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17. August 2026

Rezension [Hörbuch]: "The exquisite Torment of loving your Enemy" von Brigitte Knightley


Titel: The exquisite Torment of loving your Enemy
Autorin: Brigitte Knightley
Sprecher: Gabrielle Pietermann, Vincent Fallow
Verlag: Random House Audio
Preis: 25,95€
Seiten: 512
Dauer: 13h 27m

„The irresistible Urge to fall for your Enemy“ war eines meiner Highlights im gesamten letzten Jahr. Ich habe dieses Hörbuch vergöttert und habe darauf hingefiebert, dass endlich Teil zwei erscheint. Wie geht es mit Osric und Aurienne weiter? Diese Frage quälte mich lange, bis der Reihenabschluss herauskam. Selbstverständlich steht dieser in Sachen Titelwahl seinem Vorgänger in nichts nach. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ ist ein furioses Finale dieser Dilogie, an das ich allerdings hohe Erwartungen hatte. Wurden sie erfüllt? Zum Glück ja! Es wird rasant, es wird spannend und am Ende heißt es Zittern!

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern auf den letzten Blick – genauer gesagt den allerletzten: Widerwillig hat die Heilerin Aurienne es vollbracht, dem Assassinen Osric zu helfen, indem sie das Versiegen seiner Magie verlangsamte. Nun will sie testen, ob sie die Degeneration umkehren kann. Doch was Aurienne nicht ahnt: Bösewicht Osric leidet an einer neuen Erkrankung – sein Herz gehört nicht mehr ihm! Zu allem Überfluss befindet sich Aurienne in Gefahr, vor der sie nur ein höchst unzurechnungsfähiger verliebter Auftragsmörder zu schützen vermag.

Schon im ersten Teil war ich von dieser anderen, aber absolut coolen Welt, die Brigitte Knightley erschaffen hat, fasziniert. Ein alternatives England, das in Königreiche (Tiendoms) eingeteilt ist, von Königen und Königinnen regiert wird und in dem es acht Orden mit besonderen Fähigkeiten gibt. Zwei dieser Orden sind die Fyren – die Auftragskiller – und die Haelen – die Heiler. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Mitglieder dieser Orden jemals freundlichen Kontakt zueinander haben, ist gleich null. Doch da Osric nur von einer einzigen Frau auf dieser Welt von seiner Saes-Fäule befreit werden könnte (Achtung, Konjunktiv), entsteht über abstruse Wege eben doch eine Zusammenarbeit. Osric ist Auriennes Forschungsprojekt. Zumindest macht sie sich das weis. Dass er das längst nicht mehr ist, sollte jedem Hörer und Leser nach dem ersten Teil klar sein. Aber haben die beiden überhaupt eine realistische Chance? Und wollen sie die überhaupt haben? Diese Frage beantwortet „The Torment“ am Ende glücklicherweise. Doch der Weg bis zum Ende ist extrem steinig. Und es heißt nicht umsonst "Slow Burn".
Dieser Folgeband setzt tatsächlich genau dort ein, wo Band eins aufhört. Die Geschichte geht also nahtlos weiter, nur mit dem Unterschied, dass Osric durchaus bewusst ist, dass er Gefühle für Aurienne entwickelt hat. Er versucht sie allerdings zu leugnen. Ist sicherer. Doch die beiden müssen sich wegen den Heilungen zu jedem Vollmond wiedersehen. Leugnen ist also irgendwann zwecklos. Es wäre aber ja gelacht, wenn Osrics Heilung komplikationslos oder einfach wäre. Aurienne und Osric begeben sich in „The Torment“ auf eine unglaublich spannende Reise. Es wird abenteuerlich und spannend. Schon im ersten Teil entdeckten die beiden eine Verschwörung, der sie nun weiter auf den Grund gehen. Die Haupthandlung ist eigentlich die Heilung von Osric, doch es entstehen viele Nebenhandlungen, die hervorragend in alles eingebettet sind. Die Autorin hat eine grandiose Welt erschaffen und all ihre Handlungen fügen sich perfekt in das Konzept. Da es sich um einen zweiten Teil handelt, kommt der Hörer bei „The Torment“ auch in einem Setting an, das er schon kennt. Das führt dazu, dass Brigitte Knightley uns noch tiefer in diese verrückte Welt eintauchen lässt. Man lernt zum Beispiel auch endlich die anderen sechs Orden genauer kennen, von denen einer faszinierender ist als der andere. Gerade die Einzelheiten über die Orden, deren Fähigkeiten und die Zusammenarbeit untereinander fand ich sehr spannend. Mir gefiel die ganze Welt noch genauso gut wie in Band eins. Es ist abwechslungsreich, kreativ und fantasievoll.
Und dann wäre da ja noch der größte Pluspunkt aus „The Urge“: der Humor. Oder sollte ich besser ‚Sarkasmus‘ sagen?! An Band eins habe ich vor allem diesen schwarzen Humor geliebt, der wirklich in jedem Kapitel vorkommt. Ich persönlich empfand ihn in Band zwei ein kleines bisschen schwächer, jedoch ist die Art zu erzählen immer noch unglaublich lustig. Ich habe wirklich oft geschmunzelt.
Dazu trug übrigens auch wieder die unglaubliche Stimme und Interpretation der Figur Osric vom Sprecher Vincent Fallow bei. Er ist so, so gut! Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Auch Gabrielle Pietermann, die die Kapitel von Aurienne liest, ist toll. Sie hat eine sehr schöne Stimme, die wunderbar zu Auriennes Wesen passt. Aber Fallow macht etwas Besonderes aus Osric und damit aus der ganzen Geschichte. Der Sarkasmus, der aus jedem Wort trieft, das Fallow liest, ist überragend. Solltet ihr euch fragen, ob ihr das Buch hören oder lesen solltet, dann spricht dieser herausragende Sprecher absolut dafür, sich das Hörbuch zuzulegen!
An diesem Buch sind noch so viel mehr Dinge wirklich toll. Mir hat zum Beispiel der finale Kampf sehr gut gefallen. Es ist spannend, verlustreich und trotz verrücktem Setting authentisch. Außerdem gefiel mir, dass es drei Epiloge gibt. Ich meine…warum auch nicht?! Ich habe noch nie mehr als einen Epilog gelesen, aber ich fand auch das sehr innovativ und passend zur Geschichte. Ein weiterer Pluspunkt, den ich erwähnen möchte, ist die Episodenhaftigkeit. Brigitte Knightley wirft den Hörer direkt in ihre Welt, ohne viel davon zu erklären. Es ergibt sich eben so. Und auch nachdem die Geschichte um Osric und Aurienne auserzählt ist, ist es die Welt eben nicht. Die beiden sind nur eine kleine Handlung in dieser großen innovativen Welt. Manche Dinge werden nicht aufgelöst (Was zum Beispiel ist Tristan? Eine Göttin?), es bleiben Lücken. Aber genau das fand ich authentisch. Die Geschichte geht eben weiter, nachdem der Fokus nicht mehr auf Osric und Aurienne liegt. Die Welt steht einem Bürgerkrieg bevor und es gibt eben nicht immer ein Happy End für alles und jeden. Das imponierte mir.
Nun aber auch eine Sache, die mir tatsächlich nicht gefiel. Der Schreibstil der Autorin ist sehr ausschweifend und das gehört auch irgendwie dazu. Den Humor habe ich ja schon genug gewürdigt. Aber manche Beschreibungen, vor allem wenn es um die mystischen Szenen ging, waren mir zu lang und zu bildgewaltig. Manchmal schweifte ich beim Hören dann einfach ab, ohne es wirklich zu merken. Das ist aber hinsichtlich all der tollen Dinge nur eine Randnotiz.
Noch ein letztes Wort zu den spicy Szenen. Ohne diese lassen sich Bücher heute ja kaum noch verkaufen. Und ja, es gibt auch einige heiße Szenen in „The Torment“. Wenn ich mich nicht irre, werden sie alle ausnahmslos aus Auriennes Perspektive erzählt. Das finde ich als weibliche Hörerin tatsächlich gut, ist aber auch nicht entscheidend. Sie sind auf jeden Fall sehr passend zur Geschichte, nicht vulgär sondern einfach gelungen.

