Posts mit dem Label Dystopie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dystopie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

19. Mai 2019

Rezension: "Dark Age - Hoffnung" von Sabine Schulter



Titel: Dark Age - Hoffnung
Autor: Sabine Schulter
Verlag: Dark Diamonds
Preis: 3,99€
Seiten: 402

Vor ein paar Wochen musste ich aufgrund einer Krankheit ein paar Tage zu Hause bleiben. Genau in dieser Zeit kam mir ein bestimmtes Buch absolut recht: „Dark Age - Bedrohung“ von Sabine Schulter erschien damals und ich habe es einfach nur verschlungen. Für mich ist der erste Teil der „Dark Age-Reihe“ ein absolutes Highlight und umso mehr freute ich mich, als ich endlich den zweiten Teil der Dilogie in den Händen halten durfte. Der gleichnamige Nachfolger mit dem Untertitel „Hoffnung“ konnte all meine persönlichen Hoffnungen erfüllen, denn er knüpft nahtlos an der Stärke seines Vorgängers an und ist somit ein ehrwürdiger Abschluss der Reihe rund um die magiebegabte Liz und ihren Helfer Nick im Kampf gegen die Dunkelheit.

Nachdem Liz so viel Unerwartetes über ihr eigenes Leben und ihre Fähigkeiten erfahren hat, steht sie regelrecht unter Schock. Auch ihre Gefühle für Nick geraten in diesen Strudel aus Zweifeln und Verwirrung. Fort ist die Sicherheit, die sie einst bei ihm gefunden hat. Doch Liz bleibt kaum Zeit zur Ruhe, denn die Dunklen greifen ununterbrochen die sicher geglaubte Hauptstadt an. Liz muss nicht nur ein mörderisches Komplott aufdecken, das bis in höchste Regierungskreise reicht, sondern sich gleichzeitig Nick und ihrer düsteren Vergangenheit stellen… 

Band eins hat einen so gemeinen Cliffhänger, der meine Neugier auf den zweiten Teil einfach riesig machte! Obwohl sich pfiffige Leser die große Wende aus Band eins sicher schon denken konnten, war ich völlig geplättet. Deswegen griff ich mit hohen Erwartungen zu „Dark Age – Hoffnung“. Am Anfang wurden diese leider ein wenig abgeschwächt, doch das änderte sich wieder. Denn Liz hat sich von all den liebenswerten Figuren aus Band eins und somit auch von Nick distanziert. Sie muss ihr zurückerlangtes Wissen zunächst verarbeiten, was tatsächlich eine Weile in Anspruch nimmt. Obwohl zu diesem Zeitpunkt der Handlung nicht allzu viel geschieht, füllt die Autorin die Lücken geschickt mit charakterstarken Details und so zieht sie den Leser nur noch tiefer in diese düstere Welt, bevor die Geschichte wieder an Fahrt aufnimmt. Obwohl Liz sich von Nick fernhält, sind die Funken zwischen ihnen auch für den Leser greifbar. Kein Wunder also, dass wir uns irgendwann auf eine Fortsetzung des Liebesabenteuers freuen dürfen. Und das ist gut so, denn ich liebe die beiden Protagonisten! Liz ist eine Zweiflerin und dennoch eine so starke Frau, die auch ihre Fehler hat. Meiner Meinung nach ist sie eine gelungene Heldin für diese Geschichte und vor allem bleibt Liz sich immer selbst treu. Auch ich hätte nach dem Rückerhalt ihres Gedächtnisses die Ereignisse erst einmal verarbeiten müssen. Denn diese haben es wirklich in sich. Deswegen finde ich den Beginn der Handlung sehr logisch. Außerdem besteht das erste Drittel ja nicht nur aus Trübsalblasen. Schließlich sind da neben Liz noch der wunderbar bodenständige Kämpfer Nick, an den ich in Band eins schon mein Herz verloren habe. Und natürlich seine Partnerin Maya. Sie gehört ebenfalls zu den starken Frauen des Romans und macht oft durch ihre Hibbeligkeit und positive Art Aufsehen. Auf gar keinen Fall vergessen darf man auch Eremos, den kleinen Cerberus von Nick. Das kleine Wesen, das eine Mischung aus Katze und fliegendem Löwen ist, ist einfach das Highlight dieses Buches. Ich war sehr froh, dass seine Rolle sogar etwas größer ist, als in Band eins. Denn dieser knuffige Nebencharakter hat wirklich jede Zeile verdient, die er kriegen kann. Neben diesen Figuren gibt es noch zahlreiche weitere, denn das Figurenkonstrukt wird mit vielen Quellen und ihren Helfern ergänzt. Denn wie man nach Band eins schon annehmen kann: Es wird einen Kampf geben – hell gegen dunkel. In diesem Kampf sind all die liebgewonnen Charaktere vertreten – und es muss mit Verlusten gerechnet werden. Die Kampfszenen sind sehr spannend und bildreich geschrieben und das Finale im Palast des Königs hat mir besonders gut gefallen. Der zweite Teil wechselt des Öfteren den Schauplatz, was für Abwechslung sorgt und der Handlung gut tut. Diese wiederum ist eine gute Mischung aus Emotionen und Gefühl, aber auch Spannung und Nervenkitzel. Somit gibt es die rasanten, aber auch die ruhigen Stellen und so ist für jeden Leser etwas dabei.
Ich habe das Buch wieder sehr gern von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. Wenn man einmal in die Welt von Liz eingetaucht ist, will man sie einfach nicht mehr verlassen. Vielleicht möchte man aber auch wegen des guten Stils von Sabine Schulter immer weiter lesen. Sie schafft es, den Leser auf diese Reise mitzunehmen und ihn teilhaben zu lassen. Durch ihre Worte kann man sich diese dystopische Welt ganz genau vorstellen. Der Stil ist dementsprechend bildreich und mindestens genauso flüssig. Die Autorin hat eine Vorliebe für das Zeichnen ihrer Charaktere und das stellt sie auch in diesem spannenden Abschlussband wieder unter Beweis.


„Dark Age – Hoffnung“ macht seinem Namen und seinem Status als Reihenabschluss alle Ehre. Er hat tolle Handlungselemente, die sich immer wieder zwischen rasant und ruhig abwechseln und die niemals die Spannung verlieren. Die Figuren sind toll ausgearbeitet und der Schreibstil ist grandios. Wenn man sich einmal auf die Gruppe rund um Liz eingelassen hat, wird man einfach ein Teil ihrer Welt. Und so kann man gar nicht anders, als mitzufiebern, wenn es heißt: Der Kampf von hell gegen dunkel geht in die nächste Runde. Vielen Dank, dass ich diesem spannenden Kampf folgen durfte. Ich vergebe für den Dilogieabschluss volle 5 Sterne und richte einen letzten Gruß an Eremos aus – er ist auch einfach zu niedlich.



