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29. Dezember 2025

Rezension [Hörbuch]: "Silvercloak - Unter Feinden" von L.K. Steven


Titel: Silvercloak - Unter Feinden
Autorin: L.K. Steven
Sprecherin: Anne Düe
Verlag: Randomhouse Audio
Preis: 24,00€
Seiten: 624
Dauer: 17h 33m

Als ich den Klappentext von „Silvercloak – Unter Feinden“ gelesen habe, wollte ich die Geschichte gern kennen. Magie, das Gute und Böse und eine Prüfung. Es klang spannend – ein bisschen wie Harry Potter. Doch wer das denkt, liegt weit daneben! Denn ich habe mich mit dieser Annahme extrem getäuscht. „Silvercloak“ ist nicht vergleichbar mit irgendetwas, das man bereits kannte. Die Handlung, ja eigentlich die gesamte Welt, ist völlig neu. Saffrons Geschichte ist brutal, krass und blutrünstig. Doch wenn man sich darauf einlassen und auch mit moralisch hinterfragbaren Szenarien umgehen kann, ist dieses Hörbuch einfach nur unglaublich gut!

Zwölf Jahre Magierschule. Fünf Jahre Straßenpatrouille. Wenige Minuten bis zu ihrer Prüfung. Endlich steht Saffrons Abschluss an der Silvercloak-Akademie bevor. Nur die besten Magier dürfen ihren Mantel silbern färben und fortan die verbrecherischen Bloodmoons zur Strecke bringen. Aber Saffron gehört nicht zu den Besten. Sie bedient sich der gleichen unlauteren Mittel wie die Bloodmoons: List, Betrug, Lüge. Kein Wunder, dass ausgerechnet sie für eine verdeckte Ermittlung unter den Bloodmoons auserkoren wird, in deren Reihen nicht nur Saffs Leben in höchste Gefahr gerät, sondern auch ihr Herz ...

Möglicherweise habe ich auch den Klappentext unaufmerksam gelesen. Doch ich war keinesfalls vorbereitet auf das, was „Silvercloak – Unter Feinden“ mit mir angestellt hat. Die Geschichte hat mich auf jede mögliche Weise überrascht. Das betraf die Handlung, aber vor allem die Emotionen. Schon im Prolog wird klar, dass die Autorin wenig Rücksicht auf ihre Leser und Hörer nimmt, was Brutalität angeht. Saffron verliert sehr jung ihre Eltern und wird sogar Zeugin dieser Morde. Das prägt das kleine Mädchen so sehr, dass sie sich eines schwört: Sie will Rache. Sie will die Bloodmoons vernichten. Koste es, was es wolle. Für dieses Lebensziel gibt Saffron alles. Und wenn ich sage „alles“, dann meine ich das auch.
Für den Hörer wird schnell klar, dass Saffron in einer besonderen magischen Welt lebt. Das Weltkonstrukt ist so unglaublich gut durchdacht und detailliert ausgearbeitet, dass man kaum glauben kann, was die Autorin sich erdacht hat. Aber gerade weil es so viele Details gibt und alles aufeinander abgestimmt ist, funktioniert dieses Konstrukt. Das Setting ist innovativ und etwas ganz anderes als erwartet. In Saffrons Welt sind die meisten Menschen magiebegabt und haben einen Speicher für ihre Magie in sich. Diesen Speicher muss jeder Zauberer auffüllen, um überhaupt zaubern zu können. Das geschieht durch zwei Dinge: Schmerz und Lust. Aufgrund dieser Tatsache kann man als Hörer schnell verstehen, dass Gewalt, aber eben auch Sex ganz alltägliche Dinge in dieser Geschichte sind. Man kann sich selbst verletzen, um seinen Magiespeicher zu füllen. Oder man erlebt Lust. (Das geht übrigens auch durch Essen – Funfact.) Diese Grundregel führt so viele kleine Regeln nach sich, die einfach nur logisch sind. Die Menschen in „Silvercloak“ leben von Lust, daher gibt es ziemlich viel Sex in den Straßen, viele Freudenhäuser usw. Außerdem unterscheidet man nicht zwischen Männern oder Frauen, was das anbelangt. Worauf ich hinauswill: L.K. Steven hat grandiose Arbeit geleistet, allein mit ihrem Weltentwurf. Doch hinzu kommt noch die eigentliche Handlung. Und diese hat es wirklich in sich. Es gibt so viele Wendungen und Intrigen. Immer wieder ändert sich etwas. Etwas Neues und Unerwartetes kommt hinzu und die Lage wird eigentlich immer aussichtsloser. Schmerz spielt eine unglaublich große Rolle. Auch als Hörer muss man sich diesen Schmerzen stellen. Und der Moral. Denn eines lehrt „Silvercloak“ sehr schnell: es gibt nicht nur Gut und Böse. Das meiste in Saffrons Welt ist grau. Vieles moralisch verwerflich. Aber unausweichlich? Zu keinem Zeitpunkt hätte ich mit der Protagonistin tauschen wollen, denn für mein zartes Gemüt wäre es einfach zu viel. Doch Saffron ist stark. Sie ist talentiert, klug und vor allem hat auch sie ein großes Geheimnis. Die Protagonistin der Geschichte ist extrem gut ausgebildet und hat früh gelernt, niemandem zu vertrauen. Keine Gefühle zuzulassen. Sich zu beherrschen. Auch deswegen ist sie so gut in den Dingen, die sie tut. Man braucht sich nichts vorzumachen: Diese Dinge sind brutal. Kriminell. Ja, mörderisch. Mir würden noch hundert weitere Attribute einfallen, um Saffron zu beschreiben. Fest steht aber, dass sie eine interessante Hauptfigur ist, mit der die Geschichte definitiv nicht langweilig wird. Ihr Gegenpart ist übrigens Levan, der Sohn des Anführers der Bloodmons. Er ist ein Mörder, ein Heuchler, durch und durch schlecht. Oder etwa nicht?
Die Liebesgeschichte zwischen diesen beiden Figuren ist fesselnd. Gleichzeitig wird man immer wieder herausgefordert, sich selbst zu hinterfragen. Ist das moralisch eigentlich okay, was hier gerade passiert? Definitiv nicht. Und trotzdem fiebert man mit.
Die Handlung hat mich so gefangen genommen, dass ich oft den Kopf geschüttelt habe. Immer wieder wurde ich überrascht. Das Ende ist einfach nur heftig. Und NATÜRLICH will ich wissen, wie es weitergeht. Vor allem der Epilog, der aus Levans Sicht geschrieben ist, macht den Hörer sprachlos. Eigentlich kann es kein gutes Ende mit Saffron nehmen. Aber was heißt in der Welt von „Silvercloak“ schon „gut“?!
Der Schreibstil von L.K. Steven ist wirklich super. Man kommt flüssig durch das Buch und ihre Art zu beschreiben, hilft dem Leser, sich in dieser komplexen Welt zurecht zu finden. Mindestens ebenso gut ist die Stimme von Anne Düe, die Saffrons Geschichte klasse liest. Sie nimmt den Hörer mit in diese Welt und verdeutlicht all die vielschichtigen Emotionen. Die Besetzung der Leserin ist wirklich herausragend gelungen.


