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15. November 2022

Rezension [Hörspiel]: "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen

 


Titel: Stolz und Vorurteil
Autor: Jane Austen
Verlag: der Hörverlag
Preis: 20,00€
Dauer: 4h 4min

Kaum ein Buch kenne ich wohl so gut wie Jane Austens „Stolz und Vorurteil“. Ich besitze es in drei verschiedenen Ausgaben und las es mindestens genauso oft. Von den Verfilmungen wollen wir jetzt mal gar nicht anfangen. Mich hat aber nicht nur dieses Werk der Autorin schon immer angesprochen, weshalb ich auch auf die wundervolle Hörspielreihe aus dem Hörverlag aufmerksam wurde. Egal, ob „Verstand und Gefühl“, „Mansfield Park“ oder „Northanger Abbey“ – diese Hörspiele sind kleine Schätze. Als nun auch endlich „Stolz und Vorurteil“ produziert wurde, musste ich diese Fassung einfach hören. Aber kann mich eine gekürzte Fassung überzeugen, wenn ich den Stoff doch so gut kenne? Die klare Antwort ist „ja“! Denn dieses Hörspiel ist unglaublich gut und unterhaltsam gemacht und entführte mich einmal mehr in die Welt von Elizabeth Bennet. Hervorragend!

Die Funken sprühen, als die temperamentvolle Elizabeth Bennet den alleinstehenden, reichen und stolzen Mr. Darcy trifft. Ein Stoff, wie gemacht für Alexander Fehling (Darcy) und Maeve Metelka (Elizabeth), die sich in treffsicheren Wortduellen fetzen – und widerwillig ineinander verlieben. Kann jeder seinen Stolz und seine Vorurteile überwinden?


Wie bereits angerissen, handelt es sich nicht um meine erste Berührung mit den schönen Ausgaben des Hörverlags. Gemeinsam mit dem Deutschlandfunk und hr2 hat der Hörverlag dieses wunderschöne Hörspiel produziert. Dabei handelt es sich bei „Stolz und Vorurteil“ nur um eines aus einer ganzen Reihe. Bisher kann ich wirklich die komplette Reihe unumwunden empfehlen. Denn jedes der Hörspiele hat so wundervolle Extras, dass alleine diese den Preis wert wären.
Aber kommen wir zurück zum konkreten Hörspiel.
Die vier CDs sind quasi wie in einem Buch verpackt. Es handelt sich um eine Hardcover-Hülle, die eben nicht nur die CDs, sondern eben auch einige Seiten Text beinhaltet. Das schöne, blumige Cover gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die Aufmachung im Inneren und stimmt auf die Geschichte ein. Dort lässt sich zuallererst ein recht langes Vorwort von Helmut Findeisen finden, der gekonnt Austens Werk auseinandernimmt. Darauf folgen die Biographie der Autorin und die anschließende Vorstellung aller beteiligten Sprecher und Musiker und Mitwirkenden. Allein mit den Textseiten kann man also eine gute halbe Stunde verbringen und in Austens Welt versinken – und dabei hat man noch gar nicht angefangen zuzuhören.
Das sollte man dann aber möglichst bald tun, denn es entführt in eine andere Welt. Das Werk ist auf insgesamt vier Stunden heruntergekürzt, was dazu führt, dass die einzelnen Tracks und somit die Kapitel oft sehr kurz sind. Das wäre dann auch meine einzige Kritik. Allerdings ist es auch schwer zu umgehen. Denn wer das Original kennt, weiß, dass auch die Kapitel manchmal etwas kürzer sind. Zu Beginn jedes Tracks wird Musik eingespielt und die Erzählerin läutet das Kapitel ein, indem sie es mit einem Satz kurz zusammenfasst. Zwar gibt es eine klassische Erzählerrolle, das meiste der Geschichte wird aber eben in Dialogform erzählt. Tatsächlich fiel es mir aber keinesfalls schwer, die Stimmen auseinanderzuhalten, obwohl ja eine Vielzahl von Personen mitspielt. Jeder einzelne Sprecher hat mich wirklich überzeugt. Die beiden Protagonisten sind dabei besonders überzeugend! Maeve Matelka hat eine wundervolle und zugleich freche Stimme, die wirklich ganz toll zu Elizabeth passt. Auch Alexander Fehling ist eine gute Besetzung für Mr. Darcy und gemeinsam erwecken die beiden die Dialoge zum Leben. Diese sind übrigens sehr getreu aus dem Buch übernommen und kommen wunderbar zur Geltung. Ich persönlich fand es wundervoll, dass auch einige Dialoge von den letzten Seiten den Weg in das Hörspiel gefunden haben – das ist bei den Verfilmungen beispielsweise nie der Fall, obwohl Fans des Traumpaars hier wirklich auf ihre Kosten kommen.
Insgesamt ist es einfach schön, den CDs zu lauschen. Man kann der Geschichte, trotz immenser Kürzungen, gut folgen und versteht den Plot. Sowohl Charme als auch Witz haben Einzug in diese Hörspielfassung gefunden und die ein oder andere Überraschung gibt es auch. Denn der Dramaturg hat sich durchaus eine Freiheit erlaubt: Zwischendurch wird die Geschichte aus der Perspektive von Elizabeths jüngerer Schwester Mary geschildert. Das war sehr spannend, denn es passt durchaus zur Figur und blieb die ganze Zeit über authentisch. Zwar hat Mary im Original keinesfalls eine solche Rolle und trotzdem war es schlüssig, diese Passagen so umzuschreiben.

