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4. Februar 2026

Rezension [Hörbuch]: "Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen"

 


Titel: Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen
Autorin: Judith Rossell
Sprecherinnen: Merete Brettschneider, Maria Hartman
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 6h 49m
Seiten: 320
Preis: 15,95€

Jedes kleine Mädchen hatte wahrscheinlich einmal den Wunsch, Detektivin zu werden. So sein wie Hanni und Nanni im Internat oder all die anderen Kinder, die spannende Abenteuer erlebten. In die Reihe von den „Fünf Freunden“ und Co. darf sich nun eine weitere Gruppe eintragen: die Mädchen des Midwatch Instituts. Denn diese jungen Mädchen können mit den genannten Detektiven definitiv mithalten. „Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen“ ist ein grandioses Kinderbuch, das ich vor allem Mädchen ab neun Jahren unbedingt empfehlen würde! Freundschaft, Zusammenhalt und das Stärken des eigenen Selbstbewusstseins stehen hier in Verbindung mit Spaß und Humor und machen dieses Hörbuch zu einem wundervollen Hörerlebnis.

Maggie Fishbone wird auf das Midwatch-Institut für unerwünschte Mädchen geschickt. Doch Maggie stellt bald fest, dass das Institut nicht der schreckliche Ort ist, für den ihn alle halten. Im Gegenteil: The Midwatch heißt die verstoßenen Mädchen willkommen und ermutigt sie, ihre Talente einzusetzen und weitere nützliche Fähigkeiten wie Schlösserknacken und Morsen zu erlernen. Denn es sind die verstoßenen Mädchen des Midwatch-Instituts, die mit ihren besonderen Fähigkeiten Kriminalfälle lösen und die Stadt vor Bösewichten beschützen.

Greift man zu diesem Hörbuch, muss man sich des Adressaten natürlich bewusst sein. Das Buch ist definitiv für Kinder geschrieben und genau für diese ist es absolut wunderbar! Laut Klappentext geht es um die kleine Maggie Fishbone, die zusammen mit zwei anderen Mädchen ins Institut kommt. Eine richtig zentrale Protagonistin ist Maggie allerdings nicht. Ihre Freundinnen Nell und Sophie stehen ebenso im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Harriet oder all die anderen Mädchen. Sie bilden gemeinsam ein Team. Und damit wären wir bei einem großen Thema des Buches: Freundschaft. Judith Rossell zeigt auf eine sehr schöne Art, wie Freunde das eigene Selbstbewusstsein stärken und wie man selbst daran wächst. Maggie ist am Ende ein anderes Mädchen und findet im Midwatch-Institut nicht nur neue Freunde, sondern sogar Familie.
Die kleinen Mädchen sind tolle Protagonistinnen. Insgesamt sind in „Midwatch – Schule der unerwünschter Mädchen“ ein Haufen schrulliger und skurriler Persönlichkeiten zu finden. Einige sind natürlich überzeichnet, wie zum Beispiel die Bösewichte, aber das passt insgesamt sehr gut zum Charakter des Buches. Die Mädchen müssen einen kniffligen Kriminalfall lösen, der sehr spannend ist. Das Setting hat mich hierbei anfangs ein wenig verwirrt. Denn obwohl „Midwatch“ kein Fantasy-Buch ist, gibt es durchaus fantastische Elemente. Zum Beispiel ist ein ganz normales Fortbewegungsmittel in Maggies Welt das Zeppelin. Ansonsten scheint die Geschichte etwa in den 20er Jahren zu spielen und das heißt auch, dass Glanz und Glamour auf eine gewisse Art nicht fehlen dürfen: schicke Hotels oder der Tanz Charleston sind beispielsweise an der Tagesordnung.
Auf der Tagesordnung von Maggie stehen ziemlich interessante Fächer: Morsen, Knoten knüpfen, Fechten, Schweizerdeutsch, Charleston oder Verstecken. Und ganz ehrlich…welches Mädchen hätte als Kind nicht gern solche Fächer in der Schule gehabt?! Tatsächlich kann man nebenbei noch eine ganze Menge aus „Midwatch“ lernen. Alle paar Kapitel taucht nämlich ein kleines Exkurs-Kapitel mit dem Titel „Nützliche Dinge, die jedes Mädchen wissen sollte“ auf. In einem wird zum Beispiel das gesamte Morse-Alphabet erklärt, in einem anderen verschiedene Knotentechniken gezeigt. Als Hörbuch funktioniert das nur semigut, aber im Buch ist es für junge Leser sicher ein Highlight!
Der Schreibstil ist wirklich gut. Er ist flüssig und sehr fantasievoll. Vor allem aber ist das gesamte Szenario unglaublich humorvoll und charmant. Es gibt kein böses Wort zwischen den Mädchen, dafür aber viel zu Lachen. Die Sprecherin Merete Brettschneider macht ihre Sache gut. Sie liest zeitgemäß und sehr passend zur Geschichte. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich als Erwachsene beim Hören manchmal etwas abgedriftet bin. Die Nützliches-Wissen Kapitel werden von Maria Hartmann gelesen. Auch hier gibt es keinerlei Kritik.


