1. Februar 2018

Rezension: "Die Apfelprinzessin" von Maya Shepherd


Titel: Die Apfelprinzessin (Die Grimm-Chroniken)
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Sternensand Verlag
Preis: 8,95€
Seiten: 146

Maya Shepherd ist eine umwerfende Autorin, die ich bereits für mich entdeckte, als all ihre Bücher noch unter Selfpublishing veröffentlicht wurden. Sie ist ein lieber und sehr ideenreicher Mensch, der mich immer wieder von seinen tollen Geschichten überzeugen kann. Deswegen war für mich schnell klar, dass ich ihr neues Projekt „Die Grimm-Chroniken“ unterstützen würde. Wie könnte ich auch nicht?! Ich meine, habt ihr euch dieses detailreiche und wunderschöne Cover einmal angesehen? Der Sternensand Verlag hat bei der ersten „Folge“ der Chroniken wirklich ganze Arbeit geleistet. Jeder, der sich noch fragt, ob es sich lohnt, „Die Apfelprinzessin“, ein Print, das gerade mal 146 Seiten hat, anzuschaffen, dem muss ich sagen: JA! Denn die Ausgabe ist so detailverliebt und bezaubernd gestaltet, dass es ein wahrer Augenschmaus ist. Aber noch viel besser? Das Innere ist ebenso schön, wie das Äußere!

Dieses Buch beginnt nicht mit Es war einmal, denn auf diese Weise fangen all die Lügen an, die Wilhelm und Jacob in die Welt gesetzt haben. Dies ist kein Märchen, sondern eine wahre Geschichte.
Es heißt, die Bösen werden bestraft und die Guten leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Das Leben ist aber nicht schwarz-weiß und gewiss nicht glücklich. Rot ist die Farbe, die über das Schicksal bestimmen wird. 
Die Lüge ist oft nicht von der Wahrheit zu unterscheiden, am wenigsten, wenn die Wahrheit zu schrecklich ist, um sie glauben zu wollen.


Die Idee, die Maya Shepherd mit „Die Apfelprinzessin“ verfolgt, ist einfach genial. Vielleicht nicht unbedingt ökonomisch, doch jeder Buchverliebte und Märchennarr wird schnell die guten Seiten erkennen. Insgesamt handelt es sich bei „Die Grimm Chroniken“ um eine Art Serie, von der jeden Monat eine „Folge“ erscheinen soll. Derzeit wird der Gesamtumfang auf ca. 12 Bände geschätzt. Man kann sich also eine Art „Märchenabo“ besorgen, für seine monatliche Dosis Buchromantik. Und auch wenn ich von dem Konzept anfangs nicht überzeugt war, feiere ich es inzwischen. 
Das Ganze würde nicht funktionieren, wenn die Autorin nicht eine so gute Idee zu Grunde gelegt hätte. Denn „Es war einmal“ ist eben nicht der Grundsatz von „Die Apfelprinzessin“. Das Konzept lautet eher: All die Märchen der Gebrüder Grimm gehören zusammen und haben sich eigentlich ganz anders zugetragen. Dabei spielen Jakob und Wilhelm Grimm tatsächlich eine Rolle und hinzu kommen eben ihre Märchenfiguren. „Die Apfelprinzessin“ beschäftigt sich, wie man erwartet, mit Zügen aus Schneewittchen. Doch geht es nicht um die schöne Königstochter mit den roten Lippen und den schwarzen Haaren, sondern um ihre Mutter – die böse Königin. Aber wie wurde die böse Königin denn überhaupt böse? Was ist ihre Geschichte?
Im ersten Teil der Grimm Chroniken wird noch nicht allzu viel verraten. Man könnte sagen es handelt sich um eine Art Appetithäppchen, das einen wunderbar einstimmt. Dabei macht die Autorin zwei Handlungsstränge auf. Der eine spielt in der Gegenwart – 2012 -, der andere Ende des 16. Jahrhunderts. Im Jahr 2012 ist der Protagonist Will, eigentlich Wilhelm, dessen Vater in der geschlossenen Psychatrie sitzt. Er ist verrückt. Denn er redet die ganze Zeit von Märchenfiguren, hält die Geschichten für wahr und gibt dementsprechend Anweisungen. Will leidet darunter, hat aber zwei beste Freunde, die ebenfalls im betreuten Wohnen leben. Der Handlungsstrang in der Gegenwart ist ziemlich gut gelungen. Denn dass irgendetwas nicht stimmt, wird schnell deutlich! Interessante Märchenelemente sind eingearbeitet und das macht einfach Lust auf mehr. Von den Charakteren kann ich noch nicht allzu viel sagen, denn das Buch ist einfach zu kurz. Will ist sympathisch und verständlich skeptisch. Maggie ist verträumt und freundlich und Joe – ihr Bruder – ist der Coole in der Truppe. Zusammen haben sie mir sehr gut gefallen, denn sie sind ein starkes Team, zumindest deutet sich das an. Ich fand die Märchenandeutungen wirklich toll und sehr schön eingearbeitet. 
Der zweite Handlungsstrang umfasst nur zwei Kapitel, die aber sehr interessant sind. Sie erzählen den Anfang der Geschichte der Apfelprinzessin. Ein zuckersüßes, aber verfluchtes Mädchen, das noch eine erstaunliche Entwicklung machen wird. Bisher kann der Leser sich nur erste Dinge zusammenreimen, aber das ist schon toll gelungen.
Kritisieren muss ich an dem Buch nur eines: Es ist viel zu kurz! Doch die Idee der Reihe ist so toll, dass ich auch gern auf die nächste Folge warte.
Wirklich bezaubernd sind die kleinen Details und Illustrationen im Buch. Zu Beginn jedes Kapitels ist beinahe schon ein Bild angefügt. Die Namen der Kapitel sind außerdem kreativ. Auch die Seitenzahlen sind toll umrandet – mit einem Apfel natürlich. Es macht einfach Spaß, das Buch in den Händen zu halten.
Der Schreibstil von Maya Shepherd ist schön und angemessen verträumt. Man kommt sehr schnell durch die Geschichte und das Buch lässt sich gut und flüssig lesen.



