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5. Januar 2025

Rezension [Hörbuch]: "Scandor" von Ursula Poznanski


Titel: Scandor
Autorin: Ursula Poznanski
Sprecher: Jens Wawrczeck
Verlag: der Hörverlag
Preis: 22€
Dauer: 12h 22m
 

Würdest du es schaffen, rund um die Uhr die Wahrheit zu sagen? Keine Notlügen, keine Ausflüchte. Nur die Wahrheit. Wenn ich ehrlich bin, bezweifle ich, dass ich eine solche Challenge schaffen würde. Doch genau darum geht es im neusten Buch von Ursula Poznanski, namens „Scandor“. Und dieses Buch hat es in sich. Spannend, unterhaltsam und erschreckend realitätsnah zeigt „Scandor“, was die Wahrheit mit Menschen machen kann. Meine absolute Empfehlung!

Es ist eine Challenge der besonderen Art, auf die Philipp und Tessa sich einlassen: Hundert Menschen treten an, um einen einzigartigen, unfehlbaren Lügendetektor zu testen: Scandor. Er begleitet die Kandidaten rund um die Uhr, wittert jede Ausflucht, jede Schwindelei. Wer lügt, fliegt aus dem Rennen und muss sich als Buße seinen tiefsten Ängsten stellen. Die Person hingegen, die am Ende übrig bleibt, erhält ein Preisgeld von fünf Millionen Euro.
Doch nicht alle spielen fair. Und es gibt jemanden, der sich auf die Suche nach einer ganz besonderen Wahrheit gemacht hat …

Ich liebe Poznanski-Themen und höre seit Jahren ihre Bücher. Aber da mich ihr letztes („Oracle“) ein wenig enttäuscht hat, wollte ich meine Erwartungen an „Scandor“ nicht zu hoch schrauben. Doch weit gefehlt! „Scandor“ hat mich absolut abgeholt und gefesselt. Der Einzelband hat einfach alles, was ein spannendes Hörerlebnis ausmacht.
Doch beginnen wir von vorn.
Worum geht es?
Diverse Kandidaten werden zu einem geheimen Wettbewerb eingeladen, bei dessen Sieg fünf Millionen Euro auf den Gewinner warten. Durch Zufall gelangen auch der junge Student Phillip und die turbulente Tessa an Münzen, die für den Wettbewerb qualifizieren. Während Philipp lediglich ein Mädchen beeindrucken will, braucht Tessa das Geld ganz dringend. Sie schlägt sich von Job zu Job durch und will ihren Eltern keinesfalls auf der Tasche liegen. Außerdem könnte sie so dafür sorgen, endlich von ihrem schrecklichen Onkel Hendrik loszukommen. Doch der Wettbewerb hat seine Tücken, denn es geht um die Wahrheit. Jeder Kandidat trägt dauerhaft eine Art Lügendetektor an seinem Arm, der mit ihm kommuniziert. Stellt dir jemand eine Frage, musst du sie wahrheitsgemäß beantworten. Auch eine Höflichkeitsfloskel kann das Ende bedeuten. Immer wieder stellt „Scandor“ seinen Trägern auch Challenges, sodass aus den anfangs 100 Kandidaten schnell weniger werden. Doch was geschieht bei einer Niederlage? Jeder einzelne muss sich seiner schlimmsten Angst stellen und diese durchleben. Klingt an den Haaren herbeigezogen? Ist es nicht. Denn schnell begreifen Philipp und Tessa, dass dieser Wettbewerb es ernst meint – genauso wie seine Teilnehmer.

