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25. April 2025

Rezension: "Die erste Tochter - Adelsspross" von Katharina Maier




Titel: Die erste Tochter - Adelsspross
Autorin: Katharina Maier
Verlag: selfpublished
Preis: 12,00€
Seiten: 336

Vor kurzem wurde ich auf eine Buch aufmerksam, das wirklich einen sehr interessanten Genre-Mix verspricht: Sci-Fi, Zukunftsroman, Fantasy und Gesellschaftsroman. Das passt alles nur schwer zusammen? Das mag sein. Bei „Die erste Tochter – Adelsspross“ funktioniert es thematisch allerdings sehr gut! Eine Gefahr einer so großen Aufgabe? Vor lauter neuer Blickwinkel, verliert man vielleicht den Fokus. Und trotz wirklich toller Idee, vielen spannenden Charakteren und interessanter Handlungsstränge, ist dies meiner Meinung nach auch hier passiert.

Ein Mädchen erkennt, dass sie fliegen möchte und nicht darf. Myn wächst auf einem Planeten auf, über dem Raumschiffe fliegen und auf dem Väter das letzte Wort haben.

Der Klappentext sagt nicht allzu viel über die Handlung des Buches aus. Man sollte dazu vielleicht wissen, dass die Reihe auf sieben Teile ausgelegt ist. Daher ist es einleuchtend, dass „Adelsspross“ ein Auftakt ist, der vor allem in die fremde Welt einführen soll. Die Figuren werden vorgestellt und man wird mit dem Setting als solches erst einmal bekannt gemacht. Das gelingt auch definitiv. Es ist allerdings auch extrem notwendig.
Lasst mich erklären, was ich meine: Die Autorin Katharina Maier hat sich einiges vorgenommen. Die junge Protagonistin Mynrichwy Neoly wächst auf dem Planeten Singis auf. Ihre Welt ist vom Patriachart bestimmt und es gibt feste gesellschaftliche Regeln. So weit, so gut. Doch schon anhand des Namens, der immerhin meistens mit „Myn“ abgekürzt wird, merkt man, dass es kompliziert werden könnte. Und das tut es. Maier hat sich eine Welt aufgebaut, die man nicht ohne Weiteres versteht. Es gibt unzählige Planeten, Völker, fantastische Wesen, Fachbegriffe und unglaublich komplizierte Namen. Die Namen sind nicht nur kompliziert, sie sind für den normalen deutschen Wortschatz auch gar nicht aussprechbar. Das ist per Se nicht schlimm. Aber bei mir sorgte es dafür, dass ich die Figuren nicht sofort fassen konnte. Manchmal wusste ich auch nicht, wer jetzt nochmal wer war. Und vermutlich habe ich sie alle in meinem Kopf falsch ausgesprochen. Glücklicherweise gibt es ein „Who is who“ im Buch. Des Weiteren gibt es ein langes Verzeichnis an Begriffen, die verwendet werden. Hat man die Print-Ausgabe, sollte man die Möglichkeit definitiv nutzen und immer wieder hineinschauen. Ich habe das auf dem E-Reader nicht getan und mir einiges einfach im Zusammenhang erschlossen. Es gibt zum Beispiel eigene Begriffe für die Zeitrechnung der Singisen (keine Stunden oder Wochen, sondern Mnegau und Nysda). So etwas habe ich dann auch so verstanden. Trotzdem sorgte es bei mir erst einmal für Verwirrung. Die geschaffene Welt von Maier ist einfach so groß und komplex, dass es mich zunächst überforderte.
Wenn wir beim Komplizierten bleiben, dann kann ich als nächstes die Erzählform benennen. Im Grunde ist Myn die Erzählerin. Zu ihr baut man auch schnell eine Beziehung auf. Man begleitet sie über Jahre hinweg. Doch dann schleichen sich auch andere Erzähler ein. Und ehrlich gesagt, weiß man nach dem Lesen des Buches gar nicht so genau, wer das jetzt war. Ich vermute, dass es sich um „Fräulein Tod“, also den Tod selbst, handelt. Klingt etwas verrückt, ist aber so. Und dann gibt es Zeitsprünge, in denen Myn offenbar erwachsen ist und sich mit einem Terraner auf der Erde unterhält. Diese drei Erzählformen wechseln nicht regelmäßig, sodass ich auch hier mal den Überblick verloren habe.
Das klingt jetzt alles so unglaublich negativ. Deswegen wird es Zeit, dass ich mal das viele Gute benenne. Innerhalb der Geschichte fühlt man sich definitiv wohl. Dadurch, dass man Myn schon mit neun Jahren kennenlernt, bekommt man ein gutes Gefühl für ihren Charakter. Ihre Familie ist für die Geschichte sehr wichtig. Und auch, wenn die Handlung irgendwo im Weltall spielt, hat die Familie Neoly doch ganz normale Probleme. Die Eltern streiten sich, es gibt Vertrauensbrüche, Geschwister sind nicht immer einer Meinung und jeder hat so seine Geheimnisse. Auf diese Art und Weise gelingt es Maier auch, sehr aktuelle Probleme wie häusliche Gewalt oder Vereinsamung einzubauen. Denn tatsächlich passen diese Themen wirklich gut in die Handlung! Insgesamt wird viel Gesellschaftskritik geübt. Und natürlich sind die Parallelen zwischen unserer und der singischen Welt gewollt. Ich hätte den Figuren so gern immer wieder „Wehret den Anfängen!“ zugerufen. Denn das große politische Problem, das sich aufbaut, ist schon in diesem Auftaktband klar! Minderheiten werden gezielt aufgebaut, ausgeschlossen und zum Feind gemacht. Eine Gesellschaft beginnt, die Lügen einzelner zu glauben und man wird blind für das Offensichtliche. Die Darstellung, wie so etwas von Statten gehen kann, war einfach großartig! Als Geschichtslehrerin bin ich bei solchen Themen sehr sensibel und hier muss ich der Autorin wirklich ein Kompliment machen. Ich bin sicher, das Thema gewinnt in den nächsten Bänden noch weiter an Präsenz.
Toll ist auch die Beziehung zwischen Myn und ihrer Mutter. Lys ist eine sehr starke Frau, auf deren Geschichte man wirklich neugierig wird. Sie sorgt für viel Spannung. Insgesamt ist das Buch ab dem Mittelteil wirklich gut. Das Ende war zwar irgendwie vorhersehbar, aber es ist auch die logische Folge der Ereignisse.
Insgesamt gibt es so viele Themen in „Adelsspross“, dass ich sie gar nicht alle benennen kann. Aber es ist trotz seichtem Einstieg wirklich spannend. Man kommt gut in Myns Welt an, gewöhnt sich an die vielen Charaktere und beginnt, die Geschichte zu verstehen. Zumindest, wenn man sich darauf einlässt. Das kann ich auch nur empfehlen.
Ein Punkt, der es mir allerdings erschwert hat, ist der ungewöhnliche Schreibstil der Autorin. Maier versucht sehr bildgewaltig und trotzdem poetisch zu schreiben. Ich würde schon sagen, dass sie Wert auf eine gewisse Bildungssprache legt, meiner Meinung nach gelingt das nur nicht immer. Sie schreibt sehr gern hypotaktisch, sodass manche Sätze wirklich unglaublich lang sind. Mich hat aber etwas mehr die blumige Art des Erzählens gestört. Ein Beispiel:
„Ein satter, kühler Wind bauschte die Stoffbahnen um sie herum und mischte sich mit ihrem hellen schwarzen Haar.“ (42%)
Ich kann nicht ganz aus meiner Haut. Da mein zweites Fach neben Geschichte Deutsch ist, muss ich zugeben, dass ich einen solchen Satz bei einem Schüler oder einer Schülerin als unlogisch angestrichen hätte. Nicht nur, dass mir die Bedeutung des Satzes bis heute nicht klar ist; für mich gibt es auch kein „helles, schwarzes Haar“. Das ist ganz schlicht ein Paradoxon – als sprachliches Mittel völlig legitim, hier aber ziemlich merkwürdig. Über solche Sätze bin ich immer wieder gestolpert, weshalb ich mit dem Schreibstil bin zum Ende nicht ganz warm wurde.

