Posts mit dem Label Leidenschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Leidenschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

12. November 2025

Rezension: "Heartbreak is the National Anthem" von Rob Sheffield

 


Titel: Heartbreak is the National Anthem -
Wie Taylor Swift die Popmusik neu erfand
Autor: Rob Sheffiled
Verlag: Penguin
Preis: 18,00€
Seiten: 224

Es wird Zeit für ein Bekenntnis: Ich bin ein Swiftie. Von ganzem Herzen. Ich liebe die Musik von Taylor Swift, liebe ihre Songtexte und wie sie es schafft, sich immer wieder neu zu erfinden. Man kann sich mit ihren Liedern identifizieren oder sie einfach zwischendurch hören. Seit Jahren schon begleitet sie mich durch meinen Alltag. Deswegen ist es kein Wunder, dass das neu aufgelegte „Heartbreak is the National Anthem – Wie Taylor Swift die Popmusik neu erfand“ sofort meine Aufmerksamkeit erregte. Denn obwohl ich bekennender Swiftie bin – ich bin keiner von der Sorte, der all ihre Geheimnisse aus den Songs herausarbeitet. Der wie ein Detektiv an ihre Musik geht. Ich bin einfach ein kleiner, stolzer Swiftie. Doch im Vergleich zu Rob Sheffiled, dem Rolling-Stone Journalisten, der schon seit vielen Jahren ein Ranking all der Swift-Songs führt, bin ich eine absolute Anfängerin. Das und vieles mehr hat mir diese Lektüre gezeigt. Ein Muss für Fans der Pop-Ikone? Definitiv! Und eigentlich auch für alle anderen.

Niemand kennt Taylor Swift und ihre musikalischen Epochen – die Eras – so gut wie Rob Sheffield. In seiner mitreißenden Biografie „Heartbreak is the National Anthem“ beleuchtet der preisgekrönte Rolling Stone-Journalist die außergewöhnliche Karriere der Pop-Ikone. Dieses Buch ist ein absolutes Muss für alle Swifties und Musikliebhaber.
Taylor Swift ist mehr als nur eine Sängerin – sie ist ein globales Phänomen. Ihre Songs bewegen Millionen, ihre Texte erzählen Geschichten, die Generationen verbinden. Vom Country-Teenager zur internationalen Pop-Sensation: Taylor Swift hat die Musikindustrie revolutioniert – als Songwriterin, Performerin und kulturelle Stimme unserer Zeit.
Rob Sheffield begleitet Taylor Swift seit ihren Anfängen. Mit einzigartigem Insiderwissen und großer Leidenschaft analysiert er ihre Alben, Songtexte, Live-Auftritte und die besondere Verbindung zu ihren Fans. „Heartbreak is the National Anthem“ ist das erste Buch, das den gesamten kulturellen und musikalischen Einfluss von Taylor Swift umfassend darstellt – von Fearless bis zur Eras Tour.

 