Es dauert lang, die Grundpfeiler der Story zu erklären. Und daran merkt man schon, wie komplex die Geschichte ist. Die Idee zog mich von Anfang an in ihren Bann. Immer nur die reine Wahrheit? Geht das überhaupt? Denn wie oft stellt man am Tag Fragen, auf die man eigentlich keine Antwort erwartet. Wie komisch wäre es, würde man eine solche immer bekommen? Genau solche Situationen kommen in „Scandor“ immer wieder vor. Als Hörer ist man sofort im Geschehen, denn die Geschichte beginnt unmittelbar. Der Wettbewerb wird Stück für Stück erklärt und der Plot baut sich auf. Tessa und Philipp lernen sich auf der Begrüßungsgala aller Kandidaten kennen, doch weiterhin spielt jeder für sich selbst. Das System selbst sorgt dafür, dass die beiden Protagonisten irgendwann eine Art Team bilden. Und damit beginnt die Geschichte erst so richtig. Denn der Wettbewerb hat Hintergedanken. Jemand will eine bestimmte Wahrheit herausfinden. Und dass Philipp und Tessa von dieser direkt betroffen sind, merken sie erst viel zu spät…
Beide Protagonisten sind wirklich interessant. Zumeist wechselt die Perspektive nach jedem Kapitel. Mal verfolgt man Tessa, mal Philipp. Obwohl beide wenig miteinander zu tun haben, ergibt sich doch irgendwie nur durch beide Sichtweisen ein Ganzes.
Tessa ist ein spezieller Charakter. Sie ist frech, direkt und wahrheitsliebend. Mit ihren blauen Haaren ist sie es gewohnt, anzuecken. Philipp ist das genaue Gegenteil. Er ist stets darauf bedacht, nicht zu sehr aufzufallen und eigentlich ein ruhiger Typ. Gleichzeitig weiß er sehr genau, was er will – und was nicht.
Neben diesen beiden Figuren spielen vor allem ihre Familien eine Rolle. Sehr präsent ist Tessas Onkel Hendrik, der viel zu reich ist und seinem körperlich beeinträchtigten Bruder immer wieder vorhält, was dieser alles nicht hat. Auch Philipps Eltern spielen eine Rolle. Und dann wären da noch all die anderen Kandidaten, auf die Tessa und Philipp während des Wettbewerbs treffen.
Ich kann es gar nicht genau beschreiben, ohne tiefer in die Geschichte zu gehen. Aber glaubt mir einfach eines: Es ist super spannend! Und vor allem regt der Plot zum Nachdenken an. Noch heute, viele Tage nach dem Hören, lässt mich das Thema immer noch nicht los. Denn was Poznanski wirklich drauf hat, ist Geschichten zu erfinden, die erschreckend nah an der Realität sind. Wer sagt mir, dass es nicht längst mobile Lügendetektoren gibt, die dank KI wissen, wann du die Wahrheit sagst und dann auch noch mit dir kommunizieren? Vor allem aber habe ich mich selbst reflektiert. Es wäre sicher spannend, herauszufinden, wie oft am Tag man selbst nicht die ganze Wahrheit sagt. Was macht es mit einem Menschen, wenn er IMMER ehrlich ist? Für Philipp und Tessa ist die Antwort klar: Es ist die reinste Qual. Und das habe ich sofort geglaubt.
Das konkrete Ziel der Geschichte ergibt sich erst recht spät. Aber für mich als Hörerin war das gar nicht entscheidend, denn auch so unterhält der Wettbewerb allein wunderbar! Die Auflösung der großen Wahrheit und was hinter Scandor steckt, ist für den ein oder anderen sicher etwas konstruiert. Für mich war es durchaus passend und sinnvoll. Ich hatte von Anfang bis Ende wirklich nichts an der Geschichte auszusetzen.
Zum Schreibstil und dem Sprecher muss ich kaum was sagen. Ursula Poznanski versteht es, den Leser in ihre Welt zu entführen, Empathie für ihre Figuren aufzubauen und ein tolles Setting zu erschaffen. Jens Wawrczeck ist meistens der Sprecher ihrer Hörbücher. Zu ihm muss ich wohl noch weniger sagen…der berühmte Drei-Fragezeichen-Sprecher liest großartig und sehr einfühlsam. Er betont toll und hat ein super Gespür für die Charaktere.

Mich hat die Story hinter „Scandor“ wirklich beeindruckt. Und ein bisschen schockiert. Aber gerade dieser Wechsel war so spannend. Die Handlung, die Charaktere und der Stil sind großartig. Ich habe dieses Mal kein Problem, ehrlich zu sein: Das Hörbuch verdient die vollen fünf Sterne.



22. November 2024

Rezension [Hörbuch]: "A Touch of Snow" von Tracy Wolff

 




Titel: A Touch of Snow
Autorin: Tracy Wolff
Sprecher: Helene Roth & Alexander Pensel
Verlag: Randomhouse Audio
Dauer: 10h 20m

Die Jahreszeit lädt förmlich dazu ein, sich nicht nur wetterbedingt, sondern auch literarisch in eine Wintergeschichte zu begeben. Deswegen griff ich zu einem Hörbuch, dessen Titel und Cover nach Schnee schreien. „A Touch of Snow“ von Tracy Wolff spielt in einem der kältesten Orte der USA und eines der Hauptthemen ist Snowboard. Doch „kalt“ ist das falsche Wort, um die Handlung zu beschreiben. Zwischen den Hauptfiguren geht heiß her. Die Geschichten hat Aufs und Abs, ließ mich  aufgrund der Häufung verschiedenster Traumata aber etwas sprachlos zurück.


Eine Frau, die ihn eiskalt abblitzen lässt? Absolutes Neuland für Profi-Snowboarder Z Michaels, dem die Frauen sonst reihenweise zu Füßen liegen – die attraktive Barfrau Ophelia scheint immun gegen seinen Charme und Erfolg zu sein. Ophelia selbst kam nach einem schweren persönlichen Verlust nach Utah, um ihr gebrochenes Herz zu heilen. Obwohl sie sich stark zu Z hingezogen fühlt, kann sie einen Bad Boy wie ihn gerade nicht gebrauchen! Doch gelingt es der toughen Kellnerin schnell, hinter Zs coole Fassade zu blicken – und sie bemerkt dabei, dass sich unter seiner äußeren Eisschicht ebenfalls eine traumatische Vergangenheit verbirgt …

