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3. Juli 2018

Rezension: "James Bond 007 - Der Spion der mich liebte" von Ian Fleming



Titel: James Bond 007 - Der Spion der mich liebte
Autor: Ian Fleming
Verlag: CrossCult
Preis: 12,80€
Seiten: 220


James Bond ist ein Phänomen. Und obwohl ich die 007-Filme liebe, bin ich doch ein noch größerer Anhänger der Originale: der Bücher. Ian Fleming war ein interessanter Autor, der eine begnadete Figur erschuf. Obwohl man den Romanen immer den etwas anderen Zeitgeist anmerkt, macht gerade das sie manchmal so sympathisch. Der 10. Band der Bond-Reihe ist ganz anders, als seine Vorgänger. Denn diesmal ist der Erzähler kein allwissender Unbeteiligter, sondern eine junge Frau, die ihre eigene Geschichte durchmacht. Und in dieser Geschichte kommt James Bond vor – der Mann, von dem sie später sagen kann, er sei „Der Spion, der mich liebte“. Dieser Spion, aber auch die junge Erzählerin und die ungewöhnliche Art des Bond-Buches machen es großartig und zu einer wahren Lesefreude.

Vivienne Michel ist in Schwierigkeiten. Auf der Flucht vor ihrer verstrickten Vergangenheit in die amerikanische Provinz, landet sie im Dreamy Pines Autohof. Weit entfernt von der privilegierten Umgebung, in der sie aufgewachsen ist, ist das Motel auch die Haltestation zweier abgebrühter Killer – des perversen Sol Horror und des tödlichen Sluggsy Morant. Als ein cool-charismatischer Engländer auftaucht, schöpft Viv, die in tödlicher Gefahr schwebt, nicht nur Hoffnung, sondern spürt eine fesselnde Faszination. Denn es ist James Bond, 007 – der Mann, von dem sie hofft, gerettet zu werden; der Spion, von dem sie hofft, geliebt zu werden.

„Der Spion, der mich liebte“ ist ein sehr kurzweiliges Buch. Es hat nur 217 Seiten und ist in drei Teile unterteilt. Diese Teile sind sehr interessant benannt. Sie heißen „Ich“, „Sie“ und „Er“. IN diesen Teilen gibt es natürlich einzelne Kapitel, die immer sehr schön gewählte Titel haben, die zumeist auch wortwörtlich im Kapitel so vorkommen. Der Aufbau des Buches ist super und in gewisser Weise auch abwechslungsreich. Normalerweise begleitet man den britischen Geheimagenten in den Bond-Büchern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass auch andere Charaktere große Handlungsteile haben und sich die Geschichte mit ihnen beschäftigt. Zumeist handelt es sich dabei um den Bösewicht des Buches. Diesmal aber gibt es eine Ich-Erzählerin, was absolut neu ist. Vivienne ist eine junge Kanadierin und „Der Spion, der mich liebte“ ist komplett aus ihrer Sicht verfasst. Der erste Teil, der mit „ich“ übertitelt ist, handelt von ihrer Vorgeschichte. Von den Beziehungen, Menschen und Erlebnissen, die sie zu dem gemacht haben, was sie ist. Der Teil kann für manche sicher langatmig sein, ich fand es aber wirklich interessant und unterhaltsam, mehr über Viv zu erfahren. Sie war naiv und unerfahren und musste sich dann den Härten dieser Welt stellen. Ich finde ihre Reflektion wirklich toll und insgesamt ist Viv sehr authentisch. Sie ist eine Frau, die auch in den 50er Jahren schon weiß, was sie will. Du dafür kann man sie bewundern, denn sie kämpft, solange sie kann. Im zweiten Teil kann sie es aber nicht. Denn „Sie“ tauchen auf: zwei Ganoven. Die Kulisse des Buches ist eigentlich schon schaurig genug, denn Viv befindet sich in einem Motel, das mitten im Nirgendwo aus Holzhütten besteht. Und sie passt auf eben dieses Motel auf. Die perfekte Gelegenheit also, die junge Frau für einen perfiden Plan zu benutzen. Und das haben die beiden Gangster auch vor. Aber dann taucht James Bond auf der Bildfläche auf, genau dann, als Vivs Leben beinahe schon beendet ist. „Er“ mischt das Buch richtig auf. Mit James‘ Auftauchen wird es einfach richtig gut, obwohl es schon vorher spannend ist. James Bond ist ein phänomenaler Charakter mit vielen Fehler und Marotten. Er trinkt zu viel, raucht und setzt sein Leben aufs Spiel. Aber er ist eben auch der charismatische Geheimagent, an den alle Frauen ihr Herz verlieren. Wäre ich an Vivs Stelle, hätte ich meines auch verloren, ganz sicher. Den Bond ist der Retter und Held der Geschichte. Noch ein paar Worte zu den Bösewichten. Horror und Sluggsy machen ihrer Gattung alle Ehre. Sie sind grausam, vulgär und gierig. Sie sind die idealen Gegenspieler mit wahnsinnig viel Talent!
Es wird gekämpft, es wird geschossen, es gibt Opfer, es gibt Tragik. Aber es wird zu keiner Zeit langweilig. Nicht einmal, wenn Viv von ihrem Leben erzählt. Denn dann ist gerade die Atmosphäre des Buches so gut. Ich nenne es immer den Zeitgeist der Bond-Romane, die 50er Jahre, den anderen Gang der Welt. Die Atmosphäre und das Setting sind wahnsinnig cool und man macht immer eine kleine Zeitreise. Gerade die Werte und Tugenden kommen in diesem Buch besonders gut zum Vorschein.
Auch der Stil von Ian Fleming gehört in diese Kategorie des Zeitgeists. Er ist sehr rau, allerdings in diesem Buch angenehm feminin. Sonst ist der Stil oft sehr brutal, aber in „Der Spion, der mich liebte“ wurde die Schreibweise angenehm verändert, was Vivs Charakter auch authentischer macht. Insgesamt kommt man trotz hypotaktischen Satzbau sehr schnell durchs Buch – denn die Geschichte ist einfach unterhaltsam.