Die größte Stärke dieses Buches sind wirklich die Werte, die Judith Rossel transportiert. Sie zeigt, wie wichtig Freundschaft ist, wie man zusammenhält und so aus jeder Klemme kommt. Denn zusammen ist man stark. Das lernen Maggie und ihre Freundinnen während dieses spannenden Kriminalabenteuers ganz nebenbei. Für junge Mädchen, aber sicher auch Jungen ist es ein wirklich tolles Buch, das ich sofort verschenken würde. Ich persönlich musste mit dem Setting erst zurechtkommen, vergebe aber gern 4,5 Sterne, die es verdient haben, aufgerundet zu werden.



9. August 2023

Rezension [Hörbuch]: "Der Fall der verhängnisvollen Blumen" von Nancy Springer


Titel: Der Fall der verhängnisvollen Blumen - Ein Enola-Holmes Krimi
Autorin: Nancy Springer
Sprecherin: Luisa Wietzorek
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 14,95€
Dauer: 4h 2m

Die klassischen Detektive hatten es mir schon immer angetan. Allen voran die Großen der Szene: Hercule Poirot und natürlich Sherlock Holmes. Selbstverständlich bemerkte ich dann auch das Auftauchen einer gewissen Enola Holmes – auf Netflix. Die beiden Filme um die jüngere Schwester von Sherlock und Mycroft gefielen mir sehr gut. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir nicht bewusst war, dass die Filme auf einer Jugendbuchreihe von Nancy Springer basieren. Ein Versäumnis meinerseits, das dringend bereinigt werden musste. Und so begann ich mit (dem eigentlich dritten Fall) diese Reihe. „Der Fall der verhängnisvollen Blumen“ entführt den Leser – oder in meinem Fall Hörer – in das heruntergekommene London, in dem sich ein junges, aber sehr intelligentes Mädchen allein durchschlägt und mit allen Mitteln vor ihren Brüdern flieht.
Können die Bücher es mit den Filmen aufnehmen? Definitiv! Ich hatte beim Hören jedenfalls eine Menge Spaß und wurde hervorragend von der jungen, quirligen und etwas schräg denkenden Enola unterhalten.

Dr. Watson ist verschwunden und Meisterdetektiv Sherlock Holmes ist ratlos. Enola Holmes macht sich auf die Suche nach Dr. Watson, obwohl sie damit in Gefahr gerät, von ihren Brüdern Mycroft und Sherlock entdeckt und ins Internat gesteckt zu werden. Als sie einen Blumenstrauß in Dr. Watsons Haus bemerkt, dessen Blüten allesamt den Tod symbolisieren, muss sie schnell handeln. Denn offenbar ist Dr. Watson in Lebensgefahr. Kann sie Dr. Watson rechtzeitig aufspüren?