Der Einstieg in die Geschichte gelingt sehr gut. Tracy Wolff hat einen angenehmen Schreibstil und mir gefiel das Setting wirklich gut. Ein verschneiter Ort im Norden der USA, ein Resort für Wintersport und mittendrin die wärmeliebende Ophelia. Ich hatte sofort ein Gefühl für den Handlungsort und mochte die weibliche Protagonistin. Ophelia ist humorvoll und selbstsicher. Auch Z ist eine spannende Figur. Er ist Profisnowboarder, der dank einer Erbschaft alles hat, was er zum Leben braucht. Doch das einzige, was er wirklich will, ist Adrenalin. Das bekommt er durch seinen Sport und – natürlich – durch Sex. Kein Wunder also, dass er sein Auge auf die neue Barista im Resort geworfen hat. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung, in der es ordentlich knistert. Und das ist untertrieben.
Im Genre New Adult erwartet man inzwischen ja eine ganze Menge Sex. Aber hier hat man davon wirklich viel. Meines Erachtens war das etwas krass. Vor allem, da Z so unglaublich gut im Bett ist, dass Ophelia in einer Nacht zehn (!) Mal kommt. Okay. Realität?
Aber obwohl ich mit beiden Protagonisten durchaus sympathisiert habe, störte mich ein Punkt. Beide haben ein krasses Trauma in der Vergangenheit durchgemacht. Dabei handelt es sich zwar nicht um das gleiche, aber es geht um Verlust. Vor allem Zs Geschichte ist heftig. Natürlich gibt es solche Geschichten auch in der Wirklichkeit. Aber dass eine Vergangenheit, wie die von Z, auf eine, wie die von Ophelia trifft, war mir zu konstruiert. Und als wäre es nicht genug, gibt es einen Cliffhanger, der mal mindestens genauso viel Drama beinhaltet. All diese wirklich heftigen Schicksale waren mir etwas zu krass und vor allem in der Häufigkeit zu extrem. Sie sorgen zwar für einen gewissen Unterhaltungsfaktor, aber eine deprimierende Art von Unterhaltung.
Die Handlung selbst plätschert ein wenig vor sich hin. Im Grunde geht es darum, wie die beiden das Herz des anderen gewinnen und das ist auch sehr schön zu verfolgen. Es geht schnell und es gibt Höhen und Tiefen in ihrer Beziehung. Trotzdem sind die beiden zusammen sehr süß. Nachdem sie sich aber bekommen haben, fehlt irgendwie der rote Faden. Ich war beim Hören eher verwundert, dass die Geschichte „schon“ vorbei war, denn ich nahm an, irgendetwas Großes müsse noch passieren. Man kann aber sagen, dass es eben um die verschiedenen Traumata geht und wie die Protas diese bewältigen.
Gut gefallen haben mir die Nebenfiguren. Zs Freunde Ash, Luke und Cam sind tolle Charaktere, die für Humor in der Geschichte sorgen. Durch sie wird Zusammenhalt symbolisiert, was mir gefiel. Auch das Thema Snowboard fand ich wirklich spannend. Es ist schon verrückt, was manche Leute im Schnee vollbringen können. Meiner Meinung nach hat die Autorin hier einen wirklich guten Job gemacht, denn sie beschreibt die rasanten Fahrten richtig gut und man hat sofort ein authentisches Bild vor Augen.
Die Kapitel sind im Wechsel zwischen Ophelia und Z geschrieben. Für beide gibt es auch einen eigenen Sprecher. Sowohl Helene Roth als auch Alexander Pensel haben sehr schöne Stimmen, die gut zur jeweiligen Figuren passen. Ich mochte es, wie beide gelesen haben.


Insgesamt habe ich mich gern in die verschneite Welt von Ophelia und Z begeben und ihre Geschichte gehört. Sie ist unterhaltsam, beinhaltet viel Liebe aber vor allem auch viele Traumata. Das war mir insgesamt zu krass, weshalb ich drei von fünf Sternen vergebe.






27. Juli 2018

Rezension: "Der letzte erste Blick" von Bianca Iosivoni



Titel: Der letzte erste Blick
Autor: Bianca Iosivoni
Verlag: LYX
Preis: 10,00€
Seiten: 464


Auf Bianca Iosivoni wurde ich nur dank Buchmessen aufmerksam. Doch durch ihre sympathischen Auftritte begann ich ein Buch von ihr zu lesen, mochte es und verfolge seitdem ihre Veröffentlichungen. „Der letzte erste Blick“ war auf meinen ersten Blick gar nicht meine Lektüre. Doch als ich der Autorin bei einer Lesung lauschte, wurde ich neugierig. Und so griff ich zu diesem New Adult Buch. Insgesamt wusste ich, was mich erwartet und Bianca Iosivoni bleibt den Kriterien des Genres mehr als treu. Und trotz zum Teil prototypischer Charaktere hat die Geschichte auch einen süßen Beigeschmack und beinhaltet gleichzeitig sehr ernste Themen. „Auf den letzten ersten Blick“ ist eine unterhaltsame und solide Geschichte des Genres, die ich gern weiterempfehle.

Das Einzige, was Emery Lance sich wünscht, als sie ihr Studium in West Virginia beginnt, ist ein Neuanfang. Sie möchte studieren, und zwar ohne das Gerede, das Getuschel und die verurteilenden Blicke der Leute zu Hause. Dafür nimmt sie sogar in Kauf, dass sie mit dem nervigsten Kerl aller Zeiten in einer WG landet. Doch es kommt schlimmer: Dessen bester Freund Dylan Westbrook bringt ihr Herz mit einem einzigen Blick zum Rasen. Dabei gehört er zu der Sorte Mann, von der Emery sich unbedingt fernhalten wollte: zu gut aussehend, zu nett, zu lustig. Und eine große Gefahr für ihr ohnehin schon zerbrechliches Herz...

