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2. Dezember 2018

Rezension: "HoN - Bestimmt" von P. C. Cast & Kristen Cast



Titel: House of Night - Bestimmt
Autor: P. C. Cast & Kristen Cast
Verlag: Fischer
Preis: 16,99€
Seiten: 544


Die „House of Night Reihe“ ist ein absolutes Langzeitprojekt. Irgendwann hatte ich mir mal vorgenommen, in jedem Monat ein Buch der Reihe zu lesen. Hätte das aber funktioniert, wäre ich bereits seit Mai diesen Jahres durch. Zum Teil kam einfach was dazwischen, zum Teil hatte ich aber auch keine Lust auf Zoey und Co. Denn obwohl ich finde, dass die Reihe besser geworden ist, nervt mich die Perfektheit der Protagonistin. Dennoch muss ich sagen, dass die Story des neunten Teils "Bestimmt“ gut ist. In den Vorgängern sind viele Handlungsstränge aufgemacht worden, so dass die Geschichte viele Ansatzpunkte bietet und so für jeden etwas dabei ist. Dadurch habe ich das Buch gern gelesen, auch wenn ich trotzdem lange gebraucht habe. Nicht alles ist super spannend, aber gerade das Ende wird wieder aufregend. Und damit passt sich auch der neunte Teil der Reihe gut an und wird zur unterhaltsames Lektüre.

Zoey ist wieder zurück im House of Night in Tulsa, gemeinsam mit ihrem Krieger Stark, der sie beschützt.
Doch nun wird ein Treffen mit der nach Rache dürstenden Hohepriesterin Neferet unausweichlich. Neferet ist noch immer mit den Mächten der Finsternis im Bunde, ihre Macht größer denn je. Ist Zoey wirklich sicher in diesem Haus? Und weiß sie, wer ihre wahren Freunde sind? Auch für Rephaim, der Stevie Rae nicht mehr aus den Augen lässt, entscheidet sich jetzt alles: Durch eine Gabe der Göttin Nyx hat er menschliche Gestalt angenommen und kann auf diese Weise endlich mit ihr zusammen sein. Doch wird er den Weg des Guten auch weiterhin gehen?

Das Buch beginnt wieder sehr unvermittelt, gleichzeitig wird dem Leser aber gut vor Augen geführt, was zuvor geschah. Deswegen ist der Einstieg sehr leicht, auch wenn man ein paar Dinge vergessen haben sollte. Wirklich toll finde ich, dass die Geschichte kein großes Vorgeplänkel braucht und dass schon nach dem ersten Kapitel klar ist, wohin dieser Band führt. So wird direkt ein roter Faden gesponnen, der für den Leser leicht ersichtlich ist. Denn Zoeys Mutter ist ermordet worden (natürlich ist klar, wer das war) und 7 Tage nach dem Mord möchte Grandma Redbird ein Reinigungsritual auf ihrer Lavendelfarm veranstalten. Dass noch nie ein Ritual ohne Aufsehen von Statten ging, ist inzwischen jedem HoN-Leser klar und somit weiß man sofort, dass das Buch auf dieses Ritual hinarbeitet. Das fand ich wirklich gut. Und ebenso gut ist, dass der Weg dahin nicht langweilig oder künstlich verlängert ist. Über den letzten Punkt lässt sich vermutlich streiten, denn manche Handlungsstränge dümpeln natürlich trotzdem vor sich hin. Die HoN-Reihe erzählt schon seit dem ersten Band nahezu zeitdeckend und deswegen sind die Geschehnisse mal normal und mal aufregend. Es passiert auf jeden Fall einiges, auch wenn die Dauer des Buches lediglich fünf Tage beträgt.
Und das liegt natürlich an den vielen verschiedenen Figuren. Denn inzwischen – nach immerhin neun Büchern – hat beinahe jede Figur eine eigene Geschichte bekommen. In diesem Teil kommt sogar noch eine weitere hinzu. Der Leser konnte sich schon in den letzten fünf Büchern daran gewöhnen, dass nicht nur Zoey Erzählerin der Geschichte ist. Neben ihr gab es bereits Kapitel aus Neferets, Kalonas, Stevie Rays, Rephaims, Aphrodites, und Starks Sicht. Ab und zu kommt auch Damien zu Wort, oder auch Jack, Lenobia oder Heath. In diesem Buch werden noch die Figuren Aurox und vor allem Shaunee beleuchtet. Aurox ist ein neuer Charakter, weshalb auch seine Storyanteile neu sind. Aber Shaunee, einer der Zwillinge, wird nun nach langer Zeit erstmal beleuchtet. Das fand ich tatsächlich sehr spannend, auch wenn ihre Einstellung mir missfiel. Insgesamt gibt es in diesem Teil nämlich viele Veränderungen. Davon kann ich nicht jede nachvollziehen. Allerdings sind die Charaktere, wie man sie in Band eins kennenlernt, schon lange nicht mehr so. Ist Kalona gut oder böse? Auf wessen Seite steht Neferet? Wie hat sich Rephaims Leben gewandelt und was für ein Wesen ist Aphrodite eigentlich, wenn sie weder Mensch noch Vampyr ist? Alles nicht so einfach und den Überblick zu bewahren wird immer schwieriger. Aber trotz all dieser Kompliziertheit muss man den Autorinnen das Lob aussprechen, dass man beim Lesen nicht nachdenken muss. Die Lektüre ist einfach und gleichzeitig aufregend. Man geht jedes Mal wieder zurück in diesem komplexe Welt rund um Zoey und kann darin abtauchen. Diese Welt ist gewiss kompliziert, aber man hatte ja acht Teile Zeit, sich daran zu gewöhnen. Ich finde jedenfalls, dass die Reihe nach einem ziemlichen Durchhänger in der Mitte, wirklich rasant besser wird. „Bestimmt“ hat mich jedenfalls storytechnisch absolut überzeugt. Der alte Kampf zwischen Gut und Böse wird toll aufgemacht und es gibt ein rasantes Finale, das erneut nicht jeder überlebt. In den HoN-Büchern mussten schon viele Verluste hingenommen werden und das hört auch jetzt nicht auf. Das Abschlussritual ist jedenfalls wirklich toll geworden.
Und weil mir die Geschichte gefallen hat, kann ich auch über zwei Kritikpunkte hinwegsehen. Zum einen ist das der Schreibstil. Er ist in gewisser Weise gut und flüssig, aber meines Erachtens so wahnsinnig künstlich jugendlich und cool gehalten, dass es schnell nervt. Das Gelaber von ABF’s, oder angesagten Trends fand ich wirklich anstrengend. Aber offenbar stellt sich das Autorenduo so die 16,17-Jährigen der 2000er vor. Vielleicht waren sie ja auch so.
Der zweite Kritikpunkt sind eben diese 16,17-Jährigen. Jeder Charakter hat so seine Schwächen und ich habe kaum Favoriten, weil alle eine Macke haben, die mich persönlich stört. Ich mag wirklich Aphrodite und Darius inzwischen am liebsten, aber auch die erwachsenen Vampyre wie Lenobia (, die in diesem Buch übrigens auch tolle Handlungsteile ausschmückt) oder Thanatos sind sehr gelungen. Nervig ist nach wie vor Zoey, weil sie einfach jeder liebt und sie ja so eine tolle Frau ist. Sie hat großartigen Sex und jeder Kerl lechzt nach ihr. Das ist einfach unnötig. Gibt es vielleicht auch mal eine vernünftige Person, die sie nicht mag? Nein. Immer nur die fiesen Bösewichte halten sie für unausstehlich – und denen würde ich da sogar zustimmen. Aber gut, indem die Erzählperspektive so oft wechselt, umgehen die Autorinnen auch das Problem der unsympathischen Protagonistin. Sie wäre vielleicht gar nicht so unsympathisch, wenn nicht jeder sie so toll finden würde…aber gut. Nach neun Büchern kann man das wohl nicht mehr ändern.


