8. November 2019

Rezension [Hörbuch]: "Ich bin Circe" von Madeline Miller



Titel: Ich bin Circe
Autor: Madeline Miller
Sprecher: Ann Vilehaben
Verlag: Randomhouse Audio
Preis: 24,00€
Seiten: 528
Dauer: 12h 15min


Schon als Kind war ich von der griechischen Mythologie fasziniert. All die Götter- und Heldengeschichten rund um die Eifersucht Heras, die Stärke Herkules oder den Liebreiz Aphrodites ließen mir oft keine Ruhe und ich hörte und las die Geschichte immer wieder. Zum Glück war ich nicht das einzig faszinierte Kind, denn die Adaptionen der griechischen Mythen haben breiten Einzug in den deutschen Buchmarkt gefunden. Allein der Name Rick Riordan sollte hier als Hinweis genügen.
Doch griechische Mythologie ist keinesfalls alleinig eine Angelegenheit für Kinder oder nur das Erzählen von uralten Märchen. Oft steckt in den Geschichten ein Fünkchen Wahrheit. Und natürlich können auch Erwachsene ihren Spaß an den alten Sagen haben, denn nicht immer werden die Bücher kindgerecht und humorvoll erzählt. Ein Buch, das ebendiesen Erwachsenenanspruch erfüllt, ist definitiv Madeline Millers „Ich bin Circe“. Die amerikanische Geschichtsdozentin hat mit der biografisch angelegten Lektüre eine vielschichtige und interessante Geschichte geschaffen, die neben Unterhaltung viel Wissenszuwachs garantiert. Für diese Art der Unterhaltung muss der Leser/ Zuhörer allerdings ausdauernd sein.



Circe, Tochter des Sonnengotts Helios, ist anders: Denn sie besitzt Zauberkräfte. Von ihrer Familie missachtet und von Zeus verbannt, führt sie ein zurückgezogenes Leben auf der Insel Aiaia unter wilden Tieren, die sie gezähmt hat. In der Abgeschiedenheit entwickelt sie ihre magischen Fährigkeiten weiter, bis sie sich wahrhaftig eine Hexe nennen kann. Doch sie bleibt nicht lange allein: Als Hermes, Daidalos, Odysseus, Iason, Medea und die mächtige Athene ihre Wege kreuzen, muss sich Circe die Frage stellen: Will sie zu den Göttern gehören oder zu den Sterblichen, die sie lieben gelernt hat?

Als ich von „Ich bin Circe“ erfuhr, ergriff ich meine Chance, meine Leidenschaft für griechische Mythen mit meiner Vorliebe für Hörbücher zu koppeln und schaffte mir die Hörbuchversion der Geschichte an. Das Cover fand ich von Anfang an ansprechend und auf neutrale Art und Weise interessant. Mir gefällt die klassische Komponente an der Darstellungsweise und auch nach dem Kennen der Geschichte muss ich sagen, dass das Cover wirklich gut zur Geschichte selbst passt. Der Klappentext sprudelt meines Erachtens geradezu über vor Spannung und deswegen war meine Entscheidung, das Hörbuch zu hören, schnell getroffen.
Wer sich auf dieses Hörbuch aber einlassen möchte, muss vor allem eines mitbringen: Ausdauer. Eine Dauer von über 12 Stunden fordert nämlich eine ganze Menge Konzentration vom Hörer, denn tatsächlich handelt es sich nicht um eine locker leichte Lektüre für nebenbei. Madeline Miller hat einen hohen Anspruch an ihr eigenes Werk und diesen bemerkt man in jeder Zeile des Buches. Wer also denkt, dass hier ein Held nach dem nächsten in unterhaltsamer Weise auftauchen wird und Circes Leben auf den Kopf stellt, der irrt gewaltig. All die Helden und Götter aus dem Klappentext kommen natürlich in der Geschichte vor. Doch zwischen all den kleinen Geschichten liegen große Zeitabstände. 
Insgesamt erzählt die Geschichte das Leben der Göttin Circe. Beginnend bei der Kindheit und furchtbaren Jugend, über die Verbannung des Mädchens, hin zu ihrem Leben als Hexe und all ihren Erfahrungen und Berichten. Problematisch war für mich der fehlende Höhepunkt. Man fragt sich immer wieder, wo das Buch hinführen soll und irgendwann erkennt man: nirgendwohin. Es befasst sich einfach mit dem gesamten Dasein einer Göttin. Dieses Dasein hat mal spannende und mal langweilige Momente und der Leser verfolgt sie alle. Man erlebt mit, wie Circe von ihren Geschwistern gehänselt, von ihrer Familie verachtet und verbannt wird. Wie sie ihre Fähigkeiten entdeckt und ausbaut und letztlich vor der Frage steht, was sie sein will. Das Hören ist unterhaltsam, gerade durch die vielen mythologischen Figuren, die sozusagen Gastauftritte in Circes Leben haben, allerdings findet es auch auf einem sehr hohen und intellektuellen Niveau statt. Man kann sich keinesfalls von der Geschichte berieseln lassen und deswegen wird das Hören zwischenzeitlich sehr anstrengend. Entschädigend sind dann eben all die erwähnten Passagen, in denen etwa Daidalos, Hermes oder Odysseus eine Rolle spielen. Mit Odysseus Auftauchen wird der Geschichte außerdem eine neue Wendung gegeben. Bis dahin dauert es aber.
Circe ist ein sehr interessanter Charakter und mir gefiel sie als Heldin ihrer eigenen Geschichte wirklich sehr gut! Sie ist authentisch, denn sie zweifelt viel und hinterfragt beinahe alles. Ihr Entwicklungsprozess ist sehr komplex und interessant. Am Ende der Geschichte ist sie wahrlich eine andere, als zu Beginn. Sie ist es auch, die die gesamte Geschichte trägt und weshalb ich nie aufgehört habe, der Geschichte zuzuhören. Allerdings gibt es in Circes Leben – was wohl in jedem Leben einer Gottheit über die Dauer so sein muss – unglaubliche Längen. Vieles hätte man kürzer fassen können, dabei ist die Hörbuchfassung bereits gekürzt… Ich hatte mit dieser ausschweifenden Erzählart wirklich zu kämpfen. Und das mag an Millers Schreibstil liegen. So eloquent und wortgewandt die Autorin auch erzählt, so erschwert sie dem Leser und Hörer in gewisser Weise den Zugang.
Auch die Sprecherin Ann Vielhaben muss ich in einem Punkt kritisieren. Denn obwohl sie eine überaus angenehme und weiche Stimme hat, liest sie die Satzanfänge oft undeutlich und verschluckt die letzte Silbe. Sie wird am Ende des Satzes also immer sehr leise und man muss schon genau hinhören, um der Sprecherin weiter folgen zu können. Was Vielhaben allerdings mehr als gut macht, ist die Betonung der Stimmen und Ereignisse. Sie bringt Circes Zorn unglaublich gut zur Geltung und auch die fiesen Figuren der Geschichte, wie etwa Circes Geschwister oder die Nymphe Skylla haben wirklich tolle Stimmen bekommen.
Die Handlung des Hörbuches ist stringent, was sie eben manchmal so unglaublich langwidrig macht. Trotzdem darf man die Spannung mancher Passagen nicht unterschätzen. Denn diese gibt es auch und gerade das Ende ist absolut gelungen! Miller schafft es in jedem Fall zahlreiche griechische Mythen in die Biografie einer einzelnen Göttin zu bringen und diesen Punkt habe ich an dem Hörbuch nicht nur bewundert, sondern auch genossen!