19. November 2018

Rezension: "Pro & Contra - Mein Licht in deiner Dunkelheit" von Sabine Schulter



Titel: Pro & Contra - Mein Licht in deiner Dunkelheit
Autor: Sabine Schulter
Verlag: Impress
Preis: 3,99€
Seiten: 431

Ich liebe außergewöhnliche Buchtitel. Es gibt jene, unter denen man sich nicht viel vorstellen kann, Neologismen oder andere Eigennamen. Dann gibt es die Allerweltsnamen, die dem Leser noch weniger sagen. Aber dann gibt es auch die besonderen Namen. Diese wecken Neugier und Aufmerksamkeit und sind gleichzeitig so verständlich, dass man sich auch mit Blick auf das Cover etwas vorstellen kann. Einer dieser besonderen Titel ist in meinen Augen Sabine Schulters neuer Einzelband „Pro & Contra – Mein Licht in deiner Dunkelheit“. Das Cover ist ein einziger Traum. Die Farben kommen gut zur Geltung und passen sehr gut zum Kontext der Geschichte. Auch die abgebildeten Figuren, die Lampe und die Blitze passen perfekt! Selbst wenn man ohne den Klappentext noch keine Ahnung von der unheimlich guten und spannenden Geschichte hat, die sich hinter der Titelseite verbirgt, sorgen Titel und Cover schon für Aufsehen. Aber ich kann versprechen, dass auch das Innere des Buches nicht enttäuscht. Ihr habt Lust auf eine Geschichte voller Familiarität, Liebe und Freundschaft? Voll innovativer und spannender Ideen? Und das alles noch an außergewöhnlichen Orten? Dann seid ihr bei dieser Dystopie definitiv richtig! Ich weiß kein Argument gegen das Lesen des Buches, aber da wären einige auf der Pro-Seite!

Summer ist eine Pro. Ihre Zellen produzieren von Natur aus Elektrizität – ein knappes Gut, seit ein Sonnensturm die Erde getroffen hat und die Menschen keinen Strom mehr herstellen können. Um Summers kostbare Quelle nutzbar zu machen, braucht es ein Gegenstück, einen Contra. Als sie zufällig Kayden begegnet, weiß sie: Dies ist der Moment, vor dem sie sich ihr Leben lang gefürchtet hat. Denn sobald ihre Verbindung offenbar wird, bedeutet das für sie beide ein Leben als Ausgebeutete. Für Summer und Kayden beginnt eine atemlose Flucht vor der Unterjochung und ein leidenschaftlicher Kampf um Selbstbestimmung.

Zuallererst will ich es nicht versäumen, die ganz offensichtlichen Vorzüge von „Pro & Contra“ zu benennen. Punkt eins: Es handelt sich um einen Einzelband! Jippieh! In meinen Augen gibt es diese im Jugendbuchgenre einfach viel zu selten. Sicher, auch diese Geschichte birgt Potenzial für weitere Teile, aber die Autorin hat sich bewusst dagegen entschieden, was ich absolut befürworte. Denn auch, wenn ich Kayden und Summer ungern gehen lasse, so konnte ich mich so viel besser in der Idee fallen lassen! Und man muss nicht mehr Jahre auf den zweiten Teil warten.
Punkt zwei: Es ist eine wahnsinnig gelungene Dystopie mit einem Ansatz, den ich so noch nie gelesen habe. Es geht um Elektrizität und stellt eine Welt vor, die auf genau diese verzichten musste. Doch die Menschen haben einen Weg gefunden, erneut Strom zu erschaffen und zwar mithilfe von Menschen, dessen Genmaterial mutiert ist. Es gibt zwei Fraktionen, die man zum Herstellen von Elektrizität benötigt, nämlich einen Pro und einen Contra. Einleuchtend, dass jene Menschen zur Zielscheibe der Regierung werden. Es ist ja zum Wohle der Allgemeinheit. Ihr könnt euch denken, dass dieser Grundstein für eine Dystopie mehr als geeignet ist.
Diese beiden Punkte sind absolut offensichtlich. Aber glücklicherweise geht es mit positiven Dingen weiter. Es ist kein Geheimnis, dass ich die Bücher von Sabine Schulter sehr gern lese. Ich finde, dass die Autorin umwerfende Ideen hat und ihr Stil sich in den letzten Jahren stark verbesserte. Das zeigte mir auch dieses Buch wieder, aber dazu später. Die Werte, die die Autorin in ihre Bücher einfließen lässt, sind zumeist gleich. Aber sie alle sind so wichtig, dass ich nie genug davon lesen könnte. Die berühmte familiäre Verbundenheit, die man schnell mit den Charakteren von Sabine Schulter empfindet, stellt sich auch hier sofort ein! Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt sind wichtige Aspekte der Geschichte. Es gibt einige Charaktere, doch man fühlt sich in ihrer Mitte sehr wohl! Mir gefällt das Wertekonstrukt sehr und man hat immer ein Gefühl des „nach Hause Kommens“. Inmitten der vielen Figuren stehen die beiden Protagonisten Kayden und Summer. Der Einstieg in die Geschichte gelingt überaus gut und unmittelbar. Zuerst lernt der Leser Kayden kennen, der ein wenig rebellisch, aber gleichzeitig loyal und vernünftig ist. Er ist ein wenig düster, aber irgendwie auch ganz niedlich und vor allem sarkastisch. Ich habe seine Erzählteile sogar lieber gelesen, als die von Summer. Er macht sich als Protagonist mehr als gut und hat auch seine Schwächen. Nachdem man Kayden auf einem Straßenfest kennen gelernt hat, tritt Summer auf eben diesem auf den Plan. Summer ist zierlich und abgesehen von ihrer Gabe absolut normal. Mit dieser Protagonistin hat Sabine Schulter mir wirklich einen riesigen Gefallen getan. Denn ich habe gern an der Perfektheit ihrer weiblichen Protagonistinnen rumgemeckert – und das durchaus zurecht. Aber Summer ist nicht einen Deut perfekt. Sie ist bodenständig und ein bisschen ängstlich. Sie ist keine Schönheit, aber durchaus intelligent. Es gibt eine Stelle, an der sie über sich selbst Folgendes sagt:

