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8. April 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance"


Titel: Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Aileen Wrozyna
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 9h 51m
Seiten: 400
Preis: 21,95€

 

Obwohl mich die Serie „My Life with the Walter Boys“ nie vollends überzeugt hat, hat mich doch irgendetwas daran gecatcht. So sehr sogar, dass ich die Buchvorlage kennen wollte. Das erste Buch gefiel mir tatsächlich wirklich gut. Umso gespannter war ich auf den zweiten Teil. Ist er inhaltlich gleich zur zweiten Staffel? Kann er doch gar nicht sein, schließlich endet das Buch ganz anders. Kein Fokus auf dem LOVE-triangle. Oder etwa doch? Ich war gespannt. Also hörte ich "Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance“ mit Neugier. Mein Fazit? Absolut süß und für mein Teenieherz genau das richtige.

Jackie Howard brauchte Abstand – und hat ihn auch bekommen. Doch nach einem ereignisreichen Sommer in New York kehrt sie zurück auf die Walter-Ranch. Jackie hat keine Ahnung, wie es mit ihr und Cole Walter nach dem Abschiedskuss weitergehen soll. Im Laufe des Sommers hat sie aufgehört, ihm Nachrichten zu schreiben. Aber sie hat nie aufgehört, an ihn zu denken. Da Cole mittlerweile in der Stadt lebt, bevor er aufs College geht, denkt Jackie, dass es einfach sein wird, ihm aus dem Weg zu gehen. Als sie ihm jedoch plötzlich gegenübersteht, muss sie feststellen, dass es unmöglich ist, ihm zu widerstehen. Und die Dinge werden immer komplizierter: Cole ist der Junge, der ihr nicht aus dem Kopf geht, und die Walters sind die Familie geworden, die sie liebt und braucht. Wie soll Jackie weiterkommen, wenn sie Angst hat, den nächsten Schritt zu machen?


Das Tolle an Band zwei der „Walter Boys“ war von Anfang an, dass ich keine Ahnung hatte, wie es weitergeht. Aber das wollte ich unbedingt wissen. Für mich war die Chemie zwischen Jackie und Cole unglaublich gut, sodass ich mich wirklich immer darauf gefreut habe, weiterzuhören. Dafür habe ich meine freien Minuten sofort genutzt. Mich haben so viele Fragen beschäftigt: Küssen sie sich noch einmal? Sind sie jetzt eigentlich zusammen? Oder schiebt Jackie wieder irgendeinen komischen Grund vor, weshalb es nicht funktionierten kann? Denn das ist das einzig etwas Nervige an der Geschichte. Es ist eben ein Young-Adult Buch. Das finde ich grundsätzlich klasse, denn die Handlung ist zu unschuldig für irgendwelche Sexszenen. Das heißt aber im Übrigen nicht, dass es nicht heiß werden kann. Insgesamt ist das Hin und Her von Jackies Gefühlschaos aber etwas viel und natürlich auch unnötig. Das ist aber auch schon das Ende meiner Kritik. Für mich war die Entwicklung der Beziehung zwischen Jackie und Cole entscheidend und die war wirklich toll. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob man allein mit der Frage, ob zwei Menschen zusammen kommen können, die eigentlich eh schon etwas miteinander haben, ein ganzes Buch füllen kann. Denn nein, das geht nicht. Aber zum Glück sind es ja insgesamt 12 Walter-Kinder, sodass es durchaus weitere Handlungen gibt. Viel zu wenig taucht leider Danny auf, aber das war in der Idee schon logisch. Viel mehr Raum nehmen die Geschichten um Nathan und Isaac ein. Beide haben mir in ihrer Auflösung tatsächlich sehr gut gefallen. Isaacs Handlungsfaden war einfach unterhaltsam. Er hat immer für Chaos gesorgt, was manchmal auch sehr lustig war. Bei Nathan hingegen war ich gespannt, ob er so verschlossen ist, weil er sich outen will. Bekanntlich ist sein Charakter in der Serie schwul. Dass Nathans Geschichte im Buch etwas anders und auch auf andere Art emotional ist, fand ich gut. „Die zweite Chance“ bietet also durchaus noch Überraschungen. 

Zu den Charakteren brauche ich nicht mehr viel zu sagen. Jackie und Cole sind gute Protagonisten und Cole bleibt der Traum aller Mädchen. Wir brauchen nicht über Logik reden. Natürlich schafft das “neue Mädchen” es, den Traumtypen zu bändigen, getreu dem Motto „she falls first, he falls harder“. Denn Coles Aktionen sind wirklich süß. Er war definitiv mein Favorit in diesem Band. Auch die anderen Walters sind schöne Figuren, die aber nicht so viel Präsenz haben haben. Alex kommt deutlich weniger vor, auch Jackies Freundinnen bestimmen nicht unbedingt das Geschehen. Der Fokus liegt auf der Liebesgeschichte und das hat Ali Nowak wirklich gut hinbekommen. 

Manchmal plätschert die Handlung vor sich hin, manchmal gibt es einfach ZU viele Zufälle (Thema Lieblingscafé). Und trotzdem hat mir das gesamte Handlungskonstrukt super gefallen. Vielleicht sollte man einfach nicht zu viel drüber nachdenken und stattdessen einfach genießen.

Der Schreibstil der Autorin ist gut und auch die Sprecherin Aileen Wrozyna  macht wieder einen tollen Job. Für mich war ihre Stimme eins zu eins die von Jackie. Da es die gleiche Sprecherin wie in Band eins ist, kommt hier außerdem wieder das "Nach-Hause-Kommen"-Gefühl zum Vorschein.

Bekommen Jackie und Cole sich endlich? Das ist die große Frage in „Die zweite Chance“. Die Liebesgeschichte trägt die Handlung und rund herum werden kleine Geschichten um die Nebenfiguren gebaut. Insgesamt ist das Buch wirklich unterhaltsam und hat mich abgeholt. Ich hatte unglaublich viel Freude beim Hören und bin den Charakteren verfallen. Wenn man sich auf eine Teenie-Geschichte einlassen will, ohne zu viel denken zu müssen, dann sollte man dringend Jackie und Cole kennenlernen. Lediglich das Hin und Her bewirkt einen kleinen Abzug und so vergebe ich 4,5 Sterne.





