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6. März 2025

Rezension [Hörbuch]: "Pretty Shameless - Gefährlicher als Liebe" von Tami Fischer


Titel: Pretty Shameless - Gefährlicher als Liebe
Autorin: Tami Fischer
Verlag: Randomhouse Audio
Preis: 25,95€
Seiten: 512
Dauer: 15h 5m

 

Ich habe die „Manhatten-Elite“-Reihe wirklich lieb gewonnen und wollte deswegen unbedingt wissen, wie sie ausgeht. Wie würde Tami Fischer es schaffen, alle ausgelegten Fäden wieder zusammenzuführen, ohne dass es komplett unlogisch wird?! Viele Geheimnisse werden im abschließenden Band „Pretty Shameless – Gefährlicher als Liebe“ gelüftet, Unbekanntes aufgeklärt und mit einigen Charakteren abgerechnet. Alles in allem wird es allerdings dramatisch. So richtig dramatisch. Und das war für meinen Geschmack zu viel.


Sarah hat alles riskiert, um sich und ihre Zwillingsschwester Payton vor dem Gegenangriff der mächtigen Darlingtons und ihrer Clique zu schützen. Doch der Preis dafür ist hoch, denn Holden vertraut ihr nicht mehr. Gefangen in einem Netz aus Lügen und Intrigen, liegt es nun an Payton, Sarah zu retten, bevor diese darin zu ersticken droht. Sarah wiederum muss sich entscheiden: Will sie einen letzten verzweifelten Versuch wagen, Holden zurückzugewinnen, oder kann sie Monroe doch verzeihen?

Der zweite Teil der Trilogie „Pretty Savage – Süßer als Verrat“ hat einen unglaublich gemeinen Cliffhanger. Wer die Reihe an dieser Stelle abbrechen kann, hat wirklich meinen Respekt. Ich konnte und  vor allem wollte ich es nicht. Denn, obwohl ich es nicht gern zugebe, hat der hinterhältige Monroe sich ja schon ein wenig in mein Herz geschlichen. Deswegen war ich in diesem Teil vor allem auf seine Geschichte gespannt. Was spielt er für ein Spiel? Liebt er Sarah? Ist er doch nur der „König von Manhatten“? Es dauert eine Weile, bis es zur Lösung all dieser Fragen kommt. Aber das Gute: Sie werden beantwortet!
Insgesamt hat Tami Fischer den Plot wieder zusammenbekommen. Obwohl die Geschichte der Zwillinge Sarah und Payton in so viele Richtungen ausgeufert ist, schließen sich die Kreise wieder. Besonders bewegt hat mich in diesem Zusammenhang die Vergangenheit ihrer Mutter. Als die Zwillinge endlich erfahren, wie es zu ihrer Zeugung kam, hielt ich wirklich den Atem an.
Leider war das aber einer der wenigen Moment, die so fesselnd waren. Alles in allem empfand ich die Geschichte als zu langatmig. Vieles hätte man kürzen können. Besonders die prickelnden Szenen fallen in diese Kategorie. Meines Erachtens waren sie etwas gekünstelt dazwischen geschoben, denn es ist schließlich ein New-Adult Buch und da gehört für die Masse ja Sex rein. Viel Sex. Mir war das Ganze zu viel und vor allem zu lang. Vielleicht stört das aber auch nur mich…
Betrachtet man die gesamte Handlung des dritten Bandes, fällt schnell auf, dass die Themen einfach krass sind. Man ist aus den Vorgängern ja schon einiges gewohnt. Und ehrlich gesagt, liebe ich das Gefühl, dass sich bei einem Reihenabschluss einschleicht, wenn man „nach Hause kommt“ und sich freut, alle Charaktere wieder zu haben. Dieses Gefühl hatte ich auch bei „Pretty Shameless“. Ich mag Donnie, Celia und Sarah wirklich sehr. Zu Payton fehlt mir nach wie vor die richtige Verbindung. Und obwohl auch Cameron in diesem Buch wirklich gut wegkommt, bin ich mit ihr nie ganz warm geworden. Die Charaktere sind eine interessante Mischung aus liebevollen Details und Extravaganz. Jeder Lesende findet sicher jemanden, den er sympathisch findet. Ob dieser dann aber auch mit offenen Karten spielt, bleibt abzuwarten. Denn eigentlich hat ja jeder in dieser Geschichte eine Leiche im Keller. Und diese „Leichen“ sind absolut krasse Themen. Das ganze Buch beinhaltet Themen, die ich einfach heftig finde. Die Autorin treibt es mit dem abschließenden Band noch ein wenig auf die Spitze. Gab es schon vorher Inhalte wie Drogenmissbrauch, Rassismus oder Sexismus kommen dieses Mal auf noch versuchter Mord und mehrfach das Thema Tod vor. Die Mischung aus all diesen extremen Themenblöcken war mir zu krass. Die Handlung ist meines Erachtens viel zu dramatisch. Manchmal springt sie hin und her und man weiß gar nicht, welcher Zwilling denn jetzt was vorhat. Das fand ich sehr schade. In sehr krassem Kontrast dazu steht der Epilog, den ich wirklich zu happy fand. Wenn eine solche Geschichte SO gut ausgeht, ist eigentlich etwas faul. Sicher, die Charaktere haben gelitten. Sehr sogar. Aber für mich war das Süßholzgeraspel am Ende leider ebenfalls too much.
Wirklich gut haben die beiden Sprecherinnen ihren Job gemacht. Tami Fischer selbst und Rebecca Veil lesen wirklich gut. Auch der Stil der Autorin ist fesselnd und sehr unterhaltsam. Ich mag ihre Vergleiche, ihre kleinen Hinweise auf Taylor Swift und ihren Humor.