Der Klappentext verspricht eine ganze Menge. Doch ehrlich? Er hält auch all das Angekündigte! Das hängt vor allem mit Rob Sheffield als Person zusammen. Der Autor dieser Pop-Biographie (nur im weitesten Sinne eine Biographie, wenn ihr mich fragt) ist eben nicht nur Autor. Oder Musik-Journalist. Er ist ein Fan von Taylor Swift seit der ersten Stunde. Und vor allem ist er ein ganz normaler Mensch. Ein Mensch, der sich für Swifts Musik begeistert, ohne diese zu verherrlichen. Das imponierte mir ganz besonders. Es ist gar nicht abzustreiten, dass Sheffield eine sehr tiefe Leidenschaft für Swifts Musik empfindet. Doch er ist nicht unkritisch. Deswegen ist „Heartbreak ist the National Anthem“ auch keine Lobeshymne, keine Schmeichelei oder sogar Heuchlerei. Denn Sheffield geht zwischenzeitlich sogar recht hart mit Taylor ins Gericht. Er kritisiert sie, nennt ihre Fehltritte oder Schwächen ihres Charakters. Das Authentische ist, dass er sie eben wirklich kennt und das seit vielen, vielen Jahren. Das kann einen Swiftie als Leser nur begeistern. Hinzu kommt der Witz, mit dem er dieses Buch schreibt. Mir haben sein unterbewusster Humor und manchmal auch die kleinen Spitzen in Richtung der Pop-Ikone sehr gut gefallen. Er schafft es auf magische Weise neben diesen kritischen Anmerkungen seine tiefe Liebe für die Musik von Swift ganz ehrlich darzustellen. Und so nimmt er dir Leserschaft mit auf eine Reise durch den swiftischen Kosmos. Er bettet ihr musikalisches Schaffen allerdings in ein großes Ganzes ein, schafft viele Bezüge zu anderen Musik-Legenden und schreibt zwischendurch eben auch über ganz andere Leute. Ich muss zugeben, dass ich nicht einmal die Hälfte all seiner Musikbezüge kannte. Dass dieser Mann Ahnung vom Musik-Buisness hat, ist am Ende auf jeden Fall jedem klar.
Das Buch ist halbwegs chronologisch aufgebaut, ohne eine klare Biographie zu sein. Es geht nicht um Taylors Kindheit, Jugend, frühe Erwachsenenphase oder etwas in der Art. Die meisten Kapitel haben Songtitel als Titel, anhand derer sich der Autor an ihrem Leben abarbeitet. Oft geht es aber im Vordergrund eben auch um diese Songs, ihre Texte und was sie mit Taylors Leben zu tun haben. Ganz nebenbei arbeitet Sheffield dabei immer wieder persönliche und ganz private Züge heraus. Dieses Persönliche macht das Buch so authentisch. Es ist eine Lektüre eines verehrenden Swifties für andere Swifties. Und da ich mich als solcher bezeichne, konnte ich gar nicht anders, als die Lektüre zu lieben. Tatsächlich habe ich auch unglaublich viel über die Frau gelernt, die die ganze Welt kennt. Besonders spannend fand ich die Kapitel über „Taylors Version“ und „Folklore“. Im Nachhinein finde ich mich selbst nämlich ziemlich blind, dass mir manche Querverweise zwischen einzelnen Songs nie aufgefallen sind. Diese Aha-Momente hatte ich immer wieder. Ich bin mir sicher, dass auch die krassesten Fans der Sängerin hier noch das ein oder andere Detail lernen können.
Die Lektüre geht wirklich unglaublich schnell. Der Schreibstil ist klasse, auch wenn bei der Übersetzung der ein oder andere Wortwitz natürlich verloren geht. Auch deswegen sind häufiger mal unübersetzte englische Sätze mit drin. Die Kapitel sind alle recht kurz oder zumindest kurzweilig. Ich würde nicht empfehlen, das Buch an einem Stück zu lesen. Es macht viel mehr Spaß, einzelne Etappen zu genießen und im Nachhinein einige der Songs oder die erwähnten Alben erstmal zu hören und zu untersuchen, ob Sheffield wirklich recht hat. Ich habe das getan und konnte Taylors Musik so noch einmal ganz neu für mich entdecken. Das einzige, was ich noch ziemlich cool gefunden hätte, wären QR-Codes im Buch gewesen. Diese hätten natürlich zu Taylors Songs führen können, wenn es gerade um einen bestimmten ging. Vielmehr hätte man so aber all die anderen erwähnten Künstler, Songs und Alben verknüpfen können, von denen der Normalo, der kein Musik-Journalist ist, vielleicht keine Ahnung hat. Ein Normalo wie mich. Aber das nur am Rand. Man kann schließlich auch auf eigene Faust recherchieren.