16. Januar 2024

Rezension [Hörbuch]: "Check & Mate. Zug um Zur zur Liebe" von Ali Hazelwood

 


Titel: Check & Mate. Zug um Zug zur Liebe
Autorin: Ali Hazelwood
Verlag: der Hörverlag
Preis: 21,95€
Seiten: 416
Dauer: 10h 43m

Ich habe noch nie in meinem Leben Schach gespielt. Trotzdem gehöre ich nicht zu den Menschen, die dieses komplizierte Spiel als langweilig abtun. Und deswegen erregte „Check & Mate. Zug um Zug zur Liebe“ schnell meine Aufmerksamkeit. Ein New Adult-Roman (oder fast schon Romcom?) in einem vorurteilsbehafteten trockenen Setting? Das kann spannend werden. Und das wurde es definitiv! Das Hörbuch zu „Check & Mate“ ist einfach grandios! Für mich ist es ein absolutes Highlight, das ich mir nach dem Hören erstmal als Buch bestellen musste….genau: SO gut ist es!

Mallory Greenleaf hat sich geschworen, nie wieder Schach zu spielen. Denn das Spiel, das sie jahrelang geliebt hat, hat ihr zu viel genommen. Doch als ihre beste Freundin sie überredet, bei einem Wohltätigkeitsturnier einzuspringen, kann Mallory nicht ablehnen. Ein letztes Mal spielt sie – und besiegt versehentlich den amtierenden Weltmeister Nolan Sawyer. Nolan, der Schach auf ein ganz neues Level gehoben hat. Nolan, der dafür bekannt ist, dass er mit Niederlagen nicht gut umgehen kann. Nolan, der wahnsinnig gut aussieht. Mallory tut das Erste, was ihr in den Sinn kommt: Sie läuft weg. Doch Nolan spürt sie auf und lässt nicht locker. Er will unbedingt erneut gegen Mallory spielen. Doch sie kann nicht riskieren, sich noch einmal ins Schachspielen zu verlieben. Und in Nolan schon gar nicht …

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, denn ich habe einfach alles an diesem Hörbuch geliebt! Gehen wir also von außen nach innen: Das Cover ist total süß und passt perfekt zur Geschichte. Es deutet auf den lockeren und verspielten Ton der Story hin und erregt sofort Aufmerksamkeit. Die Sprecherin Anna Amalie Blomeyer hat eine schöne Stimme, die sie vor allem in ironischen Szenen wunderbar zum Einsatz bringt. Für mich war Blomeyers Stimme einfach Mallory. Durch sie bekommt die Protagonistin noch mehr Persönlichkeit. Des Weiteren variiert sie als Sprecherin sehr schön und hat beispielsweise für Nolan immer die gleiche Betonung, was toll ist. Vielleicht habe ich mich auch aufgrund ihrer Stimme ein wenig in den Schachweltmeister verliebt…Hach..
Kommen wir also zur Geschichte. Der Klappentext umreißt die Handlung sehr gut. Hinzufügen kann ich, dass Mallory es keinesfalls leicht hat. Sie ist die älteste von drei Schwestern, deren Mutter eine schwere körperliche Krankheit hat, sodass eigentlich Mallory dafür sorgt, dass alles seinen Gang geht. Sie übernimmt ungefragt die Verantwortung der Familie und ist bereit, sich für die, die sie liebt, aufzuopfern. Dazu gehört, dass sie das Geld verdient und die Rechnungen bezahlt. Mallory ist eine unglaublich starke und bewundernswerte Protagonistin, zu der ich sofort eine Beziehung hatte. Sie ist lustig und sarkastisch. Sie weiß, was sie will und ist realistisch. Und sie ist leidenschaftlich. Ihre wohl größte Leidenschaft war der Schachsport. Aber erst nach und nach kommt raus, warum sie Schach die Schuld an allem in ihrem Leben gibt, was falsch gelaufen ist. Und mit dem Wort Schach kommen wir zur zweiten Hauptfigur. Nolan Sawyer ist ein Typ mit absolutem Ehemann-Potenzial. Der anfangs düstere und verschlossene Schachweltmeister eroberte mein Herz im Sturm. Er ist direkt, ehrlich und loyal. Doch man lernt Nolan erst nach und nach kennen und ich finde, das hat die Autorin sehr gut gemacht. Denn die ganze Geschichte entwickelt sich Stück für Stück. Ich fand nicht einen einzigen Handlungsstrang langweilig. Denn auch die Nebenfiguren sind quirlig, lustig und liebevoll. Da wäre Mallorys beste Freundin Easten, ohne die Mallory niemals wieder an einem Schachbrett gesessen hätte. Oder auch Emile, der beste Freund von Nolan. Selbst die Antagonisten sind interessant, wie zum Beispiel Malte Koch oder andere sexistische Schachspieler.
Sexismus ist durchaus ein großes Thema des Romans. Ich bewundere sehr, wie Ali Hazelwood es geschafft hat, wichtige gesellschaftliche Themen mehr oder weniger nebensächlich ins dieses Buch einfließen zu lassen. Sexismus ist ein sehr offensichtliches Thema. Aber zum Beispiel auch Sexualität ist ein Thema, das großartig verarbeitet wurde. Versteht mich nicht falsch, es gibt eigentlich keine Sexszenen in „Check & Mate“. Aber Mallory geht sehr offen mit ihrer Sexualität und der sexuellen Orientierung anderer um. Das fand ich ehrlich gesagt einfach cool. All solche „Kleinigkeiten“ führen dazu, dass die Geschichte so rund ist.
Und rund ist sie. Wie ich schon erwähnte, habe ich mich nicht eine Sekunde mit dem Hörbuch gelangweilt. Ganz im Gegenteil. Ich wollte weiterhören. Immer. Ich konnte sogar eine Nacht kaum schlafen, weil ich mich immer gefragt habe, wie Mallory und Nolan sich wiedersehen. Wie das nächste Turnier ausgeht. Ob die beiden endlich gegeneinander spielen. Und. Und. Und. Die Geschichte hat mich einfach völlig in ihren Bann gezogen. Ich war selten so gecatcht von einem Hörbuch. Und die Gründe sind wirklich vielseitig. Tolle Protagonisten haben viele Bücher. Aber in „Check & Mate“ sind neben den großartigen Haupt- und Nebenfiguren auch die Handlungsentwicklung, jede Nebenhandlung, die Beziehungsgeflechte und der Humor einfach großartig. Und hinzu kommt das ungewöhnliche Setting der Schachwelt. Ich habe mich wirklich nie groß für Schach interessiert. Aber erst heute habe ich mich ertappt, wie ich den aktuellen Schachweltmeister googelte und vorher noch wissen wollte, was genau eine Rochade ist. Dieses Buch macht einfach neugierig und fesselt. Ich kann nicht einen einzigen Kritikpunkt finden.