Was bleibt mir mehr zu sagen, als dass diese Hörspielfassung von „Stolz und Vorurteil“ einfach ganz wundervoll ist?! Die Musik ist sehr schön und passend, die Rollen sind toll besetzte und jeder einzelne Sprecher überzeugt den Hörer absolut. Die Aufmachung der Hülle und des Innenteils sind sehr hochwertig und es ist eine Freude das Gesamtpaket durchzublättern. Ich war richtig traurig, als die vier Stunden vorbei waren. Auf jeden Fall wird es nicht das letzte Mal bleiben, dass ich dieses schöne Hörspiel gehört habe. Die natürliche Folge meiner Schwärmerei sind natürlich fünf volle Sterne und diese vergebe ich mit Freuden!



14. Juli 2021

Rezension [Hörspiel]: Mansfield Park von Jane Austen

 


Titel: Mansfield Park
Autor: Jane Austen
Sprecher: Sophie Rois u.a.
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 20,00€
Seiten: 416
Dauer: 4h 14 min.

Ich habe mich schon vor langer Zeit in die wundervollen Jane-Austen-Hörspiele aus dem Hörverlag verliebt. Das Grandiose an ihnen ist eben genau der „Hörspielcharakter“, denn man ERLEBT das Buch wirklich und befindet sich mitten in der Geschichte.
Deswegen musste auch das neuste verlegte Werk der großen Jane Austen in meinen Besitz überwandern und so legte ich mir das doch eher unbekannte Werk „Mansfield Park“ als Hörspiel zu. Ich habe auch dieses Hörspiel wirklich gern gehört, denn es ist sehr abwechslungsreich und toll gemacht. Ich muss aber gestehen, dass wenn man die Geschichte vorher noch nicht kennt, das Verfolgen der Handlung schwierig werden kann. Aber so oder so: Die Anschaffung lohnt sich auf jeden Fall – und das hat vielseitige Gründe.

In Mansfield Park wächst die aus schwierigen Verhältnissen stammende Fanny Price bei ihrer wohlhabenden Tante und deren vier Kindern auf. Dort wird sie mehr geduldet als geliebt. Nur ihr Cousin Edward begegnet ihr mit Zuneigung. Doch das beschauliche Landleben gerät aus den Fugen, als die Londoner Bonvivants Mary und Henry Crawford auftauchen und mit ihren Kabalen und durchtriebenen Verführungskünsten alles auf den Kopf stellen. 

