Posts mit dem Label Trauer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Trauer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

17. März 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Walter Boys" von Ali Nowak



Titel: Ich und die Walter Boys
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Aileen Wrozyna
Verlag: der Hörverlag
Preis: 22,95€
Seiten: 448
Dauer: 11h 8m

 

Obwohl ich inzwischen auf dem Papier wohl zu alt für Teenieserien und große Liebesdramen bin, bin ich in meinem Herzen noch immer das Mädchen, das in den 2000ern keinen Romance-Film ausgelassen hat. Wohl auch deswegen schaue ich noch immer voller Leidenschaft alle Neuveröffentlichungen, in denen die Storyline simple ist: Sie - unscheinbar. Er - der Star. Hinderungsgrund der Beziehung - variabel. Wichtig - Happy End.
In dieses Beuteschema passt natürlich auch die Serie "My life with the Walter Boys". Die Serie war solide. Aber wie so oft, war ich neugierig auf die Buchvorlage. Ist sie besser oder schlechter als die Serie? Meine Antwort? Zusammen sind sie perfekt!


Jackie hasst unvorhersehbare Ereignisse. Als perfekte Tochter hat sie ihr Leben in New Yorks High Society fest im Griff und sonnt sich in der Aussicht auf eine erfolgreiche Zukunft. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Mit einer Lawine unvorhersehbarer Ereignisse: 1. Jackie steht plötzlich alleine da. 2. Sie muss zu ihrer Vormundfamilie, den Walters, nach Colorado ziehen. 3. Die Walters haben nicht nur Pferde, sondern auch zwölf Söhne! Mitten in der Pampa, allein unter Jungs von 6 bis 21, für die Privatsphäre ein Fremdwort ist, lautet Jackies erster Gedanke: Nichts wie weg. Und ihr zweiter: Moment...ein paar der Kerle sehen unfassbar gut aus!


Hat man zuerst eine Verfilmung gesehen, hat man immer ein Problem mit der Buchvorlage: Man stellt sich die Charaktere und die Handlungsorte genauso vor, wie im Film oder in diesem Fall wie in der Serie. Man ist eben nicht mehr unvoreingenommen. Jackie Howard sieht im Buch beispielsweise vollkommen anders aus, ebenso Alex. In meinem Kopf waren es trotzdem die Gesichter der Schauspieler. Doch man sollte "Ich und die Walter Boys" nicht an der Serie messen. Bleiben wir also beim Buch.
Woran ich mich allerdings zuerst gewöhnen musste, war der Umstand, dass es im Buch noch mehr Kinder sind, als in der Serie. Insgesamt leben bei den Walters 12 Kinder/heiße Jugendliche. Über die Absurdität dieser Vorstellung brauchen wir glaube ich nicht zu diskutieren. Doch im Buchkontext funktioniert das tatsächlich sehr gut. Eigentlich ist es schade, dass einige Figuren später gestrichen wurden.
Da mir das Setting und die Handlung gewissermaßen vertraut waren, fühlte ich mich in der Geschichte sofort wohl. Jackie ist eine unverbesserliche Perfektionistin, die ich trotzdem als erfrischend empfand. Irgendwie hat man gemerkt, dass die Erstausgabe der Geschichte schon zehn Jahre alt ist. Denn Jackie ist eine Protagonistin, die viel zweifelt. Die auch oft falsche Schlüssel zieht und total subjektiv handelt. Von außen denkt man immer wieder "Wiesoooo?", aber irgendwie hat mir das typische Teenagerverhalten von ihr gefallen! Denn heute sind mir viele Protagonistinnen zu selbstbewusst und straight. Alle wissen immer, was sie wollen und insgesamt geht es viel zu sehr um Sex. Das ist hier ganz anders und dafür war ich dankbar! 
Jackie ist ein ganz gewöhnlicher Teenager, der mit einem grausamen Schicksalsschlag zurecht kommen muss. Dieses Thema wurde meiner Meinung nach gut umgesetzt und passte in die Geschichte. Neben der Trauerbewältigung sind Themen wie Freundschaft, Verliebtsein, Eifersucht und Familie sehr wichtig. Zusammenhalt wird bei den Walters großgeschrieben. Das imponierte mir. Insgesamt hat mir die Welt, in die Jackie geworfen wird, sehr gut gefallen. Das liegt natürlich vor allem an den "Boys". Bei dieser Vielzahl an verschiedenen Jungstypen ist natürlich für jedes Mädchenherz etwas dabei. Auch deswegen funktioniert die Geschichte ja so gut. Mein Herz hatte direkt Danny erobert. In der Serie muss ich ja auch gestehen, dass ich Cole gegenüber sehr distanziert war. Im Buch sind die Lager da schon klarer. Alex ist ein super süßer Kerl. Dass Jackies Herz aber für Cole schlägt, ist nicht zu übersehen. Und ich muss zugeben, dass Cole in "Ich und die Walter Boys" auch wirklich süß ist. Er hat sich seinen Status irgendwie nicht ausgesucht, sondern hat eben dieses Charisma. Er wäre wohl auch ein komischer Typ, würde ihm das nicht gefallen.
Ich fand die Szenen zwischen den beiden schön und authentisch. Da Jackie die Ich-Erzählerin ist, weiß man aber auch sehr schnell, dass Alex eher eine Art Notlösung ist. Die Spannung dahingehend war also eher schwach. Trotzdem bleibt bis zum Ende nicht klar, wofür Jackie sich entscheiden wird. Einen Jungen oder doch eben sich selbst?
Die Charaktere im Buch sind vielseitig und spannend. Wie ich schon sagte, ist für jeden etwas dabei. Schön waren auch die Szenen, in denen Jackie neue Freunde gefunden hat. Es ist wirklich schade, dass einige der Mädchen es nicht in die Serie geschafft haben, wie Heather zum Beispiel. Gleichzeitig muss man sich aber nichts vormachen. Die Autorin spielt natürlich auch mit Klischees. Ich bin keine Hörerin, die das stark hinterfragt. Denn solange die Figuren die Handlung nach vorn bringen, bin ich fine damit. Trotzdem sei hier erwähnt, dass viele Figuren Stereotypen entsprechen.
Der Schreibstil von Ali Nowak ist flüssig und jugendlich. Er passt super zum Buch und ist ein weiterer Wohlfühlfaktor. Die Sprecherin des Hörbuchs Aileen Wrozyna macht ihre Sache ebenfalls toll. Ihre Stimme hat super zu Jackie gepasst. Sie fängt die Atmosphäre gut ein, sodass man sich schnell mit Jackie identifiziert.
Zum Schluss noch ein letztes Thema. Lohnt es sich, das Buch zu lesen, wenn man die Serie schon kennt? Wenn einem die Serie gut gefallen hat, dann auf jeden Fall! Die Serie hat tatsächlich den Vorteil, komplexer sein zu können. Das Buch ist auf Jackies Sicht beschränkt. Die Serie kann die Gefühle vieler Figuren einfangen und baut so neue Handlungen auf, die es im Buch tatsächlich gar nicht gibt. Daher ist die Serie irgendwie eine schöne Ergänzung zum Original. Denn natürlich bietet auch "Ich und die Walter Boys" Szenen, die es eben nicht in der Serie gibt. Ich persönlich kann Jackie nach dem Hören der Geschichte viel besser verstehen, schaue aber auch die Serie wirklich gern weiter. Teenie forever.


