31. August 2026

Mein SuB kommt zu Wort: Karli #101

Hallo ihr Lieben!

Es ist doch auch eine nette Regemäßigkeit, wenn das SuB-Interview unregelmäßig erscheint. Oder was meint ihr?! :'D Spaß beiseite. Schon wieder muss ich voller Scham zugeben, das letzte Interview ausgelassen zu haben. Ist nicht okay. Stimmt. Aber manchmal blicke ich auf den Kalender und bemerke gar nicht, wie schnell die Zeit ins Land gegangen ist. Und dann ist der 20. schon wieder rum. Und der nächste auch. Schwupps, schon schreiben wir den 31.8 und siehe da: Wir sind auch wieder am Start. Yeah! Inzwischen verfolge ich aber ja die Philosophie "Besser spät als nie" in Bezug auf den Blog, daher kann ich ganz gut damit leben. Mein SuB aber auch? Wir werden es gleich herausfinden.
Zunächst - wie immer - ein paar Worte zu den letzten beiden Monaten. Unser Sommer und die Kita-Schließzeit waren wirklich total toll. Wir haben als Familie so viele Zoos und Parks besucht, dass unsere Kleinen sehr glücklich waren. Unser kurzer Dänemark-Trip mit Freunden war ebenfalls ein voller Erfolg. Hinzu kommt, dass sogar das Wetter hier in Bremen mal mitgespielt hat und wir auch zu Hause einfach schöne Sommertage genießen konnten. Besonders schön war das Wetter auch auf dem ersten Geburtstag unseren Kleinsten. Wir hatten alle einen so schönen Tag und alle konnten die Feierlichkeiten richtig genießen. Insgesamt haben wir als Familie gerade einfach eine richtig schöne Zeit. Aber beschönigen wir auch nichts: Wir waren schon froh, als der Kindergarten wieder angefangen hat :D 
Ich komme im Moment wieder viel dazu, Sport zu machen oder Termine mit Freundinnen zu planen. Auch als Paar hatten mein Mann und ich sogar ein bisschen Zeit. Ihr glaubt es nicht: Wir waren im Kino! O.o Wir konnten uns beide nicht mehr daran erinnern, wann das das letzte Mal der Fall war. "Die Odyssee" war ein richtig guter Film und ich bin sehr froh, dass ich ihn im Kino gesehen habe! Das Buch habe ich übrigens vor 10 Jahren mal gelesen und rezensiert. Es war schon lustig, an wie vieles ich mich erinnern konnte. Der Film war jedenfalls klasse. 
Auch über jeden anderen Bereich in meinem Leben kann ich mich gerade nicht beschweren. Tennis, Tanzen, Freunde...es läuft alles irgendwie :) Klopfen wir auf Holz, dass es so bleibt.
Und Lesen? 
Ja, da kann euch ein Experte jetzt sagen, was Sache ist. Ich persönlich verliere ja auch regelmäßig den Überblick. Und da wären wir wieder beim Thema Regelmäßigkeit. Auf geht's, Karli!



Besucht auch unbedingt den schönen Blog von Melli, die diese Aktion noch immer führt und leitet. Danke dir!


1. Karli, wie groß bist du aktuell?

Hallo liebe Menschen und SuBs! Ich darf auch mal wieder in die Tasten hauen. Für mich ist das alles ja auch nicht leicht. Plötzlich kommt der Tag, an dem ich aufwache und zum Interview zitiert werde. Meistens rechne ich da gar nicht mit. Denn zu viele Hoffnungen will ich mir ja auch nicht machen. Den Wecker stelle ich zumindest schon lange nicht mehr auf den 20. Aber gut. Heute ist der 31. und ich wurde tatsächlich berufen. Hier bin ich also! Und trotz allem bin ich voller Freude. Denn natürlich ist es ein schweres Vergehen, mein Interview so stiefmütterlich zu behandeln, doch insgesamt gibt Julia sich schon Mühe, an mich zu denken. Sie versucht nämlich wirklich regelmäßiger zu lesen und zu hören.
Ich beschwere mich diesen Monat jedenfalls nicht. Obwohl ich vielleicht nicht viel kleiner geworden bin, gibt es hier immerhin Betrieb. Und ich bin ehrlich gesagt in einem Alter, in dem ich das bereits honoriere :'D 
Kommen wir zu den Zahlen. Anfang Juli war ich bei 125 Büchern. Tatsächlich gibt es einen Fortschritt. Mein aktueller Stand beträgt 123 Bücher. Woop woop.


2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen - zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel.

Die Pflege läuft tatsächlich gut. Julia liest oder hört zumindest sehr regelmäßig. Schon im letzten Interview habe ich euch von der "Onleihe" der Bremer Bibliothek erzählt. Meine Besitzerin nutzt sie noch immer und hat inzwischen großen Gefallen daran gefunden. Zuerst hat sie nur ein Hörbuch streamen wollen. Da es aber natürlich ein Reihenauftakt war, war sie gezwungen, für den zweiten Teil auf das Ebook umzusteigen. Und nun ist sie plötzlich regelmäßige Nutzerin der App.
Julia benutzt sie aber tatsächlich vor allem für Hörbücher. Allein im letzten Monat hat sie drei Bücher gehört, bzw. begonnen. Alle drei zeige ich euch gern.





"Look what she made us do" ist ein Essay über Taylor Swift und ihre Bedeutung für die Swifties. Da Julia sich selbst dazu zähle, konnte sie nicht widerstehen, als sie das Buch in der Liste der Bibliothek sah. Insgesamt hat es ihr gut gefallen, allerdings ist der Zusammenschnitt zu hektisch.
"Stuck with you" von Ali Hazelwood ist ebenfalls nicht mehr bei mir. Meine Besitzerin hat dieses kurze Buch komplett durchgesuchtet - wie so oft bei der Autorin. Zu meinem Stapel zählt aber noch "Lessons in Faking", was Julia gerade hört. Am Anfang fand sie es zu klischeehaft, inzwischen hat sich die Chemie zwischen den Protagonisten aber entwickelt, sodass sie es gerne hört.
Und dann wäre da noch ein Buch, das im letzten Monat ein- und wieder ausgezogen ist.


