10. Mai 2026

Rezension [Hörbuch]: "Love me, love me - Unsere Herzen ziehen sich an" von Stefania S.

 


Titel: Love me, love me - Unsere Herzen ziehen sich an
Autorin: Stefania S.
Sprecherin: Belinda Zettelmeier-Jürga u.a.
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 17h 14m
Seiten: 688
Preis: 29,95€

Manchmal passiert es, dass man sich von einem Buch hinters Licht geführt fühlt. Der Klappentext klingt gut. Unschuldig. Schön. Macht Lust auf mehr. Und dann: Boom. Eine ganz andere Geschichte als erwartet, grauenhafte Sprache und mein offen stehender Mund aufgrund der Thematiken. Tja. So ging es mir mit „Love me, love me – Unsere Herzen ziehen sich an“ von Stefania S. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte. Aber definitiv nicht das. Ich musste mich wirklich überwinden, dieses Hörbuch zu beenden. Leider fällt mein Fazit auch dementsprechend aus: einfach nur schlimm.

Als ihre Mutter wieder einmal umzieht, steht June White in Laguna Beach, Kalifornien, erneut ein Neuanfang bevor. Für sie, die sich lieber in ihrem Zimmer verkriecht und auf Netflix Dokumentationen über Kriminalfälle anschaut, statt auf Partys zu gehen, ist es nie leicht, Freunde zu finden. Besonders nicht im letzten Jahr der Highschool. Doch überraschenderweise geben ihre Mitschüler ihr sofort das Gefühl, willkommen zu sein.
Alle außer James Hunter. Der attraktive James ist der Inbegriff eines Bad Boys mit einer dunklen und bewegten Vergangenheit. Ganz anders sein bester Freund William, der June mit offenen Armen empfängt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein, doch mindestens einer von ihnen verbirgt etwas vor ihr, während er ihr Herz aus dem Takt bringt.


