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8. Mai 2024

Rezension [Hörbuch]: "Pretty Scandalous - Heißer als Rache" von Tami Fisher

 


Titel: Pretty Scandalous - Heißer als Rache
Autorin: Tami Fisher
Sprecherin: Rebecca Veil
Verlag: der Hörverlag
Preis: 29,95€
Seiten: 608
Dauer: 17h 53m

Ich bin ein bekennender „Gossip Girl“-Fan. Es war also kein Wunder, dass ich sofort aufhorchte, als ich von der „Pretty Scandalous“-Reihe hörte. High Society? Rache? Skandale? Her damit! Und so griff ich zum Hörbuch des Reihenauftaktes von Tami Fisher. Eines kann ich sagen: Das Buch hat es in sich. Nach und nach zog die Geschichte mich in ihren Bann. Mit Sarah zusammen versank ich immer tiefer in den Intrigen und wollte eigentlich nur eines nicht: Dass das Buch zu Ende ist!

Sarahs Welt bricht zusammen, als ihre Zwillingsschwester nach einem Jahr Funkstille verängstigt und mit blauen Flecken übersät wieder auftaucht. Payton wollte sich an der Columbia University in New York ihren Traum vom Architekturstudium erfüllen, doch ausgerechnet ihre elitären neuen Freunde haben sie zugrunde gerichtet. Wutentbrannt beschließt Sarah, sich als Payton auszugeben, um den verwöhnten High-Society-Zöglingen das Handwerk zu legen. Doch in New York angekommen, häufen sich die Skandale und Geheimnisse. Und dann stolpert Sarah auch noch dem attraktiven Monroe in die Arme – und dessen Lächeln könnte weitaus mehr gefährden als nur ihre Rachepläne …

Dass man Gossip Girl-Vibes bekommt, nachdem man den Klappentext gelesen hat, liegt wohl auf der Hand. Die glitzernde Welt der High Society übt einfach einen sehr anziehenden Charakter auf die normale Bevölkerung aus – und zu der zähle ich mich auch. Die teuren Kleider und Schuhe, das viele Geld und die abgründigen Charaktere weckten definitiv meine Neugier. Und deswegen wollte ich „Pretty Scandalous – Heißer als Rache“ unbedingt hören.
Da gleich zu Beginn eine Triggerwarnung steht, war ich etwas skeptisch. Tatsächlich habe ich mir die einzelnen Themen vorher nicht angehört, um mich nicht selbst zu spoilern. Die Warnung ist aber auf jeden Fall sinnvoll, da es bestimmt Menschen gibt, die mit vielen Inhalten der Reihe nicht zurechtkommen. Vielleicht bin ich schon abgestumpft, aber (sexuelle) Gewalt, Drogenmissbrauch oder Depressionen sind Themen, mit denen ich bei einem solchen Klappentext schon fast rechne. Nichtsdestotrotz sollte man sich vorher überlegen, ob man Bücher mit diesem Inhalt lesen/hören möchte. Ich wollte es. Und ich habe es keine Sekunde lang bereut.
„Pretty Scandalous“ braucht eine Weile, um sich aufzubauen. Die Autorin nimmt sich Zeit, in die Handlung und deren Figuren einzuführen. Man lernt Sarah und ihre beste Freundin Laurel kennen. Sarahs Familie spielt eine Rolle, die Verhältnisse, in denen sie lebt und auch ihre Vergangenheit. Und erst dann kommt es zu ihrer Zwillingsschwester Payton. Bis man als Hörer an der Stelle angekommen ist, an der die Zwillinge ihre Rollen tauschen, dauert es eine ganze Weile. Aber obwohl der Aufbau sich etwas zieht, wird die Geschichte nicht langweilig. Man lernt Sarahs Charakter gut kennen und versteht ihre Beweggründe. Ich muss allerdings sagen, dass ich auch nach über siebzehn Stunden des Hörens nicht genau weiß, ob ich Sarah (oder Payton) eigentlich mag. Denn beide haben auch sehr spezielle Charaktereigenschaften. Während man die Geschichte vor allem aus Sarahs Perspektive wahrnimmt, bleibt ihre Schwester das große Mysterium. Und da reicht auch der erste Band der Trilogie nicht, um all ihre Geheimnisse ans Tageslicht zu bringen.
Sarah übernimmt den Platz ihrer Schwester in New York und legt sich mit der alten Clique ihrer Schwester an, deren Mitglieder allesamt im Geld schwimmen. Aber Payton scheinbar auch. Wie kann das sein? Wer bezahlt die Wohnung? Was ist ihr wirklich passiert? Die Fragen, die der Hörer sich stellen muss, häufen sich schnell. Aber so bleibt die Geschichte spannend. Sie wird um die Figur Monroe erweitert, in den Sarah sich – als Payton – verliebt. Zusammen haben die beiden einige heiße Szenen, die auch explizit beschrieben werden. Meines Erachtens passen sie zur Geschichte und werden auch nicht unangenehm, nicht mal in der Hörbuchversion.
Insgesamt gibt es viele Figuren, die eine Rolle spielen. Da wären Paytons Exfreund Donavan, seine Schwester Holland, sein bester Freund Peter und eine ganze Menge fiese Mädchen. Sarah weiß nicht, wem sie trauen kann. Kann sie überhaupt jemandem trauen?
Die Geschichte verfolgt durchaus ein Ziel, auch wenn gerade zu Ende hin deutlich wird, dass der Reihenauftakt eher ein Aperitif ist, der Lust auf mehr machen soll. Denn vor allem das letzte Kapitel ist ein absoluter Cliffhanger. Das Buch ist voller Skandale, hinterhältiger Intrigen und vielen tiefgreifenden und ernstzunehmenden Problemen. Es beinhaltet aber auch Freundschaft und Liebe – nicht nur die große Liebe, sondern auch jene unter Geschwistern. Thematisch betrachtet hat „Pretty Scandalous“ also eine ganze Menge zu bieten.
Die Figuren sind gut ausgearbeitet und handeln sehr authentisch. Auch sie tragen ihren Teil dazu bei, dass es spannend bleibt. Vor allem Payton und Monroe hinterließen bei mir viele Fragezeichen.
Der Stil von Tami Fisher ist wirklich gut. Ich hatte die Skyline von New York immer vor Augen, ihre Beschreibungen sind toll und bildreich. Der dialoghafte Charakter der Geschichte gefiel mir gut und insgesamt fühlte ich mich sehr wohl in Fishers Welt. Die Sprecherin Rebecca Veil macht ihren Job grandios. Ihre Stimme WAR Sarah für mich. Sie liest toll und betont super. Ich habe ihr jedes Wort geglaubt.