Ich finde „Ein Spion, der mich liebte“ wirklich toll. Die veränderte Erzählweise, die sicher die Ausnahme ist, macht einfach Spaß. Viv ist eine starke Frau, die das Ruder in die Hand nimmt. Und auch wenn sie 007 verfällt, bleibt sie eine authentische Figur, die sich eben in ihren Helden verliebt. Vollkommen zurecht, muss man dazu sagen. James Bond ist schon beinahe zur Nebenfigur degradiert, doch eben nur beinahe. Sein Charakter ist einzigartig und er macht die Geschichte so spannend. Die Figurenmischung ist trotz ihrer Niedrigkeit wirklich toll. Der Stil ist gut und die Handlung spannend. Was will man mehr?! Für mich war dieser Bond-Roman wirklich etwas Besonderes und deswegen vergebe ich fünf Spitzenschuhe.


18. Januar 2018

Rezension: "James Bond 007 - Feuerball" von Ian Fleming


Titel: James Bond 007 - Feuerball
Autor: Ian Fleming
Verlag: Cross Cult
Preis: 12,80€
Seiten: 360

Viel zu lange ist es her, dass ich zu einem der großartigen James-Bond-Bücher aus der Feder von Ian Fleming gegriffen habe. Das neunte Abenteuer des Geheimagenten wartete auf mich: „Feuerball“. Das Buch hat eine Handlung, die ich durchaus noch im Kopf hatte, auch weil ich den Film sehr gern mag. Und dennoch hat das Buch mich absolut überrascht. Denn es ist unglaublich gut! Vielleicht brauchte ich eine so lange Pause von 007, um zu merken, wie sehr mir der gute James gefehlt hat. Zumindest kann ich guten Gewissens behaupten, dass ich eine der Frauen bin, die ihm hoffnungslos verfallen ist. „Feuerball“ ist super spannend, besticht durch eine logisch durchdachte und nicht zu dick aufgetragene Geschichte und wer davon noch nicht überzeugt ist, muss einfach dem Charme von James Bond erliegen. Absolut top!

Im neunten Band verschlägt es 007 auf die Bahamas. Doch für ihn steht dort kein Urlaub an: Bond muss zwei gestohlene Atombomben ausfindig machen
Als ein Fremder auf den Bahamas ankommt, schenken ihm die Einheimischen kaum Beachtung – noch ein Auswanderer, der sein Geld an den Casino-Tischen verheizt. Aber James Bond hat alles andere als Geld im Kopf: Er hat weniger als eine Woche, um zwei gestohlene Atombomben, versteckt zwischen den weiten Korallenriffen, ausfindig zu machen. Indessen mimt er den Playboy und lernt Domino kennen, die Gespielin des geheimnisvollen Schatzjägers Emilio Largo. Während er der hübschen Italienerin näher kommt, hofft Bond mehr über Largos geheime Machenschaften herauszufinden.


