themen, die eher nebensächlich angesprochen werden, sind gesellschaftlich relevant und tagesaktuell. Alles in allem: ein großartige Lektüre, die ich (trotz Kritik) mit fünf Sternen bewerte.




28. August 2019

Rezension: "Die Greifenreiterin - Gefangenschaft" von Sabine Schulter



Titel: Die Greifenreiterin - Gefangenschaft
Autor: Sabine Schulter
Verlag: Selfpublished
Seiten: 385
Preis: 4,99€


Ich mache selten Ausflüge ins Genre der High-Fantasy. Doch als ich erfuhr, dass eine meiner Lieblingsautorinnen sich wieder diesem Themenbereich zuwandte, musste ich das Buch sofort lesen. Sabine Schulters neue Fantasy-Trilogie handelt von einem ganz besonderen Gespann: Die junge und temperamentvolle Rayna hat nämlich eine spezielle Verbindung zu einem außergewöhnlichen Wesen – sie ist eine Greifenreiterin. Rayna und ihr Greif Ferril sind noch sehr jung, doch sie spielen eine wichtige Rolle in den Entwicklungen rund um das atemberaubende Teharis. Freundschaft, Krieg, Kampf aber auch Liebe warten auf den Leser.
Willkommen in einer wunderschönen und detailreich ausgearbeiteten Fantasywelt, in der liebevolle Freundschaften und Verbindungen genauso wichtig sind, wie der Zusammenhalt der faszinierendsten Völker – willkommen in der Welt von Rayna und Ferril.




Gleich bei ihrer ersten Mission als vollwertige Reiterin fällt Rayna mit ihrem Greifen Ferril in die Hände der Nanjok, einem unbarmherzigen Volk des Nordens. Was dieses weit im Süden zu schaffen hat, weiß Rayna nicht – genauso wenig wie Hyron, der ebenfalls gefangen gehalten wird, wenn auch nicht durch Ketten. All ihr Denken ist auf Flucht ausgerichtet. Doch was beide nicht einmal erahnen, ist, dass ihr Treffen und ihr gemeinsamer Überlebenskampf bei den Nanjok erst der Anfang von etwas viel Größerem bedeutet.