„Die erste Tochter – Adelsspross“ ist ein so großes Projekt, dass man ihm erst einmal eine Chance geben muss. Tut man das, verliebt man sich in viele Aspekte der Geschichte. Die Charakterzeichnung ist gut gelungen, die Welt insgesamt sehr faszinierend und auch die Geschichte nimmt Spannung auf. Hinzu kommt aber, dass das ganze Setting extrem – und meiner Meinung nach unnötig – kompliziert ist. Authentizität in allen Ehren, aber hier war es mir zu viel. Vor allem der Schreibstil sorgte bei mir permanent für Verwirrung. Wäge ich all dies ab und berücksichtige den tollen Genre-Mix, komme ich insgesamt zu einer Wertung von 3,5 Sternen. So viel ist sicher: Die erste Tochter hat noch eine ganze Menge im Petto.



13. Juli 2020

Rezension [Rezension]: "Star Wars Episode IX - Der Aufstieg Skywalkers"



Titel: Star Wars Episode IX - Der Aufstieg Skylwakers 
Sprecher: Alexander Doering 
Verlag: Der Hörverlag 
Preis: 9,99€ 
Dauer: 5h 51m

„Möge die Macht mit dir sein“ – wie schrecklich ist es bitte, dass dieser Satz für eine lange Zeit nicht mehr auf der Kinoleinwand gesagt werden wird?! Denn wie wir alle wissen, ist die Geschichte rund um Ray, Poe und Co. mit „Star Wars Episode IX - Der Aufstieg Skylwakers“ abgeschlossen. Keine epischen Weltraumschlachten mehr, kein Wiedersehen mit Luke, Leia und Han. Vorbei.
Mein Fan-Herz kann das nur sehr schwer akzeptieren. Deswegen habe ich mich umso mehr gefreut, als die Geschichte zum Film endlich als Hörbuch erschien und ich mich doch noch ein letztes Mal für ein paar Stunden mit den liebgewonnen Charakteren der neuen Episoden in die weit entfernte Galaxis stürzen konnte. 
Genießt noch einmal die komplette Episode mit all ihren epischen Szenen und lasst euch von Alexander Doerings betörender Stimmer verzaubern. Es lohnt sich!




Etwas ist erwacht. Jede Generation hat eine Legende. Niemand geht je wirklich.
Die über 42 Jahre erzählte Skywalker-Saga um Luke, Leia und den Kampf gegen die dunkle Seite der Macht findet mit Episode IX ihr gigantisches Finale. Wird der Widerstand um Rey und Finn die erste Ordnung und Kylo Ren besiegen können? Der Kinoblockbuster erstmals für Kinder erzählt.



Tja. Der Klappentext des Verlags ist nicht wirklich aussagekräftig. Wahrscheinlich geht man davon aus, dass jeder einfach zu wissen hat, wovon die Geschichte handelt (, was die meisten sicher auch tun). Im Grunde behandelt „Star Wars“ in jeder einzelnen Episode den altbewährten Kampf zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel. Natürlich ist genau dieser auch Grundlage der neunten Episode. Ray, Poe und Finn sind führende Köpfe der Rebellion. Kylo Ren führt hingegen die Erste Ordnung an und alles läuft auf ein gigantisches Finale zwischen beiden Parteien hinaus. 
Und genau dieses gigantische Finale braucht die Star Wars Reihe auch. Es gibt definitiv Kritiker, denen die abschließende Episode nicht gefällt. Diesen muss ich leider sagen, dass ihnen das zum Film gehörige Hörbuch sicher auch nicht gefallen wird. Denn – oh Wunder – das Hörbuch gibt die Geschichte des Films wieder. Und das tut es auf recht detaillierte Art. Mich irritiert tatsächlich der ständige Hinweis (Cover und Klappentext), dass das Buch für Kinder erzählt wird. Natürlich ist Star Wars relativ kinderfreundlich und viele Kinder sind sicher fasziniert von der Geschichte. Richtige Hinweise darauf, dass das Hörbuch primär für Kinder gemacht wurde, habe ich allerdings keine gefunden. Ich bin bereits weit weg vom Kindesalter und bin vollständig auf meine Kosten gekommen. Bitte lasst euch also von dem kleinen Hinweis nicht stören. Es gibt keine zusätzliche Musik, eingesprochene Dialoge oder Originalübernahmen aus dem Film. Es handelt sich ganz simpel um das eingesprochene Hörbuch zum Film.
Daher hält sich die Geschichte auch so ziemlich Szene für Szene an den Film. Ein großer Pluspunkt des Hörbuchs sind die zusätzlichen Informationen, die man im Film so nicht bekommt. Zum einen meine ich damit das Offensichtliche: das Innenleben der Figuren. Ich konnte während des Hörens Kylo Ren/ Ben einfach viel besser verstehen. Ich spürte seine Zerrissenheit und empfand die Geschichte weitaus authentischer, als auf der Leinwand. Man erfährt auch eine ganze Menge über die Gefühle der anderen Figuren, wie zum Beispiel Ray. Für mich war Kylo Ren in dieser Hinsicht allerdings am spannendsten. Sehr interessant ist übrigens auch, dass zwei, drei Kapitel aus der Sicht von C3PO verfasst sind. Somit erlebt man erstmals die „Gefühle“ des Droiden hautnah. Das fand ich wirklich sehr schön. 
Zum anderen meine ich mit den zusätzlichen Informationen Dinge, die im Film zwar vorkommen, für deren Erklärung aber keine Zeit bleibt. So erfährt man zum Beispiel die Namen und Geschichten der „Ritter von Ren“. Einige Informationen und Filmszenen sind hingegen weggelassen worden. Darunter fallen beispielsweise das Gespräch zwischen Poe und seiner alten Freundin, während an C3PO herumgeschraubt wird und leider auch die allerletzte Szene. Tatsächlich finde ich letzteres wirklich blöd. Mir hat die Abschlussszene des Films (Ray auf Tatooine) sehr gut gefallen. Meines Erachtens ist sie auch für den Titel der Episode nicht irrelevant und deswegen finde ich es nicht gut, dass das Hörbuch eben nicht mit dieser Szene abschließt, sondern kurz davor.
Neben diesem Punkt bleibt mir aber tatsächlich keine weitere Kritik. Wenn man den Film mag, dann mag man auch die Geschichte des Hörbuchs. Die epischen Schlachten sind großartig dargestellt, Zusammenhänge werden viel klarer, das Innenleben der Figuren ist toll beschrieben und die ganze Geschichte bekommt mehr Tiefgang. Die Schauplätze sind schön dargestellt und die Geschichte wird zwischenzeitlich richtig emotional.
An diesem emotionalen Touch trägt Alexander Doering einen großen Anteil. Der Synchronsprecher von Poe Dameron konnte mich bereits im Hörbuch zu Episode VIII überzeugen. In diesem Hörbuch steigert er sich sogar noch einmal. Doering liest sehr betont und gibt jeder Figur eine eigene Nuance. Das Sprechtempo ist der Spannung der jeweiligen Szene angepasst und deswegen macht er die ganze Sache noch spannender. Insgesamt ist seine Stimme sehr ruhig, tief und dadurch angenehm. Ich habe dem Hörbuch deswegen sehr gern zugehört! Für mich hat Doering eine der besten Synchronstimmen überhaupt, muss ich gestehen und hier macht er einen ganz hervorragenden Job.