Man kann es sich schon denken: Ich habe nicht nur den ersten Teil dieser Dilogie geliebt. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ erzählt den zweiten Teil einer herausragenden Geschichte, die ich euch als Hörbuch nur ans Herz legen kann. Die Welt ist innovativ und fantastisch, die Charaktere sind vielschichtig und sehr unterhaltsam und die Sprecher dieses Buches sind großartig. Der Humor ist einzigartig, was mir viele wunderbare Hörstunden beschert hat. Meine kleine Kritik ändert nichts am Gesamteindruck. Auch Band zwei hat sich die fünf Sterne verdient. Meine klare Lese-/Hörempfehlung!



4. Februar 2026

Rezension [Hörbuch]: "Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen"

 


Titel: Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen
Autorin: Judith Rossell
Sprecherinnen: Merete Brettschneider, Maria Hartman
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 6h 49m
Seiten: 320
Preis: 15,95€

Jedes kleine Mädchen hatte wahrscheinlich einmal den Wunsch, Detektivin zu werden. So sein wie Hanni und Nanni im Internat oder all die anderen Kinder, die spannende Abenteuer erlebten. In die Reihe von den „Fünf Freunden“ und Co. darf sich nun eine weitere Gruppe eintragen: die Mädchen des Midwatch Instituts. Denn diese jungen Mädchen können mit den genannten Detektiven definitiv mithalten. „Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen“ ist ein grandioses Kinderbuch, das ich vor allem Mädchen ab neun Jahren unbedingt empfehlen würde! Freundschaft, Zusammenhalt und das Stärken des eigenen Selbstbewusstseins stehen hier in Verbindung mit Spaß und Humor und machen dieses Hörbuch zu einem wundervollen Hörerlebnis.

Maggie Fishbone wird auf das Midwatch-Institut für unerwünschte Mädchen geschickt. Doch Maggie stellt bald fest, dass das Institut nicht der schreckliche Ort ist, für den ihn alle halten. Im Gegenteil: The Midwatch heißt die verstoßenen Mädchen willkommen und ermutigt sie, ihre Talente einzusetzen und weitere nützliche Fähigkeiten wie Schlösserknacken und Morsen zu erlernen. Denn es sind die verstoßenen Mädchen des Midwatch-Instituts, die mit ihren besonderen Fähigkeiten Kriminalfälle lösen und die Stadt vor Bösewichten beschützen.

