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2. August 2018

Rezension: "Pompeji" von Robert Harris



Titel: Pompeji
Autor: Robert Harris
Verlag: Heyne
Preis: 9,99€
Seiten: 384


Ich habe mein Studienfach mit Leidenschaft gewählt und heute unterrichte ich Geschichte mit derselben. Besonders angetan hat es mir das Zeitalter der sogenannten „Alten Geschichte“, unter das auch die Themen Griechenland und Rom fallen. Beide Themen habe ich im letzten Jahr unterrichtet und ich habe mich selbst dabei ertappt, dass es auch Bücher auf meine Freizeitleseliste geschafft haben, die in genau dieser Zeit spielen. Das Schuljahr ist vorbei, der Sommer kam und ich las lauter heiterer Liebes- und mystischer Fantasiegeschichten. Und dann hatte ich Lust auf etwas Ernstes. Auf meinem Reader fand ich „Pompeji“ von Robert Harris. Ich liebe viele seiner Bücher, denn die Mischung aus Thrill und History gelingt ihm meist sehr gut. Pompeji ist ein wahnsinnig interessantes Thema und deswegen ging ich mit viel Freude an das Buch. Was sehr zäh begann, steigerte sich stark und wurde letztendlich zu einer spannenden Lektüre. „Pompeji“ ist eine Schnitzeljagd, von der jeder im Vorhinein weiß, wie das Unglück ausgehen muss! Und so entsteht ein wirklich spannendes Buch mit antikem Zeitgeist.

Pompeji, 79 n. Chr., reichste Stadt der römischen Weltmacht, Oase der Schönen und Mächtigen: Der junge Wasserbaumeister Attilius kommt einer skrupellosen Verschwörung auf die Spur, doch seine Nachforschungen werden überschattet von den unheimlichen Vorzeichen einer drohenden Apokalypse.