Ich besitze die englische Original-Version von „Mansfield Park“, habe mich aber noch nicht daran getraut. Und deswegen wusste ich über die Geschichte nur das, was im Klappentext erwähnt wird und natürlich, dass dieses Buch nicht den Berühmtheitsgrad der Vorgänger aus Austen Feder erlangt hat. Aber ob berühmt oder nicht muss bekanntlich nichts heißen. Und so stürzte ich mich in Fannys Geschichte.
Der Einstieg in eben diese gelingt auch sehr gut. Der Hörverlag hat mit Sina Martens als Sprecherin für Fanny Price eine sehr ruhige Sprecherin gewählt, die einen tollen Job macht. Ich mochte die Authentizität, die Fanny durch Martens Stimme bekam. Fanny ist ein sehr ruhiger Charakter, der in sich gekehrt wirkt, aber durchaus ein gewisses Selbstbewusstsein und Gerechtigkeitsempfinden hat. Ich mochte es, dass man dieser Rolle die Verunsicherung gut angehört hat, da dies gut zur Protagonistin passt. Fanny ist nicht unbedingt jemand, der groß Aufsehen macht. Sie steht dafür für Beständigkeit. Und das Kennenlernen dieser Rolle gelingt dem Hörspiel sehr gut. Die Anfangsszenarien kann der Hörer gut verstehen und nachvollziehen. Doch spätestens als die Geschwister Crawford in Mansfield Park auftreten, wird es verwirrend. Die Besetzungsliste dieses Hörspiels beinhaltet 21 Charaktere, was schon allein ein Indiz für die Unübersichtlichkeit ist, die mich irgendwann erfasste. Ich konnte vor allem die männlichen Rollen irgendwann nicht mehr ganz auseinander halten. Das allerdings ist auch meine einzige Kritik am Hörspiel. Kleinreden kann man sie kaum. Der einzige Lösungsweg ist meines Erachtens, dass man die Geschichte vor dem Hören schon kennt. Dann hat man sicher keine Problem, die einzelnen Rollen auseinanderzuhalten. So wurde es für mich allerdings schwierig.
Nichtsdestotrotz habe ich der Geschichte gern gelauscht. „Mansfield Park“ ist zwar keineswegs so aufregend und spannend, wie andere Austen-Werke, aber die Handlung ist dennoch vielseitig. Mir hast das komplette Theaterszenario unglaublich gut gefallen und auch die späteren Liebesentwicklungen empfand ich als sehr spannend. Zur wunderbaren Grundlage des Romans gesellen sich in diesem Hörspiel aber wieder eine tolle äußerliche Aufmachung und vor allem eine tolle und künstlerische Inszenierung. Beginnen wir bei letzterem. Die Sprecher machen allesamt einen tollen Job. Hervorheben möchte ich noch Sophie Rois, die den Part der Erzählerin übernimmt. Sie hat eine sehr angenehme Stimme und schafft es gleichzeitig, viel Gefühl in die Erzählung zu legen. Dank Rois betrauert man manche Charaktere manchmal oder man freut sich zusammen mit ihnen. Auch ihre kommentierende Art mochte ich sehr. Die anderen Sprecher sind ebenfalls gut besetzt. Einige Rollen sind allerdings sehr kurz. Ziemlich spannend finde ich auch, dass in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Sprecherrolle in der Liste auftaucht: „Mops“. Ja. Es gibt einen Mops in dieser Geschichte, der immer mal wieder bellt. Das hat offenbar Magdalena Arelt übernommen. Allein dieser Fakt hat mich sehr erheitert. Das Hörspiel ist aber nicht nur dank guter Sprecher gut inszeniert, sondern auch aufgrund des Zusammenspiels untereinander sowie der musikalischen Untermalung. Man fühlt sich beim Hören einfach so, als würde man Teil der Austen-Zeit sein und es fühlt sich ganz real an.
Fehlen noch ein paar Worte zur äußerlichen Aufmachung. Was soll ich da groß sagen? Die Austen-Hörspiele sind einfach wunderschön und passen toll zueinander. Mit gefällt das gelbleuchtende Cover richtig gut und außerdem passt es auch gut zur Handlung. Im Booklet lässt sich wieder ein mehrseitiger Aufsatz aus der Feder von Julika Griem finden, die sehr genau erklärt, warum „Mansfield Park“ im Vergleich zu anderen Austen-Werken nicht unterschätzt werden sollte und was genau Fanny Price zu einer tollen Protagonistin macht. Der Aufsatz lässt sich gut lesen, auch wenn er an der ein oder anderen Stelle etwas abschweifend ist.

Alles in allem bietet „Mansfield Park“ einfach eine tolle Komposition aus klassischem Werk, das zeitgetreu inszeniert wurde und hochwertig eingespielt worden ist. Auch wenn man mit der Geschichte von „Mansfield Park“ nicht ganz so viel anfangen kann, lohnt sich dieses Hörspiel. Ich bin jedenfalls nun noch neugieriger auf das Original und werde mich bald daran wagen. Für das schöne Hörspiel aus dem Hörverlag vergebe ich 4 Sterne. Die Vielzahl an Sprechern kann verwirrend sein, dennoch ist dieses Hörspiel einfach nur zu empfehlen.