„Pretty Scandalous – Heißer als Rache“ bietet genau das, was der Titel schon verspricht. Es wird skandalös, es wird heiß und die Protagonistin ist in einer glitzernden Welt der High Society auf Rache aus. Es kann also nur spannend werden. Mir hat das Hörbuch wahnsinnig gut gefallen und ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil. Ich vergebe daher natürlich fünf Sterne.



5. Januar 2024

Rezension [Hörbuch]: "The Brothers Hawthorne - Ein Hawthorne riskiert absolut jedes Spiel"


Titel: The Brothers Hawthorne - Ein Hawthorne riskiert absolut jedes Spiel
Autorin: Jennifer Lynn Barnes
Sprecher: Max Felder
Verlag: Der Hörverlag
Dauer: 14h 1min
Preis: 25,95€

 

„The Brothers Hawthorne“ ist eine Art Spin-Off Reihe zur Trilogie „The Inheritance Games“. Ich bin eigentlich ein ziemlich gutes Beispiel, um zu sehen, ob es funktioniert, das Spin Off zu verstehen, ohne die Vorgänger gelesen zu haben. Denn tatsächlich hatte ich von „The Inheritance Games“ noch überhaupt nichts gehört, als ich „Ein Hawthorne riskiert absolut jedes Spiel“ zu hören begann. Kann man der Geschichte auch ohne Vorwissen folgen? Gibt es viele Lücken? Bleibt es spannend?
Auf alle drei Fragen kann ich wohl mit „ja“ antworten!

Grayson Hawthorne ist als Kronprinz des milliardenschweren Familienunternehmens herangewachsen, doch der Patriarch ist verstorben, die Familie enterbt, das Vermögen dahin. Und so hat er es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Schaden von Avery, der Erbin, fernzuhalten. Als Ermittlungen zum Tod seines Vaters aufgenommen werden, bringt sie das allerdings in höchste Gefahr. Jameson Hawthorne ist abenteuerlustig und eine echte Spielernatur. Als sich plötzlich sein verschollener Vater bei ihm meldet und einen riskanten Gefallen erbittet, kann Jameson nicht widerstehen. Beide Hawthorne-Nachkommen werden vor schier unlösbare Aufgaben gestellt, doch an ihrer Seite stehen dabei ihre Brüder und Avery.