„Ich wollte meine Freiheit bewahren, trug dazu aber nicht wirklich etwas bei, außer zickig, explosiv und weinerlich zu sein. Es gab so viele Menschen, die mehr für meine Wünsche taten als ich selbst, was mir langsam immer egoistischer vorkam.“ (33%)
Ich musste mir diese Passage einfach markieren, weil ich total stolz darauf war, keine typische Jugendbuchprotagonistin vor mir zu haben, sondern eine junge Frau, die sich zu reflektieren weiß. Wenn auch ein kleines bisschen spät. Summer ist ein guter Gegenpart zum impulsiven Kayden und die beiden ergänzen sich hervorragend. Deswegen ist auch die gewählte Schreibweise sehr passend. Die Kapitel unterteilen sich immer in zwei Teile. Einen erzählt Kayden, den anderen Summer, in welcher Reihenfolge ist dabei variabel. Besonders gelungen ist dabei der Unterschied zwischen den beiden Hauptfiguren. Kayden erzählt sehr viel impulsiver und auch wertender als Summer. In seinen Passagen werden auch etwas derbere, manchmal lustigere Ausdrücke verwendet. Hier ein Beispiel:
„Dreh es einmal, damit aktivierst du es“, teilte mir Elliot mit, während ich Isaac leise lachen hören konnte. Der Kasper amüsierte sich offenbar prächtig und genoss es wahrscheinlich, mich an meiner Belastungsgrenze zu wissen.“ (54%)
Kayden ist relativ leicht zu provozieren, was ein deutlicher, aber amüsanter Makel ist. Ich mochte den jungen Mann auf Anhieb! Die beiden Protagonisten unterscheiden sich zwar in vielen Punkten, dennoch gleichen sie sich in den wichtigen Details. Sie kämpfen beide für Freiheit und Gerechtigkeit. Und natürlich kommen sie nicht umhin, sich ineinander zu verlieben. Diese Entdeckung fand ich übrigens sehr niedlich verschriftlicht. Mir gefiel die Liebesgeschichte wirklich gut!
Noch besser fand ich aber das Figurenkonstrukt. Summer und Kayden sind in relativ gleichen Sozialformen aufgewachsen und deswegen haben sowohl Summer, als auch Kayden ihre eigenen Leute um sich geschart, was eine große Gruppe am Ende ergibt. Elliot ist Summers bester Freund, Glenn ihr Beschützer. Beide Männer spielen eine große Rolle in ihrem Leben, aber auch Kalou gehört dazu. In Kaydens Leben hat eine gewisse Schmugglerbande das Sagen, die aber vor allem liebenswert ist. Ich mochte Thor und Susann, aber vor allem Isaac sorgt für Humor im Buch. Die große Gruppe hat sich der Befreiung der Strompaare verschrieben, doch dieses gefährliche Unternehmen geht nicht ohne Verluste von statten. So ist auch Emotionalität garantiert, neben all der Spannung, die die Geschichte bietet.
Für mich hat „Pro & Contra“ eine gewisse Grundspannung. Vor allem der Anfang hat mich wahnsinnig gefesselt. In der Mitte wurde es dann deutlich ruhiger, aber am Ende passierte sehr viel Rasantes. Die Spannungskurve gelingt gut, aber sie geht nicht immer steil nach oben. 
Zum Schreibstil lässt sich noch hinzufügen, dass er sehr flüssig und bildgewaltig ist. Sabine Schulter erschafft durch ihre kreativen Handlungsorte eine großartige Atmosphäre. Sie hat in all ihren Büchern den Kontrast zwischen Höhe und Tiefe untergebracht und deswegen befinden sich auch Summer und Kayden mal hoch über der Stadt und mal unter ihren Straßen. Mir gefällt dieser Kontrast sehr und die „verborgene Stadt“ hat wirklich etwas Besonderes. Die Autorin weiß auf jeden Fall zu erzählen und steckt viel Liebe in ihre Figuren, die auch deswegen so lebendig und real werden.


Der Titel lässt es schon erahnen: Hier geht es um Emotionen. „Mein Licht in deiner Dunkelheit“ deutet tief verborgene Probleme an, die nur durch Zusammenhalt gelöst werden können. Und Zusammenhalt ist definitiv eine der wichtigsten Stärken des Buches. Direkt dahinter lassen sich weitere Werte wie Familie, Freundschaft und Liebe finden. Sabine Schulter hat mit „Pro & Contra“ eine interessante und innovative Dystopie erschaffen, die vor allem durch ihre Charaktere glänzt! Summer und Kayden sind so verschieden und kämpfen doch für die gleiche Sache. Abenteuer, Emotionen und ein Kampf auf Leben und Tod lassen sich in dieser spannenden Geschichte finden. Ich vergebe also 5 von 5 Sternen und freue mich über diesen so gelungenen Einzelband!



21. Oktober 2018

Rezension: "Promise - Die Herzenskämpferin" von Maya Shepherd



Titel: Promise - Die Herzenskämpferin
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Selfpublished
Preis: 3,99€
Seiten: 288


So gern ich auch zu Geschichten von Maya Shepherd greife, muss ich zugeben, dass mich die „Promise-Trilogie“ nie ganz überzeugt hat. Ich habe Probleme mit der Protagonistin, aber auch mit der generellen Story. Und trotzdem schaffte die Autorin es, dass der Drang, zu wissen, wie die Geschichte ausgeht, in mir bestehen blieb. Ich habe keine Ahnung warum und kann daher nur Vermutungen anstellen. Arras dürfte ein entscheidender Grund gewesen sein, denn der schweigsame und geheimnisvolle Charakter hatte seine Geschichte nach zwei Bänden einfach noch nicht erzählt. Es konnte doch nicht wirklich so sein, dass Nea zurück zu Miro geht…oder doch? Es gab durchaus Fragen, die ich mir vor dem Lesen gestellt habe und zum Glück wurden sie im abschließenden Band „Die Herzenskämpferin“ auch beantwortet. Für mich ist der dritte Teil auf jeden Fall das beste Buch der Reihe! Und dennoch bleibt sie hinter meinen Erwartungen zurück.

Polyora ist zurück. Das Leben von Milliarden Menschen schwebt erneut in Gefahr. Die einzige Hoffnung verspricht die Stadt Promise, in der es ein Gegenmittel geben soll. Nea begibt sich auf eine ungewisse Reise. Sie wird von dem geheimnisvollen Arras begleitet, der sich in Schweigen um seine Vergangenheit hüllt. Erst als Nea ihr Ziel erreicht, offenbart sich ihr eine Wahrheit, die schrecklicher ist als alles, was sie sich vorstellen konnte. Nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern auch die der ganzen Menschheit steht auf dem Spiel. Doch wenn eines Nea gelernt hat, dann, dass es immer Hoffnung gibt, solange man nicht aufhört für das zu kämpfen, was man liebt.

