17. August 2026

Rezension [Hörbuch]: "The exquisite Torment of loving your Enemy" von Brigitte Knightley


Titel: The exquisite Torment of loving your Enemy
Autorin: Brigitte Knightley
Sprecher: Gabrielle Pietermann, Vincent Fallow
Verlag: Random House Audio
Preis: 25,95€
Seiten: 512
Dauer: 13h 27m

„The irresistible Urge to fall for your Enemy“ war eines meiner Highlights im gesamten letzten Jahr. Ich habe dieses Hörbuch vergöttert und habe darauf hingefiebert, dass endlich Teil zwei erscheint. Wie geht es mit Osric und Aurienne weiter? Diese Frage quälte mich lange, bis der Reihenabschluss herauskam. Selbstverständlich steht dieser in Sachen Titelwahl seinem Vorgänger in nichts nach. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ ist ein furioses Finale dieser Dilogie, an das ich allerdings hohe Erwartungen hatte. Wurden sie erfüllt? Zum Glück ja! Es wird rasant, es wird spannend und am Ende heißt es Zittern!

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern auf den letzten Blick – genauer gesagt den allerletzten: Widerwillig hat die Heilerin Aurienne es vollbracht, dem Assassinen Osric zu helfen, indem sie das Versiegen seiner Magie verlangsamte. Nun will sie testen, ob sie die Degeneration umkehren kann. Doch was Aurienne nicht ahnt: Bösewicht Osric leidet an einer neuen Erkrankung – sein Herz gehört nicht mehr ihm! Zu allem Überfluss befindet sich Aurienne in Gefahr, vor der sie nur ein höchst unzurechnungsfähiger verliebter Auftragsmörder zu schützen vermag.