Ich bin kein Fan davon, eine Reihe mittendrin zu beginnen. Doch im „Fall der verhängnisvollen Blumen“ kann ich somit immerhin garantieren, dass sich dieses Buch auch ohne Vorkenntnisse hören lässt und man alles versteht. Bestimmt ist es viel sinnvoller, zunächst Band eins und zwei zu lesen/hören, um noch mehr Hintergrundinfos zu bekommen. Kennt man aber die Filme, reicht dies auch völlig.
Enola ist die deutlich jüngere Schwester von Sherlock Holmes, dem Meisterdetektiv. Doch wie ihr großer Bruder auch, hat Enola ausgefallene Hobbys und hat sich dem Aufspüren vermisster Personen oder Gegenständen verschrieben. Dabei klammert sie aus, dass auch sie quasi vermisst wird. Denn sie ist untergetaucht, um ihren Brüdern zu entgehen, die sie vermutlich in ein Pensionat oder eine Anstalt stecken wollen. Im verruchten und dunklen London gelingt es dem selbständigen Mädchen recht gut, sich zu verbergen. Als Enola aber in der Zeitung liest, dass Dr. Watson verschwunden ist, geht sie das Risiko ein, ihrem Bruder Sherlock in die Quere zu kommen. Denn der sympathische Arzt muss unbedingt gefunden werden – Bruder hin oder her. Enola beginnt also auf eigne Faust, Watson zu suchen. Als Hörer weiß man bereits aus dem Prolog, wo er sich aufhält und kann somit immer gut feststellen, ob Enola eine heiße Spur hat oder im Dunkeln tappt. Insgesamt ist ihr Denken dem ihres Bruders natürlich recht ähnlich. Doch es ist wirklich angenehm, dass die Detektivin dabei keinesfalls unnahbar ist. Sie ist auf den ersten Blick kein großes Genie, sondern recht praktisch veranlagt. Um ermitteln zu können, überlegt sie lange, welche Verkleidung sinnvoll ist. Sie hat große Kenntnis über die Sprache der Blumen und weiß, wie man Dinge vortäuscht. Aber jeder ihrer Schritte ist nachvollziehbar und gerade deswegen klappt die Identifikation mit „der kleinen Schwester“ so gut. Enola ist klug, gar keine Frage. Aber im Grunde ist sie auch ein ganz normales Mädchen, das sich nach ihrer Mutter sehnt. Sie kann eben nichts dafür in diese Familie hineingeboren zu sein.
Einer der ersten Schritte der Ermittlung ist ein Besuch bei Mary Watson. Eben dort fällt ihr ein absonderlicher Blumenstrauß ins Auge. Ihr ist sofort klar, dass er vom Täter stammen muss. Und so nimmt die Ermittlung ihren Lauf. Die misstrauische Enola geht dabei logisch, aber nachvollziehbar vor. Und findet auch ein wenig durch Zufall die Lösung. Aber wird sie am Ende doch von ihren Brüdern übertrumpft?
Ich fand die gesamte Geschichte super unterhaltsam. Der Fall ist spannend und hat schon allein durch die Protagonistin etwas Feminines. Und das ist bei Detektiven (Verzeihung, Miss Marple) doch eher neu. Enola als Hauptfigur ist sehr einsam und offenbart sich dem Hörer durch ihre Gedanken sehr gut. Ich fand sie einfach toll! Und auch ihre Ermittlungsart gefiel mir sehr gut.
Es ist nur passend, dass natürlich auch ihre Stimme, die ihr von Luisa Wietzorek geliehen wird, wunderbar zur Geschichte passt. Es handelt sich dabei auch um die Synchronsprecherin der Netflix-Filme. Wer diese also kennt, hat sofort ein Gesicht vor Augen. Enola beschreibt sich übrigens zumeist als nicht sehr ansehnlich…das wiederum passt zwar nicht zur Besetzung, aber was soll’s. Die Sprecherin Wietzorek macht ihre Aufgabe jedenfalls mehr als gut. Sie liest auch die verschiedenen Charaktere sehr passend und nimmt den Hörer so mit ins London des neunzehnten Jahrhunderts. Das übrigens fand ich besonders charmant: die Atmosphäre der Zeit. Enola kommuniziert viel durch Zeitungsannoncen und Codes. Schade, dass es so etwas heute nicht mehr gibt. Auch sonst ist die Stimmung des tristen Londons der Unterschicht sehr gut eingefangen.

Ich habe einfach rein gar nichts an „Der Fall der verhängnisvollen Blumen“ auszusetzen. Die Protagonistin ist toll und nahbar, die Sprecherin liest hervorragend und die Geschichte ist unterhaltsam und kurzweilig. Der Fall erscheint so normal, denn es geschieht ja nicht einmal ein Mord. Und trotzdem ist sie etwas ganz Besonderes. Dass der große Sherlock Holmes nur in einer Nebenrolle auftritt, fällt eigentlich gar nicht auf. Denn die Bühne gehört zurecht seiner kleinen Schwester. Und dieser verleihe ich mit ihrem dritten Fall fünf Sterne.




16. Mai 2023

Rezension [Hörbuch]: "Der seltsame Mr. Quin - Teil zwei" von Agatha Christie

 


Titel: Der seltsame Mr. Quin - Teil 2
Autor: Agatha Christie
Sprecher: Hans Eckhardt
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 12€
Dauer: 3 h 10 min

Der Name „Agatha Christie“ zieht mich doch immer wieder magisch an. Doch irgendwann sind die berühmtesten Geschichten um alle bekannten Detektive gelesen und gehört, sodass ich mein Beuteschema rund um die Queen of Crime erweitern muss. Denn Frau Christie hat ja nicht nur Hercule Poirot oder Miss Marple erschaffen. Ich hatte bereits die Ehre mit Tommy und Tuppence, Parker Pyne oder Superintendant Battle. Und nun stieß ich auf den seltsamen Mr. Quinn. Ich muss zugeben, dass mir der Name bisher noch gar nichts gesagt hat. Rund um diese Person schrieb die Autorin einige Kurzgeschichten, die vom Hörverlag in drei Teilen herausgegeben wurden. An Teil zwei wagte ich mich nun mit Freude. Die Sammlung „Der seltsame Mr. Quin 2“ bietet gute und kurzweilige Unterhaltung, die aber mit den großen Figuren von Christie keineswegs mithalten kann.