Insgesamt konnte mich „Bestimmt“ wirklich überzeugen. Hat man Zeit und Lust lässt sich das Buch schnell weglesen. Aber auch wenn man, wie ich, länger braucht, unterhält die Geschichte dank ihrer vielen verschiedenen Perspektiven und Handlungssträngen gut. Das Chaos um die Finsternis, um Gut und Böse, um Zoey und ihre Freunde gegen Neferet wird immer komplexer, aber auch immer spannender. Die Grenzen sind fließend und ich bin gespannt, was in den letzten drei Büchern passieren wird. Ich vergebe 4 Spitzenschuhe für diese Geschichte und hoffe, dass das endlich erreichte Niveau auch bis zum Ende durchgehalten werden kann.


21. Oktober 2018

Rezension: "Promise - Die Herzenskämpferin" von Maya Shepherd



Titel: Promise - Die Herzenskämpferin
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Selfpublished
Preis: 3,99€
Seiten: 288


So gern ich auch zu Geschichten von Maya Shepherd greife, muss ich zugeben, dass mich die „Promise-Trilogie“ nie ganz überzeugt hat. Ich habe Probleme mit der Protagonistin, aber auch mit der generellen Story. Und trotzdem schaffte die Autorin es, dass der Drang, zu wissen, wie die Geschichte ausgeht, in mir bestehen blieb. Ich habe keine Ahnung warum und kann daher nur Vermutungen anstellen. Arras dürfte ein entscheidender Grund gewesen sein, denn der schweigsame und geheimnisvolle Charakter hatte seine Geschichte nach zwei Bänden einfach noch nicht erzählt. Es konnte doch nicht wirklich so sein, dass Nea zurück zu Miro geht…oder doch? Es gab durchaus Fragen, die ich mir vor dem Lesen gestellt habe und zum Glück wurden sie im abschließenden Band „Die Herzenskämpferin“ auch beantwortet. Für mich ist der dritte Teil auf jeden Fall das beste Buch der Reihe! Und dennoch bleibt sie hinter meinen Erwartungen zurück.

Polyora ist zurück. Das Leben von Milliarden Menschen schwebt erneut in Gefahr. Die einzige Hoffnung verspricht die Stadt Promise, in der es ein Gegenmittel geben soll. Nea begibt sich auf eine ungewisse Reise. Sie wird von dem geheimnisvollen Arras begleitet, der sich in Schweigen um seine Vergangenheit hüllt. Erst als Nea ihr Ziel erreicht, offenbart sich ihr eine Wahrheit, die schrecklicher ist als alles, was sie sich vorstellen konnte. Nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern auch die der ganzen Menschheit steht auf dem Spiel. Doch wenn eines Nea gelernt hat, dann, dass es immer Hoffnung gibt, solange man nicht aufhört für das zu kämpfen, was man liebt.

Okay, beginnen wir beim Guten. Was hat mir besser gefallen, als in den beiden Vorgängern? Da muss ich eindeutig den Aufbau nennen. Die Handlung von „Die Herzenskämpferin“ ist spannender,

10. Oktober 2018

Rezension: "Tess" von Thomas Hardy


Titel: Tess
Autor: Thomas Hardy
Verlag: dtv
Preis: 9,90€
Seiten: 592



Ich bin eine Leserin mit anspruchsvollen Idealen – die natürlich niemals erreicht werden können. Dennoch zählt in diese Kategorie auch das Kennen diverser Klassiker. Ich kann Klassikern sehr viel abgewinnen und lese die meisten gern! Der Schreibstil und das Setting entstammen anderen Zeiten und man begibt sich auf eine kleine Reise, voller alter Werte und Normen. Gesellschaftsvorstellungen die heute mehr als veraltet sind, sind in diesen Büchern aktuell und allein zu beobachten, wie die Protagonisten sich in solchen Zeiten schlagen, ist überaus interessant. 
Ein Klassiker, der schon lange auf meiner Leseliste stand, war „Tess“ von Thomas Hardy. Viel wusste ich über dieses Werk nicht, mal abgesehen von seiner Berühmtheit. Aber die schöne Ausgabe des dtv-Verlags zog mich schon vor Jahren an und wie so oft dachte ich: „Ein Klassiker. Den muss ich dann ja wohl kennen!“ Und deswegen stürzte ich mich in die Geschichte von Tess d’Urberville. Doch obwohl es viele Stellen gab, die mich fesseln konnten und ich die Genialität Hardys zum Teil begreifen kann, beinhaltet die Geschichte für mich zu viele unnötige Längen. Es handelt sich um die Geschichte einer Frau mit Aufs und Abs, die man kaum greifen kann. Tess ist faszinierend! Aber auch eine geisterhafte Frauenfigur…Und trotzdem werde ich sie einfach nicht mehr los!


Durch Zufall erfährt die in ärmlichen Verhältnissen lebende Tess Durbeyfield, dass ihre Familie einem alten normannischen Adelsgeschlecht entstammt. Ihr Entschluss, vermeintliche Verwandte zu besuchen, hat fatale Folgen für die junge Frau: Sie trifft auf die zwei Männer, die den Gang ihres Schicksals unheilvoll lenken.