Wer sich für das Unglück von Pompeji oder das Römische Reich interessiert, ist bei diesem Buch genau richtig! Robert Harris ist ein wirklich begabter Autor, der die historischen Themen immer mit Thrillelementen und Intrigen mischt. Aus diesen Mischungen werden sehr spannende Angelegenheiten, auch für Nichthistoriker. Wer aber gar kein Interesse an der Zeit um die Geburt Christi hat, kann mit diesem Buch wahrscheinlich nicht viel anfangen. Zu wichtig ist die historische Verortung, das System, das Leben der Menschen. All diese Dinge spielen in „Pompeji“ eine Rolle und würzen die Geschichte. Interessant ist an diesem Roman natürlich, dass jeder weiß, was an seinem Ende stehen muss. Denn der Vesuv ist 79 n. Chr. ausgebrochen und hat tausende von Menschen getötet. (Übrigens ein Szenario, das sich in Zukunft wieder ereignen wird, denn der Vesuv ist noch immer aktiv und wird eines Tages wieder ausbrechen. Das so nebenbei.) Das Ende steht also fest, warum sollte man das Buch dann noch lesen? Eine gute Frage, die ich nur schwer beantworten kann. Doch für mich war es aufgrund des bekannten Endes umso spannender, die Geschichte zu lesen. Das Unausweichliche würde geschehen, aber was würde mit den Figuren geschehen? Was wird bis dahin herausgefunden? Überlebt doch jemand? Das Buch ist ein Wettlauf mit der Zeit, nur dass die Charaktere nicht wissen, dass ihre Zeit abläuft. Der Leser ist ihnen somit überlegen, was ein faszinierendes Gefühl ist. Dieses Gefühl kennt man oft aus historischen Romanen, doch Harris schafft es wirklich den Leser in seinen Bann zu ziehen. 
Der Anfang des Buches ist beinahe schon dröge. Ich musste mich sehr an den Stil gewöhnen, der natürlich viel mit dem Zeitalter zu tun hat. Der Autor trifft einen authentischen Stil und Ton. Obwohl das Römische Reich so glorreich war, herrschten zum Teil schreckliche Verhältnisse und derbe Tonarten. Beides fängt Harris sehr gut ein. Lediglich bei den Sexualpraktiken war ich ein wenig abgeschreckt, will aber nicht in Abrede stellen, dass es durchaus so gewesen sein kann. Manchmal sind das Verhalten und der Ton der Figuren ekelerregend und widerlich. Aber all das macht das Buch auch authentisch. Insgesamt wird das Gesellschaftssystem wahnsinnig gut eingefangen! Meines Erachtens hat Harris sehr gut recherchiert und mir fielen keine historischen Fehler auf. Sicher hat er sich künstlerische Freiheiten erlaubt und auch was die Vulkanforschung angeht, habe ich keine Ahnung, ob alles so abgelaufen sein kann, aber es gibt nichts, das den Leser aus dem Lesefluss bringt. 
Das Thema der Vulkane ist beinahe schon das faszinierendste am ganzen Buch. Nach dem Lesen des Romans musste ich mir erst einmal eine Dokumentation über den Ausbruch 79 n. Chr. anschauen, weil ich vom ganzen Thema so fasziniert war. Jedem Kapitel ist ein kurzer Text vorgestellt, der meistens aus der Vulkanforschung stammt. Er stellt die Veränderungen und Entwicklungen eines Vulkans dar, was zumeist auch im kommenden Kapitel beobachtet werden kann. So mischt der Autor Wissenschaft mit Fiktion sehr gut und weckt im Leser ein Interesse gegenüber der Vulkanologie. Denn diese Naturkatastrophe steht wahrlich im Fokus. Der Vesuv thront über allem und sein Ausbruch ist nicht zu verhindern, ja für die Figuren nicht einmal zu erahnen. Außer für einen? 
Die Handlung beschäftigt sich mit dem jungen Aquarius Attilius. Er wurde nur zwei Tage vor Ausbruch des Vesuvs nach Pompeji als neuer Wassermeister geschickt. Er kümmert sich um die Aqua Augusta, das lange Aquädukt also, das Pompeji versorgt. Er bemerkt Anzeichen dafür, dass das Aquädukt beschädigt sein muss und geht der Sache auf den Grund. Dabei gerät er in die Fänge der Oberschicht, denn Wasser ist ein Luxusgut und somit ein Geschäftsmittel. Er lernt die reichste Familie Pompejis kennen und verliebt sich in die Tochter des Hauses, Corelia. Doch Corelias Vater hat ganz andere Pläne und hat es auf den jungen Aquarius abgesehen. Dieser entdeckt im Laufe des Buches immer mehr Hinweise, dass der große Berg bald für ein Unglück verantwortlich sein wird. Und richtig, der Vesuv bricht aus. Doch damit endet das Buch nicht etwa, wie man erwarten könnte. Der Ausbruch wird sehr authentisch geschildert. Hier hat Harris eine Menge recherchiert und den Ausbruch den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Denn tatsächlich wurden die Menschen in Pompeji erst über 18 Stunden nach dem Ausbruch von einem pyroklastischen Strom getötet. Bis dahin bleibt also eine ganze Menge Zeit für das Buch, seine Handlung weiter zu führen. Insgesamt spielt es schließlich nur über drei Tage, da sind 18 Stunden schon eine ganze Menge. Attilius stellt sich der Natur, denn der Tod scheint unausweichlich und kehrt zurück nach Pompeji. Mit dem Ende des Buches kann der Autor nicht mehr viele überraschen. Und trotzdem schafft er eine kleine Wende, mit der ich nicht gerechnet hatte, die durchaus auf Logik beruht. Dennoch sind Tod und Zerstörung zentrale Themen im Buch. Ebenfalls präsent sind die ganze Zeit über antike Intrigen, aber auch zarte Liebesgefühle. Mich hat das Buch mit seinen Themen und seinem bekannten Ende sehr fasziniert. Der Autor hat interessante Figuren in dieses Szenario geschickt, die die Geschichte lesenswert machen. Die Namen sind nicht immer ganz einfach voneinander zu unterscheiden und die Erzählsicht wechselt sich oft, da immer verschiedene Figuren betrachtet werden. So wird das Buch manchmal sprunghaft und man muss den Überblick behalten. Gelingt dies aber, ist das Lesen ein Genuss, der nebenbei noch ein bisschen Bildung bietet. Die Figuren sind sehr verschieden und bilden einen Querschnitt der römischen Gesellschaft dar. Es gibt keine richtigen Identifikationsfiguren oder Helden, aber Attilius ist sehr sympathisch. Mir haben die Charaktere gut gefallen, Robert Harris hat allerdings das Geschehen in den Fokus gestellt. 