Sabine Schulters Bücher sprühen vor Detailreichtum immer geradezu über. Die Autorin hat ein Händchen für fantastisch ausgearbeitete Figuren, Völker und ja - Welten. Gerade deswegen fühlt sie sich im Fantasybereich sicher auch so zu Hause. Mit „Die Greifenreiterin – Gefangenschaft“ begibt sie sich wieder in den High-Fantasy-Bereich und dort beweist sie ihr Können bis aufs Äußerste. Für mich machen High-Fantasy-Bücher vor allem der interessante Weltentwurf und innovative Völker oder Stämme aus – immer nur Elben, Zwerge oder Trolle sind nun einmal langweilig. 
Schon wenn man das Buch aufschlägt, bemerkt man die Liebe zum Detail und jeder Fantasy-Fan fühlt sich schon auf den ersten Seiten zu Hause. Denn dort findet sich eine tolle Übersichtskarte, sodass jeder Leser erst einmal in der Betrachtung Teharis versinkt. Die Welt von Rayna ist nicht die größte, doch sie ist abwechslungsreich und die Karte bietet vor allem Orientierung. Aber nicht nur das: Nach dem intensiven Betrachten möchte man einfach nur in diese neue und unbekannte Welt abtauchen. Und dank eines grandiosen Prologs gelingt das sofort. 
Wir lernen Rayna im Alter von fünf Jahren kennen, während sie einen der wichtigsten Augenblicke ihres Lebens durchlebt. Rayna ist Teil des Himmelsvolkes, welches sich durch seine Verbindung zu Greifen auszeichnet. Doch nicht jeder aus dem Himmelsvolk darf diese besondere Bindung mit einem Greifen eingehen – nur die wenigsten werden erwählt. Da das Buch nun aber „die Greifenreiterin“ heißt, ist der Ausgang des Prologs relativ klar. Doch glaubt mir, das Kapitel überrascht dennoch und am Ende hatte ich beinahe Tränen in den Augen. 
Rayna wird von Ferril erwählt, ein Greifenweibchen. Die Verbindung zwischen beiden ist für den Leser sofort spürbar und sie trägt ihn durchs Buch. Immer wieder ist es schön, wie tief diese Bindung ist und das, obwohl einer der beiden Teile gar nicht sprechen kann. Dennoch schafft die Autorin es, den Greifen charakterstark zu zeichnen und so schleicht er sich sofort ins Herz der Leser. Ferril ist ein so wunderschönes Geschöpf, dass sie das eigentliche Highlight des Buches ist.
Doch auch ihre Reiterin steht dem schönen Wesen in nichts nach. Rayna ist eine tolle Protagonistin. Sie ist starrsinnig und stark. Ranya hat ihren ganz eigenen Kopf und kennt dennoch ihren Platz in der Welt – und der ist an Ferrils Seite. Die beiden halten zusammen und meistern auch die schlimmsten Situationen. Mir hat Raynas Stärke sehr imponiert, doch auch ihre Schwächen werden gut aufgegriffen. Denn kann der Falsche nicht gerade diese besondere Verbindung zu Ferril auch ausnutzen?
Neben dem Himmelsvolk spielen noch die Shealif und die Nanjok eine große Rolle. Während die einen ein sehr sensibles Naturvolk sind, kommt der Stamm aus dem Norden sehr brutal und derb daher. Wie der Klappentext schon verrät, werden Rayna und Ferril von den Nanjok gefangen genommen. Dort begegnet Rayna den anderen Hauptcharakteren des Buches. Das ist vor allem Hyron. Er ist der beste Fährtenleser des Landes und wird von den Nanjok festgehalten. Er hilft ihnen, in den Süden zu gelangen, denn diese halten seine zarte Schwester Satella gefangen. Doch was wollen die Nanjkok im Süden? Dort lebt das magiebegabte Volk der Tenga. Wollen die starken Nanjok sich etwas Magie aneignen? Und wenn ja, was haben sie damit vor?
All diese Fragen bleiben im Buch unbeantwortet – schließlich haben wir es mit einer Trilogie zu tun.
Der erste Teil widmet sich vor allem der Beziehung zwischen Rayna und Ferril und ihrem ersten Abenteuer, das gehörig schiefgeht. Den größten Teil der Geschichte sind die beiden gefangen (, wie man dank des Titels erahnen kann). Diese Gefangenschaft zieht sich durchaus ein wenig. Zwischenzeitlich wartete ich darauf, dass ein klares Ziel des ersten Teils auftaucht, doch dem war nicht so. Vielmehr wird sich Zeit genommen, um die Welt auszuarbeiten, den Leser tiefer in Teharis Zauber zu ziehen und die Beziehungen unter den Figuren zu vertiefen. An dieser Stelle sei bemerkt, dass auch Raynas Bruder Karim eine große Rolle spielt, welchen ich wirklich toll fand.
Obwohl das Buch also zwischendurch auch sein Tempo verliert, bleibt es zu jeder Zeit schön und auf gewisse Weise spannend. Einige der Kapitel bieten gerade von letzterem eine ganze Menge! Vor allem ab der zweiten Hälfte nimmt das Buch Fahrt auf und die Ereignisse überschlagen sich. Die letzten Kapitel eröffnen völlig neue Möglichkeiten und verraten einen Hauch der weiteren möglichen Geschehnisse. Am Ende des Buches denkt man sich auf jeden Fall: „Wieso geht es jetzt nicht weiter?!“ Damit hat die Autorin also alles richtig gemacht, denn der Leser bleibt auch Tage später in Gedanken noch in Tehrais bei Rayna und Ferril.
Besonders gut hat mir wirklich die Welt gefallen, sowie die Bindung zwischen Ferril und Rayna. Auch Hyron ist ein toller Charakter und ich bin gespannt, wie sich die Beziehung zwischen der Reiterin und dem Shealif noch entwickelt. Denn angedeutet wird an dieser Stelle bereits ein wenig. Zwischenzeitlich passierte nach meinem Geschmack zu wenig, doch ab der Hälfte ist das Buch sehr spannend. 
Der Schreibstil ist fließend und regt zu vielen bunten Vorstellungen an. Man sieht die Felder und Wälder Teharis vor seinem inneren Auge und kann es sich dank der Karte noch besser vorstellen.