"So leicht kommen wir nicht davon" muss hier auch noch einmal erwähnt werden. Es handelte sich um ein Rezensionsexemplar von der Autorin selbst. Julia hat bereits den ersten Teil der Geschichte gelesen. Thematisch geht es um die Flucht eines jungen Mädchens aus der DDR, was sie damals sehr beeindruckt hat. Die Protagonistin ist nun erwachsen geworden und findet sich im wiedervereinten Deutschland nicht wirklich zurecht. Von dieser Zerrissenheit, aber auch von der Geschichte selbst handelt "So leicht kommen wir nicht davon". Für Julia war es eine sehr bewegende und wirklich großartige Geschichte, deswegen wollte ich euch dieses Buch auch noch einmal ans Herz legen.


3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, eine Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Als letztes hat mich erst gestern Abend ein Buch verlassen und zwar der zweite Teil der Zeitreisen-Trilogie, die Julia eben aus der Bibliothek ausgeliehen hat. "Ruling Destiny" war ganz solide. Allerdings ist meine Besitzerin manchmal etwas zu alt für so naive Charaktere. Naja. Den dritten Teil hat sie sich jetzt trotzdem ausgeliehen. So schlecht kann es also nicht gewesen sein.



4. Lieber Karli, oh ja, die alten Hasen wissen, welche Frage nun folgen wird: SuB-Senioren! Zeige mir deine drei ältesten SuB-Senioren. Und das Allerwichtigste: Haben sie sich zum Vorjahr verändert oder sind es immer noch die gleichen?

Kleines Update, bevor die letzten beiden Fragen kommen. Ich hatte Julia lediglich den Auftrag gegeben, "Diviners - Aller Anfang ist böse" zu beenden. Das hat mit seinen über 700 Seiten schon ganz schön reingehauen. Aber meine Besitzerin hat es geschafft. An dieser Stelle dürft ihr euch einen kleinen Freudentanz vorstellen.

Puh, jetzt wird es peinlich. Das ist wirklich der Scham-Moment des Jahres für mich. Vielleicht hat Julia deswegen das reguläre Juli-Interview ausgelassen?! Meine drei ältesten Bücher, die absoluten Senioren... Nun kommt das Geständnis: Es sind die gleichen wie im letzten Jahr, nämlich diese hier:


Ich glaube, die Lage ist wirklich aussichtslos. Ob diese Bücher jemals gelesen werden? "Die Buddenbrooks" hat Julia immerhin vor fünfzehn Jahren mal angefangen. Ja. Die Zahl ist korrekt. Sie las es während ihres allerersten Schulpraktikums, also 2011. Und dann hat sie bei der Hälfte aufgegeben. Dummer Fehler. So ist es wohl zum ewigen Bestehen auf meinem Stapel verdammt. Bei "Anna Karenina" sieht das ähnlich aus. Das Buch ist seit Jahren bei mir und bleibt ewig ungelesen. Aber da habe ich noch Hoffnungen, dass meine Besitzerin es irgendwann liest, wenn sie in Rente geht. Ja, genau. Julia ist Anfang 30. Kann also noch dauern.
Aber hey, bei "Der Name der Rose" kann ich immerhin berichten, dass Julia und ihr Mann die neu verfilmte gleichnamige Serie auf Disney Plus geschaut haben. Lustig, dass Damian Hardung eine der Hauptrollen spielt. Die Serie war schon gut, aber auch etwas langatmig. Ob Julia das jetzt näher an das Buch gebracht hat, wage ich nicht zu behaupten.
Ich werde euch also vermutlich nächstes Jahr alle drei Bücher wieder zeigen dürfen.


5. Lieber Karli, wir verreisen literarisch. Welches Buch auf deinem Stapel spielt nicht in Deutschland?

Hui, welches spielt in Deutschland ist vielleicht die bessere Frage?! Ich würde sagen, nicht einmal ein Viertel auf meinem Stapel ist bei uns verortet. Die meisten Bücher spielen glaube ich in Großbritannien, vielleicht noch in den USA. Da ich aber auch eine große Klassik-Auswahl habe, ist GB sicher weit vorn. Ich könnte euch also so ziemlich meinen kompletten Stapel zeigen. Nehmen wir aber doch mal eine Auswahl vor.

 


Vom ersten Buch, das ich euch hier zeige, gibt es gar keine aktuelle Ausgabe mehr. Es handelt sich um eine Sammlung der Geschichten von Guy de Maupassant aus dem Insel Taschenbuch-Verlag. Julia hat tatsächlich gestern die erste Erzählung gelesen, es aber als Langzeitprojekt tituliert. Geben wir ihr für "Pariser Abenteuer" also mal etwas Motivation. Dass die Erzählungen in Frankreich spielen, muss ich glaube ich nicht erwähnen, oder?!
Und dann nehmen wir doch noch ein paar moderne Vertreter. Dan Browns neuester Roman spielt wohl zum großen Teil in Prag. Vielleicht entwickelt meine Besitzerin ja wieder Lust, sich mal wieder ins Abenteuer zu stürzen und zu "The Secret of Secrets" zu greifen? In Prag war sie tatsächlich auch schon.
Wo genau "Der Zorn der dreifachen Göttin" spielt, kann ich euch gar nicht sagen. Die USA? Oder doch irgendwo in Griechenland? In einer Parallelwelt? Naja, zumindest nicht in Deutschland ;)
Drückt mir die Daumen, dass Julia zu einem dieser drei Schätze greifen wird!


Und damit beende ich dieses lang herausgezögerte Interview schon wieder. Ich hatte viel Spaß und freue mich, dass ich doch wieder dabei sein durfte. Auch wenn man die Juli-Frage getrost hätte streichen können. Aber so spielt eben auch das SuB-Leben.
Bis ganz bald!

Alles Liebe,
euer Karli


Ach, dieser kleine Kerl hat immer so viel zu erzählen. Da schaffe ich es immer gar nicht, das Interview in eins durchzutippen. Aber ich bin trotzdem froh, dass wir es noch im August geschafft haben. Ich werde mich Karlis gestellten Challenges auf jeden Fall stellen. Drückt also auch mir die Daumen!

Wie ist das bei euch? Habt ihr viele Bücher auf euren Stapeln, die in Deutschland spielen? Oder sind eure SuBs auch eher international orientiert, wie mein Karli?