Ich lese nicht sehr viel New Adult, bin zwischendurch aber immer für diese prickelnden Geschichten zu haben. Von „Der letzte erste Blick“ erwartete ich mir eine nette Collegegeschichte mit Höhen und Tiefen und genau das habe ich auch bekommen. Insgesamt ist der Aufbau des Buches doch sehr prototypisch. Emery hat ein dunkles Geheimnis, das sie hinter sich lassen will. Deswegen geht sie an ein College, das wahnsinnig weit weg von zu Hause ist. Sie ist ein frecher und ein bisschen kratzbürstiger Charakter, der Schutzmauern um sich herum errichtet hat. Kein Wunder bei dem, was man später erfährt. Sie findet schneller Anschluss an eine Clique, als sie gedacht hätte und so nimmt die Sache ihren Lauf. Denn Mitglied dieser Clique ist Dylan, der Emery sofort aufgefallen ist. Ihre biestige Art gefällt ihm mehr, als er zugeben will und zwischen den beiden entsteht eine interessante Beziehung. Doch natürlich haben beiden Charaktere Schicksalsschläge hinnehmen müssen, Probleme entstehen, die erst überwunden werden müssen und tada – am Ende ist alles gut. Im Grunde ist der Aufbau also ziemlich typisch und man weiß, wie das Ganze enden wird. Und trotzdem macht das Lesen sehr viel Spaß! 
Dylan und Emery sind tolle Charaktere, die von noch besseren Nebenfiguren ergänzt werden. Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil der „First-Reihe“ und in den beiden weiteren Bänden spielen genau diese tollen Nebenfiguren die Hauptrolle, was ich sehr gut finde. Da wäre zum Beispiel die niedliche Ellen, die mit dem Draufgänger Luke befreundet ist. Oder ihre reizende Mitbewohnerin Tate, dann Dylans bester Freund und Emerys Mitbewohner Mason. Die Clique besteht aus ziemlich coolen Menschen, die zusammen hervorragend funktionieren. Ich mochte die Clique sehr, denn sie symbolisiert Zusammenhalt. Aber auch die beiden Protagonisten sind gut gelungen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und so entsteht eine Beziehung, die durchaus unter die Haut geht. Die Sexszenen sind übrigens sehr gut geschrieben, was bei dem Genre wichtig ist. Ich mochte Dylan sehr, Emery war nicht zu 100% mein Fall. Sie ist frech und süß und hat auch viele Schwächen. Schwächen einer Figur aufzuzeigen, finde ich immer wichtig und das gelingt hier gut. Ihr großes Geheimnis aus ihrer Vergangenheit ist schnell zu erraten und scheint anfangs etwas übertrieben. Doch ehrlich gesagt ist in der heutigen Welt von instagram, twitter und co. so einiges möglich. Und daher finde ich den ernsten Aspekt, den die Autorin hineinbringt sehr gelungen. Die Themen Altsheimer und Alkoholismus werden übrigens auch miteingebracht. So ist für Ernsthaftigkeit auf jeden Fall gesorgt. Und diese wird mit Frechheit und Romantik gemischt, was durchaus funktioniert. Mir war das Ziel der Geschichte nicht immer klar, auch wenn man das Ende erwarten konnte. Dennoch hat die Autorin mich mit der Auflösung der Wende überrascht und das ist immer gut. Der Stil von Bianca Iosivoni ist übrigens sehr gut und flüssig. Sie passt den Wortschatz dem Genre gut an. Die Kapitel sind außerdem im Wechsel von Dylan und Emery verfasst. Zwar glaube ich, dass die wenigsten Männer so romantisch denken, wie Dylan, aber uns Frauen bringen gerade diese Kapitel zum Dahinschmelzen.


Insgesamt hat Binaca Iosivoni mit „Der letzte erste Blick“ das Rad nicht neu erfunden, aber ein schönes Buch aus dem New Adult Bereich geschrieben. Dylan und Emery passen toll zusammen und werden durch hervorragende Charaktere ergänzt. Das Buch ist unterhaltsam und hat sehr schöne und romantische Stellen. Andere hingegen sind sehr prototypisch. Und dennoch gefiel mir, dass die Autorin auch sehr ernste Probleme angerissen hat. Alles in allem wurde ich gut unterhalten und meine Erwartungen wurden voll erfüllt. Deswegen vergebe ich 4 von 5 Spitzenschuhen.



3. März 2018

Rezension: "Eine Handvoll Lila" von Ashley Harring Blake


Titel: Eine Handvoll Lila
Autor: Ashley Harring Blake
Verlag: Magellan
Preis: 18,00€
Seiten: 352



Der Magellan Verlag ist für seine besonderen Geschichten bekannt. Hinzu kommen zumeist noch unglaublich detailreiche und wunderschöne Cover. So eher die Regel, als die Ausnahme bei Magellan. Und beides trifft auch auf das neue Buch „Eine Handvoll Lila“ zu. Es handelt sich um ein Buch, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog! Ich liebe das Piano als Instrument und die dargestellten Tasten sind einfach traumhaft. Dazu der einprägsame und ungewöhnliche Titel, die Farbe Lila und all die Noten. Ein perfektes Cover! Doch auch der Klappentext macht Lust auf mehr und er lässt bereits erahnen, dass die Geschichte dahinter intensiv, ernst und beeindruckend ist. „Eine Handvoll Lila“ handelt von einem Mädchen, das eigentlich schon alles erleben musste und noch immer leidet. Das Buch ist einfühlsam und besonders, es ist erschreckend und nimmt den Leser emotional mit. Mir gefiel nicht immer, was ich gelesen habe, aber es hat mich berührt! Denn dieses Buch ist wirklich etwas Besonderes!

Lila lackierte Fingernägel sind das Markenzeichen von Grace und ihrer Mutter Maggie. Dabei könnten sie sonst nicht unterschiedlicher sein: die ehrgeizige Grace will nach der Schule Musik studieren, denn sie ist eine begabte Pianistin. Ihre Mutter dagegen ist das personifizierte Chaos und stolpert von einer schlechten Entscheidung in die nächste, ohne zu verstehen, was sie ihrer Tochter damit antut. Erst als Eva in ihr Leben tritt, glaubt Grace, sich mit ihrer Hilfe endlich aus den Fängen ihrer Mutter und der engen Kleinstadt befreien zu können. Doch als Maggie immer mehr an Bodenhaftung verliert, steht auch die Zukunft der beiden Mädchen auf dem Spiel. Jetzt ist es an Grace, sich und Eva zu retten, und endlich zu lernen, wie man liebt und wie man loslässt.