Greift man zu diesem Hörbuch, muss man sich des Adressaten natürlich bewusst sein. Das Buch ist definitiv für Kinder geschrieben und genau für diese ist es absolut wunderbar! Laut Klappentext geht es um die kleine Maggie Fishbone, die zusammen mit zwei anderen Mädchen ins Institut kommt. Eine richtig zentrale Protagonistin ist Maggie allerdings nicht. Ihre Freundinnen Nell und Sophie stehen ebenso im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Harriet oder all die anderen Mädchen. Sie bilden gemeinsam ein Team. Und damit wären wir bei einem großen Thema des Buches: Freundschaft. Judith Rossell zeigt auf eine sehr schöne Art, wie Freunde das eigene Selbstbewusstsein stärken und wie man selbst daran wächst. Maggie ist am Ende ein anderes Mädchen und findet im Midwatch-Institut nicht nur neue Freunde, sondern sogar Familie.
Die kleinen Mädchen sind tolle Protagonistinnen. Insgesamt sind in „Midwatch – Schule der unerwünschter Mädchen“ ein Haufen schrulliger und skurriler Persönlichkeiten zu finden. Einige sind natürlich überzeichnet, wie zum Beispiel die Bösewichte, aber das passt insgesamt sehr gut zum Charakter des Buches. Die Mädchen müssen einen kniffligen Kriminalfall lösen, der sehr spannend ist. Das Setting hat mich hierbei anfangs ein wenig verwirrt. Denn obwohl „Midwatch“ kein Fantasy-Buch ist, gibt es durchaus fantastische Elemente. Zum Beispiel ist ein ganz normales Fortbewegungsmittel in Maggies Welt das Zeppelin. Ansonsten scheint die Geschichte etwa in den 20er Jahren zu spielen und das heißt auch, dass Glanz und Glamour auf eine gewisse Art nicht fehlen dürfen: schicke Hotels oder der Tanz Charleston sind beispielsweise an der Tagesordnung.
Auf der Tagesordnung von Maggie stehen ziemlich interessante Fächer: Morsen, Knoten knüpfen, Fechten, Schweizerdeutsch, Charleston oder Verstecken. Und ganz ehrlich…welches Mädchen hätte als Kind nicht gern solche Fächer in der Schule gehabt?! Tatsächlich kann man nebenbei noch eine ganze Menge aus „Midwatch“ lernen. Alle paar Kapitel taucht nämlich ein kleines Exkurs-Kapitel mit dem Titel „Nützliche Dinge, die jedes Mädchen wissen sollte“ auf. In einem wird zum Beispiel das gesamte Morse-Alphabet erklärt, in einem anderen verschiedene Knotentechniken gezeigt. Als Hörbuch funktioniert das nur semigut, aber im Buch ist es für junge Leser sicher ein Highlight!
Der Schreibstil ist wirklich gut. Er ist flüssig und sehr fantasievoll. Vor allem aber ist das gesamte Szenario unglaublich humorvoll und charmant. Es gibt kein böses Wort zwischen den Mädchen, dafür aber viel zu Lachen. Die Sprecherin Merete Brettschneider macht ihre Sache gut. Sie liest zeitgemäß und sehr passend zur Geschichte. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich als Erwachsene beim Hören manchmal etwas abgedriftet bin. Die Nützliches-Wissen Kapitel werden von Maria Hartmann gelesen. Auch hier gibt es keinerlei Kritik.


Die größte Stärke dieses Buches sind wirklich die Werte, die Judith Rossel transportiert. Sie zeigt, wie wichtig Freundschaft ist, wie man zusammenhält und so aus jeder Klemme kommt. Denn zusammen ist man stark. Das lernen Maggie und ihre Freundinnen während dieses spannenden Kriminalabenteuers ganz nebenbei. Für junge Mädchen, aber sicher auch Jungen ist es ein wirklich tolles Buch, das ich sofort verschenken würde. Ich persönlich musste mit dem Setting erst zurechtkommen, vergebe aber gern 4,5 Sterne, die es verdient haben, aufgerundet zu werden.



5. Januar 2025

Rezension [Hörbuch]: "Scandor" von Ursula Poznanski


Titel: Scandor
Autorin: Ursula Poznanski
Sprecher: Jens Wawrczeck
Verlag: der Hörverlag
Preis: 22€
Dauer: 12h 22m
 

Würdest du es schaffen, rund um die Uhr die Wahrheit zu sagen? Keine Notlügen, keine Ausflüchte. Nur die Wahrheit. Wenn ich ehrlich bin, bezweifle ich, dass ich eine solche Challenge schaffen würde. Doch genau darum geht es im neusten Buch von Ursula Poznanski, namens „Scandor“. Und dieses Buch hat es in sich. Spannend, unterhaltsam und erschreckend realitätsnah zeigt „Scandor“, was die Wahrheit mit Menschen machen kann. Meine absolute Empfehlung!

Es ist eine Challenge der besonderen Art, auf die Philipp und Tessa sich einlassen: Hundert Menschen treten an, um einen einzigartigen, unfehlbaren Lügendetektor zu testen: Scandor. Er begleitet die Kandidaten rund um die Uhr, wittert jede Ausflucht, jede Schwindelei. Wer lügt, fliegt aus dem Rennen und muss sich als Buße seinen tiefsten Ängsten stellen. Die Person hingegen, die am Ende übrig bleibt, erhält ein Preisgeld von fünf Millionen Euro.
Doch nicht alle spielen fair. Und es gibt jemanden, der sich auf die Suche nach einer ganz besonderen Wahrheit gemacht hat …