Alles in allem ist „Pretty Shameless – Gefährlicher als Liebe“ ein Buch, das eine große Aufgabe vor sich hatte. Zwar meistert die Geschichte den Umstand, alles aufzuklären und die Charaktere wieder einzufangen. Die Art und Weise war mir dabei aber zu krass. Hinzu kommt, dass mich die prickelnden Szenen leider gar nicht überzeugen konnten und sie meines Erachtens auch nicht in das krasse Drama gepasst haben.
Nichtsdestotrotz hatte ich unglaublich viel Spaß mit den Zwillingen in Manhatten. Der dritte Teil ist jedoch leider der schwächste der Reihe, weshalb ich ihn mit drei von fünf Sternen bewerte.




16. August 2024

Rezension [Hörbuch]: "Mile High" von Liz Tomforde


Titel: Mile high
Autorin: Liz Tomforde
Verlag: Randomhouse Audio
Preis: 29,95€
Seiten: 773
Dauer: 17h 15m
 

Der Klappentext von „Mile High“ hat mich sofort gecatcht. Sports-Romance ist einfach mein Genre, muss ich gestehen. Daher zögerte ich nicht lang, als ich von der Geschichte über den Bad Boy -Eishockeyspieler und die freche Flugbegleiterin hörte. Es konnte nur gut werden. Oder? Diese Frage muss ich definitiv mit JA beantworten, denn das Hörbuch hat einen super hohen Wohlfühlfaktor. Obwohl „Mile High“ kleine Schwächen hat, ist die Geschichte zum Zerfließen!


Frauenheld und Badboy Zanders lebt seinen Traum: Er spielt in der National Hockey League für Chicago, reist mit seinem Team durchs Land und nimmt fast jeden Abend eine andere Frau mit ins Bett. Für die neue Saison gibt es erstmals eine feste Crew für den Privatjet und damit eine goldene Regel: Finger weg von den Flugbegleiterinnen! Doch das ist hart: Crewmitglied Stevie ist schlagfertig, anders, ihre Art zieht Zanders an und vor allem ihre Kurven bekommt er nicht mehr aus dem Kopf …
Schon bald kann auch Stevie sich nicht mehr gegen die Anziehung wehren, doch sie weiß, dass sie nicht nur ihren Job, sondern auch ihr Herz riskiert, wenn sie sich auf Zanders einlässt …

Liz Tomforde hat mit diesem Reihenauftakt definitiv vieles richtig gemacht. „Mile High“ ist ein Buch, bei dem man abschalten und die Story genießen kann. Für mich war es ein absolutes Wohlfühlbuch. Allerdings haben diese Bücher meistens auch Schwächen und natürlich ist das auch hier der Fall. Ich habe die Geschichte als Hörbuch gehört und diese geht über 17 Stunden. Das ist eine ganze Menge, weshalb es nicht verwundert, dass die Geschichte ein paar Längen hat. Ich kann sie gar nicht als „unnötig“ bezeichnen, denn die Handlung macht mit all ihren kleinen Nebenschauplätzen schon Sinn. Aber es zieht sich oft eben doch. Hinzu kommt, dass man die Handlung in gewisser Weise voraussehen kann. Mich stört das als Hörerin eigentlich nie, denn ich will ja auch zum Teil, dass es genauso kommt. Trotzdem überrascht „Mile High“ so gut wie nie, was doch etwas schade ist. Mein größter Kritikpunkt ist allerdings, dass am Ende alles etwas zu perfekt ist. Das Happy End war der Autorin scheinbar sehr wichtig, sodass wirklich einfach alles passt. Naja.
Genug der Kritik und hin zu den tollen Sachen dieses Hörbuchs. Zanders und Stevie sind fantastische Protagonisten! Ich habe beide wirklich sehr lieb gewonnen und mochte die Kapitel aus seiner und aus ihrer Perspektive. Außerdem mochte ich die beiden Sprecher Mala Sommer und Alexander Kalff. Sie haben beide ein wundervolles Gefühl für die jeweilige Stimmung ihrer Figur bewiesen und bringen eine ordentliche Portion Frechheit mit hinein. Beide lesen in einem angenehmen Tempo, haben schöne Stimmen und bringen die Emotionen gut rüber. Das hat mir super gefallen.
Und wie gesagt, auch die beiden Protas sind toll. Zanders ist der Eishockeystar und Bad Boy, wie er im Buche steht. Er ist ein Macho mit Herz. Außerdem beweist er durchaus Schwächen, wie beispielsweise Oberflächlichkeit. Aber er arbeitet daran und dieser Prozess kommt auch in der Geschichte rüber. Stevie ist eine tolle und selbstbewusste Frau, die einfach ganz normal ist. Sie hat ein paar Kilos zu viel auf den Hüften und macht daraus kein Geheimnis. Beide Hauptcharaktere sind übrigens PoC, was mir ebenfalls gut gefiel. Liz Tomforde legt viel Wert darauf, andere Figuren zu präsentieren, als in den meisten Büchern. Und das gelingt wunderbar. So arbeitet die Autorin Themen wie Bodyshaming oder Hautfarben ganz nebenbei ein. Weitere Themen sind übrigens Medien, Ausnutzung, Familienprobleme, Freundschaft und auch Hunde. Bei dieser Vielfalt ist es dann wieder nachvollziehbar, dass das Buch eben so dick ist.
Die Handlung ist zwar vorhersehbar, aber sehr schön. Gut gefallen hat mir, dass sie nie unauthentisch ist. Die Charaktere handeln ihrer Mentalität entsprechend, sodass es keine unlogischen Entwicklungen gibt. Die Beziehung, die sich zwischen Stevie und Zanders entfaltet ist tiefgehend und sehr schön. Bei den Sexszenen geht es wirklich heiß her und es gibt einige davon.
Gut gefallen haben mir auch die Nebencharaktere und die damit entstehende Dynamik. Ich mochte Stevies Zwillingsbruder Ryan sehr gern und auch ihre Kollegin Indie ist toll. Die Mannschaftskollegen von Zanders sorgen für Humor und eine Prise Männlichkeit in der Geschichte.
Der Schreibstil von Tomforde ist ebenfalls super. Er ist sehr flüssig und es gibt viele Dialoge. Diese werden von den beiden Sprechern perfekt inszeniert. Außerdem hat die Autorin durchaus ein Händchen für Sprache. Ich fand es einfach toll, dass der erste und letzte Satz des Buches sich quasi gleichen. Das beweist Überblick und schließt den Kreis der Handlung.