Der Klappentext gibt nicht viel her und auch deswegen hatte ich wenige Erwartungen an das Buch. Grundsätzlich gehe ich immer mit einem positiven Gefühl an Klassiker und so auch dieses Mal. Mich interessierte die Geschichte von Tess, auch wenn ich gar nicht wusste, was diese besonders machen sollte. Aber obwohl ich lange Zeit im Dunkeln tappte, ist die Geschichte von Tess d’Urberville tatsächlich etwas Besonderes. Wie bei so vielen Klassikern, gibt es keinen so richtigen Höhepunkt, da es sich eher um einen Entwicklungsroman handelt. Der Leser begleitet Tess über viele Jahre, durchlebt viele Lebenststationen und nimmt jedes Schicksal mit. 
Tess ist zu Beginn des Buches eine naive Landschönheit, die blauäugig durchs Leben geht. Sie ist ein bisschen eitel, aber dennoch gebildet für ein Bauernmädchen, doch sie macht eine starke Entwicklung durch. Leider ist sie mit einem verschwenderischen und eingebildeten Vater gestraft, der immer der Meinung ist, die Gesellschaft schulde ihm etwas. Obwohl ihre Mutter eine herzlichere Figur ist, muss sie für die sechs Kinder sorgen und gibt diese Aufgabe kurzerhand an Tess ab – in gewisser Weise. Denn natürlich versucht die Familie Profit aus Tess‘ Schönheit zu schlagen, was der jungen Frau schmeichelt. Man kann sich das nicht vorstellen, wie bei „Stolz und Vorurteil“, wo Mrs. Bennet ihre Töchter reich verheiraten will. Die d’Urbervilles haben kein Geld, sondern leben als Bauern auf dem Land. Tess wird nun aber zu „Verwandten“ geschickt und trifft dort den jungen und charmanten Alec d’Urberville. Doch er ist alles andere als ein Gentleman und mit ihm beginnt Tess Untergang. Ich möchte hier nicht spoilern und würde meine Zusammenfassung eigentlich an dieser Stelle abbrechen, wenn da nicht noch der vorher erwähnte zweite Mann wäre, den ich noch erwähnen muss. Alec d’Urberville nimmt eine wichtige Rolle in Tess Leben ein, doch bald schon ist er kein Teil mehr davon. Jahre später trifft Tess auf einem Milchhof auf den reizenden Angel Clare. Er ist Pfarrerssohn, aber ein Nichtsnutz. Statt einer kirchlichen Karriere schlägt er den Weg eines Landmannes ein und lernt deswegen auf diversen Höfen das Handwerk. Tess und Angel verlieben sich und heiraten. Doch wie man an diesem wunderbaren Namen schon erkennen kann, ist Angel Clare nicht der Engel, für den man ihn halten kann. Wenn man dachte, dass es für Tess bereits bergab geht, dann steigert der Roman sich nun noch um ein Vielfaches. Das Buch wird zur reinsten Tragödie und Leidenszeit. Das Ende hat mich dann vollkommen überrumpelt. Dachte ich doch, ich wüsste, was passiert, wenn Tess mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird – so lag ich doch vollkommen falsch. Und ich ertappte mich dabei, wie ich meine eigenen Moralvorstellungen hinterfragte. Denn all das hat „Tess“ mit mir gemacht. Aber ich schweife ab. Nochmal.
Die Handlung ist ein bisschen verworren und relativ skandalös für das Ende des 19. Jahrhunderts. Selbst ich musste bei manchen Entwicklungen schlucken. An anderen Stellen schüttelte ich den Kopf über die Prüderie dieser Zeit. Und dann tat mir Tess wahnsinnig leid. Der originale Untertitel des Buches lautet „Eine reine Frau“, was wirklich bemerkenswert ist. Denn Tess‘ Geschichte ist alles andere als rein. Und dennoch hat sie nie wissentlich Schuld auf sich geladen, sondern handelte zumeist sehr edel. Das Ende klammere ich hier mal aus. Hätte die fiktive Tess in der heutigen Zeit gelebt, wäre ihre Geschichte nicht einmal eine Fußnote wert gewesen, weil sie viel zu normal wäre. Zumindest trifft dies auf den ersten Teil der Geschichte zu. Tess ist Opfer männlicher viktorianischer Machenschaften, die den Nachteil des weiblichen Geschlechts in dieser Zeit stark verdeutlichen! Man könnte ewig über die Geschichte und den Verlauf von Tess‘ Leben diskutieren und ich bin sicher, die Diskussion wäre sehr ertragreich. Es macht mir Spaß, über diesen Roman zu schreiben – aber das Lesen hat nicht immer Spaß gemacht. Und das lag an den Längen, die dieser beinhaltet. Denn sowohl die Handlungsidee, deren Verlauf und die Figuren gefielen mir sehr gut. Betrachte ich die Geschichte von Tess im Nachhinein, finde ich sie sogar spannend. Über die Figuren könnte ich ellenlange Interpretationen schreiben, da sie alle so interessant sind. Und auch der Schreibstil hat etwas Angenehmes. Ich mag den ausholenden Stil des späten 19. Jahrhunderts und Thomas Hardys Stil ist durchaus geschliffen, bildreich und intelligent. Aber er ist auch langatmig. An diesem Roman wurde schon immer das Beschreiben der Landschaft und das gezeichnete Gesellschaftsbild im Umbruch der Industrialisierung gelobt – ehrenwerte Symbole, todeslangweilige Längen für den heutigen Leser. Die Landschaftsbeschreibungen ziehen sich über viel, viele Seiten. Und auch, wenn man einen hervorragenden Eindruck von der damaligen Gesellschaft und ihren Vorstellungen bekommt, ebenso wie einen Querschnitt durch eben diese Gesellschaft, fordert dies doch arg die Geduld des Lesers. Ich hatte zwischendurch einfach keine Lust auf das Buch, lagen doch wieder nur ewige Feld- und Wegbeschreibungen vor mir. Und das machte mir das Lesen schwer.
Dennoch verbirgt sich unter dieser Gesellschaftsstudie eine atemberaubende Geschichte mit faszinierenden Charakteren. Tatsächlich begriff ich erst nach dem Lesen, dass ich mehr mit Tess gelitten hatte, als ich zunächst annahm. Sie ist eine bemerkenswerte Figur, denn irgendwie fehlte mir trotz ihres Protagonistenseins der Zugang zu ihr. Die Geschichte handelt von ihr, sie ist die Heldin und tragische Figur und dennoch lernt man sie nie wirklich kennen. Ihre abgöttische Liebe zu Angel Clare soll ihr Leben bestimmen. Doch obwohl sie sich absolut unterwirft, bleibt sie auf gewisse Weise stark. Als ich das letzte Kapitel las, konnte ich nicht fassen, was der Autor mir antut. Insgesamt konnte ich die letzten Kapitel des Romans kaum begreifen, gibt es doch einen vollkommen unerwartet Storyturn. An diesem sind auch die beiden wichtigen Herren Alec d’Uberville und Angel Clare beteiligt. Angel ist bei seinem Auftauchen ein sehr sympathischer Jungspund. Doch seine Entwicklung ist grauenhaft und egoistisch. Alec hingegen ist anfangs ein Schurke, wie er im Buche steht. Er macht später eine 180° Wende durch, nimmt die Rolle des gnädigen Patronen ein, nur um wieder zum Verführer zu werden. Sein Werdegang ist mehrere Blicke wert, aber dafür ist hier kein Platz. Diese drei sind das Lesen der Geschichte durchaus wert. Denn nach dem Lesen verstehe ich viele Literaturanspielungen auf diesen Roman sehr viel besser.
Trotz all seiner Unterhaltsamkeit bleibt das Lesen aber eher Arbeit, als Genuss. Beim Lesen hatte ich nur selten so interessante Gedanken, wie nun danach. Tatsächlich hat mir der Roman erst im Nachhinein gezeigt, was er alles beinhaltet. In diesem Zusammenhang lohnt sich das Nachwort von Dorothee Birke wirklich sehr! Ich verstand Hardys Stil und Botschaft viel deutlicher und war auch ein bisschen enttäuscht, dass ich nicht von selbst auf gewissen Zusammenhänge kam. Aber Hardy hat tatsächlich auch ein Talent fürs Verschleiern. Die wichtigsten Handlungsszenen geschehen in Nebensätzen, Aussparungen oder Abkürzungen. Das letzte Kapitel ist das perfekte Beispiel.
Ich habe jetzt bereits sehr viel über dieses Buch geschrieben, ohne dass man vielleicht einen Eindruck über die Geschichte bekommt. Aber tatsächlich ist das auch schwer. Es passiert wenig und in Bezug auf Tess einfach wahnsinnig viel. Skandalöses, Liebevolles und Tragisches. Ihr Leben ist ein einziges Drama und deswegen musste ich als Leserin mein Herz an sie verlieren. Und das, obwohl gerade das moralisch hinterfragbar ist. Vielleicht regt euch mein Kauderwelsch zu diesem Buch ja an, es ebenfalls zu lesen. Wenn ja: Ich habe wahnsinnig viel Diskussionsbedarf!