Ich liebe Poznanski-Themen und höre seit Jahren ihre Bücher. Aber da mich ihr letztes („Oracle“) ein wenig enttäuscht hat, wollte ich meine Erwartungen an „Scandor“ nicht zu hoch schrauben. Doch weit gefehlt! „Scandor“ hat mich absolut abgeholt und gefesselt. Der Einzelband hat einfach alles, was ein spannendes Hörerlebnis ausmacht.
Doch beginnen wir von vorn.
Worum geht es?
Diverse Kandidaten werden zu einem geheimen Wettbewerb eingeladen, bei dessen Sieg fünf Millionen Euro auf den Gewinner warten. Durch Zufall gelangen auch der junge Student Phillip und die turbulente Tessa an Münzen, die für den Wettbewerb qualifizieren. Während Philipp lediglich ein Mädchen beeindrucken will, braucht Tessa das Geld ganz dringend. Sie schlägt sich von Job zu Job durch und will ihren Eltern keinesfalls auf der Tasche liegen. Außerdem könnte sie so dafür sorgen, endlich von ihrem schrecklichen Onkel Hendrik loszukommen. Doch der Wettbewerb hat seine Tücken, denn es geht um die Wahrheit. Jeder Kandidat trägt dauerhaft eine Art Lügendetektor an seinem Arm, der mit ihm kommuniziert. Stellt dir jemand eine Frage, musst du sie wahrheitsgemäß beantworten. Auch eine Höflichkeitsfloskel kann das Ende bedeuten. Immer wieder stellt „Scandor“ seinen Trägern auch Challenges, sodass aus den anfangs 100 Kandidaten schnell weniger werden. Doch was geschieht bei einer Niederlage? Jeder einzelne muss sich seiner schlimmsten Angst stellen und diese durchleben. Klingt an den Haaren herbeigezogen? Ist es nicht. Denn schnell begreifen Philipp und Tessa, dass dieser Wettbewerb es ernst meint – genauso wie seine Teilnehmer.

Es dauert lang, die Grundpfeiler der Story zu erklären. Und daran merkt man schon, wie komplex die Geschichte ist. Die Idee zog mich von Anfang an in ihren Bann. Immer nur die reine Wahrheit? Geht das überhaupt? Denn wie oft stellt man am Tag Fragen, auf die man eigentlich keine Antwort erwartet. Wie komisch wäre es, würde man eine solche immer bekommen? Genau solche Situationen kommen in „Scandor“ immer wieder vor. Als Hörer ist man sofort im Geschehen, denn die Geschichte beginnt unmittelbar. Der Wettbewerb wird Stück für Stück erklärt und der Plot baut sich auf. Tessa und Philipp lernen sich auf der Begrüßungsgala aller Kandidaten kennen, doch weiterhin spielt jeder für sich selbst. Das System selbst sorgt dafür, dass die beiden Protagonisten irgendwann eine Art Team bilden. Und damit beginnt die Geschichte erst so richtig. Denn der Wettbewerb hat Hintergedanken. Jemand will eine bestimmte Wahrheit herausfinden. Und dass Philipp und Tessa von dieser direkt betroffen sind, merken sie erst viel zu spät…
Beide Protagonisten sind wirklich interessant. Zumeist wechselt die Perspektive nach jedem Kapitel. Mal verfolgt man Tessa, mal Philipp. Obwohl beide wenig miteinander zu tun haben, ergibt sich doch irgendwie nur durch beide Sichtweisen ein Ganzes.
Tessa ist ein spezieller Charakter. Sie ist frech, direkt und wahrheitsliebend. Mit ihren blauen Haaren ist sie es gewohnt, anzuecken. Philipp ist das genaue Gegenteil. Er ist stets darauf bedacht, nicht zu sehr aufzufallen und eigentlich ein ruhiger Typ. Gleichzeitig weiß er sehr genau, was er will – und was nicht.
Neben diesen beiden Figuren spielen vor allem ihre Familien eine Rolle. Sehr präsent ist Tessas Onkel Hendrik, der viel zu reich ist und seinem körperlich beeinträchtigten Bruder immer wieder vorhält, was dieser alles nicht hat. Auch Philipps Eltern spielen eine Rolle. Und dann wären da noch all die anderen Kandidaten, auf die Tessa und Philipp während des Wettbewerbs treffen.
Ich kann es gar nicht genau beschreiben, ohne tiefer in die Geschichte zu gehen. Aber glaubt mir einfach eines: Es ist super spannend! Und vor allem regt der Plot zum Nachdenken an. Noch heute, viele Tage nach dem Hören, lässt mich das Thema immer noch nicht los. Denn was Poznanski wirklich drauf hat, ist Geschichten zu erfinden, die erschreckend nah an der Realität sind. Wer sagt mir, dass es nicht längst mobile Lügendetektoren gibt, die dank KI wissen, wann du die Wahrheit sagst und dann auch noch mit dir kommunizieren? Vor allem aber habe ich mich selbst reflektiert. Es wäre sicher spannend, herauszufinden, wie oft am Tag man selbst nicht die ganze Wahrheit sagt. Was macht es mit einem Menschen, wenn er IMMER ehrlich ist? Für Philipp und Tessa ist die Antwort klar: Es ist die reinste Qual. Und das habe ich sofort geglaubt.
Das konkrete Ziel der Geschichte ergibt sich erst recht spät. Aber für mich als Hörerin war das gar nicht entscheidend, denn auch so unterhält der Wettbewerb allein wunderbar! Die Auflösung der großen Wahrheit und was hinter Scandor steckt, ist für den ein oder anderen sicher etwas konstruiert. Für mich war es durchaus passend und sinnvoll. Ich hatte von Anfang bis Ende wirklich nichts an der Geschichte auszusetzen.
Zum Schreibstil und dem Sprecher muss ich kaum was sagen. Ursula Poznanski versteht es, den Leser in ihre Welt zu entführen, Empathie für ihre Figuren aufzubauen und ein tolles Setting zu erschaffen. Jens Wawrczeck ist meistens der Sprecher ihrer Hörbücher. Zu ihm muss ich wohl noch weniger sagen…der berühmte Drei-Fragezeichen-Sprecher liest großartig und sehr einfühlsam. Er betont toll und hat ein super Gespür für die Charaktere.