Ich habe „Die Greifenreiterin – Gefangenschaft“ gern gelesen, denn die Verbindung zwischen der Reiterin und ihrem Greifen ist etwas ganz besonderes. Rayna ist eine junge und sehr charakterstarke Frau, die die Handlung immerzu trägt. Gemeinsam mit ihr und Ferril taucht man gern in die Geschichte ein und drückt beiden die Daumen. Ob sie das Geheimnis um die Reise der Nanjok lüften können? Um das zu erfahren, müssen wir wohl bis Ende des Jahres warten. Ich vergebe für den Auftakt der Reihe gute 4 Sterne und freue mich auf die weiteren Abenteuer.




26. Oktober 2018

Rezension: "Rebellin der tausend Sterne" von Rhoda Belleza



Titel: Rebellin der tausend Sterne
Autor: Rhoda Belleza
Verlag: cbj
Preis: 15,00€
Seiten: 416

Auf „Rebellin der tausend Sterne“ hatte ich mich in diesem Herbst besonders gefreut. Der Vorgänger war sehr interessant und hat auch dank seiner Unkonventionalität einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das von Rhoda Belleza entworfene Universum ist komplex und wahnsinnig kompliziert. Auch nach dem Lesen des zweiten Bandes hat man das Gefühl, nur einen Zentimeter der Galaxie kennengelernt zu haben. Und das verwirrt den Leser durchaus. Insgesamt liegt dem finalen Teil eine spannende Idee zu Grunde, doch vor allem zu Beginn weist „Rebellin der tausend Sterne“ sich ziehende Längen auf. Ich habe mit Rhee gefiebert, doch für Kara konnte ich mich nicht erwärmen. Das Buch hat mich allerdings sehr überrascht und am Ende unglaublich mitgenommen, so dass meine Gefühlswelt vollkommen auf den Kopf stand. Nicht jede Seite dieses Buches ist umwerfend und dennoch handelt es sich um eine besondere Reihe! Für Star Wars Fans durchaus die richtige Lektüre!

Rhee, zukünftige Herrscherin von Kalu, steht vor Erzfeind Nero, dem Medienstar, der sie ermorden lassen wollte. Schließt sie einen Deal mit ihm oder entlarvt sie Neros perfide Absichten und entfesselt somit einen Krieg, den sie im Alleingang kaum gewinnen kann? Doch am anderen Ende des Universums plant Aly, Rhees gesuchter vermeintlicher Mörder, Nero zu töten, sobald sich die Gelegenheit bietet. Gleichzeitig versucht Alys Freundin Kara, den Overwriter zu vernichten, mit dem Nero die Erinnerung aller manipulieren und sich das Universum untertan machen will. Von alledem ahnt Rhee nichts – und schon gar nicht, dass Kara ihre totgeglaubte Schwester Josselyn ist, und damit die wahre Thronerbin.