Ich muss zugeben, dass mir nicht bewusst war, dass ich einen vierten Teil einer Reihe als mein neues Hörbuch begann. Das wurde aber dann doch recht schnell klar. Dass es sich um eine Spin-Off-Reihe handelt, habe ich ebenfalls erst später erfahren. Von einem Spin-Off erwarte ich, dass man es auch ohne Vorkenntnisse lesen kann. Geht das denn im Falle der Brüder Hawthorne?
Der Einstieg zumindest fällt schwer. Als Hörerin war mir schnell klar, dass ich in eine Welt eingetaucht bin, die ich besser kennen sollte, als ich es tat. Nichtsdestotrotz bekommt der Hörer genügend Informationen, um der Geschichte folgen zu können. Oft hatte ich Fragen und ehrlich gesagt weiß ich bis jetzt nicht, ob man die auch hat, wenn man „The Inheritance Games“ kennt. Es gibt einige Andeutungen, die man vielleicht versteht, wenn man die drei vorherigen Bücher kennt. Vielleicht. Vielleicht eben auch nicht. So ist man als Hörer natürlich etwas ratlos und manchmal auch böse auf die Geschichte, dass sie einen mit so vielen Lücken zurück lässt. Trotzdem kann man beiden Handlungssträngen ohne Probleme folgen. Und wahrscheinlich ist es auch einfach ein guter Marketingtrick. Will man mehr wissen, muss man eben die drei vorigen Bücher kaufen.
Es gibt zwei Handlungsstränge, da zwei der vier Hawthorne-Brüder im Mittelpunkt stehen und beide völlig verschiedene Dinge in ihrem Leben verfolgen. Da ist zum einen der vernünftige und reservierte Grayson, der seinen Stiefschwestern helfen will. Doch die Zwillinge wissen nichts von Graysons Existenz oder den Dingen, die ihrem Vater widerfahren sind. Und das muss so bleiben, wenn es nach Grayson geht. Der andere Handlungsstrang beschäftigt sich mit Jameson und auch Avery. Jameson ist ein eher impulsiver Kerl, dessen Selbstwertgefühl im Vergleich zu seinen Brüdern durchaus leidet. Er will sich beweisen und kann dies nur mithilfe von gefährlichen Spielen. In dieser Geschichte führt ihn sein Vater in ein solches Spiel und es beginnt eine spannende Rätselreise an deren Ende vielleicht das ersehnte Selbstwertgefühl wartet.
So viel zum Plot. Das Buch handelt immer abwechselnd von Jameson oder Grayson. Der jeweils andere wird durchaus mal erwähnt, spielt aber in der Geschichte dann keine Rolle. Die Autorin hat es ziemlich gut hinbekommen, immer an den spannendsten Stellen den Perspektivwechsel zu vollziehen und die Geschichte anzuhalten. So bleibt es definitiv immer spannend und man will wissen, wie es weitergeht. Ich fand die Geschichte von Grayson grundsätzlich etwas interessanter. Das änderte sich aber immer dann, wenn Jamesons Kapitel dran waren und so weiter. Man kann sich zwischen beiden Brüdern also kaum entscheiden. Aber da sind ja noch zwei Hawthornes mehr. Nash und Xander spielen leider eine sehr untergeordnete Rolle. Dabei fand ich gerade Xander ziemlich beeindruckend und hätte gern mehr über ihn erfahren. Der älteste und jüngste Hawthorne Bruder helfen ihren Geschwistern, sind aber eben nur Nebenfiguren. Auch die Erbin Avery war für mich eher eine Randfigur, auch wenn sie eigentlich eine große Rolle spielt. Insgesamt gibt es ziemlich viele Charaktere, die ich hier nicht alle aufzählen kann. Aber obwohl es in Hörbüchern immer etwas schwieriger ist zu folgen, wenn es viele Figuren gibt, gelingt das hier sehr gut. Denn jede einzelne von ihnen, die irgendwie wichtig ist, wird ausreichend eingeführt und man erinnert sich an alle Namen. Wie zu Beginn erwähnt, glaube ich, dass manche Figuren deutlich weniger farblos wären, würde man die Vorgänger kennen. Zum Beispiel hat sich mir Evie nicht wirklich erschlossen. Aber gut.
Das Buch ist gut geschrieben und der Sprecher Max Felder liest richtig gut. Er hat ein gutes Gespür für die beiden Brüder, die im Vordergrund stehen und verleiht ihnen Tiefe.
Um auf meine einleitenden Fragen zurückzukommen: Man kann der Geschichte auch ohne Vorwissen folgen und es bleibt definitiv immer spannend. Allerdings finde ich schon, dass das Buch durchaus seine Längen hat. Lücken gibt es tatsächlich ein paar und diese werden auch nicht gefüllt. Notwendig um die Geschichte zu verstehen, ist es allerdings auch nicht. Was mir übrigens sehr gut gefallen hat, waren die kurzen Flashbacks aus der Kindheit der Jungs. So bekommen die Charaktere noch viel mehr Details und deswegen haben sich alle vier auch in mein Herz geschlichen.

Insgesamt ist „The Brothers Hawthorne – Ein Hawthorne riskiert absolut jedes Spiel“ ein spannendes Hörbuch, das viele tolle Charaktere besitzt und deren Handlung wirklich spannend ist. Grayson und Jameson sind wunderbare Protagonisten, die risikobereit, aber loyal sind und denen man deswegen gern folgt. Kennt man die Vorgängerreihe nicht, gibt es durchaus Lücken, die man nicht füllen kann. Lässt man sich aber darauf ein, reichen die Informationen aus diesem Buch allein vollkommen. Es gibt viele Geheimnisse und noch mehr Rätsel und genau das macht dieses Hörbuch spannend. Trotzdem hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle Aufklärung gewünscht und hätte auf andere Längen gern verzichtet. Ich habe das Hörbuch sehr gern gehört und vergebe deswegen vier Sterne.