Mich hat die Story hinter „Scandor“ wirklich beeindruckt. Und ein bisschen schockiert. Aber gerade dieser Wechsel war so spannend. Die Handlung, die Charaktere und der Stil sind großartig. Ich habe dieses Mal kein Problem, ehrlich zu sein: Das Hörbuch verdient die vollen fünf Sterne.



29. Juni 2024

Rezension: "Gastgeschenke, Hilfestellungen und andere Merkwürdigkeiten" von Wolfgang Richter


Titel: Gastgeschenke, Hilfestellungen und andere Merkwürdigkeiten
Autor: Wolfgang Richter
Verlag: BoD
Preis: 21,99€
Seiten: 192
 

Ich reise wirklich gern. Doch ich bin eher der „Normalo“ unter den Reisenden. Ein schöner Sommerurlaub im Hotel mit Tagesausflügen reizt mich ebenso wie ein Städtetrip mit ganz viel Sightseeing. Das mache ich durchaus auch allein und verlasse so meine Komfortzone. Was ich allerdings niemals tun würde, ist mit einem umgebauten Auto durch Teile Afrikas, Asiens oder Kanada zu fahren. Und dort möglicherweise völlig hilflos abseits jeglicher Zivilisation zu stehen. 
Genau das hat aber der Autor Wolfgang Richter jahrelang gemeinsam mit seiner Frau gemacht. Seine spannendsten und skurrilsten Erlebnisse hat er in seinem ersten Buch „Gastgeschenke, Hilfestellungen und andere Merkwürdigkeiten“ niedergeschrieben. Durch Zufall wurde ich auf das Buch aufmerksam. Zusammen mit dem Autor ging ich also auf interessante Reisen und genoss die 55 kurzen Berichte. Das Lesen war eine tolle und humorvolle Erfahrung!


Stell Dir vor, Du willst in einem fernen Land ein Brot kaufen, doch in dem einzigen Laden weit und breit gibt es keins mehr. Eine nette Frau gibt dir eins von ihren Broten ab und schenkt dir eine ganze Dose selbstgemachte Butter dazu. Oder stell dir vor, ein Polizist verlangt von dir einen Führerschein, der speziell und nur auf seiner Insel gilt. Er bietet dir an, den Schein sofort bei ihm zu kaufen. Oder stell dir vor, in der afrikanischen Savanne erleidet dein Auto einen kapitalen Schaden und du kannst keinen Meter weiterfahren. Doch es kommt ein rettender Engel und schleppt dich zur nächsten Rangerstation und sagt dann: "IM BUSCH HILFT JEDER JEDEM!" Dieser Satz wurde zu unserem Motto auf all unseren Fernreisen, die uns mit unserem Allrad-Camper "Gecko", einem Toyota Landcruiser, bis nach Sibirien, in die Mongolei, auf der Seidenstraße durch Zentralasien, aber auch bis ans Nordkap und quer durch Nordamerika bis nach Alaska führten. Wir bestanden so manches Abenteuer und erlebten unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Natürlich durchstanden wir auch unangenehme oder gefährliche Situationen. Unser Fazit nach vielen Jahren und Kilometern des Reisens steht jedoch fest: Der überwiegende Teil der Menschen will nicht mehr, aber auch nicht weniger, als in RUHE UND FRIEDEN zu leben.