Ich war Swiftie. Ich bin Swiftie. Und dank diesem Buch werde ich wohl ewig Swiftie bleiben. Rob Sheffield hat mich mit „Heartbreak ist the National Anthem“ noch viel tiefer in die Welt von Taylor Swift entführt, von der ich dachte, dass ich längst tief in ihr leben würde. Man bekommt ganz private Anekdoten, Fakten, Witze und vor allem sehr viel Liebe und Wissen zu Taylors Songs. Das alles ist verpackt in eine authentische Art zu erzählen und deswegen muss ich meine Empfehlung – und die verdienten fünf Sterne – aussprechen. You know..."I can still make the whole place shimmer"! ;)


  


3. Juli 2018

Rezension: "James Bond 007 - Der Spion der mich liebte" von Ian Fleming



Titel: James Bond 007 - Der Spion der mich liebte
Autor: Ian Fleming
Verlag: CrossCult
Preis: 12,80€
Seiten: 220


James Bond ist ein Phänomen. Und obwohl ich die 007-Filme liebe, bin ich doch ein noch größerer Anhänger der Originale: der Bücher. Ian Fleming war ein interessanter Autor, der eine begnadete Figur erschuf. Obwohl man den Romanen immer den etwas anderen Zeitgeist anmerkt, macht gerade das sie manchmal so sympathisch. Der 10. Band der Bond-Reihe ist ganz anders, als seine Vorgänger. Denn diesmal ist der Erzähler kein allwissender Unbeteiligter, sondern eine junge Frau, die ihre eigene Geschichte durchmacht. Und in dieser Geschichte kommt James Bond vor – der Mann, von dem sie später sagen kann, er sei „Der Spion, der mich liebte“. Dieser Spion, aber auch die junge Erzählerin und die ungewöhnliche Art des Bond-Buches machen es großartig und zu einer wahren Lesefreude.

Vivienne Michel ist in Schwierigkeiten. Auf der Flucht vor ihrer verstrickten Vergangenheit in die amerikanische Provinz, landet sie im Dreamy Pines Autohof. Weit entfernt von der privilegierten Umgebung, in der sie aufgewachsen ist, ist das Motel auch die Haltestation zweier abgebrühter Killer – des perversen Sol Horror und des tödlichen Sluggsy Morant. Als ein cool-charismatischer Engländer auftaucht, schöpft Viv, die in tödlicher Gefahr schwebt, nicht nur Hoffnung, sondern spürt eine fesselnde Faszination. Denn es ist James Bond, 007 – der Mann, von dem sie hofft, gerettet zu werden; der Spion, von dem sie hofft, geliebt zu werden.