2. August 2018

Rezension: "Pompeji" von Robert Harris



Titel: Pompeji
Autor: Robert Harris
Verlag: Heyne
Preis: 9,99€
Seiten: 384


Ich habe mein Studienfach mit Leidenschaft gewählt und heute unterrichte ich Geschichte mit derselben. Besonders angetan hat es mir das Zeitalter der sogenannten „Alten Geschichte“, unter das auch die Themen Griechenland und Rom fallen. Beide Themen habe ich im letzten Jahr unterrichtet und ich habe mich selbst dabei ertappt, dass es auch Bücher auf meine Freizeitleseliste geschafft haben, die in genau dieser Zeit spielen. Das Schuljahr ist vorbei, der Sommer kam und ich las lauter heiterer Liebes- und mystischer Fantasiegeschichten. Und dann hatte ich Lust auf etwas Ernstes. Auf meinem Reader fand ich „Pompeji“ von Robert Harris. Ich liebe viele seiner Bücher, denn die Mischung aus Thrill und History gelingt ihm meist sehr gut. Pompeji ist ein wahnsinnig interessantes Thema und deswegen ging ich mit viel Freude an das Buch. Was sehr zäh begann, steigerte sich stark und wurde letztendlich zu einer spannenden Lektüre. „Pompeji“ ist eine Schnitzeljagd, von der jeder im Vorhinein weiß, wie das Unglück ausgehen muss! Und so entsteht ein wirklich spannendes Buch mit antikem Zeitgeist.

Pompeji, 79 n. Chr., reichste Stadt der römischen Weltmacht, Oase der Schönen und Mächtigen: Der junge Wasserbaumeister Attilius kommt einer skrupellosen Verschwörung auf die Spur, doch seine Nachforschungen werden überschattet von den unheimlichen Vorzeichen einer drohenden Apokalypse.

Wer sich für das Unglück von Pompeji oder das Römische Reich interessiert, ist bei diesem Buch genau richtig! Robert Harris ist ein wirklich begabter Autor, der die historischen Themen immer mit Thrillelementen und Intrigen mischt. Aus diesen Mischungen werden sehr spannende Angelegenheiten, auch für Nichthistoriker. Wer aber gar kein Interesse an der Zeit um die Geburt Christi hat, kann mit diesem Buch wahrscheinlich nicht viel anfangen. Zu wichtig ist die historische Verortung, das System, das Leben der Menschen. All diese Dinge spielen in „Pompeji“ eine Rolle und würzen die Geschichte. Interessant ist an diesem Roman natürlich, dass jeder weiß, was an seinem Ende stehen muss. Denn der Vesuv ist 79 n. Chr. ausgebrochen und hat tausende von Menschen getötet. (Übrigens ein Szenario, das sich in Zukunft wieder ereignen wird, denn der Vesuv ist noch immer aktiv und wird eines Tages wieder ausbrechen. Das so nebenbei.) Das Ende steht also fest, warum sollte man das Buch dann noch lesen? Eine gute Frage, die ich nur schwer beantworten kann. Doch für mich war es aufgrund des bekannten Endes umso spannender, die Geschichte zu lesen. Das Unausweichliche würde geschehen, aber was würde mit den Figuren geschehen? Was wird bis dahin herausgefunden? Überlebt doch jemand? Das Buch ist ein Wettlauf mit der Zeit, nur dass die Charaktere nicht wissen, dass ihre Zeit abläuft. Der Leser ist ihnen somit überlegen, was ein faszinierendes Gefühl ist. Dieses Gefühl kennt man oft aus historischen Romanen, doch Harris schafft es wirklich den Leser in seinen Bann zu ziehen. 
Der Anfang des Buches ist beinahe schon dröge. Ich musste mich sehr an den Stil gewöhnen, der natürlich viel mit dem Zeitalter zu tun hat. Der Autor trifft einen authentischen Stil und Ton. Obwohl das Römische Reich so glorreich war, herrschten zum Teil schreckliche Verhältnisse und derbe Tonarten. Beides fängt Harris sehr gut ein. Lediglich bei den Sexualpraktiken war ich ein wenig abgeschreckt, will aber nicht in Abrede stellen, dass es durchaus so gewesen sein kann. Manchmal sind das Verhalten und der Ton der Figuren ekelerregend und widerlich. Aber all das macht das Buch auch authentisch. Insgesamt wird das Gesellschaftssystem wahnsinnig gut eingefangen! Meines Erachtens hat Harris sehr gut recherchiert und mir fielen keine historischen Fehler auf. Sicher hat er sich künstlerische Freiheiten erlaubt und auch was die Vulkanforschung angeht, habe ich keine Ahnung, ob alles so abgelaufen sein kann, aber es gibt nichts, das den Leser aus dem Lesefluss bringt. 
Das Thema der Vulkane ist beinahe schon das faszinierendste am ganzen Buch. Nach dem Lesen des Romans musste ich mir erst einmal eine Dokumentation über den Ausbruch 79 n. Chr. anschauen, weil ich vom ganzen Thema so fasziniert war. Jedem Kapitel ist ein kurzer Text vorgestellt, der meistens aus der Vulkanforschung stammt. Er stellt die Veränderungen und Entwicklungen eines Vulkans dar, was zumeist auch im kommenden Kapitel beobachtet werden kann. So mischt der Autor Wissenschaft mit Fiktion sehr gut und weckt im Leser ein Interesse gegenüber der Vulkanologie. Denn diese Naturkatastrophe steht wahrlich im Fokus. Der Vesuv thront über allem und sein Ausbruch ist nicht zu verhindern, ja für die Figuren nicht einmal zu erahnen. Außer für einen? 
Die Handlung beschäftigt sich mit dem jungen Aquarius Attilius. Er wurde nur zwei Tage vor Ausbruch des Vesuvs nach Pompeji als neuer Wassermeister geschickt. Er kümmert sich um die Aqua Augusta, das lange Aquädukt also, das Pompeji versorgt. Er bemerkt Anzeichen dafür, dass das Aquädukt beschädigt sein muss und geht der Sache auf den Grund. Dabei gerät er in die Fänge der Oberschicht, denn Wasser ist ein Luxusgut und somit ein Geschäftsmittel. Er lernt die reichste Familie Pompejis kennen und verliebt sich in die Tochter des Hauses, Corelia. Doch Corelias Vater hat ganz andere Pläne und hat es auf den jungen Aquarius abgesehen. Dieser entdeckt im Laufe des Buches immer mehr Hinweise, dass der große Berg bald für ein Unglück verantwortlich sein wird. Und richtig, der Vesuv bricht aus. Doch damit endet das Buch nicht etwa, wie man erwarten könnte. Der Ausbruch wird sehr authentisch geschildert. Hier hat Harris eine Menge recherchiert und den Ausbruch den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Denn tatsächlich wurden die Menschen in Pompeji erst über 18 Stunden nach dem Ausbruch von einem pyroklastischen Strom getötet. Bis dahin bleibt also eine ganze Menge Zeit für das Buch, seine Handlung weiter zu führen. Insgesamt spielt es schließlich nur über drei Tage, da sind 18 Stunden schon eine ganze Menge. Attilius stellt sich der Natur, denn der Tod scheint unausweichlich und kehrt zurück nach Pompeji. Mit dem Ende des Buches kann der Autor nicht mehr viele überraschen. Und trotzdem schafft er eine kleine Wende, mit der ich nicht gerechnet hatte, die durchaus auf Logik beruht. Dennoch sind Tod und Zerstörung zentrale Themen im Buch. Ebenfalls präsent sind die ganze Zeit über antike Intrigen, aber auch zarte Liebesgefühle. Mich hat das Buch mit seinen Themen und seinem bekannten Ende sehr fasziniert. Der Autor hat interessante Figuren in dieses Szenario geschickt, die die Geschichte lesenswert machen. Die Namen sind nicht immer ganz einfach voneinander zu unterscheiden und die Erzählsicht wechselt sich oft, da immer verschiedene Figuren betrachtet werden. So wird das Buch manchmal sprunghaft und man muss den Überblick behalten. Gelingt dies aber, ist das Lesen ein Genuss, der nebenbei noch ein bisschen Bildung bietet. Die Figuren sind sehr verschieden und bilden einen Querschnitt der römischen Gesellschaft dar. Es gibt keine richtigen Identifikationsfiguren oder Helden, aber Attilius ist sehr sympathisch. Mir haben die Charaktere gut gefallen, Robert Harris hat allerdings das Geschehen in den Fokus gestellt. 