Wer gern reist, ist mit diesem Reisebericht wirklich gut beraten. Und wer gern Abenteuer erlebt, wird hier auch seine Freude haben. Mir hat an diesem Buch die Mischung besonders gut gefallen. Eigentlich handelt es sich lediglich um Alltagsgeschichten. Doch manchmal wird eben auch eine alltägliche Situation spannend oder sogar gefährlich. Mehr als einmal habe ich gedacht: „Das hätte ich NIEMALS getan!“ Beispielsweise als der Autor beschrieb, dass er in Marokko einem Einheimischen folgte, weil dieser von einem Fest berichtete, zu dem er das Paar führen könnte. Ich bin ein sehr skeptischer Mensch, wenn ich im Ausland unterwegs bin. Deswegen imponierte mir die offene Art von Richter durchaus. Gleichzeitig zeugen manche Berichte von einer gewissen Naivität, die dem Autor aber auch bewusst ist. Sehen wir es positiv: Nur durch eben diese Naivität hat er so viel erlebt!
Aber von vorn: Das Buch besteht aus 55 kurzen Geschichten über jeweils ein Reiseerlebnis. Dabei entführt Richter den Leser zunächst nach Afrika, dann nach Zentralasien (Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan…ich bin ganz ehrlich: Alles Gegenden, die ich zwar vom Namen her kenne, über die ich aber ehrlich gesagt absolut nichts Genaueres weiß) und letztendlich nach Kanada. Es handelt sich um Berichte aus mehreren Jahren und somit von verschiedenen Reisen. Meines Erachtens bemerkt man auch durchaus, dass das Paar in den ersten Geschichten manchmal noch etwas anders gehandelt hat als später. Besonders der erste Abschnitt über die Reisen durch Afrika hat mich gefesselt und schockiert zugleich. Für mich als behütete Europäerin ist es einfach unvorstellbar, was woanders auf der Welt ganz normal ist. Ich hätte in so vielen Situationen Angst gehabt! Und auch der Autor schreibt immer mal wieder, dass ihm selbst auch nicht immer ganz wohl war. So berichtet er von korrupten Polizisten, die geschmiert werden müssen, von bewaffneten Männern, die nachts durch die Steppe laufen oder auch von Kommunikationsproblemen oder völlig kaputten Straßen. Es ist einfach unglaublich, was dieser Mann alles erlebt hat. Ich wiederhole mich, aber: Ich hätte mich nichts davon getraut. Niemals.
Und deswegen bewundere ich Wolfgang Richter wirklich sehr! Aber es ist keinesfalls sein Bestreben, die Leute lediglich mit seinen Reisen zu unterhalten. Während des Lesens merkt man immer wieder, dass er betont, dass es um die Menschen geht. Er berichtet von unzähligen Begegnungen mit wundervollen Menschen, die er kennenlernen durfte. Vor allem aber, dass all diese Menschen immer hilfsbereit waren und wie schnell aus Fremden Freunde werden können. Diese Geschichten lehrten mich definitiv, dass die Welt viel offener ist, als man in seinem kleinen Elfenbeinturm so glauben mag. So viele Geschichten haben mich berührt. Gleichzeitig schreckten sie mich auf eine gewisse Weise ab. Denn eines hat das Buch bei mir auf jeden Fall bewirkt: Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich bin mir sicher, dass der Autor auch genau das beabsichtigt. Doch habe ich gar nicht so sehr über die wirklich schönen Lebensweisheiten nachgedacht, die er auch im Nachwort noch einmal betont, sondern über die Privilegien so vieler Menschen. Wenn Richter von Orten berichtete, an denen die Bewohner zu Wasserhäusern gehen müssen, um sich Trinkwasser zu kaufen (!) oder von Polizeirevieren, die eher aus dem Film zu stammen scheinen, musste ich immer wieder darüber nachdenken, was für ein sorgenfreien Leben „wir“ doch führen können. Man meckert über so vieles oder macht sich viele Probleme, dabei haben wir im Vergleich zu den meisten Menschen auf dieser Welt so unglaublich viel. Und wie schön ist es, zu sehen, dass diese „einfachen“ Menschen immer bereit sind zu teilen und Fremde in ihr Leben zu lassen?!
Das ist nur eine Lehre, die ich aus dem Buch ziehen konnte. Ich muss also wirklich sagen, dass man einerseits von den durchaus humorvoll geschriebenen Berichten gut unterhalten wird. Man kann es aber eben auch nutzen, um ein wenig zu reflektieren.
Nichtsdestotrotz muss ich auch kleine Dinge kritisieren. Man muss sich bei einem Buchumfang von 192 Seiten und 55 Geschichten bewusst sein, dass die Geschichten kurz sind. Diesen Fakt selbst finde ich persönlich ziemlich cool. So kann man nämlich immer mal wieder das Buch in die Hand nehmen und es lohnt sich auch für wenige Minuten. Andererseits kann man das Buch schwer am Stück lesen. Nach 20 Minuten bekommt man einfach zu viel Input. Aber da muss jeder selbst herausfinden, ob er das gut oder schlecht findet.
Dann muss ich zugeben, dass ich nicht jede Geschichte spannend und manche Titel etwas überzogen fand. Die meisten der 55 Geschichten sind aber interessant.
Mein größter Kritikpunkt ist tatsächlich eher äußerlicher Natur. Der Titel (der nebenbei bemerkt sogar noch einen ziemlich langen Untertitel führt) ist einfach zu sperrig. Hinzu kommt das nicht sehr ansprechende Cover. Hier muss man wirklich sagen „Never judge a book by its cover“, doch ich weiß, dass die meisten es eben doch tun. Ich würde dieser Geschichte ein Cover wünschen, das eine klarere Schrift hat und Aufmerksamkeit erregt. Auch der Titel sollte gekürzt werden. Ich verstehe zwar seine Angemessenheit, finde aber, dass er durch die Länge einfach nicht die Aufmerksamkeit erregt, die das Buch verdient hat!
Letztendlich muss ich noch erwähnen, dass der Stil des Autors gut ist. Er schreibt im Präsens, was mich zwischendurch etwas verwirrt hat. Aber so hat man eben auch das Gefühl, immer dabei zu sein. Sein Sprachstil ist recht einfach und sehr mündlich, was gut zu seinen Berichten passt. Toll ist übrigens auch, dass es im Buch Fotos zu manchen Kapiteln gibt, die der Autor selbst geschossen hat. Ich fand das immer besonders spannend, wenn auf diesen Bildern Menschen waren, von denen berichtet wurde.

„Gastgeschenke, Hilfestellungen und andere Merkwürdigkeiten“ ist eine wirklich tolle Sammlung abenteuerlicher und interessanter Reiseberichte. Ich hatte viel Spaß beim Lesen und empfand die kurzweilige Lektüre als absolut bereichernd! Die authentische Art des Autors macht das Lesen zu einer Freude und ich muss nochmal meine Bewunderung für ihn aussprechen! Ich persönlich störe mich am Titel und Cover, denn ich wünsche dem Buch ganz viele Leser! Insgesamt bewerte ich es mit vier von fünf Sternen.