4. November 2020

Rezension [Hörbuch]: "Verstand und Gefühl" von Jane Austen

 


Titel: Verstand und Gefühl
Autor: Jane Austen
Sprecher: Ulrich Noethen u.a.
Verlag: Der Hörverlag
Dauer: 3h 53m
Preis: 20,00€

Jane Austen hat viele große Romane geschrieben. Beinahe jeder Literaturliebhaber kann etwas mit den Titeln „Stolz und Vorurteil“ oder „Emma“ anfangen. Und in dieser Aufzählung darf man natürlich auch ihren frühsten Roman nicht vergessen, der zurecht als Meisterwerk gilt: „Verstand und Gefühl“. Zwischen all diesen schönen Werken kann ich mich kaum entscheiden, doch „Verstand und Gefühl“ liebe ich ganz besonders. Deswegen war für mich auch klar, dass ich die erstmals als Hörspiel veröffentliche Version aus dem „Hörverlag“ unbedingt hören musste. Aus diesem Programm habe ich bereits „Northanger Abbey“ gehört und war begeistert. Doch mit „Verstand und Gefühl“ kann erstgenanntes es kaum aufnehmen. Denn mit diesem Hörspiel haben sich alle Beteiligten übertroffen  - nicht nur Austen selbst.

Zwei ungleiche Schwestern, eine besorgte Mutter und zahlreiche Verwirrungen. Dass sich die stürmische Marianne Hals über Kopf in den attraktiven Frauenschwarm John Willoughby verliebt, überrascht niemanden. Auch die rationale Elinor hat scheinbar ihren Traummann gefunden und ahnt nichts davon, dass dieser die Ehe bereits einer anderen versprochen hat. In ihren Enttäuschungen lernen die Schwestern einander besser zu verstehen – aber werden sie auch in der Liebe ihr Glück finden?

Alle, die glauben, sich mit diesem CD-Paket ein ganz normales Hörbuch zuzulegen, muss ich enttäuschen. Denn diese Produktion des Hessischen Rundfunks ist kein solches. Und das mit Absicht. Bei diesem wunderschönen Set handelt es sich um ein HörSPIEL, die einzelnen Charaktere haben also alle ihre eigene Stimme, es gibt Hintergrundgeräusche und Musik. Wer jetzt denkt, dass Hörspiele nur etwas für Kinder sind, liegt ebenfalls falsch. Denn die anspruchsvolle Geschichte von „Verstand und Gefühl“ passt auch nicht in diesen Rahmen. Dieses Hörspiel ist eine ganz wundervolle Konzeption für Erwachsene, für Liebhaber von Jane Austen und auch für jene, die noch nie Kontakt mit ihren Werken hatten. Denn ein Hörspiel unterhält auf ganz andere Art und Weise, als das Buch oder Hörbuch. Und tatsächlich fühlt man sich beim Hören manchmal dem Medium Film näher, da ein eigener kleiner Film im Kopf abläuft. Man kann also sagen: Egal ob Austen-Fan oder Neuling - dieses Hörspiel ist ein guter Start!
Mir war das Konzept des Jane-Austen-Hörspiels nicht neu, da ich bereits die Aufnahme von „Northanger Abbey“ rezensiert habe. Doch an diesem Werk kritisierte ich die Kürze und dass man den Figuren deswegen nicht wirklich nahe käme. Das ist hier vollkommen anders! Das mag allerdings auch an der Vorlage liegen. Denn während Northanger Abbey ein recht kurzer Roman ist, fällt „Verstand und Gefühl“ mit Länge und Liebe zum Detail auf. Der Regisseur und die Beteiligten hatten also eine ganz andere Ausgangslage.
Und diese haben sie genutzt.
Es war eine Weile her, dass ich das Buch gelesen oder eine der Verfilmungen gesehen hatte. Dennoch war mir die Geschichte beim Hören sofort wieder präsent. Die Sprecher ziehen den Hörer einfach sofort in Jane Austens Welt und dort will man verweilen. Die Handlung selbst ist nicht neu. Zwei Schwestern, die unterschiedlich sind und durchaus als die Verkörperungen des „Verstandes“ und des „Gefühls“ gesehen werden können, stehen im Mittelpunkt. Es geht um ihre Ansichten bezüglich der Liebe und die Entwicklungen ebendieser. Die Geschichte ist meiner Meinung nach wahnsinnig unterhaltsam, hat Humor und bietet viele Handlungselemente, mit denen man sich identifizieren kann. Die Geschichte der Schwestern Dashwood ist zeitlos. Denn Jane Austen hatte ein Talent dafür, menschliche Wesenszüge und die Beziehung von Menschen – ganz egal, ob Liebende oder nicht – darzustellen. In diesem Roman gibt es eine ganze Menge solcher Menschen und Beziehungen, die durch ihre herausragenden Sprecher wirklich eine Seele bekommen. Da wäre die vernünftige Elionor, die eine so beruhigende Stimme verliehen bekommen hat, dass man ihr sehr gern lauscht. Mein Kompliment an dieser Stelle an Birte Schnöik. Sie erzählt einen sehr großen und wichtigen Teil der Geschichte und das macht sie noch besser. Aber auch die quirlige und herzgesteuerte Marianne ist wahrlich interessant. Auf der Seite der „Guten“ sind ganz sicher noch Edward Ferris, Oberst Brandon und Sir John Middleton zu nennen. Alle drei sind herzensgute Männer, wenn auch letzterer der nervigste unter ihnen ist. Und auch die Gegenspieler hat der Hessische Rundfunk ideal besetzt. Ganz egal, ob das die piepsige Lucy Steele, die grausame Fanny Dashwood oder der charmante John Willoughby ist. Der Verlag hat sehr gute Sprecher für diese vielschichtigen Rollen gefunden, sodass die Geschichte, die vor dem inneren Auge entsteht, sofort in Bildern umgesetzt wird. Besonders hervorheben möchte ich die Stimme von Ulrich Noethen, der den Oberst Brandon spricht. Oberst Brandon ist tatsächlich schon vorher eine meiner Lieblingsfiguren gewesen, doch diese sanfte, tiefe und beruhigende Stimme von Noethen unterstreicht die Edelhaftigkeit dieser Figur. Seine Stimme passt wie die Faust aufs Auge. 
Alle zusammen schaffen es, den Hörer in die damalige Welt zwischen Herrensitzen und kleinen Cottages zu entführen und den Liebesdramen der Schwestern zu lauschen. Für mich vergingen die knappen vier Stunden wie im Flug und ich hörte das Hörspiel an nur wenigen Tagen zu Ende. Die musikalische Untermalung passt ebenfalls sehr gut in die Geschichte und verfeinert das Hörerlebnis.
Ein weiteres schönes Extra ist übrigens das gesamte Booklet. Nicht nur, dass das Cover ein wahrer Traum ist, auch die Gestaltung als kleines Büchlein passt perfekt. Das Büchlein ist mit einem kleinen Essay von Denis Scheck gefüllt, der über wenige Seiten seine Gedanken zu Austens Werk darlegt. Dieses kleine Essay ist wirklich gut geschrieben und eine sehr schöne Ergänzung zum Gehörten.