Herausragend ist eigentlich das richtige Wort für den Auftakt dieser Trilogie. Mich hat „Silvercloak – Unter Feinden“ einfach nur gefesselt. Wenn man sich mit diesem extremen Brutalitätsfaktor anfreunden kann, dann gibt diese Geschichte einem unglaublich viel. Vielleicht lernt man sich sogar selbst noch einmal anders kennen. Denn wie hätte man selbst an Saffrons Stelle gehandelt? Ich würde in ihrer Welt definitiv nicht überleben, so viel steht fest. Doch ich drücke die Daumen, dass Saffron es irgendwie schafft! Auch deswegen kann ich es kaum abwarten, bis der zweite Teil erscheint. Sein Auftakt verdient definitiv fünf Sterne!



18. Oktober 2024

Rezension [Hörbuch]: "Pretty Savage - Süßer als Verrat" von Tami Fischer

 

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Titel: Pretty Savage - Süßer als Verrat
Autorin: Tami Fischer
Sprecherinnen: Tami Fischer, Rebecca Veil
Verlag: Randomhouse Audio
Preis: 29,95€
Seiten: 576
Dauer: 17h 35min

High Society, Intrigen und Geheimnisse: Aus all diesen Dingen besteht die „Manhatten-Elite“-Trilogie von Tami Fisher. Nachdem „Pretty Scandaolous – Heißer als Rache“ mit einem fiesen Cliffhanger endete, musste ich unbedingt zum zweiten Teil der Reihe greifen. Und dieser hat es in sich!
„Pretty Savage – Süßer als Verrat“ steigert das Tempo seines Vorgängers und zieht den Hörer tiefer in die Handlung mit allen Geheimnissen. Wem kann Sarah noch trauen? Wo ist Payton? Und steckt Peter wirklich hinter all dem? Vieles wird in diesem Teil geklärt. Doch Manhatten wäre nicht Manhatten, wenn nicht ein paar Geheimnisse unentdeckt blieben…

Nach allem, was Sarah in New York erlebt hat, weiß sie nicht mehr, wem sie noch glauben kann. Selbst Monroe und ihre eigene Zwillingsschwester Payton scheinen Geheimnisse vor ihr zu haben. Zudem muss sich Sarah eingestehen, dass sie mehr als nur Sympathie für ihren Nachbarn Holden empfindet. Um ihre Rachepläne nicht zu gefährden, beschließt Sarah, ihre wirren Gefühle unter Verschluss zu halten und die eiskalten Spielchen der High-Society-Clique weiter mitzuspielen. Was sie nicht weiß: Jemand hat sich an ihre Fersen geheftet und droht, ihre wahre Identität zu lüften …


