5. Februar 2018

Rezension: "Berühre mich. Nicht" von Laura Kneidl


Titel: Berühre mich. Nicht
Autor: Laura Kneidl
Verlag: LYX
Preis: 12,90€
Seiten: 464


Manchmal kann man sich in der Buchwelt bestimmten Büchern nicht entziehen. Auf jeder Plattform springt einem das bestimmte Buch entgegen, man wird neugierig und ehe man sich versieht, haben die durchweg positiven Stimmen dich zum Kauf bewogen. Dieses Phänomen gibt es immer wieder. Aber das Tolle an diesem Prozess ist, dass oft der Fall eintritt, dass man das Buch tatsächlich liebt. Dann kann man all die schwärmenden Stimmen ruhigen Gewissens unterstützen und sich daran erfreuen!
So erging es mir bei „Berühre mich. Nicht“ von Laura Kneidl. Ich hatte zuvor bereits etwas von der Autorin gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. „Berühre mich. Nicht“ bekam nun schnell eine Menge Aufmerksamkeit. Der Titel ist ungewöhnlich und das Cover auf eine merkwürdige Weise sehr schön. Ich hörte nur Herausragendes über das Buch. Und deswegen brauchte ich es. Eine Weile ließ ich es in meinem Regal stehen, doch die vielen guten Rückmeldungen nahmen nicht ab und deswegen griff ich zur Geschichte von Sage und Luca. Sie hat mich beeindruckt. Sie hat mich berührt! Und obwohl sie so ruhig und in gewisser Weise unspektakulär ist, ist sie einfach der Wahnsinn!


Als Sage in Nevada ankommt, besitzt sie nichts - kein Geld, keine Wohnung, keine Freunde. Nichts außer dem eisernen Willen, neu zu beginnen und das, was zu Hause geschehen ist, zu vergessen. Das ist allerdings schwer, wenn einen die Erinnerungen auf jedem Schritt begleiten und die Angst immer wieder über einen hereinbricht. So auch, als Sage ihren Job in einer Bibliothek antritt und dort auf Luca trifft. Mit seinen stechend grauen Augen und seinen Tätowierungen steht er für alles, wovor Sage sich fürchtet. Doch Luca ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint. Und als es Sage gelingt, hinter seine Fassade zu blicken, lässt das ihr Herz gefährlich schneller schlagen ...

Ich hatte oft gelesen, dass das Buch den Leser von der ersten Seite an packt. Das konnte ich mir kaum vorstellen. Aber auch ich wurde sofort in den Sog von „Berühre mich. Nicht“ gezogen. Die Geschichte hat so etwas herrlich Ruhiges und ist dennoch spannend und packend. Der Leser lernt Sage als jemanden kennen, der einen Neubeginn startet. Sie schläft in ihrem Transporter, braucht dringend Geld und ist nur nach Nevada gekommen, um möglichst weit weg von ihrer Familie zu sein. Denn in ihrer Vergangenheit ist etwas vorgefallen. Es wird schnell klar, worum es sich handelt und es ist erschreckend. Laura Kneidl hat viel Mut bewiesen, indem sie sich diesem Thema gewidmet hat. Es ist schwer, über so etwas Sensibles zu schreiben, denn für jemanden wie mich ist das ganze Szenario vollkommen unvorstellbar und einfach nur furchtbar. Aber die Autorin macht es großartig.
Sages gesamte Entwicklung ist sehr langsam und so tauchen auch nur langsam Stücke aus ihrer Vergangenheit auf, die den Leser verstehen lassen. Es ist ein vorsichtiges Antasten und Entwickeln und diese Art und Weise gefiel mir sehr gut! Ich weiß nicht, ob Opfer solcher Taten sich so fühlen, oder ob die Beschreibungen authentisch sind, aber für mich waren sie das. Die Autorin ließ mich mitfühlen und das auf jede erdenkliche Weise. Sage ist ein Wahnsinnscharakter. Sie hat Angst, aber auch Hoffnung. Und ich bewundere sie zutiefst. Nur mit ihr könnte das Buch aber nicht funktionieren. Und auch wenn „Berühre mich. Nicht“ immer als Geschichte von Sage und Luca angepriesen wird, so empfand ich das erst im zweiten Teil des Buches so. Denn Sages Entwicklung hatte für mich deutlich Priorität. Sicher, Luca ist unglaublich wichtig und auch der Stein, der vieles ins Rollen gebracht hat. Doch da wäre auch April, Lucas Schwester und Sages erste und einzige Freundin in Neveada. Ich habe April geliebt, genauso wie Sage und Luca auch. Sie ist quirlig und genau die Freundin, die Sage braucht. Auch ihre Kindheitsfreundin Meghan ist der Wahnsinn, so pur, so real! Und dann eben noch Luca. Anfangs macht es den Anschein, er wäre ein Bad Boy, aber sein Charakter ist so viel mehr. Ich finde, ihn und Sage hat Laura Kneidl ganz einfach unglaublich gut getroffen. Diese beiden Charaktere beweisen wahre Tiefe. Man kann sie verstehen und ihr Innenleben nachfühlen. Und auch jegliche Nebenfiguren sind sehr gut gezeichnet!
Es ist wirklich unglaublich, was dieses Buch mit dem Leser machen kann. Ehe man sich versieht, ist man bereits auf der Hälfte, ohne dass besonders viel passiert ist. Denn das Buch hat sein eigenes, langsames Tempo. Es gibt keine großen Handlungsausbrüche und dennoch ist es spannend! Es geht um Sage und wie sie das Leben zu meistern versucht. Wie sie mit ihrer Vergangenheit umgeht und diese zu bewältigen versucht. Und es geht um einen Jungen, der so viel Herz besitzt, das genau dieses Herz Sage helfen kann, um ihr eigenes zu heilen. Die Chemie zwischen Luca und Sage ist von Anfang an da und sie sind ein tolles Paar. Die Vorsicht und Rücksicht zwischen beiden ist erstaunlich und sehr, sehr schön. Erst spät finden die beiden wirklich zueinander und großes Vertrauen wird entwickelt. Dabei tauchen die für das Genre so typischen erotische Szenen auf, die mir hier aber sehr passend erschienen und nur kurzen Umfang haben. Sie zeigen noch einmal eine andere, aber sehr authentische Seite. 
Die Spannung der Geschichte ist schwer zu beschreiben. Glaubt mir einfach, dass man immer weiter lesen will und das, obwohl man eben nicht genau weiß, worauf es hinauslaufen wird. Laura Kneidl hat einen phänomenalen Job gemacht. Ihr Stil ist wunderschön, verletzlich und träumerisch zugleich. Er ist realistisch und einfühlsam. Man verliert sich in dem Buch und seinem Stil.