Alles in allem handelt es sich bei der Hörspielfassung von „Verstand und Gefühl“ um einen wahren Schatz! Die Stimmen der Protagonisten sind sehr gut gewählt, ebendiese lassen ihre Charaktere authentisch handeln und die Inszenierung des Werkes entführt den Hörer in eine längst vergangene Welt voller Heiratskandidaten und solchen, die es gerne wären. Ich werde diesen Schatz hüten und sofort gut sichtbar in mein Regal stellen. Natürlich hat es fünf Sterne verdient und ich kann diese Version jedem Austen-Liebhaber nur ans Herz legen!

    

23. Dezember 2019

Rezension [Hörbuch]: "Northanger Abbey" von Jane Austen


Titel: Northanger Abbey
Autor: Jane Austen
Sprecher: Ulrich Noethen u.a.
Verlag: Der Hörverlag
Dauer: ca. 2 h 15 min.
Preis: 20,00€

Großbritanniens Literatur im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde von einer Frau geprägt, die es geschafft hat, diese Zeit bis heute durch ihre Romane lebendig zu halten. Die Rede ist natürlich von Jane Austen. Keine andere Frau schaffte es zu dieser Zeit, das alltägliche Leben der britischen Oberschicht mit solch einem Witz und Charme einzufangen und es überdauern zu lassen. Dass Jane Austen eine absolute Könnerin war, steht außer Frage. Ich habe ihre Bücher schon früh für mich entdeckt und mich gemeinsam mit Elisabeth Bennet in den guten Mr. Darcy verliebt. Doch natürlich hat Austen weit mehr erwähnenswerte Werke geschrieben, als nur „Stolz und Vorurteil“. Viele davon kenne ich inzwischen, bisher unbeachtet ließ ich einen ihrer frühsten Romane, der postum veröffentlicht wurde: „Northanger Abbey“. 
Als ich jedoch sah, dass der Hörverlag eine Art Hörspiel von dem Klassiker aufgenommen hat, musste ich mir diese schmuckvolle Ausgabe einfach anschaffen. Das Hörspiel ist wahnsinnig schön aufbereitet und sehr liebevoll gemacht. Ich habe es wirklich gern gehört. Doch zu 100 Prozent überzeugen, konnte es mich nicht…