"Ich und die Walter Boys" ist eine schöne Geschichte für vor allem jugendliche Hörerinnen, die nicht zu viel nachdenken wollen. Natürlich ist das Setting nicht immer realistisch und abgesehen von Jackies fürchterlichem Schicksalsschlag fehlen große Probleme. Aber ist man ein Teenager und zum ersten Mal verliebt, ist eben genau das das große Problem. Jackie meistert das im Kontext der 12 Jungs ziemlich gut und hat mich die ganze Zeit gut unterhalten. Als Hörbuch funktioniert die berühmte Geschichte ebenfalls klasse, weshalb ich vier von fünf Sternen vergebe.



21. Mai 2024

Rezension [Hörbuch]: "Better than the movies" von Lynn Painter

 


Titel: Better than the movies
Autorin: Lynn Painter
Sprecherin: Nina Reithmeier
Verlag: der Hörverlag
Preis: 22,95€
Seiten: 384
Dauer: 11h 1m

Vor einiger Zeit habe ich die Bücher von Lynn Painter für mich entdeckt. Sie zählt zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen und keines ihrer New Adult Bücher hat mich je enttäuscht. Nun hat sie einen Ausflug in das Genre Young Adult gemacht. Also weniger Knistern und damit weniger spannend? Weit gefehlt! Denn der Roman „Better than the movies“ ist ein fantastisches Jugendbuch, das ich jede Sekunde lang geliebt habe! Eine quirlige Protagonistin, ein Bad Boy und ganz viele Filmbezüge machen aus diesem Roman eine Geschichte, die zum Träumen einlädt!

Liz träumt vom perfekten Prom-Date. Doch dafür müsste sie erst einmal ein Liebesleben haben. Als ihr Kindheits-Crush Michael zurück in die Stadt zieht, sieht sie ihr Glück in greifbarer Nähe. Zu dumm, dass Michael in ihr immer noch die niedliche kleine Liz von früher sieht. Damit sich das ändert, braucht sie die Hilfe von Wes: Der beliebte Bad Boy, der nebenan wohnt, raubt ihr zwar seit sie denken kann den letzten Nerv, ist aber mit Michael befreundet und damit ihr Türöffner. Wes tut alles, damit Liz und Michael zusammenfinden. Allerdings bringen seine Bemühungen auch ihn und Liz einander näher. Und Liz muss sich fragen, wem ihr Herz wirklich gehört …

Ich gebe es zu: Der Klappentext klingt nach einer sehr vorhersehbaren Geschichte. Mich stört so etwas aber ja weniger, denn ich liebe auch „Gute-Laune-Bücher“. Und dass „Better than the movies“ ein solches sein würde, war mir schon klar, als ich den Namen der Autorin las. Aber auch das Cover ist meiner Meinung nach ein absoluter Traum und schreit schon nach Rom-Com! Dieses Buch hat einfach alles, was ich mir erhofft und erwartet habe, erfüllt.
Liz ist eine verträumte und verspielte Person, die nichts mehr liebt, als alte Liebeskomödien. Ihre verstorbene Mutter war Drehbuchautorin, weshalb sie eine solche Passion für die alten DVDs hat. Sie wünscht sich ein Leben, wie in einer Liebeskomödie. Und als ihr alter Schwarm in der Stadt auftaucht, möchte sie nichts mehr, als das perfekte Prom-Date mit Michael. Diese Storyline schreit so sehr nach Klischee, dass es schon wieder amüsant ist. Liz ist das nette Mädchen von nebenan, das irgendwie schräg ist. Sie trägt Vintage-Kleider, erstellt heimlich Playlists zu potenziellen Paaren und spielt Klavier. Neue Modetrends oder Highschool-Streiche interessieren sie nicht. Und irgendwie hat sie mir das alles sofort sympathisch gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass Liz überhaupt kein Problem damit hat, nicht zu den coolen und beliebten Leuten an ihrer Schule zu gehören. Sie weiß auf eine verrückte Art, wer sie ist – und gleichzeitig auch nicht. Denn um zu erfahren, wieso sie das ein oder andere so macht, braucht es den männlichen Protagonisten der Geschichte. Wes schafft es, Liz in mancherlei Hinsicht die Augen zu öffnen, was mir sehr gut gefiel.
Wes wird als Bad Boy deklariert. Er ist frech, beliebt und lustig. Für mich war er von Anfang an kein richtiger Bad Boy, aber so passt es eben besser in Liz‘ Wahrnehmung. Die Protagonisten haben von Beginn an eine tolle Chemie und vor allem sind alle ihre Begegnungen einfach amüsant und irgendwie liebevoll. Das Buch ist insgesamt sehr humorvoll! Liz und Wes kabbeln sich, schaukeln sich hoch und sind gleichzeitig sehr ehrlich zueinander. Langsam aber sicher verändert sich ihre Beziehung und dass eigentlich Michael immer Liz‘ Ziel war, gerät in den Hintergrund.
Aber es wäre keine richtige Rom-Com, wenn den Liebenden nicht immer wieder etwas im Wege stehen würde. Die Geschichte hat also tatsächlich ein paar Wendungen parat, die ich gern anders gehabt hätte. Aber am Ende muss ich sagen, dass mir jede Szene einfach nur gefallen hat. Auch die Nebencharaktere machen die Handlung so flüssig. Der ziemlich oberflächliche Schwarm Michael sorgt für einige nachdenkliche Momente und Liz‘ beste Freundin Joss zeigt, wie schwierig Freundschaften sein können, ohne dass man weiß wieso. Hinzu kommen noch die Figuren Helena und der Vater von Liz. Helena ist ihre Stiefmutter, die sich sehr bemüht, zu der Liz aber eigentlich keine Mutter-Tochter-Beziehung will. Sie wird als „blonde Lorelai Gilmore“ beschrieben, womit ich als großer Gilmore Girls Fan natürlich sofort etwas anfangen konnte. Durch sie als Figur wird aus „Better than the movies“ nicht nur eine süße Liebesgeschichte, sondern es kommen Themen wie Verlust, Erwachsenwerden und Trauer hinzu. Es gibt also durchaus auch eine ernste Seite in dieser witzigen Geschichte.
Was auch noch unbedingt erwähnt werden muss, sind die vielen Filmbezüge. Allein der Titel bietet es natürlich an, aber trotzdem kann niemand erwarten, dass die Autorin die Filme so unauffällig passend einarbeitet. Filme sind in der Handlung irgendwie immer präsent. Es passt einfach toll. Zu Beginn jedes Kapitels steht auch ein Filmzitat, das irgendwie den Kapitelinhalt widerspiegelt. Ich fand das einfach nur fantastisch.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört. Der Stil von Lynn Painter ist klasse. Die Geschichte wird sehr mündlich aus der Sicht von Liz erzählt. Sie ist selbstironisch und so ist auch der Schreibstil. Gelesen wird das Buch von Nina Reithmeier. Ihre Stimme passt super in das Highschool-Liebessetting und vervollständigte mein Bild der etwas schrägen Liz. Reithmeier liest sehr gut und trägt das Hörbuch gewissermaßen.

Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber „Better than the movies“ ist großartig! Lynn Painter hat hier eine so tolle Liebesgeschichte rausgehauen, dass ich das letzte Kapitel sogar gleich zwei Mal gehört habe. Ich liebe die Geschichte von Liz und Wes mit all ihren schönen, kleinen Details und dem vielen Humor. Ich habe gelesen, dass es noch einen zweiten Teil gibt, auf den ich mich jetzt schon sehr freue! Natürlich vergebe ich volle fünf Sterne und merke mir das Buch schon einmal als Geheimtipp für mein Jahreshighlight.