Das Unglück der Stadt Pompeji ist weltweit bekannt. Robert Harris hat dieses Schicksal zum Anlass genommen ein sehr spannendes historisches Buch mit Thrillelementen zu schreiben, das dem interessierten Leser ein wahrer Genuss wird. „Pompeji“ ist spannend und authentisch. Die Figuren passen hervorragend ins Zeitalter und stecken alle in verschiedenen Intrigen. Mich hat das Buch mit all seiner Thematik wahnsinnig fasziniert und ich habe viel aus ihm mitgenommen. Trotz aller historischer Richtigkeit muss man auch die fiktiven Motive im Auge behalten, doch so oder so bleibt dieses Buch großartig. Ich vergebe fünf volle Spitzenschuhe, auch wenn diese den Ausbruch wohl nie überstanden hätten.



13. März 2017

Rezension: "Paper Princess" von Erin Watt


Titel: Paper Princess - Die Versuchung
Autor: Erin Watt
Verlag: Piper
Preis: 12,99€
Seiten: 384

Viel zu oft schaue ich in letzter Zeit auf die Seitenzahl von Büchern und denke mir: „Puh, noch 200 Seiten…“ Das ist natürlich nicht der Sinn vom Lesen, aber manchmal kann man sich nicht wehren. Was man jetzt braucht, ist ein Buch, das einen begeistert, bei dem man nicht aufhören kann zu lesen. Und so ein Buch ist „Paper Princess“ von Erin Watt! Anfangs gefielen mir einfach nur das Cover und der Klappentext. Aber dann verlor ich mich innerhalb der ersten Kapitel in der Geschichte. Die Protagonistin Ella begeisterte mich und die Royals ruinierten mich…Denn ich lechze nach der Fortsetzung! Drama, Familie, Emotionen, Kribbeln und Spannung – all das vereint „Paper Princess – Die Versuchung“. Also lasst euch mitreißen und taucht ein in die Welt der Royals. Es lohnt sich so sehr!