Kennt man Band eins, will man nach dem Lesen des Klappentextes sofort zum Finale dieser Dilogie greifen! Denn ganz ehrlich, der Klappentext ist umwerfend! Und so ähnlich verhält es sich auch mit der Idee der Autorin. Ich bewundere Rhoda Belleza für das Konzept der Reihe wirklich sehr. Sie hat etwas gewagt und eine Star-Wars-ähnliche Galaxie erschaffen, die aber doch ihre ganz eigene ist. Dabei wählt sie eine unkonventionelle Vorgehensweise. Denn schon in Band eins fehlt die Einführung in dieses Universum. Zwar gibt es in beiden Büchern ein Glossar, das einen guten Überblick über Personen und Planeten bietet, doch so richtig findet man sich trotzdem nicht zurecht. Mich hat das in „Herrscherin der tausend Sonnen“ überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil – ich fand es erfrischend anders. Die Geschichte konnte man schließlich trotzdem genießen! Direkt zu Beginn des zweiten Teils tritt dieses Problem aber wieder in den Fokus. Es gibt eine Handvoll Planeten, die wirklich wichtig sind. Diese haben Bündnisse miteinander, oder führen Kriege. Es ist nicht ganz einfach, wieder in dieses Konstrukt zu finden, denn einen richtigen Einstieg ins Buch gibt es nicht. Es wird nahtlos an die Geschichte angeschlossen und dem Leser wird keine Zeit zum Verschnaufen gegeben. So ist ein flüssiger Übergang garantiert, erinnert man sich aber nicht so gut an manche Personen oder Planetenbündnisse, ist man als Leser aufgeschmissen. Das als Vorwarnung. Insgesamt finde ich das Universum der Autorin immer noch absolut umwerfend. Doch – ich kann den Grund nicht benennen – irgendwie fehlt der Zugang zu dieser Welt. Eine richtige Identifikation findet nicht statt. Man ist Zuschauer und Besucher, aber nie Beteiligter.

25. Oktober 2018

Rezension [Hörbuch]: Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht" von Jessica Fellowes



Titel: Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht
Autor: Jessica Fellows
Sprecher: Juliane Köhler
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 12,95€
Seiten: 496
Dauer: 10h 49m


Ich suchte nach einem spannenden Hörbuch für eine sehr lange Autofahrt. Beim Stöbern fiel mir dann „Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht“ ins Auge. Das Cover ist wunderschön und suggeriert sofort den Charme der 20er Jahre. Und dann steht im Klappentext auch noch etwas von einem Mord, kleinen Detektivtätigkeiten und vielen Geheimnissen. Das Ganze auch noch mit einem Hauch Historischem durch die Verortung zwischen den Weltkriegen. Nach dem überzeugenden Klappentext fiel die Wahl sofort auf das Hörbuch. Der Anfang ist tatsächlich auch noch sehr gut gelungen und auch das Finale ist spannend. Doch dazwischen gibt es immer wieder Längen und Nebenschauorte. Die Spannung ist nicht konstant, aber das Hörbuch hat dennoch seinen Charme!

London, 1920: Für die 19-jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie bekommt eine Anstellung bei den Mitfords, der glamourösen und skandalumwitterten Familie aus Oxfordshire. Endlich kann sie der Armut und dem Elend der Großstadt entfliehen und dafür auf ein herrschaftliches Anwesen ziehen. Louisa wird Anstandsdame und Vertraute der sechs Töchter des Hauses, allen voran der 17-jährigen Nancy, einer intelligenten jungen Frau, die nichts mehr liebt als Abenteuer und gute Geschichten. Als Florence Nightingale Shore, eine Krankenschwester und Freundin der Familie, am helllichten Tag ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell erkennen sie, dass nach den Wirren des Ersten Weltkrieges jeder etwas zu verbergen hat.

„Die Schwestern von Mitford Manor“ sind eine sechsbändig angelegte Buchreihe aus dem Piper Verlag. Sechs Töchter – sechs Bücher. Bei „Unter Verdacht“ steht die älteste Tochter Nancy im Vordergrund. Insgesamt muss man aber sagen, handelt es sich in erster Linie um eine Familiensaga und nur in zweiter um einen Kriminalfall.

14. Januar 2018

Rezension: "Monstermagie" von Lisa Rosenbecker


Titel: Monstermagie
Autor: Lisa Rosenbecker
Verlag: Impress
Preis: 3,99€
Seiten: 362


Die Autorin Lisa Rosenbecker ist für mich kein unbeschriebenes Blatt. Mit jedem Buch, was ich von ihr lese, überzeugt sie mich mehr. Und das hat sich auch bei ihrem neuen Titel „Monstermagie“ nicht geändert. Ganz unabhängig von der Autorin, musste ich dieses Buch einfach lesen. Es geht um fünf knuffige, kleine Monster, die eine Macke haben und die man schon auf den ersten Blick lieben muss! So erging es mir, als für das Buch geworben wurde und deswegen BRAUCHTE ich „Monstermagie“, da ich alles liebe, in dem kleine, süße Nebenfiguren eigentlich zu Hauptfiguren werden. 
„Monstermagie“ ist genauso gut, wie erwartet. Doch es ist auch genauso schrecklich! Das Buch hat mich emotional mitgenommen, ich habe gelacht und noch mehr geweint. Wenn ein Buch die Emotionen des Lesers so gut im Griff hat, ist das ein absolutes Kompliment!