30. Dezember 2022

Rezension [Hörbuch]: "Hercule Poirots Weihnachten" von Agatha Christie

 


Titel: Hercule Poirots Weihnachten
Autor: Agatha Christie
Sprecher: Bastian Pastewka
Verlag: der Hörverlag
Preis: 12,00€
Dauer: 7h 13m

Wer mich kennt, weiß, dass Agatha Christie zu meinen all-time-favourites der Literaturgeschichte gehört. Was darf also zu Weihnachten nicht fehlen? Ein Poirot-Krimi! Und obwohl ich „Hercule Poirots Weihnachten“ bereits vor vielen Jahren gelesen und mehrfach verfilmt gesehen habe, brauchte ich die neue Auflage aus dem Hörverlag. Andere Medien bieten schließlich auch andere Erlebnisse. Und so lauschte ich in der Vorweihnachtszeit der wundervoll karikierenden Stimme von Bastian Pastewka und der Geschichte rund um den Mord von Simeon Lee. Lohnt es sich? Oh ja!

Der alte Simeon Lee hat zu Weihnachten den Familien-Clan zusammengerufen - doch das ist alles andere als eine traute Runde. Das ungeliebte Familienoberhaupt bringt mit seinem despotischen und provozierenden Verhalten alle gegen sich auf. Als er am Heiligen Abend mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird, bedauert niemand seinen Tod. Ein Motiv hätten alle Anwesenden gehabt und nun ist der Weg zur reichen Erbschaft frei. Doch Hercule Poirots kleine graue Zellen arbeiten auf Hochtouren und lassen ihn auch diesmal nicht im Stich ...

Was mich an dem Hörbuch „Hercule Poirots Weihnachten“ vor allem reizte, war Bastian Pastewka als Sprecher. Ich finde den Comedian wirklich toll. Seine Interpretationen sind so vielfältig und lustig, dass ich der Kombination Christie/Pastewka einfach nicht widerstehen konnte. Die Geschichte selbst war für mich nicht neu und tatsächlich wusste ich auch von der ersten Sekunde an noch, wer der Täter war und wie sich der Mord abgespielt hatte. Man könnte meinen, dass das die Sache langweilig macht – aber dem war nicht so. Denn, was ich vor allem hervorheben muss, ist eben Pastewkas Interpretation der Geschichte. Wenn dieser Mann etwas besonders gut kann, dass ist es Stimmen imitieren. Und natürlich ist es ein Meisterstück, jedem einzelnen Charakter dieser Geschichte eine eigene Note zu verpassen. Pastewka macht das einfach grandios. Über mehr als sieben Stunden hält er es also wirklich durch, jeder Figur eine eigene Stimme und damit einen ganz eigenen Charme zu verleihen. Oftmals wusste ich die Figuren nur anhand seiner Stimmfärbung zu unterscheiden. Denn tatsächlich spielen einige Charaktere in dieser eine Rolle. Und nachdem ich die sprecherische Leistung mehr als gelobt habe (kurz gefasst: überragend), komme ich mal zur Geschichte. Der Protagonist Simeon Lee ist ein absolutes Ekel, das seine Familie nur einlädt, um sie zu schikanieren. Dass er umgebracht wird, ist also kein wirkliches Wunder. Der Mord an sich ist aber voller Rätsel und selbst Poirot braucht lange Zeit, um diese ganzen Familienfehden zu durchblicken. Die Familie nimmt einen großen Teil der Handlung ein, Poirot tritt sogar oftmals in den Hintergrund. Das ist aber keinesfalls schlimm, denn die Geschichte wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Immer wieder steht man als Hörer selbst vor dem Rätsel: Wer war es denn nun?
Neben einem tollen Sprecher ist also auch Spannung in dieser Geschichte garantiert. Zum Schreibstil von Christie muss ich glaube ich nicht viel sagen. Er ist flüssig und man kann gut zuhören. Da es aber so viele Personen in der Geschichte gibt, ist das Hören schwerer, als wenn man das Buch lesen würde. Hier kommt dann die Übersicht im Booklet zum Einsatz. Dort sind alle Figuren und die wichtigsten Informationen aufgeführt. Das Booklet insgesamt ist recht simpel gestaltet. Neben einer kurzen Biografie von Christie und Pastewka findet man die Figurenübersicht und das Inhaltsverzeichnis. Hier hätte man vielleicht etwas detailverliebter sein können. Andererseits ist die Verpackung vollständig aus Papier, was einen umweltfreundlichen Aspekt zeigt.


Wollt ihr die Vorweihnachtszeit etwas weniger weihnachtlich und trotzdem „klassisch“ genießen, dann kann ich euch das Hörbuch „Hercule Poirots Weihnachten“ nur empfehlen. Es bietet beste Unterhaltung und einen spannenden Fall. Bastian Pastewka als Sprecher ist die Kirsche aus der Torte (oder die Spitze auf dem Tannenbaum?!), denn durch seine Lesart wird dieses Hörbuch zu dem tollen Erlebnis, was es ist. Meine volle Empfehlung!