„Der Spion, der mich liebte“ ist ein sehr kurzweiliges Buch. Es hat nur 217 Seiten und ist in drei Teile unterteilt. Diese Teile sind sehr interessant benannt. Sie heißen „Ich“, „Sie“ und „Er“. IN diesen Teilen gibt es natürlich einzelne Kapitel, die immer sehr schön gewählte Titel haben, die zumeist auch wortwörtlich im Kapitel so vorkommen. Der Aufbau des Buches ist super und in gewisser Weise auch abwechslungsreich. Normalerweise begleitet man den britischen Geheimagenten in den Bond-Büchern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass auch andere Charaktere große Handlungsteile haben und sich die Geschichte mit ihnen beschäftigt. Zumeist handelt es sich dabei um den Bösewicht des Buches. Diesmal aber gibt es eine Ich-Erzählerin, was absolut neu ist. Vivienne ist eine junge Kanadierin und „Der Spion, der mich liebte“ ist komplett aus ihrer Sicht verfasst. Der erste Teil, der mit „ich“ übertitelt ist, handelt von ihrer Vorgeschichte. Von den Beziehungen, Menschen und Erlebnissen, die sie zu dem gemacht haben, was sie ist. Der Teil kann für manche sicher langatmig sein, ich fand es aber wirklich interessant und unterhaltsam, mehr über Viv zu erfahren. Sie war naiv und unerfahren und musste sich dann den Härten dieser Welt stellen. Ich finde ihre Reflektion wirklich toll und insgesamt ist Viv sehr authentisch. Sie ist eine Frau, die auch in den 50er Jahren schon weiß, was sie will. Du dafür kann man sie bewundern, denn sie kämpft, solange sie kann. Im zweiten Teil kann sie es aber nicht. Denn „Sie“ tauchen auf: zwei Ganoven. Die Kulisse des Buches ist eigentlich schon schaurig genug, denn Viv befindet sich in einem Motel, das mitten im Nirgendwo aus Holzhütten besteht. Und sie passt auf eben dieses Motel auf. Die perfekte Gelegenheit also, die junge Frau für einen perfiden Plan zu benutzen. Und das haben die beiden Gangster auch vor. Aber dann taucht James Bond auf der Bildfläche auf, genau dann, als Vivs Leben beinahe schon beendet ist. „Er“ mischt das Buch richtig auf. Mit James‘ Auftauchen wird es einfach richtig gut, obwohl es schon vorher spannend ist. James Bond ist ein phänomenaler Charakter mit vielen Fehler und Marotten. Er trinkt zu viel, raucht und setzt sein Leben aufs Spiel. Aber er ist eben auch der charismatische Geheimagent, an den alle Frauen ihr Herz verlieren. Wäre ich an Vivs Stelle, hätte ich meines auch verloren, ganz sicher. Den Bond ist der Retter und Held der Geschichte. Noch ein paar Worte zu den Bösewichten. Horror und Sluggsy machen ihrer Gattung alle Ehre. Sie sind grausam, vulgär und gierig. Sie sind die idealen Gegenspieler mit wahnsinnig viel Talent!
Es wird gekämpft, es wird geschossen, es gibt Opfer, es gibt Tragik. Aber es wird zu keiner Zeit langweilig. Nicht einmal, wenn Viv von ihrem Leben erzählt. Denn dann ist gerade die Atmosphäre des Buches so gut. Ich nenne es immer den Zeitgeist der Bond-Romane, die 50er Jahre, den anderen Gang der Welt. Die Atmosphäre und das Setting sind wahnsinnig cool und man macht immer eine kleine Zeitreise. Gerade die Werte und Tugenden kommen in diesem Buch besonders gut zum Vorschein.
Auch der Stil von Ian Fleming gehört in diese Kategorie des Zeitgeists. Er ist sehr rau, allerdings in diesem Buch angenehm feminin. Sonst ist der Stil oft sehr brutal, aber in „Der Spion, der mich liebte“ wurde die Schreibweise angenehm verändert, was Vivs Charakter auch authentischer macht. Insgesamt kommt man trotz hypotaktischen Satzbau sehr schnell durchs Buch – denn die Geschichte ist einfach unterhaltsam.


Ich finde „Ein Spion, der mich liebte“ wirklich toll. Die veränderte Erzählweise, die sicher die Ausnahme ist, macht einfach Spaß. Viv ist eine starke Frau, die das Ruder in die Hand nimmt. Und auch wenn sie 007 verfällt, bleibt sie eine authentische Figur, die sich eben in ihren Helden verliebt. Vollkommen zurecht, muss man dazu sagen. James Bond ist schon beinahe zur Nebenfigur degradiert, doch eben nur beinahe. Sein Charakter ist einzigartig und er macht die Geschichte so spannend. Die Figurenmischung ist trotz ihrer Niedrigkeit wirklich toll. Der Stil ist gut und die Handlung spannend. Was will man mehr?! Für mich war dieser Bond-Roman wirklich etwas Besonderes und deswegen vergebe ich fünf Spitzenschuhe.