Ich konnte bei „Mile High“ super abschalten. Und das, obwohl es so lang ist. Ich mochte die Liebesgeschichte sehr, denn sie ist authentisch. Auch die Nebenhandlungen und die damit verbundenen Charaktere sind gut. Obwohl ich das Ende zu perfekt finde, ist die Geschichte so liebevoll und detailreich ausgearbeitet, dass ich 4,5 Sterne vergebe, die ich gern aufrunde.





17. Februar 2024

Rezension [Hörbuch]: "Sirens - Das Leuchten der Magie" von Maike Voß



 

Das Meer ist voller Geheimnisse. Kein Wunder also, dass so viele Fantasy-Geschichten genau dort spielen. Und unter all diesen Geschichten findet sich natürlich auch immer der Mythos um Meerjungfrauen oder auch Sirenen. Maike Voß hat sich nun diesen Stoff zu eigen gemacht und heraus kam „Sirens – Das Glühen der Magie“. Sirenen, eine toughe Protagonistin und ein Bad Boy, der sich als Prinz herausstellt: Das Hörbuch scheint alles zu haben, was es braucht, um großartig zu sein. Und obwohl mir die Geschichte gefallen hat, gibt es durchaus Schwächen.


Regan Seaborn ist einundzwanzig, liebt das Wasser und verdammt gute Musik. Doch seit dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern führt sie ein Leben auf der Flucht. Ihre letzte Station ist London, und auch wenn Regan klar ist, dass sie nicht lange wird bleiben können, fühlt sie eine gewisse Verbundenheit mit der Stadt. Dann taucht eines Abends der umwerfend gut aussehende Penn in ihrem Leben auf und stellt es gehörig auf den Kopf. Widerwillig fühlt sie sich mehr und mehr zu dem charmanten Bad Boy hingezogen, doch Penn ist nicht nur auf einen sexy Flirt aus. Er ist der Prinz der Artaga, mächtiger Sirenen, und Regan die letzte Überlebende einer alteingesessenen Sirenenfamilie. Und nun brauchen die Artaga ihre Hilfe ...