Vom Cover von „Feuerball“ blickt dem Leser eine aufreizende Frau entgegen, die auf sehr komplizierte Art und Weise ihren Reißverschluss schließt. Ich liebe die Cover des Cross Cult Verlags, denn sie passen perfekt zum Charakter der Reihe und zur Figur von James Bond. Wie immer steht der Held hier im Vordergrund. Ian Fleming hat die Schreibeigenschaft, ganz gern mal abzuschweifen. Das hält sich in „Feuerball“ aber in Grenzen. Was meine ich damit? Fleming beschreibt manchmal über längere Kapitel hinweg die Geschichte von Nebenfiguren, wie hier etwa von dem Piloten Petacchi, Stavros Blofeld oder Emilio Largo. Das Kapitel handelt dann nur von dieser Nebenfigur, seinen Gedanken und Handlungen. Der Geheimagent weiß weder etwas davon, noch kommt er vor. So gewinnt der Leser einen guten Rundumblick, kann aber auch beginnen sich zu langweilen. Denn zu diesen Figuren hat man immer eine gewisse Distanz und Bond ist einfach ein Sympathieträger, den man als Hauptperson nur ungern außen vor lässt. Ich bin kein Freund dieser Kapitel, zumindest nicht, wenn sie sehr lang sind. Andererseits bekommt man in „Feuerball“ so einen tollen Einblick in den Aufbau von SPECTRE und dem Leben der Bösewichte. Das ist super interessant und spannend. Als Leser weiß man mehr, als der Geheimagent und man will ihm zurufen, was zu tun sei – aber das funktioniert nie. 
Ich bin dennoch deutlich mehr der Fan von den Kapiteln, die sich mit Bond beschäftigen. Bond ist eine großartige Figur! In „Feuerball“ setzt Fleming sich auch erstmals mit den Lastern seines Protagonisten auseinander, was mir sehr gut gefiel! Viel zu oft habe ich mich schon gefragt, wie es sein kann, dass Bond zig Zigaretten am Tag raucht und den Alkohol literweise in sich hinein kippt. Zu Beginn der Handlung wird Bond in eine Art Naturheilkundesanatorium geschickt, um sich aufpeppeln zu lassen. Ich fand den Satz „Lassen Sie es ruhig angehen, 007“ in diesem Zusammenhang absolut großartig. Bond ist ein kühler und dennoch so humorvoller Charakter. Er ist arrogant und von sich selbst überzeugt. Frauen sind Spielzeuge, Alkohol ein Muss. Er ist nicht korrekt – auch nicht politisch. Aber Bonds Figur wurde eben auch in den 50er Jahren erschaffen, weshalb ihm ein gewisses Denken zu verzeihen sei. Als Leser sollte man seiner Sprache dennoch kritisch gegenüber stehen. Trotz all seiner Mängel ist Bond für mich ein Held, der sein Leben tagtäglich riskiert. Ich finde ihn einfach unglaublich amüsant und kann diesen Mann nur feiern. 
In „Feuerball“ gibt es mehrere Gegenspieler. Der Drahtzieher ist eigentlich Blofeld, den Bond selbst aber in diesem Buch noch nicht auf dem Schirm hat. Emilio Largo ist der Stellvertreter und hier der absolute Gegner Bonds. Ich finde es immer total interessant, wenn Fleming Details über das Geheimagentenleben einbaut, von dem er selbst ja einiges wusste. Das Böse ist hier sehr gut organisiert und die Entführung der Atombomben ist im Buch um einiges logischer, als im Film. Insgesamt gefiel mir die Handlung unglaublich gut! Sie ist nicht nur spannend, sondern auch sehr intelligent durchdacht. Bond kommt eher durch Zufall an den bedeutenden Auftrag, der den Tarnnamen „Feuerball“ trägt. Alles beginnt in dieser Klinik und spitzt sich dann zu. Ich fand es auch toll, wie ahnungslos die großen Geheimorganisationen eigentlich sind und nur durch Bonds und Leiters Spekulationen kann man sich dem Feind überhaupt nähern. Leiter – Felix Leiter, auch ein toller Charakter, der hier wieder vorkommt. Als Team sind die beiden unschlagbar. Ich hatte so viel Spaß mit Bond und Leiter, ihren Dialogen und ihrem Witz! Das Ende des Buches gefiel mir außerdem super!
Weitere Charaktere, die ich noch erwähnen muss sind natürlich Largo und Domino. Largo ist ein Bösewicht der allerersten Güteklasse. Der Mann ist schlau und skrupellos und somit perfekt für einen Fall von 007. Domino ist das Bondgirl, das Geschichte mitbringt. Sie weiß, was sie will und ist deswegen genau Bonds Typ. Die Geschichte zwischen den beiden fand ich authentisch – man glaubt es kaum. Am Ende wird sie zur Heldin, was gut zu ihr passt.
Insgesamt ist die Story absolut atemberaubend! Ich habe das Buch in zwei Tagen gelesen, was aufgrund des Stils ungewöhnlich ist. Der Stil ist gut, keine Frage. Aber Fleming schweift, wie erwähnt, gerne mal ab und führt gewisse Dinge weit aus. Das ist nicht immer nötig, kann bei der richtigen Leserschaft aber auf Interesse stoßen. Und das tat es bei mir. Außerdem ist Flemings Sprachgebrauch sehr maskulin und etwas roh, aber sehr passend! „Feuerball“ ist einfach ein absolut gelungener Agentenroman, den man verschlingen muss! Bedenkt beim Stil aber, dass manche Begrifflichkeiten wirklich mit Vorsicht zu genießen sind. Aber genauso hat der gute Ian Fleming es geschrieben – und das müssen wir wohl akzeptieren.



Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr, ob mich ein Bond-Roman jemals enttäuscht hat. „Feuerball“ hat es auf keinen Fall, denn das Buch ist großartig! Bond zeigt in diesem Roman durchaus Schwächen, kommt sehr menschlich herüber und ist trotzdem ganz der galante Held. Das Buch beinhaltet sehr viel Witz und Menschlichkeit. Genauso aber abgebrühten Hass in Verbindung mit der Organisation SPECTRE, von der wir sicher bald mehr lesen werden. Es geht spannend zu und es gibt eine ganze Menge Action. Doch auch ein bisschen was fürs Herz – oder zumindest fürs imaginäre Auge. Wer Lust auf einen atemberaubend guten Agentenroman hat, sollte Bond in diesem Abenteuer begleiten. Es lohnt sich! Und deswegen vergebe ich natürlich fünf von fünf Spitzenschuhen. „Lassen Sie es damit ruhig angehen, 007“! 


26. April 2017

Rezension: "James Bond 007 - In tödlicher Mission" von Ian Fleming


Titel: James Bond 007 - In tödlicher Mission
Autor: Ian Fleming
Verlag: Cross & Cult
Preis: 12,80€
Seiten: 260

Als ich kürzlich in Thailand war, habe ich auch einen Ausflug in die Pang Nga Bucht gemacht. Touristisch beliebt sind die Inseln vor allem aufgrund der wunderschönen Atmosphäre. Aber es gibt dort auch einen Felsen, der durch Hollywood berühmt wurde. Beworben als: Der James Bond Felsen. Denn in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gibt es eine Szene, die genau dort spielt und somit eine traumhafte Kulisse hat. Für diesen Urlaub musste also auch unbedingt ein James Bond Buch mit. Entschieden habe ich mich für „In tödlicher Mission“, ein Kurzgeschichtenband. Fünf Mal darf man den Abenteuern von James Bond in diesem Buch folgen und jede Geschichte hat ihren ganz eigenen Charme. Auszeichnen tun sich alle fünf dadurch, dass es quasi Abenteuer abseits der normalen Missionen sind. Es geht etwas ruhiger, manchmal auch etwas unkonventioneller zu, als in den anderen Bond-Büchern. Doch für mich war es genau das Richtige!