„Star Wars Episode IX – Der Aufstieg Skywlakers“ ist ein würdiger Abschluss der (Hörbuch-) Reihe, der einfach nur Spaß macht. Ich persönlich finde die komplette Handlung dieser Episode fantastisch, weshalb mir das Gerüst des Hörbuchs auch sehr gut gefallen hat. Hinzu kommen die tollen Hintergrundinfos und die großartige Stimme von Alexander Doering. All das zusammen bringt mich zur abschließenden Wertung von verdienten 5 Sternen. Ich freue mich sehr, dass dieser neuste Star Wars Teil auf eine gewisse Weise klassisch geblieben ist, bin aber umso trauriger, mich nach diesem Hörbuch nun eben doch von den Charakteren verabschieden zu müssen. Aber immerhin mit fünf Sternen im Gepäck…


               

26. Oktober 2018

Rezension: "Rebellin der tausend Sterne" von Rhoda Belleza



Titel: Rebellin der tausend Sterne
Autor: Rhoda Belleza
Verlag: cbj
Preis: 15,00€
Seiten: 416

Auf „Rebellin der tausend Sterne“ hatte ich mich in diesem Herbst besonders gefreut. Der Vorgänger war sehr interessant und hat auch dank seiner Unkonventionalität einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das von Rhoda Belleza entworfene Universum ist komplex und wahnsinnig kompliziert. Auch nach dem Lesen des zweiten Bandes hat man das Gefühl, nur einen Zentimeter der Galaxie kennengelernt zu haben. Und das verwirrt den Leser durchaus. Insgesamt liegt dem finalen Teil eine spannende Idee zu Grunde, doch vor allem zu Beginn weist „Rebellin der tausend Sterne“ sich ziehende Längen auf. Ich habe mit Rhee gefiebert, doch für Kara konnte ich mich nicht erwärmen. Das Buch hat mich allerdings sehr überrascht und am Ende unglaublich mitgenommen, so dass meine Gefühlswelt vollkommen auf den Kopf stand. Nicht jede Seite dieses Buches ist umwerfend und dennoch handelt es sich um eine besondere Reihe! Für Star Wars Fans durchaus die richtige Lektüre!

Rhee, zukünftige Herrscherin von Kalu, steht vor Erzfeind Nero, dem Medienstar, der sie ermorden lassen wollte. Schließt sie einen Deal mit ihm oder entlarvt sie Neros perfide Absichten und entfesselt somit einen Krieg, den sie im Alleingang kaum gewinnen kann? Doch am anderen Ende des Universums plant Aly, Rhees gesuchter vermeintlicher Mörder, Nero zu töten, sobald sich die Gelegenheit bietet. Gleichzeitig versucht Alys Freundin Kara, den Overwriter zu vernichten, mit dem Nero die Erinnerung aller manipulieren und sich das Universum untertan machen will. Von alledem ahnt Rhee nichts – und schon gar nicht, dass Kara ihre totgeglaubte Schwester Josselyn ist, und damit die wahre Thronerbin.

Kennt man Band eins, will man nach dem Lesen des Klappentextes sofort zum Finale dieser Dilogie greifen! Denn ganz ehrlich, der Klappentext ist umwerfend! Und so ähnlich verhält es sich auch mit der Idee der Autorin. Ich bewundere Rhoda Belleza für das Konzept der Reihe wirklich sehr. Sie hat etwas gewagt und eine Star-Wars-ähnliche Galaxie erschaffen, die aber doch ihre ganz eigene ist. Dabei wählt sie eine unkonventionelle Vorgehensweise. Denn schon in Band eins fehlt die Einführung in dieses Universum. Zwar gibt es in beiden Büchern ein Glossar, das einen guten Überblick über Personen und Planeten bietet, doch so richtig findet man sich trotzdem nicht zurecht. Mich hat das in „Herrscherin der tausend Sonnen“ überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil – ich fand es erfrischend anders. Die Geschichte konnte man schließlich trotzdem genießen! Direkt zu Beginn des zweiten Teils tritt dieses Problem aber wieder in den Fokus. Es gibt eine Handvoll Planeten, die wirklich wichtig sind. Diese haben Bündnisse miteinander, oder führen Kriege. Es ist nicht ganz einfach, wieder in dieses Konstrukt zu finden, denn einen richtigen Einstieg ins Buch gibt es nicht. Es wird nahtlos an die Geschichte angeschlossen und dem Leser wird keine Zeit zum Verschnaufen gegeben. So ist ein flüssiger Übergang garantiert, erinnert man sich aber nicht so gut an manche Personen oder Planetenbündnisse, ist man als Leser aufgeschmissen. Das als Vorwarnung. Insgesamt finde ich das Universum der Autorin immer noch absolut umwerfend. Doch – ich kann den Grund nicht benennen – irgendwie fehlt der Zugang zu dieser Welt. Eine richtige Identifikation findet nicht statt. Man ist Zuschauer und Besucher, aber nie Beteiligter.