Okay, beginnen wir beim Guten. Was hat mir besser gefallen, als in den beiden Vorgängern? Da muss ich eindeutig den Aufbau nennen. Die Handlung von „Die Herzenskämpferin“ ist spannender,

1. August 2018

Rezension: "Zentolia - Glasglanz" von Tamara Schmid



Titel: Zentolia - Glasglanz
Autor: Tamara Schmid
Verlag: digi:tales
Preis: 3,99
Seiten: 440

Aus dem digi:tales Verlag sollte mich wirklich nichts mehr überraschen! Es ist nun schon das zweite Mal, dass ich mich an einen Titel gewagt habe, der weder vom Cover noch vom Klappentext so richtig in mein Leseverhalten passt – und der mich wahnsinnig positiv überrascht und überzeugt hat! Bereits beim Titel „Unicorn Rise“ wusste ich nicht genau, ob ich mit diesem verträumten Cover und seiner Fantasygeschichte zurecht käme und ich war nach dem Lesen baff. Umso mehr freut es mich, dass mir nun das gleiche mit „Zentolia – Glasglanz“ passiert ist! 
Das Cover ist nicht meins, der Klappentext hat aber wieder einmal etwas. Und so wagte ich mich an die Jugend-Dystopie, die es wirklich in sich hat. Tamara Schmid erschafft eine innovative und interessante Welt, in der eine ungewöhnliche (, weil absolut nicht perfekte) Protagonistin lebt, die den Leser mitnimmt. Ich habe Faunas Reise mehr als gern begleitet und das Buch spuckt mir auch eine Woche nach dem Lesen noch im Kopf herum. Also: Traut euch an diese Geschichte, es lohnt sich!


Fauna lebt in Zentolia - eine Stadt erbaut aus Stein und Metall, umgeben von hohen Mauern. Draußen lauern nichts als Tod und Verdammnis. Drinnen sorgen Ordnungsstifter für eine strenge Überwachung der Stadtbezirke. Das Leben in Zentolia ist hart. Und die Herrscherin Szempra verzeiht keine Fehler. Daher ist Fauna extrem vorsichtig, lässt außer ihrem besten Freund Ronan und ihrer Mutter niemanden an sich heran. Als plötzlich beide spurlos verschwinden, ist sie gezwungen, bei der Suche die Hilfe eines zwielichtigen Fremden anzunehmen. Aber warum kennt Sander sich an den dunkelsten Ecken Zentolias so gut aus? Und was will er wirklich von ihr? Schon bald begreift Fauna, dass sie erneut bestohlen wird. Die Beute? − Ihr Herz.

Wer sich Zeit für den Klappentext nimmt und nicht nur vom Cover beeinflussen lässt, der wird schnell merken, dass Tamara Schmids Weltentwurf vielversprechend klingt. Und deswegen gab ich dem Buch auch eine Chance. Diese hat es mehr als genutzt, denn die Dystopie klingt nicht nur vielversprechend, sie ist es auch! Die Autorin nimmt sich auf dem ersten Drittel der Geschichte sehr viel Zeit für die Welteinführung, was durchaus ein wenig dauert. Doch es ist auch nicht so schnell erklärt und die etwas ausschweifende Beschreibungsart hilft dem Leser, sich an Zentolia zu gewöhnen. Besonders gut hat mir die Idee gefallen! An sich ist es nichts Neues in einem Buch, wenn ein Unglück die Welt ins Chaos stürzte und ein diktatorischer Herrscher die Macht übernommen hat. Dennoch ist die Welt von „Zentolia“ etwas Besonderes und auch anders, als man vielleicht denkt. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mir die Stadt aus Stein und Metall vorzustellen. In Faunas Welt gibt es keine Pflanzen und Tiere. Denn diese waren für die grüne Pest verantwortlich, die alles zerstört hat. Deswegen hat Fauna wahnsinnige Angst vor jedem kleinen Unkraut, was wirklich interessant ist. Es ist ein ungewöhnlicher Weltentwurf, der es in sich hat. Zentolia hat eine ganz eigene Ordnung und Infrastruktur. Es gibt viele Elemente, die man aus Dystopien kennt und trotzdem hat die Autorin es geschafft, etwas ganz eigenes zu entwerfen, das ich so noch nicht kannte. Es wird beispielsweise auf viel Computertechnik verzichtet, keine Netscreens oder Pager, die das Leben begleiten – einfach nur Stein und Metall.
Trägerin der Handlung ist natürlich die Protagonistin Fauna. Es ist faszinierend, ihre anfängliche Naivität zu beobachten. Sie hinterfragt das System nicht, warum auch. Sie hat Angst vor der bösen Natur und ist vollkommen zufrieden mit dem Leben, das sie führt. Jedenfalls solange ihre Mutter und ihr bester Freund bei ihr sind. Doch genau diese beiden verschwinden am Tag der Gründungsfeier und gleichzeitig taucht der geheimnisvolle Sander auf. Natürlich sieht der geschulte Leser einen Zusammenhang, doch die genauen Umstände bleiben unklar. Fauna macht sich also auf die Suche nach ihren beiden Familienmitgliedern und muss dabei entdecken, dass es noch viel mehr gibt, als Metall und Stein.
Fauna ist eine großartige Protagonistin. Anfangs ist sie naiv und irgendwie auch ignorant. Sie ist nicht dumm, aber sie nimmt die Welt so hin, wie sie ist. Sie ist keinesfalls Anhängerin der Herrscherin Szempra, aber sie kennt ihren Platz und der ist bei ihrer Mutter. Doch Fauna entwickelt sich im Laufe des Buches. Sie wird reifer und mit einer unbekannten Welt konfrontiert. Das Großartige an ihr ist ihre abweisende und kratzbürstige Art. Sie ist pessimistisch und unfreundlich. Außerdem hält sie sich selbst nicht für eine Schönheit oder „ehrliche Haut“. Sie kennt ihre Fehler und will diese auch gar nicht verstecken. Das fand ich so erfrischend im Dschungel der immer gelciehn, immer perfekten Protagonistinnen. Fauna lässt sich von Sander beeinflussen, lernt aber erst langsam, wie es ist, sich zu verlieben. Sie wird mit so vielem Neuen konfrontiert, dass ihre Welt aus den Fugen gerät. Ich finde, dass die Autorin Fauna sehr authentisch gezeichnet hat und sie ein absolut gelungener Charakter ist! Über Ronan und Faunas Mutter kann ich wenig sagen, da sie nur eine sehr kurze Zeit vor ihrem Verschwinden mitspielen. Doch beide sind ehrliche Charaktere, die Fauna alles bedeuten. Sander hingegen bedeutet ihr anfangs gar nichts. Dass mit ihm etwas nicht stimmt, weiß man bereits, nachdem man den Klappentext gelesen hat. Mir war dieser junge Draufgänger allerdings sehr sympathisch. Er bringt die Geschichte voran und bleibt natürlich ihr Mittelpunkt. Ich mochte die Chemie zwischen Fauna und Sander, auch wenn ich das Gesamtkonzept noch besser fand. Die Liebesgeschichte zwischen ihnen kommt beinahe schon kurz. Wer auf große Knutschereien hofft, ist hier jedenfalls Fehl am Platz. Das langsame Herantasten ist aber umso schöner und ich befürchte, dass Sander sein Herz nicht zum ersten Mal verschenkt hat...
Ich habe während der Geschichte wenig nachgedacht, sondern „Zentolia“ einfach weggelesen. Und das ging mit der richtigen Zeit erstaunlich gut. Anfangs hatte ich ein paar Schwierigkeiten, ins Buch zu kommen. Aber nachdem man mit der Welt warm geworden ist, liest man das Buch so weg. Anfangs war mir auch nicht klar, ob die Suche nach Faunas Mutter und Ronan der gesamte Inhalt ist und deswegen war es manchmal wenig zielführend. Aber natürlich ist es nicht der einzige Inhalt, denn das große Ganze wird hinterfragt und diese Grundsteinänderung gelingt sehr gut. Die Geschichte hat sehr spannende Elemente, lebt aber deutlich von ihrem Entwurf und den Charakteren. Es gibt immer wieder spannende Szenen, doch bis zum Ende hin herrscht eher eine solide Grundspannung. Es gibt die Thematik der Edelsteine, die auch auf dem Cover erkennbar ist. Die habe ich noch nicht vollkommen durchschaut, denn über sie wird noch nicht viel verraten. Deswegen irritierte sie mich auch ein wenig, aber gestört hat es mich nie. Ich persönlich fand die Handlung auch nicht voraussehbar, abgesehen von ein paar Grundpfeilern. Insgesamt konnte die Geschichte mich aber immer wieder überraschen, sei es nun mit dem Untergrund, dem Schwarzmarkt oder dem Holzkästchen. Nach dem ersten Drittel hatte die Geschichte mich gefesselt und ich habe mich dabei ertappt, wie ich immer wieder mit den Gedanken nach Zentolia abdriftete. Das passiert mir auch noch viele Tage nach dem Lesen des Buches, was ich als sehr positiv bewerte. Das Ende des Buches ist relativ hektisch und abrupt, aber gelungen! Und nun bin ich einfach nur gespannt, wie es weitergehen wird, denn zum Glück wird es das. „Zentolia“ ist eine Dilogie, dessen zweites Buch aber noch nicht angekündigt wurde. Eine Schande!
Zum Schreibstil kann ich nur sagen, dass er gelungen und angemessen ist. Er trägt gekonnt zur Weltbeschreibung bei und vermittelt dem Leser einen tollen Eindruck von Zentolia. Das Buch hat auch seine Längen und seine Schwächen, doch im Nachhinein sehe ich darüber großzügig hinweg, weil mich die Geschichte doch vor allem beeindruckt hat! Das kann ich zum Cover übrigens nicht sagen. Die beiden abgebildeten Figuren haben wenig mit Sander und Fauna gemein, beziehungsweise kann ich mir beide so einfach nicht vorstellen. Das äußere und detailreiche Muster finde ich schön und die Farbe Grün passt absolut zum Buch. Aber diese Figuren?! Hm. Aber gut, man kann es nicht jedem recht machen und solange der Inhalt stimmt, kann man über ein Cover hinweg sehen.