„Berühre mich. Nicht“ ist ein wunderschönes Buch, das neben einer tollen, langsamen und authentischen Liebesgeschichte auch ein sehr ernstes Thema beinhaltet. Ich fand dieses Thema unglaublich interessant und die Autorin geht sehr behutsam und sensibel vor. Mich hat das Buch einfach in seinen Bann gezogen. Gründe dafür sind der tolle Stil, die wunderschöne Geschichte und die ausgezeichnet getroffenen Charaktere. Aber auch die Botschaft, die das Buch vermittelt. Direkt nach dem Auslesen gestern besorgte ich mir Band zwei. Ich bin sehr gespannt, wie es in „Verliere mich. Nicht“ weitergehen wird. Denn der Cliffhanger ist überaus gemein. Natürlich vergebe ich für dieses besondere Buch volle fünf Spitzenschuhe.



Kommentare:

  1. Hallo Julia,

    ich war auf das Buch auch richtig neugierig, weil es so gut besprochen wurde, aber ich wollte es mir so schnell eigentlich nicht kaufen, weil ich mit gehypten Büchern so meine Probleme habe. Dann gab es das Ebook aber im Angebot und ich musste zuschlagen. Einmal gekauft, konnte ich es dann auch nicht mehr liegen lassen und habe es gelesen. Eine Woche später den zweiten Band.

    Den Anfang fand ich eigentlich gar nicht so gelungen, aber auch nicht schlecht. Es war für mich eher ein ganz normales New Adult Buch.
    Mich hatte das Buch erst so richtig, als Luca mehr Raum in der Geschichte einnimmt. Je mehr man über ihn erfahren hat, desto lieber mochte ich das Buch.

    Den zweiten Band habe ich wie gesagt auch schon gelesen, aber davon war ich leider nicht so angetan. Es ist sicher kein schlechtes Buch, aber hebt sich für mich auch nicht sonderlich von anderen Büchern des Genres ab.
    Ich wünsche dir viel Spaß damit :)

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Hey Julia :)
      Haha, dann erging es dir ja wie mir ;) Irgendwie kann man dann ja doch nicht widerstehen. Ich habe das Buch im Wichtelpaket gehabt und wenn es dann halt schon mal da ist und so gehypt wird, dann muss man eben auch reinlesen.

      Ich lese nicht ganz so viel New Adult, daher war das Buch für mich auch am Einstieg schon etwas besonderes. Aber ich kann mir schon gut vorstellen, dass viele Bücher da ähnlich beginnen. Da stimme ich dir vollkommen zu. Sobald Luca mehr Raum einnimmt, verändert sich die Stimmung des Buches und wird sehr fesselnd.

      Inzwischen habe ich Band zwei auch gelesen und auch so stimme ich dir zu :D Ich hatte nicht mehr das absolute Sog-Gefühl, aber ich fand es immer noch sehr schön und gut zu lesen. Ich hatte jedenfalls meinen Spaß ;) Habe aber auch viel länger gebraucht, als bei Band eins.

      Danke für deinen lieben Kommentar!
      Viele Grüße,
      Julia

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