Vielleicht liegt es an meinen Erwartungen, dass ich nach dem Hören von „Sirens – Das Glühen der Magie“ etwas enttäuscht bin. Warum waren meine Erwartungen also hoch? Der Klappentext spricht ja eigentlich für sich. Allein die Kombi aus „Bad Boy/Prinz“ hat mich persönlich ziemlich gereizt. Hinzu kommt das wunderschöne Cover. Nach beiden Aspekten beschloss ich also, dass ich dieses Hörbuch einfach hören musste. Ich habe es nicht bereut, so viel vorweg. Aber im Nachhinein gibt es doch einige Dinge, die mich etwas gestört haben.
Insgesamt hat die Autorin sich ein ziemlich solides Grundgerüst für ihre Geschichte gebaut. Regan ist eine junge und dynamische Protagonistin, die viel Selbstbewusstsein hat. Sie war mir am Anfang unglaublich sympathisch. Allein, dass sie in ihrer ersten Szene einen One-Night-Stand süß aus ihrer Wohnung verabschiedet, ließ mich meine Mundwinkel nach oben ziehen. Regan ist cool, ich denke, so lässt es sich sagen. Zumindest am Anfang. Denn vor allem im Mittelteil und am Ende hat sie mich doch ganz schön genervt. Denn in diesem Handlungsabschnitt macht sie sich einfach viel vor, ist naiv und wechselt dauernd ihre Meinung. Deswegen muss ich Regan insgesamt als etwas ambivalenten Charakter bezeichnen. Nichtsdestotrotz ist sie die wichtigste Figur für die Geschichte. Die zweite wäre dann Penn, der Prinz der Artaga. Die Artaga sind ein Schwarm von Sirenen, die durch die Herrscherin eines anderen Schwarms quasi bedroht werden. Aber nicht nur die Artaga sind in Gefahr wenn Setaria, die Königin der Nox, die Macht der Sieben Weltmeere entfesselt, sondern die gesamte Menschheit. Dies soll durch ein Ritual verhindert werden. Es scheint also viel Verantwortung auf den Schultern der Artaga zu liegen und das überträgt sich auf Regan und Penn. Aber Penn ist ein deutlich entspannterer und meiner Meinung nach ehrlicherer Charakter als Regan. Anfangs scheint er wirklich ein Player zu sein, als „Bad Boy“ hätte ich ihn allerdings zu keinem Zeitpunkt beschrieben. Penn ist unglaublich gutaussehend, clever, durchtrainiert und verliebt sich natürlich unsterblich in Regan. (Etwas overflächlich, oder?) Er macht ihr auch eigentlich nie etwas vor, aber trotzdem findet Regan immer wieder ein Haar in der Suppe. Insgesamt hat mich das Beziehungs-Hin-und-Her zwischen den beiden irgendwann gestört. Das war mir zu viel und zu gekünstelt. Dabei haben beide zusammen wirklich Potenzial und sind ein tolles Paar. Das müsste eben nur Regan auch erkennen...
Ein weiterer Charakter, der erwähnt werden muss, ich der kleine Wasserdrache Shen. Shen ist so niedlich und wirklich die lustigste in der ganzen Geschichte. Humor hat „Sirens – Das Glühen der Magie“ übrigens eine ganze Menge. Und der größte Vertreter davon ist eben Shen. Ich habe ihre schlechten Filmvergleiche wirklich geliebt. Und es sagt wohl auch irgendwie etwas über mich aus, dass ich alle Paare, mit denen Shen Regan und Penn vergleicht, kenne….oder? Shen uns Regan haben wirklich tolle Konversationen und damit wären wir bei einer absoluten Stärke des Buches. Die Autorin kann auf jeden Fall schreiben und gerade die Dialoge sind sehr spritzig. So entsteht ein schöner Fluss für den Leser oder in meinem Fall den Hörer.
Am Schreibstil liegt es also keinesfalls, dass ich finde, dass das Buch Potenzial verschenkt hat. Meiner Meinung nach ist die Handlung zum Beispiel zu langatmig. Es dauert ewig, um das Training für das Ritual abzuschließen und vom Beziehungsdrama habe ich ja bereits gesprochen. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Handlung im Mittelteil vorhersehbar ist. Das ist sie allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, denn am Ende hat Maike Voß mich dann doch noch mal überrascht. Trotzdem finde ich, dass manche Details zu sehr ausgearbeitet und andere nicht aufgeklärt wurden. Wieso zum Beispiel musste die entführte Artaga in der Innenstadt ganz öffentlich „ausgestellt“ werden? Nur Abschreckung? Das war mir dann etwas zu plump. Die Handlung folgt aber trotzdem einem roter Faden, der eben ein paar kleine Abbiegungen macht und länger ist, als er sein müsste.
Das Ende hat mich wie gesagt positiv überrascht. Überrascht hat mich auch, dass das Buch so viele Sexszenen hat. Zwischendurch dachte ich wirklich, die Autorin könnte sich nicht entscheiden, ob sie einen Fantasy- oder New-Adult-Roman schreiben wollte. Und danach dachte ich dann, „Warum nicht?!“ Wieso sollten nicht auch in einem Fantasyroman viele explizite Sexszenen sein? Ich finde es zwar mutig, aber auch cool. Ob die Häufigkeit jetzt nötig gewesen wäre…darüber könnte man sich wieder streiten.
Kommen wir zuletzt zur Sprecherin des Hörbuchs, Martha Kindermann. Sie kann sehr gut lesen und hat für Regan eine tolle Stimme. Ich konnte ihre Stimme wirklich sofort mit der Protagonistin in Verbindung bringen. Allerdings versucht Kindermann den einzelnen Figuren sehr unterschiedliche Stimmfärbungen zu geben. Bei Penn klappt das auch sehr gut und wirklich großartig ist Shen gesprochen. Aber dann wird es leider etwas komisch. Viele Stimmen driften schon irgendwie ins Dümmliche oder Lächerliche ab (Bsp. Carlos) oder sind etwas bedeutungsschwanger (Penns Vater). Abgesehen von den drei Charakteren gefiel mir Kindermanns Art die Figuren zu interpretieren leider nicht so gut.

Meine Rezension klingt jetzt insgesamt ziemlich negativ, aber ich muss betonen, dass mir das Hörbuch insgesamt gefallen hat. Besonders Penn und Shen haben mein Herz erobert und gerade das Ende kommt überraschend und sorgt für Spannung und Lust auf Teil zwei! Zuvor gibt es meiner Meinung nach aber zu viele Längen, zu viel Beziehungsdrama und die Sprecherin war mir auch oft too much. Deswegen konnte ich die tolle Fantasygeschichte mit solider Idee nicht immer genießen. Ich vergebe deswegen 3,5 Sterne.


19. Juli 2023

Rezension [Hörbuch]: "Die Wallflowers - Daisy & Matthew" von Lisa Kleypas


Titel: Die Wallflowers - Daisy& Matthew
Autorin: Lisa Kleypas
Sprecherin: Yesim Meisheit
Verlag: der Hörverlag
Preis: 21,95€
Seiten: 416
Dauer: 9h 16m
 

Die „Wallflowers“ waren für mich eine der schönsten Entdeckungen des Buchjahres. Ich habe die bisherigen drei Bücher von Lisa Kleypas als Hörbücher gehört und mit jedem einzelnen Mauerblümchen mitgefiebert. Kaum zu glauben, dass nun schon der letzte Band herausgekommen ist. Natürlich musste ich auch die Geschichte von „Daisy & Matthew“ ganz schnell hören, schon allein, damit sich der Kreis schließt. Tatsächlich empfand ich den Klappentext als nicht so spannend, weshalb meine Erwartungen nicht übermäßig groß waren. Aber die Geschichte um die jüngere Bowman-Tochter ist einfach ebenso bezaubernd, wie die anderen auch! Romantik, Verzweiflung, Geheimnisse und natürlich Erotik: diese Geschichte hat alles…und vor allem Drama.