Man weiß, was jetzt kommt. „Check & Mate. Zug um Zug zur Liebe“ ist ein herausragendes Buch, das so viel Spaß macht und das ich wirklich, wirklich liebe! Ich vergöttere die Protagonistin Mallory und habe mich selbst ebenfalls in Nolan Sawyer verliebt. Die Geschichte ist toll aufgebaut, die Figuren sind liebevoll gestaltet und die vielseitigen Themen haben mich begeistert. Ich vergebe fünf Sterne und setze das Buch schon mal auf die Liste meiner Jahreshighlights.



9. August 2023

Rezension [Hörbuch]: "Der Fall der verhängnisvollen Blumen" von Nancy Springer


Titel: Der Fall der verhängnisvollen Blumen - Ein Enola-Holmes Krimi
Autorin: Nancy Springer
Sprecherin: Luisa Wietzorek
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 14,95€
Dauer: 4h 2m

Die klassischen Detektive hatten es mir schon immer angetan. Allen voran die Großen der Szene: Hercule Poirot und natürlich Sherlock Holmes. Selbstverständlich bemerkte ich dann auch das Auftauchen einer gewissen Enola Holmes – auf Netflix. Die beiden Filme um die jüngere Schwester von Sherlock und Mycroft gefielen mir sehr gut. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir nicht bewusst war, dass die Filme auf einer Jugendbuchreihe von Nancy Springer basieren. Ein Versäumnis meinerseits, das dringend bereinigt werden musste. Und so begann ich mit (dem eigentlich dritten Fall) diese Reihe. „Der Fall der verhängnisvollen Blumen“ entführt den Leser – oder in meinem Fall Hörer – in das heruntergekommene London, in dem sich ein junges, aber sehr intelligentes Mädchen allein durchschlägt und mit allen Mitteln vor ihren Brüdern flieht.
Können die Bücher es mit den Filmen aufnehmen? Definitiv! Ich hatte beim Hören jedenfalls eine Menge Spaß und wurde hervorragend von der jungen, quirligen und etwas schräg denkenden Enola unterhalten.

Dr. Watson ist verschwunden und Meisterdetektiv Sherlock Holmes ist ratlos. Enola Holmes macht sich auf die Suche nach Dr. Watson, obwohl sie damit in Gefahr gerät, von ihren Brüdern Mycroft und Sherlock entdeckt und ins Internat gesteckt zu werden. Als sie einen Blumenstrauß in Dr. Watsons Haus bemerkt, dessen Blüten allesamt den Tod symbolisieren, muss sie schnell handeln. Denn offenbar ist Dr. Watson in Lebensgefahr. Kann sie Dr. Watson rechtzeitig aufspüren?

Ich bin kein Fan davon, eine Reihe mittendrin zu beginnen. Doch im „Fall der verhängnisvollen Blumen“ kann ich somit immerhin garantieren, dass sich dieses Buch auch ohne Vorkenntnisse hören lässt und man alles versteht. Bestimmt ist es viel sinnvoller, zunächst Band eins und zwei zu lesen/hören, um noch mehr Hintergrundinfos zu bekommen. Kennt man aber die Filme, reicht dies auch völlig.
Enola ist die deutlich jüngere Schwester von Sherlock Holmes, dem Meisterdetektiv. Doch wie ihr großer Bruder auch, hat Enola ausgefallene Hobbys und hat sich dem Aufspüren vermisster Personen oder Gegenständen verschrieben. Dabei klammert sie aus, dass auch sie quasi vermisst wird. Denn sie ist untergetaucht, um ihren Brüdern zu entgehen, die sie vermutlich in ein Pensionat oder eine Anstalt stecken wollen. Im verruchten und dunklen London gelingt es dem selbständigen Mädchen recht gut, sich zu verbergen. Als Enola aber in der Zeitung liest, dass Dr. Watson verschwunden ist, geht sie das Risiko ein, ihrem Bruder Sherlock in die Quere zu kommen. Denn der sympathische Arzt muss unbedingt gefunden werden – Bruder hin oder her. Enola beginnt also auf eigne Faust, Watson zu suchen. Als Hörer weiß man bereits aus dem Prolog, wo er sich aufhält und kann somit immer gut feststellen, ob Enola eine heiße Spur hat oder im Dunkeln tappt. Insgesamt ist ihr Denken dem ihres Bruders natürlich recht ähnlich. Doch es ist wirklich angenehm, dass die Detektivin dabei keinesfalls unnahbar ist. Sie ist auf den ersten Blick kein großes Genie, sondern recht praktisch veranlagt. Um ermitteln zu können, überlegt sie lange, welche Verkleidung sinnvoll ist. Sie hat große Kenntnis über die Sprache der Blumen und weiß, wie man Dinge vortäuscht. Aber jeder ihrer Schritte ist nachvollziehbar und gerade deswegen klappt die Identifikation mit „der kleinen Schwester“ so gut. Enola ist klug, gar keine Frage. Aber im Grunde ist sie auch ein ganz normales Mädchen, das sich nach ihrer Mutter sehnt. Sie kann eben nichts dafür in diese Familie hineingeboren zu sein.
Einer der ersten Schritte der Ermittlung ist ein Besuch bei Mary Watson. Eben dort fällt ihr ein absonderlicher Blumenstrauß ins Auge. Ihr ist sofort klar, dass er vom Täter stammen muss. Und so nimmt die Ermittlung ihren Lauf. Die misstrauische Enola geht dabei logisch, aber nachvollziehbar vor. Und findet auch ein wenig durch Zufall die Lösung. Aber wird sie am Ende doch von ihren Brüdern übertrumpft?
Ich fand die gesamte Geschichte super unterhaltsam. Der Fall ist spannend und hat schon allein durch die Protagonistin etwas Feminines. Und das ist bei Detektiven (Verzeihung, Miss Marple) doch eher neu. Enola als Hauptfigur ist sehr einsam und offenbart sich dem Hörer durch ihre Gedanken sehr gut. Ich fand sie einfach toll! Und auch ihre Ermittlungsart gefiel mir sehr gut.
Es ist nur passend, dass natürlich auch ihre Stimme, die ihr von Luisa Wietzorek geliehen wird, wunderbar zur Geschichte passt. Es handelt sich dabei auch um die Synchronsprecherin der Netflix-Filme. Wer diese also kennt, hat sofort ein Gesicht vor Augen. Enola beschreibt sich übrigens zumeist als nicht sehr ansehnlich…das wiederum passt zwar nicht zur Besetzung, aber was soll’s. Die Sprecherin Wietzorek macht ihre Aufgabe jedenfalls mehr als gut. Sie liest auch die verschiedenen Charaktere sehr passend und nimmt den Hörer so mit ins London des neunzehnten Jahrhunderts. Das übrigens fand ich besonders charmant: die Atmosphäre der Zeit. Enola kommuniziert viel durch Zeitungsannoncen und Codes. Schade, dass es so etwas heute nicht mehr gibt. Auch sonst ist die Stimmung des tristen Londons der Unterschicht sehr gut eingefangen.