Das erste was ich nach dem Schließen des Buches tat, war den Kopf zu schütteln. Das Ende, ja die gesamte Handlung, hat mich schockiert. Doch umso mehr Zeit verging, desto interessanter fand ich die Geschichte und ihren Verlauf. „Tess“ ist eine schicksalsträchtige Geschichte über eine „reine“ Frau, der schlecht mitgespielt wird und die Opfer ihrer eigenen Taten wird. Man sollte dieses Buch als Gesamtwerk betrachten. Nicht einzelne Figuren oder Handlungsabschnitte machen es zu dem, was es ist – es ist das Gesamtspiel aller Faktoren. Zu diesen Faktoren gehört aber auch das träge Beschreiben von Land und Leuten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ich muss ehrlich sein: Ich habe das Buch selten gern gelesen. Aber es hat mir im Nachhinein viel bedeutet und deswegen vergebe ich 4 Spitzenschuhe. Demnächst werde ich mir ganz sicher den Film von Roman Polanski ansehen. Ich bin gespannt, wie er „Tess“ dargestellt hat und ob seine Version der meinen nahe kommt.



7. Oktober 2018

Rezension [Reread]: "PS. I still love you" von Jenny Han



Titel: PS. I still love you
Autor: Jenny Han
Verlag: Hanser
Preis: 16,00€
Seiten: 336


Ich muss es jetzt beichten: Ich gehöre zu den Mädchen, die den Film „To all the boys I’ve loved before“ auf Netflix verschlungen haben – mehrfach. Aber ich gehöre glücklicherweise auch zu denen, die das Buch und seine Fortsetzung schon vorher kannten. „PS. I still love you“ hat mich schon vor mehr als anderthalb Jahren verzaubert. Doch erst letzten Monat wanderte der dritte Teil in mein Bücherregal und dann war da ja noch der Film. Nachdem ich diesen gesehen hatte, hatte ich ein riesiges Bedürfnis, noch einmal den zweiten Teil zu lesen! Ich habe Band eins und zwei als Hörbücher gehört und ich habe beide geliebt. Aber Band zwei besaß ich tatsächlich auch ungelesen als Buch und was bietet sich besser im Lara-Jean Fieber an, als vor Band drei ein Reread einzuschieben? Genau, nichts. Und deswegen schlich ich mich wieder in die romantische Welt von Lara-Jean und Peter. Und was soll ich sagen? Die Reihe ist perfekt. Punkt.

Die 16-jährige Lara Jean hatte nie ernsthaft vor, sich in den gut aussehenden Peter zu verlieben. Ihre Beziehung sollte nur vorgetäuscht sein, um seine Exfreundin eifersüchtig zu machen. Aber dann werden die beiden tatsächlich ein Paar? –? auf einer Skifreizeit der Schule küssen sie sich überraschend. Dass sie zusammen im Whirlpool gefilmt werden: peinlich. Dass das Video plötzlich in der ganzen Schule kursiert: ein Desaster. Und dass sich John auf Laras letzten Liebesbrief meldet, macht das Chaos perfekt – denn kann man in zwei Jungen gleichzeitig verliebt sein?

Das Großartige in dieser Reihe ist die Ruhe. Die Normalität. Die Romantik. Bei diesen Büchern herrscht keine atemberaubende Spannung und es gibt auch keine klassische Action. Es geht um das Leben eines ganz normalen und verspielten Mädchens. Aber dieses Mädchen ist so bezaubernd, dass nicht nur Peter Kawinsky sein Herz an sie verloren hat. Auch ich war ihr und ihrer Geschichte erlegen! 
Der Netflix-Film hat mich wirklich zurück ins Lara-Jean-Fieber katapultiert und deswegen musste ich das Buch unbedingt (noch einmal) lesen. Und ich bin sehr froh, das getan zu haben. Schon bald möchte ich Band drei lesen und ich muss zugeben, dass ich aus Band zwei gar nicht mehr viel wusste – jedenfalls nichts Genaues. Den Film zu schauen, hat auch nicht wirklich weitergeholfen. Denn man muss sagen, dass „To all the boys I’ve loved before“ schon ein paar Handlungsteile aus Band zwei gestohlen hat. Ein Großteil des zweiten Buches befasst sich mit dem Sex-Skandal, dem kleinen Video, das Lara-Jeans Leben zu zerstören droht. Es gibt natürlich noch eine zweite Handlung, aber im Groben geht es doch immer noch um Lara-Jean und Peter. Sie ist misstrauisch Genevieve gegenüber und hat Angst, dass Peter zurück zu ihr will. Gleichzeitig hat sich die Beziehung zu Josh verändert und dann taucht auch noch John auf – einer von Lara-Jeans früheren und heimlichen Schwärmen. Die Protagonistin landet in einer brenzligen Situation des Erwachsenwerdens, nach der anderen. Und obwohl nichts Besonderes passiert, ist das Buch einfach toll. Die Seiten fliegen nur so dahin. Man fiebert den Gesprächen zwischen Lara-Jean und Peter entgegen. Man drückt ihnen die Daumen, schüttelt über Lara-Jeans Handlungen und Gedanken den Kopf und fängt an zu schreien, wenn sich die Ereignisse überschlagen. 
Schon der Klappentext deutet das große Problem des Buches an: Peter oder John? Und obwohl ich ein klarer Peter-Fan bin, muss ich zugeben, dass John schon ziemlich toll ist. Nicht so toll wie Peter, aber toll. Und deswegen fand ich Lara-Jeans Gefühlschaos auch nachvollziehbar und authentisch. Die Autorin Jenny Han hat mit Lara-Jean wirklich eine Protagonistin geschaffen, in der sich viele Mädchen wiederfinden können! Sie ist die perfekte Heldin ihrer Geschichte. Sie hat wundervolle, verträumte und verspielte Seiten, gleichzeitig handelt sie unlogisch und bildet sich viele Dinge ein. Sie ist eigentlich nur ein ganz normaler Teenager mit kleinen Macken und Problemen. Aber natürlich ist ihre Geschichte einfach nur zuckersüß, genauso wie ihr Charakter eben auch. Die Charaktere sind eine große Stärke des Buches. Lara-Jean ist großartig, aber auch Peter ist herrlich. Ich mag diesen Angeber-Typ sehr gern, denn er ist tief im Herzen auch nur ein Romantiker. Und zusammen sind die beiden ein Dreamteam. Aber natürlich gibt es Probleme. Und wenn es keine geben müsste, macht man eben welche. In diesem Zusammenhang spielt ein schwieriger Charakter eine Rolle, nämlich John. Grundsätzlich ist man als Leserin und Peter-Fan eine John-Feindin. Aber eigentlich ist dieser Junge wirklich niedlich. Und daher muss das Buch auf eine Patt-Situation hinaus laufen. Aber gerade das Ende ist einfach wunderschön und hat mir sehr gut gefallen! Jenny Han fügt diesem Buch eine ordentliche Portion Romantik hinzu, aber auch wieder einiges an Humor. Oftmals saß ich lächelnd vor „PS. I still love you“, denn die Geschichte verzaubert einfach. Ich liebe diese plätschernde Geschichte und würde am liebsten jeden Tag etwas Neues über Lara-Jean und Peter lesen. Aber das klappt wohl nicht und deswegen muss ich mir einfach öfter noch den Film angucken. 
Obwohl im Buch wirklich nicht viel passiert, bleibt es spannend. Auch das Catch-Spiel, das von der alten Clique gespielt wird, ist eine tolle Idee und sehr interessant. Man erfährt in diesem Buch noch viel mehr von Lara-Jeans Welt, von all den tollen Figuren, ihrer Familie und natürlich von der Liebe. Lara-Jean wird erwachsen und muss alles durchmachen, was so dazu gehören kann. Und diese Reise zu begleiten, ist wirklich toll.
Lara-Jean ist, wie in Teil eines auch, die Erzählerin. Und sie erzählt ganz wunderbar. Man kann ihre Gefühlswelt immer gut nachvollziehen und taucht einfach in ihre Welt ein. Natürlich ist dafür der gute Stil von Jenny Han verantwortlich, die wirklich toll, jugendlich und frisch schreibt. Ich kann nicht sehr viel mehr über das Buch sagen, schließlich haue ich so schon eine romantische Floskel nach der anderen raus. Aber ich kann euch diese Geschichte einfach empfehlen!