Ein Monster mit magischen Fähigkeiten adoptieren? In der Welt der 19-jährigen Leah gar kein Problem. Als Inhaberin von »Monsters & Glue« sucht sie für verlassene oder abgegebene Monster eine neue Familie. Aber mit dem friedlichen Alltag ist es vorbei, als zwei seltsame Fremde auftauchen, die sich nach Monstern mit besonderer Magie erkundigen. Allein der mysteriöse Blake, der sich plötzlich ungefragt in Leahs Leben einmischt, scheint mehr über die beiden zu wissen. Doch auch seine Geheimnisse könnten für Leah und ihre Monster gefährlich werden…

Als ich „Monstermagie“ begann, hatte ich den Klappentext nicht mehr präsent. Mir reichte die Werbung auf den sozialen Plattformen für das Buch völlig aus, um zu wissen, dass ich es lesen will. Süße Monster? Wird gelesen. Aber in „Monstermagie“ steckt mehr, als eine süße Monstergeschichte und das wird schnell klar. Der Leser lernt zu Beginn Leah kennen, die ein kleines Heim für abgegebene oder verlassene Monster mit magischen Fähigkeiten führt. Diese Monster sind absolut normaler Bestandteil des Alltags, man kann sie quasi mit Haustieren vergleichen – mit mehr Fähigkeiten und vielleicht mehr Verständnis. Was aber sofort klar wird, ist die bedingungslose Liebe, die aus jeder Zeile spricht. Leah liebt ihre fünf Monster und die Monster lieben sie. Die Beziehung zwischen diesen Wesen und der Protagonistin ist zuckersüß! Die fünf Monster sind von ganz verschiedener Art: Monty ist ein kleiner Tintenfisch, der ein rosa Ballet-Tutu trägt und mit seiner Tinte malen kann; Robby ist ein Chamäleon, das zur Hälfte immer unsichtbar ist; Pebbles ist ein süßer rosa Flauscheball auf zwei Beinen, der durch Anfälle immer kleine Stacheln ausfährt, Nuvo ist eine fluffige und fliegende Wolke, die Erinnerungsperlen erschaffen kann und dann bleibt noch die Eule Glue, die einfach alles in Schokolade verwandeln kann. Also mal ehrlich: Wie könnte man sein Herz nicht an diese fünf verlieren? Alles, was sie tun, kann den Leser zum Lachen, Schmunzeln oder Zittern bringen. Ich wollte sofort eines der Monster adoptieren. Mit all ihrer Liebe schwang für mich aber auch immer etwas Mitleid mit – denn ich hätte allen so gern ein neues zu Hause geboten.
Aber zurück zur Geschichte. Die fünf Monster sind nicht die Hauptfiguren der Geschichte, aber die Helden. Und durch sie wird das Buch absolut besonders. Leah ist eine starke Protagonistin. Sie hat eine schwere Vergangenheit hinter sich, hat aber die richtigen Werte im Leben erlernt und verkörpert diese. Ich fand sie niedlich, manchmal etwas naiv, aber ich hätte wahrscheinlich in jeder Lebenslage genauso gehandelt. Dann wäre da noch Blake, der Geheimnisvolle. Ich mochte ihn von der ersten Szene an und fand all seine Aktionen so unglaublich niedlich. Die Liebesgeschichte, die zwischen beiden entsteht, passt gut zur Geschichte. Neben all der Liebe zu den Monstern, dem Humor, der mit ihnen einhergeht und der menschlichen Liebesgeschichte gibt es aber noch den spannenden Handlungsstrang. Denn jemand hat es auf das Heim von Leah abgesehen und wie man sich denken kann, bietet das Thema der Monster noch anderes Potenzial. Bald schon kämpfen Leah, Blake und die Monster gegen eine verrückte Wissenschaftlerin und dies ist ein Kampf auf Leben und Tod. Dieser Teil der Geschichte hat sich nur langsam herauskristallisiert und manchmal fand ich die Geschichte wenig zielführend. Mir persönlich machte das nichts, denn solange Monty und Co. fröhliche Diskussionen führten, war ich zufrieden. Aber zum Ende hin geht es dann hoch her. Die Geschichte wird spannend und actionreich. Und emotional. Dieser emotionale Storyturn hat mich sehr überrascht, denn mit der Wendung hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet. Doch Lisa Rosenbecker beweist mit dem Aufbau ihrer Geschichte Stärke. „Monstermagie“ ist gut und logisch durchgeplant. Gern würde ich spoilern und verraten, warum ich nicht vollkommen einverstanden mit dem Verlauf der Handlung bin. Mein rational denkender Verstand findet die Geschichte logisch und zu einem guten Ende gebracht. Mein Herz zerbrach in tausend Teile und ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Doch diese Andeutungen müssen genügen. Ich fand es bewundernswert, wie die Autorin es geschafft hat, das man sein Herz so sehr an die Geschichte hängt, dass die Emotionen am Ende vollkommen mit dem Leser durchgehen können! Kompliment dafür! Der Spannungsbogen ist auf jeden Fall vorhanden. Außerdem gibt es viel Humor und die Figuren sind toll ausgearbeitet. Ich mochte auch den Detektive Tottori sehr gern! Es gibt viele (kleine) Helden in der Geschichte und es gibt auch die richtigen Bösewichte. Es ist also an alles gedacht.
Der Stil von Lisa Rosenbecker gefiel mir wieder sehr gut. Er ist flüssig, es gibt viele Dialoge und an den richtigen Stellen schimmert Romantik oder eben Action durch. Die meisten Anteile der Geschichte sind aus der Ich-Perspektive, also von Leah, erzählt. Ein paar Kapitel sind aber auch aus Blakes Sicht verfasst, was gute Abwechslung bietet. Noch ein Wort zum Cover: Wenn man das Buch gelesen hat, macht jedes einzelne Detail Sinn! Es ist das perfekte Cover für diese Geschichte!