Insgesamt handelt es sich bei „Ich bin Circe“ um ein interessantes und vielseitiges Hörbuch, das dem Hörer aber auch einiges abverlangt. Denn die vorhandenen Längen müssen überstanden werden, bis man sich wieder den spannenden Handlungsteilen widmen kann. Das Hörbuch kann den Hörer über einen langen Zeitraum hinweg konstant begleiten und in dieser Zeit fühlt man sich, als würde man Teil der antiken griechischen Welt werden. Denn Miller und auch die Sprecherin Vielhaben ziehen den Hörer in diese alte Welt und unterhalten ihn dort durchaus gekonnt. Insgesamt vergebe ich 3,5  Sterne für das Hörbuch, da es eben ein paar Kritikpunkte gab. Wenn man die Zeit und Geduld aber investiert, lernt man mithilfe von „Ich bin Circe“ so einiges – vielleicht auch über die eigene Sicht auf die Welt.


21. September 2019

Mein SuB kommt Wort: Karli #39

Hallo ihr Lieben!


Ja, ich bin wieder für einen Post unter die aktiven Blogger zurück gekehrt. Meine Aktivität ist seit einer ganzen Weile ja als eher "mau" zu bezeichnen, aber ich habe einmal versprochen, dass mein lieber SuB Karli darunter nicht leiden soll. Mein Versprechen halte ich eher schlecht als recht. Denn nun ist es schon das zweite Mal in diesem Jahr vorgekommen, dass ich einen Monat ausgelassen habe :( Das tut mir so, so leid, Karli! Auch heute werde ich natürlich die Frage des letzten Monats wieder mit aufnehmen, aber dass es das nicht besser macht, ist mir natürlich bewusst. Ich habe bereits ein ausführliches Gespräch mit Karli geführt, in dem ich ihm all meine Beweggründe und Probleme erläuterte. Und man glaubt es kaum: Er war sehr verständlich. Allerdings musste ich schwören, dass wenn man Referendariat endlich fertig ist, ich mir mehr als viel Zeit für den Blog, insbesondere für ihn nehmen werde. Das dauert leider noch bis Januar nächsten Jahres, aber wie wir alle wissen, vergeht die Zeit schneller, als es einem lieb ist. Daher: Gebongt, Karli! Jetzt starten wir aber erstmal mit den SuB-Interview, das endlich wieder ansteht. Karli steht in den Startlöchern und daher übergebe ich an ihn :)



Wie immer kommt hier aber natürlich der Hinweis auf den wunderschönen Blog der lieben Anna, die diese SuB-Aktion ins Leben gerufen hat.


1. Karli, wie groß bist du aktuell?

Jaaaah! Ich bin wieder da! Und am liebsten würde ich hier gar nicht mehr weggehen. Es ist wirklich so schön, wieder gehört zu werden. Versteht mich nicht falsch. Julia hört mir deutlich öfter, als einmal im Monat zu, allerdings kann ich mich der großen weiten Welt eben nur hier öffnen. Daher ergreife ich die (endlich) gekommene Gelegenheit direkt beim Schopf! Ich grüße euch alle ganz herzlich! Ich hoffe, es geht euch richtig gut und ihr arbeitet alle daran, dass eure SuBs es gut haben :)
Dieser Punkt wird in unserem Haushalt leider derzeit kläglich vernachlässigt. Das Wohlbefinden des SuBs hat hier definitiv nicht oberste Priorität...>.< Ich hoffe, dass mein böser Blick auch bei meiner Besitzerin ankommt. Den hat sie nämlich verdient. Trotz klärenden Gesprächs, muss ich hier einfach ein paar Spitzen verteilen. Denn es kann doch wirklich nicht wahr sein, dass man mich hier einfach vergisst! Einen ganzen Monat! Und das auch noch zum zweiten Mal! Auch wenn Julia mir versichert hat, dass wir auf keinen Fall von "vergessen" sprechen können, führte dieser Umstand dazu, dass ich mich vernachlässigt fühlte. So.
Nach dem bereits angesprochenem Gespräch haben sich die Wogen wieder geglättet. Denn eigentlich hab ich Julia ja doch lieb...Ein bisschen Geweine muss aber schon sein. Und das hat sie auch zu ertragen...
Nun komme ich aber endlich zum eigentlichen Interview. Julia fängt schon an, mir vorzuwerfen, mal zum Punkt zu kommen. Die ist lustig...wenn man mir die Redeanlässe streicht, ist man halt selber schuld.
Ich muss nun also zum Pudels Kern kommen: Vor zwei (!) Monaten war ich genau 134 Bücher groß. Das war ein großer Erfolg, der vor allem mit den Ferien einher ging. Inzwischen hatte Julia Geburtstag (oh nein, oh nein, oh nein...), was für mich eigentlich immer viel Zuwachs bedeutet. Gleichzeitig liest Julia nicht mehr so viel, wie in den Ferien. Und dennoch, Trommelwirbel bitte: Bin ich immer noch 134 Bücher groß! Tadaaaa! Ich bin noch immer ganz begeistert und kann es kaum fassen. Aber Julia konnte zumindest die Zahl halten. Und das, obwohl sie die Umstände wirklich selbst erschwert hat. Aber dazu gleich mehr.


2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen - zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel.