Das Unglück der Stadt Pompeji ist weltweit bekannt. Robert Harris hat dieses Schicksal zum Anlass genommen ein sehr spannendes historisches Buch mit Thrillelementen zu schreiben, das dem interessierten Leser ein wahrer Genuss wird. „Pompeji“ ist spannend und authentisch. Die Figuren passen hervorragend ins Zeitalter und stecken alle in verschiedenen Intrigen. Mich hat das Buch mit all seiner Thematik wahnsinnig fasziniert und ich habe viel aus ihm mitgenommen. Trotz aller historischer Richtigkeit muss man auch die fiktiven Motive im Auge behalten, doch so oder so bleibt dieses Buch großartig. Ich vergebe fünf volle Spitzenschuhe, auch wenn diese den Ausbruch wohl nie überstanden hätten.



17. Dezember 2017

Rezension: "Rebellious Hearts - Lovestory für dich" von Sarah Nisse


Titel: Rebellious Hearts - Lovestory für dich
Autor: Sarah Nisse
Verlag: dig:tales
Preis: 3,99€
Seiten: 350

In der Jugend  liest man meist Jugendbücher. Wird man erwachsen, wechseln viele Leser zu Thrillern. Beide Genres sind vielseitig und es gibt tausende Vertreter. Doch meiner Meinung nach gibt es die Mischung aus beidem viel zu selten: Jugendthriller. Noch seltener: Gute Jugendthriller. Denn es ist niemals leicht, jugendliche Themen und Elemente mit dem Thrill oder anderen harten Handlungen zu paaren. Was darf noch in ein Jugendbuch? Wann ist der Thrill-Charakter zu seicht? Das sind Fragen, mit denen sich der Autor auseinander setzen muss. Kann er diese aber beantworten und die Probleme lösen, kann ein so toller Jugendthriller wie „Rebellious Hearts – Lovestory für dich“ entstehen. Sarah Nisse hat es mit diesem Buch geschafft, aktuelle, brisante und auch hochpolitische Themen in ein Jugendbuch mit Lovestory zu stecken.  Und deswegen garantiert „Rebellious Hearts“ Spannung, Thrill und Liebe! Sehr zu empfehlen!


***Du wurdest auserwählt, an dem interaktiven Game BrotherHood teilzunehmen. Öffne jetzt die App und du wirst dich fragen, wie du jemals ohne diesen Kick leben konntest!***
Manon weiß nicht, woher die mysteriöse App kommt, die sich wie von selbst auf ihrem Handy installiert hat. Aber sie kommt gerade recht, denn Manon würde fast alles tun, um ihrem sorglosen, aber unendlich tristen Leben als Tochter eines reichen, einflussreichen Politikers zu entkommen. Obwohl sie jeder darum beneidet, ödet Manon einfach alles an, dort auf der elitären Île Saint-Louis mitten im Herzen von Paris. BrotherHood schafft Abhilfe, schon bald findet sie sich in einem Rausch aus Spiel, Abenteuer und Rache wieder. Bis aus Spiel ernst wird und es erste Verletzte gibt. Und was hat David, ihr geheimnisvoller Nachhilfelehrer, der wie aus dem Nichts in ihr Leben getreten ist, mit der ganzen Sache zu tun? Manon muss sich fragen, wem sie noch vertrauen kann. Und wie weit sie bereit ist zu gehen.