Klappentext


Im achten Band von Ian Flemings James Bond begegnet der Geheimagent vom MI6 mehr als nur einem Abenteuer ..
Plötzliche Notfälle und schöne Frauen, die nicht ganz sind, was sie zu sein scheinen, sind eine Spezialität von James Bond. Wenn 007 an einem Fall dran ist, ist eines klar - das Ergebnis wird prickelnd sein! Ob er mit dem Mord eines kubanischen Gangsters in Amerika, der Zerschlagung eines internationalen Drogenrings oder einem plötzlichen Todesfall auf den Seychellen zu tun hat, Bond erledigt den Job. Mit seinem ganz eigenen charmanten und unverwechselbaren Stil.

Meinung



Ich habe schon viele James Bond Bücher gelesen und darunter war auch ein Kurzgeschichtenband. „In tödlicher Mission“ ist der zweite Band, der neben „Octopussy“, nur eine Kurzgeschichtensammlung ist. Eigentlich ist Bond kein Charakter, der in einer Kurzgeschichte am besten wegkommt, allerdings konnte mich das Buch absolut überzeugen. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Geschichten und in jeder davon spielt James Bond eine ganz eigene Rolle. Es handelt sich hierbei mehr um die Abenteuer abseits der Weltbühne. Die Geschichten sind unterschiedlich aufregend, manche würden vielleicht sagen, dass ihnen die Spannung an gewissen Stellen fehlt, aber das empfinde ich nicht so. Ich habe mir für jede der fünf Geschichten viel Zeit genommen und nicht alle hintereinander weggelesen. So kann man die Geschichten besser verinnerlichen und im Nachhinein mehr genießen. Zumindest erging es mir so. In zwei der Geschichten ist Bond der typische Agent und vollkommen in seinem Element. In einer anderen ist Bond nur passiv beteiligt und eigentlich im Urlaub, in der nächsten wird er von M quasi privat engagiert und in der letzten ist er lediglich der Zuhörer einer erzählten Geschichte. Jede Geschichte bietet Abwechslung und einen ganz eigenen Charme. Im Allgemeinen ist das Wort „charmant“ das wohl treffendste für dieses Buch. Die Cocktailbars, die unterschlagenen Geschäfte, die schönen Frauen…hach…mich kann Ian Fleming mit seinem arroganten Protagonisten ja irgendwie immer fesseln. Die Geschichten haben wie gesagt alle einen etwas anderen Fokus. Die Titelgeschichte „In tödlicher Mission“ ist eine typische Agentengeschichte, in der Bond der Held ist, der der schönen Maid aus der Not hilft. Diese Geschichte hat viel Finesse und ist wirklich toll! Bond rächt nämlich alte Freunde von M, was einen privaten Charakter hat. „Im Angesicht des Todes“ ist ebenfalls spannend und Bond klärt das Geschehen klug auf. Diese Geschichte sagte mir nicht so sehr zu, ist aber ein guter Auftakt für das Buch. Weiter geht es mit „Ein Quantum Trost“, was wirklich eine besondere Geschichte ist. Hier ist Bond zu einer Gesellschaft am Abend geladen und es wäre unhöflich zu früh zu gehen, weshalb er gezwungen ist, noch länger mit dem Gastgeber zu reden. Dieser erzählt dann eine Geschichte über dieses gewisse Quantum menschlichen Respekts – das Quantum Trost. Diese Geschichte konnte mich persönlich total begeistern, obwohl Bond eigentlich keine Rolle in ihr spielt. Auf diese Geschichte folgt „Risiko“, in meinen Augen die schwächste der fünf Geschichten. Bond lässt einen Drogenring auffliegen – sehr agentenmäßig, sehr klassisch. Abschließen tut der Kurzgeschichtenband mit der besten Geschichte „Die Hildebrandt-Rarität“. Wer hier vielleicht an ein Kunstwerk denkt, ist auf dem absolut falschen Weg. Es handelt sich nämlich um einen Fisch…Die Geschichte entwickelt sich wirklich gut und es gibt den typischen grauenhaften Bösewicht. Aber um das alles zu verstehen, sollte man selbst zu diesem Buch greifen und seinem Charme kurzerhand erliegen. Der Stil ist typisch für Ian Fleming, manchmal etwas derb und hart, aber vor allem wie Bond selbst auch – elegant.

Fazit



Wer sich immer mal wieder mit einer netten und charmanten Agentengeschichte entspannen will, der sollte sich „In tödlicher Mission“ wirklich einmal zu Gemüte führen. Das Buch ist wirklich gut und die fünf Kurzgeschichten sind stilvoll, charmant, abwechslungsreich und spannend. Ian Fleming vermittelt immer wieder diese klassische Bond-Atmosphäre, die jede Geschichte zu etwas Besonderem macht. Natürlich gibt es Abschnitte, die nicht vor Spannung triefen und dennoch glänzen können. Ich vergebe charmante vier Spitzenschuhe. Cheers.



1. Juli 2016

Rezension: "Goldfinger" von Ian Fleming


Titel: James Bond 007 - Goldfinger
Autor: Ian Fleming
Verlag: Cross Cult
Preis: 12,80€
Seiten: 400

Wenn es um James Bond geht, kommt einem schnell die typische Titelmusik in den Kopf. Will man sich aber an einen bestimmten Bond-Song erinnern, platziert sich in meinem  Kopf immer das Lied „Gooooldfingeeer…dadaaaam“. Ich gebe zu: besonders gut lautmalerisch habe ich das grade nicht umgesetzt. Aber der Song ist wohl einer der berühmtesten und auch grandiosesten Bond-Songs, die es je gab. Auch der Film selbst ist ein Muss unter den Klassikern. Gert Fröbe, der gute alte deutsche Bösewicht in einer Paraderolle, das berühmte Töten, indem man das Mädchen mit Goldfarbe übersprüht, der Einbruchversuch in Fort Knox: Ein episches Bond-Abenteuer. Aber genug vom Film. Was hat das Buch zu bieten? Die Antwort? Absolut genauso viel!

