15. Juli 2018

Rezension: "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green



Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Autor: John Green
Verlag: dtv
Preis: 9,95€
Seiten: 336

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist wohl eines der berühmtesten Jugendbücher der letzten 10 Jahre. Ich habe mich immer gewehrt, es zu lesen oder den Film anzuschauen ( - das typische Argument: „Ich muss doch vorher das Buch lesen“). Und tatsächlich stand das Buch schon lange in meinem Regal. Aber ich wusste, wie es ausgeht, denn an den ganzen begeisterten Menschen kommt man eben nicht ohne Gespräch vorbei. Und ich wusste, dass ich weinen müsste. Und wann hat man bitte Lust auf ein Buch, bei dem das Weinen garantiert ist?! Also dauerte es ewig, bis dieses besondere Buch von mir gelesen wurde. Und ich bereue zutiefst, so lange gewartet zu haben. Denn es ist ein Meisterwerk an Emotionen im absolut positiven Sinne. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist ein trauriges, aber so wunderschönes und dadurch lesenswertes Buch!

Hazel Grace und Augustus lernen sich in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten kennen. Was hier beginnt, ist eine der ergreifendsten und schönsten Liebesgeschichten der Literatur.

Ganz bewusst habe ich mich für den kurzen Klappentext des Taschenbuchs entschieden, denn mehr als das (und das Ende) wusste ich vor dem Lesen auch nicht über das Buch. Und daher war ich relativ unvoreingenommen. Es ist durchaus schwer, ein Buch zu genießen, wenn man weiß, was am Ende passiert. Und trotzdem war ich von der ersten Seite an Feuer und Flamme. Denn Hazel Grace ist ein Mädchen, das den Leser sofort für sich einnimmt. Ich hatte das Buch auf einer langen Autofahrt dabei und dachte, ich lese mal rein. Und schwups, waren die ersten 50 Seiten gelesen. Das Buch beginnt so unmittelbar und trotzdem herzlich, dass man die Geschichte gar nicht mehr verlassen kann. Die besondere Thematik der Krankheit macht das Buch zu jeder Zeit ernst, aber diese Ernsthaftigkeit ist keine Negativität. Denn John Green greift das Thema in einem ungewöhnlichen Rahmen auf. Die Erzählerin ist eine Betroffene, lebt nur dank eines Medikaments überhaupt noch und weiß auch, dass ihr Leben jeden Tag vorbei sein könnte. Dieses Wissen lässt Hazel so ganz anders werden, als andere Jugendliche. Und dennoch ist sie ganz normal! Denn natürlich will sie nur eines: leben. Und das Leben wie jeder andere mit all seinen Höhen und Tiefen genießen. Doch erst, als Gus in ihrem Leben auftaucht, versteht sie wirklich, was es heißt, zu leben. Gus ist ein Charakter, den ich zutiefst bewundert habe. Gibt es solche Menschen? So positiv und herzlich? So humorvoll und stark. Gus ist perfekt. An Hazels Stelle hätte ich mich ebenfalls sofort in ihn verliebt. Er schafft es, in ihr eine vollkommen neue Seite zum Leben zu erwecken und diese mit ihr zu genießen. Beiden eröffnet sich eine nie gekannte Welt durch ihre gemeinsame Liebe. Und diese zu beobachten ist einfach wundervoll. Doch natürlich kann man den Krebs nie ausblenden. Er ist allgegenwärtig in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und das auch zurecht. Aber da Hazel Krebs-Bücher furchtbar findet, muss man zurecht sagen, dass es sich hierbei nicht um ein Krebs-Buch handelt. Es handelt sich um eine Geschichte, die das Leben schreibt. Die schlimme Seite des Lebens. Doch so ist das Leben und das Schicksal: unfair. 
Es ist einfach großartig, wie John Green es schafft, dem Leser vorzuführen, wofür es sich zu leben lohnt. Wie Jugendliche, die eigentlich keinerlei Hoffnung mehr haben, das Leben zu nehmen wissen – und das Beste draus machen. Wie gewöhnlich erscheinen unsere Probleme bei der Betrachtung von Hazels Leben? Man lernt aus diesem Buch. Und trotz der Thematik genießt man es – denn es ist so schön! Es hat eine wundervolle Liebesgeschichte, mit der man mitfiebert. Die Flirts zwischen Augustus und Hazel sind bezaubernd und brachten mich immer wieder zum Lächeln. Primär geht es immer um diese beiden und beinahe schon als Nebenhandlung wird  Hazels Herzenswunsch eingebunden: den Autor ihres Lieblingsbuches zu treffen. Ich finde wirklich, dass es eine Nebenhandlung ist, die aber sehr wichtig fürs Buch wird. Insgesamt muss man sagen, dass es zu keiner Zeit langweilig wird. Es gibt eine Spannbreite von himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn natürlich ist der Tod ein genauso großes Thema, denn er steht natürlich am Ende der erschreckenden Krankheit. Aber neben dem Sterben ist das Leben das wichtige Thema des Buches. Und das tun Gus und Hazel mit allem, was dazu gehört: Freundschaft, Familie und Liebe. 
Ich konnte nicht aufhören dieses Buch zu lesen, denn es macht so viel Spaß. Außerdem hat „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mich zutiefst berührt. Aber nicht in dem Sinne, dass ich nach dem Lesen wahnsinnig traurig war. Natürlich war ich das, aber ich habe auch geseufzt, weil es so schön war. John Green hat eine sehr intelligente Art zu schreiben. Ich habe ihm jede Zeile abgenommen, die er aus der Sicht von Hazel verfasst hat. Für mich war er Hazel, er war das krebskranke Mädchen, das die Hoffnung beinahe schon aufgegeben hatte und nur ihren Eltern zu Liebe weitermachte. Der Stil, das Thema, die Charaktere, sie alle sind so authentisch! Die Figuren sind sehr detailreich und liebevoll gestaltet. Man fühlte sich sofort wie ein Teil der Handlung, man fühlte sich wohl und so, als wäre man mit ihnen allen befreundet! Und das, obwohl es auch Figuren gibt, die gar nicht das sind, was man erwartet hat. Aber auch das gehört zum Buch. Der Stil ist wahnsinnig klug und lehrreich. Zwischendurch glänzt der Autor mit Aussagen, die einfach nur weise sind. Des Weiteren ist der Stil fließend, bildreich und emotional. Ich könnte noch ewig so weiterschreiben. Aber wo soll das hinführen...