„Monstermagie“ hat mich überrascht! Das Buch hat mich lachen und weinen lassen und es bietet eine tolle Mischung aus Romantik und Action. Allem voran steht aber die bedingungslose Liebe, die aus jeder Zeile spricht und die natürlich mit den Monstern einhergeht. Mein Herz konnten Monty, Pebbles, Robby, Nuvo und Glue auf jeden Fall erobern. Diese fünf Charaktere machen die Geschichte besonders, aber auch die menschlichen Protagonisten sind toll. Die Spannungskurve ist wunderbar gelungen, auch wenn sie am Anfang nur sehr langsam ansteigt. Das Ende ist emotional, aber passend. Mit einem Fakt hatte ich so meine Probleme, aber ich verstehe diesen Wendepunkt. Insgesamt vergebe ich 4,5 Spitzenschuhe, die Monty seinen Tentakeln sicher sofort anziehen möchte. Hach...



17. Dezember 2017

Rezension: "Rebellious Hearts - Lovestory für dich" von Sarah Nisse


Titel: Rebellious Hearts - Lovestory für dich
Autor: Sarah Nisse
Verlag: dig:tales
Preis: 3,99€
Seiten: 350

In der Jugend  liest man meist Jugendbücher. Wird man erwachsen, wechseln viele Leser zu Thrillern. Beide Genres sind vielseitig und es gibt tausende Vertreter. Doch meiner Meinung nach gibt es die Mischung aus beidem viel zu selten: Jugendthriller. Noch seltener: Gute Jugendthriller. Denn es ist niemals leicht, jugendliche Themen und Elemente mit dem Thrill oder anderen harten Handlungen zu paaren. Was darf noch in ein Jugendbuch? Wann ist der Thrill-Charakter zu seicht? Das sind Fragen, mit denen sich der Autor auseinander setzen muss. Kann er diese aber beantworten und die Probleme lösen, kann ein so toller Jugendthriller wie „Rebellious Hearts – Lovestory für dich“ entstehen. Sarah Nisse hat es mit diesem Buch geschafft, aktuelle, brisante und auch hochpolitische Themen in ein Jugendbuch mit Lovestory zu stecken.  Und deswegen garantiert „Rebellious Hearts“ Spannung, Thrill und Liebe! Sehr zu empfehlen!


