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4. Februar 2026

Rezension [Hörbuch]: "Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen"

 


Titel: Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen
Autorin: Judith Rossell
Sprecherinnen: Merete Brettschneider, Maria Hartman
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 6h 49m
Seiten: 320
Preis: 15,95€

Jedes kleine Mädchen hatte wahrscheinlich einmal den Wunsch, Detektivin zu werden. So sein wie Hanni und Nanni im Internat oder all die anderen Kinder, die spannende Abenteuer erlebten. In die Reihe von den „Fünf Freunden“ und Co. darf sich nun eine weitere Gruppe eintragen: die Mädchen des Midwatch Instituts. Denn diese jungen Mädchen können mit den genannten Detektiven definitiv mithalten. „Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen“ ist ein grandioses Kinderbuch, das ich vor allem Mädchen ab neun Jahren unbedingt empfehlen würde! Freundschaft, Zusammenhalt und das Stärken des eigenen Selbstbewusstseins stehen hier in Verbindung mit Spaß und Humor und machen dieses Hörbuch zu einem wundervollen Hörerlebnis.

Maggie Fishbone wird auf das Midwatch-Institut für unerwünschte Mädchen geschickt. Doch Maggie stellt bald fest, dass das Institut nicht der schreckliche Ort ist, für den ihn alle halten. Im Gegenteil: The Midwatch heißt die verstoßenen Mädchen willkommen und ermutigt sie, ihre Talente einzusetzen und weitere nützliche Fähigkeiten wie Schlösserknacken und Morsen zu erlernen. Denn es sind die verstoßenen Mädchen des Midwatch-Instituts, die mit ihren besonderen Fähigkeiten Kriminalfälle lösen und die Stadt vor Bösewichten beschützen.

Greift man zu diesem Hörbuch, muss man sich des Adressaten natürlich bewusst sein. Das Buch ist definitiv für Kinder geschrieben und genau für diese ist es absolut wunderbar! Laut Klappentext geht es um die kleine Maggie Fishbone, die zusammen mit zwei anderen Mädchen ins Institut kommt. Eine richtig zentrale Protagonistin ist Maggie allerdings nicht. Ihre Freundinnen Nell und Sophie stehen ebenso im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Harriet oder all die anderen Mädchen. Sie bilden gemeinsam ein Team. Und damit wären wir bei einem großen Thema des Buches: Freundschaft. Judith Rossell zeigt auf eine sehr schöne Art, wie Freunde das eigene Selbstbewusstsein stärken und wie man selbst daran wächst. Maggie ist am Ende ein anderes Mädchen und findet im Midwatch-Institut nicht nur neue Freunde, sondern sogar Familie.
Die kleinen Mädchen sind tolle Protagonistinnen. Insgesamt sind in „Midwatch – Schule der unerwünschter Mädchen“ ein Haufen schrulliger und skurriler Persönlichkeiten zu finden. Einige sind natürlich überzeichnet, wie zum Beispiel die Bösewichte, aber das passt insgesamt sehr gut zum Charakter des Buches. Die Mädchen müssen einen kniffligen Kriminalfall lösen, der sehr spannend ist. Das Setting hat mich hierbei anfangs ein wenig verwirrt. Denn obwohl „Midwatch“ kein Fantasy-Buch ist, gibt es durchaus fantastische Elemente. Zum Beispiel ist ein ganz normales Fortbewegungsmittel in Maggies Welt das Zeppelin. Ansonsten scheint die Geschichte etwa in den 20er Jahren zu spielen und das heißt auch, dass Glanz und Glamour auf eine gewisse Art nicht fehlen dürfen: schicke Hotels oder der Tanz Charleston sind beispielsweise an der Tagesordnung.
Auf der Tagesordnung von Maggie stehen ziemlich interessante Fächer: Morsen, Knoten knüpfen, Fechten, Schweizerdeutsch, Charleston oder Verstecken. Und ganz ehrlich…welches Mädchen hätte als Kind nicht gern solche Fächer in der Schule gehabt?! Tatsächlich kann man nebenbei noch eine ganze Menge aus „Midwatch“ lernen. Alle paar Kapitel taucht nämlich ein kleines Exkurs-Kapitel mit dem Titel „Nützliche Dinge, die jedes Mädchen wissen sollte“ auf. In einem wird zum Beispiel das gesamte Morse-Alphabet erklärt, in einem anderen verschiedene Knotentechniken gezeigt. Als Hörbuch funktioniert das nur semigut, aber im Buch ist es für junge Leser sicher ein Highlight!
Der Schreibstil ist wirklich gut. Er ist flüssig und sehr fantasievoll. Vor allem aber ist das gesamte Szenario unglaublich humorvoll und charmant. Es gibt kein böses Wort zwischen den Mädchen, dafür aber viel zu Lachen. Die Sprecherin Merete Brettschneider macht ihre Sache gut. Sie liest zeitgemäß und sehr passend zur Geschichte. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich als Erwachsene beim Hören manchmal etwas abgedriftet bin. Die Nützliches-Wissen Kapitel werden von Maria Hartmann gelesen. Auch hier gibt es keinerlei Kritik.