Ich habe mich wirklich hinterfragt. Habe den Klappentext noch einmal im Nachhinein gelesen und überlegt, ob ich mich wirklich so irren konnte. Einer meiner Fehler war aber wohl, dass ich gar nicht wusste, dass es bereits eine Amazon-Verfilmung gibt. Hätte ich diese gesehen, hätte ich vielleicht die Finger vom Buch gelassen. Doch ehrlich gesagt, weiß ich das nicht. Das pastellfarbene Cover ist ja nicht das einzig irreführende dieser Kategorie. Aber „Love me, love me“ ist wirklich noch eine Nummer härter.
Mir hat so unglaublich viel an diesem Hörbuch nicht gefallen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Beginnen wir vielleicht einfach beim Anfang. Inzwischen ist es ja Gang und Gäbe, dass eine Triggerwarnung im New Adult Bereich vorweg geschaltet ist. Bei Hörbüchern müsste ich dafür den letzten Track hören. Das tat ich nicht, denn ich wollte mich inhaltlich nicht spoilern. Als ich ihn dann ganz am Ende gehört habe, kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Ich meine, ich hatte das Buch ja gehört. Ich kannte den Inhalt. Aber trotzdem. Die Liste ist krass. Und lang. Sage und schreibe vierzehn Themen findet man darauf. Vierzehn Themen, die potenziell triggernd sind. Ich bin da gar nicht so sensibel, weil mich eines dieser Themen irgendwie selbst triggert, aber ich finde die Masse einfach unglaublich. Und ganz ehrlich, das muss doch nicht sein. Was ist das denn für eine Welt, in der vierzehn potenziell triggernde Inhalte deinen Lebensalltag bestimmen?! Kann es wirklich solche Menschen geben, die mit all solchen Themen in Berührung kommen? An einer Highschool? Ich weiß es nicht.
Vielleicht hätte mich das ein oder andere auch gar nicht so sehr gestört, wenn nicht auch der Rest des Buches so schlecht wäre. Ich habe zu keiner Sekunde einen Zugang zu einer der Figuren bekommen. Die Sprache ist vulgär und derb. Gut geschrieben ist das Buch ebenfalls nicht. Die Figuren sind unsympathisch und handeln ambivalent. Und irgendwie gibt es eigentlich keine Handlung. Das wäre die Kurzversion. Natürlich hole ich aber gern aus.
Es gibt eine Fülle von Figuren. Das an sich finde ich gar nicht schlimm. Dass es aber gleich sieben Perspektiven und somit auch sieben verschiede Sprecher und Sprecherinnen im Hörbuch sind, ist einfach zu viel. Manche davon lesen auch lediglich ein Kapitel. Für mich war das unnötig und führte nicht zur Glaubwürdigkeit der Geschichte. Ich hatte das Gefühl, die Autorin wollte jede Perspektive bedienen und dem Hörer alle möglichen Dinge zeigen. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wäre die Sicht beschränkter gewesen, sodass es vielleicht auch noch ein paar Dinge gegeben hätte, die im Dunkeln geblieben wäre. Aber nein. Man hat ein ziemlich umfassendes Bild von der Highschool, auf die June kommt. Und damit kommen wir doch endlich zur Geschichte selbst.
Für mich klang der Klappentext wirklich nach einer Dreiecksgeschichte im Highschool-Setting. „Love me, love me“ hat mit einer solchen allerdings sehr wenig zu tun. Die Liebesgeschichte steht überhaupt nicht im Vordergrund. Man will eigentlich auch fragen „Welche Liebesgeschichte?“, denn June hat zwar was mit William, kann sich auf ihn aber nicht einlassen. (By the way, sein Paket ist natürlich auch ein sehr großes.) Von James ist June fasziniert, hört aber nie damit auf, zu beteuern, wie sehr sie ihn hasst. Tja, und steht er vor ihr, verlieren die beiden sich in sinnlosen Sticheleien, die zu nichts führen – außer, dass es June anturnt. James ist ja sowieso mit jedem Mädchen der Schule im Bett gewesen. Klar. Badboy und so. Auch das ist ja gar nicht das Problem, schließlich entspricht es dem Konzept beinahe jedes New Adult Buches. Aber James ist schon etwas krasser. Auch sein Charakter hat die Ehre, ein Kapitel aus der eigenen Sicht zu schildern. In diesem tat er mir al Figur beinahe leid. Aber wer so oft in wenigen Minuten das Wort „ficken“ sagen kann, entzieht sich auch schnell meinem Mitleid. Für mich hatte er absolut nichts Liebeswürdiges an sich. Er würdigt Menschen herab, nimmt jeden Tag Drogen, betrinkt sich, vögelt jeden Abend eine andere (Sex kommt im Hörbuch sowieso nicht zu kurz) und rutscht natürlich in kriminelle Kreise ab. Aber Achtung: Man darf natürlich nicht vergessen, dass er dabei mörderisch gut aussieht. Das macht schließlich einiges wett. Ist ja klar.
James ist für mich schon mal durchgefallen. June aber leider auch. Ich habe selten eine so zickige und ambivalent handelnde Protagonistin gesehen. Sie ist nicht ehrlich zu sich selbst, entscheidet sich dauernd um (versteht natürlich nicht, wieso) und glaubt dabei, dass sie total selbstbewusst und schlagfertig ist. Ach ja, und sie findet sich natürlich nicht hübsch. Zu dicke Oberschenkel, nichts Besonderes bla bla. Komisch, dass alle Jungs der Schule das anders sehen.Najaaaaaaa.
Ich weiß nicht. Mir hängt das einfach zum Hals hinaus. Aber auch so fand ich June ehrlich gesagt ziemlich unerträglich. Auch ihrer Mutter konnte ich nichts abgewinnen. Es ist eigentlich kein Wunder, dass June zum Teil so sein muss. Nach allem, was sie erstens durchgemacht hat, aber eben auch zweitens von ihrer Mutter vorgelebt bekommt. Dass die Familienverhältnisse von wirklich jedem anderen Charakter in diesem Buch ebenfalls zerrüttet sind, ist ja ebenfalls logisch. Warum sollte es in der High Society auch etwas geben, das ansatzweise normal sein könnte.
Ich würde ja jetzt gern sagen, dass der rote Faden der Geschichte immerhin vorhanden ist. Ist er aber nicht. Es gibt eigentlich keinen. Daher plätschert die Handlung eigentlich nur so vor sich hin. Jeder hat seine Intrigen, seine Geheimnisse und natürlich darf bloß nichts ans Tageslicht kommen. James wirft June immer wieder vor, zu schnüffeln und zu neugierig zu sein. Und auch, wenn ich James ungern zustimme: Hier hat er Recht!
Als Hörer fragt man sich handlungstechnisch eigentlich nur, wer June jetzt entjungfern wird: Will oder James? Keine Sorge, die Frage beantworte ich nicht. Es war aber wirklich beinahe die einzige, die ich mir gestellt habe. Neben der zweiten: Wann ist es endlich vorbei?
Für mich waren auch der Schreibstil und vor allem das Vokabular des Buches eine Zumutung. Das f-Wort habe ich bereits erwähnt und das schreckt an sich ja auch nicht ab. Aber hier ist es gewaltiger. Es geht einfach pausenlos um Sex. Jeder mit jedem. Außerdem stehen Beleidigungen auf wirklich fast jeder Seite. Es geht sogar arg ins Gewalttätige hinein, was mir gar nicht gefiel. Die Welt, die Stefania S. entwirft, war für mich einfach nur abschreckend und manchmal auch unglaublich unlogisch. Es gibt beispielsweise einen Club „irgendwo in der Wüste“ bei L.A. Dort geschehen so allerlei illegale Dinge. Das wird June in einer Szene zu viel, weshalb sie den Schauplatz einfach verlässt und nach Hause laufen will. Klar. Macht man ja auch so, wenn man vorher eine Weile mit dem Auto durch die Wüste dahin fährt. Wer macht denn sowas?! Egal.
Ihr merkt, ich bin mit dem Hörbuch nicht sehr gut klargekommen. Wenn ich etwas Positives sagen will, dann vielleicht, dass einige der triggernden Inhalte natürlich auch eine thematische Vielfalt bieten. Außerdem lesen die Sprecher und Sprecherinnen nicht schlecht. Ich konnte mit dem Inhalt aber einfach gar nichts anfangen.


Tatsächlich habe ich mich gefragt, warum ich das Buch zu Ende gehört habe, wenn ich es doch so furchtbar fand. Leider kann ich das selbst nicht sagen. Vielleicht wollte ich wissen, ob noch irgendetwas Spannendes passiert. Das tat es für mich leider nicht, obwohl es einen Cliffhänger gibt, der für viele sicher interessant ist.
Ich kann den Hype um „Love me, love me“ wirklich nicht verstehen und bin unglaublich abgeschreckt von der Geschichte. Mit mehr als einem Auge zugedrückt, vergebe ich 1,5 Sterne und bin ehrlich gesagt froh, dass ich um Band zwei einen großen Bogen machen kann.