Liebst,
eure Julia


26. August 2026

Rezension: "So leicht kommen wir nicht davon" von Dorit Linke


Titel: So leicht kommen wir nicht davon
Autorin: Dorit Linke
Verlag: Arena
Preis: 16,00€
Seiten: 248

Es ist beinahe zehn Jahre her, dass ich das Buch „Jenseitsder blauen Grenze“ von Dorit Linke gelesen habe. Trotzdem ist es eines jener Bücher, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Eines, an das ich immer noch denke - auch zehn Jahre später.
Es geht um ein Mädchen, das sich entschließt, über die Ostsee aus der DDR zu flüchten. Ein riskantes Unterfangen, das seinen Tribut fordert. Oft habe ich mich gefragt, was wohl aus Hanna geworden ist, nachdem sie es tatsächlich in den Westen geschafft hat. Scheinbar fragte auch die Autorin selbst sich das immer wieder. „So leicht kommen wir nicht davon“ beantwortet nun genau diese Fragen. Es handelt sich um den Fortsetzungsroman über Hannas Leben. Und was soll ich sagen… Die Geschichte zerreißt mir das Herz. Sie ist unglaublich authentisch, bewegend und so, so, so wichtig in dieser Zeit. Niemand, der der DDR-Diktatur unterworfen war, ist vermutlich je richtig „davon gekommen“. Genau das zeigt dieses Buch. Es ist Vergangenheit und Gegenwart, Stillstand und Leben zugleich. Es ist großartig.


Hanna ist nach ihrer Flucht bei ihrer Tante in der BRD angekommen. Sie muss lernen, dass Freiheit nicht nur Aufbruch bedeutet, sondern auch, sich mutig der Vergangenheit zu stellen. Während sie versucht zwischen Schwimmtraining und Party eine neue Normalität zu leben, fällt die Mauer. Sie kehrt in die DDR zurück. Dort trifft sie bei ihren Eltern, Freunden und alten Bekannten auf Hoffnung, Orientierungslosigkeit und auch Misstrauen. Hanna fühlt sich zusehends zerrissen zwischen neuen Bekanntschaften, den Erinnerungen an Andreas und den Erlebnissen in der Nachwendezeit. Einige Jahre später erlebt sie die entfesselte Gewalt beim Pogrom in Rostock-Lichtenhagen, die das vermeintlich antifaschistische Selbstbild ihrer früheren Heimat brutal zerstört.
Erst als sie ihr Weg weiter führt, von Bremen, nach Berlin und schließlich nach Schottland, kann sie endlich wieder atmen, findet ihre Liebe und gewinnt die Leichtigkeit im Leben zurück.

Die richtigen Worte für diese Geschichte zu finden, ist nicht leicht. Ich empfand „So leicht kommen wir nicht davon“ als unglaublich ‚groß‘. ‚Groß‘ im Sinne von ‚bedeutend‘. Das Buch fängt ein so wichtiges und gleichzeitig sensibles Thema ein und wählt einen ganz besonderen Weg der Aufarbeitung - als Jugendbuch. Lasst mich ein wenig ausholen, um das zu erklären.
Ich bin in den frühen 90er Jahren geboren, wuchs also in einem vereinten Deutschland auf. Im Westen. Für mich gab es das Thema DDR quasi erst im Schulunterricht. Heute bin ich Geschichtslehrerin und leite relativ simpel viele unserer gesellschaftlichen Entwicklungen anhand der innerdeutschen Geschichte mit meinen Schülern und Schülerinnen ab. Ist ja klar, wenn man sich auf Quellen berufen kann. Statistiken. Tabellen. Eindeutig. Und trotzdem sehen wir in unserer heutigen politischen Entwicklung, dass vieles eben nicht so klar ist, wie es Analysen an einem Bremer Gymnasium scheinbar zeigen. Es ist wichtig, immer wieder über die DDR als Diktatur zu sprechen. Das Thema und all die Unterdrückung wach zu halten, die Menschen daran zu erinnern, dass früher eben nicht „vieles einfach besser war“. Und deswegen spreche ich vom Adjektiv ‚groß‘. Denn für mich leistet „So leicht kommen wir nicht davon“ einen Teil zum kollektiven Erinnern. Es ist ein Jugendbuch, das auf eine unterhaltsame, aber ergreifende Art und Weise erinnern und aufklären will – ohne belehrend zu sein. Davor will ich meinen Hut ziehen! Dorit Linke ist selbst in der DDR aufgewachsen, verarbeitet teilweise also autobiographische Erlebnisse und genau deshalb sind auch ihre beiden Bücher über Hanna so unglaublich gut.
Obwohl ich zum Buch selbst bisher wenig gesagt habe, ist glaube ich klar, dass mich „So leicht kommen wir nicht davon“ begeistert hat. Gehen wir aber mal ins Detail.
Insgesamt geht es in dem Buch um Hannas Leben nach der Wende. Sie sucht sich selbst in einem zerrissenen Land, das beinahe ein Spiegel ihrer Seele ist. Der Verlust ihres Freundes Andreas und die damit verbundenen Schuldgefühle lassen sie nicht los. Hannah pendelt zwischen Bremen und Rostock, ja beinahe zwischen zwei Leben hin und her. Sie ist die Ich-Erzählerin, der man die ganze Zeit über genau diese Zerrissenheit anmerkt. Manchmal erlaubt sie sich nicht, etwas zu fühlen. Manchmal fühlt sie zu viel. Sie berichtet dabei von ihrem Leben und spricht immer wieder jemanden an. Es ist eigentlich ziemlich schnell klar, dass „du“ nur Andreas sein kann. Hanna hat das Bedürfnis, ihrem verstorbenen Freund zu erzählen, wie es in ihrem Leben weiter geht. Ihn mitzunehmen in ein Leben, das er nicht mehr leben darf. Ich fand es sehr authentisch, dass Hanna dieses Bedürfnis hat. So wird Andreas zu einem erneuten Protagonisten in diesem zweiten Teil, ohne jemals dabei gewesen zu sein. Auch Sachsen-Jensi spielt übrigens wieder eine große Rolle. Aber auch diese Beziehung ist dem Druck der gesellschaftlichen Entwicklung in gewisser Form unterworfen.
Mir hat die Art des Erzählens von Dorit Linke sehr gut gefallen. Das Buch ist nicht in Kapiteln erzählt. Es wird eher fragmenthaft berichtet und selten chronologisch. Für einige ist es möglicherweise nicht ganz leicht, sich in diesen Erzählstil zu arbeiten. Aber Hannas Leben und ihr Charakter selbst sind eben auch nicht leicht. Mich haben die Zeitsprünge, die zwischen 1989 und 1999 stattfinden, auch manchmal etwas durcheinander gebracht. Aber Hanna ist trotzdem keine sprunghafte Erzählerin. Die Rückblenden werden immer dann genutzt, wenn es einen Erzählanlass gibt. Ein Ereignis, die Begegnung mit einer Person. Eben Auslöser, um Andreas etwas aus der Vergangenheit zu erzählen. Der Erzählstil ist ein weiteres Mittel, um Hannas Charakter deutlich zu machen. Sie versucht sich zurechtzufinden, genauso wie der Erzählstil. Doch wie soll man sich in diesem wiedervereinten Land zurechtfinden?!
Die Geschichte springt nicht nur zwischen den Jahren, sondern auch zwischen Orten. Rostock, Bremen, Berlin und mehrere Städte in Schottland sind die Schauplätze für Hannas Geschichte. Die Route ihres Lebens ist kompliziert, könnte man sagen. Mir hat auch hier die Authentizität gefallen. Da ich Bremerin bin, habe ich mich ein klitzekleines Bisschen mehr mit Hannah identifiziert als vorher schon. Noch besser erfasst hat die Autorin aber ihre Heimatstadt Rostock. Man merkt einfach, dass hier von echten Orten und Erlebnissen die Rede ist.
Und die DDR war echt. Das macht Dorit Linke immer wieder deutlich. Es geht hier eben nicht um eine nette Jugendgeschichte. Hier wird aufgearbeitet. Aber bitte versteht mich nicht falsch, denn es geschieht nicht auf anstrengende Art und Weise. Wer will, kann zum Beispiel immer wieder hinten im Buch mit Sternchen gekennzeichnete Begriffe nachschlagen. Im Glossar werden Begriffe wie „Jugendwerkhof“ oder „Volkseigentum“ erklärt. Aber auch der rumänische Bürgerkrieg kann zum Beispiel nachgeschlaen werden. Ich fand es so spannend, auf diese Art und Weise zu erfahren, was eigentlich rund um mein Geburtsjahr so in der Welt los war. Denn so lange ist das doch nicht her, oder doch?
Man muss all diese Erklärungen nicht lesen. Aber denjenigen, die interessiert sind, werden hier weitere Informationen angeboten. Ich persönlich fand auch das Nachwort sehr, sehr stark. Linke bezieht hier deutlich Stellung zu politischen Entwicklungen und spricht offen Dinge an. Auch hier gilt weiterhin, dass niemals belehrt wird. Aber dass man sich eben der Realität stellen muss. So wie Hannah das tun musste.
Ein letztes Wort will ich noch zum Titel loswerden. Ich finde ihn unglaublich klug. Was jeder als Phrase aus dem Alltag kennt, kann einfach wunderbar interpretiert werden. Dabei finde ich besonders spannend, wer eigentlich „wir“ ist. Hanna und Andreas sind nicht davongekommen, einer hat sogar mit seinem Leben bezahlt (doch hätte er das nicht auch, wäre er geblieben?!). „Wir“ kann aber auch kollektiv für die gesamte Generation stehen, die mit dem Untergang der DDR zurechtkommen musste. Oder das kollektive Gedächtnis? Denn sind nicht auch "wir" – die Kinder, die nach der Wende geboren wurden – gemeint? Sind nicht auch wir irgendwie verantwortlich, die Geschichte lebendig zu halten? So oder so: Der Titel passt hervorragend.