Ich wollte „Eine Handvoll Lila“ aus verschiedenen Gründen lesen. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass das Cover mich beeindruckt hat. Das Thema der Musik war ebenfalls wichtig, aber der Klappentext reizte mich auch, denn er lässt eine sehr pure Geschichte erahnen. Meiner Meinung nach lässt sich das Buch in keine Schublade sortieren, denn es ist unglaublich vielseitig. Im Zentrum steht auf jeden Fall Grace. Sie ist die Protagonistin und der Leser muss zusehen, wie ihr Leben ein ständiges Auf und Ab imitiert. Grace ist eine unglaublich starke Persönlichkeit, die einfach viel zu früh erwachsen werden musste. Sie ist erst 17 Jahre alt und gibt alles für ihren Traum, Pianistin zu werden. Man erfährt sehr früh von einem Vorspiel in New York, für das sie in wenigen Monaten eingeladen wurde. Ihr Traum scheint zum Greifen nah zu sein. Doch nach und nach wird dem Leser klar, dass Graces Leben nicht nur chaotisch, sondern die reinste Katastrophe ist! Und das liegt an ihrer Mutter Maggie. Auch sie ist eine starke Frau, doch sie personifiziert all das, was Trauer mit einem Menschen macht und wie sie ihn in Abgründe stürzt. Denn Maggie ist schon längst am Abgrund. Sie ist Alkoholikerin, zieht von einer Wohnung in die nächste, findet immer wieder den neuen „Richtigen“, schleppt ihre Tochter immer weiter und gibt keinerlei Halt. All die Details um Maggie kommen im Buch nur nach und nach ans Tageslicht und jedes neue Detail machte mich als Leser fertig. Es ist einfach so traurig, zu beobachten, wie Maggie den Geburtstag von Grace vergisst, nicht mehr weiß, was sie am letzten Abend getan hat oder ihre eigene Tochter bestiehlt. Mir fehlten wirklich immer wieder die Worte! Und das Schlimmste daran: Es ist so realistisch! Ich konnte die Figurenzeichnung von Maggie sehr gut verstehen. Und genau diese Zeichnung macht auch aus Grace den Menschen, den wir kennen lernen: immer wieder verletzt, immer wieder enttäuscht. Diese Mutter-Tochter Beziehung ist grauenhaft, ist genauso wie sie nicht sein sollte und es zerriss mir das Herz. Aber jede Sekunde ist diese Beziehung authentisch beschrieben, sie wird unglaublich gut dargestellt und mich hat dieses ganze Thema sehr beeindruckt! Vor allem, wie Grace eben damit umgeht. Der Leser kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie er selbst handeln würde, wenn die eigene Mutter so agiert. „Eine Handvoll Lila“ schildert Abgründe des täglichen Lebens, befasst sich aber mit wichtigen Themen (und häufiger auftretenden, als man denkt), wenn man mich fragt. 
Und der Alkoholismus, die Trauerverarbeitung und die Beziehungsentwicklung sind nicht einmal die  präsentesten Themen des Buches. Das große ist ein anderes. Denn die Liebesgeschichte des Buches spielt sich zwischen zwei Mädchen ab. Oh ja. Grace verliebt sich in Eva. Dabei hatte Grace bereits männliche Freunde. Sie ist bisexuell und geht vollkommen offen damit um! Ich finde es großartig, wie Grace zu diesem Schluss kommt, wie allgemein über Bisexualität geurteilt wird und auch, wie diese dargestellt wird. Denn Liebe ist Liebe. Und genau diese Botschaft bringt das Buch toll herüber. Für mich war es manchmal ein bisschen befremdlich, die Szenen zwischen den Mädchen zu verfolgen. Aber diese sind immer sehr sensibel beschrieben und ich fand sie auch sehr authentisch. Das Thema der Sexualität ist sehr gut geschildert und spielt eine große Rolle im Buch. Eva ist ein interessanter Charakter. Sie führt ein ähnlich furchtbares Leben, wie Grace. Denn ihre Mutter ist vor kurzem gestorben, von New York ging es ins kleine Kaff am Meer und sie gab das Balletttanzen auf. Eva ist vielschichtig und bringt viel Frische in die Geschichte. Grace ist vom ersten Augenblick an von ihr fasziniert. Diese Faszination konnte ich natürlich nicht in dieser Weise nachvollziehen, aber sie passt zum Buch. Nebenbei bemerkt, ist Eva übrigens farbig. Mir gefiel die Charakterauswahl des Buches sehr gut! Es bricht mit Konventionen. Die Protagonisten sind innerlich kaputt, bisexuell oder farbig. Man hat es hier nicht mit einer heile-Welt-Geschichte zu tun. Man befindet sich in der Realität. So brutal es auch ist. Aber Ashley Herring Blake macht eine tolle Geschichte daraus.
In dieser hat mir manchmal aber der Spannungsbogen gefehlt. Zwischenzeitlich plätschert die Geschichte nur vor sich hin, bis sie am Ende richtig Fahrt aufnimmt. Die letzten 60 Seiten sind super spannend und interessant! Das Ende des Buches gefiel mir auch sehr, denn es ist einfach passend. Ebenfalls toll sind übrigens die liebevollen Nebenfiguren. Luca ist Graces bester Freund und er sorgt für so viel Freude im Buch! Auch seine Mutter Emmy ist ein so herzlicher Charakter, der dem Buch sehr gut tut. Zu Maggie brauche ich glaube ich nichts mehr zu sagen. Sie sorgte immer wieder dafür, dass ich verstört vor dem Buch saß. Denn „Eine Handvoll Lila“ macht genau das mit dem Leser: Es nimmt ihn emotional mit und lässt ihn nicht mehr los! Ich war von der Handlung zeitweise erschreckt und ich finde wenig an der Geschichte richtig schön. Aber beeindrucken konnte sie mich dennoch!
Der Stil der Autorin ist flüssig und natürlich. Man kommt schnell durchs Buch, ihr Spannungsaufbau gefiel mir allerdings nicht so.