Ich habe einfach rein gar nichts an „Der Fall der verhängnisvollen Blumen“ auszusetzen. Die Protagonistin ist toll und nahbar, die Sprecherin liest hervorragend und die Geschichte ist unterhaltsam und kurzweilig. Der Fall erscheint so normal, denn es geschieht ja nicht einmal ein Mord. Und trotzdem ist sie etwas ganz Besonderes. Dass der große Sherlock Holmes nur in einer Nebenrolle auftritt, fällt eigentlich gar nicht auf. Denn die Bühne gehört zurecht seiner kleinen Schwester. Und dieser verleihe ich mit ihrem dritten Fall fünf Sterne.




13. April 2023

Rezension: "Die Erben der Drachen" von Sabine Schulter


Titel: Die Erben der Drachen - Götterfluch
Autor: Sabine Schulter
Verlag: selfpublished
Preis: 4,99€ /14,99€
Seiten: 374

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Drachen und auch in das High-Fantasy-Genre mache ich lediglich Ausflüge. Aber ich bin ein riesiger Fan von Sabine Schulter – und von Einzelbänden. Es war also trotzdem eine klare Angelegenheit, dass ich „Die Erben der Drachen – Götterfluch“ lesen würde. Denn auch wenn es nicht mein Favoritengenre ist, so empfand ich den Klappentext von Anfang an als spannend. Aber was ich dann bekam, übertraf all meine Erwartungen! Denn wenn ich ehrlich bin, verrät der Klappentext nicht annährend, wie gut diese Geschichte, das Setting und die Figuren sind! Ich kenne jedes Buch von Sabine Schulter. Und ich muss sagen: „Die Erben der Drachen“ ist eines ihrer aller, aller besten! ABER: Selbst wenn ich nicht die Autorin als Maßstab nehmen würde…für mich ist dieses Buch unabhängig davon ein absolutes Highlight und Must-Read!

Die 20-jährigen Zwillinge Fiha und Noss wachsen in dem Wissen auf, dass sie Schicksalskinder und Nachfahren der Meeresdrachen sind. Sie sollen ihre Heimat Kir`Les und den letzten noch lebenden Drachen vor einer gebrochenen Göttin retten. Doch Fiha glaubt nicht an die Prophezeiungen. Bis zu dem Tag, als Finsternis ihre gierigen Hände nach Kir`Les ausstreckt, Fischgründe versiegen und Fiha und ihr Bruder von grauenvollen Träumen heimgesucht werden.
Phersika, die wahnsinnige Göttin, erwacht und bäumt sich gegen ihre Fesseln auf. Um ihre Rache abzuwehren, ziehen Fiha und Noss los, um bei den Menschen nach ihren Gegenstücken zu suchen. Denjenigen, die ihnen die Macht verleihen, Phersika ein für alle Mal zu vernichten.