Romantik, Liebe, Freundschaft, Betrug, Familie, Treue und das Erwachsenwerden. All diese Themen spielen in Lara-Jeans Leben eine Rolle und finden daher Platz in „PS. I still love you“. Auch wenn die Handlung nicht viel bietet, ist das Buch eine einzige gemütliche, aber spannende Angelegenheit, die den Leser in eine romantische, verspielte und verträumte Welt entführt. Ich bin dieser Entführung durch Jenny Han sehr gerne wieder gefolgt und vergebe, wie auch für das Hörbuch schon, fünf Spitzenschuhe. Ich bin außerdem wahnsinnig gespannt, wie die Geschichte um Lara-Jean, Peter, aber auch John in band drei aufgelöst wird. Nun bleibt mir nur zu sagen, dass jeder, der den Film kennt, unbedingt auch die Bücher kennen sollte! Diese zuckersüße Geschichte wird euch verzaubern! Versprochen.


21. September 2018

Rezension: "Gläsernes Schwert" von Victoria Aveyard


Titel: Gläsernes Schwert
Autor: Victoria Aveyard
Verlag: Carlsen
Preis: 21,99€
Seiten: 576

„Die rote Königin“ war ein umwerfendes Buch, das zurecht in aller Munde war. Aber wie das so oft bei tollen ersten Teilen ist, ist der zweite nicht sofort zur Hand. „Gläsernes Schwert“ erschien und wurde von mir zunächst ignoriert. Erst eineinhalb Jahre nach Lesen des ersten Teils griff ich zum Folgeband: und wurde herbe enttäuscht. Zum einen bestätigte sich die Gefahr, die sich bei Reihen oft anbahnt: der zu große zeitliche Abstand zur Geschichte. Zum anderen konnten mich aber weder die Charaktere und ihre Entwicklung, noch die Handlung selbst, von sich überzeugen. „Gläsernes Schwert“ hat gute Momente, war für mich aber eine sehr zähe Lektüre.

In letzter Sekunde wurden Mare und Prinz Cal von der Scharlachroten Garde aus der Todesarena gerettet. Die Rebellen hoffen, mit Hilfe der beiden den Kampf gegen die Silber-Herrschaft zu gewinnen. Doch Mare hat eigene Pläne. Gemeinsam mit Cal will sie diejenigen aufspüren, die sind wie sie: Rote mit besonderen Silber-Fähigkeiten. Denn auch der neue König der Silbernen, ihr einstiger Verlobter, hat es auf diese Menschen abgesehen. Aber schnell wird klar, dass er eigentlich nur eins will – und zwar um jeden Preis: Mare.