Die größte Stärke dieses Buches sind wirklich die Werte, die Judith Rossel transportiert. Sie zeigt, wie wichtig Freundschaft ist, wie man zusammenhält und so aus jeder Klemme kommt. Denn zusammen ist man stark. Das lernen Maggie und ihre Freundinnen während dieses spannenden Kriminalabenteuers ganz nebenbei. Für junge Mädchen, aber sicher auch Jungen ist es ein wirklich tolles Buch, das ich sofort verschenken würde. Ich persönlich musste mit dem Setting erst zurechtkommen, vergebe aber gern 4,5 Sterne, die es verdient haben, aufgerundet zu werden.



16. Oktober 2025

Rezension [Hörbuch]: "What happens at the lake" von Vi Keeland


Titel: What happens at the lake
Autorin: Vi Keeland
Verlag: Der Hörverlag
Dauer: 10h 2m
Seiten: 384
Preis: 21,95€


Ich kann es nicht genau benennen, aber irgendetwas am Klappentext von Vi Keelands „What happens at the lake“ zog mich an. War es das Grumpy x Sunshine-Trope? Das versprochene Geheimnis aus der Vergangenheit? Oder vielmehr der Charme der Kleinstadt? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Festhalten muss man, dass dieser Roman mit allen drei Themen aufwartet und nicht enttäuscht. Josie und Fox sind Protagonisten einer soliden und süßen Liebesgeschichte, die aber vor allem mit einem glänzt: liebevollen Details. Einziges Manko? Der männliche Hörbuchsprecher. Leider.

Nach einer Tragödie lässt Josie Preston ihr New Yorker Leben überstürzt hinter sich und zieht ins malerische Laurel Lake. Dort hat ihr Vater ihr ein Haus am See vermacht. Laurel Lake wurde wiederholt zur freundlichsten Kleinstadt Amerikas gewählt – Josies neuer Nachbar anscheinend nicht mitgerechnet. Fox Cassidy, ein unverschämt attraktiver ehemaliger Eishockey-Star, ist verschlossen und abweisend, und Sonnenschein Josie geht ihm ganz besonders auf die Nerven. Doch je öfter die beiden aneinandergeraten, desto mehr scheint die Luft zwischen ihnen zu knistern. Wenn jemand Fox’ harte Schale knacken kann, dann Josie. Aber will sie wirklich wissen, warum er sein Herz so verbissen schützt?