Die Pflege ist derzeit nicht die beste. Sie trudelt so vor sich hin. Immerhin liest Julia. Nicht viel. Aber ein bisschen. Das sieht man daran, dass ich meinen Stand eben halten konnte, obwohl durch ihren Geburtstag Neuzugänge kamen. Und zwar diese drei Schätzchen hier:



Tatsächlich gab es nur diese drei Bücher zum Geburtstag! Ein Rezensionsexemplar kam aber auch noch an. Alle drei Bücher waren Wunschbücher, weshalb ich mich auch durchaus freue, sie bei mir begrüßen zu dürfen - keines ist bis jetzt übrigens gelesen. Welche Wunder.
Zum einen wäre da der Auftaktband zur zweiten Staffel der "Grimm-Chroniken" - "Der Sohn des Drachen". Julia mag die Reihe sehr, obwohl es auch Durchhängephasen gab. Was sie aber einmal angefangen hat, hält sie meistens auch durch. Aber nicht nur aufgrund von Julias Durchhaltevermögen ist das Buch bei uns eingezogen - natürlich wollen wir wissen, wie es weitergeht :) Und das können wir so immerhin ganz bald erfahren.
Dann kamen zwei Bücher dazu, die beide den Namen "Ursula Poznanski" auf dem Cover tragen. Zum einen "Anonym", welches die Autorin zusammen mit Arno Strobel verfasst hat und zum anderen das Hörbuch "Erebos", zu dem gerade der zweite Teil in aller Munde ist. Dieser ist auch einer der Gründe, warum das Buch bei Julia wieder mehr in den Fokus rückte. Wie unschwer erkennbar ist, liest Julia sehr gern Poznanski-Bücher. "Erebos" hatte sie bisher noch nicht gelesen, doch die Geschichte hat ihre Aufmerksamkeit erregt, weshalb es endlich einziehen durfte. "Anonym" hingegen war ein Must-Buy. Denn hierbei handelt es sich um den ersten Band der Reihe, aus der "Invisible" stammt - und dieses Buch hat Julia erst kürzlich gelesen. Die Geschichten sind abgeschlossen, doch es handelt sich um die gleichen Ermittler und der erste Fall des Duos wird im zweiten Teil immer mal wieder erwähnt. Also dachte sich Julia: Wird Zeit, dass ich diesen Teil lese. Bisher hat sie ihn erstmal ins Regal gestellt, aber irgendwann wird ihn sein Schicksal ereilen :P



3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, eine Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?


Da fragt ihr mich was...Eine gute Frage, um zu erläutern, warum Julia sich den SuB-Abbau derzeit selbst so schwer gemacht hat. "Gelesen" hat Julia zuletzt nämlich "Die Tribute von Panem - Flammender Zorn". Doch dabei handelte es sich um ein Reread, das durch einen Filmmarathon geradezu provoziert wurde. Und dem nicht genug: Bevor Band drei noch einmal gelesen wurde, musste Band zwei natürlich her. Deswegen hat Julia im letzten Monat die beiden "Tribute von Panem"-Teile mit viel Leidenschaft erneut gelesen - und damit natürlich andere unbekannte Bücher zurück gestellt. Böse, böse. Für mich ist das natürlich beinahe verlorene Lesezeit. Andererseits sind Rereads eine tolle Sache und in diesem Fall handelt es sich auch noch um Julias Lieblingsreihe. Daher geht das schon in Ordnung.
Aber deswegen muss ich ein wenig nachdenken, um zum letzten Buch, das mich verlassen hat, zu kommen. Es müsste sich eigentlich um "Elefanten vergessen nicht" von Agatha Christie handelt. Kann aber auch sein, dass "Young Sherlock Holmes - Der Tod kommt leise" mich noch später verlassen hat. Ich führe im Moment nicht so gut Buch...Der Klassiker von Agatha Christie hat Julia sehr gut gefallen und weil es sich um eine Rezensionsexemplar gehandelt hat, musste auch eine Rezension her. Ha ha! Das heißt, dass ich an dieser Stelle doch tatsächlich auf etwas Geschriebenes verweisen kann. Kam gefühlt schon lange nicht mehr vor. 
Zum fünften Teil der Young Sherlock Reihe existiert übrigens keine Rezension. Julia war allerdings auch nicht so begeistert...



4. Lieber Karli, hast du Bücher auf deinem Stapel, bei denen du Sorge hast, dass sie deinem Besitzer nicht gefallen könnten und wenn ja, wieso?


So. Die berüchtigte vierte Frage. Bevor wir zur Beantwortung kommen, muss ich kurz nachtragen, ob Julia eine der SuB-Leichen aus dem Juli gelesen hat. Hat sie nicht. Die armen Bücher werden also weiterhin ein trauriges Dasein fristen...schnief...
Das leitet mich aber auch fast schon zur neuen vierten Frage über. Ich befürchte, dass vor allem "Das Gold von Malawi" von Julia nicht so sehr gemocht werden wird. Habe ich irgendwie im Gefühl. Das ist wohl auch der Grund, warum das Buch noch immer bei mir liegt. Auch beim Klassiker "Doktor Faustus" von Thomas Mann bin ich mir nicht sicher, ob Julia das Buch mögen wird. Selbst ihr aktuelles Buch ("Soul Mates - Ruf der Dunkelheit") ist derzeit wohl nicht so der Burner...Ich denke also, dass möglicherweise einige meiner Bücher nicht ganz Julias Geschmack treffen. Aber was soll's: Das kann sie ja nur rausfinden, indem sie sie liest. Also: Auf geht's!



5. Lieber Karli, heute schauen wir auf jene Bücher in deinen Weiten, die mit einem Artikel (der, die das, ein, eine) beginnen!

Puh! Was soll ich denn jetzt für eine Liste anführen...Lasst mich nachsehen, welche Bücher ich unter dieser Bedingung zeigen kann :)
Einige, wie sich herausgestellt hat. Ich habe mich für die folgenden drei entschieden, denn schließlich ist hier auch eine Aufgabe mit verknüpft (, ja, Julia! Du musst eines der drei Bücher bald lesen :P):



Hübsch sehen sie doch aus, oder? Und es ist für jeden Geschmack etwas dabei :) Aus diesem Grund habe ich mich nämlich für diese drei Kandidaten entschieden. Der Klassiker "Das Phantom der Oper" steht eigentlich schon lange auf der Liste der Bücher, bei denen Julia immer kurz davor ist, zu ihnen zu greifen. Aber dann nimmt sie eben doch ein anderes. Natürlich kennt sie die Geschichte des Klassikers, aber die Buchvorlage gelesen zu haben, tut ihr sicher gut ;)
Dann habe ich einen typischen Krimi ausgewählt, nämlich "Der stumme Tod" von Volker Kutscher. Julia hat noch nie etwas von dem Autor gelesen, dabei sollen die Bücher ja so gut sein. Also: Die Gelegenheit, liebe Julia! Und sollte dir nicht nach Mord und Totschlag sein, kannst du auch etwas Zartes nehmen, nämlich "Ein letzter Brief von dir". Die Geschichte ist sicher auch ziemlich aufwühlend, weshalb Julia bisher immer einen Bogen um das Buch gemacht hat. Aber vielleicht ist es ja gerade das Richtige :)
Die Qual der Wahl.