Alles in allem ist „Eine Handvoll Lila“ ein Buch mit wertvollen Themen unserer modernen Gesellschaft. Es ist pur, leidenschaftlich, emotionsgeladen und erschreckend realistisch. Jeder Handlungsfaden weist Authentizität auf und man kann die Geschichte glauben. Diese hat so viele Aspekte, so viele verschiedene Diversity-Faktoren, dass das Buch allein deswegen interessant ist. Es geht um eine kaputte Mutter-Tochter-Beziehung, um ein Mädchen, das für seine Träume einstehen will, aber viel zu wenig interessiert, was es selbst vom Leben will und um eine gleichgeschlechtliche Liebe. Aber ich wiederhole mich: Liebe ist Liebe. Und genau das bringt „Eine Handvoll Lila“ auf den Punkt. Es ist nicht immer einfach im Leben – aber es ist das Leben. Und Grace macht das Beste daraus. Ich vergebe 4 von 5 Spitzenschuhen.



17. Februar 2018

Rezension: "Verliere mich. Nicht" von Laura Kneidl


Titel: Verliere mich. Nicht. 
Autor: Laura Kneidl 
Verlag: LYX 
Preis: 12,90€ 
Seiten: 480

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Nachdem ich „Berühre mich. Nicht“ vor kurzem beendet hatte, musste schnell Band zwei her. Eigentlich habe ich kein Problem mit dem Warten auf einen nächsten Teil. Aber bei Sage und Luca wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und so griff ich zum Finale der Dilogie mit dem schönen und passenden Titel „Verliere mich. Nicht“. Der Nachfolger ist ebenso berührend und liebevoll, hat aber nicht mehr die starke Sogbewegung, wie Band eins. Ein tolles Buch, welches vor allem am Ende sehr spannend ist, das ein schöner – aber hinter Band eins zurückbleibender – Abschluss ist.

Mit Luca war Sage glücklicher als je zuvor in ihrem Leben. Er hat ihr gezeigt, was es bedeutet, zu vertrauen. Zu leben. Und zu lieben. Doch dann hat Sage' dunkle Vergangenheit sie eingeholt - und ihr Glück zerstört. Sage kann Luca nicht vergessen, auch wenn sie es noch so sehr versucht. Jeder Tag, den sie ohne ihn verbringt, fühlt sich an, als würde ein Teil ihrer selbst fehlen. Aber dann taucht Luca plötzlich vor ihrer Tür auf und bittet sie, zurückzukommen. Doch wie soll es für die beiden eine zweite Chance geben, wenn so viel zwischen ihnen steht?