Ich kann schon jetzt kein Geheimnis daraus machen, dass ich „Die Erben der Drachen“ liebe! Und dennoch habe ich gleich zu Beginn Kritik und das sogar in zwei Punkten. Beginnen wir bei äußeren Faktoren: das Cover. Ich finde es schön, keine Frage. Und die düstere Atmosphäre passt auch durchaus zur nahenden Dunkelheit, die die Welt von Fiha und Noss bedroht. Außerdem ist es schön und facettenreich gemacht. Aber dann hört es auch schon auf. Denn meiner Meinung nach, wird es der Geschichte einfach nicht gerecht. Und das liegt an einem simplen Punkt. Dieser allerdings geht einher mit meiner zweiten Kritik, nämlich dem Klappentext. Weder Cover noch Klappentext lassen nämlich die atemberaubende Kombination aus Unterwasserwelt und Wüstenreich vermuten, die „Die Erben der Drachen“ tatsächlich beherbergt. Dass Wasser eine große Rolle spielt, mag man wissen. Aber dass die Zwillinge tatsächlich in einer Stadt, die quasi unter Wasser ist, leben, kommt nicht heraus. Und viel trauriger ist, dass weder das Cover noch der Klappentext überhaupt andeuten, dass mehr als die Hälfte des Buches in einer Wüstenstadt spielt. Es kommen Gefühle aus 1001 Nacht auf und das gefiel mir so unglaublich gut! Ist meine Kritik also in irgendeiner Weise schlimm oder beeinflusst sie die Handlung? Absolut gar nicht! Ich finde nur, dass hier eine Chance verpasst wurde, diesem wundervollen Buch noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn ich persönlich habe noch nie zwei solch gegensätzliche Welten in einer besseren Symbiose gesehen! Ein Cover mit Wasser und Wüste hätte ich also einfach passender gefunden.
Und nun höre ich auch auf (ansatzweise) zu kritisieren und nehme euch mit in die wunderbare Welt dieses Buches. Herausragend ist für mich die Geschichte. Sabine Schulter war schon immer für innovative Weltentwürfe gut und hier hat sie sich übertroffen. Fiha und Noss sind Kaheyla. Dabei handelt es sich um ein Wasservolk, das in unterirdischen Höhlen unter Inseln wohnt und ständigen Zugang zum Meer hat (und braucht). Sie können an Land und unter Wasser atmen und sind somit eine Art Hybridgattung. Die Kaheyla haben ihren eigenen Glauben und Noss ist sogar Priester. Er ist ein sehr besonnener und vernunftliebender Charakter. Durch ihn bekommt die Handlung eine gewisse Ruhe und Beständigkeit. Ganz anders steht es um seine Schwester Fiha. Sie identifiziert sich nicht mit der Prophezeiung oder dem Glauben – sie ist eine Kämpferin. Ihre aufbrausende und kurzentschlossene Art sorgen für viel Feuer. Zusammen bilden die Zwillinge einen tollen Gegensatz, doch die beiden sind ein eingespieltes Team. Die Beziehung zwischen ihnen hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin hat das Band, das zwischen Geschwistern besteht, sehr gut eingefangen und ich fühlte mich stark an meinen Bruder erinnert. Diese beiden interessanten Figuren aus dem Wasservolk sind die Protagonisten des Buches. Denn die beiden haben ein besonderes Mal und das seit Geburt an. Es zeichnet sie als „Schicksalskinder“ aus und somit ist es ihnen bestimmt, die Göttin Phersika zu besiegen und die Drachen zurück in die Welt zu holen. Als Leser wird man in die Handlung eingeführt, dass es vor vielen hundert Jahren einen Krieg zwischen der Göttin und den Drachen gab und dass letztere die Göttin einsperren konnten. Doch das Siegel des Gefängnisses löst sich und so sickert Dunkelheit in den Ozean. Um diese aufzuhalten, müssen Noss und Fiha die weiteren Schicksalskinder finden. Wo diese sind und wie viele es gibt, wissen sie nicht. Doch sie wissen, wo sie mit ihrer Suche beginnen müssen: bei den Menschen. Und so begeben die Zwillinge sich in die Menschenstadt Hoof. Ich habe mir diese Stadt wie Agrabah aus Aladdin vorgestellt. Sie liegt in der Wüste, hat aber einen Meerzugang. Sie wird von einem König regiert, der in einem Palast lebt und die Gassen werden von Diebesgilden beherrscht. Allein dieses Setting finde ich unglaublich spannend, denn ich liebe Wüstengeschichten. In Kombination mit dem Wasservolk ist es aber einfach nur grandios! Ohne zu viel von der Geschichte zu verraten, sei angemerkt, dass die Zwillinge Bekanntschaft mit dem Königshaus und den Diebesgilden machen und so auf tolle Figuren treffen. Da wären zum Beispiel die Prinzessin Malissa und ihre Zofe Alica und vor allem der Meister aller Diebe Asciir. Alle drei sind großartige Nebenfiguren, die der Handlung den richtige Pep verleihen.
Die Handlung selbst ist spannend. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Wir haben Verfolgungsjagden, Liebesgeschichten, Nebenhandlungen und aufregende Kulissen. Lässt man sich auf die Geschichte ein, versinkt man in ihr. Es gibt einige Wendepunkte, so auch kurz vor Ende des Buches. Das Ende selbst kommt etwas überraschend, doch es gefiel mir gut. Ich war ehrlich gesagt traurig, dass es dann schon vorbei war. Und tatsächlich spielen Drachen eine viel kleinere Rolle im Buch, als ich gedacht hätte.
Zum Schreibstil von Sabine Schulter muss ich glaube ich nicht viel sagen. Sie ist eine tolle Autorin, die den Leser in ihre Welt mitnimmt. Für „Das Erbe der Drachen“ hat sie übrigens zwei und am Ende drei Perspektiven gewählt. Noss und Fiha erzählen die Geschichte im Wechsel. Erst ganz am Ende übernimmt auch Asciir einen Part. Das passt insgesamt super zur Geschichte, da die Zwillinge auch mal an verschiedenen Orten sind. Außerdem sind sie solch verschiedene Charaktere, dass man ihre Persönlichkeit so immer gut mitbekommt.

Ich kann gar nicht genau zusammenfassen, was mir an „Das Erbe der Drachen“ am besten gefallen hat. Es ist eine super spannende und aufregende Geschichte mit viel Abwechslung und tollen Elementen. Gerade das Wechselspiel von Unterwasser- und Wüstenwelt hat mir sehr gut gefallen. Des Weiteren sind die Charaktere super und die Nebenfiguren wirklich interessant. Ich hatte so viel Spaß am Lesen, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte. Lasst euch keinesfalls vom Cover „abschrecken“, denn es schlummert so viel mehr in diesem Buch, als eine klassische Fantasy-Geschichte über Drachen! Nebenbei bemerkt: Ein Fantasybuch zu finden, dass kein Reihenteil ist, ist heute auch nicht mehr so leicht. Lasst euch dieses Highlight also nicht entgehen, das ich mit fünf Sternen bewerten muss.