Denn festhalten muss ich auf jeden Fall, dass mich lange kein Buch so sehr beeindruckt hat, wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Denn alles in diesem Buch ist so wahr! John Green nimmt sich gar nicht die Allwissenheit einer solchen Krankheit heraus, aber er erzählt eine unglaublich authentische Geschichte, die ich ihm zu jeder Zeit abgenommen habe. Hazel und Gus sind so liebenswerte Charaktere, dass man nicht anders kann, als mit ihnen zu lachen und zu weinen. Das Buch behandelt sehr ernste Themen und durchläuft die gesamte emotionale Bandbreite. Wer bei diesem Buch nicht berührt wird, dem kann man wohl nur schwer helfen. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist zurecht so populär und ich kann jedem nur empfehlen, diese emotionale Reise mitzumachen und dieses Buch zu lesen. Es lohnt sich und deshalb vergebe ich natürlich volle fünf Spitzenschuhe.



8. Juli 2018

Mein Monatsrückblick Juni + kleine Urlaubspause

Hallo ihr Lieben!


Ich fliege heute in den Urlaub! Juhu :) Also eigentlich erst morgen früh, denn unser Flug geht um 0:05 Uhr, aber hey...da ich mich gleich gemeinsam mit meinem Freund zum Bahnhof aufmache, um zum Flughafen zu kommen, finde ich, beginnt mein Urlaub heute ;) Daher auch gleich vorweg die kleine Ankündigung, dass ihr in den nächsten zwei Wochen nichts von mir hören werdet, bis auf eine Rezension. Aber das fällt bei meiner aktuellen Aktivität kaum auf, daher das nur so nebenbei. Ich freue mich jedenfalls sehr auf die Sonne, den Strand und hoffentlich gute Bücher, die ich natürlich auch eingepackt habe.
Bevor ich mich aber aus dem Land schleiche, muss ich natürlich noch schnell einen Blick zurück in den vergangenen Juni werfen. Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich froh, dass wir inzwischen Juli haben. Der Juni war ein wirklich anstrengender Monat. Ich hatte die ersten drei Wochenenden Meisterschaften - und zwar jeden Samstag. Das war unglaublich kräftezehrend, aber bis auf eine sehr erfolgreich! Meine Formation konnte auf der NDM in ihrer Reihe den 1. Platz und auf der DM den 2. Platz machen :) Auf der Norddeutschen habe ich zusätzlich im Solo den 3. Platz von 20 belegt, was mich natürlich riesig freute! Der ganze Trainingsstress hat sich also durchaus gelohnt und das ist doch die Hauptsache! Vor allem in Mannheim bei der DM hatten wir viel Spaß und konnten das Saisonende somit genießen ;)
Was gab es im Juni bis aufs Tanzen noch? Stress. Haha. Denn das Schuljahr ist zu Ende gegangen und das bedeutete: letzte Arbeiten schreiben, korrigieren, den Schülern Chancen geben, ihre Note noch zu verbessern, Noten rechtzeitig eintragen, Zeugniskonferenzen, Projektwoche, Schulfest - Ferien! Denn beim letzten Punkt bin ich inzwischen angekommen und bin absolut begeistert! Es sind meine ersten Sommerferien als richtige Lehrkraft, obwohl ich mein Referendariat ja erst im August beginne. Aber ich habe das gesamte Halbjahr Vollzeit gearbeitet und bin daher wirklich glücklich, jetzt frei zu haben. Ich weiß, viele denken, dass wir Lehrer sowieso viel zu viel frei haben, aber das ist wirklich nicht so. Ich muss sehr viel in meiner Freizeit für die Schule und den Unterricht machen und bin nun super glücklich, meine Akkus wieder aufladen zu können. Da kommt mir der Urlaub ab heute natürlich nur recht. Bei diesem ganzen Schulstress hatte ich aber durchaus auch Spaß in der Schule. Vor allem meine eigenen Projektstunden, aber auch die Projektwoche selbst waren sehr spannend.
Nebenher hatte ich aber nicht ganz so viel Zeit. Ich habe ein bisschen Sport getrieben und es geschafft, mich dabei auf dem Tennisplatz zu verletzen. Ich habe nun ein Problem im Rücken, das ich seit 6 Wochen mit mir rumtrage und irgendwie auch nicht besser werden will. Aber unsere Ärztelandschaft kann ja erst in 3 Wochen etwas machen - vorher bekomme ich nämlich keinen Orthopädentermin :( Aber ist ja auch egal. Mit 25 muss man sich ja auch nicht mehr bücken können :D
Insgesamt war ich im Juni übrigens zwei Mal im Kino und habe "Deadpool 2" und "Solo - A Star Wars Story" geguckt. Bei letzterem kann ich die schlechten Kritiken absolut nicht nachvollziehen! Wenn ihr Star Wars Fan seid, dann schaut euch den Film an! Er ist klasse! 
So...und durch die Schule und Meisterschaften hatte ich Anfang Juni noch so gar keine Zeit, in der letzten Woche, nach Ferienstart, habe ich es aber endlich geschafft, ein bisschen zu lesen :) Und das ist meine Überleitung zu meinem Monatsrückblick in buchiger Hinsicht.



Im Juni habe ich insgesamt sieben Bücher gelesen!




Das Mädchen, das in der Metro las - Christine Féret-Fleury [Rezension] (176 Seiten) 3,5/5

Herrscherin der tausend Sonnen - Rhoda Belleza [Rezension] (400 Seiten) 4/5

The Beautifull Cassandra - Jase Austen [Rezension] (55 Seiten)  3/5

Elias & Laia: Eine Fackel im Dunkel der Nacht - Sabaa Tahir [Rezension] (512 Seiten) 4,5/5

Holmes und ich: Unter Verrätern - Brittany Cavallaro [Rezension] (352 Seiten) 3,5/5

Die Flammentänzerin (Promise II) - Maya Shepherd [Rezension] (312 Seiten) 3/5

James Bond 007: Der Spion, der mich liebte - Ian Fleming [Rezension] (220 Seiten) 5/5


Seiten gesamt: 2.027

Hardover: 4, Taschenbücher: 3, Hörbücher: 0, Ebooks: 0



Oh, wie lustig! Mit Blick auf meinen letzten Monatsrückblick kann ich schon mal feststellen, dass ich ganze zwei Seiten mehr gelesen habe, als im Mai :D Das ist doch auch was ;) So knapp war es bei mir wohl wirklich noch nie. Aber dann konnte ich das Niveau ja wenigstens halten. Durch den Urlaub erwarte ich mir im Juli durchaus wieder mehr Seiten, aber warten wir erstmal ab. Denn wir fliegen mit meinem Bruder und seiner Freundin gemeinsam, daher wird es sicher auch ein bisschen weniger Lesezeit geben, als üblich.