Ich habe noch viele Bücher mehr, die mit einem Artikel beginnen. Allerdings sind es nicht so viele, wie ich auf Anhieb gedacht hatte. Die Buchindustrie gibt sich also sichtlich Mühe, abwechslungsreich zu sein ;)


So. Schon wieder am Ende. Das ist aber schade. Aber immerhin konnte ich mich richtig austoben und ganz viel erzählen. Drückt mir bitte ganz doll die Daumen, dass ich im Oktober auch wieder die Gelegenheit bekomme. Die Zeichen stehen eher schlecht. Julias letzten Unterrichtsbesuche stehen an, die Lehrprobeneinheiten müssen geplant werden und dann kommen ebendiese am Ende des Jahres auch noch. Wie gut, dass mich das als SuB nicht betrifft. Aber ich unterstütze Julia, wo ich kann ;) Daher: Sollte ich mich nächsten Monat nicht melden, wisst ihr woran es liegt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzte ;)

In diesem Sinne,
habt einen schönen Abend und alles Liebe!
Euer Karli



Ach, ich weiß schon, was ich an diesem kleinen Prachtkerl habe. Karli ist einfach der Beste. Ich kann ihn ja auch so gut nachvollziehen. Aber meine Zeit rinnt mir immer wieder nur so durch die Hände, weshalb ich leider viel zu viele Gedanken in schulische Angelegenheiten stecken muss. Ich werde mir im Oktober trotzdem alle Mühe geben, Süßer! Denn...vergessen tue ich dich sowieso nie! Und gleichzeitig versuche ich mal, deine lange Aufgabenliste abzuarbeiten :P Mir darf man also auch durchaus die Daumen drücken :D

Alles Liebe,
eure Julia

17. September 2019

Rezension [Hörbuch]: "Elefanten vergessen nicht" von Agatha Christie



Titel: Elefanten vergessen nicht
Autor: Agatha Christie
Sprecher: Martin Maria Schwarz
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 9,99€
Seiten: 208
Dauer: 5h 51min


Sammelleidenschaften sind etwas schönes. Vor allem, wenn sie Agatha-Christie-Hörbücher betreffen. Meine persönliche Sammlung umfasst inzwischen einige Hörbücher der Grand Dame der Kriminalgeschichten und deswegen durfte das neu erschienene Hörbuch „Elefanten vergessen nicht“ natürlich nicht fehlen. Der Klappentext wirbt mit der Frage „War es Mord oder Selbstmord?“, was direkt meine Aufmerksamkeit erregte. Doch es wird noch besser: Denn hier ermittelt nicht nur Hercule Poirot, sondern auch seine Freundin Ariadne Oliver. Gemeinsam sorgen die beiden für die perfekte Chemie in diesem Hörbuch, das nicht nur spannend, sondern auch sehr humorvoll ist: Absolute Empfehlung!

Hercule Poirot wird von seiner Bekannten Ariadne Oliver um Rat in einem längst vergangenen Fall hinzugezogen. Die Eltern ihrer Patentochter Celia wurden vor zehn Jahren tot in einer Höhle aufgefunden und man wußte nicht ob sie ermordet wurden oder Selbstmord begangen haben. Celia will endlich die Wahrheit wissen. Die beiden Privatdetektive befragen alte Bekannte der Familie, denn Elefanten vergessen nichts. Und natürlich ist es Hercule Poirot, der schließlich alle Fäden verbindet und den Fall lösen kann.

Es gibt so viele Faktoren, die für das Hören der alten Krimi-Geschichten von Agatha Christie sprechen. Ich liebe die Bücher der Britin sehr und freue mich immer, wenn ich gemeinsam mit Hercule Poirot oder Miss Marple ermitteln darf. Allerdings habe ich inzwischen eine wahre Passion zu den dazugehörigen Hörbüchern entwickelt. Die Geschichten sind einfach immer spannend, sie sind charmant (, auch weil sie in einer völlig anderen Zeit spielen), sie sind vielseitig und man kann in ihnen versinken. Letzteres gelingt mit dem Medium des Hörbuchs besonders gut, denn gute Sprecher machen die Christie-Hörbüchern mit ihren akkuraten Betonungen und Sprechweisen zu kleinen Schätzen. 
So ist es auch bei „Elefanten vergessen nicht“. Doch hier kommen noch ein paar clevere Kleinigkeiten hinzu. Allein der Titel ist eine Erwähnung wert, denn er ist einfach perfekt. Der Satz fällt im Hörbuch selbst wirklich oft, doch er passt auch wie die Faust aufs Auge. „Die Elefanten“ sind all die alten Damen, die selbst im Kontext der Geschichte bereits alt sind und immer viel getratscht haben. Deswegen wissen sie auch über viele Dinge Bescheid. Und so ergibt sich ein ungewöhnlicher Detektivfall, der beinahe nur durch Indizien gelöst werden kann. Das Puzzle der vielen Befragungen und Informationen zu lösen, obliegt natürlich nur einem: Hercule Poirot. Doch er bekommt Unterstützung in diesem Fall und zwar von niemand geringerem als von der Krimiautorin Ariadne Oliver. Ich kenne Miss Oliver aus anderen Poirot-Fällen und ich muss sagen, dass sie ein sehr wohltuender Charakter für die Poirot-Geschichten ist. Sie mischt den Laden auf und bringt eine neue Perspektive. Ich mag ihre direkte und etwas freche Art. Sie lässt sich von niemandem etwas sagen und ist gleichzeitig erschreckend ehrlich. Ich finde Miss Oliver wirklich erfrischend, denn sie ist so selbstsicher, dass sie auch einen Hercule Poirot mal kritisiert. Gleichzeitig harmonieren beide Detektive einfach gut. Die Mischung der aufgeweckten Autorin und des etwas antiquierten Belgiers ist phänomenal. 
Im Hörbuch teilen beide sich mit ihren Befragungen auf und finden unabhängig voneinander viele wichtige Dinge heraus. Miss Oliver hat einen gewissen Bezug zu dem Fall, der weit in der Vergangenheit liegt. Poirot wird lediglich um Hilfe gebeten. Die Ermittlungen sind beinahe unaufregend und drehen sich vor allem am Anfang im Kreis. Der Fall liegt beinahe 20 Jahre zurück, was die Ermittlungen erschwert. Doch aufgrund dessen kommen die wichtigen Fakten auch alle erst nach und nach ans Licht, sodass es durchweg spannend bleibt. Besonders erwähnenswert ist an diesen Stellen der spitzfindige Humor, der das ganze Hörbuch begleitet. Sei es Poirot, Miss Oliver oder einer der befragten Elefanten – viele Gespräche sind mit einer humorvollen Note untermauert. So hat man als Zuhörer wirklich eine Menge Spaß. Der Humor ergibt sich zum Teil aber auch durch den Sprecher. Martin Maria Schwarz liest „Elefanten vergessen nicht“ wirklich gut. Auch seine Stimme für Poirot hat mir gut gefallen und dass, obwohl ebendiese so schwer ist. Poirots französischer Akzent kann als Hörer schnell sehr anstrengend sein, doch Schwarz bekommt es wirklich gut hin und man hört seiner tiefen Stimme gern zu. 
Insgesamt ist die Geschichte, die sich hinter den vielen Verhören versteckt eine sehr interessante. Kurz vor Ende war ich mir der Lösung des Falles sicher und leider konnte man mich auch nicht in die Irre führen. Trotzdem finde ich die Geschichte rundum gelungen. Es gibt viel Platz für die menschlichen Abgründe, gleichzeitig aber auch ein paar nette Nebenschauplätze, die von der Lösung des Falles profitieren. Ein großer Nachteil des Hörbuchs ist allerdings seine Kurzweiligkeit: Mit beinahe sechs Stunden handelt es sich um ein kurzes Hörvergnügen, doch dadurch gibt es auch keine unnötigen Längen und man kann der Geschichte einfach folgen und in ihr versinken.