Die beiden Privatdetektive Mr. Harley Quin und Mr. Sattisway ermitteln in ihren spannendsten Fällen: In Monte Carlo entlarven sie im Casino eine Betrügerin. Auf Korsika klären sie ein lange zurückliegendes Verbrechen auf und ein Unschuldiger kommt aus dem Gefängnis frei. In England helfen sie einer jungen Frau, die Stimmen hört und Gespenster sieht. Und schließlich vereitelt Mr. Sattisway einen Mordanschlag auf eine junge Dame und verhilft ihr zu ihrem Glück.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den ersten Teil der Fälle von Mr. Quin und Mr. Sattisway nicht kenne. Asche auf mein Haupt. Ich kann also nicht beurteilen, wie diese beiden Figuren eingeführt werden oder sich kennengelernt haben. Das ist auch für mich als Hörer sehr schade, aber dennoch kann ich gerade dadurch sagen, dass man gut in diese Kurzgeschichtensammlung herein kommt und keinerlei Vorwissen benötigt.
Nichtsdestotrotz habe ich mir den Aufbau etwas anders vorgestellt. Denn Mr. Quin und Mr. Sattisway sind keinesfalls ein Ermittlerduo. Obwohl der Titel es anders vermuten lässt, ist die eigentliche Hauptperson Mr. Sattisway. Mr. Quin taucht in jeder Kurzgeschichte mehr oder weniger zufällig auf und trägt zu des Rätsels Lösung immer einen großen, wenn auch nebensächlichen Teil bei, doch die beiden ermitteln nie wirklich miteinander. Mr. Sattisway ist ein gut betuchter Herr der höheren Gesellschaft und wer Mr. Quin genau ist  - tja, das ist wohl die große Frage. Auch deswegen ist der Titel der Sammlung natürlich „Der seltsame Mr. Quin“, denn wirklich etwas über ihn erfahren, tut man eigentlich nie. Die Geschichten ereignen sich so, dass Mr. Sattisway gerade in irgendwelchen Urlaubsorten, Opern oder Gesellschaften ist und dort zufällig auf Mr. Quin trifft. In seinem Bekanntenkreis gibt es dann immer gerade eine Kuriosität oder ein Problem, das sich als solches erst entpuppen muss. Mit Mord muss man hier nicht rechnen. Das wiederum gefiel mir ziemlich gut. Die „Fälle“ sind also eigentlich gar keine richtigen. Wenn man dies vorweg weiß, wird man mit den Kurzgeschichten nicht enttäuscht. Wer allerdings Mord und Totschlag und ein großes Spektakel erwartet, für den ist die Sammlung eher nichts, denn die Geschichten haben etwas Unaufregendes. 
Bestehen tut „Der seltsame Mr. Quin 2“ aus vier Kurgeschichten. Alle vier werden aus der Sicht von Mr. Sattisway erzählt. Bei ihm handelt es sich um einen recht sympathischen, wenn auch leicht arroganten Mann, der gern zeigt, was er hat und in welchen Kreisen er sich bewegt. Trotzdem hat er das Herz am rechten Fleck. Das beweist er auch immer wieder mit der Aufklärung der Fälle. Wie ich schon sagte, geht es nie um Mord. In „Die Seele des Croupiers“ geht es vor allem um Betrug und eine alte Liebesgeschichte. „Das Ende der Welt“ macht einen Fehltritt wieder gut und in „Das schöne Gesicht“ wird ein Mord vereitelt. Meine Lieblingsgeschichte war „Die Stimme aus dem Dunkeln“, denn hier gab es wirklich eine interessante und unerwartete Wendung. Die Geschichten sind nicht unbedingt aufsehenerregend, aber sie unterhalten gut. Der Sprecher Hans Eckhardt macht seine Sache außerdem klassw. Seine angenehme, tiefe Stimme passt gut zum etwas verwirrten Mr. Sattisway. Den abgekühlten, aber klugen Mr. Quin liest er mit dem richtigen Hauch Mystik, sodass die Begegnungen der beiden wirklich amüsant sind.

Insgesamt habe ich mich mit den vier Fällen wirklich unterhalten gefühlt. Allerdings bieten die Kurzgeschichten keine extreme Spannung oder viel Spektakel. Es handelt sich eher um ruhige Geschichten mit der richtigen Prise Raffinesse. Mit den großen Werken der Autorin kann „Der seltsame Mr. Quin 2“ aber nicht mithalten. Deswegen vergebe ich 3,5 Sterne.



30. Dezember 2022

Rezension [Hörbuch]: "Hercule Poirots Weihnachten" von Agatha Christie

 


Titel: Hercule Poirots Weihnachten
Autor: Agatha Christie
Sprecher: Bastian Pastewka
Verlag: der Hörverlag
Preis: 12,00€
Dauer: 7h 13m

Wer mich kennt, weiß, dass Agatha Christie zu meinen all-time-favourites der Literaturgeschichte gehört. Was darf also zu Weihnachten nicht fehlen? Ein Poirot-Krimi! Und obwohl ich „Hercule Poirots Weihnachten“ bereits vor vielen Jahren gelesen und mehrfach verfilmt gesehen habe, brauchte ich die neue Auflage aus dem Hörverlag. Andere Medien bieten schließlich auch andere Erlebnisse. Und so lauschte ich in der Vorweihnachtszeit der wundervoll karikierenden Stimme von Bastian Pastewka und der Geschichte rund um den Mord von Simeon Lee. Lohnt es sich? Oh ja!