18. Februar 2018

Rezension: "Den Sternen so nah" von Mareike Allnoch

 

Titel: Den Sternen so nah
Autor: Mareike Allnoch
Verlag: Drachenmond Verlag
Preis: 12,99€
Seiten: 290



„Den Sternen so nah“ wanderte nach dem ersten Lesen des Klappentextes auf meiner Wunschliste ganz nach oben. Denn es geht um eine Backgroundtänzerin. Eine Tänzerin! Eine Hip Hop-Tänzerin und keine Ballerina. Nicht, dass ich etwas gegen Ballett-Geschichten haben – ganz im Gegenteil, ich verschlinge diese. Aber ich habe mich doch sehr gefreut, dass meine Sportart mal Einzug in einen Roman erhalten hat. Mareike Allnoch schreibt eine sehr klassische Geschichte nach Cinderella-Schema. Ein junges Mädchen aus winzigem Kaff erhält eine einmalige Chance, sie nutzt sie, sie verliebt sich in den Star. Happy End? Die Storyline ist nichts Neues und dennoch habe ich „Den Sternen so nah“ sehr, sehr gern gelesen! Eine tolle Geschichte zum Abtauchen, in der utopische Mädchenträume wahr werden können.

Jai McConnor mag ein aufsteigender Stern am Musikhimmel sein, doch für Nina ist er nur eines: Ein Idiot, der ihre Freundin bei einem Meet & Greet unmöglich behandelt hat. Als sie ein Angebot erhält, besagten Sänger als Backgroundtänzerin auf seiner Nordamerika-Tournee zu begleiten, sagt sie dennoch zu. Und schon bald fliegen zwischen dem bodenständigen Mädchen und dem herablassenden Star die Fetzen. Wäre da bloß nicht dieses Knistern…

Ich habe mich unglaublich auf dieses Buch gefreut, was vor allem mit dem Thema des Tanzens zu tun hat. Aber im Allgemeinen bin ich trotz meines Alters begeisterungsfähig für diese Art von Geschichten. Einmal etwas Besonderes sein, die eine Chance haben, sie nutzen. Und den Star beeindrucken, weil man ihn eben gar nicht so toll findet und keine Angst hat, ihm genau das zu sagen.
Mareike Allnoch vereint in ihrer Geschichte viele kleine Träume, die einige von uns schon gehabt haben. Das klingt vielleicht so, als wäre die gesamte Geschichte bekannt und wenig innovativ, da dieser Plot schon hundertmal da gewesen ist, das ist aber nicht so. Zumindest bringt die Autorin ihre eigene Frische in das Schema, eigene Details und schöne Dialoge. Das Buch ist spritzig und frech, manchmal aber genau romantisch und träumerisch. Zwar finde ich schon, dass vieles vorhersehbar ist, oder eben doch ein bisschen klischeehaft, das hat mich beim Lesen aber nie gestört. Für mich war Ninas Geschichte einfach schön, ich konnte mich in ihr verlieren und fieberte den Szenen zwischen ihr und Jai entgegen.
„Den Sternen so nah“ lässt sich in einem Guss lesen. Die Handlung hat einen deutlichen roten Faden, es gibt keine Leerstellen und man wird in jedem Kapitel unterhalten. Die Protagonistin ist Nina Mahler. Sie kommt aus Deutschland und hat vor ein paar Jahren das Tanzen für sich entdeckt. Sie tanzt mit Leidenschaft und sagt deshalb auch zu, als sich ihr die Chance als Backgroundtänzerin bietet. Obwohl es für den arroganten Hollywood-Star Jai McConner ist, mit dem sie bei einem Meet and Greet bereits Erfahrungen gemacht hat. Ihre beste Freundin ist ein großer Fan, Nina hingegen überhaupt keiner. Diese abwehrende Haltung hält sich lang im Buch. Nach dem Motto „Was sich neckt, das liebt sich“ beginnt die Beziehung von Jai und Nina. Sie streiten sich, sie meckern, sie feixen. Und natürlich verlieben sie sich. Doch eine Beziehung mit einem Star ist nahezu unmöglich und hinzu kommt noch der Druck von außen. Die Autorin schafft es gut, auch Schattenseiten des Starseins zu präsentieren. In diesem Zusammenhang komme ich auf Jai. Er ist ein interessanter Charakter und genau so, wie jede Frau sich ihren Freund wünschen würde. Natürlich ist er berühmt und das macht jegliche Beziehung schwer. Jai trägt meistens eine Maske und lässt niemanden dahinter blicken. Das hat auch Nina schnell verstanden:
„Ab und zu schimmerte diese andere Seite von Jai durch, aber es waren immer nur Bruchstücke, die ich zu sehen bekam. Wie bei einem Puzzle, bei dem ein ganz bestimmtes Teil fehlte, um es komplett zu machen und sein Gesamtbild betrachten zu können.
Jai war dieses Puzzle. Und ich wollte dieses Puzzle lösen.“ (S. 155)