Jetzt aber zu meinen gelesenen Büchern. Es gab ein paar durchwachsene, aber auch viele gute. Ein Flop war nicht dabei. Ganz überzeugen konnten mich die Novellen aus Jane Austens Jugendzeit allerdings nicht. "The Beautifull Cassandra" war mir wohl noch ein bisschen zu hoch, obwohl es nicht mein erstes englisches Austen-Buch war. Aber man muss wirklich sagen, dass diese Frau erst später zur Meisterin wurde. Dennoch waren die Novellen ganz nett für zwischendurch.
Ebenfalls nicht zu 100% überzeugen konnte mich der zweite Teil der Promise-Reihe von Maya Shepherd. "Die Flammentänzerin" hatte wirklich gute Momente, ist aber eher ein typischer Zwischenteil, der die Spannung relativ konstant hält, sich das meiste aber für den Abschluss aufspart.

Ein kleines bisschen enttäuscht war ich auch von zwei Büchern, die mit einer 3,5er Wertung davongekommen sind. Von beiden habe ich mir ganz einfach mehr erhofft. "Das Mädchen, das in der Metro las" hat einen so bezaubernden Klappentext, der den Leser aber ein bisschen in die Irre führt und die Erwartungen sehr hoch werden lässt. Das Buch konnte all diese nicht halten, ist aber trotzdem ganz in Ordnung. 
"Holmes und ich - Unter Verrätern" ist ebenfalls ein zweiter Teil, der aber mit seinem Vorgänger durch all seine Verwirrung nicht mithalten kann. Im Grunde liebe ich die beiden Protagonisten Jamie Watson und Charlotte Holmes wirklich sehr, aber das ganze Zwischenmenschliche war mir einfach zu abgedreht. Außerdem habe ich die Logik im Fall auch nicht ganz verstanden, wirklich schade. Trotzdem ist das Buch sehr unterhaltsam!



Laut meinem Ranking kommt nun "Herrscherin der tausend Sonnen", welches ich mit vier Sternen bewertet habe. Aber kennt ihr das: Im Nachhinein fand man das Buch irgendwie viel besser und so richtig geht es auch nicht aus dem Kopf?! Das Gefühl habe ich mit diesem Buch. Denn irgendwie hat es mich trotz seiner Andersartigkeit wirklich von sich überzeugt! Dieses Sci-Fi Abenteuer hat es in sich und ich freue mich wirklich sehr auf den zweiten Teil der Dilogie. 

Kaum losgelassen hat mich aber auch ein anderes Buch nicht und damit komme ich zu meinen beiden Highlights. "Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht" hat mich beeindruckt. Auch wenn ich die Geschichte gar nicht zu 100% mochte, hatte das Buch etwas, das mich zum Lesen zwang. Es ist sehr brutal, hat aber ein unglaublich gutes Setting und hält außerdem die ein oder andere Wende bereit, mit der man eben nicht rechnet. Ich warte nun sehnsüchtig auf Band drei, doch leider ist der im Juni erst auf Englisch erschienen. Mal schauen, wie lange es dauert, bis er bei uns erscheint...

Das letzte Buch, das übrig bleibt, war eine willkommene Abwechslung. Ich griff nach längerer Zeit wieder nach einem James Bond-Roman und folgte 007 nach Amerika. "Der Spion der mich liebte" ist ein etwas anderes Bond Buch, das mich aber absolut überzeugen konnte.


Insgesamt war mein Lesemonat ganz in Ordnung und fühlte sich besser an, als die Wertungen vermuten lassen. Ich bin jedenfalls ganz zufrieden und auch Karli meckert nicht mit mir. Denn er baut derzeit ab. Neue Bücher kaufe ich im Moment gar nicht und daher steige ich in seinem Ansehen. Karli ist auch eine gute Überleitung zum Juli allgemein. Ich werde das SuB-Interview nachreichen, sobald ich aus der Türkei zurück bin. Aber das ist mit meinem SuB abgesprochen und er hat mir diese Verlängerung genehmigt ;) Danke, Kleiner!
Ansonsten tue ich im Juli nicht viel! :'D ich liege auf der faulen Haut! Und ich treffe mich mit vielen meiner Freunde. Herrlich dieser Sommer... 

Ich wünsche euch einen wundervollen Juli und hoffe, dass ihr ihn genauso sehr genießt wie ich! :)



Wie war euer Juni?


Liebst,
eure Julia

3. Juli 2018

Rezension: "James Bond 007 - Der Spion der mich liebte" von Ian Fleming



Titel: James Bond 007 - Der Spion der mich liebte
Autor: Ian Fleming
Verlag: CrossCult
Preis: 12,80€
Seiten: 220


James Bond ist ein Phänomen. Und obwohl ich die 007-Filme liebe, bin ich doch ein noch größerer Anhänger der Originale: der Bücher. Ian Fleming war ein interessanter Autor, der eine begnadete Figur erschuf. Obwohl man den Romanen immer den etwas anderen Zeitgeist anmerkt, macht gerade das sie manchmal so sympathisch. Der 10. Band der Bond-Reihe ist ganz anders, als seine Vorgänger. Denn diesmal ist der Erzähler kein allwissender Unbeteiligter, sondern eine junge Frau, die ihre eigene Geschichte durchmacht. Und in dieser Geschichte kommt James Bond vor – der Mann, von dem sie später sagen kann, er sei „Der Spion, der mich liebte“. Dieser Spion, aber auch die junge Erzählerin und die ungewöhnliche Art des Bond-Buches machen es großartig und zu einer wahren Lesefreude.

Vivienne Michel ist in Schwierigkeiten. Auf der Flucht vor ihrer verstrickten Vergangenheit in die amerikanische Provinz, landet sie im Dreamy Pines Autohof. Weit entfernt von der privilegierten Umgebung, in der sie aufgewachsen ist, ist das Motel auch die Haltestation zweier abgebrühter Killer – des perversen Sol Horror und des tödlichen Sluggsy Morant. Als ein cool-charismatischer Engländer auftaucht, schöpft Viv, die in tödlicher Gefahr schwebt, nicht nur Hoffnung, sondern spürt eine fesselnde Faszination. Denn es ist James Bond, 007 – der Mann, von dem sie hofft, gerettet zu werden; der Spion, von dem sie hofft, geliebt zu werden.