Bevor ich mich an diese Rezension gesetzt habe, klickte ich mich zu derjenigen von „Die rote Königin“ durch. Ich habe das Buch wirklich geliebt und das wird in meiner Rezension auch deutlich. Warum ich dann irgendwann nicht mehr das Bedürfnis hatte, weiterzulesen, weiß ich nicht. Aber nun hatte ich es endlich geschafft, der Klappentext sprach mich wieder an und ich wollte erneut in Mares Welt eintauchen. Das erste Problem? Ich wusste überhaupt nichts mehr. Ja, da war die Sache mit den verschiedenen Farben des Blutes. Und Maven…und Cal. Aber wer war noch Julian? Oder welche Fähigkeit besitzt denn Mares Bruder Shane nochmal? Ich stellte mir die ersten 100 Seiten ziemlich viele Fragen. Und leider hat die Autorin Victoria Aveyard auch nur mäßiges Talent bewiesen, wichtige Informationen wieder in den Anfang des Buches fließen zu lassen. Oft kennt man es ja, dass ein kleiner Umriss der vergangenen Ereignisse am Anfang von mehrteiligen Büchern steht. Das war hier nicht der Fall. Und deswegen fühlte ich mich als Leser ganz schön allein gelassen.
Hinzu kam, dass mir jegliche Identifikation fehlte. Gut, an dem zeitlichen Abstand zur Story bin ich ja selbst schuld. Aber die Figuren hatten nichts mehr von ihrer Stärke aus Band eins. Vor allem Mare hat sich zur unsympathischen, selbstbemitleidenden und selbstgerechten Protagonistin gemausert. Ich konnte sie einfach nicht mehr mögen. Sie handelt naiv und egoistisch. Gegenüber geliebten Menschen verhält sie sich vollkommen irrational. Schon klar, dass der Krieg sie verändert hat und ihr Wandel dadurch wahrscheinlich gar nicht so unauthentisch ist. Aber als tragende Persönlichkeit der Geschichte tut sie dem Buch nicht gut. Zwischendurch sagt und denkt sie zwar ziemlich intelligente Dinge, aber diese Momente waren wirklich zu selten. Cal hingegen mag ich immer noch ganz gern, auch wenn ich ihn nicht durchschauen kann. Über Maven lässt sich durch dieses Buch nicht sehr viel sagen, da er doch eher eine repräsentative Rolle einnimmt. Der Rest von Mares Verbündeten sind noch das beste am Buch: Farley, Shane, Kilorn und weitere Neublüter. Aber das ist wieder etwas, das ich einfach nicht verstanden habe. Was ist denn Ziel des Buches? Bis vor kurzem dachte ich auch, es würde sich um eine Trilogie handeln und ich stöhnte auf, als ich erfuhr, dass der letzte Teil nächsten Monat erscheint. „Gläsernes Schwert“ ist bereits etwas dicker. „Goldener Käfig“ steigert das Ganze noch. Und ich frage mich einfach, wieso? Denn in diesem zweiten Teil passiert zwar einiges, aber das wenigste davon trägt zur Handlung bei - und erst recht nicht zur Spannung. Denn spannend waren nur wenige Szenen im Buch. Vieles hätte man weglassen können. Insgesamt ist der Aufbau nicht ganz gelungen, denn man fragt sich ziemlich lange, wo die Geschichte hin will. Das Setting hat sich vollkommen umgekehrt. Denn „Gläsernes Schwert“ handelt eigentlich nur von Krieg. Große Gefühle sind da natürlich fehl am Platz. Und das ist sehr schade, denn die Autorin hat doch ein solches Fingerspitzengefühl in Band eins bewiesen. Doch das, was Mare mit Cal hat, ist eigentlich keiner Erwähnung wert. Und Maven? Er hat zwei Szenen im Buch, mehr sage ich dazu nicht. 
Wenn ich es so resümiere, fehlte mir an dem Buch doch ziemlich viel: Gefühle, Spannung, Story und eine gute Protagonistin. Die Handlung plätschert langsam vor sich hin und das Ziel bleibt lange unklar. Was allerdings gut ist, ist der Schreibstil. Victoria Aveyard schreibt manchmal sehr philosophisch und intelligent. Was ich aber nicht so mochte, ist, dass jedes Kapitel mit einem schlauen Satz enden möchte. Dennoch ist der Stil gut und flüssig.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich die Reihe weiterlesen möchte. Und das ist sehr schade, denn der erste Teil konnte mich begeistern. Nun folgte aber mit „Gläsernes Schwert“ ein unnötig in die Länge gezogener Folgeband, in dem nicht viel passiert und wenn doch, sich die Lage ins Unsympathische kehrt. Ich kam mit Mare nicht zurecht und alle anderen spielen doch eine sehr untergeordnete Rolle. Von Beziehungen und Gefühlen kann man hier kaum sprechen und auch Spannung habe ich oft vermisst. Dennoch hat das Buch auch seine guten Seiten und Szenen. Die waren mir aber deutlich zu wenig und deshalb komme ich auf eine Wertung von 2,5 Spitzenschuhen. Nächsten Monat erscheint Band vier der Reihe. Mal abwarten, ob ich jemals aber zum dritten greifen werde...



29. Juli 2018

Rezension: "Fluch des Tigers" von Colleen Houck



Titel: Fluch des Tigers - Eine unsterbliche Liebe
Autor: Colleen Houck
Verlag: Heyne
Preis: 9,99€
Seiten: 688


Vor einem Jahr begann ich eine Reihe, von der ich mir nicht viel erwartete, die mir allerdings empfohlen wurde. „Kuss des Tigers“ hat mich mitgerissen, mich verzaubert, mich sprachlos zurück gelassen. Ich brauchte mehr von dieser Reihe, die mit ihrer Mischung aus Action und Romantik besticht. Teil zwei wurde gekauft und gelesen und auch dieser enttäuschte mich nicht. Also war Teil drei dran: „Fluch des Tigers“. Das Buch ist sehr dick und schreckte mich deswegen doch ein bisschen ab. Außerdem gefiel mir das Ende von Band zwei gar nicht und so hatte ich Bedenken. Doch auch der dritte Teil ist magisch, wenn auch in meinen Augen einen Tick schwächer, als seine Vorgänger. Und doch sprudelt er von Emotionen, Spannung, Fantasie und Action nur so über. Ich liebe diese Reihe einfach und lege sie euch wirklich ans Herz!

Nachdem die 19-jährige Kelsey bereits unzähligen Gefahren getrotzt hat, um ihren geliebten Tigerprinzen Ren von seinem Fluch zu befreien, steht ihr nun die größte aller Prüfungen bevor: Ren verliert sein Gedächtnis und damit jede Erinnerung an die romantischen Stunden, die er und Kelsey miteinander verbracht haben. Und der Fluch des dunklen Magiers Lokesh, der Ren und seinen Bruder Kishan getroffen hat, ist noch immer nicht gebrochen. Das ungleiche Trio muss sich auf die Suche nach dem Kleinod einer Göttin machen, das vielleicht Erlösung bringen kann. Doch den Weg dorthin können nur fünf Drachen weisen. Auf einer Seereise, die Kelsey das Fürchten lehrt, muss sie erneut die Liebe Rens gewinnen – und sich gleichzeitig in Acht nehmen, Kishans Charme nicht zu verfallen …