Der alte Simeon Lee hat zu Weihnachten den Familien-Clan zusammengerufen - doch das ist alles andere als eine traute Runde. Das ungeliebte Familienoberhaupt bringt mit seinem despotischen und provozierenden Verhalten alle gegen sich auf. Als er am Heiligen Abend mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird, bedauert niemand seinen Tod. Ein Motiv hätten alle Anwesenden gehabt und nun ist der Weg zur reichen Erbschaft frei. Doch Hercule Poirots kleine graue Zellen arbeiten auf Hochtouren und lassen ihn auch diesmal nicht im Stich ...

Was mich an dem Hörbuch „Hercule Poirots Weihnachten“ vor allem reizte, war Bastian Pastewka als Sprecher. Ich finde den Comedian wirklich toll. Seine Interpretationen sind so vielfältig und lustig, dass ich der Kombination Christie/Pastewka einfach nicht widerstehen konnte. Die Geschichte selbst war für mich nicht neu und tatsächlich wusste ich auch von der ersten Sekunde an noch, wer der Täter war und wie sich der Mord abgespielt hatte. Man könnte meinen, dass das die Sache langweilig macht – aber dem war nicht so. Denn, was ich vor allem hervorheben muss, ist eben Pastewkas Interpretation der Geschichte. Wenn dieser Mann etwas besonders gut kann, dass ist es Stimmen imitieren. Und natürlich ist es ein Meisterstück, jedem einzelnen Charakter dieser Geschichte eine eigene Note zu verpassen. Pastewka macht das einfach grandios. Über mehr als sieben Stunden hält er es also wirklich durch, jeder Figur eine eigene Stimme und damit einen ganz eigenen Charme zu verleihen. Oftmals wusste ich die Figuren nur anhand seiner Stimmfärbung zu unterscheiden. Denn tatsächlich spielen einige Charaktere in dieser eine Rolle. Und nachdem ich die sprecherische Leistung mehr als gelobt habe (kurz gefasst: überragend), komme ich mal zur Geschichte. Der Protagonist Simeon Lee ist ein absolutes Ekel, das seine Familie nur einlädt, um sie zu schikanieren. Dass er umgebracht wird, ist also kein wirkliches Wunder. Der Mord an sich ist aber voller Rätsel und selbst Poirot braucht lange Zeit, um diese ganzen Familienfehden zu durchblicken. Die Familie nimmt einen großen Teil der Handlung ein, Poirot tritt sogar oftmals in den Hintergrund. Das ist aber keinesfalls schlimm, denn die Geschichte wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Immer wieder steht man als Hörer selbst vor dem Rätsel: Wer war es denn nun?
Neben einem tollen Sprecher ist also auch Spannung in dieser Geschichte garantiert. Zum Schreibstil von Christie muss ich glaube ich nicht viel sagen. Er ist flüssig und man kann gut zuhören. Da es aber so viele Personen in der Geschichte gibt, ist das Hören schwerer, als wenn man das Buch lesen würde. Hier kommt dann die Übersicht im Booklet zum Einsatz. Dort sind alle Figuren und die wichtigsten Informationen aufgeführt. Das Booklet insgesamt ist recht simpel gestaltet. Neben einer kurzen Biografie von Christie und Pastewka findet man die Figurenübersicht und das Inhaltsverzeichnis. Hier hätte man vielleicht etwas detailverliebter sein können. Andererseits ist die Verpackung vollständig aus Papier, was einen umweltfreundlichen Aspekt zeigt.


Wollt ihr die Vorweihnachtszeit etwas weniger weihnachtlich und trotzdem „klassisch“ genießen, dann kann ich euch das Hörbuch „Hercule Poirots Weihnachten“ nur empfehlen. Es bietet beste Unterhaltung und einen spannenden Fall. Bastian Pastewka als Sprecher ist die Kirsche aus der Torte (oder die Spitze auf dem Tannenbaum?!), denn durch seine Lesart wird dieses Hörbuch zu dem tollen Erlebnis, was es ist. Meine volle Empfehlung!





26. Februar 2022

Rezension [Hörbuch]: "Kurz vor Mitternacht" von Agatha Christie


Titel: Kur vor Mitternacht
Autor: Agatha Christie
Sprecher: Reiner Unglaub
Verlag: der Hörverlag
Seiten: 272
Dauer: 5h 25m
Preis: 7,95€