Klappentext


Auric Goldfinger: grausam, schlau, frustrierend vorsichtig. Er betrügt beim Canasta und ist ein Gauner im großen Stil, der auch im alltäglichen Leben ständig krumme Dinger dreht. Er ist die Art von Mann, die James Bond hasst. Daher ist es ein Glück für Bond, dass er im Auftrag der Bank von England und des MI5 herausfinden soll, was der reichste Mann des Landes mit seinem unrechtmäßig erworbenen Vermögen vorhat – und in welcher Verbindung er zu SMERSCH steht, dem gefürchteten sowjetischen Korps, das Jagd auf Spione macht. Doch sobald er sich erst einmal in der Organisation dieses gefährlichen Verbrechers befindet, wird 007 klar, dass Goldfingers Pläne grandioser – und tödlicher – sind, als man sich je hätte vorstellen können. Er plant nicht nur den größten Goldraub in der Geschichte, sondern auch Massenmord …

Meinung


Mal wieder entführte mich Ian Fleming in die Welt des britischen Geheimagenten James Bond. Ich bin ein Fan der Bücher, auch weil der Cross-Cult-Verlag so wunderschöne Ausgaben gestaltet hat. Doch ich liebe die Reihe nicht, weil sie sich im Regal schön macht. Es ist noch sehr viel mehr. Eigentlich könnte ich viele Sätze aus meinen alten Bond-Rezensionen kopieren und einfügen. Doch so weit will ich mal nicht gehen. In diesem Abenteuer ist 007 wieder voll im Einsatz. Der etwas arrogante und nicht immer politisch-korrekt-agierende Lebemann  Bond, zeichnet sich durch bekannte Charakteristika aus. Immer in bisschen überheblich, rauchend, trinkend, selbstbewusst, unglaublich effizient und frauenliebend wandelt er durch die Weltgeschichte. Doch dieses Mal hat er einen mehr als ebenbürtigen Gegner: Auric Goldfinger. Es hat mich tatsächlich überrascht, wie genau sich der spätere Film an das Buch hält. Das Buch ist beinahe eine exakte Vorlage. Natürlich gibt es kleine Unterschiede, doch die Rahmenbedingungen stimmen. Bond lernt Goldfinger bei einem Kartenbetrugsfall kennen und löst diesen. Doch die Begegnung soll nicht die einzige gewesen sein. Wie Goldfinger selbst so schön bemerkt:
„Mr. Bond, es gibt ein Sprichwort in Chicago: ‚Ein Mal ist Zufall, zwei Mal ist Fügung und beim dritten Mal ist es Feindeinwirkung.‘ “ (S .6)
Und in diese drei Teile ist auch das Buch geteilt. Zufall, Fügung, Feindeinwirkung. Erwähnenswert ist hierbei für mich der zweite Teil, die Fügung. In diesem Abschnitt findet das Golfspiel zwischen Bond und Goldfinger statt. Niemals habe ich es erlebt, dass ein Autor ein Golfspiel über etwa 35 Seiten beschreibt und das Ganze episch wird. Ich habe nicht viel Ahnung von Golf und dennoch versteht es Fleming einfach unwichtige oder uninteressante Dinge ganz besonders zu machen. Ich denke, dass ist grundsätzlich eine Eigenschaft seines Stils. Er ist herb und manchmal auch derb, dadurch etwas maskulin. Aber er entführt den Leser in eine andere Zeit. Fleming fängt für mich das Zeitgeschehen der 50er und 60er Jahre immer wieder neu und authentisch ein, so dass jedes Buch seinen eigenen Charme hat. Hier geht der Charme vom vielen Gold und den interessanten Charakteren aus. Oddjob ist genauso kurios wie im Film und auch Miss Pussy Gallore ist überaus interessant. Nebenbei bemerkt ist sie lesbisch – aber wer wäre James Bond, wenn ihn das stören würde? So ziemlich niemand bleibt farblos. Die Handlung ist intelligent gestaltet und in einem gewissen Maße größenwahnsinnig. Aber gerade das macht die Geschichte um Goldfinger so besonders. Der vom Gold besessene Bösewicht, der im Buch auch noch Kontakte zur sowjetischen Organisation SMERSCH hat, mit der James Bond noch die ein oder andere Rechnung offen hat.

Fazit



„Goldfinger“ hat alles, was die Bond-Bücher ausmacht! Ein toller Stil, eine gelungene Handlung und fein ausgearbeitete Charaktere. Im Zentrum steht wie immer unser Liebling 007, der das Abenteuer waghalsig in Angriff nimmt. Er muss viele Prüfungen bestehen und letztendlich geht es wieder darum, dass er im Alleingang einen Teil der Welt retten muss. Fleming verwendet viel Feingefühl und Schliff für diese Geschichte und für mich war es ein wunderbarer Lesegenuss. Viereinhalb von 5 Spitzenschuhen.