Mir gefällt der Puzzle-Vergleich sehr. Und mir gefällt auch Jais Charakterzeichnung. Wobei auch hier viel Klischee mitspielt. Nina hingegen ist sehr normal, vielleicht sogar ein bisschen zu normal. Ich habe die beiden zusammen geliebt, keine Frage und ich habe jede Sekunde der Geschichte zwischen ihnen genossen. Aber ich hatte auch meine Schwierigkeiten mit Nina und ihrer Einstellung zum Tanzen. Denn das ist der große Punkt, der mich gestört hat. 
Eine Tänzerin lebt fürs Tanzen – und das kam mit deutlich zu kurz. Nina beschreibt in den ersten Kapiteln, warum sie so gerne tanzt. Aber nur diese zwei, drei Statements machen keine Tänzerin aus dir. Es ist sowieso ziemlich unlogisch, dass ein Mädchen, das erst ein paar Jahre tanzt, die Chance bekommt, nach L.A. zu gehen. Das Tanzbuisness ist unglaublich hart und da bekommt eigentlich kein Amateur eine Chance. Durch Youtube gibt es viel zu berühmte Gesichter und Choreographen und natürlich auch Tänzer. Nachdem Nina außerdem vor Ort ist und auf der Bühne tanzt, wird das Tanzen überhaupt nicht mehr erwähnt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sie die Euphorie auf der Bühne beschrieben hätte, das Gefühl, das das Tanzen auslöst. Aber leider wurde dieser Aspekt vollkommen fallen gelassen. Sie ist die Tänzerin, Ende der Geschichte. Jetzt geht es nur darum, ob sie und der Sänger zusammen kommen. Und das finde ich schade – denn eigentlich tun wir Tänzer sehr viel fürs Tanzen. Aber Nina hatte das leider nicht nötig oder dieser Punkt war es nicht wert, in der Geschichte behandelt zu werden.
Aber genug der Kritik. Und ehrlich gesagt ist meine Kritik auch nebensächlich. Ich habe das Buch natürlich mit einem gewissen Tänzer-Blick gelesen und den hat die Leserschaft im Normalfall nicht. Daher ist die Herangehensweise der Autorin schon in Ordnung. Dass die Geschichte nicht ganz realistisch, oder sagen wir mal, unwahrscheinlich ist, das dürfte jedem klar sein. Und trotzdem ist sie zu Träumen schön! Die beiden Hauptcharaktere verbindet eine tolle Chemie und es macht einfach Spaß die Geschichte zu verfolgen. Die Nebenfiguren haben mir ebenfalls gefallen, vor allem Alex (- aber auch die ist mir persönlich zu wenig „Tänzerin“). Der Bodyguard von Jai, Joe, ist der Teddybär der Geschichte und er sorgt für den ein oder anderen emotionale oder lustigen Moment. Der Stil des Buches ist sehr jung und frisch. Der Sprachgebrauch ist an unsere heutige Welt angepasst, Plattformen wie Twitter und Instagram spielen natürlich eine Rolle und das passt sehr gut. Es gibt einige Dialoge, was ebenfalls toll ist und die Autorin schreibt auch in langen Passagen sehr flüssig. Insgesamt kommt man super durchs Buch und kann es wirklich genießen. Toll gefallen haben mir auch die kleinen Tänzerfiguren am Anfang eines Kapitels.