Ich kann „Elefanten vergessen nicht“ uneingeschränkt empfehlen. Mir haben der Aufbau des Falles, aber auch die viele Verhöre der alten „Elefanten“ wirklich gut gefallen. Des Weiteren ergeben die beiden Detektive eine tolle Mischung, sodass für jeden Hörer etwas dabei ist. Spannung ist definitiv garantiert und diese wird in ein sehr charmantes Umfeld eingebettet. Ich werde diesen Fall jedenfalls nicht so schnell vergessen  - vielleicht, bis ich selbst ein Elefant bin. Von mir gibt es die volle Punktzahl, da ich beim Hören mehr als nur Spaß hatte.




28. August 2019

Rezension: "Die Greifenreiterin - Gefangenschaft" von Sabine Schulter



Titel: Die Greifenreiterin - Gefangenschaft
Autor: Sabine Schulter
Verlag: Selfpublished
Seiten: 385
Preis: 4,99€


Ich mache selten Ausflüge ins Genre der High-Fantasy. Doch als ich erfuhr, dass eine meiner Lieblingsautorinnen sich wieder diesem Themenbereich zuwandte, musste ich das Buch sofort lesen. Sabine Schulters neue Fantasy-Trilogie handelt von einem ganz besonderen Gespann: Die junge und temperamentvolle Rayna hat nämlich eine spezielle Verbindung zu einem außergewöhnlichen Wesen – sie ist eine Greifenreiterin. Rayna und ihr Greif Ferril sind noch sehr jung, doch sie spielen eine wichtige Rolle in den Entwicklungen rund um das atemberaubende Teharis. Freundschaft, Krieg, Kampf aber auch Liebe warten auf den Leser.
Willkommen in einer wunderschönen und detailreich ausgearbeiteten Fantasywelt, in der liebevolle Freundschaften und Verbindungen genauso wichtig sind, wie der Zusammenhalt der faszinierendsten Völker – willkommen in der Welt von Rayna und Ferril.




Gleich bei ihrer ersten Mission als vollwertige Reiterin fällt Rayna mit ihrem Greifen Ferril in die Hände der Nanjok, einem unbarmherzigen Volk des Nordens. Was dieses weit im Süden zu schaffen hat, weiß Rayna nicht – genauso wenig wie Hyron, der ebenfalls gefangen gehalten wird, wenn auch nicht durch Ketten. All ihr Denken ist auf Flucht ausgerichtet. Doch was beide nicht einmal erahnen, ist, dass ihr Treffen und ihr gemeinsamer Überlebenskampf bei den Nanjok erst der Anfang von etwas viel Größerem bedeutet.