Klappentext


Sie sind reich, sie sind mächtig und verdammt heiß! Kannst Du ihnen widerstehen?
Ellas Leben war bisher alles andere als leicht, und als ihre Mutter stirbt, muss sie sich auch noch ganz alleine durchschlagen. Bis ein Fremder auftaucht und behauptet, ihr Vormund zu sein: der Milliardär Callum Royal. Aus ihrem ärmlichen Leben kommt Ella in eine Welt voller Luxus. Doch bald merkt sie, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt. Callums fünf Söhne – einer schöner als der andere – verheimlichen etwas und behandeln Ella wie einen Eindringling. Und ausgerechnet der attraktivste von allen, Reed Royal, ist besonders gemein zu ihr. Trotzdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen, denn es knistert gewaltig zwischen ihnen. Und Ella ist klar: Wenn sie ihre Zeit bei den Royals überleben will, muss sie ihre eigenen Regeln aufstellen …

Meinung


Es ist einfach so viel, was dieses Buch so gut macht! Und ich bin wirklich nur froh, dass sich frühzeitig der Suchtfaktor einstellte und ich das Lesen einfach nicht lassen konnte. Man lernt sofort die Protagonistin Ella kennen. Das Zitat „Moderne Cinderella-Story“ ist gar nicht so weit hergeholt, denn das Grundgerüst ist dem tatsächlich sehr ähnlich. Ella schlägt sich durchs Leben und ist mehr als abgehärtet. Sie hat ihre Mutter verloren, die als Stripperin arbeitete. Somit kennt Ella das Leben von seiner brutalsten Seite. Als dann plötzlich Callum auftaucht, ist sie misstrauisch – zu Recht. Sie ist ein so taffes und authentisches Mädchen. Sie hat ihre Höhen und Tiefen und dennoch habe ich ihr jede Handlung und jede Gefühlsregung abgenommen. Ihre Aktionen im Buch sind vielseitig und facettenreich. Sie kann eine richtige Bitch sein und ist dann wieder das liebe Mädchen von nebenan, das eigentlich nur geliebt werden will und sich nach einer Familie sehnt. Doch mit der, die sie erwischt, hat sie es gar nicht leicht. Gleich fünf „Brüder“, die auch noch verboten gut aussehen, bekommt sie geliefert. Doch diese Brüder begegnen ihr feindselig – was will das heruntergekommene Mädchen hier? Schläft sie mit unserem Vater? Alles berechtigte Fragen, doch Ella hat nicht darum gebeten, eine Royal zu sein. 
Der Weg des Buches ist großartig konstruiert. Die Handlung beginnt zwar sachte, baut sich aber rasant auf. Schon beim zweiten Kapitel war ich Feuer und Flamme. Es geht über viele Seiten um das Ankommen in der Gesellschaft der Royals, das Schulleben und die abgehobenen Kids. Aber auch um die neuen Familienbande. Ella kann es nicht verhindern, ihre eigenen „Brüder“ heiß zu finden – und die nutzen das aus. Schließlich ist sie doch in ihren Augen sowieso eine Schlampe. Besonders mies ist Reed zu ihr. Und wie das so ist, lieben die Mädchen immer den Bad Boy. Anfangs ist Ellas Faszination schwer nachvollziehbar, da sie doch vor allem sexueller Natur ist. Aber dann wird das gesamte Verhältnis zu den Brüdern besser. Hach…und diese Passagen habe ich so geliebt. Die Geschichte macht einen Wandel durch und die Familie Royal legt eine große Entwicklung hin. Zwischen Reed und Ella knistert es gewaltig und als Leser fiebert man auf ihre gemeinsamen Szenen hin. Ich war absolut abhängig von den Aktionen der beiden. Viele Szenen sind total sexy, aber nicht vulgär. Ich war wie gefangen.
Die Charaktere sind außerdem ziemlich ungewöhnlich und toll. Eigentlich sind die fünf Brüder einfach nur total zerrissen und emotional zerstört. Aber das verstecken sie mir Arroganz und Sexismus. Ella hingegen ist sich ihrer Verkorkstheit bewusst und agiert völlig rational. Sie ist aber auch einfach sehr cool und selbstbewusst, kann sich allein durchschlagen und gibt wenig Wert auf die Meinung anderer. Dennoch will sie sich fallen lassen können und braucht Halt. Reed ist da nicht der perfekte Partner, aber das Knistern zwischen den beiden ist nicht zu bestreiten. Besonders toll fand ich persönlich Easton und Callum. Easton ist ein Witzbold höchster Klasse, der sich ebenfalls hinter seinem Sexleben versteckt. Und der Vater Callum hat den Tod seiner Frau nicht verkraftet. Es ist ein komplexes Emotions- und Beziehungsgeflecht bei „Paper Princess“, aber dieses Ungewöhnliche macht das Buch so toll! Die Entwicklungen der Figuren sind großartig und trotz ungewöhnlichem Thema irgendwie authentisch. Es gibt auch fiese Nebenfiguren wie Jordan oder Dinah, vielleicht auch Brook. Aber die gehören zu jeder guten Geschichte.
Der Schreibstil ist toll und man fliegt durchs Buch. Ella ist einfach genau der richtige Fokus. Das Vokabular gefiel mir und ist dem Genre absolut gerecht. Das Ende ist einfach nur fies. Ich will schon jetzt den nächsten Teil und bin einfach nur froh, dass er bereits im nächsten Monat erscheint.