Insgesamt ist „Den Sternen so nah“ keinesfalls eine realistische Geschichte, die aber absolut traumhaft ist. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und habe die schöne Geschichte zwischen Nina und Jai gern verfolgt. Es geht um Themen, von dem jedem Mädchen schon geträumt hat. Popularität, das Besondere, Reisen, Freundschaft und natürlich die großen Liebe. Manchmal blitzt das Bekannte auf, aber Mareike Allnoch macht ihre Sache super und bringt immer wieder kleine Überraschungen. Das Buch überzeugt durch seine interne Romantik, aber auch Kratzbürstigkeit, die in vielen Dialogen durchschimmert. Ich freue mich sehr, dass das Tanzen Einzug ins Buch gefunden hat, auch wenn es meiner Meinung nach deutlich zu kurz kam. Ich vergebe 4,5 Spitzenschuhe für ein rundum gelungenes Buch.


16. Februar 2018

Rezension: "Der Klang der ungespielten Töne" von Konstantin Wecker


Titel: Der Klang der ungespielten Töne
Autor: Konstantin Wecker
Verlag: Güstersloher Verlagshaus
Preis: 16,99€
Seiten: 160


Wenn ich einen musischen Bereich nennen müsste, den ich wirklich beherrsche, dann ist es das Tanzen. Wenn ich einen musischen Bereich nennen müsste, den ich wirklich gern könnte und vergöttere, dann ist es das Klavierspielen. Das eine kann ich, das andere könnte ich gern – und beides liebe ich. Und weil ich das zweite nur durch Hören von Musik ausleben kann, freue ich mich immer, wenn ich Bücher mit dem Thema des Pianos entdecke. Deswegen wollte ich auch direkt die Neuauflage des Buches „Der Klang der ungespielten Töne“ von Konstantin Wecker lesen. Das Cover nahm mich sofort gefangen, aber vielmehr gefiel mir der Titel. Poetisch und charmant – das sind Attribute, die zu diesem Buch gehören! Allerdings sind Handlungsteile auch ungewöhnlich, verwirrend oder fremd. Aber authentisch – und nichts anderes habe ich erwartet.

Auf seiner Suche nach der Wahrheit der Musik droht der junge talentierte Musiker Anselm Cavaradossi sich selbst zu verlieren. Weder Blues noch Rock 'n' Roll noch die Begegnung mit dem geheimnisvollen Lehrer Karpoff vermögen seine Sehnsucht zu stillen. Enttäuscht gerät er in die Fänge des Musikbusiness: Partys, falsche Freunde und die Ehe mit einer Frau, die er nicht liebt. Erst die Cellistin Beatrice öffnet ihm die Augen …