Gotische Abteien, gruselige Mönche, verworrene Handlungen – die junge Catherine Morland liebt Schauerromane! Sie reist mit Freunden der Familie für einige Wochen nach Bath, wo sie sich in den charmanten Henry Tilney verliebt. Als sie von dessen Schwester und deren Vater auf den Familiensitz Northanger Abbey eingeladen wird, sagt sie begeistert zu. Durch ihre sich überschlagende Phantasie manövriert sie sich dort allerdings in die eine und andere peinliche Lage...

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, die wunderschöne Ausgabe von „Northanger Abbey“ in den Händen zu halten. Allein das Booklet und das Cover sind absolute Schätze. Schon vor dem Hören waren meine Erwartungen deswegen hoch. Vielleicht zu hoch.
Als ich die erste CD einlegte, musste ich mich zunächst an das komplette Setting gewöhnen. Man hat es hier nicht mit einem einfachen Hörbuch zu tun, es handelt sich eher um eine Art Hörspiel. Insgesamt wirken 14 Sprecher an diesem Werk mit, was es natürlich sehr abwechslungsreich macht. Außerdem sind Passagen des Hörspiels musikalisch untermalt. Dafür wurden eigens Melodien komponiert, die natürlich Einzug in das Hörspiel gefunden haben. Auch wegen dieser kleinen, sehr passenden Musikpassagen ist das Hörspiel etwas ganz besonderes. 
Doch so richtig kam ich nicht in die Geschichte herein. Das hat wahrscheinlich mehrere Gründe. Zum einen brauchte ich einen Moment, um das Setting zu verstehen, zum anderen waren meine Erwartungen an das Hörspiel immens hoch. Beides war eher schlecht. Mein Hauptproblem lag aber in der Geschichte selbst. Meines Erachtens merkt man durchaus, dass es sich bei „Northanger Abbey“ um einen frühen Roman Austens handelt. Ihre Protagonistin, die durchaus als Antiheldin dargestellt wird, war mir eine Spur zu naiv. Auch die Handlung selbst hatte einfach nicht die Raffinnesse, die ich von Jane Austen bisher gewohnt war. Manchmal war ich mir gar nicht sicher, ob die Figuren selbst sich über die Geschichte in gewisser Weise lustig machen. Wahrscheinlich schon. 
Um alle Figuren und Geschehnisse so richtig zu durchschauen, brauchte ich leider die komplette erste CD. Mit der zweiten allerdings gefiel mir das Hörspiel immer besser. Ich verstand so langsam die Welt von Catherine Morland, der Protagonistin. Dieses junge Geschöpf ist außerordentlich naiv und gutmütig, gleichzeitig aber sehr direkt, was wirklich amüsant ist. Ich mochte sie sehr, auch wenn ich sie nicht immer verstehen konnte. Diese Sprechrolle hat Anna Drexler übernommen, die Catherine eine wahnsinnig naive Note verleiht. Aber meines Erachtens passt das ziemlich gut. Catherine wirkt dadurch so rein und manchmal hilflos, dass es zum Verlauf der Geschichte sehr gut passt. Insgesamt muss man über das Hörspiel sagen, wurden wirklich gute Sprecher ausgewählt, die ihre Rollen höchst passend interpretieren. Mir gingen die Sprecherwechsel manchmal zu schnell und ich hatte den Eindruck, als wenn manche Figuren nicht mehr als ein, zwei Sätze sagen und diese völlig zusammenhangslos präsentiert wurden. Das hat mich überfordert. Nichtsdestotrotz ist die Sprecherleistung wirklich gut, allen voran Ulrich Noeten, der den Erzähler liest. Seine Stimme ist sehr weich und angenehm, sodass man ihm gut zuhören kann. 
Die Geschichte lebt ein wenig vom Wechsel zwischen Wirklichkeit und Fantasie, wie die junge Miss Morland sie erlebt. Dieser Wechsel gelingt durchaus. Doch die Protagonistin vergleicht vieles mit gelesenen Büchern, was manchmal verwirrend ist. In diesem Zusammenhang werden auch wenige Passagen auf Englisch im Hörspiel vorgelesen, die aus einem erwähnten Buch „Udolfo“ stammen. Ich fand diese etwas deplatziert, da sie für die Geschichte nicht notwendig waren.
Aber genug der Kritik. Nachdem ich die Charaktere kennengelernt hatte, konnte ich die Geschichte wirklich genießen. Man kann sich einfach unterhalten lassen. Das Hörspiel wird mit der Zeit immer besser und ist auch durchaus spannend. Einiges kann man sich zwar denken, dennoch wird man wirklich gut unterhalten. Als Hörer begleitet man Miss Morland dabei, wie sie sich verliebt und auf dem Heiratsmarkt zu bestehen versucht. Das macht sie ziemlich bravourös, sodass ihrem Glück am Ende nichts im Wege stehen sollte.
Der gewohnte Charme und Witz von Jane Austen lassen sich auch in diesem Werk durchaus finden – doch ist beides nicht so präsent, wie in anderen Werken. Zwischendurch klingt die unterschwellige Gesellschaftskritik durch, für die Austen so bekannt ist. Doch an manchen Stellen war mir die Geschichte wirklich zu oberflächlich. Ich glaube, dass die Regiesseurin und das gesamte Team aus „Northanger Abbey“ alles herausgeholt haben, um ein unterhaltsames Hörspiel zu gestalten. Und zu mehr ist das Original vielleicht auch nicht fähig. Von dieser These werde ich mich selbst noch überzeugen müssen, indem ich das Buch noch lese. Bis dahin bin ich von der Geschichte an sich allerdings nicht wirklich überzeugt.
Zum Hörspiel an sich muss noch gesagt werden, dass das Vorwort im Inlet der CDs wirklich großartig ist. Hans Pleschinski hat auf einigen Seiten sowohl Austen, ihre Bücher und ihre Zeit, als auch Northanger Abbey gut umrissen, sodass man einige Zusatzinformationen bekommt. Wirklich gut!