Sabine Schulters Bücher sprühen vor Detailreichtum immer geradezu über. Die Autorin hat ein Händchen für fantastisch ausgearbeitete Figuren, Völker und ja - Welten. Gerade deswegen fühlt sie sich im Fantasybereich sicher auch so zu Hause. Mit „Die Greifenreiterin – Gefangenschaft“ begibt sie sich wieder in den High-Fantasy-Bereich und dort beweist sie ihr Können bis aufs Äußerste. Für mich machen High-Fantasy-Bücher vor allem der interessante Weltentwurf und innovative Völker oder Stämme aus – immer nur Elben, Zwerge oder Trolle sind nun einmal langweilig. 
Schon wenn man das Buch aufschlägt, bemerkt man die Liebe zum Detail und jeder Fantasy-Fan fühlt sich schon auf den ersten Seiten zu Hause. Denn dort findet sich eine tolle Übersichtskarte, sodass jeder Leser erst einmal in der Betrachtung Teharis versinkt. Die Welt von Rayna ist nicht die größte, doch sie ist abwechslungsreich und die Karte bietet vor allem Orientierung. Aber nicht nur das: Nach dem intensiven Betrachten möchte man einfach nur in diese neue und unbekannte Welt abtauchen. Und dank eines grandiosen Prologs gelingt das sofort. 
Wir lernen Rayna im Alter von fünf Jahren kennen, während sie einen der wichtigsten Augenblicke ihres Lebens durchlebt. Rayna ist Teil des Himmelsvolkes, welches sich durch seine Verbindung zu Greifen auszeichnet. Doch nicht jeder aus dem Himmelsvolk darf diese besondere Bindung mit einem Greifen eingehen – nur die wenigsten werden erwählt. Da das Buch nun aber „die Greifenreiterin“ heißt, ist der Ausgang des Prologs relativ klar. Doch glaubt mir, das Kapitel überrascht dennoch und am Ende hatte ich beinahe Tränen in den Augen. 
Rayna wird von Ferril erwählt, ein Greifenweibchen. Die Verbindung zwischen beiden ist für den Leser sofort spürbar und sie trägt ihn durchs Buch. Immer wieder ist es schön, wie tief diese Bindung ist und das, obwohl einer der beiden Teile gar nicht sprechen kann. Dennoch schafft die Autorin es, den Greifen charakterstark zu zeichnen und so schleicht er sich sofort ins Herz der Leser. Ferril ist ein so wunderschönes Geschöpf, dass sie das eigentliche Highlight des Buches ist.
Doch auch ihre Reiterin steht dem schönen Wesen in nichts nach. Rayna ist eine tolle Protagonistin. Sie ist starrsinnig und stark. Ranya hat ihren ganz eigenen Kopf und kennt dennoch ihren Platz in der Welt – und der ist an Ferrils Seite. Die beiden halten zusammen und meistern auch die schlimmsten Situationen. Mir hat Raynas Stärke sehr imponiert, doch auch ihre Schwächen werden gut aufgegriffen. Denn kann der Falsche nicht gerade diese besondere Verbindung zu Ferril auch ausnutzen?
Neben dem Himmelsvolk spielen noch die Shealif und die Nanjok eine große Rolle. Während die einen ein sehr sensibles Naturvolk sind, kommt der Stamm aus dem Norden sehr brutal und derb daher. Wie der Klappentext schon verrät, werden Rayna und Ferril von den Nanjok gefangen genommen. Dort begegnet Rayna den anderen Hauptcharakteren des Buches. Das ist vor allem Hyron. Er ist der beste Fährtenleser des Landes und wird von den Nanjok festgehalten. Er hilft ihnen, in den Süden zu gelangen, denn diese halten seine zarte Schwester Satella gefangen. Doch was wollen die Nanjkok im Süden? Dort lebt das magiebegabte Volk der Tenga. Wollen die starken Nanjok sich etwas Magie aneignen? Und wenn ja, was haben sie damit vor?
All diese Fragen bleiben im Buch unbeantwortet – schließlich haben wir es mit einer Trilogie zu tun.
Der erste Teil widmet sich vor allem der Beziehung zwischen Rayna und Ferril und ihrem ersten Abenteuer, das gehörig schiefgeht. Den größten Teil der Geschichte sind die beiden gefangen (, wie man dank des Titels erahnen kann). Diese Gefangenschaft zieht sich durchaus ein wenig. Zwischenzeitlich wartete ich darauf, dass ein klares Ziel des ersten Teils auftaucht, doch dem war nicht so. Vielmehr wird sich Zeit genommen, um die Welt auszuarbeiten, den Leser tiefer in Teharis Zauber zu ziehen und die Beziehungen unter den Figuren zu vertiefen. An dieser Stelle sei bemerkt, dass auch Raynas Bruder Karim eine große Rolle spielt, welchen ich wirklich toll fand.
Obwohl das Buch also zwischendurch auch sein Tempo verliert, bleibt es zu jeder Zeit schön und auf gewisse Weise spannend. Einige der Kapitel bieten gerade von letzterem eine ganze Menge! Vor allem ab der zweiten Hälfte nimmt das Buch Fahrt auf und die Ereignisse überschlagen sich. Die letzten Kapitel eröffnen völlig neue Möglichkeiten und verraten einen Hauch der weiteren möglichen Geschehnisse. Am Ende des Buches denkt man sich auf jeden Fall: „Wieso geht es jetzt nicht weiter?!“ Damit hat die Autorin also alles richtig gemacht, denn der Leser bleibt auch Tage später in Gedanken noch in Tehrais bei Rayna und Ferril.
Besonders gut hat mir wirklich die Welt gefallen, sowie die Bindung zwischen Ferril und Rayna. Auch Hyron ist ein toller Charakter und ich bin gespannt, wie sich die Beziehung zwischen der Reiterin und dem Shealif noch entwickelt. Denn angedeutet wird an dieser Stelle bereits ein wenig. Zwischenzeitlich passierte nach meinem Geschmack zu wenig, doch ab der Hälfte ist das Buch sehr spannend. 
Der Schreibstil ist fließend und regt zu vielen bunten Vorstellungen an. Man sieht die Felder und Wälder Teharis vor seinem inneren Auge und kann es sich dank der Karte noch besser vorstellen.


Ich habe „Die Greifenreiterin – Gefangenschaft“ gern gelesen, denn die Verbindung zwischen der Reiterin und ihrem Greifen ist etwas ganz besonderes. Rayna ist eine junge und sehr charakterstarke Frau, die die Handlung immerzu trägt. Gemeinsam mit ihr und Ferril taucht man gern in die Geschichte ein und drückt beiden die Daumen. Ob sie das Geheimnis um die Reise der Nanjok lüften können? Um das zu erfahren, müssen wir wohl bis Ende des Jahres warten. Ich vergebe für den Auftakt der Reihe gute 4 Sterne und freue mich auf die weiteren Abenteuer.




10. August 2019

Rezension [Hörbuch]: "Das Geheimnis der vier Briefe" von Sophie Hannah



Titel: Das Geheimnis der vier Briefe - ein neuer Fall für Hercule Poirot
Autor: Sophie Hannah
Sprecher: Wanja Mues
Verlag: Der Hörverlag
Preis: 16,00 €
Seiten: 368
Dauer: 10h 55m


Es gibt viele großartige Autoren, die das Zeitliche bereits segnen mussten und die Buchwelt trauert um sie. Im Falle der Gand Dame der Kriminalgeschichte ist es natürlich nicht anders: Agatha Christie hat Figuren geschaffen, die in die Literaturwelt eingingen und das Leben vieler Menschen geprägt haben. Wie traurig ist es aber, dass genau diese Charaktere keine neuen Geschichten erleben können, denn die Federführende kann natürlich keine mehr erschaffen?! Ich persönlich liebe die Bücher von Agatha Christie und habe eine große Vorliebe für den belgischen Detektiv Hercule Poirot. Doch dem Umstand, dass Poirot nicht mehr ermitteln kann, muss ich mich nun einmal unterordnen. Oder nicht? Dank mutiger Pioniere muss das tatsächlich niemand. Denn die Autorin Sophie Hannah hat sich daran versucht Christies Stil und Figuren zu kopieren und ein neues Abenteuer zu schaffen. Meine Hoffnungen waren dem „(Das )Geheimnis der vier Briefe“ gegenüber sehr groß und deswegen besorgte ich mir das Hörbuch. Doch tatsächlich bleibt trotz guter Unterhaltung auch eine skeptische Note zurück.

Wer ist Barnabas Pandy und wurde er wirklich ermordet? Diese Frage stellt sich der berühmte Privatdetektiv Hercule Poirot, nachdem er Besuch von einer ihm vollkommen unbekannten und aufgebrachten Dame erhalten hat. Sie hat ihm einen Brief unter die Nase gehalten: Darin wird sie von Poirot des Mordes an besagtem Herrn Pandy bezichtigt. Und es soll nicht bei dieser einen mysteriösen Begegnung bleiben. Wenig später wird Poirot von einem ihm ebenfalls unbekannten Herrn mit dem gleichen Brief aufgesucht. Wie viele dieser Briefe sind noch im Umlauf? Wer hat sie geschrieben und mit welcher Absicht? Und kann Poirot diesen Fall aufklären, ohne Menschen in Gefahr zu bringen?