Für mich steht fest, dass Dorit Linke mit „So leicht kommen wir nicht davon“ ein Stück Geschichtsaufarbeitung geschaffen hat, die in einem wunderbaren Roman stattfindet, der für jedermann geeignet ist. Ganz egal, ob das ein Zeitzeuge oder ein Bremer Schüler ist, der noch nie in seinem Leben von der DDR gehört hat. Hanna ist eine spannende Erzählerin, die einfängt, wie eine ganze Generation sich gefühlt haben muss. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und gleichzeitig habe ich wieder viel gelernt. Das Buch ist literarisch, aber auch thematisch sehr interessant. Mit Leichtigkeit fängt es ein ernstes Thema ein, was ich sehr bewundere. Die fünf Sterne stehen außer Frage.




Nachwort:
Ich für meinen Teil habe entschieden, dass ich „Jenseits der blauen Grenze“ und „So leicht kommen wir nicht davon“ in mein Repertoire als Lehrerin einfließen lassen möchte. Und sei es nur durch die Empfehlung der beiden Bücher, wenn ich wieder einmal etwas über die DDR unterrichte. Aber die Autorin geht auch selbst in Schulen und bietet Workshops an. Ich möchte ihr am liebsten zuschreien: Mehr, mehr, mehr! Genau so etwas braucht es nämlich in Schule und in unserer Gesellschaft, in der freien Meinungsbildung und politischen Bildung. Und wenn man nur eine Handvoll Jugendliche erreicht, so ist das nicht nichts. Denn jeder zählt.

17. August 2026

Rezension [Hörbuch]: "The exquisite Torment of loving your Enemy" von Brigitte Knightley


Titel: The exquisite Torment of loving your Enemy
Autorin: Brigitte Knightley
Sprecher: Gabrielle Pietermann, Vincent Fallow
Verlag: Random House Audio
Preis: 25,95€
Seiten: 512
Dauer: 13h 27m

„The irresistible Urge to fall for your Enemy“ war eines meiner Highlights im gesamten letzten Jahr. Ich habe dieses Hörbuch vergöttert und habe darauf hingefiebert, dass endlich Teil zwei erscheint. Wie geht es mit Osric und Aurienne weiter? Diese Frage quälte mich lange, bis der Reihenabschluss herauskam. Selbstverständlich steht dieser in Sachen Titelwahl seinem Vorgänger in nichts nach. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ ist ein furioses Finale dieser Dilogie, an das ich allerdings hohe Erwartungen hatte. Wurden sie erfüllt? Zum Glück ja! Es wird rasant, es wird spannend und am Ende heißt es Zittern!

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern auf den letzten Blick – genauer gesagt den allerletzten: Widerwillig hat die Heilerin Aurienne es vollbracht, dem Assassinen Osric zu helfen, indem sie das Versiegen seiner Magie verlangsamte. Nun will sie testen, ob sie die Degeneration umkehren kann. Doch was Aurienne nicht ahnt: Bösewicht Osric leidet an einer neuen Erkrankung – sein Herz gehört nicht mehr ihm! Zu allem Überfluss befindet sich Aurienne in Gefahr, vor der sie nur ein höchst unzurechnungsfähiger verliebter Auftragsmörder zu schützen vermag.