„Zentolia – Glasglanz“ ist ein Buch mit einem so spannenden und innovativen Weltentwurf, dass allein dieser Fakt reicht, um es lesen zu sollen. Aber hinzu kommen die überaus authentischen Charaktere, allen voran Fauna. Sie hat mich mit ihrer kratzbürstigen Art für sich eingenommen und einfach in ihre Welt entführt. Die Figurenkonstellation ist ideal und der Weltentwurf großartig! Deswegen kann ich über Kleinigkeiten hinweg sehen, wie etwa ein paar Handlungslängen, die mich gestört haben. Nach diesem Buch sind noch so viele Fragen offen, dass ich das Lesen von Teil zwei kaum erwarten kann. Und weil mich die Geschichte einfach nicht loslässt und sie mir sehr gut gefallen hat, vergebe ich fünf von fünf Spitzenschuhen. Ob man die auf dem Schwarzmarkt in Zentolia auch bekäme?!


2. Juli 2018

Rezension: "Die Flammentänzerin" von Maya Shepherd



Titel: Die Flammentänzerin
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Selfpublished
Preis: 3,99€ (kindle)
Seiten: 312


Nachdem ich „Die Bärentöterin“ gelesen habe, muss ich sagen, dass die „Promise-Trilogie“ nicht die beste Reihe von Maya Shepherd ist. Allerdings hatte das Buch trotz zahlreicher Kritikpunkte etwas an sich, das mich zwang, weiterzulesen. Also besorgte ich mir die Gesamtausgabe und machte mit „Die Flammentänzerin“ weiter. Meine Sympathien den Figuren gegenüber waren weiterhin nicht vorhanden, wenn man von Arras absieht. Nea ist für mich ein relativ zickiges Mädchen, mit dem ich nicht gern befreundet wäre. Mir ist sie nur wenig sympathisch und auch die Handlung hat sich nicht wirklich gebessert. Insgesamt passiert in „Die Flammentänzerin“ nicht allzu viel und mit einigen Entwicklungen bin ich auch nicht zufrieden. Aber trotz all der negativen Punkte, schafft Maya Shepherd, etwas in diese Reihe zu legen, das ich nicht benennen kann und das mich dazu zwingt, wissen zu wollen, wie Neas Reise ausgeht.

Nea ist nur knapp dem Flammentod entkommen. Ausgerechnet Miro, ihr totgeglaubter bester Freund, hat sie gerettet. Aber er ist nicht mehr derselbe, denn er wird von den Carris als Gott des Chaos verehrt. Nea weiß nicht, ob sie ihm überhaupt noch trauen kann. Zudem gehen in der Sekte komische Dinge vor sich. Die Anhänger der Carris benehmen sich wie willenlose Zombies, die den Befehlen von Urelitas hörig sind. Zusammen mit ihren Freunden entwickelt Nea einen Plan, um sich ihre Freiheit zurück zu erkämpfen. Wird Miro dabei auf ihrer Seite stehen? Kann sie weiter auf Arras‘ Hilfe zählen?