3. August 2018

Rezension: "Es soll Liebe sein" von Kate Saunders



Titel: Es soll Liebe sein
Autor: Kate Saunders
Verlag: Fischer
Preis: 7,95€
Seiten: 416


Vor vielen Jahren begann meine „Viellesephase“. Ich entdeckte das Lesen für mich und las langsam aber sicher alle meine Bücher weg. In dieser Phase war es mir beinahe schon egal, was ich für Bücher bekam, ich las sie einfach. Und zu der Zeit überließen mir einige Freunde Bücher, die sie nicht mehr haben wollten. Eines dieser Bücher war „Es soll Liebe sein“, das mich vom Klappentext her ansprach und sicherlich ganz nett wäre. Über die Zeit sammelten sich aber immer mehr Bücher, ich begann zu bloggen, entwickelte andere Lesevorlieben und mein SuB wuchs. Eines meiner ältesten SuB-Bücher ist genau dieses „Es soll Liebe sein“ und daran wurde ich vor wenigen Tagen erinnert. Seit mehr als 5 Jahren stand das schnuckelige Büchlein ungelesen in meinem Regal – und damit war jetzt Schluss. Ich nahm die quirlige Verkupplungsgeschichte zur Hand und hatte unterhaltsame Stunden mit Cassie, Fritz und Ben. Zwar ist die Handlung im Allgemeinen mehr als voraussehbar, aber dennoch wirklich amüsant.

Ben und Frederick sind charmant, gutaussehend und völlig unwiderstehlich. Leider sind sie auch unordentlich, jeglicher Arbeit abgeneigt und komplett nutzlos. Cassie dagegen ist sehr organisiert – bei Job, Freund, Karriere. Sie kennt die Jungs schon seit ihrer Kindheit. Die Mutter der beiden, Phoebe, erfährt, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Sie bittet Cassie, für ihre Söhne passende Ehefrauen zu suchen. Cassie kann Phoebe diesen letzten Wunsch nicht abschlagen. Aber wie soll sie ihre anspruchsvollen Freundinnen davon überzeugen, es mit Ben und Frederick zu probieren? Und warum hat sie das dumme Gefühl, bei ihren Kuppelversuchen etwas Wichtiges zu übersehen?

Wer zu „Es soll liebe sein“ greift, erwartet nicht, dass das Rad neu erfunden wird. Und das wird es auch nicht. Der Klappentext klingt amüsant und unterhaltsam und beides sind Attribute, die man diesem Buch auch zuschreiben muss.
Der Einstieg fiel mir wahnsinnig schwer. Ich hatte Probleme mit dem Schreibstil und fand die Ausführungen sehr langatmig. Nach 50 Seiten war ich noch immer nicht vom Buch überzeugt. Das kann daran gelegen haben, dass die beiden Junggesellen, um die es im Buch hauptsächlich geht, erst nach mehr als 70 Seiten auftauchen. Durch die beiden wird vieles spritziger. Doch ich greife vorweg. Erzählt wird die Geschichte von Cassie, die auch als Ich-Erzählerin fungiert. Zum Teil spricht sie den Leser direkt an und kommuniziert mit ihm. Es hat den Anschein, als wenn Cassie die Geschichte viele Jahre später zu Papier bringt und deswegen manche Geschehnisse auch aus einer anderen Perspektive bewertet. Gerade zu Anfang, als Cassie in ihre Welt einführt, fand ich die Geschichte wahnsinnig anstrengend und dröge. Es dauert ein bisschen, bis man mit der fidelen Cassie warm wird. Das kann aber auch den Grund haben, dass Cassie zu Beginn des Buches nicht immer sie selbst ist. Cassie ist eine fleißig arbeitende Frau, die ihren Beruf liebt und mit einem arroganten Spießer liiert ist. Natürlich ist dieser Spießer der „Richtige“ und sie ist überzeugt davon, ihn heiraten zu wollen. Also schleppt sie sich von einem klassischen Konzert zum nächsten, putzt ständig ihr Badezimmer, wenn Matthew kommt und kleidet sich nicht einmal ihren eigenen Vorlieben entsprechend. Aber dass das alles gar nicht zu ihr passt, merkt sie nicht. Sie ist nur natürlich, wenn sie bei Phoebe ist. Phoebe ist quasi Cassies Ziehmutter, die diese Rolle übernahm, als ihre eigenen Eltern dazu nicht in der Lage waren. Deswegen sind die beiden Darling-Jungs auch so etwas wie ihre Brüder. Cassie vergöttert Phoebe und wer könnte das nicht? Die Frau, die hier dargestellt wird, ist wohl das liebste Wesen auf der Welt. Ich habe Phoebe sofort ins Herz geschlossen. Ihre Art ist liebenswert und herzlich und dennoch durchsetzungsstark. Es ist von Anfang an klar, dass Phoebe am Ende des Buches nicht mehr leben wird und das macht die Grundstimmung manchmal sehr traurig. Insgesamt sorgt es dafür, dass die richtigen Werte Einzug in die Geschichte finden. Zusammenhalt und Familie sind zentrale Themen. Untergebracht sind diese in eine amüsante Verkupplungsgeschichte mit witzigen Figuren. Vieles wird in diesem Roman sehr überspitzt dargestellt und dazu gehören auch einige Charaktere. Ich glaube nicht, dass alle so richtig realistisch sind, aber in diesem Buch funktionieren sie sehr gut. Fritz und Ben sind beide sehr liebenswert. Sie haben künstlerische Berufe, was heißt, dass sie die meiste Zeit arbeitslos sind. Allgemein haben sie viele Schwächen, doch ihre größte Stärke ist ihre Liebe zu ihrer Mutter und deswegen machen sie diese ganze Sache auch mit. Bevor sie stirbt, wollen sie sie noch einmal glücklich machen. 
Die Grundidee ist klar: Cassie versucht für Ben und Fritz Frauen zu finden, um Phoebe glücklich zu machen. Nebenbei verkuppelt sie so allerhand anderer Paare, nur sich selbst nicht. In diesem Buch passiert wirklich viel und es gibt kleine Nebenhandlungen. All das ist sehr unterhaltsam und die Figuren passen toll zur Geschichte (, wenn manche eben auch sehr gekünstelt wirken). Das größte Manko des Buches ist aber seine Voraussehbarkeit. Was beispielsweise mit Matthew los ist, hat jeder Leser vor Cassie erkannt und in wen sich Ben verliebt, ist auch mehr als offensichtlich. Auch das große Ende weiß man spätestens in der Mitte des Buches. Es gibt kleine Überraschungen, doch insgesamt glänzt das Buch nicht mit unerwarteten Wendungen. Aber irgendwie fand ich das okay. In „Es soll Liebe sein“ stehen andere Dinge im Vordergrund. Und überrascht hat mich schon, dass mich das Buch berührt hat. Als Phoebe nämlich wirklich stirbt, habe ich sehr lange geweint. Der Tod wird gut aufgearbeitet, aber ich wünschte mir in dem Moment wirklich, es gäbe eine solche Frau namens Phoebe. Neben Zusammenhalt, Familie und auch Trauer sind natürlich Freundschaft und Liebe weitere Themen, die das Buch behandelt. Die Themenvielfalt gefiel mir gut und spätestens nach den ersten 100 Seiten war ich auch absolut in der Geschichte. Sie ist unterhaltsam und bietet viel Humor, man muss allerdings damit leben können, das Ende zu erahnen. Was mich aber wirklich gestört hat und was ich auch nicht recht glauben kann, ist dass man in London so viel Wein trinkt. Eigentlich müsste ich das Buch noch einmal lesen und eine Strichliste machen, wie viele Flaschen Wein getrunken oder mitgebracht werden. Ich kann euch sagen, es sind zahlreiche. Es störte mich ein bisschen, dass Alkohol so präsent im Buch ist, aber ich glaube auch, dass die Autorin da nicht viel drüber nachgedacht hat. Der Stil von Kate Saunders ist anfangs nicht sehr gut, wird aber deutlich besser. Letztendlich hat sie eine unterhaltsame und romantische Komödie geschrieben und bringt den Leser mit ihrem Schreibstil durchaus mal zum Schmunzeln.