Das Hörspiel zu „Northanger Abbey“ ist gelungen, interessant und liebevoll umgesetzt. Die Gestaltung des Covers und des Inlets sind phänomenal. Auch das Hörspiel selbst ist unter anderem dank musikalischer Untermalung sehr abwechslungsreich. Mich konnte die Geschichte erst nach einiger Zeit packen, ab der Hälfte empfand ich sie jedoch als sehr unterhaltsam und spannend. Mir fehlte hier der typische Jane Austen Charme, für den das Hörspiel allerdings nichts kann. Und wenn das Hörspiel eines ist, dann charmant. Deswegen vergebe ich insgesamt 4 von 5 Sternen.




1. Dezember 2017

Rezension: "Persuasion" von Jane Austen

 

Titel: Persuasion
Autor: Jane Austen
Verlag: Penguin
Preis: ca. 5 €
Seiten: 304


Vor einer Weile entdeckte ich eine entzückende Gesamtausgabe der Werke von Jane Austen. All ihre Bücher in einem zauberhaften Umschlag, zu einem günstigen Preis– perfekt. Der einzige Nachteil? Die Gesamtausgabe ist natürlich auf Englisch. Ob man das als Nachteil auffassen will, ist vom Betrachter abhängig. Es ist immer gut, im Original zu lesen! Aber natürlich erschwert sich das Lesen gerade bei Klassikern dadurch. Dennoch musste ich diese Ausgabe haben und ich bin wahnsinnig stolz, das erste der sieben Bücher gelesen zu haben! Das Schriftbild ist zwar die reinste Katastrophe, aber das schadet keinesfalls den wunderbaren Werken von Jane Austen.
„Persuasion“ ist das Buch, das ich mir zu Gemüte führte. Es ist der letzte richtige Austen-Roman und er wurde erst postum veröffentlicht. Ich muss sagen, dass es wahrlich nicht ihr bestes Werk ist, aber dennoch ist es eine schöne Geschichte, die mit seiner Atmosphäre zu bestechen weiß.


Anne Elliot verliebt sich in den schönen aber armen Offizier Frederick Wentworth, doch auf Drängen ihrer Eltern heiratet sie ihn nicht. Sieben Jahre später trifft Anne ihn wieder, Frederick ist mittlerweile erfolgreich und wohlhabend geworden. Anne liebt Frederick noch immer, doch er hat ihr nicht vergeben – und scheint in eine andere Frau verliebt zu sein...

