Titel: Quartett
Autorin: Natasha Korsakova
Verlag: Septime Verlag
Preis: 25,00€
Seiten: 288
Es ist kein Geheimnis, dass ich selten Ausflüge in das
Krimi-Genre mache. Doch inzwischen ist es ebenfalls keines, dass ich für ein
Buch von Natasha Korsakova sofort einen solchen unternehme. Denn die Autorin
ist nicht nur eine hervorragende Krimiautorin, sondern vor allem eine begnadete
Musikerin. Wenn Korsakova statt zur Violine zur Feder greift, weiß man, dass es einen Mord in der
römischen Musikbranche gegeben hat. Und wie keine zweite kann sie das Setting
der Klassik einfangen, sodass man in der Szenerie versinkt, gemeinsam mit Commissario
Di Bernados Team ermittelt und sich den Intrigen der Musikindustrie hingibt. „Quartett“
ist der vierte Fall von Dionisio Di Bernardo, in dem er mit der klassischen
Musik konfrontiert wird. Und zum vierten Mal schafft die Autorin es, ihre
Leserschaft in ihren Bann zu ziehen!

Rom, Spätherbst 2025: Nach einem gefeierten Konzert endet
der Abend für den ersten Geiger des berühmten »Arcimboldo«-Quartetts tödlich:
Lorenzo Verro wird in einem düsteren Durchgang nahe dem Teatro Argentina in Rom
erstochen aufgefunden. Für Commissario Di Bernardo beginnt ein verzwickter
Fall, der ihn erneut in die widersprüchliche Musikerwelt führt – und in die
Schatten dahinter. Zwischen den verletzten Egos, Rivalitäten und verschwiegenen
Affären stößt er auf ein Geflecht aus Lügen, das bis in die feinsten Strukturen
des Quartetts reicht. Was für ein Mensch steckte hinter der Fassade des
Primarius? Warum musste er sterben? Und welche Rolle spielt der schillernde
Klarinettist, was hat er zu verbergen? Als Di Bernardo glaubt, endlich ein
Muster zu erkennen, ist der Täter ihm einen Schritt voraus: Ein zweiter Mord
bricht das fragile Gerüst aus Schweigen. Vor der Kulisse des nächtlichen Roms
entdeckt Di Bernardos Team Abgründe, die weit über die Bühne hinausreichen. Und
je weiter sie den Geheimnissen auf die Spur kommen, desto erschütternder wird
die Wahrheit.