„What happens at the lake“ spielt in Laurel Lake, einer amerikanischen Kleinstadt, die mehrfach als die „freundlichste Stadt Amerikas“ gewählt wurde. Ehrlich gesagt, hat mich das gecatcht. Ich bin ein großer Anhänger der Gilmore Gilrs und fühlte mich vielleicht auch deswegen in Laurel Lake so wohl. Der komplette Keinstadtcharme ist sehr gut eingefangen und die einzigartigen Charaktere sorgen für viel Stimmung. Humor kommt in diesem Hörbuch generell nicht zu kurz. Vi Keeland hat eine stets amüsierte Art zu erzählen, sodass man sich als Hörer schnell wohlfühlt. Das ein oder andere mag überspitzt sein, passt aber gut ins Genre.
Gar nicht freundlich ist die Art von Fox Kessidy, dem männlichen Protagonisten der Geschichte. Natürlich ist jedem klar, dass er sich in seine neue Nachbarin Josie früher oder später verlieben wird. Kein Hörer erwartet etwas anderes. Doch obwohl die Handlung voraussehbar ist, hat sie mir gefallen. Das lag vor allem an den liebevollen Details der Autorin. Hierzu zähle ich auch den Beinamen der Stadt in Punkto Freundlichkeit. Noch viel besser hat mir aber Josies Tick gefallen, Weihnachtskarten zu verschicken. Um nicht zu spoilern, gehe ich nicht weiter darauf ein. Doch das Schreiben und Empfangen der Weihnachtskarten wird in einem so liebevollen Rahmen erzählt, dass einem das Herz aufgeht. Josie ist generell ein sehr liebevoller, aber auch liebesuchender Charakter. Manchmal war sie mir etwas zu perfekt, doch im Grunde hat sie authentische Ecken und Kanten. Und tatsächlich mochte ich sie lieber als ihren männlichen Gegenpart. Ich meine…wer hat kein Herz für jemanden, der eine männliche Ente rettet und sie anschließend auf einen eindeutig weiblichen Namen tauft? Genau.
Fox hingegen ist grummelig, wortkarg und abweisend. Zu jedem. Selbstverständlich würden wir uns in der falschen Geschichte befinden, würde er nicht eine grauenhafte Vergangenheit mit sich herumtragen und nur Josie kann den Zugang zu seinem Herzen finden. Das geschieht übrigens auch mehrfach auf eine recht heiße Art. Die Sexszenen sind gut geschrieben und kommen auch nicht unverhältnismäßig häufig vor, was mir gefallen hat.
Kommen wir zu dem einen Punkt, der mir leider gar nicht gefallen hat: Die Auswahl der Sprecher des Hörbuchs. Versteht mich nicht falsch. Lisa Martelli macht ihre Sache wirklich gut. Ich finde, sie hat die perfekte Stimme, um Josie Leben einzuhauchen. Sie ist witzig, spritzig und das Sonnenschein-Gemüt von Josie kommt gut rüber. Das Hörbuch wird jedoch im Wechsel erzählt, sodass viele Kapitel auch aus Fox Sicht sind. Für mich war Niklas Wünsche leider nicht die richtige Wahl, Fox zu lesen. Ich konnte die Stimme gar nicht mit dem Mann vereinbaren, von dem Josie so verliebt erzählt. Für mich passte das nicht zusammen. So, als wären es zwei völlig verschiedene Menschen. Leider liest er meines Erachtens auch nicht sehr überzeugend, besonders nicht bei den prickelnden Szenen. Das hat mir das Hörbuch an manchen Stellen etwas kaputt gemacht.

Man muss sich auf „What happens at the lake“ einlassen und keinen Handlungsstrang überbewerten. Ansonsten könnte man zu dem Schluss kommen, dass es etwas zu viel des Guten ist. Tut man das aber, kann man mit der Geschichte viel Spaß haben. Vor allem die Protagonistin und das Setting sind wirklich super. Die Liebe zum Detail der Autorin kommt gut herüber und als Hörer ertappt man sich manchmal dabei, wie man mitschmunzelt. Insgesamt vergebe ich vier Sterne für die Geschichte, die mit einem passenderen männlichen Sprecher noch besser sein könnte.