Ich lese sehr gern Jugendthriller, aber es gibt sie einfach nicht sehr oft. Deswegen war ich total gespannt, als ich hörte, dass Sarah Nisse einen geschrieben hat. Ich kannte die Autorin bisher nur aus wunderschönen Fantasygeschichten, weshalb ich mit Neugier zu „Rebellious Hearts“ griff. Und sofort war ich wieder gefangen. Die Geschichte spielt in Paris und ich war erst vor kurzem dort. Außerdem hat Nisse die schöne Gabe sehr bildreich zu schreiben, weshalb ich sofort wieder die Straßen von Paris vor mir sah. Unmittelbar nahm Manon mich mit in ihre Welt und sie ließ mich bis Ende des Buches auch nicht mehr gehen.
Manon ist ein gelungener Charakter. Im Grunde ist sie ein zutiefst unglückliches Mädchen und das dringt schnell zum Leser durch. Mehr als einmal verspürte ich Mitleid mit Manon, denn ihre Familie ist überhaupt kein Rückhalt – im Gegenteil. Manons Vater, ein berühmter Politiker, kennt seine Tochter eigentlich nicht. Manons Mutter ist alles andere wichtiger, vor allem, wenn es gesellschaftlichen Stand hat und ihr großer Bruder Thomas ist ein elitärer Kotzbrocken, der sie schlecht macht, wo er kann. Manon ist das schwarze Schaf der Familie, das Mädchen, das sich nicht anpassen will. Und lernt man ihre Familie kennen, merkt man, dass sie einfach rebellieren muss! Vielleicht würde sie nicht immer schwarz tragen und ihre Wände bekritzeln, wenn ihre Familie ihr mehr Liebe entgegen brächte. Doch dazu scheinen sie nicht fähig. Als Leser wird man also mit einem tristen Umfeld konfrontiert. Man will Manon helfen und sie irgendwie da rausholen. Doch das übernimmt dann die ominöse App BrotherHood, die plötzlich auf Manons Handy installiert ist und die ihr Anweisungen gibt.
Insgesamt muss ich sagen, ist das Konzept der Autorin sehr schlau und modern! Heutzutage benutzt jeder Apps, Jugendliche suchen den Nervenkitzel und gesellschaftliche Missstände sind wahrlich nichts Neues. Ich hatte mich gewundert, aber ich finde das Gesamtkonstrukt wirklich gelungen! Denn was im Klappentext nicht erwähnt wird, ist dass die Banlieus von Paris ebenfalls eine sehr große Rolle spielen. Clichy sous Bois war vor einigen Jahren groß in den Nachrichten und ist als Ghetto von Paris bekannt. Sarah Nisse schafft es nun ein tolles Gesellschaftsstück zu schreiben, dass viele Missstände anprangert. Denn der ominöse Nachhilfelehrer von Manon, der ganz plötzlich auftaucht, ist ein Clichois und er ist schwarz – ein grauenhafter Umstand für Manons Familie. David und Manon verkörpern zwei vollkommen verschiedene Schichten und somit prallen Welten aufeinander. Und genau dieser Aufprall ist wahnsinnig gut gelungen! Denn so rücken aktuelle politische Probleme ins Zentrum und man beginnt selbst zu reflektieren. Ich fand es mehr als interessant, Davids und Manons Geschichte zu verfolgen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach. Vor allem David ist ein toller Charakter. Der Schulabbrecher ist genau zu dem geworden, was die Welt erwartete und er niemals sein wollte: ein perspektivloser Schwarzer, der in die Kriminalität abdriftet. Dabei hat der junge Mann so viele Träume und tut eigentlich nichts lieber als zu lesen. Doch die äußeren Umstände und die Realität lassen ihm keine Wahl. Und deswegen schließt er sich der Bewegung BrotherHood an. Was sie will? Eine Revolution. Ich fand David sehr authentisch und klug. Er hat mich wirklich beeindruckt:
"David wollte schreien. Manchmal wünschte er sich so sehr, er könnte einfach glauben. Ohne zu hinterfragen. Das Leben wäre so viel einfacher." (44%)
Mehr will ich zum Ziel der App nicht sagen. Aber ich kann euch garantieren, dass es immer spannend bleibt. Dass man nie weiß, was der nächste Schritt sein wird. Und wie man erwarten kann, wird es immer rasanter, immer gefährlicher und ernster. Niemand spielt mit offenen Karten und genau das stellt auch die langsam aufkeimende Liebe zwischen Manon und David auf den Prüfstand. Ich mochte die Liebesgeschichte, denn gerade diese beiden Figuren machen die Geschichte so großartig!  An dieser Stele sei erwähnt, dass auch die Nebenfiguren sehr gut gestaltet sind und sich perfekt in die Geschichte fügen! Zur Liebesgeschichte: Trotzdem hätte ich mir noch ein klein bisschen mehr Romantik gewünscht, denn für mich war das mit der Liebe ein klein bisschen zu plötzlich. Aber das war es auch schon mit meiner Kritik. Es gibt so viele Themen im Buch, dass ich gar nicht über alle reden kann. Zusammenhalt, Familie, Liebe, Gewalt, Freundschaft, Gruppenzwang, Brutalität, Gesellschaftsprobleme und Politik sind alle Teil dieses Buches. Und dennoch ist es nicht zu ernst, sondern wirklich unterhaltsam. Doch man sollte den wahren Kern hinter der Geschichte nicht vergessen! 
Der Stil von Sarah Nisse ist sehr flüssig und schön. Sie kennt Paris so gut, dass man sich wirklich fühlt, als wäre man da. Aber auch das Gefühlsleben von David wird toll dargestellt. Insgesamt sind es die Gefühle, die dafür sorgen, dass man sein rebellisches Herz an dieser Geschichte verlieren kann.