***Du wurdest auserwählt, an dem interaktiven Game BrotherHood teilzunehmen. Öffne jetzt die App und du wirst dich fragen, wie du jemals ohne diesen Kick leben konntest!***
Manon weiß nicht, woher die mysteriöse App kommt, die sich wie von selbst auf ihrem Handy installiert hat. Aber sie kommt gerade recht, denn Manon würde fast alles tun, um ihrem sorglosen, aber unendlich tristen Leben als Tochter eines reichen, einflussreichen Politikers zu entkommen. Obwohl sie jeder darum beneidet, ödet Manon einfach alles an, dort auf der elitären Île Saint-Louis mitten im Herzen von Paris. BrotherHood schafft Abhilfe, schon bald findet sie sich in einem Rausch aus Spiel, Abenteuer und Rache wieder. Bis aus Spiel ernst wird und es erste Verletzte gibt. Und was hat David, ihr geheimnisvoller Nachhilfelehrer, der wie aus dem Nichts in ihr Leben getreten ist, mit der ganzen Sache zu tun? Manon muss sich fragen, wem sie noch vertrauen kann. Und wie weit sie bereit ist zu gehen.


Ich lese sehr gern Jugendthriller, aber es gibt sie einfach nicht sehr oft. Deswegen war ich total gespannt, als ich hörte, dass Sarah Nisse einen geschrieben hat. Ich kannte die Autorin bisher nur aus wunderschönen Fantasygeschichten, weshalb ich mit Neugier zu „Rebellious Hearts“ griff. Und sofort war ich wieder gefangen. Die Geschichte spielt in Paris und ich war erst vor kurzem dort. Außerdem hat Nisse die schöne Gabe sehr bildreich zu schreiben, weshalb ich sofort wieder die Straßen von Paris vor mir sah. Unmittelbar nahm Manon mich mit in ihre Welt und sie ließ mich bis Ende des Buches auch nicht mehr gehen.
Manon ist ein gelungener Charakter. Im Grunde ist sie ein zutiefst unglückliches Mädchen und das dringt schnell zum Leser durch. Mehr als einmal verspürte ich Mitleid mit Manon, denn ihre Familie ist überhaupt kein Rückhalt – im Gegenteil. Manons Vater, ein berühmter Politiker, kennt seine Tochter eigentlich nicht. Manons Mutter ist alles andere wichtiger, vor allem, wenn es gesellschaftlichen Stand hat und ihr großer Bruder Thomas ist ein elitärer Kotzbrocken, der sie schlecht macht, wo er kann. Manon ist das schwarze Schaf der Familie, das Mädchen, das sich nicht anpassen will. Und lernt man ihre Familie kennen, merkt man, dass sie einfach rebellieren muss! Vielleicht würde sie nicht immer schwarz tragen und ihre Wände bekritzeln, wenn ihre Familie ihr mehr Liebe entgegen brächte. Doch dazu scheinen sie nicht fähig. Als Leser wird man also mit einem tristen Umfeld konfrontiert. Man will Manon helfen und sie irgendwie da rausholen. Doch das übernimmt dann die ominöse App BrotherHood, die plötzlich auf Manons Handy installiert ist und die ihr Anweisungen gibt.
Insgesamt muss ich sagen, ist das Konzept der Autorin sehr schlau und modern! Heutzutage benutzt jeder Apps, Jugendliche suchen den Nervenkitzel und gesellschaftliche Missstände sind wahrlich nichts Neues. Ich hatte mich gewundert, aber ich finde das Gesamtkonstrukt wirklich gelungen! Denn was im Klappentext nicht erwähnt wird, ist dass die Banlieus von Paris ebenfalls eine sehr große Rolle spielen. Clichy sous Bois war vor einigen Jahren groß in den Nachrichten und ist als Ghetto von Paris bekannt. Sarah Nisse schafft es nun ein tolles Gesellschaftsstück zu schreiben, dass viele Missstände anprangert. Denn der ominöse Nachhilfelehrer