Agatha Christie ist eine Ikone der Krimi-Klassik. Und trotzdem sind ihre Geschichten auch in der heutigen Zeit überaus präsent und beliebt. Erst letzte Woche schaute ich die Neuverfilmung von „Tod auf dem Nil“ im Kino. Aber obwohl Filme ein wundervolles Medium sind, um in Christies Welt abzutauchen, bevorzuge ich doch definitiv die Bücher. Gibt es aber etwas noch besseres als einen Agatha Christie-Roman? Ja! Die Hörbuchversion von diesem! Für mich sind die Bücher der Autorin durch ihre charmante Ruhe und Ermittlungsart perfekt, um sie zu hören. Und als ich auf das Hörbuch „Kurz vor Mitternacht“ stieß, war mein Interesse sofort geweckt. Zwar kannte ich den Ermittler Superintendant Battle bisher noch nicht, aber einer der Protagonisten des Buches ist ein Tennisprofi. Meine Lieblingsautorin zusammen mit meiner Lieblingssportart? Das kann nur gut werden, dachte ich mir. Und so war es auch! Denn „Kurz vor Mitternacht“ ist ein großartiges Hörbuch!


Alle verbringen den Sommer in Gull's Point: der bekannte Tennisspieler Nevile Strange, seine jetzige Frau Kay und seine ehemalige Frau Audrey, deren Vetter Thomas und Kays alter Freund Ted Latimer und auch Rechtsanwalt Treves kommt zum Dinner. Das Gespräch dreht sich um das Rechtssystem, Mord, unmündige Täter und Gerechtigkeit. Am nächsten Tag ist Anwalt Treves tot, gestorben an einem Herzinfarkt. Oder hat dort jemand nachgeholfen? Auch die Gastgeberin Lady Tressilian hat nicht mehr lange zu leben. Superintendent Battle sieht sich einem so faszinierenden Fall gegenüber, dass er sogar seinen Urlaub vergisst.

Ich liebe den Tennissport. Und tatsächlich habe ich mich schon einmal bemüht, Bücher zu finden, in denen Tennis eine Rolle spielt. Gar nicht mal so einfach, kann ich euch sagen. Als ich im großen Repertoire von Agatha Christie also auf eine Geschichte stieß, in der Tennis zumindest in einer Form vorkommt, konnte ich mein Glück kaum fassen. „Kurz vor Mitternacht“ dreht sich zwar wahrlich nicht um die Sportart und trotzdem war mein Interesse sofort geweckt. Tatsächlich spielt der Tennisprofi Nevile Strange eine sehr wichtige Rolle in „Kurz vor Mitternacht“, steht er doch direkt unter Tatverdacht. Doch dazu gleich mehr.
Beginnen wir beim Allgemeinen. Ich habe das Buch als Download zur Verfügung gestellt bekommen und ich muss sagen, dass es absolut unkompliziert funktionierte. Ich begann sehr schnell mit dem Hören, denn auch durch die kurzen Tracks wird das Hören total erleichtert. Ein Track geht so um die drei bis vier Minuten, sodass man sich selbst oft dabei ertappt, doch noch schnell weiter zu hören. Vielleicht kennt ihr das von Büchern, die besonders kurze Kapitel haben? Mir war dieses Phänomen definitiv bekannt.
Der Sprecher Reiner Unglaub hat mir wirklich gut gefallen, da seine Stimme sehr authentisch zum Charakter von Superintendant Battle passt. Das kann man allerdings auch kritisch sehen. Unglaub hat eine sehr ruhige und tiefe Stimme, die manchmal sogar etwas unbeteiligt oder gleichgültig wirkt. Für mich persönlich passte das wie die Faust aufs Auge zum Ermittler, denn Battle ist nicht unbedingt der ehrgeizige, überambitionierte oder rasante Typ. Er hat eine gewisse Ruhe und strahlt Kompetenz aus. Deswegen empfand ich die Wahl des Sprechers als sehr gelungen, auch wenn er vor allem die Frauenrollen manchmal etwas hysterisch liest. Aber einen Vorwurf kann ich ihm auch nicht daraus machen, denn viele der weiblichen Figuren sind genau das: hysterisch. Kommen wir also zur Geschichte.
„Kurz vor Mitternacht“ hat eine wahnsinnig unterhaltsame und kurzweilige Geschichte. Ich habe sie an wenigen Tagen weggehört, weil ich auch wirklich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht. Die Story erscheint anfangs etwas diffus, weil die Autorin verschiedene Erzählstränge eröffnet, die auf den ersten Blick nichts mit dem Gesamtgeschehen zu tun haben. Warum begleiten wir Battle zum Beispiel dabei, wie er einen Diebstahl im Internat seiner Tochter aufdeckt oder wieso wird uns jemand vorgestellt, der Selbstmord begehen wollte und scheiterte. Was soll das mit den Todesfällen in Gull’s Point zu tun haben? Nun ja, ihr werdet es beim Hören erfahren. Denn tatsächlich gibt es keine unwichtigen Aussagen in der Geschichte. Aber worum geht es in der Geschichte denn jetzt? Alles in allem ist es ein klassisches Eifersuchtsdrama, das mit Mord endet. Oder nicht? Der berühmte Tennisspieler Nevile Strange besucht wie jedes Jahr seine Tante in ihrem Haus an der Küste gemeinsam mit seiner Frau Kay. Kay ist allerdings erst seit kurzem Nevils Frau. Seine Exfrau Audrey ist noch immer sehr gut mit Neviles Tante befreundet und besucht sie ebenfalls einmal im Jahr für ein paar Wochen. Und in diesem Jahr fallen beide Besuche also zusammen. Kann das gut gehen? Ein attraktiver Mann, der gleich mit zwei Frauen namens Misses Strange vor Ort ist? Nun ja, die Bezeichnung „Krimi“ gibt euch die Antwort: natürlich nicht. Doch es stirbt nicht etwas eine dieser drei Personen, sondern ein alter Freund von Neviles Tante und leider auch genau diese kurz darauf. Superintendant Battle ist eher durch Zufall vor Ort und ermittelt gemeinsam mit seinem Neffen.
Die Art zu ermitteln gefiel mir wirklich gut. Battle ist ein erfahrener und kompetenter Mann. Die Geschichte besteht aus vielen Befragungen und auch Irrungen. Allerdings taucht der Ermittler erst relativ spät in der Geschichte auf, sodass man sich als Hörer schon vorher sein eigenes Bild von den Charakteren machen kann. Das habe ich auch definitiv gemacht und ich hatte so meine Theorie. Das Tolle aber war, dass mich die Lösung des Falls letztlich total überraschen konnte. Darüber freue ich mich tatsächlich immer am meisten bei einem Krimi von Agatha Christie. Hier werden die Spuren ausgelegt und trotzdem ist am Ende dann doch alles ganz anders.
Die Charaktere sind wirklich gut gelungen und sie sind sehr verschieden. Manchmal hatte ich ein paar Probleme, die männlichen Rollen auseinanderzuhalten, aber das gab sich mit der Zeit. Vor allem die beiden Frauen fand ich sehr interessant. So richtig trauen kann man in dieser Geschichte sowieso niemandem. Es bleibt also Superintendant Battle überlassen, herauszufinden, wer Lady Tressilian kurz vor Mitternacht umbrachte.