Die lebenslustige Daisy Bowman hat es, anders als ihre Freundinnen, auch nach zwei Londoner Saisons nicht geschafft, einen Ehemann zu finden. Am Ende seiner Geduld stellt ihr Vater, ein reicher Industrieller, ihr ein Ultimatum: Sollte sie auch in dieser Saison keinen Erfolg haben, muss sie seinen Geschäftspartner heiraten. Matthew Swift ist clever, ernst und schrecklich langweilig – Daisy kann ihn nicht ausstehen. Jeder Mann wäre besser als er. Doch als Matthew nach England reist, ist Daisy überrascht, wie sehr sie sich plötzlich zu ihm hingezogen fühlt. Die Sache hat nur einen Haken: Matthew hat nicht vor, Daisy zu heiraten …


Ich hatte mich schon während des Hörens der ersten drei Bücher gefragt, mit wem die quirlige, aber verträumte Daisy wohl am Ende zusammen sein wird. Tatsächlich sind nämlich die Ehemänner der anderen Mauerblümchen in den Vorgängern immer mal wieder aufgetaucht. Marcus Westcliff war der Geschäftspartner von Simon Hunt und Lord Saint Vincents alter Schulfreund. Die Verbindung zwischen diesen drei Männern war also offensichtlich. Und obwohl bei Daisy bereits einmal eine Liebelei angedeutet wurde, konnte ich mir doch nicht vorstellen, dass der geschäftige Rohan Gegenstand ihrer Liebe werden könnte. Und so sollte es ja auch nicht kommen. Ich muss aber zugeben, dass ich deswegen mit ein paar Bedenken in die Geschichte gegangen bin. Denn als es um Lilians Geschichte ging, konnte ich es kaum abwarten, mehr über Westcliff zu hören. Und nun ein Unbekannter? Wer ist dieser Matthew Swift? Und wieso will er Daisy auf keinen Fall heiraten? Allein, dass der Untertitel des vierten Bandes „Daisy & Matthew“ lautete, bedeutet ja, dass die beiden eben doch zusammen kommen. Was also verbirgt dieser Mann? Aufgrund des Ungewissen war ich also skeptisch. Doch diese Skepsis wurde sehr schnell beseitigt. Denn Matthew Swift ist ein ziemlich toller Kerl und hat Daisy definitiv verdient. Und die Geheimnisse? Ja, die gibt es definitiv und sie spielen eine große Rolle in der Geschichte. Denn wie auch schon in den anderen Teilen, kann die Geschichte ja nicht nur aus dem reinen Werbungsprozess bestehen. Das tut sie auch nicht.
Zunächst müssen Daisy und Matthew sich richtig kennenlernen. Und das ist sicher gar nicht so leicht, wenn sofort die Möglichkeit im Raum steht, dass man einander heiraten solle. Schon allein mit diesem Handlungstwist hat Lisa Kleypas die Geschichte anders aufgebaut, als die der anderen Mauerblümchen. Das gefiel mir sehr gut. Auch macht Daisy sich als Protagonistin gut. Ich fand immer, dass sie die langweiligste der vier jungen Frauen war. Aber diese Geschichte wird ihr gerecht und zeigt, was für ein wundervoller Charakter sie ist. Es hat Spaß gemacht, Daisy dabei zuzusehen, wie sie sich verliebt. Die beiden Protagonisten haben eine tolle Chemie und das Kribbeln zwischen ihnen stimmt. Ich bin ja ein Fan von etwas abgedroschenen Geschichten, in denen der Mann die unerreichbare Frau anhimmelt und ihr die Welt zu Füßen legt. In gewisser Weise ist auch Matthew so ein Kandidat, aber eben unter angepassten Umständen. Mir haben die beiden zusammen sehr gefallen. Auch die Sexszenen waren meines Erachtens viel besser, als noch in der Geschichte von Evie und Sebastian. Es kamen keine merkwürdigen Worte vor und alles passte eben auch zu den Figuren.
Die Auflösung der Geheimnisse und auch die daran angeknüpften Dramen im Buch sind durchaus spannend und waren für mich auch ein Stück weit unerwartet. Das Grobe kann man sich zwar schnell zusammenreimen, aber die Auflösung war passend.
Über den Schreibstil brauche ich glaube ich kaum etwas zu sagen. Lisa Kleypas schreibt wirklich gut und nimmt den Hörer direkt in die Welt der Wallflowers mit. Die Sprecherin Yesim Meisheit hat mir dieses Mal richtig gut gefallen. Ich hatte sie anfangs kritisiert, weil sie die männlichen Charaktere immer etwas zu verrucht gelesen hat. Das war dieses Mal aber gar nicht der Fall und ich konnte auch dank ihrer Interpretationen die verschiedenen Figuren gut unterscheiden. Vielleicht ist ihre Stimme manchmal etwas piepsig, aber das ist meine auch…und es passt zu Anabelle, Lilian und Co. Letztere spielt selbstverständlich in Daisys Geschichte auch eine größere Rolle. Insgesamt ist es toll, wie die anderen Mauerblümchen in Nebenrollen auftreten. So denkt man immer gern an die anderen Liebesgeschichten zurück.
Nun lobe und lobe ich wieder alles. Was gibt es denn zu kritisieren? Eigentlich nur, dass die Geschichte insgesamt ziemlich lang ist. Einige dieser Längen hätte man wirklich reduzieren können. Da ich die Welt der vier Wallflowers aber sehr lieb gewonnen habe, hat es mich eigentlich nicht weiter gestört.