5. August 2018

Rezension [Hörbuch]: "Wie Sterne so golden" von Marissa Meyer



Titel: Wie Sterne so golden
Autor: Marissa Meyer
Sprecher: Vanida Karun
Verlag: silberfisch (HörbucHHamburg)
Preis: 19,99€
Seiten: 576
Dauer: 969 Min.


Nachdem ich den ersten und zweiten Teil der Luna-Chroniken auch als Hörbuch verschlungen hatte, war Teil drei mit dem Titel „Wie Sterne so golden“ an der Reihe. Dieser Teil war schon immer mein Liebling der Reihe und deshalb freute ich mich sehr auf das Hören. Die Luna-Chroniken haben ihren ganz eigenen Zauber und Marissa Meyer hat es geschafft das klassische Märchen mit Science-Fiction Elementen zu etwas ganz Neuem zu machen. Mit jedem Buch taucht ein weiterer „Märchencharakter“ auf, der in die große Geschichte aufgenommen wird. In diesem Teil handelt es sich dabei um Cress, eine lunarische Programmiererin, in die sich jeder Hörer sofort verlieben muss. Allerdings kam ich erst spät so richtig in die Geschichte, was daran lag, dass ich mit wenig Konstanz hörte. Immer mal wieder ein Bisschen reichte einfach nicht, um in die Magie der Luna-Chroniken einzutauchen. Deshalb konnte ich dieses Hörbuch zwar wieder genießen, war aber erst zum Ende hin absolut überzeugt.

Seit ihrer Kindheit hat Cress die Erde nur aus der Ferne betrachten können. Unter strenger Aufsicht der bösen Königin Levana führt sie in ihrem Satelliten ein wenig abwechslungsreiches Leben. Doch immerhin hat sie sich mit den Jahren zu einer begnadeten Hackerin entwickelt und verschafft sich so Zugang zu Levanas geheimen Plänen. Da taucht plötzlich das Raumschiff von Cinder bei ihr auf, die ihr zur Flucht verhilft. Doch wird sie auf der Erde den Ritter in der glänzenden Rüstung finden, von dem sie immer geträumt hat?

Ich habe schon oft betont, dass ich Marissa Meyers Idee, wie auch Umsetzung der Luna-Chroniken grandios finde. Sie hat vier vollkommen eigenständige Märchen adaptiert und zu einer großen Geschichte gemacht. Alle vier Märchen stehen in ihrer jeweiligen Geschichte im Mittelpunkt und sind gleichzeitig Teil des großen Ganzen. Hätte ich die Reihe nicht bereits gelesen, würde ich kaum glauben, dass das so gut funktionieren kann. Doch das tut es. 
Als ich die Luna-Chroniken als Hörbuch begann, wusste ich, was mich erwartet. Allerdings hängt immer viel vom Sprecher ab. Der Silberfisch-Verlag, bei dem die Hörbücher in ungekürzter Fassung erschienen sind, hat sich Vanida Karun als Sprecherin ausgewählt. Sie hat eine ungewöhnliche Stimme, die mir anfangs fast piepsig erschien. Doch mit der Zeit gefiel sie mir in den ersten beiden Hörbüchern immer besser. Und das hat sich auch in Teil drei nicht geändert. Vanida Karun liest die Geschichte ruhig und in einem sehr angenehmen Tempo. Das wurde mir so richtig bewusst, als ich nach Beenden des Buches ein anderes Hörbuch anfing und der Sprecher absolut chaotisch und schnell sprach. Das tut Karun nicht. Man kann ich wunderbar folgen und sie verleiht der Geschichte mit ihrer Stimmvariation Leben. Ich liebe ihre Interpretation von Iko, aber auch von Captain Thorn. Sie verstellt ihre Stimme markant und schafft so für viele Charaktere ganz individuelle Stimmen. Das ist sehr abwechslungsreich und macht das Hören spannend. Meiner Meinung nach spricht Karun die Geschichte wahnsinnig gut und passend. Ich glaube zwar auch, dass vielen die Tonlage ihrer Stimme nicht ganz gefällt, ich gehöre aber nicht dazu. Durch die Abwechslung der Stimmen entstehen Gespräche, wie in einem Hörspiel, so dass man das Geschehen des Hörbuchs richtig vor Augen hat. 
Natürlich sorgt auch der gute Stil von Marissa Meyer für den Fluss der Geschichte. Sie schreibt sehr bildhaft und detailreich, gleichzeitig aber verträumt und romantisch. Es gibt Liebe und Action und insgesamt passiert in „Wie Sterne so golden“ sehr viel. Das liegt auch daran, dass es mit Fortlaufen des Buches immer mehr Schauplätze gibt. Schließlich sind die Handlungen der einzelnen Bücher fast unabhängig voneinander, bevor alle Geschichten aufeinander treffen. So gibt es immer wieder Wechsel der Perspektiven und Änderungen der Handlungsorte. Am Ende dieses Buches laufen beinahe alle Handlungsstränge zusammen, aber eben nur beinahe. Verwirrt ist der Leser/ Hörer dennoch nie, denn man behält die Übersicht. Die Handlung ist immer spannend und abwechslungsreich. Am Ende der Kapitel will man unbedingt wissen, wie es weiter geht, dann blendet die Geschichte aber woanders hin und am Ende von dieser will man wieder unbedingt dort bleiben, bevor die Handlung eben wieder wechselt. Es ist ein sehr schönes Gefühl, dass beinahe alle Handlungsabschnitte gleichspannend sind.
Die Charaktere sind wieder überdurchschnittlich gut gelungen. Cress ist die Hauptfigur dieses Buches, obwohl Cinder ebenfalls Protagonistin bleibt. Nur Scarlet muss in diesem Buch etwas kürzer treten. Cress ist ein so liebevoller und wunderbarer Charakter. Sie war ihr Leben lang allein, was sie ein bisschen merkwürdig, aber so liebenswert gemacht hat. Ihre Monologe sind witzig und süß. Ich mochte sie immer schon sehr. Auch Cinder gefällt mir inzwischen besser, als zu Beginn. Die Männer sind sowieso toll. Fand man Kai im ersten Teil schon gut, muss er von Wolf und Thorn überstrahlt werden. Thorn ist in diesem Teil eine Art Held und es gefiel mir gut, dass er so in den Vordergrund rückte. Insgesamt ist das Figurenkonstrukt absolut gelungen, auch die Bösewichte erfüllen ihre Rolle wirklich gut.
Dennoch hatte ich so meine Probleme mit dem Hörbuch. Wie ich schon sagte, habe ich nicht sehr regelmäßig gehört und brauchte sehr lange. Wenn die Kontinuität fehlt, gelingt es auch dieser großartigen Geschichte nicht, den Hörer für sich zu gewinnen. Schließlich ist die Geschichte sehr groß angelegt und dementsprechend komplex. Diese Komplexität kann anstrengend sein, wenn man sich zu viele Pausen nimmt. Und das war bei mir der Fall. Ich kann euch also nur empfehlen, dieses Hörbuch in einem Fluss zu hören, statt alle paar Tage ein kleines Stück. Meines Erachtens kann das Buch nichts dafür. Es ist jedem schließlich selbst überlassen, wie schnell er es hört. Als ich wieder viel Zeit hatte, wurde das Buch in einem Rutsch gehört. Man merkt dann gar nicht mehr, wie die Stunden vergehen. Doch man muss sich eben Zeit nehmen, damit dieser Effekt eintritt. Ich freue mich jedenfalls sehr auf den Abschlussteil, denn dieser ist, obwohl als letztes gelesen, in meinem Kopf am wenigsten präsent.