Fazit




Für mich haben die Autorinnen alles richtig gemacht, denn ich liebe „Paper Princess“. Ella ist einfach so cool und selbstbewusst, ihre Aktionen sind authentisch und sie ist eine Mischung aus Prinzessin und Bad Girl. Die Figuren haben mir überaus gut gefallen und es bleiben noch viele Lücken. Das Prickeln zwischen Reed und Ella kann man auf jeder Seite spüren und so fliegt man geradezu durch das Buch. Ich bin jedenfalls abhängig und gebe gern zu, dass diese Royals mich wirklich ruiniert haben. So sehr, dass ich 5 Spitzenschuhe vergeben muss!


17. Januar 2017

Rezension [Klassiker]: "Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerlad


Titel: Der große Gatsby
Autor: F. Scott Fitzgerald
Verlag: Diogenes
Preis: 9,90€
Seiten: 256

„Der große Gatsby“ stand bis vor Kurzem auf meiner persönlichen Liste der Bücher, die man im Leben gelesen haben sollte. Das Werk gilt als Weltliteratur, als Klassiker. Vor einigen Jahren sah ich die Verfilmung mit Leonardo DiCaprio und die Geschichte faszinierte mich. Aber das Buch sei bestimmt kompliziert, so dachte ich. Als ich dann aber eine preisreduzierte Ausgabe ergattern konnte, musste ich das Buch endlich lesen. Doch, dass es mich so begeistern würde, konnte ich nicht wissen. Ich bin sprachlos, denn „Der große Gatsby“ ist etwas ganz Besonderes, etwas Großartiges. Das Buch ist so unscheinbar und gleichzeitig gewaltig, dass ich es kaum fassen kann. Doch absolut zurecht gilt es als Meisterwerk und ich habe es geliebt. Wenn euch der prunkvolle Film gefallen hat und ihr Fans der Literatur seid, dann dürft ihr euch diesen Klassiker nicht entgehen lassen! Atemberaubend!

Klappentext


New York 1922. Auf seinem Anwesen in Long Island gibt Jay Gatsby sagenhafte Feste. Er hofft, mit seinem neuerworbenen Reichtum, mit Swing und Champagner seine verlorene Liebe zurückzugewinnen. Zu spät merkt er, dass er sich von einer romantischen Illusion hat verführen lassen.