30. November 2019

Rezension: "Die Greifenreiterin - Hoffnung" von Sabine Schulter




Titel: Die Greifenreiterin - Hoffnung 
Autor: Sabine Schulter  
Verlag: Selfpublished
Preis: 12,99€ (TB) 
Seiten: 267

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sehr man sich in völlig fiktive Figuren, ja sogar völlig fiktive Lebewesen im Generellen verlieben kann! Denn genauso erging es mir mit dem Greifenweibchen Ferril, das natürlich eine der Hauptfiguren in Sabine Schulters „Die Greifenreiterin“ ist. Nachdem ich den ersten Band „Gefangenschaft“ gelesen hatte, ließen Ferril und seine Reiterin Rayna mich nicht mehr los. Und obwohl ich durchaus Kritik am ersten Teil hatte, wartete ich sehnsüchtig auf Band zwei. Mit dem zweiten Band „Hoffnung“ entführt uns die Autorin nicht nur erneut in die wundervolle und fantastische Welt von Ferril und Rayna, sondern schafft es auch, den Spannungsbogen zu steigern. Hut ab, denn so ist das Resultat in meinen Augen stärker, als der Auftaktband!

Nachdem die Zea-Anführerin Ti´ha sie um Hilfe gebeten hat, kehren Rayna und Hyron zu den Himmelsschwertern zurück. Dort angekommen, können sie ihre Anführer davon überzeugen, dass es für ganz Teharis von Nutzen ist, wenn Zemzee aufgehalten wird. Doch als Rayna in den Süden zurückkehrt, muss sie feststellen, dass alles nicht so einfach ist wie gedacht und Zemzee Dinge in der Hinterhand hält, die alle Kräfteverhältnisse durcheinanderwirbeln. Die Einzigen, die ihm etwas entgegensetzen können, sind die Tenga – das magiebegabte Volk, das sich bisher strikt von allen anderen fernhielt.

Als Leser kommt man bereits auf der ersten Seite wieder in Raynas und Ferrils Welt an. Es ist, als wäre man nie weg gewesen, da Band zwei unmittelbar nach dem ersten Band wieder einsetzt. Dennoch schafft Sabine Schulter es, die Ereignisse des ersten Bandes gut in die ersten Kapitel zu verweben, sodass man sofort wieder in der Geschichte ist. Und das ist gut, denn es geht auch direkt los. Man kann einen klaren Aufbau des Buches erkennen, der definitiv eine steigende Spannungskurve aufweist. Rayna und Hyron sind anfangs beim Volk der Shealif und so bekommt man einen umfassenden Einblick in die Vielfältigkeit Teharis‘. Das Volk der Shealif, aber auch das Himmelsvolk werden noch einmal ganz neu vorgestellt, was sehr viel Spaß macht. Doch nachdem die Situation klar ist, wird das Buch erst so richtig rasant. Denn die Reise beginnt und der Auftrag lautet Zemzee aufzuhalten. Doch das ist gar nicht so einfach, ist der Anführer des Nordvolkes doch viel stärker, als zunächst angenommen! Schnell ist klar: Nur die Tenga können noch helfen. Doch gerade dieses Volk hat es in „Hoffnung“ am schwersten. Die Einführung bis zur Haupthandlung gefiel mir im Großen und Ganzen sehr gut. Hier gehe ich später allerdings noch auf eine Einschränkung ein. Der Hauptteil der Handlung spielt auf einer Mission zum Tempel der Tenga. Diese Mission ist wirklich gut umgesetzt und es macht so viel Spaß den Protagonisten unter die Erde zum Heiligtum der Tenga zu folgen. Das magiebegabte Volk ist einzigartig und so ist es auch mit dieser Mission, mit dem Schauplatz und mit den Figuren. Rayna und Ferril machen sich gemeinsam mit Karim und Tack, Hyron und einem Vertreter der Tenga auf die Reise. Dieser kleine Trupp ist durch seine Mischung mehr als gelungen, sodass man mit ihnen lachen, weinen, aber auch jedes Abenteuer bestehen kann. Und von denen warten viele auf die Greifenreiter und ihre Gefährten. Die Handlung war wirklich spannend und vor allem zum Ende hin flogen die Seiten nur so dahin. 
Die Figuren tun ihr Übriges. Über Rayna und Ferril brauche ich glaube ich nicht allzu viel sagen. Die starke und eigensinnige Protagonistin bleibt ihrer Linie treu, was mir gut gefiel. Ihr Greif Ferril ist einfach einzigartig und einer der Gründe, warum man sich in die Geschichte verlieben muss. Und wenn nicht wegen Ferril, dann wegen Karim, Raynas Bruder. Mir hat es sehr gut gefallen, dass er eine größere Rolle als in Band eins bekommen hat und so erobert der beschützerinstinktgeleitete große Bruder sofort jedes Herz im Sturm. Und für den ein oder anderen Witz sorgt er obendrein. Die Chemie zwischen Rayna und Karim ist einfach grandios und auch Hyron passt gut in diese Truppe. Über den Shealif erfährt man in „Hoffnung“ noch deutlich mehr, als noch in „Gefangenschaft“. Sein Charakter wird greifbarer und seine Liebe zu Rayna immer offensichtlicher. Hiermit wäre ich aber bei meinem Kritikpunkt angelangt. Im ersten Teil des Buches geht es genau darum: die Liebe. Mir ging das Ganze etwas zu schnell und die Gefühle waren auch zu plötzlich so intensiv. Hier hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht, auch wenn die Liebesgeschichte an sich ganz wunderbar ist! 
Diese (kleine) Kritik bleibt aber sehr einsam, denn insgesamt ist das Buch wahnsinnig toll. Das liegt natürlich auch am Schreibstil der Autorin. Gerade im Fantasygenre muss mit Bildern und Details gearbeitet werden und darauf versteht Sabine Schulter sich absolut. Man liest das Buch sehr schnell, kann sich alles vorstellen und fühlt sich als Teil der Handlung. 
Ein paar Worte noch zum Ende: Ich hasse Cliffhanger. Und oh Mann…das hier ist sowas von einer. Nie hätte ich gedacht, dass die Geschichte an solch einem Punkt enden könnte. Ich habe geschrien und war mehr als schockiert. Denn das Ende ist so gemein. Man MUSS einfach wissen, was nun passiert! Obwohl ich Sabine Schulter für dieses Ende wirklich ein klein wenig hasse, ziehe ich auch meinen Hut vor ihr, denn so hat sie es definitiv geschafft, meine Neugierde auf Band drei zu schüren. Ich brauche dieses Buch – und zwar schnell!