Und so komme ich auch schon zum erwarteten Fazit. „Daisy & Matthew“ ist eine schöne Geschichte, die man in Teilen so erwartet und die einen trotzdem noch überrascht. Mir hat die Chemie des Paares sehr gut gefallen und die Höhen und Tiefen beider Charaktere sind überzeugend. Des Weiteren ist es schön, die anderen Mauerblümchen in Nebenrollen zu treffen. Ich bin wirklich traurig, dass diese Reihe nun vorbei ist, aber gleichzeitig wahnsinnig froh, dass es für alle vier ein Happy-End gab. Und hier sei noch angefügt, dass die letzte Szene des Buches wirklich sehr passend und romantisch nostalgisch ist – genau so, wie es sein sollte. Ich vergebe natürlich fünf Sterne (, die auch stellvertretend für die Reihe stehen).




3. Mai 2023

Rezension [Hörbuch]: Die Wallflowers - Evie & Sebastian


Titel: Die Wallflowers - Evie & Sebastian
Autorin: Lisa Kleypas
Sprecherin: Yesim Meisheit
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 21,95€
Seiten: 432
Dauer: 10h 41min


Es gibt oft Reihen, deren Teile man unabhängig voneinander lesen, beziehungsweise hören kann, bei denen es aber natürlich besser ist, wenn man die Vorgänger kennt. Aber manchmal verliert man dann gerade bei diesen Reihen irgendwann das Interesse. Denn man MUSS eben nicht unbedingt weiterlesen, wenn jede Geschichte für sich abgeschlossen ist.
Dieses Gefühl hatte ich bei der „Wallflowers-Reihe“ aber keineswegs. Nachdem ich den ersten und zweiten Teil bereits als Hörbuch „weggeatmet“ hatte, wollte ich auch unbedingt Band drei schnellstmöglich kennen. Und warum Altbewährtes ändern? Deswegen griff ich zum Hörbuch „Wallflowers – Evie & Sebastian“ – und meine Erwartungen waren hoch! Konnten diese erfüllt werden? Absolut. Denn auch Band drei dieser schönen, verruchten Regency-Reihe hält, was er verspricht.

Evangeline Jenner wird nach dem Tod ihres Vaters ein Vermögen erben. Und nun liegt der berüchtigte Geschäftsmann tatsächlich im Sterben. Um ihrer bösartigen, habgierigen Verwandtschaft zu entkommen, die sie seit Jahren unterdrückt, sieht die schüchterne Evie nur noch einen Ausweg: Sebastian, Lord St. Vincent.
Der berüchtigte Frauenheld ist nicht nur als unwiderstehlicher Herzensbrecher bekannt, er steckt auch in ernsthaften Geldsorgen. Verzweifelt macht Evie ihm einen Heiratsantrag, und Sebastian, der keiner Herausforderung widerstehen kann, willigt ein. Doch Evie ist fest entschlossen, eine Scheinehe zu führen und den charmanten Lord weder in ihr Bett noch in ihr Herz zu lassen …