Ich habe es nicht bereut, dass ich „Es soll Liebe sein“ von seinem SuB-Schicksal erlöst habe. Es handelt sich um ein fröhliches und witziges Buch, das leider viel zu leicht zu durchschauen ist. Dennoch hat mir die Umsetzung gefallen und die Charaktere der Darlings und Phoebe machen es zu etwas Besonderem. Ich hatte Spaß mit dieser amüsanten Truppe und sage, "es sollen vier Spitzenschuhe sein".



3. März 2018

Rezension: "Eine Handvoll Lila" von Ashley Harring Blake


Titel: Eine Handvoll Lila
Autor: Ashley Harring Blake
Verlag: Magellan
Preis: 18,00€
Seiten: 352



Der Magellan Verlag ist für seine besonderen Geschichten bekannt. Hinzu kommen zumeist noch unglaublich detailreiche und wunderschöne Cover. So eher die Regel, als die Ausnahme bei Magellan. Und beides trifft auch auf das neue Buch „Eine Handvoll Lila“ zu. Es handelt sich um ein Buch, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog! Ich liebe das Piano als Instrument und die dargestellten Tasten sind einfach traumhaft. Dazu der einprägsame und ungewöhnliche Titel, die Farbe Lila und all die Noten. Ein perfektes Cover! Doch auch der Klappentext macht Lust auf mehr und er lässt bereits erahnen, dass die Geschichte dahinter intensiv, ernst und beeindruckend ist. „Eine Handvoll Lila“ handelt von einem Mädchen, das eigentlich schon alles erleben musste und noch immer leidet. Das Buch ist einfühlsam und besonders, es ist erschreckend und nimmt den Leser emotional mit. Mir gefiel nicht immer, was ich gelesen habe, aber es hat mich berührt! Denn dieses Buch ist wirklich etwas Besonderes!

Lila lackierte Fingernägel sind das Markenzeichen von Grace und ihrer Mutter Maggie. Dabei könnten sie sonst nicht unterschiedlicher sein: die ehrgeizige Grace will nach der Schule Musik studieren, denn sie ist eine begabte Pianistin. Ihre Mutter dagegen ist das personifizierte Chaos und stolpert von einer schlechten Entscheidung in die nächste, ohne zu verstehen, was sie ihrer Tochter damit antut. Erst als Eva in ihr Leben tritt, glaubt Grace, sich mit ihrer Hilfe endlich aus den Fängen ihrer Mutter und der engen Kleinstadt befreien zu können. Doch als Maggie immer mehr an Bodenhaftung verliert, steht auch die Zukunft der beiden Mädchen auf dem Spiel. Jetzt ist es an Grace, sich und Eva zu retten, und endlich zu lernen, wie man liebt und wie man loslässt.

Ich wollte „Eine Handvoll Lila“ aus verschiedenen Gründen lesen. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass das Cover mich beeindruckt hat. Das Thema der Musik war ebenfalls wichtig, aber der Klappentext reizte mich auch, denn er lässt eine sehr pure Geschichte erahnen. Meiner Meinung nach lässt sich das Buch in keine Schublade sortieren, denn es ist unglaublich vielseitig. Im Zentrum steht auf jeden Fall Grace. Sie ist die Protagonistin und der Leser muss zusehen, wie ihr Leben ein ständiges Auf und Ab imitiert. Grace ist eine unglaublich starke Persönlichkeit, die einfach viel zu früh erwachsen werden musste. Sie ist erst 17 Jahre alt und gibt alles für ihren Traum, Pianistin zu werden. Man erfährt sehr früh von einem Vorspiel in New York, für das sie in wenigen Monaten eingeladen wurde. Ihr Traum scheint zum Greifen nah zu sein. Doch nach und nach wird dem Leser klar, dass Graces Leben nicht nur chaotisch, sondern die reinste Katastrophe ist! Und das liegt an ihrer Mutter Maggie. Auch sie ist eine starke Frau, doch sie personifiziert all das, was Trauer mit einem Menschen macht und wie sie ihn in Abgründe stürzt. Denn Maggie ist schon längst am Abgrund. Sie ist Alkoholikerin, zieht von einer Wohnung in die nächste, findet immer wieder den neuen „Richtigen“, schleppt ihre Tochter immer weiter und gibt keinerlei Halt. All die Details um Maggie kommen im Buch nur nach und nach ans Tageslicht und jedes neue Detail machte mich als Leser fertig. Es ist einfach so traurig, zu beobachten, wie Maggie den Geburtstag von Grace vergisst, nicht mehr weiß, was sie am letzten Abend getan hat oder ihre eigene Tochter bestiehlt. Mir fehlten wirklich immer wieder die Worte! Und das Schlimmste daran: Es ist so realistisch! Ich konnte die Figurenzeichnung von Maggie sehr gut verstehen. Und genau diese Zeichnung macht auch aus Grace den Menschen, den wir kennen lernen: immer wieder verletzt, immer wieder enttäuscht. Diese Mutter-Tochter Beziehung ist grauenhaft, ist genauso wie sie nicht sein sollte und es zerriss mir das Herz. Aber jede Sekunde ist diese Beziehung authentisch beschrieben, sie wird unglaublich gut dargestellt und mich hat dieses ganze Thema sehr beeindruckt! Vor allem, wie Grace eben damit umgeht. Der Leser kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie er selbst handeln würde, wenn die eigene Mutter so agiert. „Eine Handvoll Lila“ schildert Abgründe des täglichen Lebens, befasst sich aber mit wichtigen Themen (und häufiger auftretenden, als man denkt), wenn man mich fragt. 
Und der Alkoholismus, die Trauerverarbeitung und die Beziehungsentwicklung sind nicht einmal die  präsentesten Themen des Buches. Das große ist ein anderes. Denn die Liebesgeschichte des Buches spielt sich zwischen zwei Mädchen ab. Oh ja. Grace verliebt sich in Eva. Dabei hatte Grace bereits männliche Freunde. Sie ist bisexuell und geht vollkommen offen damit um! Ich finde es großartig, wie Grace zu diesem Schluss kommt, wie allgemein über Bisexualität geurteilt wird und auch, wie diese dargestellt wird. Denn Liebe ist Liebe. Und genau diese Botschaft bringt das Buch toll herüber. Für mich war es manchmal ein bisschen befremdlich, die Szenen zwischen den Mädchen zu verfolgen. Aber diese sind immer sehr sensibel beschrieben und ich fand sie auch sehr authentisch. Das Thema der Sexualität ist sehr gut geschildert und spielt eine große Rolle im Buch. Eva ist ein interessanter Charakter. Sie führt ein ähnlich furchtbares Leben, wie Grace. Denn ihre Mutter ist vor kurzem gestorben, von New York ging es ins kleine Kaff am Meer und sie gab das Balletttanzen auf. Eva ist vielschichtig und bringt viel Frische in die Geschichte. Grace ist vom ersten Augenblick an von ihr fasziniert. Diese Faszination konnte ich natürlich nicht in dieser Weise nachvollziehen, aber sie passt zum Buch. Nebenbei bemerkt, ist Eva übrigens farbig. Mir gefiel die Charakterauswahl des Buches sehr gut! Es bricht mit Konventionen. Die Protagonisten sind innerlich kaputt, bisexuell oder farbig. Man hat es hier nicht mit einer heile-Welt-Geschichte zu tun. Man befindet sich in der Realität. So brutal es auch ist. Aber Ashley Herring Blake macht eine tolle Geschichte daraus.
In dieser hat mir manchmal aber der Spannungsbogen gefehlt. Zwischenzeitlich plätschert die Geschichte nur vor sich hin, bis sie am Ende richtig Fahrt aufnimmt. Die letzten 60 Seiten sind super spannend und interessant! Das Ende des Buches gefiel mir auch sehr, denn es ist einfach passend. Ebenfalls toll sind übrigens die liebevollen Nebenfiguren. Luca ist Graces bester Freund und er sorgt für so viel Freude im Buch! Auch seine Mutter Emmy ist ein so herzlicher Charakter, der dem Buch sehr gut tut. Zu Maggie brauche ich glaube ich nichts mehr zu sagen. Sie sorgte immer wieder dafür, dass ich verstört vor dem Buch saß. Denn „Eine Handvoll Lila“ macht genau das mit dem Leser: Es nimmt ihn emotional mit und lässt ihn nicht mehr los! Ich war von der Handlung zeitweise erschreckt und ich finde wenig an der Geschichte richtig schön. Aber beeindrucken konnte sie mich dennoch!
Der Stil der Autorin ist flüssig und natürlich. Man kommt schnell durchs Buch, ihr Spannungsaufbau gefiel mir allerdings nicht so.