„Rebellious Hearts“ ist unglaublich vielfältig! Das Buch glänzt mit tollen Protagonisten und einem unglaublich guten und aktuellen Plot! Ich finde wirklich, dass man aus der Geschichte etwas lernen kann, auch wenn sie vollkommen fiktional ist. Die Autorin hat sie übrigens schon 2015 geschrieben, also vor den Anschlägen von Paris. Sieht man daran nicht erst Recht die Brisanz und Aktualität? Ich finde schon. Heutzutage braucht es nicht viel, um die Welt ins Wanken zu bringen. Vielleicht reicht ja schon eine kleine unschuldige App? Oder vielleicht kann die Liebe unsere Welt ja auch retten? Ich vergebe 4,5 Spitzenschuhe für diese tolle Geschichte.



18. November 2017

Rezension: "My dear Sherlock - Weil es enden muss" von Heather Petty


Titel: My dear Sherlock - Weil es enden muss
Autor: Heather Petty
Verlag: cbj
Preis: 14,99€
Seiten: 272


Noch nie zuvor hatte ich eine Buchreihe erst mit dem zweiten Teil begonnen. Aber dann entdeckte ich die „My dear Sherlock“-Reihe und las zuallererst Band zwei. „Nichts ist, wie es scheint“ gefiel mir wirklich gut, auch wenn ich „Wie alles begann“ nicht kannte. Und ich freute mich sehr auf „Weil es enden muss“, den Abschluss der Reihe. Sherlock Holmes Adaptionen sind mir immer willkommen und ich empfand es als gelungene Abwechslung nicht nur Sherlock Holmes und John Watson zu adaptieren, sondern auch James Moriarty – und zwar als Mädchen. Aus dem zweiten Teil las ich eine zarte Liebesgeschichte und ich war sehr gespannt, ob Mori und Lock vielleicht doch eine Chance haben. Aber schon der wenig aufbauende Titel „Weil es enden muss“, noch die Tatsache, dass es zwischen Holmes und Moriarty einfach nicht gut enden kann, sind Hinweis genug… Das Buch ist zwar authentisch und dennoch so vollkommen anders, als ich dachte. Es war mir zu kurz, Mori veränderte sich in eine vollkommen falsche Richtung und Lock spielt nur eine Nebenrolle. Was mit einer tollen Idee begann, endet somit in einem gelungenen und passenden, nicht aber in einem berauschenden Finale.

Mori sinnt auf Rache. Und nur eine Person steht noch zwischen ihr und der Gerechtigkeit, die sie verdient: Sherlock. Der entwaffnende, brillante Lock. Sie spielt die Rolle der treuen, gequälten Freundin und manipuliert Lock, ihr zu helfen, während sie still und leise den Untergang ihres Vaters vorbereitet.
Doch als einer ihrer Pläne Unschuldige in Gefahr bringt, durchschaut Lock das Lügengespinst und stellt Mori vor die Wahl – eine Entscheidung, die den Rest ihrer beider Leben bestimmen wird.