Meinung


Das erste, worüber ich mich wunderte, war die Kürze des Werks. Ein weltberühmtes Buch, das nur 225 Seiten hat? Wirklich? So wenig Stoff war Grundlage des fast zweieinhalb Stunden langen Films mit dem Oscarpreisträger Leonardo DiCaprio? In der Zeit hätte man ja beinahe das Buch lesen können. Doch, Moment. In zweieinhalb Stunden ist es mit diesem Buch auf keinen Fall getan. Denn wer es in dieser Zeit liest, der hat es nicht richtig gelesen. Ich verstehe die Kritik nicht, dass das Buch in Teilen langgezogen oder ausschweifend sei. Meiner Meinung nach ist die verdichtete Prosa absolut präzise verfasst und schweift niemals unnötig ab. Der Autor F. Scott Fitzgerald wusste mit jedem Satz ganz genau was er tat und das ist das Wunderbare an diesem Werk. Man hat das Gefühl, dass man ein Stück Kunst liest, ohne dass es einem zu schwer wird. Das Buch ist in jedem Fall gewaltig, ja. Aber nicht schwer. Weder der Stil noch die Handlung machen es kompliziert. Eigentlich ist der Kern der Geschichte sogar sehr simpel – die unverstandene und verfälschte, ja vielleicht sogar unerwiderte Liebe. Aber obwohl die Geschichte viel Abstoßendes hat, erzählt Fitzgerald sie so unglaublich schön, dass man im Stil gefangen ist. Seine Sprache ist bildreich, metaphorisch, geheimnisvoll und gleichzeitig präzise. Der Satzbau ist großartig und ich fühlte mich, als würde ich in einem Gedicht feststecken. Einige Zitate regten mich einfach zum Träumen an:
„Die Sonne schien, ich sah die Blätter an den Bäumen wie im Zeitraffer sprießen, und da regte sich in mir die vertraute Gewissheit, dass das Leben mit dem Sommer neu beginnt.“ (S. 15)
Ich finde, das ist eine sehr schöne Sichtweise. Das Leben beginnt mit dem Sommer neu – ja, irgendwie schon. Der Erzähler Nick Carraway schreibt die Geschichte seines extravaganten Nachbarn Gatsby auf. Obwohl das Buch nur 225 Seiten hat, kommt es 60 davon sogar ohne seinen Namensgeber aus. Und das fiel kaum auf. Denn Gatsby ist ein ganz besonderer, geisterhafter und umworbener Charakter. Seine Geschichte ist schemenhaft und man erfährt nie die ganze Wahrheit über ihn. Doch für mich war er der sympathischste und aufrichtigste Mensch in diesem Buch. Denn gleichzeitig ist Fitzgeralds Roman eine Gesellschaftsskizze der 20er Jahre und er stellt diese Gesellschaft gnadenlos dar. Dieses Porträt ist faszinierend und sehr detailliert beschrieben. Natürlich ist alles in diesem Roman fiktiv und dennoch merkt man einfach, dass noch so viel mehr dahintersteckt. Die Charaktere sind irgendwie vielschichtiger als in heutigen Büchern. Die Zeit und die Kulisse sind einfach eine völlig andere, so dass das Verhalten der Menschen heute völlig irrational erscheint. Und dennoch bleibt vor allem Faszination zurück. Denn in vielem, was die Figuren äußern, steckt ein wahrer Kern. So sagt Jordan Baker über Gatsby und seine prunkvollen Partys:
„Jedenfalls gibt er große Partys“, sagte Jordan, was ihre Art war – mit dem typischen Widerwillen des Städters gegen alles Konkrete -, das Thema zu wechseln. „Und ich mag große Partys. Sie sind so intim. Auf kleinen Partys ist man nie unter sich.“ (S. 67)
Auch diese Aussage macht auf den zweiten Blick erst so richtig Sinn. Wie ich schon sagte, fliegt nicht durchs Buch – genießt es! Wie im Zitat schon anklingt, bleibt Gatsby lange geheimnisvoll. Eigentlich ist er eine tragische Figur. Doch eben auch der tragische Held. Am Ende tat mir diese Figur nur noch leid und mein Hass entlud sich auf zwei spezielle Charaktere des Buches. Natürlich bekommt der Leser die Sicht des Erzählers Nick aufgebrummt. Und auch Nick verachtet das Ehepaar Buchanan. Völlig zurecht. Der Schurke in diesem Buch ist das Geld. Und das kann man wiederum mit der Figur der Daisy gleichsetzen. „Ihre Stimme klingt nach Geld“, sagt Gatsby einmal und laut  Paul Ingendaary (der Verfasser des Nachwortes) ist es einer der berühmtesten Sätze des Buches (siehe S. 235). Daisy erscheint als unschuldiges Mädchen, das sich nach der Liebe sehnt und entpuppt sich als grausamer Charakter, der sich immer selbst am wichtigsten sein wird. Wie Nick kurz vor Ende des Buches treffend formuliert:
„Mir kam das alles sehr leichtfertig und verworren vor. Sie waren leichtfertige Menschen, Tom und Daisy – sie zerstörten Dinge und Lebewesen, und dann zogen sie sich wieder in ihr Geld oder ihre grenzenlose Leichtfertigkeit zurück oder was immer es war, dass sie zusammenhielt, und ließen andere das Chaos beseitigen, das sie angerichtet hatten…“ (S. 222)
'Sie zerstörten Dinge und Lebewesen'….Zerstörung ist ein zentraler Punkt in „Der große Gatsby“. Nicht nur die Zerstörung von Dingen, sondern eben von Lebewesen. Von Menschen. Von Existenzen. Zerstört wird hier die Fassade eines Gentleman, eines jungen Mannes, der von ganz unten kommt und alles für einen schon ausgeträumten Traum gibt. Die Geschichte ist tragisch und groß. Und deshalb ist der Titel der einzig richtige für dieses Buch: „Der große Gatby“.
Der Erzähler Nick ist übrigens auch ein sympathischer Kerl. Er ist nicht ganz so unschuldig, wie es manchmal den Anschein hat und dennoch ist er einer der Guten. Seine Art zu erzählen gefiel mir sehr gut und letztendlich begreift er, dass seine Freundschaft zu Jay Gatsby echt war. Die letzte Szene zwischen den beiden ließ mich ergriffen zurück. Fitzgerald hat eine so traurige und schöne Geschichte geschrieben. Lest sie!
Solltet ihr ebenfalls diese Ausgabe besitzen, empfehle ich euch, auch das Nachwort zu lesen. Man erfährt sehr viel zum Hintergrund des Werkes und zum Leben des Autors. Es ist überaus interessant und lehrreich. Mich hat dieses Buch einfach nicht losgelassen. Und umso trauriger ist es, dass es zu Lebzeiten von Fitzgerald ein Misserfolg war. Was war nur mit der Gesellschaft der 20er Jahre verkerht?!

Fazit



Ich liebe dieses Buch. Ich vergöttere den Stil. Ich bin von den Figuren fasziniert. Ich bin so überwältigt, dass mir nun endlich doch die Worte fehlen. F. Scott Fitzgerald hat mit seinem Gatsby ein wahres Meisterwerk geschrieben. Aus jedem Satz erklingt die Kunst und lädt den Leser ein in einem anderen Zeitalter zu verweilen. Könnte ich mehr als fünf Spitzenschuhe vergeben, würde ich das tun. Doch das ist leider nicht möglich, alter Knabe.