„Berühre mich. Nicht“ endet mit einem fiesen Cliffhanger. Einer, der in Hinblick auf die Liebesgeschichte gemein ist, der aber was das emotionale Thema anbelangt, noch viel schlimmer ist. Sage ist am Boden. Sie hat Luca von sich gestoßen und wurde von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt – ein Rückfall. Genauso düster wie es klingt, beginnt auch „Verlier mich. Nicht“. Sage ist wieder auf sich allein gestellt und verbringt die Feiertage einsam in einem schäbigen Motel. Der Leser muss sich erst einmal den Gefühlen von Sage, aber auch seinen eigenen stellen. Ich empfand vor allem Mitleid für die junge Frau, die sich über Monate hinweg so viel aufgebaut hat.
Das Buch beginnt recht träge und langsam. Erst, als April wieder vor Sages Tür steht, nimmt die Sache Fahrt auf. Man kennt es aus Teil eins, dass Laura Kneidl vor allem mit einer gewissen Ruhe in der Handlung spielt. Diese Ruhe gefiel mir sehr gut und auch in Band zwei kann man sie spüren. Das gewisse Etwas hat mir zu Beginn aber gefehlt. Es dauert eine Weile, bis Luca das erste Mal auf der Bildfläche auftaucht, was für jede weibliche Leserin schade ist. Denn sind wir ehrlich: Luca trägt einen ganz großen Teil der Handlung. Er ist ein so lieber Charakter, dass man sein gebrochenes Herz richtig nachfühlen kann. Doch er kann auch ein Arschloch sein und damit muss Sage vor allem am Anfang kämpfen. Ich finde, die Figuren haben sich authentisch verhalten und ihrem Charakter entsprechend gehandelt. Es ist kein großes Geheimnis, wenn ich sage, dass Luca und Sage sich im Laufe des Buches wieder näher kommen. Luca steht irgendwann vor Sages Moteltür und sie zieht wieder in die Geschwister-WG. Insgesamt wird die Handlung nun ein wenig in die Länge gezogen. Sage ist zum Teil sehr naiv und handelt aus den falschen Gründen. Ihrem Wesen bleibt sie allerdings treu und insgesamt hat sie in den beiden Büchern eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Mir fehlte zwischendurch ein wenig die Spannung im Buch. Das letzte Drittel wiederum ist wahnsinnig gut und ähnelt einem Showdown. Der Teil dazwischen lebt lediglich von kleinen Flirts, tieferen Annäherungen und erneuten Rückstößen. Doch zum Glück gibt es das letzte Drittel: Große Gefühle, viel Ehrlichkeit und lang ersehnte Erlösung warten auf den Leser – in jeglicher Hinsicht. Mir hat es sehr gut gefallen, dass die Autorin am Ende wieder ihren Fokus findet und auch die Geschichte mit Allan absolut auf den Punkt gebracht wird. Das Finale hat mir dementsprechend sehr gut gefallen! Insgesamt war meiner Meinung nach manchmal zu wenig Fahrt in der Geschichte, was den Mittelteil betrifft. Das Ende ist aber ein würdiger Abschluss.
Die Figuren von „Verliere mich. Nicht“ sind genauso toll, wie noch in Band eins. Ich sprach bereits von Sages toller Entwicklung. Diese kann überhaupt nur stattfinden, dank der anderen tollen Figuren. Natürlich ist hier zuerst Luca zu nennen. Er ist der Auslöser für ihre Veränderung und er ist ihr Fels in der Brandung. Ich mochte seinen Charakter immer sehr und ich finde er handelt nachvollziehbar. Die Szenen zwischen Sage und ihm haben immer eine gewisse Spannung und genau das richtige Prickeln. Die kleinen Erotikstellen, die es im Buch übrigens auch gibt, haben mir sehr gut gefallen. Deutliche besser noch, als in Band eins. Mein Lieblingscharakter ist übrigens April. Sie ist erfrischend und so ehrlich. Sie ist genau die richtige Freundin für Sage. Und ich glaube übrigens auch, dass ihre Geschichte noch nicht ganz erzählt ist. Zumindest fehlte mir die Auflösung, was sie und Gavin betrifft. Dieser spielt in Band zwei übrigens nur eine untergeordnete Rolle, was ich schade fand. Dafür kommt Cameron mehr zum Tragen, was mir auch gefiel! Insgesamt deutet Laura Kneidl viel an, was die Beziehungen ihrer Nebenfiguren betrifft, das wenigste wird aber aufgeklärt. Hier hätte ich mir im Epilog noch den ein oder anderen Satz gewünscht, aber gut – das Leben ist kein Wunschkonzert. Und das weiß auch Sage.
Das ernste Thema des Missbrauchs wird meines Erachtens gut aufgelöst und es wird weiterhin sensibel damit gearbeitet. Die Auflösung dieses Szenarios empfand ich als sehr erlösend. Hier liegt eine absolut runde Sache vor. Eine runde Sache ist auch der Stil der Autorin. Romantisch, unschuldig, frech und zurückhaltend zugleich. Laura Kneidl hat genau das richtige Gespür für ihre Geschichte und wie sie diese erzählen muss. Man liest das Buch sehr schnell und flüssig und an ihrem Stil ist absolut nichts zu meckern.



„Verliere mich. Nicht“ ist wieder ein schönes Buch, das eine tolle Reihe mit ernstem Kern abschließt. Es hat wahnsinnig tolle Stellen, doch vor allem der Mittelteil ist sehr langatmig. Das letzte Drittel wiederum besticht mit Gefühl und Spannung und lässt den Leser daher begeistert zurück. Sage und Luca sind tolle Protagonisten, zwischen denen die Chemie einfach stimmt. Insgesamt hat mit aber etwas an diesem Finale gefehlt und am Ende hätte ich mir ein wenig mehr Auflösung gewünscht. Nichtsdestotrotz lege ich euch diese Reihe ans Herz und vergebe für „Verliere mich. Nicht“ vier Spitzenschuhe – ich hoffe, sie gehen nicht verloren.



5. Februar 2018

Rezension: "Berühre mich. Nicht" von Laura Kneidl


Titel: Berühre mich. Nicht
Autor: Laura Kneidl
Verlag: LYX
Preis: 12,90€
Seiten: 464


Manchmal kann man sich in der Buchwelt bestimmten Büchern nicht entziehen. Auf jeder Plattform springt einem das bestimmte Buch entgegen, man wird neugierig und ehe man sich versieht, haben die durchweg positiven Stimmen dich zum Kauf bewogen. Dieses Phänomen gibt es immer wieder. Aber das Tolle an diesem Prozess ist, dass oft der Fall eintritt, dass man das Buch tatsächlich liebt. Dann kann man all die schwärmenden Stimmen ruhigen Gewissens unterstützen und sich daran erfreuen!
So erging es mir bei „Berühre mich. Nicht“ von Laura Kneidl. Ich hatte zuvor bereits etwas von der Autorin gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. „Berühre mich. Nicht“ bekam nun schnell eine Menge Aufmerksamkeit. Der Titel ist ungewöhnlich und das Cover auf eine merkwürdige Weise sehr schön. Ich hörte nur Herausragendes über das Buch. Und deswegen brauchte ich es. Eine Weile ließ ich es in meinem Regal stehen, doch die vielen guten Rückmeldungen nahmen nicht ab und deswegen griff ich zur Geschichte von Sage und Luca. Sie hat mich beeindruckt. Sie hat mich berührt! Und obwohl sie so ruhig und in gewisser Weise unspektakulär ist, ist sie einfach der Wahnsinn!


Als Sage in Nevada ankommt, besitzt sie nichts - kein Geld, keine Wohnung, keine Freunde. Nichts außer dem eisernen Willen, neu zu beginnen und das, was zu Hause geschehen ist, zu vergessen. Das ist allerdings schwer, wenn einen die Erinnerungen auf jedem Schritt begleiten und die Angst immer wieder über einen hereinbricht. So auch, als Sage ihren Job in einer Bibliothek antritt und dort auf Luca trifft. Mit seinen stechend grauen Augen und seinen Tätowierungen steht er für alles, wovor Sage sich fürchtet. Doch Luca ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint. Und als es Sage gelingt, hinter seine Fassade zu blicken, lässt das ihr Herz gefährlich schneller schlagen ...

