3. Mai 2023

Rezension [Hörbuch]: Die Wallflowers - Evie & Sebastian


Titel: Die Wallflowers - Evie & Sebastian
Autorin: Lisa Kleypas
Sprecherin: Yesim Meisheit
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 21,95€
Seiten: 432
Dauer: 10h 41min


Es gibt oft Reihen, deren Teile man unabhängig voneinander lesen, beziehungsweise hören kann, bei denen es aber natürlich besser ist, wenn man die Vorgänger kennt. Aber manchmal verliert man dann gerade bei diesen Reihen irgendwann das Interesse. Denn man MUSS eben nicht unbedingt weiterlesen, wenn jede Geschichte für sich abgeschlossen ist.
Dieses Gefühl hatte ich bei der „Wallflowers-Reihe“ aber keineswegs. Nachdem ich den ersten und zweiten Teil bereits als Hörbuch „weggeatmet“ hatte, wollte ich auch unbedingt Band drei schnellstmöglich kennen. Und warum Altbewährtes ändern? Deswegen griff ich zum Hörbuch „Wallflowers – Evie & Sebastian“ – und meine Erwartungen waren hoch! Konnten diese erfüllt werden? Absolut. Denn auch Band drei dieser schönen, verruchten Regency-Reihe hält, was er verspricht.

Evangeline Jenner wird nach dem Tod ihres Vaters ein Vermögen erben. Und nun liegt der berüchtigte Geschäftsmann tatsächlich im Sterben. Um ihrer bösartigen, habgierigen Verwandtschaft zu entkommen, die sie seit Jahren unterdrückt, sieht die schüchterne Evie nur noch einen Ausweg: Sebastian, Lord St. Vincent.
Der berüchtigte Frauenheld ist nicht nur als unwiderstehlicher Herzensbrecher bekannt, er steckt auch in ernsthaften Geldsorgen. Verzweifelt macht Evie ihm einen Heiratsantrag, und Sebastian, der keiner Herausforderung widerstehen kann, willigt ein. Doch Evie ist fest entschlossen, eine Scheinehe zu führen und den charmanten Lord weder in ihr Bett noch in ihr Herz zu lassen …