Für mich war der Held dieser Reihe schon immer Sherlock Holmes und ich finde auch, dass der Titel „My dear Sherlock“ genau das suggeriert. Mori ist meiner Meinung nach viel mehr eine Antagonistin als eine Protagonistin. Sie hat viele eiserne Charakterzüge, auch wenn tief in ihr der gute Mensch schlummert. Doch ihr Vater und ihre Mutter haben sie zerstört – die Meisterdiebin und der Serienkiller. Wie soll man bei solchen Eltern auch ein vernünftiges Leben führen? Mir gefällt Moris Charakterzeichnung im Grunde gut. Sie ist eine Figur mit Abgründen und diese Abgründe mag nur Sherlock Holmes zu überwinden. Doch in „Weil es enden muss“ ist Lock lange, lange nicht präsent. Mori wurde am Ende von Band zwei von ihrer Tante Alice verschleppt und eingesperrt. Sie verbringt Monate in Gefangenschaft und in dieser beginnt ein Hauch Wahnsinn an ihr zu haften – und diesen wird sie nicht mehr los. 
Im Grunde geht es Mori immer darum Rache zu nehmen. Sie will ihren Vater töten, um ihre Brüder endgültig beschützen zu können. Auch wenn das Motiv ehrenwert ist, so ist Mori doch eigentlich nicht die geborene Mörderin. Und ob Morden gut für die Moral ist, sollte verneint werden. Doch das tut Mori nicht. Sie handelt so, wie sie es für richtig hält und schon allein das ist hinterfragbar. Moris Charakter wandelt sich dementsprechend und auch, wenn das Gute in ihr dadurch nicht stirbt, so gefiel mir die Kälte ihres Charakters nicht. Andererseits bewundere ich Heather Petty wirklich sehr, dass sie ihre Figur einer solchen Wandlung und solchen Erlebnissen aussetzt. Moris Veränderung ist nicht einmal unauthentisch – aber auch nicht schön zu verfolgen. Und während man Moris Weg als Leser verfolgt, verliert man das Gute an diesem Buch vollkommen außer Augen, nämlich Sherlock. Lock wird in „Weil es enden muss“ beinahe zu einer Randfigur degradiert und das ist so unglaublich schade! Sein Charakter ist mindestens so vielschichtig, wie der von Mori. Und trotzdem taucht er selten und dann auch nur für kurze Szenen aus. Seine Bedeutung im Generellen ist der Handlung nicht abzusprechen und vor allem zum Ende hin zeigt sie sich deutlich. Und trotzdem fehlt er, denn mehr von ihm hätte die Geschichte einfach besser gemacht! Ich liebe Locks Charakter und seine Rettungsversuche und es brach mir das Herz, zusehen zu müssen, wie die beiden Hauptfiguren auseinander driften.
Aber wie sollte es anders sein? Insgesamt ist Heather Petty nämlich einfach nur konsequent! Wie kann eine Freundschaft, ja vielleicht sogar eine Liebe zwischen Moriarty und Holmes auch funktionieren? Ich fand das Ende daher wirklich gut gewählt und es passt zur Reihe. Vor allem das Ende des Buches macht es übrigens besser, denn hier steigert sich die Geschichte noch einmal. Es gibt den Showdown zwischen Lock und Mori und so wird die Reihe zu einem passenden Ende gebracht. Aber nach dem Lesen googelte ich sofort, ob es einen vierten Teil geben wird. Denn so darf es einfach nicht enden…aber das tut es – „Weil es enden muss“. 
Der Stil der Autorin ist wirklich gut und man kommt schnell durchs Buch. Allerdings ist es mir gerade mal 267 Seiten auch sehr kurz gehalten. Manchmal fehlte mir ein wenig die Zielführung, aber die Beschreibungen sind gut. Das Buch hat etwas Düsteres und auch Geheimnisvolles. Vieles kann ich auch nach dem Reihenabschluss noch nicht richtig einschätzen und das ist schade. Manchmal las ich das Buch mit wenig Freude, aber das Ende lohnt sich auf jeden Fall. Aber man muss mutig sein, um sich an diese tragische Adaption zu trauen. Dennoch ziehe ich meinen Hut vor Heather Petty, denn mit ihrem Ende ist die klassische Entwicklung der Feindschaft zwischen Holmes und Moriarty mehr als möglich. Auch wenn sich mein Herz das nicht wünscht, so kann es sich der Realität eben nicht entziehen.



„My dear Sherlock – Weil es enden muss“ ist ein Reihenabschluss, der sehr authentisch und deswegen auch tragisch und erschreckend ist. Die Figuren von Sherlock Holmes und Jamie Moriarty sind gelungen und müssen sich nun ihrer eigenen Beziehung stellen. Kann das gut enden? Nein. Vieles hat mir an dem Buch nicht so gut gefallen und dennoch fällt mein Gesamtresümee positiv aus, denn ich finde, dass Heather Petty mit ihrem Abschluss mutig war und ein passendes Ende geschrieben hat. Dafür vergebe ich 3 Spitzenschuhe, denn der Anteil von Lock ist in diesem Buch deutlich zu gering. Ich bin nicht glücklich damit wie „es enden muss“, aber trotzdem bewundere ich das Ende in gewisser Weise. Ich bin mir sicher, die Geschichte von Sherlock Holmes und James Moriarty hat noch einige Seiten, die die Welt nicht kennt. Und vielleicht werden wir ja einige davon noch erleben...