Auch „Wie Sterne so golden“ kann dank der großartigen und komplexen Handlung, samt all seiner phänomenalen Figuren, zu einem wahren Hörgenuss werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass man sich die Zeit nimmt, die die Geschichte braucht und mit ihr in ein neues Universum eintaucht. Hat man diese Zeit nicht, kann das Hören anstrengend und verwirrend werden. Hat man sie aber, wird „Wie Sterne so golden“ den Hörer entführen und ihn zu einem Teil der Mannschaft um Cinder machen. Ich hatte viel Spaß mit der Geschichte und den Charakteren. Es gibt Spannung, Action, Liebe und Trauer. Es passiert wahnsinnig viel und deswegen darf man nur gespannt sein, wie das letzte Märchen Einzug in die Luna-Chroniken finden wird. Auch die Sprecherin liefert wieder eine sehr gute Leistung ab. Und deswegen vergebe ich 4,5 Spitzenschuhe.



18. Juni 2018

Rezension: "Herrscherin der tausend Sonnen" von Rhoda Belleza


Titel: Herrscherin der tausend Sonnen
Autor: Rhoda Belleza
Verlag: cbt
Preis: 14,99€
Seiten: 400


Ich bin ein großer Star Wars Fan und doch lese ich sehr selten im Bereich Sci-Fi. Dabei finde ich den Weltraum als Handlungsort sehr faszinierend und vielleicht bin ich auch deswegen am Titel „Herrscherin der tausend Sonnen“ hängen geblieben. Das Cover war ein Blickfang und die Softcover-Ausgabe ist hochwertig gestaltet. Der erste äußere Eindruck war absolut positiv, der Klappentext klang interessant und so begann ich mit dem Lesen. Der Stil von Rhoda Belleza ist relativ ungewöhnlich. Manchmal ist er etwas sprunghaft, manchmal distanziert. Aber trotzdem konnte sie mich schnell mit all ihren neuen Begriffen in das Universum von Rhee ziehen! Und ich habe Rhees und Alys Geschichte sehr gern verfolgt. Bedauerlicherweise merkte ich erst im Epilog, dass es sich um eine Dilogie handelt – ups.

Prinzessin Rhee Ta'an beherrscht das Schwert meisterhaft und will nur eins: Rache. Nachdem ihre Familie ausgelöscht wurde, ist sie für den korrupten Kronregenten lediglich eine Marionette. Jetzt, mit fast 16, wird sie die Kaiserkrone tragen und hofft, endlich die Mörder ihrer Angehörigen zu bestrafen. Doch dann entkommt Rhee selbst nur knapp einem Anschlag und muss untertauchen. Zur gleichen Zeit verschwindet ihr vermeintlicher Mörder – Pilot Alyosha, eben noch galaktischer Superstar, nun von der Regierung gejagter Verbrecher. Aly und Rhee ahnen noch nicht, dass das Schicksal der ganzen Galaxie in ihren Händen liegt: Eine dunkle Macht droht ihre Welt in einen interplanetaren Krieg zu stürzen ...

Kronregent, Wraetaner, Ta’an, Tai, Kalusianer und, und, und…. Am Anfang von „Herrscherin der tausend Sonnen“ wird der Leser mit einer Neologismus- und Vokabelflut beinahe überrollt. Neue Worte, neue außerirdische Völker und natürlich neue Medien, wie der „Würfel“. Dieses Buch zu beginnen ähnelt einem Sprung ins kalte Wasser. Doch gibt man dem anfänglichen Chaos eine Chance, gelingt das Zurechtfinden doch recht schnell. Der Einstieg in die erschaffene Welt der Autorin Rhoda Belleza geschieht unmittelbar. Es werden keine großen Versuche unternommen, den Leser einzuführen – all das geschieht nebenbei. Aber irgendwie gefiel mir diese unmittelbare Erzählweise sehr gut! 
Zu Beginn steht die Prinzessin, die letzte Ta’an, die Rose der Galaxie und natürlich Thronerbin, namens Rhee. Vor vielen Jahren wurde ihre Familie ermordet und nun soll sie mit 16 Jahren den Thron besteigen. Doch Rhee will eigentlich nur eines: Rache. Denn sie ist sich sicher, dass der Kronregent Seoras ihre Familie verraten hat. Für Rhee beginnt eine Reise in die Welt der Intrigen und Manipulation und schnell merkt sie, dass sie niemandem trauen kann. Rhee ist die Protagonistin und mit gefiel sie wirklich gut! Sie ist noch relativ jung und handelt nicht immer rational. Sie lässt sich von ihren Gefühlen leiten, lässt sich von manchen Wesen betrügen und merkt erst spät, in was für eine Intrige sie geraten ist. Rhee ist manchmal naiv, aber sehr stark und zielstrebig. Im Laufe der Geschichte macht sie einen tollen Wandel durch und für mich war ihre Entwicklung absolut authentisch. Ein junges Mädchen, zu Höherem geboren und eigentlich doch nicht dafür bereit. Leidend und allein. Und zwischen all dem soll sie ihren Weg finden. Die Lage scheint aussichtslos und doch habe ich Rhee sehr bewundert, obwohl sie vieles nicht so gemacht hat, wie ich es mir gewünscht hätte. Rhee ist die Heldin des einen Erzählstranges, doch es gibt einen zweiten. Beide Geschichten wechseln sich Kapitel für Kapitel ab. Zuerst lernt man Rhee kennen und danach Alyoscha. Aly ist ein Wraetaner und auch wenn ich nicht genau weiß, wie ich mir dieses Volk vorstellen soll, ist es sehr menschlich und dennoch in der Galaxie verschrien. Die Wraetaner sind unbeliebt und werden verachtet. Gegen sie führte man unter anderem den großen Krieg, der eine zentrale Bedeutung für die Geschichte hat. Aly ist Raumpilot und eine Art Fernsehstar. Anfangs erschien mir die Kombi skurril und verwirrend, aber andererseits ist der Aufbau der Geschichte im Allgemeinen so. Und dennoch passt alles zusammen. Wenn man die ganze Galaxie bereisen kann, hat sich auch die restliche Technik entwickelt und natürlich gibt es Unterhaltungsmedien. Aly ist mit seinem besten Freund gemeinsam so etwas wie ein Reality-TV-Star, doch auch er rückt in den Fokus der Galaxie: Denn er soll Rhee ermordet haben. Natürlich lebt Rhee noch und so beginnen auch hier die Intrigen.
Ich gebe an dieser Stelle auf, die Handlung von „Herrscherin der tausend Sonnen“ beschreiben zu wollen. Es ist einfach zu kompliziert, wenn man das Buch nicht kennt und für jeden neutralen Leser nur verwirrend. Im Grunde geht es also um zwei Menschen, die sich nie bewusst begegnen, die aber beide in die große Intrige der Herrschaft des Universums verwickelt sind. Rhee soll von Aly ermordet worden sein. Rhee ist allerdings nicht tot, obwohl die Galaxie das denkt und Aly ist kein Mörder. Beide sind auf der Flucht, beide suchen ihren Platz. Und versuchen nebenbei den machtgierigen wahren Bösewicht auszuschalten. Gut gegen Böse. Krieg der Sterne. Klassische Elemente.
Ich muss sagen, dass es beinahe unmöglich ist, jede Kleinigkeit des Buches zu verstehen, aber das macht gar nichts. Denn die Geschichte konnte mich dennoch packen und vielleicht müssen auch ein paar Fragezeichen erhalten bleiben. Schließlich gibt es einen zweiten Teil.
Die Handlung war meiner Meinung nach zu jeder Zeit spannend und ich habe immer gern zu diesem Buch gegriffen. Die Figurenentwicklung ist authentisch und der Weltentwurf der Autorin durchaus logisch, auch wenn nicht alles erklärt wird. Die Galaxie ist dennoch gut gelungen! 
Was mich ein wenig verwirrt hat, war der Stil. Grundsätzlich passt die relativ neutrale Beschreibungsweise gut zur Geschichte. Manche Charaktere werden stärker beleuchtet, als andere, was in Ordnung ist. Die Welt wird ausreichend erklärt. Doch manchmal passieren Dinge zu schnell und zu unangekündigt. Innerhalb eines Absatzes geschieht manchmal eine riesige Veränderung, die gar nicht richtig in die Geschichte passt. Das ist zwei, drei Mal passiert, was mir nicht gut gefiel. Auch wird manchmal etwas merkwürdig beschrieben. Aly lernt zum Beispiel eine sehr wichtige Figur auf seiner Flucht kennen – Kara. Aufgrund der anfänglichen Beschreibung hielt ich sie für ein kleines, junges Mädchen im Alter von vielleicht 10 Jahren. Herausgestellt hat sich später aber, dass sie um die 20 Jahre alt sein muss, was mich absolut verwirrte. Hier hätte man genauer arbeiten müssen, da der Leser unnötig verwirrt wird.