Schon im ersten Teil war ich von dieser anderen, aber absolut coolen Welt, die Brigitte Knightley erschaffen hat, fasziniert. Ein alternatives England, das in Königreiche (Tiendoms) eingeteilt ist, von Königen und Königinnen regiert wird und in dem es acht Orden mit besonderen Fähigkeiten gibt. Zwei dieser Orden sind die Fyren – die Auftragskiller – und die Haelen – die Heiler. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Mitglieder dieser Orden jemals freundlichen Kontakt zueinander haben, ist gleich null. Doch da Osric nur von einer einzigen Frau auf dieser Welt von seiner Saes-Fäule befreit werden könnte (Achtung, Konjunktiv), entsteht über abstruse Wege eben doch eine Zusammenarbeit. Osric ist Auriennes Forschungsprojekt. Zumindest macht sie sich das weis. Dass er das längst nicht mehr ist, sollte jedem Hörer und Leser nach dem ersten Teil klar sein. Aber haben die beiden überhaupt eine realistische Chance? Und wollen sie die überhaupt haben? Diese Frage beantwortet „The Torment“ am Ende glücklicherweise. Doch der Weg bis zum Ende ist extrem steinig. Und es heißt nicht umsonst "Slow Burn".
Dieser Folgeband setzt tatsächlich genau dort ein, wo Band eins aufhört. Die Geschichte geht also nahtlos weiter, nur mit dem Unterschied, dass Osric durchaus bewusst ist, dass er Gefühle für Aurienne entwickelt hat. Er versucht sie allerdings zu leugnen. Ist sicherer. Doch die beiden müssen sich wegen den Heilungen zu jedem Vollmond wiedersehen. Leugnen ist also irgendwann zwecklos. Es wäre aber ja gelacht, wenn Osrics Heilung komplikationslos oder einfach wäre. Aurienne und Osric begeben sich in „The Torment“ auf eine unglaublich spannende Reise. Es wird abenteuerlich und spannend. Schon im ersten Teil entdeckten die beiden eine Verschwörung, der sie nun weiter auf den Grund gehen. Die Haupthandlung ist eigentlich die Heilung von Osric, doch es entstehen viele Nebenhandlungen, die hervorragend in alles eingebettet sind. Die Autorin hat eine grandiose Welt erschaffen und all ihre Handlungen fügen sich perfekt in das Konzept. Da es sich um einen zweiten Teil handelt, kommt der Hörer bei „The Torment“ auch in einem Setting an, das er schon kennt. Das führt dazu, dass Brigitte Knightley uns noch tiefer in diese verrückte Welt eintauchen lässt. Man lernt zum Beispiel auch endlich die anderen sechs Orden genauer kennen, von denen einer faszinierender ist als der andere. Gerade die Einzelheiten über die Orden, deren Fähigkeiten und die Zusammenarbeit untereinander fand ich sehr spannend. Mir gefiel die ganze Welt noch genauso gut wie in Band eins. Es ist abwechslungsreich, kreativ und fantasievoll.
Und dann wäre da ja noch der größte Pluspunkt aus „The Urge“: der Humor. Oder sollte ich besser ‚Sarkasmus‘ sagen?! An Band eins habe ich vor allem diesen schwarzen Humor geliebt, der wirklich in jedem Kapitel vorkommt. Ich persönlich empfand ihn in Band zwei ein kleines bisschen schwächer, jedoch ist die Art zu erzählen immer noch unglaublich lustig. Ich habe wirklich oft geschmunzelt.
Dazu trug übrigens auch wieder die unglaubliche Stimme und Interpretation der Figur Osric vom Sprecher Vincent Fallow bei. Er ist so, so gut! Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Auch Gabrielle Pietermann, die die Kapitel von Aurienne liest, ist toll. Sie hat eine sehr schöne Stimme, die wunderbar zu Auriennes Wesen passt. Aber Fallow macht etwas Besonderes aus Osric und damit aus der ganzen Geschichte. Der Sarkasmus, der aus jedem Wort trieft, das Fallow liest, ist überragend. Solltet ihr euch fragen, ob ihr das Buch hören oder lesen solltet, dann spricht dieser herausragende Sprecher absolut dafür, sich das Hörbuch zuzulegen!
An diesem Buch sind noch so viel mehr Dinge wirklich toll. Mir hat zum Beispiel der finale Kampf sehr gut gefallen. Es ist spannend, verlustreich und trotz verrücktem Setting authentisch. Außerdem gefiel mir, dass es drei Epiloge gibt. Ich meine…warum auch nicht?! Ich habe noch nie mehr als einen Epilog gelesen, aber ich fand auch das sehr innovativ und passend zur Geschichte. Ein weiterer Pluspunkt, den ich erwähnen möchte, ist die Episodenhaftigkeit. Brigitte Knightley wirft den Hörer direkt in ihre Welt, ohne viel davon zu erklären. Es ergibt sich eben so. Und auch nachdem die Geschichte um Osric und Aurienne auserzählt ist, ist es die Welt eben nicht. Die beiden sind nur eine kleine Handlung in dieser großen innovativen Welt. Manche Dinge werden nicht aufgelöst (Was zum Beispiel ist Tristan? Eine Göttin?), es bleiben Lücken. Aber genau das fand ich authentisch. Die Geschichte geht eben weiter, nachdem der Fokus nicht mehr auf Osric und Aurienne liegt. Die Welt steht einem Bürgerkrieg bevor und es gibt eben nicht immer ein Happy End für alles und jeden. Das imponierte mir.
Nun aber auch eine Sache, die mir tatsächlich nicht gefiel. Der Schreibstil der Autorin ist sehr ausschweifend und das gehört auch irgendwie dazu. Den Humor habe ich ja schon genug gewürdigt. Aber manche Beschreibungen, vor allem wenn es um die mystischen Szenen ging, waren mir zu lang und zu bildgewaltig. Manchmal schweifte ich beim Hören dann einfach ab, ohne es wirklich zu merken. Das ist aber hinsichtlich all der tollen Dinge nur eine Randnotiz.
Noch ein letztes Wort zu den spicy Szenen. Ohne diese lassen sich Bücher heute ja kaum noch verkaufen. Und ja, es gibt auch einige heiße Szenen in „The Torment“. Wenn ich mich nicht irre, werden sie alle ausnahmslos aus Auriennes Perspektive erzählt. Das finde ich als weibliche Hörerin tatsächlich gut, ist aber auch nicht entscheidend. Sie sind auf jeden Fall sehr passend zur Geschichte, nicht vulgär sondern einfach gelungen.

