Titel: The exquisite Torment of loving your Enemy
Autorin: Brigitte Knightley
Sprecher: Gabrielle Pietermann, Vincent Fallow
Verlag: Random House Audio
Dauer: 13h 27m
„The irresistible Urge to fall for your Enemy“ war eines
meiner Highlights im gesamten letzten Jahr. Ich habe dieses Hörbuch vergöttert
und habe darauf hingefiebert, dass endlich Teil zwei erscheint. Wie geht es mit
Osric und Aurienne weiter? Diese Frage quälte mich lange, bis der
Reihenabschluss herauskam. Selbstverständlich steht dieser in Sachen Titelwahl
seinem Vorgänger in nichts nach. „The exquisite Torment of loving your Enemy“
ist ein furioses Finale dieser Dilogie, an das ich allerdings hohe Erwartungen
hatte. Wurden sie erfüllt? Zum Glück ja! Es wird rasant, es wird spannend und
am Ende heißt es Zittern!

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern auf den
letzten Blick – genauer gesagt den allerletzten: Widerwillig hat die Heilerin
Aurienne es vollbracht, dem Assassinen Osric zu helfen, indem sie das Versiegen
seiner Magie verlangsamte. Nun will sie testen, ob sie die Degeneration
umkehren kann. Doch was Aurienne nicht ahnt: Bösewicht Osric leidet an einer
neuen Erkrankung – sein Herz gehört nicht mehr ihm! Zu allem Überfluss befindet
sich Aurienne in Gefahr, vor der sie nur ein höchst unzurechnungsfähiger
verliebter Auftragsmörder zu schützen vermag.

Schon im ersten Teil war ich von dieser anderen, aber
absolut coolen Welt, die Brigitte Knightley erschaffen hat, fasziniert. Ein
alternatives England, das in Königreiche (Tiendoms) eingeteilt ist, von Königen
und Königinnen regiert wird und in dem es acht Orden mit besonderen Fähigkeiten
gibt. Zwei dieser Orden sind die Fyren – die Auftragskiller – und die Haelen –
die Heiler. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Mitglieder dieser Orden jemals
freundlichen Kontakt zueinander haben, ist gleich null. Doch da Osric nur von
einer einzigen Frau auf dieser Welt von seiner Saes-Fäule befreit werden könnte
(Achtung, Konjunktiv), entsteht über abstruse Wege eben doch eine
Zusammenarbeit. Osric ist Auriennes Forschungsprojekt. Zumindest macht sie sich
das weis. Dass er das längst nicht mehr ist, sollte jedem Hörer und Leser nach
dem ersten Teil klar sein. Aber haben die beiden überhaupt eine realistische
Chance? Und wollen sie die überhaupt haben? Diese Frage beantwortet „The
Torment“ am Ende glücklicherweise. Doch der Weg bis zum Ende ist extrem
steinig. Und es heißt nicht umsonst "Slow Burn".
Dieser Folgeband setzt tatsächlich genau dort ein, wo Band eins aufhört. Die
Geschichte geht also nahtlos weiter, nur mit dem Unterschied, dass Osric
durchaus bewusst ist, dass er Gefühle für Aurienne entwickelt hat. Er versucht
sie allerdings zu leugnen. Ist sicherer. Doch die beiden müssen sich wegen den
Heilungen zu jedem Vollmond wiedersehen. Leugnen ist also irgendwann zwecklos.
Es wäre aber ja gelacht, wenn Osrics Heilung komplikationslos oder einfach
wäre. Aurienne und Osric begeben sich in „The Torment“ auf eine unglaublich
spannende Reise. Es wird abenteuerlich und spannend. Schon im ersten Teil
entdeckten die beiden eine Verschwörung, der sie nun weiter auf den Grund
gehen. Die Haupthandlung ist eigentlich die Heilung von Osric, doch es
entstehen viele Nebenhandlungen, die hervorragend in alles eingebettet sind.
Die Autorin hat eine grandiose Welt erschaffen und all ihre Handlungen fügen
sich perfekt in das Konzept. Da es sich um einen zweiten Teil handelt, kommt
der Hörer bei „The Torment“ auch in einem Setting an, das er schon kennt. Das
führt dazu, dass Brigitte Knightley uns noch tiefer in diese verrückte Welt
eintauchen lässt. Man lernt zum Beispiel auch endlich die anderen sechs Orden
genauer kennen, von denen einer faszinierender ist als der andere. Gerade die
Einzelheiten über die Orden, deren Fähigkeiten und die Zusammenarbeit
untereinander fand ich sehr spannend. Mir gefiel die ganze Welt noch genauso
gut wie in Band eins. Es ist abwechslungsreich, kreativ und fantasievoll.