Vieles reizt mich an dieser Reihe. Da wäre zum einen das Setting. Ich hatte schon immer ein Schwäche für Serien wie „Gossip Girl“ und die Vibes sind hier definitiv die gleichen. Das Leben der Schönen und Reichen ist faszinierend. Die glitzernde Welt der Superreichen ist auch in „Pretty Savage“ noch sehr anziehend. Hinzu kommen die Machenschaften der Clique. In diesem Teil wird klar, dass nicht alle Mitglieder manipulativ sind und einige Figuren bekommen größeren Raum. Das hat mir wirklich gut gefallen. Und die Handlung hat viele Wendungen. Insgesamt passiert unglaublich viel, was ebenfalls toll ist.
Ich muss aber trotz all der Reize auch zugeben, dass vieles in „Pretty Savage“ heftig ist. Zum Glück ist es inzwischen üblich, Triggerwarnungen abzudrucken. Das ist auch in diesem Hörbuch der Fall, auch wenn diese Triggerwarnung der vorletzte Track ist. Ich habe sie mir mit Absicht nicht angehört, weil ich mich nicht spoilern wollte und auch keine ‚Trigger‘ habe. Aber das Thema sexueller Missbrauch ist schon wirklich präsent in diesem Buch. Mehr als einmal habe ich den Mund angewidert verzogen, während ich den Zeilen der Autorin lauschte. Aber wer weiß…die Abgründe des Menschen sind bekanntlich tief.
Findet man sich mit Themen wie dem eben genannten oder auch Mobbing, Drogensucht oder Rassismus ab, dann kann man mit diesem Hörbuch viel Spaß haben. Meiner Meinung nach ist der Umgang mit diesen Themen durchaus gelungen und sensibel dargestellt. Und es ist authentisch, was mir am wichtigsten ist. Denn wer würde nicht glauben, dass es in Manhattens Elite durchaus normal ist, Drogen zu nehmen?
Aber weg von den ‚heftigen‘ Themen von „Pretty Savage“ und hin zur Handlung. Sie schließt genau dort an, wo der erste Band aufgehört hat. Nun gibt es aber nicht nur eine Erzählperspektive sondern zwei. Neben Sarah erzählt auch Payton ihre Geschichte. Das hat mir sehr gut gefallen, denn so erfährt man als Hörer, wie Payton Teil der Clique wurde, wie sie wirklich zu den einzelnen Mitgliedern steht und was danach passierte. Dadurch ist das Hörbuch von Anfang an spannend. Des Weiteren werden viele kleinere Handlungen aufgemacht. Das ein oder andere hätte man vielleicht einkürzen können, denn nicht alles scheint relevant für die Geschichte zu sein. Aber wer weiß das schon. Denn eines lernt man in dieser Reihe: Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.
Wie bereits erwähnt, bekommen einige Charaktere mehr Bühne, als im ersten Teil. Das ist zum Beispiel Celia, die ich wirklich cool finde. Aber auch Rosie trägt einen großen Teil der Handlung. Und dann wäre da noch Holden. Der Klappentext deutet schon an, dass es zwischen Sarah und Holden ernster wird. Mir persönlich gefiel dieser Handlungsstrang tatsächlich nicht so sehr. Ich weiß nicht, aber ich mag es nicht besonders, wenn Protagonistinnen zwischen den Männern hin und her springen. Und zugegeben, war ich ein großer Monroe-Fan im ersten Teil. Er tat mir tatsächlich ein wenig leid. Aber auch hier lautet die Devise: Vielleicht trügt der Schein?!
Besonders zum Ende hin nimmt die Handlung ordentlich Fahrt auf! Die Stränge laufen endlich zusammen und vieles wird klarer. Paytons große Geheimnisse kommen ans Tageslicht und ganz am Ende kommt der große Knall. Ich fand ja den Cliffhanger in „Pretty Scandalous“ schon fies. Aber „Pretty Savage“ ist richtig krass. Sobald Teil drei draußen ist, muss ich ihn unbedingt hören, denn ich muss wissen, wie die Schwestern aus diesem Schlamassel herauskommen. Ob sie es tun. 
Das Hörbuch ist sehr gut aufgemacht. Neben Tami Fischer selbst spricht nun auch Rebecca Veil einen Teil der Geschichte, nämlich die Kapitel von Payton. Ich mochte beide Stimmen sehr gern. Veil liest etwas unschuldiger, was ich gut mit Payton verbinden konnte. Aber auch Tami Fischers liest gut. Manchmal hat es mich nur gestört, wenn die Sprecherinnen offensichtlich dem Text widersprechen. Damit meine ich, wenn die Sprecherin anklagend liest, obwohl danach zum Beispiel kommt: „flüsterte ich“. Ich hoffe, man versteht, was ich meine. Das ist mir in diesem Hörbuch tatsächlich mehrfach aufgefallen. Nichtsdestotrotz ist es toll gelesen!
Und nicht nur lesen kann Tami Fischer. Mir gefällt ihr Schreibstil sehr gut. Sie schreibt bildreich und verwendet viele Begleitsätze, die dafür sorgen, dass die Atmosphäre sehr authentisch ist. So fühlt man sich als Hörer toll in die Geschichte. Ein weiterer Pluspunkt – ganz am Rande – sind für mich die Kapitelnamen. Ich liebe es, wie die Autorin bekannte Redensarten an die Geschichte anpasst und ändert!

Insgesamt hat mir „Pretty Savage – Süßer als Verrat“ wirklich gut gefallen! Das Hörbuch ist super aufgebaut, die Sprecherinnen sind toll und es passiert eine ganze Menge. Trotzdem ist das Buch dadurch sehr lang und es beinhaltet wirklich heftige Szenen. Da ich kein großer Fan der Sarah-Holden-Story bin, konnte ich mich nicht komplett in die Geschichte fühlen. Die Unterhaltung war aber gelungen und deswegen vergebe ich vier Sterne. Auch wenn ich kleine Kritikpunkte habe, kann ich es kaum abwarten, Band drei zu hören!




8. Mai 2024

Rezension [Hörbuch]: "Pretty Scandalous - Heißer als Rache" von Tami Fisher

 


Titel: Pretty Scandalous - Heißer als Rache
Autorin: Tami Fisher
Sprecherin: Rebecca Veil
Verlag: der Hörverlag
Preis: 29,95€
Seiten: 608
Dauer: 17h 53m

Ich bin ein bekennender „Gossip Girl“-Fan. Es war also kein Wunder, dass ich sofort aufhorchte, als ich von der „Pretty Scandalous“-Reihe hörte. High Society? Rache? Skandale? Her damit! Und so griff ich zum Hörbuch des Reihenauftaktes von Tami Fisher. Eines kann ich sagen: Das Buch hat es in sich. Nach und nach zog die Geschichte mich in ihren Bann. Mit Sarah zusammen versank ich immer tiefer in den Intrigen und wollte eigentlich nur eines nicht: Dass das Buch zu Ende ist!