Zuerst muss ich sagen, dass der Titel „Quartett“ absolut
perfekt ist. Natasha Korsakova überlässt selten etwas dem Zufall und das wird
auch bei der Titelwahl deutlich. Im Fokus der Geschichte steht das „Arcimboldo“-Quartett,
in dessen Reihen es einen Mord gegeben hat. Außerdem ist es der vierte Fall von
Di Bernardo und somit auch Korsakovas viertes Buch, sodass der Titel mit der
Geschichte absolut harmoniert. Das Cover trifft meinen persönlichen Geschmack
zwar nicht unbedingt, passt aber trotzdem.
Was geschah nun aber nach dem Konzert des Quartetts? Der erste Geiger Lorenzo
Verro verlässt nur kurz das Restaurant, in dem die Musiker feiern und wird ermordet.
Natürlich ermittelt Di Bernardo in diesem Fall, schließlich hat er – leider –
schon einige Erfahrung, was Morde in der Musikbranche betrifft. Es entsteht ein
spannender Kriminalfall, in dem der Kreis der Verdächtigen sehr klein ist. Denn
bald ist klar: Es muss einer der anderen Musiker gewesen sein.
Oder?
Und vor
allem, warum?
Der Leser wird auf eine spannende Reise mitgenommen und das Setting ist absolut
authentisch. Das ist einer der größten Pluspunkte des Buches. Man merkt sofort,
dass die Autorin ein Profi auf dem Gebiet der Klassik ist. Sie beschreibt so
bildlich, dass die Authentizität des Musiksettings hervorsticht. Man wird quasi
von der Musik tief eingesogen und erwacht erst wieder, wenn man das Buch
zuklappt. Dabei ist vor allem die Detailverliebtheit klasse. Im Buch gibt es
acht QR-Codes, die alle zu Stücken führen, die entweder im Buch direkt eine
Rolle spielen oder anders relevant sind. Auch hier gibt es keine Zufälle. Die
Videos wurden eigens für das Buch hochgeladen. Einige Stücke spielt Korsakova sogar
selbst, was den Zugang zur Geschichte noch einmal vertieft. Ich habe es
geliebt, die Stücke im Anschluss an die Kapitel zu hören. Zu lesen und zu hören
hat bei mir übrigens nicht geklappt. Zu dicht sind die Beschreibungen der Musik
im Buch, die ich einfach nachempfinden wollte. Lässt man sich als Leser auf
diese Art der Unterhaltung ein, ist „Quartett“ ein echtes Geschenk, das sich
von normalen Krimis einfach abhebt.
Insgesamt ist das Buch aber auch nicht gewöhnlich. Die Autorin legt viel Wert
darauf, das italienische Flair einzufangen. Sei es, indem die römischen Straßen
oder aber die Süßigkeiten die del Pino immer isst, detailgetreu beschrieben werden.
Man kann sich die Szenerie sehr gut vorstellen.
Hinzu kommt, dass Korsakova die gleiche Detailliebe, die sie in ihre
Handlungsorte steckt, auch in ihren Figuren zu finden ist. Kennt man einen der
Vorgänger von „Quartett“, trifft man lieb gewonnene Figuren auch hier wieder.
Alles richtet sich natürlich nach Di Bernardo aus. Aber auch Del Pino oder Fedi
spielen weiterhin eine große Rolle. Im Kommissariat passiert eine ganze Menge,
doch ob das Team mit diesen Veränderungen klar kommt, ist unklar. Eine Veränderung
heißt der Commissario aber willkommen: seine neue Ermittlerin Guilia. So bleibt
zwar der liebgewonnen Kern des Teams bestehen, doch damit es nicht langweilig
wird, wird er um Guilias (spannende) Geschichte erweitert. Mir kam es manchmal
so vor, als wenn der eigentliche Kriminalfall um Lorenzo Verro vor lauter
liebevoller Charakterarbeit und Hinwendung zur Musik in den Hintergrund gerät.
Am Fall selbst gefiel es mir tatsächlich nicht so gut, dass der Kreis der
Verdächtigen so unglaublich klein war. Ich wollte aber natürlich auch auf
gewisse Weise nicht wahrhaben, dass einer der anderen Musiker der Täter ist. Auch die
Flashbacks, die bereits im Prolog auftauchen, von denen man aber nie genau
weiß, aus wessen Sicht sie sind, geben dem Leser (zu) viele Hinweise auf das
Motiv. Das fand ich etwas schade. Mein einziger weiterer Kritikpunkt, der
vielleicht mit meinem eigenen Gedächtnis zu tun hat, ist die Benennung zweier
Figuren. Ich habe einfach immer „Emanuele“ und „Enrico“ verwechselt. Das kann
man eigentlich nicht als Kritik durchgehen lassen, war für mich aber trotzdem
ein klitzekleines Bisschen anstrengend. Nichtsdestotrotz ist der Fall spannend
und vor allem extrem kurzweilig. Ich konnte kaum glauben, wie schnell man im
Buch vorankommt. Besonders am Ende wird es rasant. Ich war traurig, als das
Buch zu Ende war, denn mich beschlich das Gefühl, dass so viele Dinge noch
ungeklärt sind. Aber vielleicht wird es ja eine Auflösung geben. Vielleicht ein
Mord in einem „Quintett“?!

„Quartett“ ist ein kurzweiliger und sehr besonderer Krimi.
Selten habe ich eine solche Authentizität in den Beschreibungen des Settings und
der Handlung selbst erlebt. Die Musik ist die eigentliche Protagonistin in der
Geschichte und das gefiel mir ganz besonders gut. Für die tolle Atmosphäre, die
gute Unterhaltung und die detailreichen Figuren muss man die Höchstwertung
geben. Ein ganz kleiner Abzug kommt von mir lediglich hinzu, da ich die
Auflösung durch den kleinen Kreis der Verdächtigen etwas vorhersehbar fand.
Somit vergebe ich 4,5 Sterne für „Quartett“ und hoffe, dass es nicht Di
Bernardos letzter Ausflug in die Musikbranche war.
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