Alles in allem ist „Eine Handvoll Lila“ ein Buch mit wertvollen Themen unserer modernen Gesellschaft. Es ist pur, leidenschaftlich, emotionsgeladen und erschreckend realistisch. Jeder Handlungsfaden weist Authentizität auf und man kann die Geschichte glauben. Diese hat so viele Aspekte, so viele verschiedene Diversity-Faktoren, dass das Buch allein deswegen interessant ist. Es geht um eine kaputte Mutter-Tochter-Beziehung, um ein Mädchen, das für seine Träume einstehen will, aber viel zu wenig interessiert, was es selbst vom Leben will und um eine gleichgeschlechtliche Liebe. Aber ich wiederhole mich: Liebe ist Liebe. Und genau das bringt „Eine Handvoll Lila“ auf den Punkt. Es ist nicht immer einfach im Leben – aber es ist das Leben. Und Grace macht das Beste daraus. Ich vergebe 4 von 5 Spitzenschuhen.



29. Juni 2017

Rezension: "So weit uns Träume tragen" von Christiane Lind




Titel: So weit uns Träume tragen
Autor: Christiane Lind
Verlag: Selfpublished
Preis: 1,99€
Seiten: 364

Die Titanic und ihr Untergang sind Themen, die mich seit meiner Kindheit faszinieren. Mein Vater hatte ein Faible für das berühmte Schiff und in unserer Vitrine stand immer ein Nachbau des Luxusdampfers. Jeder hat schon einmal etwas von der Titanic gehört. Kaum jemand kennt nicht den berühmten Film von 1997. Und obwohl das Thema bekannt, ja fast schon ausgereizt ist, gibt es noch immer viele Adaptionen. Meiner Meinung nach zurecht, denn dieses grauenhafte Schicksal der über 1500 Opfer kann wohl nie so ganz begriffen werden. Eine dieser Adaptionen ist das Buch „So weit uns Träume tragen“ von Christiane Lind, welches zuvor unter dem Titel „Weiße Rosen und die Titanic“ erschien. Der neue Titel ist gelungen, wenn man mich fragt. Die Geschichte ist allerdings zu großen Teilen eher eintönig, obwohl sich um viele Genrewechsel bemüht wird. Erst das Ende watet mit puren Emotionen auf, die niemanden kaltlassen. Aber wie sollte es bei dem bekannten Ende, das die Titanic nahm, auch anders sein? „So weit uns Träume tragen“ ist ganz nett, es blieb dennoch hinter meinen Erwartungen zurück.


Klappentext


Frühjahr 1912: Die Schauspielerin Paula hat ihr Erbe ausgeschlagen, um auf der Bühne zu stehen. Gemeinsam mit der Kostümbildnerin Luise erobert sie die Berliner Theaterwelt im Sturm. Doch von einem Tag auf den anderen stehen die Freundinnen vor dem Nichts. 
Als ein Verehrer ihnen ein Erste-Klasse-Ticket für die Titanic schenkt, ergreifen die jungen Frauen mutig die Chance auf ein neues Leben. An Bord des eleganten Luxusdampfers lernt Luise den schüchternen Steward Leonard kennen und lieben, während der geheimnisvolle Ferdinand von Fahlbusch großes Interesse an Paula zeigt.
Wird es ihm gelingen, ihr Herz zu erobern?
Ist Paula bereit, ihre Träume über Bord zu werfen?


Meinung



Wie man schon erahnen kann, wird versucht dem Leser hier einen vielfältigen Themenmix zu bieten. Im Grunde geht es um zwei Frauen, die seit ihrer Kindheit befreundet sind und alles im Leben gemeinsam angehen. Somit ist das Thema Freundschaft das präsenteste im Buch. Paula und Luisa sind ein nettes Gespann, das sich aufeinander verlassen kann. Sie stehen alles gemeinsam durch. Luise ist dabei die bescheidenere der beiden. Als Kostümbildnerin ist sie sehr begabt, doch im Mittelpunkt steht immer Paula, die außerdem von adeliger Abstammung ist. Ich mochte Luise weitaus lieber als Paula. Obwohl sie ein sehr lebhafter und auch guter Charakter ist, war sie mir manchmal zu perfekt. Gerade das soll sicher vermieden werden, aber mich konnte Paulas Charakter nicht für sich gewinnen. Insgesamt leidet ihre Figur unter der Handlungskonstellation. Ich persönlich empfand die gesamte Geschichte zu konzipiert, zu stark durchgeplant mit zu vielen Zufällen, die letztendlich zum Ausgang des Ganzen führen. Das ganze Theater um die Reise mit der Titanic ist dabei nur der Anfang und das hängt stark mit Ferdinand von Fahlbusch zusammen. Seine Figur ist natürlich nicht zu mögen. Seine Geschichte ist schnell erraten und dieser verrückte Mann soll wohl für das Thrill-Element in der Geschichte sorgen. Verrat und Vergangenheit sind Themen, die gleichzeitig auf den Plan treten. Der gesamte Handlungsstrang um Ferdinand hat mich genervt. Es war übertrieben und somit wenig authentisch. Natürlich ist der Mann größenwahnsinnig, aber etwas weniger Drama hätte ich mir hier gewünscht. Ein weiteres Thema ist die Liebe. Dieses zarte Pflänzchen, das sich zwischen Luise und Leonard entwickelt, hat mir gut gefallen. Natürlich hatten die beiden äußerste wenig Zeit, sich ineinander zu verlieben, aber das kann auf der Titanic schon mal vorkommen. Der Themenmix aus Liebe, Hoffnung, Thrill und Verrat, kam für mich nicht ganz logisch zusammen.
Sehr positiv ist aber der gesamte Titanic-Kontext, bzw. die Titanic als Handlungsort. Als Leser weiß man von Beginn an mehr als die Figuren des Buches. Die Ereignisse sind historisch ziemlich genau geschildert. Natürlich ist der Autorin ein Rahmen an Fiktion erlaubt. Damals gab es schließlich auch genügend Gerüchte und Spekulationen, die im Buch gut verarbeitet werden. All das hat mir gut gefallen. Der Höhepunkt des Buches ist natürlich der Untergang der Titanic. Bis dahin musste ich mich zum Teil durchs Buch zwingen, doch diese Kapitel, haben mich unglaublich mitgenommen. Ich musste meine Tränen trocknen, als Menschen lieber zusammen sterben als alleine leben wollten. In diesen Szenen hat Lind wahres Können bewiesen und spielt mit den Emotionen des Lesers. Wirklich schade, dass der Rest mich nicht so überzeugen konnte. Auch das Ende des Buches war mir ein bisschen zu kitschig. Im Grunde ist der Schreibstil flüssig, die Kapitel sind kurz, manchmal war mir Paulas Sicht deutlich zu subjektiv.