Sarahs Welt bricht zusammen, als ihre Zwillingsschwester nach einem Jahr Funkstille verängstigt und mit blauen Flecken übersät wieder auftaucht. Payton wollte sich an der Columbia University in New York ihren Traum vom Architekturstudium erfüllen, doch ausgerechnet ihre elitären neuen Freunde haben sie zugrunde gerichtet. Wutentbrannt beschließt Sarah, sich als Payton auszugeben, um den verwöhnten High-Society-Zöglingen das Handwerk zu legen. Doch in New York angekommen, häufen sich die Skandale und Geheimnisse. Und dann stolpert Sarah auch noch dem attraktiven Monroe in die Arme – und dessen Lächeln könnte weitaus mehr gefährden als nur ihre Rachepläne …

Dass man Gossip Girl-Vibes bekommt, nachdem man den Klappentext gelesen hat, liegt wohl auf der Hand. Die glitzernde Welt der High Society übt einfach einen sehr anziehenden Charakter auf die normale Bevölkerung aus – und zu der zähle ich mich auch. Die teuren Kleider und Schuhe, das viele Geld und die abgründigen Charaktere weckten definitiv meine Neugier. Und deswegen wollte ich „Pretty Scandalous – Heißer als Rache“ unbedingt hören.
Da gleich zu Beginn eine Triggerwarnung steht, war ich etwas skeptisch. Tatsächlich habe ich mir die einzelnen Themen vorher nicht angehört, um mich nicht selbst zu spoilern. Die Warnung ist aber auf jeden Fall sinnvoll, da es bestimmt Menschen gibt, die mit vielen Inhalten der Reihe nicht zurechtkommen. Vielleicht bin ich schon abgestumpft, aber (sexuelle) Gewalt, Drogenmissbrauch oder Depressionen sind Themen, mit denen ich bei einem solchen Klappentext schon fast rechne. Nichtsdestotrotz sollte man sich vorher überlegen, ob man Bücher mit diesem Inhalt lesen/hören möchte. Ich wollte es. Und ich habe es keine Sekunde lang bereut.
„Pretty Scandalous“ braucht eine Weile, um sich aufzubauen. Die Autorin nimmt sich Zeit, in die Handlung und deren Figuren einzuführen. Man lernt Sarah und ihre beste Freundin Laurel kennen. Sarahs Familie spielt eine Rolle, die Verhältnisse, in denen sie lebt und auch ihre Vergangenheit. Und erst dann kommt es zu ihrer Zwillingsschwester Payton. Bis man als Hörer an der Stelle angekommen ist, an der die Zwillinge ihre Rollen tauschen, dauert es eine ganze Weile. Aber obwohl der Aufbau sich etwas zieht, wird die Geschichte nicht langweilig. Man lernt Sarahs Charakter gut kennen und versteht ihre Beweggründe. Ich muss allerdings sagen, dass ich auch nach über siebzehn Stunden des Hörens nicht genau weiß, ob ich Sarah (oder Payton) eigentlich mag. Denn beide haben auch sehr spezielle Charaktereigenschaften. Während man die Geschichte vor allem aus Sarahs Perspektive wahrnimmt, bleibt ihre Schwester das große Mysterium. Und da reicht auch der erste Band der Trilogie nicht, um all ihre Geheimnisse ans Tageslicht zu bringen.
Sarah übernimmt den Platz ihrer Schwester in New York und legt sich mit der alten Clique ihrer Schwester an, deren Mitglieder allesamt im Geld schwimmen. Aber Payton scheinbar auch. Wie kann das sein? Wer bezahlt die Wohnung? Was ist ihr wirklich passiert? Die Fragen, die der Hörer sich stellen muss, häufen sich schnell. Aber so bleibt die Geschichte spannend. Sie wird um die Figur Monroe erweitert, in den Sarah sich – als Payton – verliebt. Zusammen haben die beiden einige heiße Szenen, die auch explizit beschrieben werden. Meines Erachtens passen sie zur Geschichte und werden auch nicht unangenehm, nicht mal in der Hörbuchversion.
Insgesamt gibt es viele Figuren, die eine Rolle spielen. Da wären Paytons Exfreund Donavan, seine Schwester Holland, sein bester Freund Peter und eine ganze Menge fiese Mädchen. Sarah weiß nicht, wem sie trauen kann. Kann sie überhaupt jemandem trauen?
Die Geschichte verfolgt durchaus ein Ziel, auch wenn gerade zu Ende hin deutlich wird, dass der Reihenauftakt eher ein Aperitif ist, der Lust auf mehr machen soll. Denn vor allem das letzte Kapitel ist ein absoluter Cliffhanger. Das Buch ist voller Skandale, hinterhältiger Intrigen und vielen tiefgreifenden und ernstzunehmenden Problemen. Es beinhaltet aber auch Freundschaft und Liebe – nicht nur die große Liebe, sondern auch jene unter Geschwistern. Thematisch betrachtet hat „Pretty Scandalous“ also eine ganze Menge zu bieten.
Die Figuren sind gut ausgearbeitet und handeln sehr authentisch. Auch sie tragen ihren Teil dazu bei, dass es spannend bleibt. Vor allem Payton und Monroe hinterließen bei mir viele Fragezeichen.
Der Stil von Tami Fisher ist wirklich gut. Ich hatte die Skyline von New York immer vor Augen, ihre Beschreibungen sind toll und bildreich. Der dialoghafte Charakter der Geschichte gefiel mir gut und insgesamt fühlte ich mich sehr wohl in Fishers Welt. Die Sprecherin Rebecca Veil macht ihren Job grandios. Ihre Stimme WAR Sarah für mich. Sie liest toll und betont super. Ich habe ihr jedes Wort geglaubt.

„Pretty Scandalous – Heißer als Rache“ bietet genau das, was der Titel schon verspricht. Es wird skandalös, es wird heiß und die Protagonistin ist in einer glitzernden Welt der High Society auf Rache aus. Es kann also nur spannend werden. Mir hat das Hörbuch wahnsinnig gut gefallen und ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil. Ich vergebe daher natürlich fünf Sterne.