Was ich wirklich toll an der Wallflowers-Reihe finde, ist dass jede Geschichte bisher einen anderen Ansatz verfolgt. Für alle, die von der Reihe noch nicht gehört haben, sei erklärt, dass es sich um eine Gruppe von vier Frauen handelt, die innerhalb der Londoner-Saison immer nur als Mauerblümchen galten. Auf den Bällen und Soirees hat sich niemand mit Annabelle, Lilian, Evie oder Daisy beschäftigt. Gemeinsamkeiten schweißen bekanntlich zusammen und so schlossen die vier jungen Damen Freundschaft. Aber nicht nur das. Sie beschlossen auch, für jede unter ihnen einen Heiratskandidaten zu finden und so dem Dasein als Mauerblümchen zu entgehen.
Während der erste Teil (Annabelle und Simon) relativ vorhersehbar aber schön war, konnte der zweite (Lilian und Marcus) mit vielen Überraschungen glänzen. Natürlich ist durch den Titel jeden Buches klar, wer mit wem eine Liebschaft eingehen wird und gerade deswegen ist es recht schwer für die Autorin, nicht immer den gleichen Weg einzuschlagen: lange Werbephase, Heirat, Ehe. Während eben dieses Schema in Band eins noch recht stringent vorherrscht, bricht Band zwei damit schon deutlich auf. Aber Lisa Kleypas schafft es mit Band drei noch einmal, sich zu steigern. Annabelle und Lilian gehen Liebesheiraten ein. Aber die unscheinbare, rothaarige und stotternde Evie sieht in der Ehe nur einen Ausweg aus ihrem Familiendilemma. Und dieses Dilemma hat es in sich.
In den ersten beiden Bänden hat man von Evie immer einen recht unscheinbaren Eindruck. Sie ist schüchtern und unterschätzt sich selbst gehörig. Dass sie stottert, macht sie für das männliche Geschlecht nicht unbedingt anziehend. Und deswegen konnte ich mir nur schwer vorstellen, wie ihre Geschichte wohl aussehen würde. Doch was mir nicht bewusst war, waren Evies Familienverhältnisse. Ihre Verwandtschaft duldet sie quasi aufgrund ihres in Aussicht stehenden Erbes und unterdrückt sie. Doch in dem unscheinbaren Mauerblümchen steckt eine toughe junge Frau, die vor ihrer Familie flüchtet – hinein in die Arme des verrufenen Lords St. Vincent. Sebastian ist für die „Wallflowers“-Leser/innen ein alter Bekannter. Doch der Frauenheld ist bisher nicht aufgrund seiner ehrlichen Absichten aufgefallen. Schon im Epilog von Band zwei wird Evies und Sebastians Geschichte angedeutet, die eben so gar nichts von einer Liebesheirat hat. Umso interessanter wird es. Es handelt sich um eine Zweckehe, von der eben beide etwas haben: Evie ihre Freiheit und Sebastian Evies Erbe. Doch es wäre kein Liebesroman, wenn nicht natürlich wahre Gefühle dazu kommen würden. Der Weg zu ihnen ist eben nur ein anderer.
Mir hat diese Geschichte wirklich gut gefallen. Hier steht nicht die Hochzeit oder die Liebeswerbung im Fokus, sondern zuerst einmal eine Frau, die für ihre Freiheit kämpft. Evies Flucht und das Familiendrama waren beeindruckend. Aber auch danach verliert die Geschichte nicht an Spannung. Ein Großteil des Buches spielt im „Jenners“, dem Club von Evies Vater. Auch die Personen, die in diesem Kontext auftauchen, sind spannend, wie zum Beispiel der Roma Rohan. Er ist Evie ein wahrer Freund und bietet eine recht maskuline Abwechslung zu den Mauerblümchen. Diese spielen in diesem Teil eine etwas kleinere Rolle als in den Vorgängern. Das empfand ich aber keinesfalls als schlimm, denn Evie und Sebastian wissen auch allein zu unterhalten. Die Geschichte zwischen ihnen baut sich langsam auf und entwickelt sich wirklich schön, aber in einem gewissen Punkt auch unerwartet. Dieses Attribut kann man aber auch in Hinblick auf die Geschichte an sich benutzen. Das Paar übernimmt nach dem Tod von Evies Vater den Club und allein dieser Handlungsstrang unterhält den Leser. Doch es gibt eine Wendung, die ich nicht erwartet hatte. Alles Unerwartete finde ich gut und daher war ich positiv überrascht.
Die Charaktere bleiben sich die ganze Zeit über treu und Evie macht eine wunderbare Entwicklung durch. Sebastian ist ebenfalls eine spannende Figur, die für viel Humor und Unterhaltung sorgt. Auch die Nebenfiguren sind interessant und natürlich tauchen die restlichen Mauerblümchen und liebgewonnene Charaktere der ersten beiden Bände immer wieder auf.
Die Autorin hat für Sebastian und Evie eine tolle Geschichte erdacht, die wirklich gut unterhält. Der Schreibstil ist dabei fließend, zwischenzeitlich aber auch recht kitschig. Mir gefiel das Vokabular in den Sexszenen manchmal leider gar nicht. Gerade, wenn man Sexszenen in einem Hörbuch hat, finde ich einige Worte wirklich unangenehmer, als wenn ich sie lesen würde. Hier war das für mich das Wort „Pussy“. Muss das sein? Naja. Die Sprecherin Yesim Meisheit macht ihre Sache allerdings gut. Im ersten Band habe ich sie noch deutlich kritisiert, da sie mir die männlichen Figuren viel zu sexistisch gelesen hat. Aber das tut sie inzwischen nicht mehr, was ein wahrer Gewinn für die Geschichte ist. Ihre Stimme hat etwas Freches, was gut zur Handlung passt. Die Kapitel sind übrigens immer aus Evies oder Sebastians Sicht erzählt, was ich toll fand. Allerdings finde ich auch, dass es manchmal einfach Kapitel gab, die in die Länge gezogen waren. Ganz so lang hätte das Buch also nicht unbedingt sein müssen.


Insgesamt kann „Die Wallflowers – Evie & Sebastian“ mit den Vorgängern absolut mithalten, obwohl die Geschichte einen ganz anderen Weg nimmt. Die beiden Protagonisten sind spannende Gegensätze, die eben doch viel mehr gemein haben, als es den Anschein macht. Liebe, Freundschaft, Erotik, Feinde und Überraschungen erwarten den Hörer hier. Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und vergebe deswegen vier Sterne. 




9. April 2023

Rezension [Hörbuch]: "Die Wallflowers - Lilian & Marcus" von Lisa Kleypas


Titel: Die Wallflowers - Lilian & Marcus
Autor: Lisa Kleypas
Sprecher: Yesim Meisheit
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 25,95€
Seiten: 496
Dauer: 12 h 10 min

 

Der Trend der Liebesromane aus der Regency-Zeit ist dank „Bridgerton“ ungebrochen. Doch selbstverständlich ist Julia Quinn nicht die einzige, die es beherrscht, Romane über den englischen Heiratsmarkt mit einer Prise Erotik und ganz viel Liebe zu schreiben. Ein weiteres gelungenes Beispiel ist nämlich die „Wallflowers“-Reihe von Lisa Kleypas, die ich vor kurzem für mich entdeckt habe. Nachdem Band eins „Annabelle & Simon“ mich gepackt hatte, widmete ich mich dem zweiten Teil „Lillian & Marcus“. Und was ich noch am ersten Teil kritisiert habe, löste sich im zweiten glücklicherweise auf. Und deswegen kann ich jetzt schon verraten, dass der zweite Teil der Reihe eine tolle Steigerung zum ersten ist!

Die hübsche amerikanische Erbin Lillian Bowman soll auf Wunsch ihrer Mutter einen englischen Adligen heiraten. Doch Lillian eckt mit ihrer direkten Art in der vornehmen britischen Gesellschaft immer wieder an. Keiner der wohlerzogenen Herren scheint ihr gewachsen, allenfalls der mächtige und arrogante Earl of Westcliff kann es mit ihr aufnehmen.
Marcus ist berüchtigt für seine kalte, herablassende Art – und für sein märchenhaftes Vermögen. Lillian verachtet ihn, und doch bringt niemand sie so aus der Fassung wie Lord Westcliff.