Man kann es sich schon denken: Ich habe nicht nur den ersten Teil dieser Dilogie geliebt. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ erzählt den zweiten Teil einer herausragenden Geschichte, die ich euch als Hörbuch nur ans Herz legen kann. Die Welt ist innovativ und fantastisch, die Charaktere sind vielschichtig und sehr unterhaltsam und die Sprecher dieses Buches sind großartig. Der Humor ist einzigartig, was mir viele wunderbare Hörstunden beschert hat. Meine kleine Kritik ändert nichts am Gesamteindruck. Auch Band zwei hat sich die fünf Sterne verdient. Meine klare Lese-/Hörempfehlung!



27. Juli 2026

Rezension: "Quartett" von Natasha Korsakova


Titel: Quartett
Autorin: Natasha Korsakova
Verlag: Septime Verlag
Preis: 25,00€
Seiten: 288
 

Es ist kein Geheimnis, dass ich selten Ausflüge in das Krimi-Genre mache. Doch inzwischen ist es ebenfalls keines, dass ich für ein Buch von Natasha Korsakova sofort einen solchen unternehme. Denn die Autorin ist nicht nur eine hervorragende Krimiautorin, sondern vor allem eine begnadete Musikerin. Wenn Korsakova statt zur Violine zur Feder greift, weiß man, dass es einen Mord in der römischen Musikbranche gegeben hat. Und wie keine zweite kann sie das Setting der Klassik einfangen, sodass man in der Szenerie versinkt, gemeinsam mit Commissario Di Bernados Team ermittelt und sich den Intrigen der Musikindustrie hingibt. „Quartett“ ist der vierte Fall von Dionisio Di Bernardo, in dem er mit der klassischen Musik konfrontiert wird. Und zum vierten Mal schafft die Autorin es, ihre Leserschaft in ihren Bann zu ziehen!


Rom, Spätherbst 2025: Nach einem gefeierten Konzert endet der Abend für den ersten Geiger des berühmten »Arcimboldo«-Quartetts tödlich: Lorenzo Verro wird in einem düsteren Durchgang nahe dem Teatro Argentina in Rom erstochen aufgefunden. Für Commissario Di Bernardo beginnt ein verzwickter Fall, der ihn erneut in die widersprüchliche Musikerwelt führt – und in die Schatten dahinter. Zwischen den verletzten Egos, Rivalitäten und verschwiegenen Affären stößt er auf ein Geflecht aus Lügen, das bis in die feinsten Strukturen des Quartetts reicht. Was für ein Mensch steckte hinter der Fassade des Primarius? Warum musste er sterben? Und welche Rolle spielt der schillernde Klarinettist, was hat er zu verbergen? Als Di Bernardo glaubt, endlich ein Muster zu erkennen, ist der Täter ihm einen Schritt voraus: Ein zweiter Mord bricht das fragile Gerüst aus Schweigen. Vor der Kulisse des nächtlichen Roms entdeckt Di Bernardos Team Abgründe, die weit über die Bühne hinausreichen. Und je weiter sie den Geheimnissen auf die Spur kommen, desto erschütternder wird die Wahrheit.

Zuerst muss ich sagen, dass der Titel „Quartett“ absolut perfekt ist. Natasha Korsakova überlässt selten etwas dem Zufall und das wird auch bei der Titelwahl deutlich. Im Fokus der Geschichte steht das „Arcimboldo“-Quartett, in dessen Reihen es einen Mord gegeben hat. Außerdem ist es der vierte Fall von Di Bernardo und somit auch Korsakovas viertes Buch, sodass der Titel mit der Geschichte absolut harmoniert. Das Cover trifft meinen persönlichen Geschmack zwar nicht unbedingt, passt aber trotzdem.
Was geschah nun aber nach dem Konzert des Quartetts? Der erste Geiger Lorenzo Verro verlässt nur kurz das Restaurant, in dem die Musiker feiern und wird ermordet. Natürlich ermittelt Di Bernardo in diesem Fall, schließlich hat er – leider – schon einige Erfahrung, was Morde in der Musikbranche betrifft. Es entsteht ein spannender Kriminalfall, in dem der Kreis der Verdächtigen sehr klein ist. Denn bald ist klar: Es muss einer der anderen Musiker gewesen sein.
Oder?
Und vor allem, warum?
Der Leser wird auf eine spannende Reise mitgenommen und das Setting ist absolut authentisch. Das ist einer der größten Pluspunkte des Buches. Man merkt sofort, dass die Autorin ein Profi auf dem Gebiet der Klassik ist. Sie beschreibt so bildlich, dass die Authentizität des Musiksettings hervorsticht. Man wird quasi von der Musik tief eingesogen und erwacht erst wieder, wenn man das Buch zuklappt. Dabei ist vor allem die Detailverliebtheit klasse. Im Buch gibt es acht QR-Codes, die alle zu Stücken führen, die entweder im Buch direkt eine Rolle spielen oder anders relevant sind. Auch hier gibt es keine Zufälle. Die Videos wurden eigens für das Buch hochgeladen. Einige Stücke spielt Korsakova sogar selbst, was den Zugang zur Geschichte noch einmal vertieft. Ich habe es geliebt, die Stücke im Anschluss an die Kapitel zu hören. Zu lesen und zu hören hat bei mir übrigens nicht geklappt. Zu dicht sind die Beschreibungen der Musik im Buch, die ich einfach nachempfinden wollte. Lässt man sich als Leser auf diese Art der Unterhaltung ein, ist „Quartett“ ein echtes Geschenk, das sich von normalen Krimis einfach abhebt.
Insgesamt ist das Buch aber auch nicht gewöhnlich. Die Autorin legt viel Wert darauf, das italienische Flair einzufangen. Sei es, indem die römischen Straßen oder aber die Süßigkeiten die del Pino immer isst, detailgetreu beschrieben werden. Man kann sich die Szenerie sehr gut vorstellen.
Hinzu kommt, dass Korsakova die gleiche Detailliebe, die sie in ihre Handlungsorte steckt, auch in ihren Figuren zu finden ist. Kennt man einen der Vorgänger von „Quartett“, trifft man lieb gewonnene Figuren auch hier wieder. Alles richtet sich natürlich nach Di Bernardo aus. Aber auch Del Pino oder Fedi spielen weiterhin eine große Rolle. Im Kommissariat passiert eine ganze Menge, doch ob das Team mit diesen Veränderungen klar kommt, ist unklar. Eine Veränderung heißt der Commissario aber willkommen: seine neue Ermittlerin Guilia. So bleibt zwar der liebgewonnen Kern des Teams bestehen, doch damit es nicht langweilig wird, wird er um Guilias (spannende) Geschichte erweitert. Mir kam es manchmal so vor, als wenn der eigentliche Kriminalfall um Lorenzo Verro vor lauter liebevoller Charakterarbeit und Hinwendung zur Musik in den Hintergrund gerät.
Am Fall selbst gefiel es mir tatsächlich nicht so gut, dass der Kreis der Verdächtigen so unglaublich klein war. Ich wollte aber natürlich auch auf gewisse Weise nicht wahrhaben, dass einer der anderen Musiker der Täter ist. Auch die Flashbacks, die bereits im Prolog auftauchen, von denen man aber nie genau weiß, aus wessen Sicht sie sind, geben dem Leser (zu) viele Hinweise auf das Motiv. Das fand ich etwas schade. Mein einziger weiterer Kritikpunkt, der vielleicht mit meinem eigenen Gedächtnis zu tun hat, ist die Benennung zweier Figuren. Ich habe einfach immer „Emanuele“ und „Enrico“ verwechselt. Das kann man eigentlich nicht als Kritik durchgehen lassen, war für mich aber trotzdem ein klitzekleines Bisschen anstrengend. Nichtsdestotrotz ist der Fall spannend und vor allem extrem kurzweilig. Ich konnte kaum glauben, wie schnell man im Buch vorankommt. Besonders am Ende wird es rasant. Ich war traurig, als das Buch zu Ende war, denn mich beschlich das Gefühl, dass so viele Dinge noch ungeklärt sind. Aber vielleicht wird es ja eine Auflösung geben. Vielleicht ein Mord in einem „Quintett“?!