„Die Apfelprinzessin“ ist ein toller Auftakt einer großartigen Idee, von dessen gelungenen Umsetzung ich inzwischen überzeigt bin! Maya Shepherd hat ein tolles Grundkonzept und die dazugehörige Idee ist innovativ und macht Lust auf mehr. Ich hatte viel Spaß mit dem Buch, muss aber sagen, dass es einfach viel zu kurz ist. Gern hätte ich mehr gelesen. Aber für den Anfang war es toll und ich bleibe der „Serie“ auf jeden Fall erhalten. Die Figuren sind gelungen, der Stil ist gut und die Märchenelemente sind klasse adaptiert und dennoch eigenständig und innovativ genug!  Ich vergebe 5 von 5 Spitzenschuhen – was soll ich bei solcher Liebe zum Detail auch anderes tun?!



Kommentare:

  1. Huhu Julia,

    waaah, das ist so schön geschrieben. *o* Deine Rezension macht richtig Lust auf das Buch und das (unfassbar aber wahr) obwohl ich das Buch schon gelesen habe. xD Wie funktioniert so etwas?

    Mir hat der Auftakt auch sehr gut gefallen. Besonders der Prolog hat mich schon total verzaubert und der 2. Band schlummert schon auf meinem E-Reader. Darauf bin ich schon sehr gespannt und ich hoffe, dass man die Charaktere noch etwas näher kennenlernt. Genauso wie du, bin ich auch der Meinung, dass das Buch vielleicht ein wenig kurz war. Übrigens fand ich deine Bemerkung, dass die Buchserie nicht ganz so ökonomisch ist, total gelungen. =')

    Ganz liebe Grüße
    Leni

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    1. Haha, Leni :D Du lässt mich ja ganz rot werden...Danke, für das Kompliment! Ich finde es immer so schön, auch mal Kommentare zu Rezensionen zu bekommen *-*

      Schön, dass wir auch bei diesem Buch die Meinung teilen. Der Auftakt war wirklich klasse! Band zwei hat mich manchmal allerdings ein bisschen ernüchtert. Ich hatte mit einer Wendung nicht gerechnet und musste mich mit dieser erstmal anfreunden. Aber das Gesamtkonzept ist so cool und es gibt so viele Lücken, dass man trotzdem immer weiter lesen will. Ich habe grade Band drei beendet und der ist wieder toll!
      Ich freue mich auf deine Meinung zum zweiten Teil! :)
      Haha, ja...ökonomisch ist ja nun mal wirklich anders :'D

      Liebste Grüße,
      Julia

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