16. Dezember 2015

Rezension: "Allein mit dem Feind" von Alexandra Stefanie Höll


 


Titel: Allein mit dem Feind
Autor: Alexandra Stefanie Höll
Verlag: Edmont LYX.digital
Preis: 5,99 € (kindle Version)
Seiten: 340

Wie gut kennst du deinen Feind? Mit diesem Satz leitet die Inhaltsangabe zu „Allein mit dem Feind“ von Alexandra Stefanie Höll ein. Eine Inhaltsangabe, die meiner Meinung nach absolut verfehlt ist und nicht einmal annähernd mit dem Buchinhalt korreliert. In „Allein mit dem Feind“ geht es um eine Anreihung verschiedenster Ereignisse, die eigentlich auch nicht allzu viel mit Feinden zu tun haben. Der Schreibstil der Autorin ist wie immer sehr gut, doch ich habe schon weitaus Besseres von ihr gelesen. Wahrscheinlich war es gerade das, was mich an diesem Buch enttäuscht hat: Ich hatte zu hohe Erwartungen. „Allein mit dem Feind“ ist eine Mischung aus Romantik, Erotik und einer ordentlichen Dosis Thrill und Action (- was man so wohl eher weniger erwartet). Für mich gab es einiges Gutes, aber auch einiges, was ich zu kritisieren habe. Alles in allem ein unterhaltsames Buch mit kleinen (und großen) Schwächen.


Inhalt


(Ich benutze mit Absicht nicht die Inhaltsangabe des Verlags, weil ich sie wie gesagt eher unglücklich finde. Allerdings ist es auch sehr schwer, den Inhalt zusammenzufassen ohne zu viel zu verraten, weshalb ich verstehen kann, dass sie so gewählt wurde, wie es nun einmal ist).


Leonore und ihrer Großmutter gehört ein Gemüseladen in Florida. Doch wenn es nach dem mächtigen Geschäftsmogul Nathan Cole geht, dem quasi die halbe Stadt gehört, ist dies nicht mehr lange so. Er will das Grundstück für ein neues Gebäude kaufen, doch Leo stellt sich quer. Gemeinsam mit ihrem guten Freund Mateo schmiedet sie Pläne, wie sie an Nathan Cole herankommen  und ihn überzeugen kann, den Laden nicht kaufen zu wollen. Leo und Mateo schleichen sich auf Nates Geburtstagsfeier als Kellner ein – auf einer Yacht. Doch gerade als Leo die Chance hat mit Nathan zu reden, geschieht ein Unglück und die beiden gehen über Bord und stranden auf einer einsamen Insel. Und als wäre das nicht genug, scheint Nathan auch noch sein Gedächtnis verloren zu haben. Was also tun, wenn man allein mit dem Feind auf einer einsamen Insel strandet? Ganz sicher sollte man sich nicht verlieben….doch nicht nur das stellt ein Problem dar. Wie kommen die beiden von der Insel herunter? Und ist Nathan tatsächlich so anders, als Leonore es erwartet hat? Warum benimmt er sich ganz anders, als ein Geschäftsmann?
Als die beiden auf der Insel auch noch ein Drogenfeld entdecken, überschlagen sich die Ereignisse. Eine Geschichte beginnt (die übrigens kaum auf einer Insel spielt) , die sich um Liebe, Familie, Intrigen, Macht, Verwechslungen, Gewalt, Action und Drogen dreht. Eine Mischung aus verherrlichenden Liebesgeschichten, ernsten Themen dieser Welt und utopische Handlungsmotive. Unterhaltend, aber etwas unlogisch.