Die Geschichte von „Herrscherin der tausend Sonnen“ ist absolut gelungen und spannend. Der Stil hätte an der ein oder anderen Stelle sauberer sein können, manche Dinge sind unzureichend erklärt, doch diesen Punkt will ich gar nicht weiter kritisieren. Rhee und Aly sind tolle und starke Charaktere, auf deren weitere Entwicklung ich mich sehr freue. Das Setting ist riesig, aber grandios. Es gibt viele offene Fragen, doch so bleibt die Spannung erhalten. Das Buch hat lockere und sehr ernste Seiten. Es gibt Humor, aber auch Trauer. Insgesamt ist es eine gute Mischung. Die Idee ist klasse, die Umsetzung manchmal etwas ungenau. Insgesamt hat Rhee mich aber auf eine tolle Reise ins Universum mitgenommen und dafür vergebe ich vier von fünf Spitzenschuhen.




2. Mai 2018

Rezension [Hörbuch]: "Wie Blut so rot" von Marissa Meyer



Titel: Wie Blut so rot
Autor: Marissa Meyer
Sprecher: Vanida Karun
Verlag: Silberfisch Verlag
Preis: 19,99€
Seiten: 432
Dauer: 11h 42m

Vor kurzem habe ich begonnen, die „Luna-Chroniken“ als Hörbuch zu hören. Es ist schon länger her, dass ich diese Reihe gelesen habe, doch es ist eine der wenigen, die mit jedem Band noch viel besser wird. Damals überraschte mich der zweite Teil „Wie Blut so rot“ sehr, denn er ist fesselnder, spannender und emotionaler, als „Wie Monde so silbern“. Damals konnte ich nicht aufhören zu lesen, daher begann ich das Hörbuch mit viel Vorfreude. Und diese konnte sich halten. Ich hatte vieles vergessen, doch die ungekürzte Version aus dem Silberfisch Verlag bringt dem Leser das Geschehen lebhaft vor Augen und lässt ihn wieder in die „Luna-Chroniken“ eintauchen. Die Geschichte rund um Cinder und nun auch Scarlet ist wirklich großartig und so auch dieses Hörbuch! Auch dank konstanter und abwechslungsreicher Lesung von Vanida Karun!

Zwei ganze Wochen ist Scarlets Großmutter nun schon verschwunden. Entführt? Tot? Die Leute im Dorf sagen, sie sei sicher abgehauen. Sie sei ja sowieso verrückt. Aber für Scarlet ist Grandmère alles - von ihr hat sie gelernt, wie man ein Raumschiff fliegt, Bio-Tomaten anbaut und seinen Willen durchsetzt. Dann trifft Scarlet einen mysteriösen Straßenkämpfer - Wolf. Er fasziniert sie; doch kann sie ihm trauen? Immerhin: Die reißerischen Berichte über Cinder und das Attentat auf Prinz Kai hält Wolf ebenso wie sie für Quatsch. Aber irgendein Geheimnis verbirgt der Fremde...