„Der Spion, der mich liebte“ ist ein sehr kurzweiliges Buch. Es hat nur 217 Seiten und ist in drei Teile unterteilt. Diese Teile sind sehr interessant benannt. Sie heißen „Ich“, „Sie“ und „Er“. IN diesen Teilen gibt es natürlich einzelne Kapitel, die immer sehr schön gewählte Titel haben, die zumeist auch wortwörtlich im Kapitel so vorkommen. Der Aufbau des Buches ist super und in gewisser Weise auch abwechslungsreich. Normalerweise begleitet man den britischen Geheimagenten in den Bond-Büchern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass auch andere Charaktere große Handlungsteile haben und sich die Geschichte mit ihnen beschäftigt. Zumeist handelt es sich dabei um den Bösewicht des Buches. Diesmal aber gibt es eine Ich-Erzählerin, was absolut neu ist. Vivienne ist eine junge Kanadierin und „Der Spion, der mich liebte“ ist komplett aus ihrer Sicht verfasst. Der erste Teil, der mit „ich“ übertitelt ist, handelt von ihrer Vorgeschichte. Von den Beziehungen, Menschen und Erlebnissen, die sie zu dem gemacht haben, was sie ist. Der Teil kann für manche sicher langatmig sein, ich fand es aber wirklich interessant und unterhaltsam, mehr über Viv zu erfahren. Sie war naiv und unerfahren und musste sich dann den Härten dieser Welt stellen. Ich finde ihre Reflektion wirklich toll und insgesamt ist Viv sehr authentisch. Sie ist eine Frau, die auch in den 50er Jahren schon weiß, was sie will. Du dafür kann man sie bewundern, denn sie kämpft, solange sie kann. Im zweiten Teil kann sie es aber nicht. Denn „Sie“ tauchen auf: zwei Ganoven. Die Kulisse des Buches ist eigentlich schon schaurig genug, denn Viv befindet sich in einem Motel, das mitten im Nirgendwo aus Holzhütten besteht. Und sie passt auf eben dieses Motel auf. Die perfekte Gelegenheit also, die junge Frau für einen perfiden Plan zu benutzen. Und das haben die beiden Gangster auch vor. Aber dann taucht James Bond auf der Bildfläche auf, genau dann, als Vivs Leben beinahe schon beendet ist. „Er“ mischt das Buch richtig auf. Mit James‘ Auftauchen wird es einfach richtig gut, obwohl es schon vorher spannend ist. James Bond ist ein phänomenaler Charakter mit vielen Fehler und Marotten. Er trinkt zu viel, raucht und setzt sein Leben aufs Spiel. Aber er ist eben auch der charismatische Geheimagent, an den alle Frauen ihr Herz verlieren. Wäre ich an Vivs Stelle, hätte ich meines auch verloren, ganz sicher. Den Bond ist der Retter und Held der Geschichte. Noch ein paar Worte zu den Bösewichten. Horror und Sluggsy machen ihrer Gattung alle Ehre. Sie sind grausam, vulgär und gierig. Sie sind die idealen Gegenspieler mit wahnsinnig viel Talent!
Es wird gekämpft, es wird geschossen, es gibt Opfer, es gibt Tragik. Aber es wird zu keiner Zeit langweilig. Nicht einmal, wenn Viv von ihrem Leben erzählt. Denn dann ist gerade die Atmosphäre des Buches so gut. Ich nenne es immer den Zeitgeist der Bond-Romane, die 50er Jahre, den anderen Gang der Welt. Die Atmosphäre und das Setting sind wahnsinnig cool und man macht immer eine kleine Zeitreise. Gerade die Werte und Tugenden kommen in diesem Buch besonders gut zum Vorschein.
Auch der Stil von Ian Fleming gehört in diese Kategorie des Zeitgeists. Er ist sehr rau, allerdings in diesem Buch angenehm feminin. Sonst ist der Stil oft sehr brutal, aber in „Der Spion, der mich liebte“ wurde die Schreibweise angenehm verändert, was Vivs Charakter auch authentischer macht. Insgesamt kommt man trotz hypotaktischen Satzbau sehr schnell durchs Buch – denn die Geschichte ist einfach unterhaltsam.


Ich finde „Ein Spion, der mich liebte“ wirklich toll. Die veränderte Erzählweise, die sicher die Ausnahme ist, macht einfach Spaß. Viv ist eine starke Frau, die das Ruder in die Hand nimmt. Und auch wenn sie 007 verfällt, bleibt sie eine authentische Figur, die sich eben in ihren Helden verliebt. Vollkommen zurecht, muss man dazu sagen. James Bond ist schon beinahe zur Nebenfigur degradiert, doch eben nur beinahe. Sein Charakter ist einzigartig und er macht die Geschichte so spannend. Die Figurenmischung ist trotz ihrer Niedrigkeit wirklich toll. Der Stil ist gut und die Handlung spannend. Was will man mehr?! Für mich war dieser Bond-Roman wirklich etwas Besonderes und deswegen vergebe ich fünf Spitzenschuhe.


2. Juli 2018

Rezension: "Die Flammentänzerin" von Maya Shepherd



Titel: Die Flammentänzerin
Autor: Maya Shepherd
Verlag: Selfpublished
Preis: 3,99€ (kindle)
Seiten: 312


Nachdem ich „Die Bärentöterin“ gelesen habe, muss ich sagen, dass die „Promise-Trilogie“ nicht die beste Reihe von Maya Shepherd ist. Allerdings hatte das Buch trotz zahlreicher Kritikpunkte etwas an sich, das mich zwang, weiterzulesen. Also besorgte ich mir die Gesamtausgabe und machte mit „Die Flammentänzerin“ weiter. Meine Sympathien den Figuren gegenüber waren weiterhin nicht vorhanden, wenn man von Arras absieht. Nea ist für mich ein relativ zickiges Mädchen, mit dem ich nicht gern befreundet wäre. Mir ist sie nur wenig sympathisch und auch die Handlung hat sich nicht wirklich gebessert. Insgesamt passiert in „Die Flammentänzerin“ nicht allzu viel und mit einigen Entwicklungen bin ich auch nicht zufrieden. Aber trotz all der negativen Punkte, schafft Maya Shepherd, etwas in diese Reihe zu legen, das ich nicht benennen kann und das mich dazu zwingt, wissen zu wollen, wie Neas Reise ausgeht.