Fazit




Ein großartiger Handlungsort und wirklich gelungene Schlusskapitel machen aus „So weit uns Träume tragen“ durchaus ein lesenswertes Buch. Leider ist die gesamte Handlung etwas zu sehr gewollt und konstruiert. Die Charaktere sind in Ordnung, der Genremix gelingt leider nicht. Insgesamt vergebe ich 3,5 Spitzenschuhe. Das Buch frischte meine Titanic-Faszination in jedem Fall wieder auf, eine interessantere Handlung hätte ich mir aber gewünscht.



10. April 2017

Rezension: "Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken" von Sabaa Tahir


Titel: Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken
Autor: Sabaa Tahir
Verlag: One (by Lübbe)
Preis: 16,99€
Seiten: 512

Es gibt alle paar Jahre Bücher, denen man sich einfach nicht entziehen kann, selbst wenn man es wollen würde. Diese Bücher gehen durch alle Medien, werden gehypet, diskutiert und oft auch angebetet. Man will gar nicht auf den Zug aufspringen, doch der Widerstand lässt nach. Und so greift man zu diesen ominösen Büchern. Das Tolle daran? Man wird eigentlich nie enttäuscht!
Für mich war „Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ ein solches Buch. Das Thema, das Cover, die Kritiken: Alles sprach dafür, dass man dieses Buch kennen sollte. Also kam der Tag, an dem ich mich in die Geschichte der beiden verschiedenen, aber überaus sympathischen und ehrlichen Charaktere begab – und es, wie angesprochen, einfach nicht bereuen konnte. „Elias & Laia“ ist eine tiefgründige Geschichte mit viel Moral und einer besonderen Dosis Liebe. Nicht nur die klassische und wahre Liebe (, die ehrlich gesagt sehr kurz kommt), sondern vielmehr die Liebe zum Leben, zu seiner eigenen Seele und natürlich die Familienliebe. Eine berührende und spannende Geschichte: Großartig!


Klappentext


Wie überlebt man in einer Welt, in der Männer mit silbernen Masken jeden Tag den Tod bringen können? Wie kann man sich selbst treu bleiben, wenn die Herrschenden des Imperiums alles dafür tun, voller Grausamkeit ein ganzes Volk zu unterjochen? Elias und Laia stehen auf unterschiedlichen Seiten. Und doch sind ihre Wege schicksalhaft miteinander verknüpft.
Während Elias in der berühmten Militärakademie von Schwarzkliff dazu ausgebildet wird, als Elite-Krieger die silberne Maske der Macht voller Stolz und ohne Erbarmen zu tragen, muss Laia täglich die Willkür der Herrschenden fürchten. Als ihre Familie ermordet wird und ihrem Bruder die Hinrichtung droht, schließt sie sich dem Widerstand an. Als Sklavin getarnt, dringt sie in das Innerste von Schwarzkliff vor. Dort trifft sie auf Elias, den jungen Krieger, der eigentlich ihr Feind sein müsste ...