11. August 2022

Rezension [Hörbuch]: "Die Spur - Er wird dich finden" von Jan Beck

 


Titel: Die Spur - Er wird dich finden
Autor: Jan Beck
Sprecher: Florens Schmidt & Nina Reithmeier
Verlag: der Hörverlag
Preis: 21,95€
Seiten: 416
Dauer: 10h 31m

Der Klappentext von „Die Spur – Er wird dich finden“ hat mich sofort angesprochen. Ein Serienmörder, der die Opfer als Kunstwerke ausstellt und über ganz Europa verteilt?! Wäre es nicht so spannend, würde es einfach nur grotesk klingen. Doch so eröffnet Jan Beck das Setting seines Romans und man muss sagen, er hat den Leser bzw. den Hörer damit sofort in seinen Bann gezogen. Es beginnt eine spannende Jagd durch Halbeuropa, die an eine besondere Schule in Bologna führt. Spannung, Nervenkitzel und Gänsehaut sind garantiert. Denn „Die Spur“ ist ein tolles und vielseitiges Hörbuch.


Mitten in Lissabon wird eine Leiche gefunden. Der Anblick ist grotesk: Das Opfer wurde wie eine Statue drapiert. Wenige Tage später folgt ein weiterer grausamer Fund – diesmal am Kapitelplatz in Salzburg, und wieder trägt der Mord dieselbe Handschrift. Über zweitausend Kilometer liegen zwischen den beiden Städten, und doch scheinen die Opfer miteinander verbunden. Europols Topermittler Inga Björk und Christian Brand folgen der Spur des Killers, der noch lange nicht genug hat. Bald wird klar, dass die Taten mit einer jungen, einflussreichen Elite aus Top-Talenten zusammenhängen, die mitten in Europa agieren und deren Geheimnisse tödlich sind...

Wie bereits erwähnt, zog mich hier der Klappentext ganz besonders an. Tatsächlich kenne ich die beiden Vorgängerteile nicht, sodass das Ermittlerduo für mich neu war. Nichtsdestotrotz kommt man auch ohne Vorwissen sehr gut in die Handlung. Es ist sicher sinnvoll, die anderen beiden Bände auch zu kennen, allein damit man Hintergrundwissen über die Ermittler Inga Björg und Christian Brand hat – denn beide sind wahrlich keine leichten Charaktere – aber es geht eben auch so.
Ich habe „Die Spur – Er wird dich finden“ als Hörbuch gehört und zunächst muss ich die Qualität loben. Es gibt verschiedene Sprecher, einen weiblichen und einen männlichen. Beide lesen verschiedene Figuren und Zeitschienen. Sowohl Florens Schmidt als auch Nina Reithmeier machen ihre Sache sehr gut. Beide lesen flüssig, ruhig und angemessen. Man folgt der Geschichte durch diese beiden Stimmen wirklich noch mehr und identifiziert die Charaktere eben damit.
Die Geschichte ist genauso spannend, wie sie auch klingt. Anfangs bekommt man als Hörer nur sehr wenige Brocken, aber man versucht die ganze Zeit selbst zu kombinieren und so auf den Täter zu kommen. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Inga Björg und Christian Brand sind beide als Erzähler der eigenen Sicht eingesetzt. Und das ist auch gut so, denn tatsächlich scheint einer der beiden auch persönlich in den Fall verwickelt zu sein. Neben diesen beiden Figuren gibt es aber auch die Perspektiven der Opfer und die einer ehemaligen Schülerin der Toptalente Schule. Amelies Handlungsstrang erzählt Geschehnisse aus der Vergangenheit. Was diese mit der aktuellen Mordserie zu tun hat, ist anfangs natürlich unklar. Und trotzdem entfaltet Jan Beck genau das hervorragend. Sein Schreibstil ist wirklich sehr gut und er weiß die Spannung zu erhalten. An manchen Stellen allerdings fand ich ihn auch zu ausschweifend. Einiges hätte man sicher kürzen können. Andererseits haben mich manche Szenen gerade weil sie so ausführlich geschildert und in die Länge gezogen wurden aufgeregt, was dafür spricht, dass der Autor den Hörer emotionalisiert.
Die Charaktere sind rundum authentisch und sehr verschieden. Es ist ein guter Mix aus Privatem und dem Beruf. Denn natürlich haben auch Björg und Brand ganz persönliche Meinungen übereinander und müssen eben trotzdem zusammenarbeiten. Aber auch die anderen Charaktere sind interessant, allen voran Amelie. Des Weiteren hat mir das Setting außergewöhnlich gut gefallen. Der Roman spielt an vielen verschiedenen Orten in Europa: Den Haag, Salzburg, Paris, Malmö oder Berlin. Das Jetsetten ist zwar etwas abstrus, aber dadurch wird die Geschichte eben auch aufregend.
An der Handlung habe ich tatsächlich nur einen Kritikpunkt: das Ende. Ich hatte dann doch etwas mehr erwartet und fand die Lösung nicht so toll wie den Rest des Buches. Einfach nicht ganz so würdig. Und wenn ich dabei bin, dann muss ich noch einen letzten Kritikpunkt loswerden: Ich finde den Titel wirklich nicht passend. Das Wort „Spur“ wird glaube ich nie erwähnt und eigentlich fehlen Björg und Brand genau diese für den Fall. Ich verstehe schon die Kürze und den Willen, dass sich der Titel gut in die Reihe fügt, aber trotzdem ist er nichtssagender, als er sein müsste.

Insgesamt bekommt man bei „Die Spur – Er wird dich finden“ einen fesselnden und toll geplanten Thriller, der unglaublich gut unterhält. Die Geschichte ist durchweg spannend und hat eine gute Mixtur zwischen Privatem aus dem Leben der Ermittler und Arbeit an dem Fall. Nur das Ende sorgt für leichten Abzug, weshalb ich vier von fünf Sternen vergebe. Und trotzdem ist es ein richtig tolles Hörbuch, das ich gern empfehle!