 


31. Dezember 2015

Neuzugänge: Dezember! Der Weihnachtsmann war da :)

Ho ho ho! Endlich, endlich schaffe ich meinen Neuzugänge-Post für den Dezember! Unglaublich wie schnell man seine Freizeit so verplanen kann (, dabei habe ich noch absolut gar nichts für die Uni getan...ich schäme mich....ein bisschen...). Ist aber auch alles anstrengend mit diesen Feiertagen! und leider musste ich auch ein paar Tage arbeiten, daher entschuldigt...aber aktuell ist es ja noch ;)

Jaja, wie meine Begrüßung schon sagt: Es war Weihnachten! Und was heißt das? BÜCHER BÜCHER BÜCHER!! zumindest ist das unter meinem tannenbaum so. Und ich weiß jetzt schon, dass wenn ihr die Bilder seht, ihr mich für ziemlich verwöhnt haltet. In einem gewissen Maße stimmt das wohl sogar, allerdings schiebe ich gern den Stempel "Scheidungskind" vor. Auch wenn meine Eltern sich erst vor ein paar Jahren getrennt haben, gibt es doch nun zwei große Geschenkequellen. Hinzu kommen meine beiden Omas, mein Freund und die Familie meines Freundes. Irgendwie macht es die Summe dann immer und so kommt dann insgesamt das dabei heraus:



Zu meiner Verteidigung: Die Bücher im Hintergrund hat mein Freund geschenkt bekommen und 4 habe ich mir immerhin selbst gekauft ;) Macht in der Summe allerdings immer noch 23 Bücher und ein Hörbuch. Da schlägt doch jedes Bücherwurmherz höher :D

Fangen wir mal mit den gekauften Büchern an:



Zwei davon habe ich ja bereits gelesen und rezensiert. "Fürwahr, eine neue Hoffnung" war genau das Richtige zum Filmstart von Episode VII und "Hercule Poirots Weihnachten" versüßte mir die Vorweihnachtszeit. Wirklich beides absolut zu empfehlen.Den ersten Teil der Percy Jackson Reihe musste ich mir einfach kaufen, da er gerade auf 4,99€ reduziert war. Hallo?! Und dann gab es noch eine tolle Aktion auf einem Blog, durch den ich auf "Dear Sister - Schattenerwachen" aufmerksam wurde. Das Cover ist einfach so schön und die Geschichte klingt toll. Da klickte ich irgendwie ganz fix auf den Download-Button...ups...:D

Dann gab es in diesem Monat noch drei Leserunden, an denen ich teilnahm:


Besonders toll war "Azur - Wenn eine Diebin liebt". Absolut großartig! Der zweite Teil kommt Anfang nächsten Jahres und ich bin sehr gespannt. "Der Himmel über München" war ganz nett, aber nicht mein Genre und "Christmaslove" war leider auch nur okay. Ich hasse es ja, wenn man so nette Autoren kennenlernt und dann irgendwie zu viel zu meckern hat...ihr versteht?


Und hier nun meine Weihnachtsschätze Teil eins:


Es ist immer sehr praktisch. Zu Weihnachten und anderen Feiertagen reiche ich bei meinem Vater immer eine Wunschliste ein und meistens bekomme ich die Dinge darauf tatsächlich. Dieses Jahr verpasste er leider ein paar Bücher, aber hey...so geht's auch ;) "Plötzlich Fee - Frühlingsnacht" ist allerdings ein Geschenk meiner Mutter. Wir wollen ja bei der Wahrheit bleiben ;)
Ja, zu meinen neuen Schätzen gehören nun "Silber - Das dritte Buch der Träume", auf welches ich mich schon sehr freue, da ich es liebe Reihen zu beenden; "Witches do not die quietly", ein zweiter Teil, von dem der erste immer noch ungelesen in meinem Regal steht und die Nachfolger der Lux-Reihe: "Opal" und "Origin". Über alle dieser Bücher freue ich mich unglaublich und ich weiß gar nicht, mit welchem ich starten soll.

Aber es gibt ja noch mehr...

 

Auf dem rechten Bild sind die Bücher, die mir mein Freund geschenkt hat. Als er hörte, dass ich mir "Grey" wünsche, wäre er fast vom Glauben abgefallen. Er sagte, dass es kein schönes Erlebnis an der Kasse war :D "Killzone" hingegen unterstützt er, da ihm die Maze-Runner Reihe (filmerisch gesehen) auch gut gefällt. Von seinem Bruder erhielt ich dann noch "Der stumme Tod". Fast das einzige Buch, das nicht auf meiner Liste stand, allerdings klingt echt echt interessant und Romane in denen ein Stück Geschichte steckt finde ich immer toll. Hier geht es um den Stummfilm in der Weimarer Republik. Ach ja..und um einen Mord ;)
Auf dem anderen Bild findet ihr die dünneren Taschenbücher. Über "Der kleine Prinz" habe ich mich sehr gefreut und auch "Wir können alles sein, Baby" wird bald gelesen. Zum Glück kennt meine Mutter meine James-Bond-Vorliebe und sorgte für Nachschub. 
Naja..und dann...dann seht ihr noch das wunderbare Geschenk meiner "Schwiegereltern" auf dem Foto. "Symplify your life" (Stichwort Sammelleidenschaft). Danke...Botschaft angekommen ;)




 

Und zu guter Letzt: Die buchigen Geschenke, die mein Freund bekommen hat. Also daran bin ich ja schon ziemlich unschuldig und eigentlich gehören sie ja auch gar nicht mir. Ich hätte sie hier auch nicht aufgeführt, wenn diese Bücher nicht eben auch bei mir in der Wohnung einziehen würden. ABER: Sie gehören nicht mir ;) Joker!
Die Finger werde ich dennoch von keinem dieser Geschenke lassen. Vor allem der Ratgeber von Jan Böhmermann hat es mir persönlich ja angetan.


Das wars dann jetzt aber! Versprochen! Ist schon komisch...auf der einen Seite bin ich sehr stolz und freue mich ganz doll, auf der anderen schäme ich mich grad ein bisschen, weil es ja doch etwas übertrieben ist ;) :D



Wie sah es bei euch im Dezember aus? Bei vielen habe ich die Neuzugänge-Posts in den letzten Tagen schon gelesen und umso schlechter fühle ich mich. Sind schon irgendwie zu viele, oder? Mit welchem würdet ihr anfangen? Interessiert euch ein Buch besonders?