Nea ist nur knapp dem Flammentod entkommen. Ausgerechnet Miro, ihr totgeglaubter bester Freund, hat sie gerettet. Aber er ist nicht mehr derselbe, denn er wird von den Carris als Gott des Chaos verehrt. Nea weiß nicht, ob sie ihm überhaupt noch trauen kann. Zudem gehen in der Sekte komische Dinge vor sich. Die Anhänger der Carris benehmen sich wie willenlose Zombies, die den Befehlen von Urelitas hörig sind. Zusammen mit ihren Freunden entwickelt Nea einen Plan, um sich ihre Freiheit zurück zu erkämpfen. Wird Miro dabei auf ihrer Seite stehen? Kann sie weiter auf Arras‘ Hilfe zählen?

Ich weiß nicht, wie oft ich ein Kapitel aus „Die Flammentänzerin“ beendet habe, mit dem Kopf schüttelte, tief durchatmete oder seufzte. Oft empfand ich Unverständnis gegenüber den Charakteren. Wieso kann Nea sich nicht entscheiden? Was will sie eigentlich? Und wieso verehrt jeder sie so sehr? Und trotzdem las ich zumeist direkt weiter. Denn obwohl der Spannungsmoment stark verzögert ist, ist er vorhanden. Man möchte wissen, ob Nea und ihren Freunden die Flucht gelingt, ob sie es nach Promise schaffen. Insgesamt macht die Reihe eher ihre Emotionalität aus, als spannende Handlungsmomente. Das Grundkonzept ist recht simpel. Nea ist in der Stadt der Carris und will mit ihren Freunden fliehen. Dabei spielen die Flammen aus dem Titel eine Rolle. Nea trifft auf neue Charaktere, die das Buch bereichern und die Seuche tritt wieder auf. Das Ziel bleibt weiterhin Promise – oder etwa nicht? Nea und ihre Gefühle beherrschen die Geschichte: ihre Gefühle gegenüber Miro, gegenüber Arras und gegenüber ihren Freunden, wie zum Beispiel den Zwillingen. Nea ist eine starke Persönlichkeit, die sich innerhalb der beiden Bände bereits entwickelt hat. Dennoch nervte sie mich die meiste Zeit über. Auch Miro ist für mich kein Sympathieträger. Meines Erachtens ist er unglaubwürdig und es kann einfach nicht gut gehen, wenn Nea ihm ihr Herz erneut schenkt. Ganz anders scheint das mit Arras zu sein. Der schweigende Riese ist einfach grandios. Ich kann ihn gut nachvollziehen und hoffe auf das beste Schicksal für den Hünen. Auch die Zwillinge sind sympathisch und selbst Kasia kann ich etwas abgewinnen. Insgesamt variiert Maya Shepherd mit ihren Figuren also recht gut, auch wenn die bedeutenden nicht meine Favoriten sein.
Die Geschichte selbst hätte etwas mehr Spannung verdient, denn es passiert nicht allzu viel. Nea muss sich nur immerzu über ihre Gefühle klar werden, was eine Weile dauert. Die Flucht und auch das letzte Kapitel waren spannend, aber der Weg dahin ist doch eher zäh. Nichtsdestotrotz zieht Shepherd den Leser in ihre dystopische Geschichte und schafft es, dass man wissen will, wie sie ausgeht. Die wieder auftretende Seuche ist dabei ein interessanter Handlungsfaktor, der mir gut gefiel. An anderen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr Action gewünscht.
Der Schreibstil ist angenehm, auch wenn ich finde, dass die Autorin in ihren neueren Büchern deutlich besser schreibt. Mir fehlt einfach der Zugang zu Nea und das könnte auch ein wenig am Stil liegen. Aber obwohl mir manchmal die Spannung fehlte, wollte ich oft weiterlesen, was ein Argument für den guten Stil von Maya Shepherd ist. Auf die Flashbacks aus Teil eins wird weitesgehend verzichtet, auch weil sie nicht mehr nötig sind, was mir sehr gut gefiel! Das Hier und Jetzt ist nämlich deutlich interessanter!


Insgesamt war „Die Flammentänzerin“ ungefähr das, was ich erwartet hatte und auch typisch für einen mittleren Teil ist. Die Spannung wird herausgezögert, die Geschichte entwickelt sich nur in gewissen Zügen und lässt manchmal Sympathien gegenüber den Charakteren vermissen. Arras will ich davon ausnehmen. Alles in allem sind die Figuren durch ihre Abwechslung dennoch gelungen. Ich kann noch immer nicht benennen, was mich in dieser Geschichte gefangen hält, aber da ist definitiv etwas. Und deswegen werde ich auch bald den abschließenden Teil lesen. Für Band zwei vergebe ich 3 Spitzenschuhe, die sich hoffentlich in „Die Herzenskämpferin“ vermehren.



30. Juni 2018

Rezension: "Holmes und ich - Unter Verrätern" von Brittany Cavallaro



Titel: Holmes und ich - Unter Verrätern
Autor: Brittany Cvallaro
Verlag: dtv
Preis: 18,95€
Seiten: 352

Als „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ herauskam, brauchte ich es unbedingt. Ich bin ein großer Sherlock Holmes Fan und was war ich glücklich, dass sich eine Autorin getraut hat, die Rolle des Sherlocks an das weibliche Geschlecht zu übertragen. Charlotte Holmes ist eine Ur-ur-ur-Enkelin (oder vielleicht noch ein „ur“?“) des großen Detektivs, genauso wie Jamie Watson aus der Linie von John Watson entstammt. Zusammen sind sie ein großartiges und skurriles Team. Und natürlich spielen auch Gefühle zwischen den beiden eine Rolle – eine Tatsache, die auch den beiden klassischen Figuren oft vorgeworfen wurde. Aber ganz egal aus welchen Gründen, ich fand den ersten Teil von „Holmes und ich“ wirklich gut. Und deswegen freute ich mich auf „Unter Verrätern“. Jamie und Charlotte haben so viel Potenzial! Aber der neue Fall ist wahnsinnig kompliziert, alles ist so verwirrend und ich habe das Buch nicht immer mit positiven Gefühlen gegenüber den Charakteren gelesen. Das ist zum Teil auch gewollt, ja. Aber in „Holmes und ich – Unter Verrätern“ fehlte trotz guter Unterhaltung leider das gewisse Etwas – und auch ein bisschen das Verständnis.

Nachdem sie bei ihrem ersten Fall beinahe umgebracht wurden, kommen die Ferien Charlotte und Jamie ziemlich gelegen. Gemeinsam wollen sie ein paar Tage auf dem englischen Landsitz der Holmes‘ verbringen. Aber Charlotte ist nicht die einzige Holmes mit Geheimnissen, und die Atmosphäre bald sehr angespannt. Zudem knistert es heftig zwischen Charlotte und Jamie. Sind sie wirklich bloß Freunde? Als plötzlich Charlottes Onkel, Detektiv, wie es sich für einen Holmes gehört, verschwindet, ist das eine willkommene Ablenkung. Die beiden stürzen sich sofort in die Ermittlungen. Sein letzter Auftrag führt sie zu einem Kunstfälscherring. Erster Halt: Berlin. Erste Kontaktperson: August Moriarty – ehemaliger Schwarm von Charlotte und von vielen tot geglaubt...