Die „Wallflowers“ sind nicht etwa Geschwister, sondern eine kleine Gruppe von Freundinnen, die sich durch ihr Mauerblümchen-Dasein kennengelernt haben. Es handelt sich um vier junge Damen, die auf so gut wie jedem Ball in der aktuellen Saison nur am Rande sitzen und nie zum Tanz aufgefordert werden. Dabei sind die vier alles andere als unansehnlich. Und trotzdem spricht irgendetwas gegen jede einzelne von ihnen. Zusammen haben sie aber den Pakt geschlossen, dafür zu sorgen, dass sie alle nacheinander unter die Haube kommen und eine gute Partie machen.
Bei Annabelle hat das bereits gut geklappt und nun ist die zweitälteste an der Reihe: Lilian Bowman.
Bereits im ersten Teil lernt man Annabelle, Lilian, Daisy und Evie gut kennen, obwohl natürlich Annabelle im Fokus steht. Schon im Auftaktband gefiel mir der Charakter von Lilian sehr gut, denn sie ist eine freche und unerschrockene, junge Frau. Dass sie Amerikanerin ist, verschreckt viele Männer zusätzlich zu ihrer direkten Art.
Man muss ja zugeben, dass der Handlungsgang des jeweiligen Buches aufgrund des Untertitels nicht schwer zu erahnen ist. Und da Band zwei nun einmal „Lilian & Marcus“ heißt, weiß man ja, mit wem die junge Dame zusammenkommen wird. Wenn man den ersten Teil gelesen – oder in meinem Fall gehört – hat, dann kennt man auch Marcus bereits. Und das gefiel mir richtig gut. Denn so eröffnet die Autorin keine komplett neue Bühne und müsste etwa einen neuen Herren erfinden. Die Charaktere sind bereits eingeführt und waren vorher lediglich Nebenfiguren. Doch nun mausern sich Lilian und Marcus zu Hauptfiguren – und sie übernehmen diese Rolle unglaublich gut!
Meines Erachtens ist der Verlauf der Handlung wirklich toll. Die Geschichte besteht eben nicht aus einer klassischen Umwerbung, einer Hochzeit, der Hochzeitsnacht, einem Tiefpunkt und einem Happy-Ende. Oh nein! Die Liebesgeschichte von Lilian und Marcus nimmt einen anderen Weg, aber das gefiel mir richtig gut. Lilian ist keinesfalls die unschuldige Dame, die man in England erwartet. Und die Flirterei zwischen ihr und Marcus ist wirklich ziemlich heiß. Die Chemie zwischen diesen beiden Figuren stimmt einfach. Marcus ist ein sehr starker, aber egoistischer Charakter. Er lässt niemanden wirklich an sich heran und es ist schön zu sehen, wie Lilian nach und nach sein Herz erweicht. Die Begegnungen der beiden haben immer Humor und ein gewisses Feuer. Ich habe auf jeden Fall total mitgefiebert und fand es toll, wie sie sich ineinander verliebt haben. Aber auch danach wurde die Geschichte nicht langweilig. Im ersten Teil fand ich den zweiten Handlungsteil ziemlich langatmig und künstlich. Aber das ist in Band zwei nicht der Fall. Die Komplikationen, denen sich Lilian und Marcus stellen müssen, passen super zur Geschichte und sind realistisch. Das Ende hat so einige Höhen und Wendepunkte zu bieten und am Ende war ich als Hörerin absolut zufrieden.
Es gibt einige prickelnde Szenen in diesem Buch. Aber sie passen gut in die Handlung und nur am Ende waren sie meiner Meinung nach nicht mehr wirklich nötig. Auch hier muss ich betonen: Die Chemie zwischen den beiden Protagonisten stimmt einfach.
Alle anderen Figuren sind sicher auch eine Betrachtung wert. Gerade die Mauerblümchen sind tolle Charaktere. In diesem Buch spielt natürlich Lilians Schwester Daisy eine größere Rolle, aber sie bleibt trotzdem etwas blass. Ich freue mich aber schon, auch sie genauer kennenzulernen, wenn sie eben an der Reihe ist. Es ist schön, die Geschichte von Marcus und Lilian zu verfolgen und trotzdem das große Ganze im Blick zu behalten, das eben innerhalb der ganzen Reihe weitergesponnen wird. Man kann diesen Band sicher isoliert lesen und hören, kennt man aber Band eins, ist es um einiges schöner.
Wie ich bereits angerissen habe, habe ich das Buch wieder als Hörbuch gehört. Der Stil von Lisa Kleypas ist insgesamt flüssig und bildreich. Die Geschichte ist gut geschrieben und gerade die vielen Dialoge haben mir gefallen. Dieses Mal will ich auch die Sprecherin Yesim Meisheit nicht kritisieren, denn in „Lilian & Marcus“ übertreibt sie es nicht. Zwar versucht die Sprecherin einigen Figuren eigene Nuancen zu verleihen, aber zum Glück sind vor allem die männlichen Stimmen nicht so krass erotisierend gelesen, wie noch in Band eins. Zum Glück. So machte das Hören doch deutlich mehr Spaß.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich dieses Hörbuch unglaublich gern gehört habe und mich selbst ertappte, wie ich immer weiter hören wollte. Und das spricht ja für sich. Die Liebesgeschichte dieser beiden lebhaften Charaktere ist wirklich schön und jeder, der gute Unterhaltung in diesem Genre oder Setting sucht, liegt mit der „Wallflowers“-Reihe goldrichtig. Ich vergebe dieses Mal die volle Sternezahl.