Eure Julia








2. Dezember 2015

Rezension: "James Bond - Dr. No" von Ian Fleming


Titel: James Bond - Dr. No
Autor: Ian Fleming
Verlag: Cross & Cult
Preis: 12,80€
Seiten: 280

„007 jagd Dr. No“ – Dieser Film kam 1963 in Deutschland in die Kinos. Der erste Bondfilm, also auch das erste Bondgirl und überhaupt….von allem das erste! Mit diesem Film begann eine noch heute andauernde Reise um den britischen Geheimagenten und ich muss sagen: Bei der Buchvorlage ist es absolut kein Wunder, dass ausgerechnet dieser Roman für Bonds Debüt gewählt wurde!

Inhalt


Bei seiner letzten Mission wurde James Bond tödlich verletzt. Nach langer Kur ist er nun aber bereit für eine neue Mission. Dies sieht sein Chef M nicht so und schickt ihn lediglich nach Jamaika zu einem banalen Fall, oder auch „in den Urlaub“, wie M es nennt. Bond soll eine Routineuntersuchung leiten, denn der englische Zuständige auf Jamaika ist mitsamt seiner Assistentin spurlos verschwunden. 007 glaubt von Anfang an nicht an ein Durchbrennen der beiden und beginnt auf eigene Faust nachzuforschen. Überall auf Jamaika scheint eine chinesische Organisation zu agieren, dessen Drahtzieher ein ominöser Dr. No ist. Ihm gehört eine Insel, die niemand betreten darf.  Aber Bonds Name wäre nicht James Bond, wenn er sich von so etwas würde abschrecken lassen.
Ein spannendes Abenteuer beginnt unter der Sonne von Jamaika mit einem Bösewicht, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Spannend und furios: 007 eben.


Meinung


In meinen Bond-Rezensionen klingt es immer schon durch: Irgendwie gefällt mir der Bursche ja. Auch wenn die Flemings-Romane manchmal etwas zäh sind, überwiegt doch deutlich der Charme der Bücher. In „Dr. No“ wie das Buch einfach nur heißt (hier jagd man eigentlich niemanden…) steigert der Autor das Potenzial seiner Figur. Das Buch schließt direkt an seinen Vorgänger „Liebesgrüße aus Moskau“ an. Bond ist verletzt und muss sich erst einmal erholen. Ich finde das macht die Figur des Agenten doch wieder um einiges menschlicher. Bond ist zu Anfang des Romans ziemlich verärgert über seinen banalen Auftrag, der sich aber ja als gar nicht so banal herausstellt. 
Meiner Meinung nach ist „Dr. No“ das bis jetzt beste Bond Buch. Der Anfang ist sehr rasant und man möchte sofort wissen, wie es weitergeht. Der spätere Film hält sich in manchen Teilen sehr genau an die Buchvorlage, spätestens aber am Ende sind es zwei völlig verschiedene Versionen. 
Alte Bekannte tauchen auf und neue Freundschaften (und Feindschaften) werden geschlossen. Der gute Quirrel, den man bereits in „Leben und Sterben lassen“ kennenlernte spielt wieder eine Rolle. Dazu kommt natürlich die überaus berühmte Honey Rider. Im Buch allerdings ist die später von Ursula Andress dargestellte Figur keinesfalls von Anfang an diese Sexgöttin. Die kleine Honey ist naiv und nun ja…eben etwas anders. Ich bin mir grad gar nicht sicher, ob im Film überhaupt etwas über ihren Werdegang erzählt wird, der erklärt im Roman aber so einiges. Ach ja…vielleicht steckt doch ein wenig Sexgöttin in ihr. Sie steigt nämlich nicht im Bikini aus den Fluten, sondern völlig nackt. Ach Herr Fleming…was soll man da noch sagen?!
Sehr passend finde ich daher auch, wie nüchtern Bond mal wieder über das Auftauchen der jungen Frau urteilt:
„Es war großes Pech, dass sie dieses Mädchen getroffen hatten. Ob es einem nun gefiel oder nicht, im Kampf stellte eine Frau einen Nachteil dar.“ (Seite 152)
Ja, so ein Mist aber auch. Immer diese lästigen Frauen… Die „Liebesgeschichte“, die sich aber zwischen Bond und Honey entwickelt gefiel mir ganz gut. Sehr typisch für Bond, aber eben auch passend. Die übrigen Charaktere sind typisch Fleming: recht kurz gehalten und eher unwichtig, manchmal aber liebenswürdig. Zur Person von Bond muss glaube ich nicht viel gesagt werden. Dieser arrogante Brite weiß einfach, wie man’s macht.
Mein absoluter Liebling ist allerdings der Namensgeber des Romans selbst: Dr. No! Ein absolut gelungener Bösewicht, meiner Meinung nach der beste Bond-Schurke überhaupt. Selten konnte mich eine Figur so erschrecken und dennoch schmunzeln lassen, wie der Deutsch-Chinese. Es ist absolut klassisch: Der Böse ist absolut wahnsinnig und weiß das auch. Es ist wirklich herrlich diesen Größenwahn nachlesen zu dürfen. Hier eine kleine Kostprobe:
„Wahnsinn, mein lieber Mister Bond, ist so unbezahlbar wie Genie. Energieverschwendung, geteilte Aufmerksamkeit, Antriebslosigkeit, fehlendes Durchhaltevermögen – das alles sind Laster der Herdentiere. […] Ich habe diese Laster nicht. Ich bin, wie Sie ganz richtig festgestellt haben, ein Wahnsinniger – ein Wahnsinniger, Mister Bond, dessen Macht im Wahn liegt.“ (Seite 249)
Herrlich…mehr kann ich dazu gar nicht sagen. Allein diese Szene, in der Dr. No alle seine heimtückischen Pläne offenbart, ist es wert diese Geschichte zu lesen. Aber es gibt noch eine andere tolle Stelle im Roman, die im Film leider nicht übernommen wurde und das ist Dr. Nos Parcours. Hier kann sich Bond mal so richtig beweisen und da der Leser absolut keine Ahnung hat was passiert, ist die Sache doppelt spannend!
Dass Flemings Schreibstil nicht überragend ist, sollte bekannt sein. Einfache Sätze und manchmal zu genaue Beschreibungen sind hier prägend. Wie etwa:
„Der Grund war schlammig, und mit jedem Schritt sanken ihre Füße zentimetertief in den schleimigen Morast. Kleine Fische oder Krebstiere wuselten umher und flohen vor ihren Schritten, und immer wieder mussten sie die Blutegel wegwischen, bevor sie sich festsaugten. Doch ansonsten kamen sie problemlos voran.“ (Seite 148)
Danke Mr. Fleming für diese eindrückliche und die eklige Beschreibung. Na, immerhin kamen sie problemlos voran…Ihr seht schon. Der Stil ist jetzt nicht zum in-die-Höhe-springen, aber eben doch ganz passend.