Am Ende von „Pfad des Tigers“ ist Kelsey völlig verzweifelt, weil Ren seine Erinnerungen an sie verloren hat. Er fühlt gar nichts für Kelsey und so wendet sie sich Kishan zu. Dieser Cliffhänger war gar nicht gut für mein Herz! Was habe ich mit Kelsey und Ren in Band eins mitgefiebert, was habe ich sie gebeten, Kishan in Band zwei zu widerstehen?! Und wofür? Damit dieser blöde Tigerprinz alles vergisst und sie seinem Bruder in die Arme treibt? Und noch schlimmer: Dieser Bruder ist auch noch ein herzensguter Mensch. Mein Herz wurde mit diesem dritten Teil absolut entzweit. Denn als Leser erkennt man nicht mehr so recht, für wen man jetzt sein soll. Was ist das Richtige? Und wo macht Kelsey sich etwas vor? Mit all diesen Fragen bin ich an meinen beiden größten Kritikpunkten dem Buch gegenüber angekommen. Das ständige Gefühlschaos war einfach nervenraubend. Die eigentlich sehr tolle und inzwischen gereifte Protagonistin Kelsey reagiert noch naiver, als zu Beginn der Reihe, was grausam ist. Sie ist verzweifelt und verunsichert und reißt den Leser in ihr Gefühlschaos mit rein. Ich weiß nicht, wie oft ich den Kopf bei ihren Entscheidungen geschüttelt habe. Es war mir jedenfalls ein bisschen zu viel. Und dann der Punkt der Dreiecksbeziehung, der eigentlich das gleiche meint, wie das Gefühlschaos. Kelsey weiß nicht, wen sie wählen soll. Verständlich, ihr Herzensmann ignoriert sie. Kann er dann der Richtige sein? Oder ist der freundliche, verständliche und immer sie beschützende Bruder der Bessere? Ich wusste am Ende wirklich nicht mehr, für wen ich bin. Denn das Schlimme an der Sache: einer der beiden großartigen Prinzen wird am Ende auf der Strecke bleiben. Und egal, wer das sein wird – mein Herz wird dann auch gebrochen sein. Es ist also eine Pattsituation. Und ich bin wahnsinnig gespannt, wie die Autorin dieses Chaos beseitigen will. Trotzdem macht Kelsey kein Geheimnis daraus, dass sie beide Brüder liebt und beide nicht auf eine brüderliche Art. Und das war mir zu viel. So sehr ich es auch verstehen kann, hat dieses Chaos einen zu großen Teil des Buches ausgemacht.
Aber bisher habe ich wahnsinnig wenig über „Fluch des Tigers“ gesprochen (- wobei dieses Gefühlshin- und her wirklich ein Fluch ist). Das Buch ist trotz allem wirklich toll. Und die Art und Weise, wie ich mit den Charakteren fiebere, spricht nur für das tolle Konzept. Mich hat diese Reihe einfach gepackt und deswegen stört es mich auch, wenn ein Charakter dumm handelt, oder einem anderen wehgetan wird. Denn genau diese Charaktere sind doch so wunderbar. Das Buch verzichtet auf eine große Figurenkonstellation. Eigentlich sind da nur Kelsey und ihre beiden Tigerprinzen. Dazu noch der Bösewicht Lokesh, der Vertraute Mr. Kadam und seine Nichte. Und natürlich die Göttin Durga, in deren Namen Kelsey und die Tiger den Fluch zu brechen versuchen, doch das war’s. Es gefällt mir sehr gut, dass es nicht zu viele Figuren gibt. Außerdem begegnen die drei Protagonisten interessanten Figuren auf ihrem Abenteuer, wie hier den Drachen. Die Charaktere sind wirklich gelungen. Mr. Kadam ist immer nur im Hintergrund und doch macht seine großzügige Art ihn so unentbehrlich. Auch seine Nichte ist nur ein Nebencharakter und doch sorgt ihre herzliche Art für Ruhe in der Geschichte. Ganz andere Dinge muss man über die beiden Prinzen sagen. Ren war immer mein Liebling, doch mit diesem Buch muss ich an meiner Einschätzung zweifeln. Denn Ren wird großspurig und arrogant. Und dennoch hat er etwas Unwiderstehliches, dem auch Kelsey zum Opfer wird oder schon immer war. Seine liebe Art kommt in diesem Buch nicht immer zum Vorschein, obwohl sie da ist. Es ist ein bisschen das bad guy/good guy – Konzept und Ren ist der bad guy. Bleibt für Kishan also nur die Rolle des good guy, die er wahnsinnig gut ausfüllt. Kishan ist für Kelsey da und bedrängt sie niemals. Er wird ein guter Freund und das, obwohl er sich mehr wünscht. Kelsey erhört ihn irgendwann und ich weiß wirklich nicht, ob mein Herz jubeln oder zu Tode betrübt sein soll. Kishan ist ein wundervoller Charakter, der mir jetzt schon leidtut. Denn die Geschichte macht Andeutungen, dass er nie genug sein wird. An den Figuren kann ich allerdings nichts aussetzen, denn sie sorgen für ein Familiengefühl und ich habe mich mit ihnen immer wohlgefühlt.
Kommen wir also endlich mal zur Handlung. Diese ist wieder wahnsinnig fantasievoll und interessant. Wieder stürzen die drei sich in ein Abenteuer für Durga und das Ziel ist ihre Halskette, mit der die beiden Prinzen dann 18 Stunden in Menschengestalt verbringen können. Das Setting ist wieder so neu und fantastisch, wie zu erwarten war. Kelsey und ihre Tiger werden hoch über die Wolken berufen und müssen Abenteuer auf einsamen Inseln, in tiefen Höhlen und im Wasser absolvieren. Das Wasser ist das Element des Buches, denn es spielt einen Großteil in und unter Wasser. So bekommt die Geschichte ein ganz neues Setting. Ich persönlich fand dieses Setting sehr unheimlich. Wasser macht mir durchaus Angst, wenn ich darüber nachdenke, dass es niemals ganz erforscht sein wird. Dass ich das Buch im Sommerurlaub am Strand gelesen habe, hat sein Übriges getan. Aber die Meeresungeheuer haben schon etwas! Und deswegen ist die Geschichte sehr abwechslungsreich. Die fünf Drachen sind sehr unterschiedlich und interessant. Zwischendurch blieb mein Herz stehen, bei all den Dingen, die die drei überstehen müssen. Mit Spannung und Action geizt das Buch auf jeden Fall nicht! Und auch wenn ich das Gefühlschaos kritisiere, muss ich die tiefen Gefühle des Buches doch hervorheben. Denn die Liebe ist und bleibt das zentrale Thema und es ist wunderschön verarbeitet. Ich bin einfach nur gespannt, wie die Reihe ausgehen wird.
Der Stil von Colleen Houck ist wunderbar. Sie erzählt die Geschichte magisch, schreibt die romantischen Stellen mit viel Gefühl und einem kleinen Prickeln und doch kommt der spannende Abenteuerteil nie zu kurz! Manchmal hat das Buch allerdings seine langen Stellen, was bei fast 700 Seiten schon zu vermuten ist. Langweilig wird es trotzdem nie. Die Mischung macht es einfach und deswegen muss ich euch empfehlen, euch mit den Tigern in diese Abenteuer zu stürzen!


„Fluch des Tigers“ ist ein wahrer Fluch und gleichzeitig ein Segen. Das Buch hat mich mitgenommen und auf die Folter gespannt. Ich weiß wirklich nicht, wie das große Finale ausgehen soll, doch ich freue mich! Dieses Buch besticht wie alle anderen der Reihe auch durch seine Romantik und die fantastischen Abenteuer. Es ist spannend, es ist prickelnd und es ist nervenaufreibend. Denn Kelsey erlebt das pure Gefühlschaos und am Ende weiß der Leser einfach nicht, wen er selbst wählen würde. Ren oder Kishan? Und doch ist die Antwort ganz klar, aber können dabei alle Herzen heil bleiben? Ich vergebe für dieses Buch 4,5 Spitzenschuhe, weil es doch ein bisschen schwächer war, als die beiden Vorgänger. Aber ich sehne dem letzten Abenteuer der Tiger entgegen und bin gespannt, wie Kelsey sich entscheiden wird.




31. Dezember 2017

Rezension: "HoN - Versucht" von P. C. Cast & Kristen Cast


Titel: House of Night - Versucht
Autor: P. C. Cast & Kristen Cast
Verlag: Fischer
Preis: 16,95€
Seiten: 608

Noch nie habe ich eine Reihe gelesen, bei der ich mehr Ausdauer beweisen musste, als bei „House of Night“. Würde ich selbst einmal eine Buchreihe schreiben, würde ich wohl nie auf den Gedanken kommen, sie über 12 Bücher zu ziehen. Doch die Autorinnen P.C. Cast und Kristen Cast sind da anders und strecken ihre Geschichte, rund um die Jungvampir-Hohepriesterin Zoe und ihre Freunde. Und obwohl ich wirklich meine Probleme mit verschiedenen Facetten der Geschichte habe (Beziehungsfünfeck inzwischen und nervige Protagonistin), muss ich zugeben, dass sie es insgesamt ganz gut machen. Der Erzählfluss ist von Buch zu Buch ungestört, die Handlung wird zwar gezogen, hat aber immer wieder innovative Einschläge und irgendwas passiert in Zoes Leben ja immer. Der sechste Teil „Versucht“ hat mir gut gefallen, obwohl ich fast dachte, dass es nach dem guten fünften Band wieder bergab geht. Doch weit gefehlt: Das Niveau hält sich und „Versucht“ wird zu einem guten Buch zum Abschalten.