„Die Greifenreiterin – Hoffnung“ ist eine tolle Fantasygeschichte, die nicht nur mit gelungenen Protagonisten (egal ob menschlich oder tierisch) aufwartet, sondern die auch in ein zauberhaftes Setting gelegt wurde. Die Geschichte hat alles, was sie braucht: Freundschaft, Liebe, Abenteuer und das ganz gewisse Etwas. Ich freue mich sehr auf den dritten Teil und verbleibe bis dahin mit 4,5 Sternen und natürlich in der „Hoffnung“, dass Band drei ganz bald erscheint.


18. Februar 2019

Rezension: "Die Kane-Chroniken - Die rote Pyramide" von Rick Riordan



Titel: Die Kane-Chroiken - Die rote Pyramide
Autor: Rick Riordan
Verlag: Carlsen
Preis: 12,00€
Seiten: 608


Kurz vor Weihnachten wusste ich mal wieder nicht, welches Buch ich beginnen sollte. Ich griff nach ein paar Büchern, blätterte sie durch und warf einen Blick in die Klappentexte. Und da war es ganz eindeutig: „Die Kane Chroniken – Die rote Pyramide“ passte wie die Faust aufs Auge. Denn die Geschichte beginnt einen Tag vor Heiligabend. Mehr Identifikationspotenzial ging nicht und obwohl es sich natürlich nicht um eine Weihnachtsgeschichte handelt, war diese Wahl absolut umwerfend!
Ich halte sehr viel von Rick Riordan, habe seine „Percy Jackson-Reihe“ verschlungen und die „Götter des Olymp-Reihe“ bereits begonnen. Da ich seit meiner Kindheit eine Passion für das Alte Ägypten habe, gehören natürlich auch die „Kane Chroniken“ in mein Regal. Und der erste Band konnte mich absolut überzeugen! Ein weiteres mitreißendes Familien-Abenteuer aus der Feder von Rick Riordan!


Ein Besuch im Museum? An Heiligabend? Eine bescheuerte Idee, findet Sadie. Sie sieht ihren Vater, den berühmten Ägyptologen Dr. Julius Kane, ja ohnehin nur zwei Mal im Jahr - und dann muss er sie und ihren Bruder Carter ausgerechnet ins British Museum schleppen. Aber ihr Vater will ihnen gar keine verstaubten Sarkophage zeigen - er plant nicht weniger, als den ägyptischen Gott Osiris zu beschwören. Doch das geht schief, und er wird von einem unheimlichen glutroten Typen entführt. Um ihn zu befreien, müssen Sadie und Carter es mit der gesamten ägyptischen Götterwelt aufnehmen.


Lange Zeit wusste ich gar nicht, dass Riordan sich nicht nur den griechischen und römischen Göttern zugewandt hat. Ehrlich gesagt sind die „Kane Chroniken“ relativ belanglos an mir vorbei gezogen. Ich habe sie erst entdeckt, als ich sie in einem Riordan-Buch im Anhang fand. Und ab da war meine Aufmerksamkeit geweckt. Bereits zwei Mal war ich selbst im Land der Pharaonen und da ich Geschichtslehrerin bin, befasse ich mich immer wieder mit diesem wundervollen historischen Thema. Ich habe eine Vorliebe für dieses geschichtliche Zeitalter, denn es ist so überaus spannend und faszinierend! Und genau das hat wohl auch der berühmte Rick Riordan erkannt.