13. März 2024

Rezension [Hörspiel]: "The Quest - Die längste Reise" von Melanie Raabe

 


Titel: The Quest - Die längste Reise
Autorin: Melanie Raabe
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 11,95€
Dauer: 4h 10m

Ich liebe Hörbücher. Und Hörspiele. Aber manchmal kann ich mich nicht entscheiden, was ich lieber mag. Die Hörspiele für Erwachsene sind definitiv in der Unterzahl und trotzdem finde ich es immer toll, wenn mehrere Sprecher einen unterhalten und in eine authentische Geschichte entführen. Hintergrundgeräusche, verschiedene Stimmen und Musik machen für mich gute Hörspiele aus. Und um ein solches handelt es sich definitiv bei „The Quest“ von Melanie Raabe. Normalerweise bin ich nicht im Thriller- oder Krimigenre unterwegs. „The Quest“ würde ich ersterem zuordnen und eines kann ich vorweg nehmen: Es wird spannend…und etwas gruselig! Und auch für Neulinge im Thrillergenre ist beste Unterhaltung garantiert.


Paul ist verschwunden. Eigentlich war der leidenschaftliche Journalist nur drei Wochen in einem Kurhotel zur Recherche. Doch als ihn seine Lebensgefährtin Alice vom Zug abholen will, taucht er nicht auf.
Alice‘ Anrufe laufen ins Leere, Paul versäumt das vielleicht wichtigste Interview seiner Karriere. Und das Hotel behauptet, er sei schon vor Tagen abgereist.
Schließlich checkt Alice selbst dort ein. Sie findet heraus, dass in den vergangenen Jahren gleich mehrere Personen seit ihrem Aufenthalt in dem Hotel nicht mehr aufgetaucht sind. Was ist dort geschehen? Mit all diesen Menschen – und mit Paul? Und welches Geheimnis verbindet die sonderbar undurchschaubaren Hotelgäste?

Der Anfang des Hörspiels „The Quest“ ist ein kleines bisschen verwirrend. Aber das soll definitiv so sein. Für mich hat einiges erst am Ende Sinn ergeben und deswegen muss ich der Autorin schon einmal mein Kompliment aussprechen. Melanie Raabe hat eine spannende und etwas skurrile Geschichte erschaffen, in der sie alle Fäden in den Händen behalten und am Ende sinnvoll zusammengeführt hat. So passt beispielsweise die Stimme der Erzählerin, für die eine ältere Frau gewählt wurde, erst sehr spät ins Bild. Aber am Ende dachte ich eben: „Ach, klar!“ Solche Momente ergeben sich innerhalb der Geschichte immer wieder und das hat mir gut gefallen. Es zeigte mir, dass „The Quest“ definitiv durchdacht ist. Ob das gleichzeitig heißt, dass die Story logisch ist, kann ich gar nicht genau sagen. Trotzdem ist sie nicht unlogisch.
Da ich nicht spoilern will, kann ich an dieser Stelle das große Geheimnis von „The Quest“ natürlich nicht verraten. Im Grunde geht es um eine junge Frau, die herausfinden will, was mit ihrem Lebensgefährten geschehen ist, nachdem er in einem Kurhotel im Schwarzwald verschwunden ist. Gerade der Anfang der Geschichte ist super spannend. An dieser Stelle sucht Alice (die übrigens eine bemerkenswerte, wenn auch nicht unbedingt sympathische Protagonistin ist) nach Paul. Er ist einfach verschwunden und sie kann ihn nicht erreichen. Niemand hat etwas von ihm gehört. Die Atmosphäre im Hörspiel ist zu Beginn sehr düster und mysteriös. Alles ist seltsam und deswegen sehr spannend. Doch dann erreicht Alice Paul plötzlich. Er ist also eigentlich nicht verschwunden. Doch er ist verändert. Und er verändert sich immer weiter und zwar so sehr, dass Alice beschließt, selbst in den Schwarzwald zu reisen. Das Wort „seltsam“ passt nicht nur zu den Geschehnissen rund um Paul. Es beschreibt auch die meisten Gäste des Hotels. Irgendetwas geht vor sich, das merkt Alice schnell. Warum fragt man sie, ob sie „eine von uns“ sei und wer klopft nachts immer wieder an eine Wand. Wer ist „der Doktor“ und wer der unbekannte Dauergast, den scheinbar nie jemand sieht? Es stellen sich unzählige Fragen, von denen eine spannender ist als die nächste.
Melanie Raabe hatte mich sehr schnell in ihre Welt gezogen und ich war gefesselt. Die gelungene Aufarbeitung der Geschichte als Hörspiel tut ihr übriges. Gerade die leise Hintergrundmusik macht viele Szenen schaurig. Es gibt eine Vielzahl an Sprechern, die wirklich einen guten Job machen. Ich dachte beim Hören mehrfach, dass die Geschichte nicht wie eine Realityserie gesprochen ist, bei der man sofort merkt, dass geschauspielert wird. Nein, die Sprecher reagieren im Gespräch alle sehr natürlich und dadurch wird die Geschichte authentisch. Die Figuren selbst sind (wie die Geschichte auch) skurril. Alice ist eine interessante Protagonistin, die aber eine recht aufwühlende Vergangenheit hat. Ich konnte mich nicht mit ihr identifizieren und ich hätte definitiv nicht wie sie gehandelt. Aber warum auch. Alice ist mutig, manchmal etwas rücksichtslos und willensstark. Ihr Freund Paul ist ebenfalls ein Freigeist, der mir in den Flashbacks aber sehr gut gefiel. Alle Hotelgäste sind eher merkwürdig, wofür es natürlich einen Grund gibt. Und den herauszufinden, macht Alice sich zur Aufgabe. Diese Aufgabe meistert sie.
Ob man mit der Auflösung und der Bedeutung von „The Quest“ einverstanden ist, muss jeder Hörer selbst wissen. Ich fand das Konzept wirklich spannend! Allerdings wäre es nichts, was ich jemals ausprobieren wollen würde. Auf keinen Fall. Und ich hoffe wirklich, dass es sich nur um eine fiktive Sache handelt. Ansonsten würde ich nachts wahrscheinlich nicht mehr so ruhig schlafen können.
Ihr merkt also: Die Geschichte lässt einen nicht mehr wirklich los. Ich habe viel über die Handlung von „The Quest“ nachgedacht und die Geschichte bleibt einfach im Gedächtnis. Ich habe mich super unterhalten gefühlt. Allerdings hatte der Spannungsbogen schon einen Knick, als Alice herausfindet, was „The Quest“ ist. Die Geschichte bleibt zwar spannend, wendet sich aber einer zweiten Handlung zu, die ich als nicht ganz so interessant empfand.
Jeder der Sprecher macht seine (und ihre) Sache toll! Es ist unglaublich, wie viele Personen an diesem Hörspiel beteiligt waren. Doch in meinen Augen hat sich dieser Aufwand gelohnt. Die Figuren sind alle sehr verschiedene und durch die Stimmen sind die unterscheidbar. Dieser Durchblick ist auch nötig, um die Geschichte zu verstehen.