Der Klappentext ist toll und insgesamt trifft er den Inhalt auch ziemlich gut. Das Setting ist genauso faszinierend, wie man erahnen kann. Die erste Hälfte des Buches vergeht außerdem wie im Flug. Zuerst befindet man sich in Sussex auf dem Anwesen von Charlottes Familie. Man lernt ihren Onkel Leander kennen, ebenso wie weitere Familienmitglieder. Langsam kann man nachvollziehen, wie Charlotte zu derjenigen gefühlskalten jungen Frau wurde, die sie ist. Und dennoch bleibt Jamie immer an ihrer Seite. Leander verschwindet und die Geschichte verlagert sich nach Berlin, was für einen deutschen Leser wahnsinnig cool ist. Berlin wird als junge und hippe Kunststadt präsentiert, was sie sicher auch ist. In Berlin tauchen Milo Holmes und August Moriarty auf. Insgesamt ein sehr gelungenes Konstrukt. Aber dann beginnt die Geschichte immer wieder Schleifen einzulegen. Charlotte ist eine Figur, die niemals zu durchschauen ist. Umso interessanter wird es, dass zwei Kapitel am Ende des Buches aus ihrer Sicht verfasst sind. Den kleinen Turn der Autorin fand ich sehr gut, denn so lernt man Charlotte ganz anders kennen. Sie gibt dem Leser einen winzigen Zugang zu sich selbst, was wirklich toll war. Doch grundsätzlich tut sie in diesem Buch Dinge, die ich nicht nachvollziehen konnte. Für mich ist sie ein toller Charakter, der wirklich Probleme hat, die ernst zu nehmen sind. Ihre Figurenzeichnung ist gelungen, aber eben sehr untransparent. Aber so bleibt es geheimnisvoll. Jamie hingegen ist selbst für den Leser ein offenes Buch – und ein sympathisches dazu. Er hat sich innerhalb der beiden Bände bereits toll entwickelt, ist mutiger und ein kleines bisschen cleverer geworden. Und trotzdem symbolisiert er natürlich den normalen Menschen an der Seite des Genies. Alles was er hat, hat er sich hart erarbeitet. Ich bewundere Jamie, auch wenn er natürlich ein wenig zu sehr einem unerreichbaren Ideal nachstrebt – John Watson. Tatsächlich würde ich der These zustimmen, dass Jamie manchmal zu sehr wie die beiden berühmten Detektive sein will, statt sein eigenes Ding zu machen. Von diesem „eigenen Ding“ gibt es in diesem Buch dennoch sehr viel und die Kombination von Jamie und Charlotte passt immer noch wirklich gut. 
Aber dann kommen die ganzen anderen Charaktere. Leander ist klasse und ich liebte seine Szenen, von denen es verständlicherweise nicht allzu viele gibt. Aber Charlottes Eltern? Ihr Bruder Milo? Und August Moriarty? Und was ist eigentlich mit seinen verkorksten Geschwistern? Das gesamte Figurenkonzept ging meiner Meinung nach nicht auf. Denn auch wenn Brittany Cavallaro sich an die historischen Vorbilder halten will, klappt es nicht ganz. Milo ist zwar farblos wie das Original, aber ich konnte ihn zu keiner Zeit verstehen. Und August? Seine Rolle wird sicher unterschätzt. Ein undurchschaubarer Charakter, der sich erst zum Ende hin offenbart und bei dem man sich andauernd fragt, ob man ihm trauen soll oder nicht.
Klingt alles irgendwie spannend? Ist es auch. Aber meiner Meinung nach hat die Autorin sich in der Undurchschaubarkeit der Handlung ein wenig verrannt. Vielleicht ist es ein gelungener Holmes-Fall, aber als Leser muss ich gestehen, konnte ich nicht immer folgen. Wer war denn jetzt am Ende wofür verantwortlich? Und was soll das Ende überhaupt? Mich hat das Buch doch irgendwie ziemlich unbefriedigt zurückgelassen, obwohl es wirklich spannende Momente hat. Das Thema des Kunstfälschens fand ich ebenfalls toll, genauso wie den Handlungsort Berlin. Aber mir hat die Holmessche Auflösung gefehlt. Die Mischung aus Spannung und Deduktion mit jugendlichen Gefühlen oder eben auch Liebe war nicht ganz gelungen. Die Beziehung zwischen Charlotte und Jamie ist nach dem Buch wahrscheinlich noch hundertmal komplizierter, als zuvor. Aber ich möchte den Abschlussband trotzdem ganz bald in den Händen halten, denn das Ende ist grauenhaft. Es gefiel mir sowohl handlungstechnisch als auch in Hinsicht auf den Cliffhänger nicht. Aber gut. So ist man gezwungen den nächsten Band zu lesen. Und das werde ich tun.
Zum Schreibstil kann ich nur Gutes sagen. Man kommt recht schnell voran, kann Jamie gut nachvollziehen und wird in die Geschichte gezogen. Den Wechsel in Charlottes Sicht fand ich gelungen, da sich so neue Perspektiven eröffnet. Kritisieren muss ich allerdings den Titel, wofür aber wahrscheinlich niemand außer der Sprache selbst, etwas kann. Schon beim ersten Teil war es sehr schade, dass der originelle Titel „A Study in Charlotte“ nicht aufgegriffen werden konnte. Schließlich hieß so das erste Buch den großen Arthur Conan Doyle und mit der Namengebung von Charlotte ist es einfach herausragend. Auch der zweite Teil hat im Original einen gigantischen Titel „The Last of August“, was der Titel eines der gefälschten Gemälde ist, aber auch Deutungen in Bezug auf August Moriarty zulässt. Sei es drum, „Unter Verrätern“ kommt da einfach nicht heran, was ich sehr schade finde. Die Geschichte bleibt die gleiche und das deutsche Cover ist trotzdem gelungen, aber diese wundervolle Intelligenz der originalen Titel fehlt einfach.