Meinung



Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn Geschichten nicht logisch sind. Ganz im Gegenteil. Ich schalte meinen Realitätsbezug ganz gerne mal ab und lasse mich von Büchern entführen. Leider befürchte ich, dass ich nur so kritisch mit diesem Buch umgehe, weil meine Erwartungen einfach zu hoch waren. Ich bin kein Fan davon nur zu kritisieren, aber ich beginne dennoch mit den kritischen Punkten.
Ich kam von Anfang an nicht gut in die Geschichte rein. Mir fehlte der Identifikationsfaktor bei der Protagonistin Leonore. Sie ist nett, aber mehr auch nicht. Nathan Cole ist der absolute Bösewicht, aber zum Glück gibt es an seiner Persönlichkeit auch etwas sehr Positives. Dieses Positive hat mir gut gefallen, auch wenn ich finde, dass „es“ ebenfalls etwas sprunghaft ist. Das Buch hat ein großes Geheimnis, das einfach nicht in die Inhaltsangabe mit herein darf, allerdings auch schon innerhalb weniger Seiten aufgedeckt wird. 
Die Liebesgeschichte finde ich grundsätzlich gut. Wenn man auf einer einsamen Insel strandet, kann ich mir gut vorstellen, dass die Gefühle verrücktspielen und man sich binnen weniger Tage in jemanden verlieben kann. Die Erotik kommt nicht zu kurz, auch wenn man mit einigen Vorurteilen zurechtkommen muss. Grundsätzlich gilt aber, dass die Liebe zwischen Leo und Cole sehr absolut ist. Die Worte, die diese beschreiben sind zwar schön, aber ich persönlich bin mir nicht sicher, ob man auch Jahre später noch auf eine Berührung reagiert, als wenn es der erste Tag wäre (belehrt mich gern eines Besseren…). Zu den anderen Charakteren bleibt nicht viel zu sagen. Die Nebenfiguren sind liebevoll gestaltet, allerdings stehen sie meiner Meinung nach manchmal zu sehr im Mittelpunkt.

Mein großer Störfaktor war die Verlagerung der Geschichte. Ich bin der Meinung, dass sie ihren Fokus verliert. Nicht nur Leo verliebt sich, sondern auch Mateo – und zwar in die Schwester von Nathan. Diese Geschichte ist mehr als nur eine Nebenhandlung, weshalb ich sie ein bisschen too much fand. Die Geschichte verlagert sich auch in dem Sinne, dass am Ende die Thrill-Elemente stark überwiegen. Das finde ich nicht schlimm, sorgt sogar für eine gewisse Spannung, allerdings finde ich die Aktion in Kolumbien naiv, unlogisch und auch gesetzeswidrig. Ich persönlich kam damit leider nicht klar.
Gut gefallen hat mir aber auch ein wenig ;) Der Schreibstil ist sehr flüssig und man kommt gut durchs Buch. Der Stil ist lebendig und es werden viele Bilder im Kopf gemalt. Auch finde ich, dass man sich mit dem Buch ganz gut entspannen kann. Man schaltet ab. Allerdings nicht in dem Maße, wie ich es bei anderen Büchern erlebt habe. Die Handlung ist zwischenzeitlich sehr spannend und die Erotikszenen sind ebenfalls gut. Der Bösewicht der Geschichte fehlt auch nicht und das Figurenkonzept gefällt mir auch. 
Allerdings sind das alles recht technische Sachen. Das Highlight war für mich der Epilog, der wunderbar zum Titel und der Geschichte passt und in welchem die Romantik auch zurückkehrt (allerdings ist der Epilog vielleicht etwas spät dafür…).

Fazit




Alles in allem ist es schwer meine Meinung zu erfassen. Ich glaube, dass Alexandra Höll wirklich schon bessere Geschichten geschrieben hat, dass sich andere Leser aber sicher in der Geschichte verlieren können. Ich persönlich konnte das nicht, da mich zu viele Details gestört haben. Dennoch erscheint es nicht so, als wenn das Buch 400 Seiten hätte. Ich möchte mich eigentlich gar nicht rechtfertigen, aber mehr als „ganz ok“ war das Buch für mich nicht. Die Handlung hat Gutes und Schlechtes, die Charaktere haben Gutes und Schlechtes, das Buch hat Gutes und Schlechtes….
„Allein mit dem Feind“ unterhält seine Leser. Dennoch sind der Titel und die Inhaltsangabe nicht gut gewählt. Man bekommt etwas ganz anderes, als man erwartet. Ich vergebe 3 Spitzenschuhe für einen durchwachsenen Lesespaß.