Schon mit „Wie Monde so silbern“ konnte mich die Sprecherin Vanida Karun von sich und ihrer Interpretation des Buches überzeugen. Zum Zeitpunkt des Hörens habe ich viele Hörbücher gehört und deswegen stach Karuns Interpretation sofort heraus. Als Leserin verwendet sie viele verschiedene Stimmen, die sie aber konstant durchhält. Schon im ersten Band waren Iko und Dr. Erlander toll gelesen, in „Wie Blut so rot“ kommen nun neue Charaktere hinzu, die allesamt eine eigene Interpretation bekommen. Diesmal gefiel mir die sanfte und tiefe Stimme von Wolf besonders gut, die zu meiner eigenen Vorstellung wunderbar passt. Auch der Traumaturg Jael ist interessant gelesen, auch wenn sich bei seiner Stimme meine Nackenhaare aufstellten. Doch gerade das ist doch ein Zeichen, dass die Sprecherin ihren Job absolut richtig gemacht hat! Ich habe schon ein wenig Kritik bezüglich Vanida Karun gehört, doch ich kann dem nur widersprechen. Sicher, an ein paar Stimmlagen muss man sich gewöhnen, doch für mich ist durch ihre Interpretation das Hörbuch so abwechslungsreich, dass es beinahe schon zum Hörspiel wird und somit sogar für eine jüngere Altersklasse geeignet ist. Ich lausche Karuns Stimme wirklich gern, denn mit ihr zieht sie mich wieder in ferne Galaxien.
Und diese Galaxien haben es in sich. Die Autorin Marissa Meyer hat eine wahnsinnig tolle Intertextualität geschafft, die mit so vielen Bezügen und Verwicklungen glänzt. Nach und nach verknüpft sie bekannte Elemente der Märchen mit einer Sci Fi Welt, als wäre es selbstverständlich. Es kommen immer neue Fakten und neue Märchen hinzu, alles ist irgendwie bekannt und doch vollkommen neu. In „Wie Blut so rot“ beginnt dieser unglaublich Geschichtenkosmos und es wird in „Wie Sterne so golden“ fortgeführt. Als Hörer verlagert sich das Setting der Geschichte vom asiatischen Staatenbund nach Frankreich. Man lernt Scarlet kennen, die mit ihrer Großmutter auf einem Bauernhof lebt, doch Scarlets Grandmère ist verschwunden. Scarlet tut alles, um herauszufinden, was mit ihr geschehen ist und auf diesem Weg begegnet sie Wolf. Wolf und Scarlet sind tolle Charaktere und waren immer meine Lieblinge der Reihe. Ich liebe ihre Szenen, die Anziehung zwischen diesen beiden verschiedenen Wesen. Und genau diese prickelnde und dennoch ruhige Chemie bringt das Hörbuch sehr gut herüber! Kann man Wolf trauen? Oder belügt er Scarlet? Sollte sie sich auf ihn einlassen? Schnell muss Scarlet herausfinden, dass ihre kleine Welt zu erschüttern droht, denn es gibt so vieles, von dem sie nie etwas ahnte! 
Die gesamte Geschichte rund um Scarlet ist super spannend! Sie und Wolf sind tolle Protagonisten, die etwas ganz Besonderes ausmacht. All die Geheimnisse, die auf den Plan treten sind so interessant, dass man immer wissen will, wie es weitergeht. Ich bin den beiden von Rieux nach Paris gefolgt, habe mich im alten Opernhaus bewegt (, in dem ich erst letztes Jahr war) und ihre Geschichte inhaliert. Zwischendurch kommt immer wieder Cinder an die Reihe, die den charmanten Captain Thorn kennengelernt hat, der ebenfalls zu meinen Lieblingen gehört. Ein humorvoller Charakter voller Schabernack, der der Geschichte Pepp verleiht! Cinder und Thorn passen überhaupt nicht zusammen und gerade das macht ihren Handlungsabschnitt so toll. Cinder entdeckt nach und nach ihre lunarischen Fähigkeiten und testet diese aus. Sie reift und lernt langsam, was das Schicksal für sie bereithält. Am Ende treffen beide Handlungsstränge zusammen, womit das Buch auch abschließt. Die Balance zwischen beiden Geschichten ist super und verknüpft bleiben sie trotzdem zu jeder Zeit. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil, der mein absolutes Lieblingsbuch der Reihe ist. 
Die Charaktere aus „Wie Blut so rot“ sind toll und so vielseitig und verschieden. Der Stil von Marissa Meyer ist sehr gut und fließend. Er passt toll zum Sci Fi Setting, bietet aber auch viel Romantik, Spannung und Schauder. Diese Geschichte geht einfach unter die Haut und Vanida Karun tut alles dafür, um genau diese Atmosphäre zu transportieren. Top!


„Wie Blut so rot“ hat meine hohen Erwartungen absolut erfüllt! Obwohl ich die Handlung kannte, bin ich wieder in der Geschichte versunken und konnte sie genießen. Emotionen und Witz werden von der Sprecherin Vanida Karun toll dargestellt und transportiert. Ich mag die Sprecherin sehr, denn sie bringt diese tolle und vielschichtige Geschichte akzentuiert und passend rüber. Ich habe die Geschichte von Scarlet und Co. Sehr gern gehört und freue mich darauf, noch tiefer im Universum von Marissa Meyer zu versinken, indem ich „Wie Sterne so golden“ als nächstes höre. Für „Wie Blut so rot“ vergebe ich volle fünf Spitzenschuhe.


16. März 2018

Rezension [Hörbuch]: "Wie Monde so silbern" von Marissa Meyer


Titel: Wie Monde so silbern
Autor: Marissa Meyer
Sprecher: Vanida Karun
Verlag: Silberfisch
Preis: 11,95€
Seiten: 384
Dauer: 657 Minuten


Die Luna- Chroniken haben einen berechtigten Hype hinter sich. Ich habe sie, wie viele andere auch, verschlungen und geliebt. Marissa Meyer hat ein zutiefst verknüpftes Universum erschaffen, in dem viele tolle Charaktere leben und in der das große Ganze nie aus den Augen verloren wird. Die klassischen Märchen wurden mit Science Fiction gepaart und heraus kam eine großartige Reihe. So großartig, dass ich sie, nachdem ich sie vor einiger Zeit gelesen habe, auch als Hörbuch angeschafft habe. Mit Freude griff ich zum ersten Buch "Wie Monde so silbern", das von Vanida Karun gelesen wird. Anfangs musste ich mich ein wenig an die Sprecherin gewöhnen, doch nach und nach genoss ich ihre Interpretation immer mehr und konnte absolut in der Luna-Welt versinken. Erneut.

Cinder lebt bei ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern, arbeitet als Mechanikerin und versucht gegen alle Widerstände, sich nicht unterkriegen zu lassen. Als eines Tages in unauffälliger Kleidung niemand anderes als Prinz Kai an ihrem Marktstand auftaucht, wirft das unzählige Fragen auf: Warum braucht der Prinz ihre Hilfe? Und was hat es mit dem plötzlichen Besuch der Königin von Luna auf sich, die Prinz Kai unbedingt heiraten will? Die Ereignisse überschlagen sich, bis sie in dem großen Ball, auf dem Cinder sich einschmuggelt, ihren Höhepunkt finden. Und diesmal wird Cinder mehr verlieren als nur ihren Schuh …