Fazit



Für mich war „Dr. No“ ein wirklich geniales Buch. Dieser Schurke hat’s mir angetan und auch die Geschichte an sich kann wirklich glänzen. Ich hoffe meine Zitate schrecken euch nicht ab. Ich kann wirklich sehr gut verstehen, warum man dieses Abenteuer für die Filmpremiere ausgewählt hat, da es wirklich alles hat: Spannung, Action, Humor und einen ganz bezaubernden James Bond. Von mir gibt es super 4,5 Sterne. In einer anderen Stimmung hätte ich sicher 5 vergeben, aber ein paar Landschaftszitate zu viel ließen mich davor zurückschrecken. 



23. November 2015

Rezension: "James Bond - Diamantenfieber" von Ian Fleming


Titel: James Bond - Diamantenfieber
Autor: Ian Fleming
Verlag: Cross & Cut
Preis: 12,80€
Seiten: 280

Man kann schon sagen, dass ich die Klassiker von Ian Fleming über den berüchtigten britischen Geheimagenten für mich entdeckt habe. „James Bond – Diamantenfieber“ macht sich in der Reihe mehr als gut und hat alles, was man sich bei 007 so wünscht: Gangster, Geheimagenten und natürlich das Bondgirl.

Inhalt


Bond ist es gewohnt im Ausland zu operieren. Doch auf den Spuren eines Diamantenschmugglerrings gerät er zwischen die Fronten den amerikanischen Gangs. Er soll sich ins System einschleichen und nach oben arbeiten. Auf dieser Mission trifft er die bezaubernde Tiffany Case, die aber leider so gar nichts von ihm wissen will – kein Grund für Bond aufzugeben. Während er in den Straßen New Yorks in Verfolgungsjagden und illegale Geschäfte gerät, versucht er nebenbei noch das Herz der schönen Frau zu gewinnen. Doch die amerikanischen Banden operieren so ganz anders, als es der britische Gentleman gewöhnt ist.

Meinung


Für mich haben ja alle James Bond Bücher ihren Reiz, denn sie bieten Abwechslung zu vielen anderen Erzählstrukturen. Der Stil von Fleming ist recht simpel, manchmal geradezu stumpf und das trifft auch auf den Agenten selbst zu. Die Bücher haben immer etwas Maskulines und Charismatisches, was mir aber sehr gut gefällt. Für mich ist dieser James Bond der bis jetzt beste in der Reihe (,was ich ja irgendwie bei jeder neuen Bond-Rezension schreibe :D), denn er ist abwechslungsreich und unvorhersehbar. Natürlich nur in Maßen…dass 007 wohl kaum sterben wird, müsste zu Beginn jeden Buches klar sein ;)
Getragen wird auch diese Handlung von den Charakteren. Bond selbst übernimmt manchmal die Rolle des Antagonisten. Er ist kühl, arrogant und überheblich. Dennoch macht ihn gerade das  ja unwiderstehlich. Ihm bedeuten Frauen nicht allzu viel, er trinkt und raucht gern und auch das Glücksspiel gefällt ihm ganz gut. Dennoch berührt die unnahbare Tiffany Case sein Herz – wer hätte das gedacht. Sie hat mir als Charakter gut gefallen. Schön ausgearbeitet sind auch die Bösewichte. Und auch wenn es manchmal etwas unüberschaubar war, wer jetzt eigentlich für wen arbeitet, unterschieden sich die Bösen doch von vielen anderen aus den letzten Büchern. Sie sind skrupelloser und kämpfen mit anderen Mitteln.
Besonders schön kommt auch in diesem Bond wieder der Zeitgeist hervor. Die Einstellung der Menschen in den 50er Jahren wird deutlich. Zum ersten Mal werden Meinungen über Homosexuelle ausgetauscht und man gewinnt ein Empfinden für den damaligen Lebensstil (,ohne diesen gutheißen zu wollen).

Fazit



Sicher sind die Bond-Bücher nicht jedermanns Sache. Aber ich habe „Diamantenfieber“ wirklich sehr genossen. Es lässt sich schnell weglesen und nimmt einen mit auf ein Abenteuer. Mir hat der gute 007 wieder sehr gut gefallen, auch wenn er so unglaublich viele negative Eigenschaften hat. Ob Tiffany Case diese auch ausblenden kann, erfahrt ihr wohl nur, wenn ihr zu meiner Leseempfehlung von 5 vollen Spitzenschuhen greift.