Mir hat „The Quest“ wirklich gut gefallen und vor allem habe ich mich unglaublich unterhalten gefühlt. Die Geschichte von Alice und Paul ist spannend und ganz sicher ungewöhnlich. Das Seltsame und Skurrile ist wohl das Reizbare an dieser Geschichte. Ich selbst konnte mich mit vielen Dingen von „The Quest“ nicht identifizieren und musste deswegen eine gewisse Distanz zur Handlung bewahren. Trotzdem ist die Geschichte spannend, etwas gruselig und wirklich, wirklich gut gemacht! Deswegen vergebe ich insgesamt vier Sterne und kann jedem Hörspielfan dieses seltsame Hörspiel nur ans Herz legen.


  

16. Januar 2024

Rezension [Hörbuch]: "Check & Mate. Zug um Zur zur Liebe" von Ali Hazelwood

 


Titel: Check & Mate. Zug um Zug zur Liebe
Autorin: Ali Hazelwood
Verlag: der Hörverlag
Preis: 21,95€
Seiten: 416
Dauer: 10h 43m

Ich habe noch nie in meinem Leben Schach gespielt. Trotzdem gehöre ich nicht zu den Menschen, die dieses komplizierte Spiel als langweilig abtun. Und deswegen erregte „Check & Mate. Zug um Zug zur Liebe“ schnell meine Aufmerksamkeit. Ein New Adult-Roman (oder fast schon Romcom?) in einem vorurteilsbehafteten trockenen Setting? Das kann spannend werden. Und das wurde es definitiv! Das Hörbuch zu „Check & Mate“ ist einfach grandios! Für mich ist es ein absolutes Highlight, das ich mir nach dem Hören erstmal als Buch bestellen musste….genau: SO gut ist es!

Mallory Greenleaf hat sich geschworen, nie wieder Schach zu spielen. Denn das Spiel, das sie jahrelang geliebt hat, hat ihr zu viel genommen. Doch als ihre beste Freundin sie überredet, bei einem Wohltätigkeitsturnier einzuspringen, kann Mallory nicht ablehnen. Ein letztes Mal spielt sie – und besiegt versehentlich den amtierenden Weltmeister Nolan Sawyer. Nolan, der Schach auf ein ganz neues Level gehoben hat. Nolan, der dafür bekannt ist, dass er mit Niederlagen nicht gut umgehen kann. Nolan, der wahnsinnig gut aussieht. Mallory tut das Erste, was ihr in den Sinn kommt: Sie läuft weg. Doch Nolan spürt sie auf und lässt nicht locker. Er will unbedingt erneut gegen Mallory spielen. Doch sie kann nicht riskieren, sich noch einmal ins Schachspielen zu verlieben. Und in Nolan schon gar nicht …