Schon im ersten Teil war ich von dieser anderen, aber absolut coolen Welt, die Brigitte Knightley erschaffen hat, fasziniert. Ein alternatives England, das in Königreiche (Tiendoms) eingeteilt ist, von Königen und Königinnen regiert wird und in dem es acht Orden mit besonderen Fähigkeiten gibt. Zwei dieser Orden sind die Fyren – die Auftragskiller – und die Haelen – die Heiler. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Mitglieder dieser Orden jemals freundlichen Kontakt zueinander haben, ist gleich null. Doch da Osric nur von einer einzigen Frau auf dieser Welt von seiner Saes-Fäule befreit werden könnte (Achtung, Konjunktiv), entsteht über abstruse Wege eben doch eine Zusammenarbeit. Osric ist Auriennes Forschungsprojekt. Zumindest macht sie sich das weis. Dass er das längst nicht mehr ist, sollte jedem Hörer und Leser nach dem ersten Teil klar sein. Aber haben die beiden überhaupt eine realistische Chance? Und wollen sie die überhaupt haben? Diese Frage beantwortet „The Torment“ am Ende glücklicherweise. Doch der Weg bis zum Ende ist extrem steinig. Und es heißt nicht umsonst "Slow Burn".
Dieser Folgeband setzt tatsächlich genau dort ein, wo Band eins aufhört. Die Geschichte geht also nahtlos weiter, nur mit dem Unterschied, dass Osric durchaus bewusst ist, dass er Gefühle für Aurienne entwickelt hat. Er versucht sie allerdings zu leugnen. Ist sicherer. Doch die beiden müssen sich wegen den Heilungen zu jedem Vollmond wiedersehen. Leugnen ist also irgendwann zwecklos. Es wäre aber ja gelacht, wenn Osrics Heilung komplikationslos oder einfach wäre. Aurienne und Osric begeben sich in „The Torment“ auf eine unglaublich spannende Reise. Es wird abenteuerlich und spannend. Schon im ersten Teil entdeckten die beiden eine Verschwörung, der sie nun weiter auf den Grund gehen. Die Haupthandlung ist eigentlich die Heilung von Osric, doch es entstehen viele Nebenhandlungen, die hervorragend in alles eingebettet sind. Die Autorin hat eine grandiose Welt erschaffen und all ihre Handlungen fügen sich perfekt in das Konzept. Da es sich um einen zweiten Teil handelt, kommt der Hörer bei „The Torment“ auch in einem Setting an, das er schon kennt. Das führt dazu, dass Brigitte Knightley uns noch tiefer in diese verrückte Welt eintauchen lässt. Man lernt zum Beispiel auch endlich die anderen sechs Orden genauer kennen, von denen einer faszinierender ist als der andere. Gerade die Einzelheiten über die Orden, deren Fähigkeiten und die Zusammenarbeit untereinander fand ich sehr spannend. Mir gefiel die ganze Welt noch genauso gut wie in Band eins. Es ist abwechslungsreich, kreativ und fantasievoll.
Und dann wäre da ja noch der größte Pluspunkt aus „The Urge“: der Humor. Oder sollte ich besser ‚Sarkasmus‘ sagen?! An Band eins habe ich vor allem diesen schwarzen Humor geliebt, der wirklich in jedem Kapitel vorkommt. Ich persönlich empfand ihn in Band zwei ein kleines bisschen schwächer, jedoch ist die Art zu erzählen immer noch unglaublich lustig. Ich habe wirklich oft geschmunzelt.
Dazu trug übrigens auch wieder die unglaubliche Stimme und Interpretation der Figur Osric vom Sprecher Vincent Fallow bei. Er ist so, so gut! Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Auch Gabrielle Pietermann, die die Kapitel von Aurienne liest, ist toll. Sie hat eine sehr schöne Stimme, die wunderbar zu Auriennes Wesen passt. Aber Fallow macht etwas Besonderes aus Osric und damit aus der ganzen Geschichte. Der Sarkasmus, der aus jedem Wort trieft, das Fallow liest, ist überragend. Solltet ihr euch fragen, ob ihr das Buch hören oder lesen solltet, dann spricht dieser herausragende Sprecher absolut dafür, sich das Hörbuch zuzulegen!
An diesem Buch sind noch so viel mehr Dinge wirklich toll. Mir hat zum Beispiel der finale Kampf sehr gut gefallen. Es ist spannend, verlustreich und trotz verrücktem Setting authentisch. Außerdem gefiel mir, dass es drei Epiloge gibt. Ich meine…warum auch nicht?! Ich habe noch nie mehr als einen Epilog gelesen, aber ich fand auch das sehr innovativ und passend zur Geschichte. Ein weiterer Pluspunkt, den ich erwähnen möchte, ist die Episodenhaftigkeit. Brigitte Knightley wirft den Hörer direkt in ihre Welt, ohne viel davon zu erklären. Es ergibt sich eben so. Und auch nachdem die Geschichte um Osric und Aurienne auserzählt ist, ist es die Welt eben nicht. Die beiden sind nur eine kleine Handlung in dieser großen innovativen Welt. Manche Dinge werden nicht aufgelöst (Was zum Beispiel ist Tristan? Eine Göttin?), es bleiben Lücken. Aber genau das fand ich authentisch. Die Geschichte geht eben weiter, nachdem der Fokus nicht mehr auf Osric und Aurienne liegt. Die Welt steht einem Bürgerkrieg bevor und es gibt eben nicht immer ein Happy End für alles und jeden. Das imponierte mir.
Nun aber auch eine Sache, die mir tatsächlich nicht gefiel. Der Schreibstil der Autorin ist sehr ausschweifend und das gehört auch irgendwie dazu. Den Humor habe ich ja schon genug gewürdigt. Aber manche Beschreibungen, vor allem wenn es um die mystischen Szenen ging, waren mir zu lang und zu bildgewaltig. Manchmal schweifte ich beim Hören dann einfach ab, ohne es wirklich zu merken. Das ist aber hinsichtlich all der tollen Dinge nur eine Randnotiz.
Noch ein letztes Wort zu den spicy Szenen. Ohne diese lassen sich Bücher heute ja kaum noch verkaufen. Und ja, es gibt auch einige heiße Szenen in „The Torment“. Wenn ich mich nicht irre, werden sie alle ausnahmslos aus Auriennes Perspektive erzählt. Das finde ich als weibliche Hörerin tatsächlich gut, ist aber auch nicht entscheidend. Sie sind auf jeden Fall sehr passend zur Geschichte, nicht vulgär sondern einfach gelungen.

Man kann es sich schon denken: Ich habe nicht nur den ersten Teil dieser Dilogie geliebt. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ erzählt den zweiten Teil einer herausragenden Geschichte, die ich euch als Hörbuch nur ans Herz legen kann. Die Welt ist innovativ und fantastisch, die Charaktere sind vielschichtig und sehr unterhaltsam und die Sprecher dieses Buches sind großartig. Der Humor ist einzigartig, was mir viele wunderbare Hörstunden beschert hat. Meine kleine Kritik ändert nichts am Gesamteindruck. Auch Band zwei hat sich die fünf Sterne verdient. Meine klare Lese-/Hörempfehlung!



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