Nachdem Zoey und ihre Freunde Kalona und Neferet aus Tulsa vertrieben haben, hätten sie eigentlich eine Pause verdient. Aber obwohl Zoey und ihr sexy Krieger Stark sich erst einmal von ihrer Begegnung mit dem Tod erholen müssten und auch die Jungvampyre die Nachwirkungen von Neferets Terrorherrschaft zu verarbeiten hätten, ist ihnen allen keine Ruhe vergönnt. 
Stevie Rae glaubt mit ihren außergewöhnlichen Kräften gut allein all das regeln zu können, was sie vor ihren Freunden verheimlicht. Doch eine mysteriöse und beängstigende Macht breitet sich in den Tunneln unter Tulsa aus. Aber Stevie Rae will nicht sagen, was dort vor sich geht und was sie dort gemacht hat. Allmählich beginnt Zoey sich zu fragen, ob sie ihr überhaupt noch vertrauen kann.
Werden sie die richtigen Entscheidungen treffen oder werden dunkle Mächte das House of Night zerstören?


Wow, mal ein richtig ausführliches Klappentext des Buches. Er trifft durchaus zu, meiner Meinung nach kann man in ihm aber schon ein paar Schwächen des Buches erraten – wobei es sich hier vielmehr um Schwächen der Reihe und nicht dieses spezifischen Buches handelt. Inzwischen habe ich mich mit vielem in „HoN“ abgefunden. Vor allem versuche ich nicht mehr so streng zu Zoe zu sein. Ich fand sie immer sehr nervig, arrogant und egoistisch. Außerdem ist sie nicht der Mensch, der monogam leben kann und das ist für mich eigentlich das größte Problem an ihr: Ihre Jonglage mit den Männern. Manchmal verwenden die Autorinnen deutlich zu teeniebehaftetes Vokabular (Klappentext: „ihr sexy Krieger“ – ah ja), was ein bisschen lächerlich wirkt. Insgesamt muss ich aber sagen, dass Zoe langsam zu reifen beginnt und das habe ich in diesem Teil erstmals gespürt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Zoe jemals richtig mögen werde, aber ich beginne sie zu akzeptieren. 
Außerdem hat „Versucht“ eine Neuerung an sich. Es ist das erste Buch der Reihe, das sich nicht auf Zoes Perspektive beschränkt. Die meisten Kapitel sind zwar weiterhin aus ihrer Sicht geschrieben, doch andere Kapitel schildern die Sicht von Stevie Rae, Aphrodite oder Rephraim. Bei plötzlichen Erzählerweschseln bin ich eigentlich immer skeptisch. Des Weiteren bin ich an Zoes Perspektive gewöhnt, ich erkenne aber auch den Vorteil des Perspektivwechsels. So erschließen sich dem Leser ganz andere Dimensionen, man bekommt von verschiedenen Geschehnissen mehr mit, wenn Zoe eben gar nicht an Ort und Stelle ist. 
Genau das wird in diesem Buch auch wichtig, denn Stevie Rae mausert sich immer mehr zur zweiten Protagonistin, die einen neuen Handlungsstrang eröffnet. Sie wird ebenfalls als Hohepriesterin angesehen, allerdings als die der roten Vampire. Damit hat sie eine ganze Menge Macht und weitere Probleme, die sie ihren Freunden noch nicht anvertrauen möchte. Wichtig ist für „Versucht“ die Beziehung zwischen Stevie Rae und Rephaim, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte, die ich aber interessant finde. Die Geschichte entwickelt sich und das auf jeden Fall zum Positiven! 
Die Charaktere, die eine starke Freundschaft verbindet, beginnen auch selbständig zu werden. In diesem Zusammenhang gefallen mir Aphrodite und Darius mit Abstand am besten. Die Zwillinge spielen in diesem Teil nur eine sehr kleine Rolle, was mir nichts ausmacht, da ich die beiden noch nie authentisch fand. Damien und Jack gefielen mir weiterhin sehr gut. Stark ist für mich noch ein wenig ambivalent, doch er hat Potenzial. Nervig ist nur, dass er Zoe – seine Lady – so sehr chauffiert. Aber tun sie das nicht alle? Ich war immer ein großer Fan von Erik, allerdings entwickelt dieser sich negativ, so dass die Autorinnen ihn langsam auszublenden beginnen. Bleibt noch Heath, Zoes menschlicher Gefährte. Ich wusste, dass es irgendwann so weit kommt, wie beim fiesen Cliffhänger dieses Bands. Heath ist ein netter Kerl, aber eigentlich hatte er doch was Besseres verdient, als Zoe. Aber gut, seine Entscheidung. Es gibt eine große Charaktervielfalt und für jeden Leser sollte etwas dabei sein. Lustigerweise gefallen mit immer die absoluten Nebenfiguren am besten, wie hier Schwester Mary Angela oder Zoes Grandma. Zuletzt sei noch ein Wort zu den Bösewichten gesagt. Neferet und Kalona sind schwer zu durchschauen und auch ich war verwirrt, doch hier finde ich die beiden Figuren sehr gut gelungen. Beide sorgen für Chaos und ich bin gespannt, wie es mit ihnen weitergeht.
Insgesamt ist das Ende wirklich fies und der Klappentext des nächsten Bandes klingt merkwürdig. Aber jeder HoN-Band hat ein gemeines Ende, hier wird es allerdings wirklich emotional und man möchte wissen, was nun passieren wird.
Der Erzählstil ist simpel, es steht nicht viel auf einer Seite und deswegen kommt man sehr schnell durch die mehr als 550 Seiten. Die verwendete Sprache ist jugendlich, manchmal etwas zu krass, aber alles in allem sehr gut lesbar.



Inzwischen bin ich im „House of Night“ Universum angekommen. Immer wenn ich zum nächsten Teil greife, ist das Vorangegangene sehr präsent und man kommt immer wieder gut in die Geschichte. „Versucht“ ist ein gutes Buch, das das Level konstant hält. Mich hat der sechste Teil wunderbar unterhalten. Ich würde nicht von super viel Spannung sprechen, aber die Geschichte hat mein Interesse geweckt und hat ihren eigenen Charm. Die Autorinnen schaffen es durch ihren flüssigen und einfachen Stil immer wieder, mich abzuholen. Und deswegen habe ich Zoe und ihre Freunde, die ein sehr starkes Band verbindet, wieder gern begleitet. Das Ende ist ganz furchtbar und gemein und deswegen werde ich auch bald weiterlesen. „Versucht“ bringt mich in die Versuchung wieder vier Spitzenschuhe zu vergeben – und dieser Versuchung gebe ich gern nach.