Ich habe mich wirklich sehr auf dieses Hörbuch gefreut. Bereits in der Vergangenheit habe ich einige Christie-Romane in diesem Format gehört und das funktioniert zumeist recht gut. Ein Problem, das vom Medium Hörbuch abhängt, wird allerdings durch den Charakter Hercule Poirot schnell deutlich: Der Belgier hat einen starken französischen Akzent und damit muss der Sprecher zurechtkommen. Bevor ich also etwas zur Geschichte selbst sage, möchte ich zunächst auf die Vor- und Nachteile des Hörbuchs selbst eingehen. 
Der Sprecher ist Wanja Mues, welcher mir nicht unbekannt war. Er hat eine angenehme Stimme und einen wirklich guten Stil. Er verleiht jeder Figur eine andere Note und zum Teil ist das sehr aufwendig. Den alten Buttler Kingsbury hat er beispielsweise grandios gesprochen, ebenso wie den konservativen Stanley Strang. Allerdings ist Poirot selbst wirklich schwer zu sprechen. Mues hat sich dafür entschieden ihn authentisch darzustellen und so ist der französische Akzent allgegenwärtig. Problematisch wird das aber in diesem Fall, weil Poirot die absolute Hauptfigur ist. Das ist, wie Christie-Fans wissen, nicht immer der Fall. Oft hält der Belgier sich auch im Hintergrund. Hier allerdings ist er der Handelnde, wenn auch nicht Erzählende und deshalb hat er große Redeanteile. Ich fand es irgendwann sehr anstrengend dem Akzent zu lauschen und ich bin mir sicher, Mues muss es ähnlich gegangen sein. Generell spricht er Poirot absolut gekonnt, doch es war mir auf Dauer einfach zu viel. 
„Zu viel“ ist aber generell ein gutes Stichwort. Sophie Hannah hat ein anerkennenswertes Unterfangen gewagt: einen neuen Poirot-Fall zu erschaffen. Allein dafür bin ich ihr sehr dankbar. Und dieses Unterfangen gelingt an vielen Stellen tatsächlich sehr gut! Man muss aber festhalten, dass man die große Agatha Christie eben nicht einfach kopieren kann. Vielleicht ist das auch gar nicht das, was erreicht werden sollte. Denn ich glaube schon, dass Hannah wusste, dass das nicht gelingen kann. Betrachtet man das Hörbuch also unter diesem Aspekt, bleibt der Eindruck ein positiver. Alle, die aber einen Original-Christie erwarten, werden enttäuscht sein. Denn Sophie Hannah hat neben den klassischen Handlungselementen schon ihre eigenen miteingebracht. So fand ich persönlich die obligatorische Aufklärung am Ende im Kreise aller Verdächtigen einfach viel zu lang und ausufernd! Dass es diese klassische Aufklärung gab, finde ich allerdings toll. Aber die Umsetzung war leider nicht gut. Festhalten tut die Autorin auch an anderen Elementen, wie zum Beispiel dem Niederschreiben der Geschichte von jemand anderes. In diesem Fall wird die Geschichte von einem befreundeten Inspektor bei Scotland Yard verfasst. Wer aber auf Japp hofft, wird enttäuscht. Der gute Mann heißt Edward Catchpool und war mir völlig unbekannt. Dennoch ist er eine wirklich gelungene Figur, die gut mit Poirot harmoniert. Das kann man insgesamt zum Figurenensemble sagen. Die Autorin hat wirklich alles aus ihrer Trickkiste herausgeholt und großartige Figuren erschaffen. Problematisch ist einzig die Fülle ebenjener. Denn man verliert doch ziemlich schnell den Überblick, wer denn jetzt wer war. Das ist bei den Hauptfiguren nicht der Fall, die Nebenfiguren konnte ich irgendwann nicht mehr überschauen. Im Booklet findet sich allerdings eine Übersicht der Personen, was helfen kann.
Loben möchte ich durchaus auch den Aufbau der Geschichte und vor allem deren Lösung. Die Schlüsse, die Poirot durch seine kleinen grauen Zellen schließt, sind Christie-würdig. Manchmal handelt Poirot aber schon anders, als ich es erwartet hätte, was sicher an Hannahs Note liegt.
Das Hörbuch schafft es allerdings nicht, unnötige Längen zu vermeiden, was schade ist. Man bekommt Teile des Falles nur sehr bruchstückhaft mit und die Geschichte schweift oft zu anderen Schauplätzen. Lange Zeit weiß man eigentlich gar nicht, wo die Geschichte hin soll. Es gibt vier Briefe, die Poirot angeblich geschrieben haben soll – was er natürlich nicht hat – und mit denen er konfrontiert wird. Alle handeln vom Mord an Barnabas Pandy, doch dieser wurde gar nicht ermordet. Poirots Interesse ist auf jeden Fall geweckt und so entwickelt sich ein doch recht interessanter Fall, der wie gesagt, lang im Dunkeln tappt. Diese Längen haben mich wirklich gestört. So ergab sich auch, dass die Aufklärung eben so umfangreich sein musste, denn sie liegt keinesfalls auf der Hand. Dennoch ist die Mischung aus neuen und alten Elementen durchaus gelungen, wenn eben manchmal auch etwas störend.


Die Geschichte hat ihre Höhen und Tiefen. Die Handlung selbst ist interessant und weckt das Interesse des Hörers. Vieles hält sich an die Vorlage, was wirklich toll ist. Poirot denkt, wie man ihn kennt, es gibt eine tolle Auflösung und einen undurchsichtigen Fall. Aber Abwandlungen gibt es natürlich und diese ziehen sich oft unnötig in die Länge. Obwohl mir der Aufbau, die Figuren und der Fall generell gut gefallen haben, störte ich mich an einigen anderen Dingen, wie etwa den großen Redeanteilen von Poirot.. Deswegen vergebe ich 3,5 Sterne und spreche den Hinweis an alle alteingesessenen Fans aus, die Erwartungen nicht zu hoch zu stecken. Sophie Hannah hat eine schöne Geschichte geschaffen, die an alte Klasse erinnert, aber eben nicht an sie heran kommt.



2. August 2019

Rezension: "Origin" von Dan Brwon




Titel: Origin
Autor: Dan Brown
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 12,00€
Seiten: 672



Dan Browns Werke sind moderne Klassiker. Millionen von Menschen haben die Weltbestseller rund um den Harvard Professor Robert Langdon verschlungen, denn sie sind spannend, interessant und auch immer ein kleines bisschen provokant. Und dennoch hat man das Gefühl, etwas zu lernen, wenn man dem Symbologen durch die Weltgeschichte folgt. 