„Quartett“ ist ein kurzweiliger und sehr besonderer Krimi. Selten habe ich eine solche Authentizität in den Beschreibungen des Settings und der Handlung selbst erlebt. Die Musik ist die eigentliche Protagonistin in der Geschichte und das gefiel mir ganz besonders gut. Für die tolle Atmosphäre, die gute Unterhaltung und die detailreichen Figuren muss man die Höchstwertung geben. Ein ganz kleiner Abzug kommt von mir lediglich hinzu, da ich die Auflösung durch den kleinen Kreis der Verdächtigen etwas vorhersehbar fand. Somit vergebe ich 4,5 Sterne für „Quartett“ und hoffe, dass es nicht Di Bernardos letzter Ausflug in die Musikbranche war.



7. Juli 2026

Mein SuB kommt zu Wort: Karli #100

Hallo ihr Lieben!

Ich gebe zu: Ich habe mit mir gehadert, ob ich das SuB-Interview aus dem Juni noch nachhole oder ob ich die nächsten zwei Wochen ins Land gehen lasse und dann wieder zwei vierte Fragen auf einmal beantworte. Da es bis dahin aber noch zwei Wochen sind und sich derzeit immer mal wieder kleine Zeitfenster öffnen, erträgt mein Herz es nicht, Karli leiden zu sehen.
Da wären wir also!
Zu spät.
Das wissen wir.
Aber anwesend. Huhu!
Der Juni war ein ziemlich voller Monat. In unserem Umfeld gab es einige Dinge, die unsere Zeit beansprucht haben. Aber wir geben unser Bestes und ich glaube, es funktioniert auch gut.
In Bezug auf unsere kleine Familie ist alles wunderbar. Unsere Jungs waren im letzten Monat beide einmal krank, aber das ist mit kleinen Kindern so. Ansonsten jagt ein Playdate das nächste, ein Termin nach dem anderen wird abgearbeitet und zwischendurch machen wir schöne Ausflüge. Auch die Zeit für mich selbst kam letzten Monat nicht zu kurz. Ich habe im letzten Monat viel Tennis gespielt, letztes Wochenende sogar ein Turnier. Das hat riesigen Spaß gemacht und war sehr erfolgreich. Ich kann nur von Glück sprechen, dass mein Mann all diese Sachen für mich möglich macht. Ohne ihn ginge es gar nicht!
Was richtig Großes habe ich aber nicht zu berichten. In drei Wochen wird unser Kleiner tatsächlich schon ein Jahr alt. Da der Alltag so an einem vorbeizieht, kann ich das gar nicht fassen. Auch habe ich gar nicht die Zeit, den Geburtstag so zu planen, wie noch bei unserem ersten Sohn. So ist das Leben. Ich denke, unser Kleiner wird trotzdem schöne Tage haben. Und Geschenke gibt es sicher genug ;) Ich freue mich auf jeden Fall. Aber bis dahin müsste planmäßig sogar noch ein SuB-Interview über die Bühne gehen. *hüstel* Abwarten.
Das ist aber ja ein gutes Stichwort für Karli. Bist du bereit, mein liebster SuB? Ich bin gespannt, was Karli zu meinem Leseverhalten im letzten Monat sagt. Denn heute habe ich mich ja ausnahmsweise nicht vorweg verteidigt. Lasset die Spiele beginnen ;)

Schaut unbedingt auf Mellis schönem Blog vorbei, die diese Aktion schon so lange betreut. Danke!


1. Karli, wie groß bist du aktuell?

Oh, hallo! Da bin ich selbst ja fast überrascht, dass ich das Juni-Interview noch einmal separat nachholen darf. Keine Frage, das ist nur fair. Aber manchmal hat meine Besitzerin das Gefühl für Fairness ja nicht gerade erfunden - zumindest in Bezug auf mich. So, das war meine erste Spitze. Ob noch mehr folgen? Ganz bestimmt sogar. Julia hat in ihrem Vorgeplänkel zwar nichts zu ihrem Leseverhalten gesagt, das kann ich aber natürlich übernehmen. Sie liest immer mal wieder. Der letzte Monat lief tatsächlich ganz gut, weil sie ein Buch weggesuchtet hat und ein paar andere mehr oder weniger beendet wurden. Leider, leider muss ich euch aber heute bei der zweiten Frage sogar Bücher zeigen, sodass es auch Zuwachs gab. Das sind für mich ja immer schlechte News. Gutes Stichwort, das mich zu meinem aktuellen Stand überleitet. 
Im Mai war ich 125 Bücher groß. Nun haben mich ein paar Bücher verlassen, andere sind dazu gekommen. Meine neue Größe beträgt also...Trommelwirbel...wieder exakt 125 Bücher. So kann's gehen.

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen - zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel.