Ich weiß nicht, wie oft ich ein Kapitel aus „Die Flammentänzerin“ beendet habe, mit dem Kopf schüttelte, tief durchatmete oder seufzte. Oft empfand ich Unverständnis gegenüber den Charakteren. Wieso kann Nea sich nicht entscheiden? Was will sie eigentlich? Und wieso verehrt jeder sie so sehr? Und trotzdem las ich zumeist direkt weiter. Denn obwohl der Spannungsmoment stark verzögert ist, ist er vorhanden. Man möchte wissen, ob Nea und ihren Freunden die Flucht gelingt, ob sie es nach Promise schaffen. Insgesamt macht die Reihe eher ihre Emotionalität aus, als spannende Handlungsmomente. Das Grundkonzept ist recht simpel. Nea ist in der Stadt der Carris und will mit ihren Freunden fliehen. Dabei spielen die Flammen aus dem Titel eine Rolle. Nea trifft auf neue Charaktere, die das Buch bereichern und die Seuche tritt wieder auf. Das Ziel bleibt weiterhin Promise – oder etwa nicht? Nea und ihre Gefühle beherrschen die Geschichte: ihre Gefühle gegenüber Miro, gegenüber Arras und gegenüber ihren Freunden, wie zum Beispiel den Zwillingen. Nea ist eine starke Persönlichkeit, die sich innerhalb der beiden Bände bereits entwickelt hat. Dennoch nervte sie mich die meiste Zeit über. Auch Miro ist für mich kein Sympathieträger. Meines Erachtens ist er unglaubwürdig und es kann einfach nicht gut gehen, wenn Nea ihm ihr Herz erneut schenkt. Ganz anders scheint das mit Arras zu sein. Der schweigende Riese ist einfach grandios. Ich kann ihn gut nachvollziehen und hoffe auf das beste Schicksal für den Hünen. Auch die Zwillinge sind sympathisch und selbst Kasia kann ich etwas abgewinnen. Insgesamt variiert Maya Shepherd mit ihren Figuren also recht gut, auch wenn die bedeutenden nicht meine Favoriten sein.
Die Geschichte selbst hätte etwas mehr Spannung verdient, denn es passiert nicht allzu viel. Nea muss sich nur immerzu über ihre Gefühle klar werden, was eine Weile dauert. Die Flucht und auch das letzte Kapitel waren spannend, aber der Weg dahin ist doch eher zäh. Nichtsdestotrotz zieht Shepherd den Leser in ihre dystopische Geschichte und schafft es, dass man wissen will, wie sie ausgeht. Die wieder auftretende Seuche ist dabei ein interessanter Handlungsfaktor, der mir gut gefiel. An anderen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr Action gewünscht.
Der Schreibstil ist angenehm, auch wenn ich finde, dass die Autorin in ihren neueren Büchern deutlich besser schreibt. Mir fehlt einfach der Zugang zu Nea und das könnte auch ein wenig am Stil liegen. Aber obwohl mir manchmal die Spannung fehlte, wollte ich oft weiterlesen, was ein Argument für den guten Stil von Maya Shepherd ist. Auf die Flashbacks aus Teil eins wird weitesgehend verzichtet, auch weil sie nicht mehr nötig sind, was mir sehr gut gefiel! Das Hier und Jetzt ist nämlich deutlich interessanter!


Insgesamt war „Die Flammentänzerin“ ungefähr das, was ich erwartet hatte und auch typisch für einen mittleren Teil ist. Die Spannung wird herausgezögert, die Geschichte entwickelt sich nur in gewissen Zügen und lässt manchmal Sympathien gegenüber den Charakteren vermissen. Arras will ich davon ausnehmen. Alles in allem sind die Figuren durch ihre Abwechslung dennoch gelungen. Ich kann noch immer nicht benennen, was mich in dieser Geschichte gefangen hält, aber da ist definitiv etwas. Und deswegen werde ich auch bald den abschließenden Teil lesen. Für Band zwei vergebe ich 3 Spitzenschuhe, die sich hoffentlich in „Die Herzenskämpferin“ vermehren.



1. Mai 2018

Rezension: "Unravel me" von Tahereh Mafi


Titel: Unravel me
Autor: Tahereh Mafi
Verlag: Harper Collins
Preis: 7,99€
Seiten: 496

Vor genau einem Jahr griff ich zum Reihenauftakt „Shatter me“ von Tahereh Mafi – auf Englisch. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich selten bis nie auf Englisch gelesen und hatte so meine Probleme mit dem Buch. Allerdings lag es auch an der Geschichte selbst. Mit der gefühlskalten und verängstigten Juliette kam ich nicht zurecht und die Handlung konnte mich kaum packen. Doch Band zwei schlummerte zu Hause im Regal und schaute mich immer wieder von der Seite an. Also gab ich dem zweiten Band „Unravel me“ eine Chance. In der Zwischenzeit habe ich ein paar wenige englische Bücher gelesen und fühlte mich in der Textsprache deutlich sicherer. Und siehe da: Band zwei gefiel mir deutlich besser. Das Buch legt einen tollen Start hin, doch der Leser muss mit Juliettes Gefühlschaos klar kommen und das ist nicht immer leicht. Die ein oder andere Wendung gefiel mir nicht, doch alles in allem ist „Unravel me“ für mich besser als sein Auftakt.

It should have taken Juliette a single touch to kill Warner. But his mysterious immunity to her deadly power has left her shaken, wondering why her ultimate defense mechanism failed against the person she most needs protection from.
She and Adam were able to escape Warner’s clutches and join up with a group of rebels, many of whom have powers of their own. Juliette will finally be able to actively fight against The Reestablishment and try to fix her broken world. And perhaps these new allies can help her shed light on the secret behind Adam’s—and Warner’s—immunity to her killer skin.