Leider ließ sich weit und breit kein englischer Klappentext finden, daher muss es der deutsche tun.
„Persuasion“ hat eine schöne, niedliche und unschuldige Handlung. Anne Elliot ist ein wahnsinnig toller Charakter, der sich selbst immer zurücknimmt. Natürlich ist das nicht richtig, doch die kluge und bescheidene junge Frau stellt nie hohe Ansprüche. Sie ist liebenswert und schleicht sich so schnell in das Herz des Lesers. Anne trägt ganz eindeutig die Handlung und das ist auch in Ordnung so. Niemals würde sie es wagen, ihren Willen über den von jemand anderes zu stellen. Und deswegen bleibt sie oft, obwohl sie die Protagonistin ist, im Hintergrund.
Das Geschehen des Buches ist sehr schnell erzählt und hier hat man es auch nicht mit allzu komplizierten Umständen zu tun, für die Austen ja eigentlich bekannt ist. Ja, es gibt zwei Liebende und bevor sie zusammen kommen können, gibt es Hindernisse zu bewältigen. Die Familie beider spielt meistens eine Rolle und wenn nicht die Familie, dann die Freunde und natürlich die Gesellschaft. Überhaupt – die Gesellschaft. Bei Austen spielt diese immer die größte Rolle. Auch weil die Autorin selbst sich oft über die Konventionen wunderte. Und deswegen schwingt immer eine etwas kritische Stimme in ihren Werken mit. So natürlich auch hier. Kritisiert wird vor allem Annes Familie mit Schwerpunkt auf ihrem Vater und ihrer älteren Schwester. Verschwenderischer Reichtum und Arroganz sind Themen, die hier zur Sprache kommen. Beides steht im krassen Gegensatz zum Charakter von Anne Elliot. Insgesamt würde ich sagen, gibt es eine große Charaktervielfalt in diesem Buch. Mir haben viele Charaktere sehr gut gefallen. Anfangs wusste ich nicht, was ich von Captain Wentworth halten sollte, doch vor allem am Ende mauserte er sich zu einem meiner Lieblingscharaktere. Das Buch ist natürlich voll von Figuren und allesamt erfüllen sie ihre Aufgabe. Besonders gefallen hat mit Annes jüngere Schwester Mary und ihr Mann Charles. Mary ist zwar ein verhätscheltes Wesen, doch Charles ist eine gute Seele. Die Charaktere sind allesamt gelungen und passen toll in die Geschichte.
Apropos Geschichte, wie gesagt, sie ist einfach gestrickt. Im Grunde geht es nur darum, dass Anne vor acht Jahren mit Captain Wentworth verlobt war. Sie löste das Löbnis auf Anraten ihrer Freundin Lady Russell. Die beiden sehen sich die nächsten acht Jahre nicht und dann begegnen sie sich erneut. Natürlich kommen Annes Gefühle wieder hoch, doch Frederick ist nicht zu durchschauen, er scheint sogar bald eine andere Frau heiraten zu wollen.
So einfach ist die Handlung erzählt. Und es wird auch nicht viel komplizierter. Im Grunde ist das Buch auch nicht lang. Meine Ausgabe allerdings ist nicht sonderlich angenehm und das Englisch ist nicht ganz leicht, weswegen ich trotzdem eine Weile für das Buch gebraucht habe. Ich bin mir sicher, dass wenn man im Englischen geübter ist als ich, kann man „Persuasion“ richtig genießen. Ich hatte mit einigen Vokabeln Probleme und da die Seiten so unglaublich eng bedruckt und dünn sind, habe ich pro Seite manchmal mehr als drei Minuten gebraucht…so sehr ich meine Penguin Gesamtausgabe also auch liebe, zum praktischen Lesen eignet sie sich nicht unbedingt.
Den Stil empfand ich als relativ schwer. Auf Deutsch kann ich mir aber vorstellen, dass man wieder vollkommen in Jane Austens Welt verschwindet. Schön ist das Englisch auch und es lässt sich sehr gut lesen – ich habe nur einfach nicht jedes Wort verstanden.



Es war eine sehr interessante Erfahrung, mein erstes Austen-Buch auf Englisch zu lesen. Es hat Spaß gemacht und die Autorin konnte mich sofort wieder in ihre Kulisse ziehen. Mir hat Anne Elliot als Charakter sehr gut gefallen. Außerdem harmonieren die Protagonisten und all die Nebenfiguren sehr gut. Besonders das Ende des Buches ist wunderschön und romantisch. „Persuasion“ ist sicher nicht der stärkste Jane Austen-Roman, denn manchmal ist er handlunsgtechnisch eher schwach, doch dennoch lohnt sich das Lesen. Ich mochte das Buch jedenfalls sehr und vergebe 4 Spitzenschuhe.