„Der Klang der ungespielten Töne“ ist kein gewöhnliches Buch. Konstantin Wecker ist ein Künstler und das mit jeder Faser seines Körpers. Das lässt sich in seiner Handlung, seinem Stil, aber auch in der Wahl seines Protagonisten erkennen. Anselm ist ein komischer Kauz. Er ist eigensinnig, aber auch frisch. Er hat eine vollkommen andere Lebenseinstellung, als Gleichaltrige und das liegt auch an seiner Liebe zur Musik. Anselms Einstellung ist bemerkenswert, sie macht ihn aber auch einsam. In einer Textstelle wird sehr deutlich, wie wichtig ihm die Musik ist:
„Ich wollte für die Kunst leben, wenn’s sein musste auch sterben, mich von ihr berauschen lassen, in ihr blühen und verglühen – die Musik als philosophisches Konzept zur Gestaltung der Seele, das war mir nicht geheuer.“ (S. 44)
Oft geht es um Buch um die Frage des Seins, um Grundfragen des Lebens. Für Anselm ist das Leben kein leichtes. Er weiß, dass er es nur mit der Musik verbringen will, macht sich auch schnell einen Namen, hat aber nicht die Geduld, um zu reifen. Deswegen wird er schnell kommerziell und will nur möglichst schnell viel Geld machen. Der Plan geht auf. Doch dabei verliert er sich selbst. Und um diesen Prozess geht es die meiste Zeit des Buches. Das Verlieren und das Wiederentdecken. Dieser Prozess ist kein leichter und man kann dieses Buch auch nicht als Unterhaltungsroman bezeichnen, aber man hat dennoch Spaß mit Weckers Poetik. Ich habe mir viele Stellen im Buch markiert, denn immer wieder konnte den Autor mich mit seinen tiefgründigen Worten überzeugen:
„Die Wahrheit der Klänge öffnet sich nur dem, der seinem Selbst in der Stille begegnet ist. Am leichtesten zu verstehen ist das durch einen Vergleich mit der Sprache: Ebenso wie ein Wort im Laufe eines bewussten Lebens an Bedeutung gewinnt, erschließt sich der entwickelten Seele ein und derselbe Ton in einem reicheren Klang, mit der ganzen Fülle seiner und des Hörers Geschichte.“ (S. 47)
Weckers Stil ist nicht einfach, aber schön. Und vor allem ist intelligent und tiefsinnig. Wecker scheint über jeden Satz genau nachgedacht zu haben und die Worte abgewogen zu haben. Das war sehr schön zu beobachten. Ich muss aber auch sagen, dass man das Buch in ruhigen Momenten lesen sollte, denn ansonsten hat man zu wenig Konzentration. Um „Der Klang der ungespielten Töne“ richtig genießen zu können“ braucht es Ruhe.
Und Ruhe ist ein gutes Stichwort. Für Anselm geht es viel um Stille. Am Ende wird er beinahe wahnsinnig, indem er die Stille lebt. Das ist befremdlich, aber auch lesenswert. Auch hier ein kluges Zitat zur Stille und zum Schweigen:
„Es geht nicht ums Schweigen, lieber Freund, es geht um Stille. Das Schweigen hat nur insofern etwas mit der Stille zu tun, als man zuerst einmal zu schweigen hat, um in die Stille zu gelangen.“ (S. 74)
Es ist nicht einfach zu begreifen, was der Autor mit dem Buch sagen möchte, denn es steckt viel Geschichte darin. Aber ich glaube, dass jeder etwas aus dem Büchlein mitnehmen kann. Die Handlung ist nicht die spannendste, aber sie ist interessant. Es gibt Teile, die biografisch inspiriert sind und das merkt man auch. Insgesamt ist Anselm eine kuriose Persönlichkeit. Nebenfiguren gibt es wenige. Da wären lediglich Anselms Eltern, seine egozentrische Frau und sein Lehrer Karpoff. Letzterer war für mich der interessanteste. Man muss aber sagen, dass das Buch nicht von seiner Figurenkonstellation lebt, sondern vielmehr von seinem eigenen Klang, seinem Thema, seiner Liebe zur Sache selbst - zur Musik.
Außerdem gibt es für jeden kleine Wahrheiten in diesem Buch. Mein Lieblingszitat war auf jeden Fall das folgende:
„Dem geschulten Ohr fällt auf, wenn Menschen lügen. Wer lügt, verspannt sich, und seine Stimme gleicht dem Ansatz einer Melodie, die noch auf der Suche nach ihrer tonalen Zugehörigkeit ist. Ehrliche Melodien dagegen sind sich selbst genug. Welch ein grässliches Konzert menschlicher Unaufrichtigkeit bietet sich doch dem Horchsamen.“ (S. 20)

„Der Klang der ungespielten Töne“ ist ein interessantes, aber spezielles Buch. Es ist sehr poetisch und tiefsinnig und macht deswegen auf jeden Fall Freude zu lesen. Manchmal ist es aber auch merkwürdig und man muss sich an die Handlung gewöhnen, die für den ein oder anderen monoton daher kommt. Mich konnte das Buch, auch durch seinen tollen Stil und das interessante Thema, sehr beeindrucken. Ich habe noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel auf Musik bekommen und ziehe meinen Hut. Vier von fünf Spitzenschuhen.