Als vor zwei Jahren „Origin“ herauskam waren die Meinungen verschieden. Viele sagten, es sei das schwächste Dan Brown-Buch, das bisher erschienen ist und deswegen nahm ich zunächst Abstand. Nun endlich stellte ich mich aber dem Abenteuer, das vor allem in Spanien spielt und ich habe es nicht bereut. Spannung, kontroverse Debatten und viel Erstaunen legen in diesem Buch und deswegen fügt es sich nahtlos in Langdons Abenteuer!




Die Wege zur Erlösung sind zahlreich.

Verzeihen ist nicht der einzige.
Als der Milliardär und Zukunftsforscher Edmond Kirsch drei der bedeutendsten Religionsvertreter der Welt um ein Treffen bittet, sind die Kirchenmänner zunächst skeptisch. Was will ihnen der bekennende Atheist mitteilen? Was verbirgt sich hinter seiner "bahnbrechenden Entdeckung", das Relevanz für Millionen Gläubige auf diesem Planeten haben könnte? Nachdem die Geistlichen Kirschs Präsentation gesehen haben, verwandelt sich ihre Skepsis in blankes Entsetzen.
Die Furcht vor Kirschs Entdeckung ist begründet. Und sie ruft Gegner auf den Plan, denen jedes Mittel recht ist, ihre Bekanntmachung zu verhindern. Doch es gibt jemanden, der unter Einsatz des eigenen Lebens bereit ist, das Geheimnis zu lüften und der Welt die Augen zu öffnen: Robert Langdon, Symbolforscher aus Harvard, Lehrer Edmond Kirschs und stets im Zentrum der größten Verschwörungen.



Obwohl die Langdon-Bücher immer sehr umfangreich sind, kann man die Bücher schnell lesen, so auch „Origin“. Wenn man Zeit hat und sich auf das Buch einlässt, dann lässt es den Leser nicht mehr los. Man möchte weiter lesen, denn der Sog des Geheimnisses ist stark. Hinzu kommt der gute und sehr flüssige Stil des Autors. Dan Brown ist ein Meister seiner Klasse. Er hat ein gutes Gespür für den Zeitgeist und aktuelle Themen, die die Menschheit umtreibt. Auch deshalb haben seine Bücher so viel Erfolg. „Origin“ vereint thematisch die moderne Welt und die alten Religionen. Ein Widerspruch? Wer weiß. Genau das ist auch zentrale Frage des Buches. Der Aufbau von Origin ist wie immer atemberaubend. Brown gibt dem Leser immer nur so viele Informationen, wie dieser unbedingt benötigt und vieles klärt sich natürlich erst am Ende. Dadurch ist Spannung garantiert und diese wird auch durch den ständigen Perspektivwechsel unterstützt. In „Origin“ gibt es neben Robert Langdon eine weitere Protagonisten, Amber Vidal, die Verlobte des spanischen Thronfolgers. Natürlich ist sie wunderschön und gleichzeitig gebildet und fügt sich so ganz wunderbar in die Reihe der „Langdon-Girls“. Neben den beiden gibt es zahlreiche weitere Figuren und anfangs läuft man Gefahr, den Überblick zu verlieren. Doch durch Browns guten Aufbau geschieht dies eben nicht. Durch die zahlreichen Figuren schafft der Autor lediglich die großer Perspektivvielfalt und so sind die folgenden Kapitel immer aus der Sicht einer anderen Figur geschrieben. Die Schauplätze sind außerdem sehr vielfältig. Die Geschichte spielt zum größten Teil in Spanien: Bilbao, Madrid und Barcelona. Aber auch Dubai und Budapest sind Handlungsort, wenn auch nur als Nebenschauplätze. Spanien ist ein sehr reizvolles und kulturreiches Land, was in diesem Buch sehr gut rüberkommt. War man bereits in einer der drei Städte, erkennt man die Detailtreue von Brown und fühlt sich beinahe schon als kleiner Teil der Geschichte.
Worum genau es in der Geschichte geht, will ich gar nicht so genau sagen. Nur so viel: Robert Langdons alter Student Edmont Kirsch, Technologiespezialist und Futurologe, hat eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die die Welt verändern wird, so wie wir sie kennen. Diese Entdeckung will er in einer Präsentation verkünden, die die ganze Welt sehen kann – live oder über Streaming. Doch das soll verhindert werden und das wird es auf äußerst brutale Weise auch. Damit die Welt jedoch trotzdem das Geheimnis lüften kann, macht Landon sich mit Vidal auf, die Präsentation noch zu starten. Diese ist aber natürlich verschlüsselt gespeichert und es müssen Codes geknackt werden, um an sie heran zu kommen. Dabei haben die beiden eine entscheidende und sympathische Hilfe: Winston. Wer das aber ist, wird an dieser Stelle nicht verraten. Es geht also um Themen wie Technologie und Mord, Religion und Freundschaft und das alles im Setting von Kunsthistorie und Symbolforschung. Ein klassischer Langdon eben. Kleine Kritikpunkte habe ich allerdings, auch wenn diese kaum in die Wertung miteingehen. Insgesamt zieht sich das Buch immer mal wieder. Es hätte mindestens 50 Seiten dünner sein können, wenn der Autor das gewollt hätte. Diese Längen sind nicht weiter schlimm, lassen den Leser aber manchmal tief durchatmen. Problematisch ist lediglich, dass auf den letzten 10 Seiten dann eine ganze Menge noch herauskommt, wofür man sich hätte mehr Zeit nehmen können. Hier wurde nicht optimal gewichtet und dennoch ist die Kürze des Endes natürlich ein stilistisches Mittel. So oder so hat man nach Beenden des Buches ein Redebedürfnis – und das heißt doch, dass das Buch etwas mit dem Leser gemacht hat!


Meines Erachtens ist die viele Kritik an diesem Buch nicht gerechtfertigt, denn „Origin“ ist ein typischer und verdienter Robert Langdon-Fall. Das Buch ist spannend und nervenaufreibend. Es ist modern und dennoch klassisch, wie sein Protagonist auch. Dan Browns toller Stil macht den Rest, so dass man das Buch verschlingen kann. Spanien als Schauplatz ist sehr gut gewählt und die Verstrickungen zwischen den einzelnen Figuren sind sehr gelungen. Mich hat das Buch trotz seiner Längen absolut überzeugt, weshalb ich 5 Sterne vergebe. Ich hoffe wirklich, dass es nicht das letzte Langdon-Buch war!