Ich kann euch nur empfehlen Battle bei diesem Fall zu begleiten, denn die Wendungen und Fährten der Geschichte sind einfach klasse und sehr unterhaltsam. Die Geschichte ist kurzweilig und nicht zu kompliziert, doch gleichzeitig macht sie viele Handlungsstränge auf, sodass man eben nicht von allein auf die Spur des Mörders kommt. Der Schreibstil ist flüssig und Unglaubs Art zu lesen passt sehr gut zum Werk. Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und hatte immer das Bedürfnis, weiter hören zu wollen. Und deswegen vergebe ich die verdienten fünf Sterne. Spiel, Satz und Sieg? Fragt sich nur für wen.





24. Januar 2022

Rezension [Hörbuch]: "Verbrechen an der Themse" von Agatha Christie


Titel: Verbrechen an der Themse
Autor: Agatha Christie
Sprecher: Stephan Benson
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 9,99€
Dauer: 3h 20m


Krimis gibt es wie Sand am Meer. Auch gute Krimis lassen sich recht einfach finden. Aber Krimis mit der ganz besonderen Portion Charme hat in meinen Augen fast nur eine geschrieben: Agatha Christie. Ich liebe die Fälle, die diese Dame sich für ihre Inspektoren einfallen ließ und genauso sehr liebe ich ihre Charaktere. Miss Marple und Hercule Poirot stapeln sich in meinen Regalen und auch mein Hörbuchregal ist sehr gut gefüllt. Doch so langsam habe ich alle Fälle dieser beiden Detektive durchgehört. Warum sich also nicht mal eine andere Geschichte aus der Feder von Christie wagen und den etwas unbekannteren Ermittlern eine Chance geben? Genau das dachte ich mir, als ich mir das Hörbuch „Verbrechen an der Themse“ aus dem Hörverlag zulegte. Hier ermittelt Parker Pine, der mir bisher noch kein Begriff war. Vergleicht man ihn mit den Namen Marple oder Poirot, wird man leider enttäuscht. Doch Pine hat auch einen ganz anderen Anspruch, einen statistischen. Und deswegen lohnt sich diese Kurzgeschichtensammlung eben doch.

Agatha Christie lässt ihren beliebten Privatdetektiv Parker Pyne in den Straßen Londons ermitteln.
Christopher Parker Pyne ist im wohlverdienten Ruhestand. Doch bald wird ihm langweilig und so annonciert er in der »Times« und bietet seine Dienste als Privatdetektiv an.
Nicht lange, da kommt eine betrogene Ehefrau, die ihren Mann zurückerobern will, sowie ein Soldat, der Geld braucht und zudem eine Frau fürs Leben sucht. Als ein verzweifelter Ehemann bei ihm klingelt, kann Parker Pyne allen seinen Klienten helfen. Doch da wendet sich eine junge Frau an ihn, die einen Diebstahl melden will. Aber der Privatdetektiv durchschaut rasch ihre Machenschaften und überführt sie wegen Betrugs!