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, denn ich habe einfach alles an diesem Hörbuch geliebt! Gehen wir also von außen nach innen: Das Cover ist total süß und passt perfekt zur Geschichte. Es deutet auf den lockeren und verspielten Ton der Story hin und erregt sofort Aufmerksamkeit. Die Sprecherin Anna Amalie Blomeyer hat eine schöne Stimme, die sie vor allem in ironischen Szenen wunderbar zum Einsatz bringt. Für mich war Blomeyers Stimme einfach Mallory. Durch sie bekommt die Protagonistin noch mehr Persönlichkeit. Des Weiteren variiert sie als Sprecherin sehr schön und hat beispielsweise für Nolan immer die gleiche Betonung, was toll ist. Vielleicht habe ich mich auch aufgrund ihrer Stimme ein wenig in den Schachweltmeister verliebt…Hach..
Kommen wir also zur Geschichte. Der Klappentext umreißt die Handlung sehr gut. Hinzufügen kann ich, dass Mallory es keinesfalls leicht hat. Sie ist die älteste von drei Schwestern, deren Mutter eine schwere körperliche Krankheit hat, sodass eigentlich Mallory dafür sorgt, dass alles seinen Gang geht. Sie übernimmt ungefragt die Verantwortung der Familie und ist bereit, sich für die, die sie liebt, aufzuopfern. Dazu gehört, dass sie das Geld verdient und die Rechnungen bezahlt. Mallory ist eine unglaublich starke und bewundernswerte Protagonistin, zu der ich sofort eine Beziehung hatte. Sie ist lustig und sarkastisch. Sie weiß, was sie will und ist realistisch. Und sie ist leidenschaftlich. Ihre wohl größte Leidenschaft war der Schachsport. Aber erst nach und nach kommt raus, warum sie Schach die Schuld an allem in ihrem Leben gibt, was falsch gelaufen ist. Und mit dem Wort Schach kommen wir zur zweiten Hauptfigur. Nolan Sawyer ist ein Typ mit absolutem Ehemann-Potenzial. Der anfangs düstere und verschlossene Schachweltmeister eroberte mein Herz im Sturm. Er ist direkt, ehrlich und loyal. Doch man lernt Nolan erst nach und nach kennen und ich finde, das hat die Autorin sehr gut gemacht. Denn die ganze Geschichte entwickelt sich Stück für Stück. Ich fand nicht einen einzigen Handlungsstrang langweilig. Denn auch die Nebenfiguren sind quirlig, lustig und liebevoll. Da wäre Mallorys beste Freundin Easten, ohne die Mallory niemals wieder an einem Schachbrett gesessen hätte. Oder auch Emile, der beste Freund von Nolan. Selbst die Antagonisten sind interessant, wie zum Beispiel Malte Koch oder andere sexistische Schachspieler.
Sexismus ist durchaus ein großes Thema des Romans. Ich bewundere sehr, wie Ali Hazelwood es geschafft hat, wichtige gesellschaftliche Themen mehr oder weniger nebensächlich ins dieses Buch einfließen zu lassen. Sexismus ist ein sehr offensichtliches Thema. Aber zum Beispiel auch Sexualität ist ein Thema, das großartig verarbeitet wurde. Versteht mich nicht falsch, es gibt eigentlich keine Sexszenen in „Check & Mate“. Aber Mallory geht sehr offen mit ihrer Sexualität und der sexuellen Orientierung anderer um. Das fand ich ehrlich gesagt einfach cool. All solche „Kleinigkeiten“ führen dazu, dass die Geschichte so rund ist.
Und rund ist sie. Wie ich schon erwähnte, habe ich mich nicht eine Sekunde mit dem Hörbuch gelangweilt. Ganz im Gegenteil. Ich wollte weiterhören. Immer. Ich konnte sogar eine Nacht kaum schlafen, weil ich mich immer gefragt habe, wie Mallory und Nolan sich wiedersehen. Wie das nächste Turnier ausgeht. Ob die beiden endlich gegeneinander spielen. Und. Und. Und. Die Geschichte hat mich einfach völlig in ihren Bann gezogen. Ich war selten so gecatcht von einem Hörbuch. Und die Gründe sind wirklich vielseitig. Tolle Protagonisten haben viele Bücher. Aber in „Check & Mate“ sind neben den großartigen Haupt- und Nebenfiguren auch die Handlungsentwicklung, jede Nebenhandlung, die Beziehungsgeflechte und der Humor einfach großartig. Und hinzu kommt das ungewöhnliche Setting der Schachwelt. Ich habe mich wirklich nie groß für Schach interessiert. Aber erst heute habe ich mich ertappt, wie ich den aktuellen Schachweltmeister googelte und vorher noch wissen wollte, was genau eine Rochade ist. Dieses Buch macht einfach neugierig und fesselt. Ich kann nicht einen einzigen Kritikpunkt finden.

Man weiß, was jetzt kommt. „Check & Mate. Zug um Zug zur Liebe“ ist ein herausragendes Buch, das so viel Spaß macht und das ich wirklich, wirklich liebe! Ich vergöttere die Protagonistin Mallory und habe mich selbst ebenfalls in Nolan Sawyer verliebt. Die Geschichte ist toll aufgebaut, die Figuren sind liebevoll gestaltet und die vielseitigen Themen haben mich begeistert. Ich vergebe fünf Sterne und setze das Buch schon mal auf die Liste meiner Jahreshighlights.



5. Januar 2024

Rezension [Hörbuch]: "The Brothers Hawthorne - Ein Hawthorne riskiert absolut jedes Spiel"


Titel: The Brothers Hawthorne - Ein Hawthorne riskiert absolut jedes Spiel
Autorin: Jennifer Lynn Barnes
Sprecher: Max Felder
Verlag: Der Hörverlag
Dauer: 14h 1min
Preis: 25,95€

 

„The Brothers Hawthorne“ ist eine Art Spin-Off Reihe zur Trilogie „The Inheritance Games“. Ich bin eigentlich ein ziemlich gutes Beispiel, um zu sehen, ob es funktioniert, das Spin Off zu verstehen, ohne die Vorgänger gelesen zu haben. Denn tatsächlich hatte ich von „The Inheritance Games“ noch überhaupt nichts gehört, als ich „Ein Hawthorne riskiert absolut jedes Spiel“ zu hören begann. Kann man der Geschichte auch ohne Vorwissen folgen? Gibt es viele Lücken? Bleibt es spannend?
Auf alle drei Fragen kann ich wohl mit „ja“ antworten!

Grayson Hawthorne ist als Kronprinz des milliardenschweren Familienunternehmens herangewachsen, doch der Patriarch ist verstorben, die Familie enterbt, das Vermögen dahin. Und so hat er es sich zur Aufgabe gemacht, jeden Schaden von Avery, der Erbin, fernzuhalten. Als Ermittlungen zum Tod seines Vaters aufgenommen werden, bringt sie das allerdings in höchste Gefahr. Jameson Hawthorne ist abenteuerlustig und eine echte Spielernatur. Als sich plötzlich sein verschollener Vater bei ihm meldet und einen riskanten Gefallen erbittet, kann Jameson nicht widerstehen. Beide Hawthorne-Nachkommen werden vor schier unlösbare Aufgaben gestellt, doch an ihrer Seite stehen dabei ihre Brüder und Avery.