Juliette ist eine Art menschliche Waffe. Und damit musste sie in Band eins vor allem zurechtkommen. Niemand kann Juliettes Haut berühren, ohne einen elektrischen Schock zu bekommen und es besteht die Möglichkeit daran zu sterben. Was für eine Teenagerin die absolute Hölle ist, ist für das diktatorische Regierungssystem ein Segen und es will Juliette benutzen. Der wahnsinnige Warner versucht sie von seiner Seite zu überzeugen, doch Juliette gelingt mit dem Soldaten Adam die Flucht zu Omega Point – den Rebellen. Denn es gibt viele, die Fähigkeiten haben wie Juliette, nur sind die meisten nicht so tödlich. Ein weiterer wichtiger Punkt, den man vor Beginn des Lesens noch wissen wollte, ist dass es doch Menschen gibt, die Juliette berühren können. Und das sind ausgerechnet Adam und Warner. Den einen liebt Juliette, den anderen hasst sie. Oder?
Mein Gehirn musste diese ganze Vorgeschichte erst einmal wieder ausgraben, als ich „Unravel me“ begann. Ich erinnerte mich, dass mit die Liebesgeschichte zwischen Adam und Juliette gefiel und dass es da noch diesen brutalen Armeechef gab – Warner. Charaktere wie Kenji oder Castle hatte mein Gedächtnis beinahe vollkommen gestrichen. Doch zum Glück kam die Erinnerung zurück. Wie konnte ich auch einen herrlich humorvollen Charakter wie Kenji vergessen?! Der lustige Chaot sorgt für viel Witz, Ironie, aber auch Ernsthaftigkeit im Buch und hat daher eine absolute Paraderolle. Castle bleibt für mich immer ein etwas undurchschaubarer Anführertyp, mit dem Juliette durchaus Probleme hat. Adam ist der wundervolle und liebestolle Junge von nebenan, der nichts mehr will, als Juliette. Tja, und diese? Sie ist durch alles Geschehene in Band eins deutlich gereift. Oft hält sie sich noch immer für ein Monster, handelt naiv und schulmädchenhaft. Und eigentlich ist sie ja auch nur ein Mädchen, das viel zu viel Macht bekommen hat. Meiner Meinung nach entwickelt sie sich aber und beginnt vor allem, andere Menschen an sich heranzulassen. Das ist eine große emotionale Entwicklung, die mir gut gefiel. Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Adam ist anfangs feurig und rasant, doch natürlich gibt es Probleme. Und das grundsätzliche ändert sich nicht: Was, wenn Juliette die Kontrolle verliert und doch ihre Liebsten verletzt? Das ist die Frage, mit der sie sich rumquält und mit der sie viele Handlungen rechtfertigt. Sie zieht sich zurück und es brach mir das Herz. Sind Adam und Juliette wirklich zu diesem Schicksal verurteilt? Juliettes Handlungen gefielen mir oft nicht, aber dennoch wohnt ihnen eine Grundspannung inne, die das Buch abwechslungsreich machen. Das Ziel scheint klar zu sein: Gegen das Reestablishment kämpfen. Und das haben Juliette und ihre Freunde vor. Sie stellen sich dem Chef, Andersen, entgegen, doch verläuft nichts, wie geplant. Und plötzlich steht Warner wieder im Mittelpunkt der Handlung. Warner war für mich immer das allerunsympathischste Charakter. Er tötet brutal, Gefühle anderer sind ihm egal, seine eigenen Interessen sind entscheidend. Und er hat sich in Juliette verliebt. Zwei Monster passen gut zusammen? Das scheint einer von Juliettes Gedankengängen zu sein, denn zwischen den beiden entsteht ebenfalls eine prickelnde Geschichte, die ich kaum ertragen habe.
Intrigen, Gefühlschaos und Tod sind zentrale Themen von „Unravel me“. Alles ist verworren und sollte tatsächlich „entwirrt“ werden. Es ist ein ständiges Hin und Her für den Leser. Doch unspannend ist die Geschichte keinesfalls. 
Ich finde den Stil von Tahereh Mafi ungewöhnlich. Im ersten Teil dachte ich noch, es würde an meiner mangelnden Erfahrung auf Englisch liegen, doch das ist nicht der Fall. Die Autorin liebt kurze und abgehackte Sätze. Sie mag Ellipsen, also Sätze, die unvollständig sind. Sie schreibt bildlich und wiederholt viele Worte, wenn sie das Geschehen unterstreichen sollen, wie etwa „I blink blink blink“ usw. Man erlebt durch ihren Stil Juliettes Innenleben gut und sehr emotional mit. Toll sind auch die durchgestrichenen Sätze im Buch. Dinge, die Juliette weiß und denkt, aber vor niemandem zugeben wollen würde. Verständlicherweise. Dieser Stil ist außergewöhnlich und irgendwie ein bisschen roh. Die Sprache ist leicht verständlich, ich brauchte dennoch den ersten Band, um mich an den gesamten Stil zu gewöhnen.
Die Figuren sind alles in allem gelungen, auch wenn mir zu manchen der Zugang fehlt. Mit Juliettes Entwicklung bin ich durchaus zufrieden, doch viele Wendungen, die sie hervorruft, gefallen mir nicht. Sie entscheidet sich meiner Meinung nach oft falsch, was zu einem ganz furchtbaren Ende des Buches führt. Der Anfang ist rasant, unmittelbar und toll. Das Ende ist einfach zum Kopfschütteln. In nächster Zeit habe ich nicht vor, den Finalband zu lesen, da mich Juliettes Handeln einfach so nervt. Allerdings scheint sie am Ende sehr stark zu sein. Ich weiß nicht, wie das Ganze enden soll, aber ich habe ein schlechtes Gefühl…


„Unravel me“ ist genauso verworren, wie der Titel vermuten lässt. Es gibt eine erstarkte Protagonistin, die mit ihren eigenen Gefühlen aber sehr zu kämpfen hat und sie deswegen oft falsch entscheidet. Das endet im Chaos und lässt nichts Gutes für „Ignite me“ vermuten. Die Figuren sind in Band zwei gut gelungen und ausgearbeiteter, als noch in Band eins. Zu einigen fehlte mir dennoch der Zugang. Lieblinge wie Kenji und Adam habe ich trotzdem und sie machen das Buch lesenswert. Der Stil von Tahereh Mafi ist außergewöhnlich, was mich wirklich beeindruckt hat. Insgesamt vergebe ich 4 Spitzenschuhen für das angerichtete Chaos.



26. Februar 2018

Rezension: "Der letzte Stern" von Rick Yancey


Titel: Der letzte Stern
Autor: Rick Yancey
Verlag: Goldmann
Preis: 9,99€
Seiten: 384


Nachdem ich „Die 5. Welle“ im Kino gesehen hatte, griff ich zum Buch. Der Film hatte mich so neugierig gemacht, dass ich dringend herausfinden musste, ob das Buch auch so gut ist. Und nachdem ich diese These bejahen konnte, musste ich natürlich wissen, wie es weitergeht. Leider ließ ich mir dabei aber Zeit. Ich las „Das unendliche Meer“ und fand das Buch verwirrend, aber mitreißend – kompliziert, aber großartig. Mein Fehler? Sich mit dem Lesen des Finals erneut Zeit lassen. Denn Rick Yancey hat eine kuriose, komplizierte und verworrene Geschichte geschrieben, in der man unbedingt drin sein muss, um sie zu verstehen. Nur mit all den kleinen Informationen kann man das große Ganze entwirren. Fehlen einem aber die Informationen, wird es schwer. Doch obwohl ich zu viel vergessen hatte, war das Buch merkwürdig und phänomenal zugleich. Es hat mich wahnsinnig mitgenommen – durch seine Brutalität, seine Liebe, seine Emotionen. Ich kann diese Reihe nur empfehlen und suche dringend jemanden, mit dem ich über sie diskutieren kann.