„Holmes und ich – Unter Verrätern“ war anfangs ein wirklich tolles Buch, das durch seine immer undurchschaubareren Handlungsstränge irgendwann zu verwirrend für mich wurde. Ich kam mit der Aufklärung nicht ganz zurecht, was sehr schade ist. Die Atmosphäre und das Setting des Buches sind absolut toll. Vor allem Berlin und die Kunstszene kommen super zur Geltung. Die Charaktere sind  interessant und die Protagonisten absolut gelungen. Die Nebenfiguren machen die Sache aber schwer, weshalb ich letztendlich nur zu 3,5 Spitzenschuhen komme. Und dennoch freue ich mich auf Band drei. Ich bin gespannt, was unsere Sprache aus „The Case of Jamie“ machen wird.



26. Juni 2018

Rezension: "Elias und Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht" von Sabaa Tahir



Titel: Elias und Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht
Autor: Sabaa Tahir
Verlag: One
Preis: 17,00€
Seiten: 512

„Elias und Laia - Die Herrschaft der Masken“ war ein Buch, das von Anfang an zurecht gehypet wurde. Ein Setting wie aus tausend und einer Nacht, gepaart mit vielen brutalen Elementen und natürlich einer leicht erblühenden Liebesgeschichte: Das ist die Geschichte von der Maske Elias und dem Sklavenmädchen Laia. Band eins gefiel mir bis auf das Ende wirklich gut, Band zwei wurde angeschafft und erst einmal ins Regal gestellt. Und da blieb es. Bis die Geschichte wieder nach mir rief. Nach gut einem Jahr hatte ich viele Dinge vergessen, doch tatsächlich kommt man in „Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ gut herein. Die Geschichte zieht den Leser sofort wieder in seinen Sog und auch wenn er nicht mehr ganz so stark ist, wie in Band eins, bleibt er konstant. Mich verfolgten Elias und Laia oft in Gedanken, denn die Story ließ mich nicht los. Die Geschichte verläuft nicht so, wie ich erwartet hatte. Die Wendungen sind aber interessant und spannend. Insgesamt ein toller, brutaler und vielseitiger zweiter Teil, der nach einem gigantischen dritten schreit.

Das Schicksal hat Elias und Laia zusammengeführt und sie im Widerstand gegen das Imperium vereint. Gemeinsam fliehen sie aus Schwarzkliff, um im Gefängnis von Kauf Laias inhaftierten Bruder aus seiner Zelle zu befreien. Mit seinem Wissen könnte er von großem Wert sein für die Rebellen. Doch werden Elias und Laia es schaffen, sich unbemerkt bis ans andere Ende des Landes durchzuschlagen? Immerhin ist ihnen Helena dicht auf den Fersen. Und als rechte Hand des Imperators hat sie einen klaren Auftrag: Die beiden Verräter zu finden - und zu töten.

„Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ hat ein wahnsinnig großes Setting und insgesamt drei Protagonisten. Die Geschichte spielt in einem fiktiven Land, dessen Regeln tödlich sind. Es gibt zahlreiche Orte und Personen. Beide beherbergen Schrecken und Angst. Insgesamt leben Elias und Laia in einer Welt, die sich nur die wenigsten unter uns wünschen würden. Und gerade die Brutalität macht die Geschichte so authentisch. Sabaah Tahir nimmt wenig Rücksicht auf die Gefühle des Lesers, lässt wichtige Personen sterben und grausame Schicksale erleiden. Doch ihr Gesamtkonzept ist brillant und gerade weil die Autorin Verluste und auch unerwartete Wendungen in Kauf nimmt, ist das Buch ähnlich spannend, wie sein Vorgänger.
Waren im ersten Band nur Laia und Elias die Protagonisten, so gesellt sich nun Helena noch als tragende Kraft hinzu. Die junge Frau ist nun Blutgreif und muss damit genauso gefühlslos handeln, wie der Name vermuten lässt. Ihr Auftrag? Elias fangen und töten. Dieser ist mit Laia gemeinsam geflohen und auf dem Weg nach Kauf. Dort ist das Gefängnis, in dem Laias Bruder Darin sitzt. Seine Freiheit kann die Freiheit aller Kundingen bedeuten, doch genau auf diese wird nun von der Kommandantin, Elias Mutter, Jagd gemacht. Wer Band eins nicht kennt, wird handlungstechnisch nun vollkommen überfordert sein. Alle anderen lecken vielleicht gerade Blut. Die Geschichte ist toll aufgebaut und die Autorin versteht es sehr gut, jedes Kapitel relativ spannend enden zu lassen. So möchte man immer wissen, wie genau dieser Handlungsstrang weitergeht, doch dann wechselt der Protagonist. Helena hat die kleinsten Anteile an der Geschichte, doch ihre sind wahnsinnig bedeutend. Sie mausert sich in diesem Buch zur wahren Heldin der Geschichte und nicht umsonst wird sie auch als „Fackel im Dunkel der Nacht“ bezeichnet. Sie ist hin- und hergerissen und gerade ihr Gefühlschaos macht ihre Kapitel sehr lebendig. Ich habe mit dem brutalen Blutgreif mitgelitten – und wie! Doch ich habe auch mit Elias gelitten, der mein Liebling der Reihe ist. Er ist ein liebevoller Kerl, der das Herz am richtigen Fleck hat. Er weiß zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, wo dies nicht immer einfach ist. Seine Charakterzüge sind edel, er ist gerecht und kämpferisch. Sein Schicksal hat mich in diesem Buch am meisten überrascht und ich weiß nicht, ob ich damit so recht einverstanden bin. Trotzdem bleibt seine Rolle interessant, bleibt nur zu hoffen, dass er sich nicht allzu sehr für die Welt und das Gute aufopfert. Und wenn man von Elias spricht, muss man natürlich auch noch Laia betrachten. Im gleichen Atemzug könnte man an die zarte Liebesgeschichte denken, die in Band eins aufgenommen wurde. Doch wer diese erwartet, wird enttäuscht. Elias und Laia hegen Gefühle füreinander, doch gerade Laia ist in dieser Hinsicht unberechenbar. Denn da wäre ja auch noch Kinan, der Rotschopf, den ich noch nie leiden konnte. Ihr Herz entscheidet sich und auch das kommt unerwartet. Mir war deutlich zu wenig von der Liebesgeschichte vorhanden und mit der Entwicklung zwischen Laia und Kinan war ich auch nicht einverstanden.
Doch generell sind die Charaktere absolut gelungen. Sie sind sehr verschieden, aber sehr ehrenwert. Jeder steht für gewissen Charakterzüge, die sich aber voneinander unterscheiden. Auch Izzy, die Kommandantin, die Masken, Köchin oder die Auguren sind sehr interessant und tiefschichtig. Für jede Figur gibt es in diesem Buch seinen Platz und das macht die Geschichte besonders.
Insgesamt muss man aber sagen, dass der rote Faden durchaus ein paar Bögen einlegt. Die Geschichte ist die meiste Zeit spannend, hat aber auch ein paar Längen. Aber trotzdem griff ich immer gern zum Buch. Es war nicht so, dass ich es nicht weglegen konnte, aber die Geschichte ließ mich trotzdem nicht los. Die Mischung der vielen Figuren, Themen und auch Gefühlen macht dsie besonders.
Der Stil von Sabaah Tahir ist wirklich gelungen. Allerdings hat das Buch auch sehr brutale Seiten, die nicht jedes zarte Gemüt erträgt. Menschen sterben. Die Tode sind brutal. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Es gibt magische Anteile an der Handlung, die nicht immer ganz authentisch kommen, aber sich trotzdem sinnvoll in die Geschichte fügen. Der Stil ist fließend, bildreich und anschaulich. Ich habe das Buch wirklich gern gelesen.