Ich muss zugeben, dass mir nicht bewusst war, dass ich einen vierten Teil einer Reihe als mein neues Hörbuch begann. Das wurde aber dann doch recht schnell klar. Dass es sich um eine Spin-Off-Reihe handelt, habe ich ebenfalls erst später erfahren. Von einem Spin-Off erwarte ich, dass man es auch ohne Vorkenntnisse lesen kann. Geht das denn im Falle der Brüder Hawthorne?
Der Einstieg zumindest fällt schwer. Als Hörerin war mir schnell klar, dass ich in eine Welt eingetaucht bin, die ich besser kennen sollte, als ich es tat. Nichtsdestotrotz bekommt der Hörer genügend Informationen, um der Geschichte folgen zu können. Oft hatte ich Fragen und ehrlich gesagt weiß ich bis jetzt nicht, ob man die auch hat, wenn man „The Inheritance Games“ kennt. Es gibt einige Andeutungen, die man vielleicht versteht, wenn man die drei vorherigen Bücher kennt. Vielleicht. Vielleicht eben auch nicht. So ist man als Hörer natürlich etwas ratlos und manchmal auch böse auf die Geschichte, dass sie einen mit so vielen Lücken zurück lässt. Trotzdem kann man beiden Handlungssträngen ohne Probleme folgen. Und wahrscheinlich ist es auch einfach ein guter Marketingtrick. Will man mehr wissen, muss man eben die drei vorigen Bücher kaufen.
Es gibt zwei Handlungsstränge, da zwei der vier Hawthorne-Brüder im Mittelpunkt stehen und beide völlig verschiedene Dinge in ihrem Leben verfolgen. Da ist zum einen der vernünftige und reservierte Grayson, der seinen Stiefschwestern helfen will. Doch die Zwillinge wissen nichts von Graysons Existenz oder den Dingen, die ihrem Vater widerfahren sind. Und das muss so bleiben, wenn es nach Grayson geht. Der andere Handlungsstrang beschäftigt sich mit Jameson und auch Avery. Jameson ist ein eher impulsiver Kerl, dessen Selbstwertgefühl im Vergleich zu seinen Brüdern durchaus leidet. Er will sich beweisen und kann dies nur mithilfe von gefährlichen Spielen. In dieser Geschichte führt ihn sein Vater in ein solches Spiel und es beginnt eine spannende Rätselreise an deren Ende vielleicht das ersehnte Selbstwertgefühl wartet.
So viel zum Plot. Das Buch handelt immer abwechselnd von Jameson oder Grayson. Der jeweils andere wird durchaus mal erwähnt, spielt aber in der Geschichte dann keine Rolle. Die Autorin hat es ziemlich gut hinbekommen, immer an den spannendsten Stellen den Perspektivwechsel zu vollziehen und die Geschichte anzuhalten. So bleibt es definitiv immer spannend und man will wissen, wie es weitergeht. Ich fand die Geschichte von Grayson grundsätzlich etwas interessanter. Das änderte sich aber immer dann, wenn Jamesons Kapitel dran waren und so weiter. Man kann sich zwischen beiden Brüdern also kaum entscheiden. Aber da sind ja noch zwei Hawthornes mehr. Nash und Xander spielen leider eine sehr untergeordnete Rolle. Dabei fand ich gerade Xander ziemlich beeindruckend und hätte gern mehr über ihn erfahren. Der älteste und jüngste Hawthorne Bruder helfen ihren Geschwistern, sind aber eben nur Nebenfiguren. Auch die Erbin Avery war für mich eher eine Randfigur, auch wenn sie eigentlich eine große Rolle spielt. Insgesamt gibt es ziemlich viele Charaktere, die ich hier nicht alle aufzählen kann. Aber obwohl es in Hörbüchern immer etwas schwieriger ist zu folgen, wenn es viele Figuren gibt, gelingt das hier sehr gut. Denn jede einzelne von ihnen, die irgendwie wichtig ist, wird ausreichend eingeführt und man erinnert sich an alle Namen. Wie zu Beginn erwähnt, glaube ich, dass manche Figuren deutlich weniger farblos wären, würde man die Vorgänger kennen. Zum Beispiel hat sich mir Evie nicht wirklich erschlossen. Aber gut.
Das Buch ist gut geschrieben und der Sprecher Max Felder liest richtig gut. Er hat ein gutes Gespür für die beiden Brüder, die im Vordergrund stehen und verleiht ihnen Tiefe.
Um auf meine einleitenden Fragen zurückzukommen: Man kann der Geschichte auch ohne Vorwissen folgen und es bleibt definitiv immer spannend. Allerdings finde ich schon, dass das Buch durchaus seine Längen hat. Lücken gibt es tatsächlich ein paar und diese werden auch nicht gefüllt. Notwendig um die Geschichte zu verstehen, ist es allerdings auch nicht. Was mir übrigens sehr gut gefallen hat, waren die kurzen Flashbacks aus der Kindheit der Jungs. So bekommen die Charaktere noch viel mehr Details und deswegen haben sich alle vier auch in mein Herz geschlichen.

Insgesamt ist „The Brothers Hawthorne – Ein Hawthorne riskiert absolut jedes Spiel“ ein spannendes Hörbuch, das viele tolle Charaktere besitzt und deren Handlung wirklich spannend ist. Grayson und Jameson sind wunderbare Protagonisten, die risikobereit, aber loyal sind und denen man deswegen gern folgt. Kennt man die Vorgängerreihe nicht, gibt es durchaus Lücken, die man nicht füllen kann. Lässt man sich aber darauf ein, reichen die Informationen aus diesem Buch allein vollkommen. Es gibt viele Geheimnisse und noch mehr Rätsel und genau das macht dieses Hörbuch spannend. Trotzdem hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle Aufklärung gewünscht und hätte auf andere Längen gern verzichtet. Ich habe das Hörbuch sehr gern gehört und vergebe deswegen vier Sterne.