Ich hatte oft gelesen, dass das Buch den Leser von der ersten Seite an packt. Das konnte ich mir kaum vorstellen. Aber auch ich wurde sofort in den Sog von „Berühre mich. Nicht“ gezogen. Die Geschichte hat so etwas herrlich Ruhiges und ist dennoch spannend und packend. Der Leser lernt Sage als jemanden kennen, der einen Neubeginn startet. Sie schläft in ihrem Transporter, braucht dringend Geld und ist nur nach Nevada gekommen, um möglichst weit weg von ihrer Familie zu sein. Denn in ihrer Vergangenheit ist etwas vorgefallen. Es wird schnell klar, worum es sich handelt und es ist erschreckend. Laura Kneidl hat viel Mut bewiesen, indem sie sich diesem Thema gewidmet hat. Es ist schwer, über so etwas Sensibles zu schreiben, denn für jemanden wie mich ist das ganze Szenario vollkommen unvorstellbar und einfach nur furchtbar. Aber die Autorin macht es großartig.
Sages gesamte Entwicklung ist sehr langsam und so tauchen auch nur langsam Stücke aus ihrer Vergangenheit auf, die den Leser verstehen lassen. Es ist ein vorsichtiges Antasten und Entwickeln und diese Art und Weise gefiel mir sehr gut! Ich weiß nicht, ob Opfer solcher Taten sich so fühlen, oder ob die Beschreibungen authentisch sind, aber für mich waren sie das. Die Autorin ließ mich mitfühlen und das auf jede erdenkliche Weise. Sage ist ein Wahnsinnscharakter. Sie hat Angst, aber auch Hoffnung. Und ich bewundere sie zutiefst. Nur mit ihr könnte das Buch aber nicht funktionieren. Und auch wenn „Berühre mich. Nicht“ immer als Geschichte von Sage und Luca angepriesen wird, so empfand ich das erst im zweiten Teil des Buches so. Denn Sages Entwicklung hatte für mich deutlich Priorität. Sicher, Luca ist unglaublich wichtig und auch der Stein, der vieles ins Rollen gebracht hat. Doch da wäre auch April, Lucas Schwester und Sages erste und einzige Freundin in Neveada. Ich habe April geliebt, genauso wie Sage und Luca auch. Sie ist quirlig und genau die Freundin, die Sage braucht. Auch ihre Kindheitsfreundin Meghan ist der Wahnsinn, so pur, so real! Und dann eben noch Luca. Anfangs macht es den Anschein, er wäre ein Bad Boy, aber sein Charakter ist so viel mehr. Ich finde, ihn und Sage hat Laura Kneidl ganz einfach unglaublich gut getroffen. Diese beiden Charaktere beweisen wahre Tiefe. Man kann sie verstehen und ihr Innenleben nachfühlen. Und auch jegliche Nebenfiguren sind sehr gut gezeichnet!
Es ist wirklich unglaublich, was dieses Buch mit dem Leser machen kann. Ehe man sich versieht, ist man bereits auf der Hälfte, ohne dass besonders viel passiert ist. Denn das Buch hat sein eigenes, langsames Tempo. Es gibt keine großen Handlungsausbrüche und dennoch ist es spannend! Es geht um Sage und wie sie das Leben zu meistern versucht. Wie sie mit ihrer Vergangenheit umgeht und diese zu bewältigen versucht. Und es geht um einen Jungen, der so viel Herz besitzt, das genau dieses Herz Sage helfen kann, um ihr eigenes zu heilen. Die Chemie zwischen Luca und Sage ist von Anfang an da und sie sind ein tolles Paar. Die Vorsicht und Rücksicht zwischen beiden ist erstaunlich und sehr, sehr schön. Erst spät finden die beiden wirklich zueinander und großes Vertrauen wird entwickelt. Dabei tauchen die für das Genre so typischen erotische Szenen auf, die mir hier aber sehr passend erschienen und nur kurzen Umfang haben. Sie zeigen noch einmal eine andere, aber sehr authentische Seite. 
Die Spannung der Geschichte ist schwer zu beschreiben. Glaubt mir einfach, dass man immer weiter lesen will und das, obwohl man eben nicht genau weiß, worauf es hinauslaufen wird. Laura Kneidl hat einen phänomenalen Job gemacht. Ihr Stil ist wunderschön, verletzlich und träumerisch zugleich. Er ist realistisch und einfühlsam. Man verliert sich in dem Buch und seinem Stil.



„Berühre mich. Nicht“ ist ein wunderschönes Buch, das neben einer tollen, langsamen und authentischen Liebesgeschichte auch ein sehr ernstes Thema beinhaltet. Ich fand dieses Thema unglaublich interessant und die Autorin geht sehr behutsam und sensibel vor. Mich hat das Buch einfach in seinen Bann gezogen. Gründe dafür sind der tolle Stil, die wunderschöne Geschichte und die ausgezeichnet getroffenen Charaktere. Aber auch die Botschaft, die das Buch vermittelt. Direkt nach dem Auslesen gestern besorgte ich mir Band zwei. Ich bin sehr gespannt, wie es in „Verliere mich. Nicht“ weitergehen wird. Denn der Cliffhanger ist überaus gemein. Natürlich vergebe ich für dieses besondere Buch volle fünf Spitzenschuhe.