Jeder, der gern etwas über Ägypten liest und Abenteuerromane mag, ist hier genau richtig. Mir hat „Die rote Pyramide“ sogar besser gefallen, als der Auftakt der „Percy Jackson-Reihe“ und das hat schon einiges zu sagen.
Das Konzept von Rick Riordan ist eigentlich nicht kompliziert. Er sucht sich ein historisches Thema mit mythologischen Zügen, baut in dieses Setting eine kleine Gruppe von Freunden, die im Laufe der Geschichte zu Helden werden und nebenbei auch noch die Welt retten. Der Gedanke ist nicht neu und dennoch schafft der Autor es immer wieder seine Geschichten innovativ und spannend zu gestalten. Sein Stil ist unglaublich gut und anschaulich, weshalb man immer gern zu seinen Geschichten greift. Und auch hier liegt dieses Konzept, samt gutem Stil, zugrunde. Dieses Mal handelt es sich bei den Helden aber nicht um einen Einzelkämpfer, der nach und nach seine Freunde gewinnt. Es geht um zwei Geschwister – Sadie und Carter. Die Geschwister sind getrennt aufgewachsen, die 12-jährige Sadie in London bei ihren Großeltern und Carter bei seinem Vater, der Archäologe ist. Carter ist zwei Jahre älter als Sadie und sein Leben lang unterwegs gewesen. Ein richtiges Zuhause hat er nicht und sein einziger Freund ist sein Dad. Als Sadie 6 Jahre alt war, starb die Mutter der beiden und seitdem sind die Geschwister getrennt. Nur zwei Mal im Jahr kommen Carter und ihr gemeinsamer Vater nach London und verbringen einen Tag mit Sadie, doch die Geschwister sind sich weitesgehend fremd. In der Familie scheint es nicht nur unüberbrückbare Probleme, sondern auch viele Geheimnisse zu geben. Das wird dem Leser schnell klar. Die Großeltern haben ein Problem mit dem Vater. Sie sind misstrauisch und selbst Carter macht sich manchmal Sorgen um seinen Dad, der immer sehr fixiert auf seine Arbeitstasche ist. 
Als die beiden wieder nach London kommen, um Sadie zu besuchen, bringt ihr Dad sie ins British Museum – an Heiligabend. Wieso? Kann man denn nicht einmal normal sein? Diese Fragen stellt sich zumindest Sadie. Doch als im Museum dann durch ein ägyptisches Ritual nicht nur der Rosetta-Stein zerstört wird, sondern auch Sadies und Carters Dad in einem Sarkophag in der Erde verschwindet, ist das Chaos perfekt. Oder? Nein, denn der Chaosgott persönlich taucht auch noch auf und mit ihm die anderen großen Götter. Was hat ihr Vater getan? Egal was, sie müssen ihn retten! Das beschließen die Geschwister schnell und nach und nach erfahren sie, wer sie eigentlich sind und was es mit der roten Pyramide auf sich hat.
Ich will hier nicht zu viel verraten, doch zur Handlung lassen sich ein paar beschreibende Attribute finden: spannend, interessant, atemberaubend. Die Geschichte ist abwechslungsreich, obwohl das Konzept Gut-gegen-Böse zugrunde liegt. Carter und Sadie beginnen mit göttlicher Unterstützung eine Reise in die ägyptische Mythologie, um ihren Vater zu retten. Dabei lernen sie nicht nur Dinge über sich selbst, sondern auch über ihre Familie. Geheime Orden und Zauberer spielen eine große Rolle, die ägyptischen Götter werden selbst zu Protagonisten und mythologische Schauplätze erstehen wieder auf. „Die rote Pyramide“ ist ein einziges langes Abenteuer, das den Leser mitreißt. Es gibt so viele verschiedene Werte, die mich als Leser angesprochen haben. Da wären zum Ersten die Geschwisterliebe und der Zusammenhalt zwischen Sadie und Carter. Die beiden kennen sich zu Beginn nur wenig, doch zwischen ihnen entsteht genau das, was eine Beziehung unter Geschwistern so ausmacht. Ich habe die Liebe auf jeder Seite gespürt und das ist wirklich schön! Eine kleine Liebesgeschichte gibt es übrigens auch, auch wenn man bei dem Alter der Protagonisten vielleicht eher von Schwärmerei sprechen sollte. Natürlich spielt auch der Zusammenhalt einer Familie eine große Rolle, Loyalität und Treue, Freundschaft und Liebe und immer der Zusammenhalt. All das taucht in dieser Geschichte gegen das Böse auf. Aber auch hier muss man sich einer Aussage stellen, die auch im Buch immer angedeutet wird: Das Böse ist Ansichtssache. Können Carter und Sadie das Böse am Ende besiegen?
Die beiden Geschwister sind wirklich tolle Charaktere. Beide erzählen die Geschichte gemeinsam und sie ist in ein relativ authentisches Setting eingebaut. Die beiden machen während der Reise Aufnahmen, in denen sie ihre Geschichte abwechselnd erzählen. Diese Aufnahmen bilden das Buch, eben in schriftlicher Form. Daher hat der Schreibstil etwas sehr Mündliches, was das Buch auch so flüssig macht. Ein Kapitel ist zumeist aus Sadies und danach eines aus Carters Sicht verfasst. Carter ist der deutliche besonnenere der beiden. Er scheint vernünftig und gebildet zu sein, hat aber vor allem in seinem Sozialwesen Nachholbedarf. Sadie hingegen ist frech und rebellisch. Sie musste ohne Mutter und Vater aufwachsen und das lässt sie die Welt spüren. Doch nach und nach taut sie auf und so wird aus ihr eine sehr starke Persönlichkeit, die für ihre Ideale einsteht. Außerdem ist sie ziemlich lustig. Humor ist in Rick Riordans Büchern immer sehr präsent und das ist auch hier der Fall. Zwischendurch musste ich wirklich mehr als nur schmunzeln.
Die beiden werden mit sehr viel konfrontiert, müssen gegen böse Monster kämpfen und akzeptieren, dass sie nicht so normal sind, wie sie immer dachten. Zusammen sind sie ein tolles Team! Und dann gibt es natürlich noch die Nebenfiguren, die ihnen helfen. Zum Beispiel ihr Onkel Amos, der sie in die Geschichte überhaupt erst einführt. Und natürlich die Zauberschülerin Zia, die viel mächtiger ist, als es den Anscheint macht. Seth ist der Bösewicht der Geschichte und er macht seinen Job wirklich gut. Das Gute wird von Horus und Isis verkörpert. Doch wie gut sind die Götter wirklich? Auch andere Götter tauchen auf, wie etwa die Katzengöttin Bastet, die ein wirklich toller Charakter in diesem Buch ist. Insgesamt sind die Figuren sehr vielfältig und für jeden ist etwas dabei. Den Überblick verliert man trotzdem nicht. Man sollte sich auf das gesamte Konzept einfach einlassen und dann kann man sich in der Geschichte verlieren.


So erging es mir zumindest. Ich habe „Die Kane-Chroniken – Die rote Pyramide“ sehr gern gelesen und kann den Beginn der Reihe nur empfehlen. Die Geschichte ist toll aufgebaut und sehr durchdacht. Die ägyptische Mythologie wird toll mit der modernen Welt verwoben und nicht ein Detail erschien mir unsinnig. Natürlich ist nicht alles historisch korrekt, doch die Geschichte hat keine Brüche, sondern ist ein flüssiges Ganzes. Auch der Stil ist wieder sehr gelungen: bildlich, spannend, fließend und vor allem humorvoll. Sadie und Carter sind tolle Charaktere, die im Laufe des Buches große Entwicklungen durchmachen und sich auf viele wahre Werte berufen können.

Hier hat der Leser es mit einer ausnahmslosen spannenden Geschichte zu tun, die tolle Motive hat und sich wunderbar lesen lässt. Ich kann euch nur empfehlen, auch mal eine buchige Reise ins Alte Ägypten zu machen, statt nur nach Griechenland oder Rom. „Die rote Pyramide“ bekommt verdiente fünf Spitzenschuhe und ich freue mich auf die weiteren Teile der Reihe.