Als Blogger nimmt man sich selten Zeit für Re-Reads und das ist ziemlich schade. Zu groß aber die Masse an neuen uns großartigen Titeln, die man eben auch lesen möchte. Viele nutzen inzwischen aber die Gelegenheit, bereits gelesene Bücher als Hörbuch noch einmal zu genießen. Und genau das tat ich mit "Wie Monde so silbern" auch. Mir gefiel das Buch sehr, das ich 2013 gelesen habe. Allerdings ist das Tolle an den Luna-Chroniken, dass sie mit jedem Band besser werden. Doch am ersten Teil führt kein Weg vorbei, also begann ich zu hören. Anfangs war ich von der Sprecherin nicht begeistert. Kurz zuvor hatte ich ein anderes Hörbuch beendet, bei dem die Sprecherin eine sehr tiefe und angenehme Stimme hatte, der man wunderbar lauschen konnte. An die Stimme von Vanida Karun musste ich mich erst gewöhnen. Sie ist nicht schrill, aber sehr mädchenhaft, weswegen mir der Einstieg schwer fiel.  Allerdings legt die Sprecherin viel Herz in ihre Interpretation und genau diese habe ich mit der Zeit immer mehr geliebt. Denn Vanida Karun nimmt sich Zeit für ihre Charaktere und auch deren Entwicklung. Es gibt viele Hörer, die es nicht mögen, wenn der Vorleser seine Stimme zu sehr verstellt. Ich bin da anders, denn ich liebe es, wenn ein Sprecher es durchhält, ein gesamtes Buch über eine Figur ganz anders zu lesen und diese dann nicht nur durch winzige Nuancen von den anderen unterschieden werden kann. Genau das tut die Sprecherin. Sie verlieht Iko, der kleinen Androidin, die Cinder immer begleitet, eine zutiefst niedliche und auch nervige Stimme. Sie ist halb mechanisch und robotisch, aber unglaublich charmant und passt deswegen zu einhundert Prozent zu Iko. Meiner Meinung nach zeigt das ihren eigenen Charakter und auch wenn ich anfangs gestutzt habe, so ziehe ich doch den Hut vor den Machern, die mit dieser Interpretation einiges an Mut bewiesen haben. Iko ist nicht die einzige besondere Stimme in diesem Hörbuch. Dr. Erlander hat einen sehr ausgereiften Akzent, den ich aber absolut geliebt habe!  Auch die anderen Charaktere spricht Vanida Karun sehr gut, auch wenn diese sich dann nicht mehr so stark voneinander unterscheiden. Die Sprecherin hat in meinen Augen ihren Job aber unglaublich gut und leidenschaftlich gemacht, was mich sehr beeindruckte! Auch die männlichen Charaktere spricht sie gelungen, was bei ihrer relativ hohen Stimme gar nicht so einfach ist.
Was die Vorleserin betrifft, habe ich absolut keine Kritik. Denn auch, wenn Manches gewöhnungsbedürftig ist, passt es einfach. Und gewöhnen kann man sich innerhalb des Hörens durchaus an alles, denn das Hörbuch geht satte 657 Minuten, also beinahe 10 Stunden. Ich habe sehr lange für das Hören gebraucht, was auch daran lag, dass ich meinen Alltag umstellen musste und deswegen kaum Gelegenheit zum Hören hatte. Das war sehr schade, aber der Einstieg gelang dennoch immer wieder. Insgesamt muss ich sagen, habe ich vieles aus dem Buch vergessen und deswegen tat mir das Hören wirklich gut! Insgesamt ist die Geschichte nichts Neues, doch die Verlagerung ist einfach genial. In groben Zügen geht es um das Märchen von Aschenputtel, doch Cinder ist noch so vieles mehr und auch die Autorin Marissa Meyer hat sich einfach sehr viel mehr bei der Sache gedacht, als nur eine kleine Märchenadaption zu schreiben. Und das ist großartig. Das Buch beginnt langsam, so dass der Hörer sich in diesem neuen Weltentwurf zurecht finden kann. Die Lunarier werden sehr gut eingeführt und man hat nie Probleme, der Handlung zu folgen. Das Hörbuch ist spannend, wenn auch nicht zu jeder Zeit und vor allem nicht, wenn man schon weiß, wie es ausgeht. Allerdings muss ich gestehen, dass ich wirklich vergessen habe, wie "Wie Monde so silbern" endet. Gerade die letzten Kapitel sind spannungsgeladen und bringen viele Neuigkeiten. Es geht um Themen wie das Überleben, das Anderssein, Ausgrenzung, Feindschaft und Tyrannei. Aber wo letzteres ist, gibt es natürlich auch so etwas wie Freundschaft und Liebe - und diese kann auch zu einem Land sein.
Das Buch glänzt durch starke Persönlichkeiten und tiefe Charakterzeichnungen. Cinder ist sehr interessant und hat für die weiteren Bände noch einiges an Potenzial. Sie ist intelligent und kämpferisch. Ihre Lebenseinstellung ist bemerkenswert, denn ihr Leben ist alles andere als einfach. So oft habe ich zugehört und dachte wirklich "Das kannst du doch nicht machen!", wenn Cinders Stiefmutter Ari etwas von Cinder verlangte. Denn toll an den Charakteren ist eben auch, dass es großartige Bösewichte gibt. Das ist allen voran Levana, die böse Königin, die Herrscherin von Luna. Sie ist wirklich das personifizierte Böse und das ist für diese Art von Märchenadaption super wichtig, aber auch großartig umgesetzt. Und dann sind da eben noch andere fiese Charaktere, wie viele Lunarier, aber auch die Stiefmutter.  Alles, was Ari betraf, habe ich zutiefst verabscheut. Wie kann man nur so sein? Ihr seht schon, das Hörbuch ist fähig, beim Hörer wahre Gefühle auszulösen! Gefühle sind ein gutes Stichwort für Kai, den Prinzen den asiatischen Staatenbundes. Zwischen ihm und Cinder knüpft sich ein zartes Band, das sehr schön, aber auch nicht zu überbewerten ist. Auch hier muss man sagen: Die Geschichte fängt eben gerade erst an.
Und das gilt generell für "Wie Monde so silbern". Obwohl die Geschichte einen geschlossenen Charakter hat, wird noch so viel mehr passieren, so viele Handlungsfäden sind eröffnet, dass der Leser/Hörer gespannt sein darf.
Der Stil der Autorin ist sehr gut und das gesamte Buch ist in vier Bücher unterteilt, die alle mit einem Märchenzitat aus "Aschenputtel" eingeleitet werden. Wie ich schon sagte: Marissa Meyer hat nie den Fokus aus den Augen verloren und das findet sich in ihrem Stil wieder. Er ist flüssig und angenehm und weist keine Handlungslücken, aber viele gekonnte Handlungssprünge auf.

Für mich war das Hören von "Wie Monde so silbern" trotz bekannter Handlung, ein wahrer Genuss. Die Sprecherin macht ihre Sache sehr, sehr gut, obwohl man ihr zuerst eine Chance geben muss. In meinen Augen hat sie diese aber genutzt und mich sehr beeindruckt. Das Buch hat eine tolle und verstrickte Handlung und gerade das Durchdachte gefällt mir daran sehr. Die Geschichte glänzt durch ihre vielen verschiedenen Aspekte und die tollen Charaktere. Manchmal hat mir im Hörbuch ein wenig die Spannung gefehlt, doch die ruhigen Stellen passen ebenso gut. Insgesamt vergebe ich 4,5 Spitzenschuhe für dieses gelungene Re-Heard.