Was ich wirklich toll an der Wallflowers-Reihe finde, ist dass jede Geschichte bisher einen anderen Ansatz verfolgt. Für alle, die von der Reihe noch nicht gehört haben, sei erklärt, dass es sich um eine Gruppe von vier Frauen handelt, die innerhalb der Londoner-Saison immer nur als Mauerblümchen galten. Auf den Bällen und Soirees hat sich niemand mit Annabelle, Lilian, Evie oder Daisy beschäftigt. Gemeinsamkeiten schweißen bekanntlich zusammen und so schlossen die vier jungen Damen Freundschaft. Aber nicht nur das. Sie beschlossen auch, für jede unter ihnen einen Heiratskandidaten zu finden und so dem Dasein als Mauerblümchen zu entgehen.
Während der erste Teil (Annabelle und Simon) relativ vorhersehbar aber schön war, konnte der zweite (Lilian und Marcus) mit vielen Überraschungen glänzen. Natürlich ist durch den Titel jeden Buches klar, wer mit wem eine Liebschaft eingehen wird und gerade deswegen ist es recht schwer für die Autorin, nicht immer den gleichen Weg einzuschlagen: lange Werbephase, Heirat, Ehe. Während eben dieses Schema in Band eins noch recht stringent vorherrscht, bricht Band zwei damit schon deutlich auf. Aber Lisa Kleypas schafft es mit Band drei noch einmal, sich zu steigern. Annabelle und Lilian gehen Liebesheiraten ein. Aber die unscheinbare, rothaarige und stotternde Evie sieht in der Ehe nur einen Ausweg aus ihrem Familiendilemma. Und dieses Dilemma hat es in sich.
In den ersten beiden Bänden hat man von Evie immer einen recht unscheinbaren Eindruck. Sie ist schüchtern und unterschätzt sich selbst gehörig. Dass sie stottert, macht sie für das männliche Geschlecht nicht unbedingt anziehend. Und deswegen konnte ich mir nur schwer vorstellen, wie ihre Geschichte wohl aussehen würde. Doch was mir nicht bewusst war, waren Evies Familienverhältnisse. Ihre Verwandtschaft duldet sie quasi aufgrund ihres in Aussicht stehenden Erbes und unterdrückt sie. Doch in dem unscheinbaren Mauerblümchen steckt eine toughe junge Frau, die vor ihrer Familie flüchtet – hinein in die Arme des verrufenen Lords St. Vincent. Sebastian ist für die „Wallflowers“-Leser/innen ein alter Bekannter. Doch der Frauenheld ist bisher nicht aufgrund seiner ehrlichen Absichten aufgefallen. Schon im Epilog von Band zwei wird Evies und Sebastians Geschichte angedeutet, die eben so gar nichts von einer Liebesheirat hat. Umso interessanter wird es. Es handelt sich um eine Zweckehe, von der eben beide etwas haben: Evie ihre Freiheit und Sebastian Evies Erbe. Doch es wäre kein Liebesroman, wenn nicht natürlich wahre Gefühle dazu kommen würden. Der Weg zu ihnen ist eben nur ein anderer.
Mir hat diese Geschichte wirklich gut gefallen. Hier steht nicht die Hochzeit oder die Liebeswerbung im Fokus, sondern zuerst einmal eine Frau, die für ihre Freiheit kämpft. Evies Flucht und das Familiendrama waren beeindruckend. Aber auch danach verliert die Geschichte nicht an Spannung. Ein Großteil des Buches spielt im „Jenners“, dem Club von Evies Vater. Auch die Personen, die in diesem Kontext auftauchen, sind spannend, wie zum Beispiel der Roma Rohan. Er ist Evie ein wahrer Freund und bietet eine recht maskuline Abwechslung zu den Mauerblümchen. Diese spielen in diesem Teil eine etwas kleinere Rolle als in den Vorgängern. Das empfand ich aber keinesfalls als schlimm, denn Evie und Sebastian wissen auch allein zu unterhalten. Die Geschichte zwischen ihnen baut sich langsam auf und entwickelt sich wirklich schön, aber in einem gewissen Punkt auch unerwartet. Dieses Attribut kann man aber auch in Hinblick auf die Geschichte an sich benutzen. Das Paar übernimmt nach dem Tod von Evies Vater den Club und allein dieser Handlungsstrang unterhält den Leser. Doch es gibt eine Wendung, die ich nicht erwartet hatte. Alles Unerwartete finde ich gut und daher war ich positiv überrascht.
Die Charaktere bleiben sich die ganze Zeit über treu und Evie macht eine wunderbare Entwicklung durch. Sebastian ist ebenfalls eine spannende Figur, die für viel Humor und Unterhaltung sorgt. Auch die Nebenfiguren sind interessant und natürlich tauchen die restlichen Mauerblümchen und liebgewonnene Charaktere der ersten beiden Bände immer wieder auf.
Die Autorin hat für Sebastian und Evie eine tolle Geschichte erdacht, die wirklich gut unterhält. Der Schreibstil ist dabei fließend, zwischenzeitlich aber auch recht kitschig. Mir gefiel das Vokabular in den Sexszenen manchmal leider gar nicht. Gerade, wenn man Sexszenen in einem Hörbuch hat, finde ich einige Worte wirklich unangenehmer, als wenn ich sie lesen würde. Hier war das für mich das Wort „Pussy“. Muss das sein? Naja. Die Sprecherin Yesim Meisheit macht ihre Sache allerdings gut. Im ersten Band habe ich sie noch deutlich kritisiert, da sie mir die männlichen Figuren viel zu sexistisch gelesen hat. Aber das tut sie inzwischen nicht mehr, was ein wahrer Gewinn für die Geschichte ist. Ihre Stimme hat etwas Freches, was gut zur Handlung passt. Die Kapitel sind übrigens immer aus Evies oder Sebastians Sicht erzählt, was ich toll fand. Allerdings finde ich auch, dass es manchmal einfach Kapitel gab, die in die Länge gezogen waren. Ganz so lang hätte das Buch also nicht unbedingt sein müssen.


Insgesamt kann „Die Wallflowers – Evie & Sebastian“ mit den Vorgängern absolut mithalten, obwohl die Geschichte einen ganz anderen Weg nimmt. Die beiden Protagonisten sind spannende Gegensätze, die eben doch viel mehr gemein haben, als es den Anschein macht. Liebe, Freundschaft, Erotik, Feinde und Überraschungen erwarten den Hörer hier. Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und vergebe deswegen vier Sterne. 




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