Meinung



Schon bevor ich mit dem Lesen begann, konnte die Autorin mich wahrlich berühren. Sie hat ein Vorwort verfasst, in dem sie ihre Gründe, das Buch zu schreiben, darlegt. Es hat den tiefgehenden Grund der Geschwisterliebe. Aber auch Politik und Ehrlichkeit spielen eine Rolle. Eine Botschaft des Kampfes. Und wenn man all diese Dinge, die Tahir im Vorwort schreibt, im Hinterkopf behält, dann wird einem vor Augen geführt, wie wahr das Grundgerüst von „Elias & Laia“ ist. Dieses Grundgerüst ist sehr gut und detailliert erarbeitet. Die Welt, die die Autorin erschafft ist sehr authentisch und glaubhaft. Ein Imperium, das regiert wird. Ein Volk, das unterjocht wird. Eine Elitearmee, die für seine Gnadenlosigkeit bekannt ist. Eine kleine Gruppe von Menschen, die sich wehren will und dabei selbst nicht immer zu den richtigen Mitteln greift. Dazu eine kleine Prise der orientalischen Welt, samt all ihrer Geschichten und Mythen. Und schon befindet man sich mitten in Serra, der Stadt der beiden Protagonisten. Die Autorin schreibt mit Liebe zum Detail. Die Beschreibungen werden nicht langatmig, aber sie sind lang genug, damit das Kopfkino beginnt. Wie schon erwähnt, wird die Welt genau dadurch so lebendig und glaubhaft.
Was mir an diesem Buch so unglaublich gut gefiel, ist die Trennung der beiden Charaktere und die unvorhersehbare Handlung. Immer, wenn ich dachte, dass die logische nächste Szene so und so aussehen müsste, überraschte das Buch mich. Es kam ganz anders und Wendungen traten ein, mit denen ich niemals gerechnet hatte. So ist das Buch absolut spannend gehalten und sehr abwechslungsreich. Hinzu kommt der tolle rote Faden. Anfangs dachte ich, dass Laia nach Schwarzkliff kommen würde, Elias trifft, die beiden verlieben sich und er rettet sie irgendwie. Aber weit gefehlt. Die beiden und das, was zwischen ihnen steht, ist niemals der Handlungsfokus. Vielmehr schreiben beide ihre eigene Geschichte, in der der jeweils andere vorkommt. Doch nicht etwa, weil sie unsterbliche Liebe verbindet, sondern vielmehr wegen einer gewisse Grenze, einem Vorurteil. Natürlich hat Laia eine besondere Bedeutung für Elias. Er fühlt sich zu ihr hingezogen. Doch wirklich romantisch wird es selten. Vielmehr führt Laia ihm vor Augen, was wahre Freiheit ist und die Bedeutung der eigenen Seele und des eigenen Kampfes. Elias hingegen ist für Laia das Symbol des Imperiums – des Schreckens, der Gewalt, der Grausamkeit. Er ist eine Maske, also die schlimmste Art von Mensch, die es nur geben kann. Doch nur durch ihn kann sie lernen mutiger zu werden und für ihre Ziele zu kämpfen. Und natürlich gibt es da diese Anziehungskraft, die natürlich gar nicht da sein dürfte...
Die beiden Charaktere sind sehr interessant. Laia ist anfangs schüchtern, ängstlich und farblos. Doch in ihr steckt eine Kämpferin. Ich fand es sehr gut, wie Tahir ihren Wandel beschreibt, denn dieser geht sehr langsam von Statten. Laia wächst mich jedem Schritt. Sie geht in den Dienst der Kommandantin von Schwarzkliff und weiß, dass sie Schmerzen erleiden muss. Denn bei der Kommandantin überlebt eine Sklavin nicht lange. Für Laia ist diese Situation unbeschreiblich schrecklich, denn immer schon war sie frei. Doch nun wird sie unterworfen, muss gehorchen und aus ihren Fehlern lernen – denn ansonsten wartet der Tod. Laia beweist wahre Stärke und vor allem eines: Geschwisterliebe. Wie weit würden wir für unsere Geschwister gehen? Das fragte ich mich des Öfteren. Und ich hoffe sehr, dass auch ich so stark wäre, wie Laia es ist. Sie ist eine tolle Protagonistin. Sie bringt eine gewisse Ironie mit und weiß zu überzeugen.
Elias ist für mich aber der wahre Held der Handlung. Er ist der beste Schüler von Schwarzkliff, was einhergeht mit dem grausamsten Kämpfer überhaupt. Doch nicht nur sein Berufsstand heißt „Maske“, er trägt auch im wahren Leben eine, hinter der er sich versteckt. Denn er will dieses Leben nicht. Er will keine unschuldigen Menschen töten und nicht nach den Gründen fragen. Er will frei sein. Sehr früh teilt er dem Leser bereits mit, wie es in seiner Welt läuft:
„Aber Sicherheit ist eine Illusion, von der ich weiß, dass man ihr nicht trauen darf.“ (S. 19)
Elias muss misstrauisch sein, sein wahres Gesicht verstecken, sich verstellen. Und gleichzeitig will er er selbst bleiben – ein überaus schwieriges Unterfangen. Elias ist ein unglaublich starker Charakter und er eroberte mein Herz im Sturm. Wie Laia auch besitzt er einen gelungenen Humor. Ich musste so laut auflachen, als ich die folgende Passage las. Laia wurde schwer verletzt und hätte beinahe nicht überlebt. Elias konnte sie aus dieser Situation retten und macht sich nun Sorgen, ob er sie unauffällig besuchen könnte:
„Ich kann ihr etwas mitbringen, etwas Kleines. Blumen? Ich sehe mich auf dem Schulgelände um. In Schwarzkliff gibt es keine Blumen. Vielleicht schenke ich ihr einen Dolch. Hier gibt es reichlich davon, und der Himmel weiß, dass sie einen gebrauchen kann.“ (S. 370)
Wie urkomisch ist es bitte, dass ein Mann zuerst an Blumen und sofort danach an einen Dolch als Geschenk denkt?! Welch niedlicher Sprung – ist ja auch fast dasselbe. Herrlich. Welche Frau würde sich nicht über einen Dolch auf dem Küchentisch freuen, wenn ihr Mann ihn mitgebracht hat?!
Aber natürlich ist die Situation nicht vergleichbar und Laia könnte wirklich einen solchen Dolch gebrauchen.
Es gibt noch viele weitere Charaktere, die einen genaueren Blick wert wären. Etwa Helena, Köchin, Izzy, Kinan, Mazen, die Kommandantin oder Marcus. Über jeden einzelnen könnte ich noch seitenlang schreiben, aber ich sollte zum Ende kommen. Nur ein paar kurze Worte. Helena ist Elias beste Freundin und sieht nicht alles wie er. Sie ist die perfekte Maske und sie kämpft an Elias Seite in den vier Prüfungen der Auguren. Denn das ist eigentlich die Handlung des Buches. Ein neuer Imperator soll ausgerufen werden und die Auguren – eine Art allwissende Truppe, die nicht sterben kann und Prophezeiungen raushaut – bestimmen vier Anwärter. Diese vier Anwärter müssen vier Prüfungen bestehen – auf Leben und Tod. Wer diese gewinnt, wird neuer Imperator. Das macht Helena und Elias zu Verbündeten und gleichzeitig zu Feinden. Diese vier Prüfungen sind unglaublich und weckten in mir sehr emotionale Reaktionen. Ich konnte nicht glauben, was ich las, als es zur dritten Prüfung ging. Also, Achtung! Das Buch ist zu einem gewissen Teil auch grausam! Es ist emotional! Es ist traurig! Es ist hart – wie das Leben. Und es ist gnadenlos – wie der Tod. Es geht um alles. 
Jede Nebenfigur fügt sich sehr gut in die Handlung und erzählt eine wichtige Geschichte. Ich fand in diesem Buch wirklich nichts überflüssig. Der Schreibstil ist toll und man kann sehr gut erkennen, ob gerade Laia oder Elias erzählt. Beide haben einen anderen Stil, eine andere Art zu erzählen. Die Kapitel sind immer im Wechsel verfasst. Und eigentlich will man immer bei der Sicht bleiben, wenn sie wechselt, weil es gerade so spannend ist. Mit diesem Wechsel macht die Autorin also alles richtig.

Fazit



„Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ ist ein tiefgründiges, durchdachtes, spannendes und emotionales Buch. Die Geschichte und deren Moral sind transparent und einfach großartig. Dieses Buch vermittelt eine Botschaft, verpackt in eine tolle Jugendbuchreihe, die sicher sehr spannend weitergehen wird. Liebe spielt eine große Rolle. Aber Liebe auf jedwede Art. Elias und Laia haben noch so viel Potenzial und ich bin sehr gespannt, was Sabaa Tahir mit den beiden noch alles anstellen wird. Von mir bekommen sie starke fünf Spitzenschuhe und eine große Portion Glück für das Gelingen ihres anstehenden Abenteuers. Denn ich freue mich sehr auf Band zwei!



12. Februar 2017

Rezension: "Eleanor" von Jason Gurley


Titel: Eleanor
Autor: Jason Gurley
Verlag: Heyne
Preis: 14,99€
Seiten: 416

Ich bin auf das Buch „Eleanor“ aufmerksam geworden, als ich einen Blick in den Klappentext warf. Eine Mischung aus Fantasy und Realität erwartet den Leser. Dazu kommt ein ominöses Geheimnis, das mich sehr neugierig machte. Ein völlig subjektiver Grund, warum ich zu diesem Buch griff, ist der Titel. Ich liebe den Namen „Eléna“ und „Eleanor“ ist im Englischen nicht so weit weg davon…also: Lesen. Anfangs musste ich sehr mit der brutalen Geschichte kämpfen. Dann nimmt das Buch an Fahrt auf und wird spannender. Man taucht tiefer in Jason Gurleys erschaffene Welt ein und findet langsam die Logik. Nichtsdestotrotz ist diese nicht immer leicht zu finden. Der Leser ist schnell verwirrt, denn im Buch herrscht das reinste Chaos. Erst nach gut 300 Seiten gewinnt man an Durchblick und das ist wirklich anstrengend. „Eleanor“ ist wirklich auf eine gewisse Weise ein besonderes Buch. Man kann schnell erfassen, dass Gurley fast 15 Jahre an dieser Geschichte geschrieben hat. Denn sie ist komplex, kompliziert, nicht wirklich greifbar und hat dennoch ihre ganz eigene Logik. Ich finde das Buch faszinierend, aber man muss es mit sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit lesen, damit man den Zauber dahinter verstehen kann – und das zu schaffen ist ein Kunststück für sich.