Mich hat „Elias und Laia – Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ sehr gut unterhalten. Es gab unerwartete Wendungen, mit denen ich nicht immer einverstanden war, die aber interessant und sinnvoll sind. Ich hatte meine Gedanken oft bei diesem Buch, da mich die Geschichte in diesem großartigen Setting kaum losließ. Drei tolle Protagonisten, viele spannende Elemente und lauter offener Fragen machen dieses Buch sehr lesenswert. Ich bin gespannt, wie das große Ganze weitergehen wird und vergebe 4,5 Spitzenschuhe für diesen zweiten Teil.



23. Juni 2018

Rezension: "The beautifull Cassandra" von Jane Austen



Titel: The beautifull Cassandra
Autor: Jane Austen
Verlag: Penguin Classic
Preis: 1,30€
Seiten: 55

Ich habe schon oft die schwarzen classic-Ausgaben des Penguin-Verlages im Netz gesehen, doch selbst nie eines besessen. Als ich in Wien in einer Buchhandlung war, konnte ich deswegen keinen Schritt an einem Aufsteller mit den berühmten schwarzen Bänden machen. Als ich dann auch noch die frühen Novellen von Jane Austen entdeckte, war schnell klar, dass auch mir nun eines der schwarzen Büchlein gehören würde. „The beautifull Cassandra“ ist eine kleine süße Sammlung, die kurzweilige Unterhaltung bietet, an die man aber auch nicht zu viele Ansprüche haben sollte.

'She has many rare and charming qualities, but Sobriety is not one of them.'
A selection of Austen's dark and hilarious early writings - featuring murder, drunkenness, perjury, theft, poisoning, women breaking out of prison, men forging wills and babies biting off their mothers' fingers...


Ich liebe die Bücher, die ich von Jane Austen gelesen habe, denn in ihnen wohnt ein charmanter und manchmal sarkastischer Witz. Diese schon damals emanzipierte Dame wusste genau, wie sie ihre reizende Gesellschaftskritik formulieren musste, um sie zu äußern, aber eben nicht negativ aufzufallen. Jane Austen war ein literarisches Genie, denn sie verfasste auf den ersten Blick oberflächliche Heiratsgeschichten, welche erst auf den zweiten Blick zu wahren Meisterwerken der Gesellschaftsgeschichte werden. Aber kann man diese hohen Maßstäbe auch auf die Novellen aus ihrer Jugend anwenden? Wohl kaum.
Aber das tat ich auch nicht. Insgesamt besteht „The beautifull Cassandra“ aus sechs Texten, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Mit den ersten beiden Kurzgeschichten mit den Titeln „Jack and Alice“ und „Henry and Eliza“ konnte ich nicht wirklich viel anfangen, was verschiedene Gründe haben mag. Ich habe bereits zuvor einen Austen-Roman auf Englisch gelesen und gemerkt, wie schwer dieses Unterfangen ist. Schon in der Muttersprache ist es nicht immer leicht, Austens Absichten zwischen den Zeilen herauszulesen. Aber in Austens Muttersprache? Eine Sprache aus dem ausgehenden 19 Jahrhundert bietet noch ganz andere sprachliche Probleme, als heutiges Englisch. Und auch wenn ich im Lesen des Englischen inzwischen relativ geübt bin, muss ich zugeben, dass Austens Jugendstil mir durchaus Schwierigkeiten bereitete. Das habe ich in den ersten beiden Geschichten stark gemerkt. Den Kern der Geschichten zu erfassen fiel mir daher schwer und so konnte ich nur an manchen Stellen schmunzeln. Die Spannung fehlte mir zusätzlich.
Die Geschichte mit dem Titel „The beautifull Cassandra“, nach dem die Novellensammlung benannt ist, ist skurril und interessant. Sie geht über gerade einmal drei Seiten und besteht dennoch aus 12 Kapiteln, die mich höchst amüsiert haben. Die Erzählart ist frisch und unkonventionell und daher irgendwie witzig. Dieser kurze Text gefiel mir am besten, auch weil er so ungewöhnlich ist. Die abschließenden drei Texte sind fiktive Briefe, bei denen das Verständnis immerhin klar ist. Da sie aber relativ zusammenhangslos sind, ist auch hier die Unterhaltung nur kurzweilig. Gerade der letzte Brief hat es aber in sich und konnte glänzen.
Insgesamt ist die Mischung der sechs Texte wirklich interessant und lesenswert, man sollte aber keine allzu hohen Erwartungen an dieses gerade einmal 55 Seiten umschließendes Buch haben. Des Öfteren bin ich über den Stil von Austen gestolpert. Nicht umsonst hat sie auch ihr Schreiben mit dem Alter reifen lassen. Man merkt den Texten durchaus die Jugendlichkeit und auch Frische an. Manchmal fehlte mir aber auf jeden Fall der Spannungsmoment. Insgesamt sind die Texte ganz nett, können aber mit ihren späteren nicht mithalten. Für einen Nachmittag Unterhaltung ganz nett, durch den Stil aber auch ein bisschen anstrengend.



„The beautifull Cassandra“ ist ein Buch, das sich für Austen Fans durchaus lohnt. Ist man aber keiner davon, braucht man die Novellen nicht zu kennen, da man in ihnen nicht allzu viel finden wird. Die Texte sind zum Teil etwas langatmig, andere wiederum skurril und lustig. Ich wurde nett unterhalten und freue mich, das Buch in meine Sammlung aufzunehmen, konnte den meisten Geschichten aber nicht allzu viel abgewinnen. Ich vergebe 3 Spitzenschuhe für diese literarischen Anfänge der Meisterin.