Titel: Mord im Grad Alpine Hotel
Autorin: Lucy Foley
Sprecher: Gabriele Blum, Marie Bierstedt u.a.
Verlag: der Hörverlag
Preis: 25,95€
Seiten: 400
Dauer: 10h 40m
Ich liebe die Romane von Agatha Christie, das ist kein
Geheimnis. Obwohl Hercule Poirot mein Lieblingsermittler ist, finde ich auch
die schrullige alte Dame Miss Marple unglaublich sympathisch. Mit dem Original
bin ich definitiv vertraut, weshalb ich auf den Stil von Lucy Foley gespannt
war. Kann die Autorin den Ton und das Setting der Grand Dame des Kriminalromans
einfangen und eine spannende Geschichte erzählen? Oh ja, das kann sie
definitiv. Denn „Mord im Grand Alpine Hotel“ ist eine spannende Lektüre für
alle Christie-Fans, die mit vielen Überraschungen daher kommt. Als Hörbuch ist
die Geschichte ganz besonders gut, denn die Gestaltung ist detailreich und
liebevoll gemacht. Meine Empfehlung!
Hoch oben in den Schweizer Alpen lockt das exklusive Hotel
Grand Alpine mit seinem überwältigenden Bergpanorama illustre Gäste aus aller
Welt an:
Den gefeierten Filmstar.
Den geachteten Politiker.
Die unergründliche Politikergattin.
Den unberechenbaren Freund.
Den zwielichtigen Arzt.
Doch eines Morgens geschieht ein Unglück: Ein Gast steigt in die Gondel, und
als sie oben am Gipfel ankommt, ist er tot. Schon bald gehen Gerüchte um, dass
es sich um Mord handeln muss. Während die Atmosphäre im Hotel kippt, tritt eine
unscheinbare Dame mit außergewöhnlichem Verstand aus den Schatten: Miss Marple.
Sie verdächtigt jeden – und das mit gutem Grund. Denn die Frage ist nicht nur,
wer der Täter ist, sondern wer sein nächstes Opfer sein wird …

Zunächst muss ich sagen, dass Lucy Foley den Ton von Agatha
Christie wirklich gut trifft und das Setting wirklich Christie-würdig ist: Ein
Mord in einem Luxushotel mit lauter extravaganten Gästen. Doch offenbar
geschieht noch deutlich mehr im Hintergrund, was der Hörer zunächst nicht
mitbekommt. Als dann das anhaltende Schneechaos dafür sorgt, dass das Hotel von
der Welt abgeschnitten ist, wird es erst richtig zu einer gefeierten
Kriminalgeschichte à la Christie. Und trotzdem ist „Mord im Grand Alpine Hotel“
ein bisschen anders als die Vorbilder. Das hat mir allerdings sehr gut
gefallen. Wieso genau das so ist, kann ich kaum benennen. Vielleicht sind es
die sehr einnehmenden Figuren des Romans, aus dessen Sicht das Geschehen
geschildert wird. Doch nichtsdestotrotz entführt uns die Autorin in eine
wirklich spannende Geschichte.
Beginnen wir bei den äußeren Faktoren. Ich habe „Mord im Grand Alpine Hotel“
als Hörbuch gehört, was ich euch auch nur ans Herz legen kann. Manchmal macht
es keinen Unterschied, ob man ein Buch liest oder hört. Hier hat man sich mit
dem Hörbuch allerdings viel Mühe gemacht. Es gibt insgesamt fünf
Sprecher/innen, die wirklich alle extrem gut zu ihren Figuren passen. Die
extravagante Schauspielerin beispielsweise hat eine sehr satte und
verführerische Stimme bekommen, während die Politikergattin sehr mäuschenhaft
und schüchtern rüber kommt. Die Stimmen passen wie die Faust aufs Auge und
entführen den Hörer so sofort in die verschneite Schweiz. Auf Authentizität
wurde hier wirklich sehr geachtet.
Als Hörer bekommt man immer eine Sicht präsentiert. Die von Miss Marple
existiert übrigens nicht. Das Geschehen wird quasi nur von Dritten (oder eben
direkt Beteiligten) erzählt, was für viel Abwechslung sorgt. Als Hörer muss man
früher oder später einfach jeden und jede verdächtigen. Aber zum Glück gibt es
ja Miss Marple, die alles im Blick behält.
Man kann das Hörbuch wunderbar hören, es bleibt durchweg auf eine gewisse Art
spannend. Der erste Mord geschieht allerdings erst ungefähr auf der Hälfte des
Buches. Das ist für Christie im Original auch nicht ungewöhnlich. Um
wen es sich bei dem Toten handelt, weiß man eigentlich sehr schnell. Dass es
allerdings kurz danach zu weiteren Morden kommt, hatte ich tatsächlich nicht
wirklich erwartet. Das Morden wird fast schon inflationär. Dieser Punkt gefiel
mir nicht so gut, da mit jedem Toten natürlich auch ein Verdächtiger weniger
auf der Liste steht. Am Ende bleiben nicht viele Möglichkeiten. Trotzdem hat
die Autorin es geschafft, mich zu überraschen. Ich hatte mit der Auflösung so
nicht gerechnet und gleichzeitig ist sie ganz typisch für Miss Marple. Beinahe
hatte ich Mitleid mit dem Mörder. Aber auch hier spricht Miss Marple dem Hörer
noch einmal ins Gewissen, was mit sehr sympathisch war. Insgesamt macht die
Auflösung schon Sinn und ich wünschte mit beinahe, das Hörbuch noch einmal zu
hören, um auf alle Details zu achten. Das ist ganz typisch „Agatha-Christie-Style“!
Die Charaktere in „Mord im Grand Alpine Hotel“ sind wirklich interessant. Sie
sind facettenreich und irgendwann ist jeder verdächtig. Alle haben ihre
Geheimnisse. Der eine hat eine größere Leiche im Keller als der andere und
trotzdem haben sie alle welche. Die Geschichte, die sich im Hintergrund
abspielt, ist ebenfalls authentisch und passt in die 50er Jahre.
Mir hat das Setting mit dem Ski-Hotel sehr gut gefallen. Die Zeit wird
authentisch eingefangen und alle Tätigkeiten sind irgendwie skurril niedlich,
sodass man beim Hören wirklich eine Art Auszeit vom Alltag verspürt.
Das Ende des Buches erschien mir ein kleines bisschen hektisch, da die
Geschichte den größten Teil über eine andere, seichtere Art der Spannung
vorweist. Trotzdem bietet das Hörbuch großartige Unterhaltung.
Ich habe mich von „Mord im Grand Alpine Hotel“ wunderbar
unterhalten gefühlt und habe zusammen mit Miss Marple versucht, den Täter zu
fassen. Natürlich war mir die alte Dame weit voraus. Der Fall ist spannend und
bietet verschiedene Wendungen. Vor allem das Setting und der Ton von Lucy Foley
sind wirklich gut gelungen und es bleibt sehr authentisch. Besonders
hervorzuheben sind die Leistungen der tollen Hörbuchsprecher. Insgesamt vergebe
ich 4,5 Sterne. Wer Lust hat, sich in die verschneite Schweiz der 50er Jahre zu
begeben, ist hier genau richtig!




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