Und dann wäre da ja noch der größte Pluspunkt aus „The Urge“: der Humor. Oder
sollte ich besser ‚Sarkasmus‘ sagen?! An Band eins habe ich vor allem diesen
schwarzen Humor geliebt, der wirklich in jedem Kapitel vorkommt. Ich persönlich
empfand ihn in Band zwei ein kleines bisschen schwächer, jedoch ist die Art zu
erzählen immer noch unglaublich lustig. Ich habe wirklich oft geschmunzelt.
Dazu trug übrigens auch wieder die unglaubliche Stimme und Interpretation der
Figur Osric vom Sprecher Vincent Fallow bei. Er ist so, so gut! Ich kann es gar
nicht in Worte fassen. Auch Gabrielle Pietermann, die die Kapitel von Aurienne
liest, ist toll. Sie hat eine sehr schöne Stimme, die wunderbar zu Auriennes
Wesen passt. Aber Fallow macht etwas Besonderes aus Osric und damit aus der
ganzen Geschichte. Der Sarkasmus, der aus jedem Wort trieft, das Fallow liest,
ist überragend. Solltet ihr euch fragen, ob ihr das Buch hören oder lesen
solltet, dann spricht dieser herausragende Sprecher absolut dafür, sich das
Hörbuch zuzulegen!
An diesem Buch sind noch so viel mehr Dinge wirklich toll. Mir hat zum Beispiel
der finale Kampf sehr gut gefallen. Es ist spannend, verlustreich und trotz
verrücktem Setting authentisch. Außerdem gefiel mir, dass es drei Epiloge gibt.
Ich meine…warum auch nicht?! Ich habe noch nie mehr als einen Epilog gelesen,
aber ich fand auch das sehr innovativ und passend zur Geschichte. Ein weiterer
Pluspunkt, den ich erwähnen möchte, ist die Episodenhaftigkeit. Brigitte
Knightley wirft den Hörer direkt in ihre Welt, ohne viel davon zu erklären. Es ergibt
sich eben so. Und auch nachdem die Geschichte um Osric und Aurienne auserzählt
ist, ist es die Welt eben nicht. Die beiden sind nur eine kleine Handlung in
dieser großen innovativen Welt. Manche Dinge werden nicht aufgelöst (Was zum
Beispiel ist Tristan? Eine Göttin?), es bleiben Lücken. Aber genau das fand ich
authentisch. Die Geschichte geht eben weiter, nachdem der Fokus nicht mehr auf
Osric und Aurienne liegt. Die Welt steht einem Bürgerkrieg bevor und es gibt
eben nicht immer ein Happy End für alles und jeden. Das imponierte mir.
Nun aber auch eine Sache, die mir tatsächlich nicht gefiel. Der Schreibstil der
Autorin ist sehr ausschweifend und das gehört auch irgendwie dazu. Den Humor
habe ich ja schon genug gewürdigt. Aber manche Beschreibungen, vor allem wenn
es um die mystischen Szenen ging, waren mir zu lang und zu bildgewaltig.
Manchmal schweifte ich beim Hören dann einfach ab, ohne es wirklich zu merken.
Das ist aber hinsichtlich all der tollen Dinge nur eine Randnotiz.
Noch ein letztes Wort zu den spicy Szenen. Ohne diese lassen sich Bücher heute
ja kaum noch verkaufen. Und ja, es gibt auch einige heiße Szenen in „The
Torment“. Wenn ich mich nicht irre, werden sie alle ausnahmslos aus Auriennes
Perspektive erzählt. Das finde ich als weibliche Hörerin tatsächlich gut, ist
aber auch nicht entscheidend. Sie sind auf jeden Fall sehr passend zur
Geschichte, nicht vulgär sondern einfach gelungen.
Man kann es sich schon denken: Ich habe nicht nur den
ersten Teil dieser Dilogie geliebt. „The exquisite Torment of loving your Enemy“
erzählt den zweiten Teil einer herausragenden Geschichte, die ich euch als
Hörbuch nur ans Herz legen kann. Die Welt ist innovativ und fantastisch, die
Charaktere sind vielschichtig und sehr unterhaltsam und die Sprecher dieses
Buches sind großartig. Der Humor ist einzigartig, was mir viele wunderbare
Hörstunden beschert hat. Meine kleine Kritik ändert nichts am Gesamteindruck.
Auch Band zwei hat sich die fünf Sterne verdient. Meine klare Lese-/Hörempfehlung!
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