Beginnen wir mal mit den recht formalen Angaben. Bei „Verbrechen an der Themse“ handelt es sich um eine Kurzgeschichtensammlung, die auf drei CDs vertont wurde und insgesamt fünf Geschichten beinhaltet. Das Cover passt wunderbar zur Agatha Christie-Reihe aus dem Hörverlag und das Booklet ist ebenfalls gelungen. Es enthält nicht ganz so viele Informationen, aber wenn man einen Überblick über die vorkommenden Figuren braucht, kann man dies nachgucken. Hier ist also schon einmal alles gut gelungen.
Auch der Sprecher der Geschichten, Stephan Benson, ist sehr gut ausgewählt und hat eine hervorragende Stimme für diese Geschichten. Seine ruhige und sehr tiefe Stimme passt super zu Parker Pine, weshalb das Setting sehr authentisch ist. Das Tempo und seine Betonungen haben mir ebenfalls gut gefallen.
Kommen wir also nun zum Inhalt der Kurzgeschichten. Und das ist der Punkt, mit dem ich erst einmal zurechtkommen musste. Parker Pine ist im Ruhestand und war sein Leben lang berufstätig. Er war aber nicht etwa Ermittler, sondern Beamter. Pine beschäftigt sich mit Vorliebe mit Statistiken und überträgt deren Erkenntnisse quasi auf die Wirklichkeit. Er hat eine Art Konzept entwickelt, wie er unglücklichen Menschen – rein statistisch betrachtet – helfen kann. Und deswegen bietet er in einer Zeitungsannonce seine Dienste an. Jede Geschichte beginnt mit dieser Annonce, die da lautet „Sind die glücklich? Wenn nicht, melden Sie sich bei Parker Pine…“. Oh Wunder, jede Geschichte der Sammlung handelt von einer Person, die sich bei Pine meldet und er versucht ihr zu helfen. Warum die Menschen alle unglücklich sind, ist natürlich unterschiedlich und meist sehr alltäglich: unglückliche Beziehungen, zu wenig Aufregung im Leben…eben der Alltag. Parker Pine beginnt dann, für die jeweilige Person eine Verbesserungsmöglichkeit zu entwickeln. Zum Beispiel glaubt eine Frau, dass ihr Mann eine Affäre hat. Die beiden sind schon lang verheiratet und offenbar ist die Luft raus aus der Beziehung. In diesem Fall schickt Pine dann einen seiner Mitarbeiter vor, der sich um eben diese Dame bemüht, um den Mann quasi zu zeigen, wie begehrenswert seine Frau ist. Es handelt sich also vielmehr um Psychologie und ja, auch ein kleines bisschen Betrug. Zumindest habe ich es beim Hören oft so verstanden. Von richtiger Detektivarbeit ist nämlich nie die Rede. Und tatsächlich wird auch niemand in dieser Kurzgeschichtensammlung umgebracht. Es geht nur darum, unglückliche Menschen glücklicher zu machen – auf die ein oder andere Art und Weise. Hat Pine immer Erfolg? Könnte man meinen, ist aber nicht so. Das wiederum fand ich sehr spannend. Die Fälle an sich ähneln sich aber manchmal doch recht stark. Das war vor allem bei „Der Fall der Ehefrau in mittleren Jahren“ und „Der Fall des unzufriedenen Ehemanns“ so. Die anderen drei Fälle haben mir deutlich besser gefallen. Meine Lieblingsgeschichte war „Der Fall des unzufriedenen Soldaten". Hier wurde das Setting, aber eben auch die Handlung, verändert und so entstand Spannung.
Insgesamt sind diese Geschichten nett für zwischendurch. Der Charme von Christie kommt durchaus zum Vorschein. Aber das Konzept ist eben einfach anders. Auch tritt der Protagonist Parker Pine wirklich selten in den Vordergrund. Vielleicht konnte er mein Herz auch deswegen nicht ganz erobern. Ich würde durchaus wieder zu einer seiner Geschichten greifen, denn irgendwo sind seine Methode und der Ansatz der Statistik auch wirklich interessant. Wer aber auf der Suche nach einem spannenden Kriminalfall inklusive Leiche ist, wird hier enttäuscht. Wer bei Alltagstätigkeiten, wie zum Beispiel Kochen, vom Alltag abgelenkt werden möchte, kann diese Sammlung allerdings ganz wunderbar hören.

Ich habe die Geschichten anfangs mit Skepsis und später mit viel Spaß gehört. Nachdem man sich an das Konzept von Parker Pine gewöhnt hat, wird man von dieser Kurzgeschichtensammlung gut unterhalten. Dennoch bietet sie nicht viel Nervenkitzel und die Spannung ist eine etwas seichtere. Für mich war es eine interessante und charmante Erfahrung und deswegen vergebe ich vier von fünf Sternen.