Sie kamen, um uns zu vernichten: die 'Anderen', eine fremde feindliche Macht. Vier Wellen der Zerstörung haben sie bereits über die Erde gebracht. Sie töteten unzählige Menschen, zerstörten Häuser und Städte, verwüsteten ganze Landstriche. Sie verbreiteten ein tödliches Virus und schickten gefährliche Silencer, um jedes noch lebende Wesen aufzuspüren. Jetzt ist die Zeit der fünften Welle gekommen, die Vollendung ihres Plans, alles Menschliche auszurotten. Doch noch gibt es Überlebende: Cassie, Ben und Evan werden weiterkämpfen. Sie wollen die Menschheit nicht aufgeben. Und wenn sie sich selbst dafür opfern müssen ...

Vor dem Lesen musste ich erst einmal wieder in die Welt von Cassie und Co. eintauchen, damit ich überhaupt wieder wusste, wie „Das unendliche Meer“ endet. „Der letzte Stern“ schließt nahtlos an seinen Vorgänger an und man hätte durchaus in einem Rutsch weiter lesen können. Vielleicht auch sollen. Denn ich wusste zum Beispiel nicht einmal mehr, wer Razor ist. Ist er tot? Wo ist Ringer? Was war mit ihr geschehen? Denn schließlich ist sie es, die sich in Band zwei zur zweiten Protagonistin mausert. Insgesamt verschiebt Yancey sein Handlungskonstrukt. Was mit einer ganz normalen Dystopie begann, in der ein Mädchen im Mittelpunkt steht, wird zu einem Weltzerstörungsszenario mit wechselnden Protagonisten und sehr viel ernsterem Kern. Es handelt sich bei dieser Reihe nicht um das klischeehafte Jugendbuch – es ist viel mehr. Und das liegt vor allem am Stil des Autors. Rick Yancey hat sich eine fantastische und unglaublich komplizierte Geschichte ausgedacht. Allein das ist bemerkenswert, doch er beweist wahnsinniges Gespür für seine Charaktere und noch viel mehr für seinen Ausdruck. Es gibt so viele tolle Stellen in „Der letzte Stern“, die zitierungsfähig sind! Es gibt so schöne, ja sogar poetisch Stellen! Ringer ist eine so intelligente Person und ihr Denken so radikal, dass ich allein mit ihren Zitaten Seiten füllen könnte. Yancey erfasst den menschlichen Kern ausgesprochen gut. Man kann sich in den Aussagen wieder finden, man glaubt sie. Denn würde man in diesem Szenario leben müssen, würde uns allen bewusst werden, was uns Menschen wirklich ausmacht: Vertrauen, Zusammenarbeit und Liebe. Und das sind Dinge, die „die Anderen“ der Menschheit nehmen wollen. Doch zum Glück hat Yancey für genau die richtigen Charaktere gesorgt. 
Ich war schon immer ein riesiger Fan von Cassie. Das Motiv der großen Schwester, die den Teddy ihren Bruders durch die halbe Welt trägt, ist einfach großartig! Insgesamt spart Yancey übrigens nicht an Symbolen, was mir persönlich sehr gefällt. Cassie opfert sich für Samy auf und dieser ist gar nicht mehr der kleine Junge: Er ist Soldat. Sam ist ein erstaunlicher Charakter. Ich wusste nie, ob ich ihn mögen soll oder nicht. Doch er tat mir leid, ich habe ihn bewundert. Ohne ihn würde „Der letzte Stern“ nicht funktionieren. Und das lässt sich von allen wichtigen Charakteren sagen: Zombie, Ringer, Evan. Zombie ist eigentlich ein einfacher Junge, aber seine Entwicklung ist radikal und meiner Meinung nach positiv. Ringer ist keine Sympathieträgerin. Sie ist das Mädchen, das niemals lächelt. Und doch weiß sie zu kämpfen. Es sei dahin gestellt, ob man die Charaktere dieser Geschichte wirklich mögen muss oder vielleicht sogar kann. Aber sie machen diese Geschichte so einzigartig. Evan ist einer meiner persönlichen Lieblinge, doch leider kommt er etwas kurz. Mein Herz brach, als sein Urteil gefällt wird. Und noch mehr brach es, als das Buch sich seinem Finale näherte. Denn wie der Klappentext schon sagt: Die Figuren würden alles für ihre Welt tun, auch wenn sie sich für diese opfern müssten. Ich finde das Ende so mutig und passend. Es gibt nicht einen Satz in diesem Buch, den ich dem Autor nicht geglaubt habe. Rick Yancey schreibt seine Geschichte nämlich authentisch – und wie. So abgedreht der Weltentwurf auch ist, so viel Wahrheit steckt in der Geschichte, so viel Intelligenz.
Und doch habe ich Kritik: Denn es werden nicht annähernd alle Fragen beantwortet. Vielleicht liegt das auch mit daran, dass ich selbst viele Informationen vergessen habe. Aber am Ende des Buches war ich wirklich verwirrt. Wer ist Vosch wirklich? Was ist seine Aufgabe? Und was soll uns die Geschichte vermitteln? Mir hat sie vor Augen geführt, wie wichtig Vertrauen für uns Menschen ist, die Zweisamkeit, die Liebe. Denn dafür steht Cassie! Ich habe mir ein vollkommen anderes Ende erwünscht, aber ich bin dennoch damit zufrieden. Denn Yancey bleibt seiner Idee und seinen Figuren treu. 
Hinzu kommt, dass der Leser nie weiß, was als nächstes passiert. „Der letzte Stern“ ist eine spannende Angelegenheit. Und durch den Stil wird es noch spannender. Denn inzwischen gibt es so viele verschiedene Perspektiven, so viele Stellen, an denen erzählt wird. Man bekommt Einblicke ist Zombies, Cassies und Ringers Innenleben, aber genauso auch in das von Sam, von Evan, von Silencern…ja von den 7 Milliarden Opfern…Der Stil ist einfach spannend und so auch die Handlung. 
Als letztes muss ich noch sagen, dass auch die Aufmachung des Buches sehr schön ist. Der Glanzeffekt des Covers passt toll zur Geschichte, ebenso wie die innere Gestaltung. 



„Der letzte Stern“ beantwortet zwar nicht annähernd alle Fragen, die der Leser im Laufe der Reihe gesammelt hat, aber er sorgt dennoch für Klarheit. Und vor allem sorgt er für ein authentisches Ende voller Selbstaufopferung, Vertrauen und Liebe. Meiner Meinung nach lenkt Rick Yancey durch diese Reihe unseren Blick wieder auf das Wesentliche, darauf, was uns Menschen ausmacht. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, diese Reise anzutreten, auch wenn ich dafür Brutalität in Kauf nehmen musste. Das Buch und seine Handlung mögen roh erscheinen, aber sie sind so echt verfasst, dass man mitfühlen muss. Bei mir rief „Der letzte Stern“ die ganz großen Emotionen hervor und deswegen vergebe ich volle fünf Spitzenschuhe. Das Buch hinterlässt Fragezeichen, aber auch ein unglaubliches Leseerlebnis.