Klappentext


Das Leben der jungen Eleanor gerät völlig aus den Fugen, als ihre Zwillingsschwester Esme bei einem Autounfall stirbt: Der Vater verlässt die Familie, die Mutter ergibt sich dem Alkohol. Eines Tages tritt Eleanor in der Schule durch die Tür der Cafeteria und befindet sich plötzlich zu einer völlig anderen Zeit an einem völlig anderen Ort. Im Laufe der Jahre fällt Eleanor immer öfter aus der Zeit und kommt schließlich einem magischen Geheimnis auf die Spur – einem Geheimnis, das mit dem Tod ihrer Schwester zu tun hat …

Meinung


„Eleanor“ ist ein tragisches Buch. Dieser Punkt muss gleich zu Beginn klargestellt werden. Ich zum Beispiel hatte das nicht so heftig erwartet und war daher von den Geschehnissen erschlagen. Hinzu kommt der komplizierte Aufbau des Buches. Als wenn diese traurige und brutale Tragödie nicht genug ist, muss der Leser erst einmal vieles begreifen, um sich zurecht zu finden. 
Im Grunde ist das Buch in einen Prolog, vier verschiedene Teile und einen abschließenden Epilog geteilt. Der Pro- wie auch Epilog befassen sich ebenfalls mit einer Eleanor, allerdings nicht der Protagonistin. Hier begegnet dem Leser die Großmutter der späteren Eleanor, die spurlos verschwindet. Dass sie eine zentrale Bedeutung für die Geschichte hat, ist schnell klar. Genauso tragisch, wie die Geschichte beginnt, geht sie weiter. Dem Leser wird die Familie um die Zwillinge herum vorgestellt, der schreckliche Autounfall wird beschrieben und spätestens hier hat sich das Gesicht jedes Lesers zu einer traurigen Grimasse verzogen. Die Themen in diesem Buch haben mich auf den ersten 100 Seiten beinahe erschlagen. Jason Gurley konfrontiert den Leser mit Themen, die er im Alltag normalerweise meiden würde. Für mich persönlich war die Alkoholsucht von Eleanors Mutter der schlimmste Punkt. Durch diese geballte Themenwahl fühlte ich mich mit dem Buch unwohl. Ich war konfrontiert mit zu viel brutaler Realität, der ich doch eigentlich durch das Lesen entrinnen will. Aber gut, man muss sich auf das Buch einlassen. Und das ist gar nicht so einfach.
Denn es ist nicht so, als wenn die junge Eleanor, die wir nach dem Unfall, bei dem sie sechs ist, mit 14 Jahren kennenlernen, die einzige Erzählerin wäre. Sie nimmt den größten Teil ein. Aber dann wäre das noch die mysteriöse Mea, die körperlos im Nichts schwebt. Als wäre das nicht verwirrend genug, kommt noch „Die Hüterin“ hinzu – und die ist so richtig merkwürdig. Ich wusste lange Zeit nicht, was ich mit ihr, ihrem Schatten und der komischen Welt, in der sie lebt, anfangen soll. Denn die Hüterin hat nicht viel Reales an sich und dennoch werden ihre Passagen immer wichtiger und größer. Für mich war sie lange Zeit ein wahres Rätsel und ich habe ihre Passagen auch wirklich nicht gern gelesen. Am Ende komme noch Paul, Agnes, Geraldine und Jack als Erzähler hinzu.
Vielleicht kennt ihr das: Man braucht einige Tage und schafft nur wenig in einem Buch. Dann kommt ein Tag, an dem man viel, viel Zeit hat und an dem man den größten Teil des gesamten Buches liest. So war es bei mir. Lange turnte ich bei den ersten 150 Seiten herum. Die folgenden 200 las ich dann an einem Abend. Vielleicht liegt es daran, dass ich finde, dass die Geschichte an Fahrt aufnimmt und spannender wird. Man wird ziemlich viel allein gelassen, aber dadurch ist der Aha-Effekt am Ende auch sehr groß. Eigentlich hat Jason Gurley das Buch sehr schlau geschrieben, aber man braucht so viel Durchhaltevermögen, um ihm das auch anzuerkennen. Sein Stil ist zum Teil sehr kompliziert, was aber an der dazugehörigen Perspektive liegt. Manchmal kommen auch sehr schöne Sätze zum Vorschein. Eleanor konnte man immer gut folgen und das Buch ist gut geschrieben. Auch ist Eleanor ein sympathischer Charakter. Sie tut dem Leser natürlich unglaublich leid – wie könnte es auch anders sein. Ihr Leben ist nichts, das man anstrebt. Für mich war in diesem Zusammenhang Jack eine sehr wichtige Figur. Seine Liebe zu Eleanor wird besonders am Ende so deutlich sichtbar, dass man den beiden die Daumen drückt. Eleanors Vater Paul ist interessanter und sehr realistischer Charakter. Agnes, ihre Mutter, ist wohl ein Damoklesschwert. Sie ist der Bösewicht des Buches und dennoch kann man sie nur in Teilen hassen. Die Situation, die Gurley zeichnet, ist einfach nur brutal und nicht leicht zu verarbeiten. Die Fantasygeschichte, die er aufmacht ist interessant und innovativ umgesetzt. Es erscheint einem nicht wirklich unlogisch und zusätzlich lässt sich so wenig von gängiger Fantasy entdecken. Man hat das Gefühl, als wenn das Genre Fantasy kaum vorhanden wäre und dennoch wäre das Buch ohne den Fantasyaspekt gar nicht existent. Das Thema Zeit ist allgegenwärtig und gut eingefangen - das hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt gibt es viele Aspekte, die ich in meiner Rezension nicht benennen kann, die aber gelungen sind.

Fazit




Ich bin sehr zwiegespalten, was das Buch betrifft, denn am Ende gefiel es mir ganz gut! Eleanor ist eine gute und starke Protagonistin und sie macht den Leser neugierig. Die Geschichte ist interessant. Aber gleichzeitig baut der Autor so viele tragische Themen ein, dass einem die Freude am Lesen genommen wird. Die interessante Geschichte wird wirr und man kann ihr nur schwer folgen. Ich finde, dass Gurley einen sehr authentischen Kreis und eine ebenso realistische Geschichte geschrieben hat und dennoch musste ich so sehr mit ihr kämpfen. Man kann „Eleanor“ als ein tolles Buch bezeichnen, in das man aber etwas investieren muss, damit es dazu wird. Will man sich einfach nur berieseln lassen, ist man hier absolut falsch. Und man darf nicht zimperlich sein, was die Themen betrifft. Leider treffen nicht alle diese Punkte auf mich zu, weshalb ich bei 3,5 Spitzenschuhen bin. Es gibt tolle Passagen und das Buch ist unglaublich durchdacht, aber es ist auch einfach ein bisschen zu kompliziert.





Vielen Dank an den Heyne-Verlag für das schöne Rezensionsexemplar!