von Manon, der ganz plötzlich auftaucht, ist ein Clichois und er ist schwarz – ein grauenhafter Umstand für Manons Familie. David und Manon verkörpern zwei vollkommen verschiedene Schichten und somit prallen Welten aufeinander. Und genau dieser Aufprall ist wahnsinnig gut gelungen! Denn so rücken aktuelle politische Probleme ins Zentrum und man beginnt selbst zu reflektieren. Ich fand es mehr als interessant, Davids und Manons Geschichte zu verfolgen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach. Vor allem David ist ein toller Charakter. Der Schulabbrecher ist genau zu dem geworden, was die Welt erwartete und er niemals sein wollte: ein perspektivloser Schwarzer, der in die Kriminalität abdriftet. Dabei hat der junge Mann so viele Träume und tut eigentlich nichts lieber als zu lesen. Doch die äußeren Umstände und die Realität lassen ihm keine Wahl. Und deswegen schließt er sich der Bewegung BrotherHood an. Was sie will? Eine Revolution. Ich fand David sehr authentisch und klug. Er hat mich wirklich beeindruckt:
"David wollte schreien. Manchmal wünschte er sich so sehr, er könnte einfach glauben. Ohne zu hinterfragen. Das Leben wäre so viel einfacher." (44%)
Mehr will ich zum Ziel der App nicht sagen. Aber ich kann euch garantieren, dass es immer spannend bleibt. Dass man nie weiß, was der nächste Schritt sein wird. Und wie man erwarten kann, wird es immer rasanter, immer gefährlicher und ernster. Niemand spielt mit offenen Karten und genau das stellt auch die langsam aufkeimende Liebe zwischen Manon und David auf den Prüfstand. Ich mochte die Liebesgeschichte, denn gerade diese beiden Figuren machen die Geschichte so großartig!  An dieser Stele sei erwähnt, dass auch die Nebenfiguren sehr gut gestaltet sind und sich perfekt in die Geschichte fügen! Zur Liebesgeschichte: Trotzdem hätte ich mir noch ein klein bisschen mehr Romantik gewünscht, denn für mich war das mit der Liebe ein klein bisschen zu plötzlich. Aber das war es auch schon mit meiner Kritik. Es gibt so viele Themen im Buch, dass ich gar nicht über alle reden kann. Zusammenhalt, Familie, Liebe, Gewalt, Freundschaft, Gruppenzwang, Brutalität, Gesellschaftsprobleme und Politik sind alle Teil dieses Buches. Und dennoch ist es nicht zu ernst, sondern wirklich unterhaltsam. Doch man sollte den wahren Kern hinter der Geschichte nicht vergessen! 
Der Stil von Sarah Nisse ist sehr flüssig und schön. Sie kennt Paris so gut, dass man sich wirklich fühlt, als wäre man da. Aber auch das Gefühlsleben von David wird toll dargestellt. Insgesamt sind es die Gefühle, die dafür sorgen, dass man sein rebellisches Herz an dieser Geschichte verlieren kann.



„Rebellious Hearts“ ist unglaublich vielfältig! Das Buch glänzt mit tollen Protagonisten und einem unglaublich guten und aktuellen Plot! Ich finde wirklich, dass man aus der Geschichte etwas lernen kann, auch wenn sie vollkommen fiktional ist. Die Autorin hat sie übrigens schon 2015 geschrieben, also vor den Anschlägen von Paris. Sieht man daran nicht erst Recht die Brisanz und Aktualität? Ich finde schon. Heutzutage braucht es nicht viel, um die Welt ins Wanken zu bringen. Vielleicht reicht ja schon eine kleine unschuldige App? Oder vielleicht kann die Liebe unsere Welt ja auch retten? Ich vergebe 4,5 Spitzenschuhe für diese tolle Geschichte.