Ich deutete ja schon an, dass es neue Bücher gibt. Zwar nur zwei, aber das sind zwei mehr, als in vielen anderen Monaten. Trotzdem habe ich mich über eines sogar sehr gefreut. Per Post trudelte nämlich der neue Roman von Natasha Korsakova bei uns ein. "Quartett" ist das vierte Buch über den Kriminalkommissar Di Bernardo, der in Rom einen Fall im Musikmilieu aufklären muss. Es verspricht, spannend zu werden.
Der Kontakt zwischen Natasha und Julia entstand tatsächlich völlig zufällig. Vor Jahren rezensierte meine Besitzerin das Hörbuch ihres ersten Buches. Julia war begeistert, da das Thema Musik so unglaublich authentisch mit in "Tödliche Sonate" eingeflossen ist. Manchmal ist das Leben als Blogger toll, denn die Autorin nahm Kontakt zu Julia auf und seitdem sind die beiden immer wieder im Austausch. Natashas Lesungen sind absolute Highlights, da sie als Profigeigerin immer ihr Instrument dabei hat und Stücke passend zum Buch zum Besten gibt. Falls ihr euch für klassische Musik begeistern könnt, können Julia und ich euch Natashas Bücher nur ans Herz legen!
Nun ist also "Quartett" hier eingetroffen und wird gerade von meiner Besitzerin gelesen. Die Hälfte haben wir schon  - ein Ahnung, wer der Mörder ist allerdings nicht ;)
Und dann gibt es da noch ein neue Buch bei mir. Das ist natürlich der Vertreter der Rubrik "Hörbuch". Auch hier muss ich ein wenig ausholen. Denn Julia hat erstmals die "Onleihe" ihrer Bibliothek entdeckt. Schon seit Julias erster Sohn laufen kann, gehen die beiden regelmäßig in unsere Bibliothek und leihen Kinderbücher aus. Das ist übrigens super toll - und für die Kinder auch noch kostenlos. Da meine Besitzerin aber ein schlechtes Gewissen hatte, einfach kostenlos Bücher auszuleihen, hat sie sich damals ebenfalls einen Ausweis ausstellen lassen und ist somit ebenfalls Bibliotheksnutzerin. Und hey...nach einigen Jahren hat sie nun auch herausgefunden, dass sie über eine App auch Hörbücher ausleihen kann. Chapeau! Das allererste Hörbuch ist also nun bei uns über die App eingezogen. Es handelt sich um "Stealing Infinity", eine Geschichte über eine Zeitreise-Akademie. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass das Buch Julia bisher eher nicht abholt. Mal gucken...ich befürchte, sie muss es sowieso verlängern. Das Tempo, in dem sie hört, wird vermutlich den Zeitrahmen sprengen...




3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, eine Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?

Tricky Frage. Denn Julia hat als letztes ein Buch beendet, das gar nicht auf meinem Stapel war. Habt ihr schon einmal von "Das Mini-Sams ist weg" gehört? Tja, ist vielleicht nicht ganz euer Genre. Aber ja. Dieses Buch hat Julia als letztes komplett gelesen. Vorgelesen, muss ich vielleicht hinzufügen. Es war das letzte Gute-Nacht-Buch ihres großen Sohnes. Sie kann es allerdings nicht wirklich empfehlen. Angeblich die schwächste aller Sams-Geschichten.
Von meinem Stapel hat mich als letztes "Ich und die Heartbreakers" verlassen. Die Rezension könnt ihr hier lesen. Es war ein wirklich schönes Hörbuch.

 



4. Lieber Karli, das erste halbe Jahr ist fast vorbei. Wie zufrieden bist du mit der SuB-Entwicklung? Ging es rauf oder runter? Welches Buch sollte deine Besitzerin als nächstes von deinem Stapel lesen?

So, kommen wir zum Update. Die Frage im Mai drehte sich um den Ruf des "Wonnemonats", also quasi um Wohlfühlbücher. Ich habe Julia vorgeschlagen "Sinn und Sinnlichkeit" und "The Deal" zu lesen. Beides hat sie tatsächlich getan! Starke Leistung! Bei ersterem musste Julia gestehen, dass ihr Sinn und Sinnlichkeit vor ein paar Jahren noch besser gefallen hatte. "The Deal" hingegen hat sie komplett verschlungen, was meine Besitzerin wirklich gefreut hat. Denn natürlich war sie eine der Frauen, die Off Campus gesuchtet hat. Dass das Buch nun ebenfalls überzeugen konnte, machte Julia scheinbar glücklich. Frauen...muss man nicht verstehen...

Nun also die Juni-Frage. Tja, wie zufrieden bin ich? Ich musste natürlich gerade nachsehen, wie groß ich denn zum Jahresstart war. Meine Größe betrug im Januar 135 Bücher. Zieht man also ein objektives Resümee, muss man ja von einem zufriedenstellenden Fortschritt sprechen. Oder? Mir fällt es natürlich schwer, mit Julias Leistung zufrieden zu sein. Aber tatsächlich finde ich es sogar ganz in Ordnung, wie es derzeit läuft ;) Ich bin mit dem Alter ja auch etwas weiser geworden. Daher sind meine Ansprüche vermutlich auch nicht mehr so hoch. Auch deswegen ist es mir vielleicht relativ egal, welches Buch meine Besitzerin als nächstes lesen wird. Um "Quartett" zu beginnen, hat Julia tatsächlich ihr eigentliches Buch unterbrochen. Dafür musste sie sich allerdings auch nicht überwinden, da es doch ziemlich langatmig war. Ich schätze, dass Julia "Diviners - Aller Anfang ist böse" nach "Quartett" weiterlesen wird (sind nur schlappe 750 Seiten). Und wenn ich mir etwas wünschen darf, setze ich noch "Die Schatzinsel" mit auf die Liste. Manchmal liest Julia ja auch ihrem Kleinen etwas vor, während er durchs Wohnzimmer krabbelt. Da könnte man ja mal mit Weltliteratur starten ;)




Ach schade, schon wieder durch. Die gute Nachricht ist aber ja, dass ich theoretisch bereits in zwei Wochen wieder dran bin! Warten wir es mal ab. Drückt mir weiterhin die Daumen, dass Julia meine Größe reduziert. Vielleicht kommt irgendwann ja mal total die crazy Lesephase :'D Ich glaube nicht dran, aber träumen darf man ja ;)

Alles Liebe,
euer Karli


Tja, auch ich wüsste nicht, wann es diese "crazy Lesephase" geben sollte. Nimmt jemand für zwei Wochen die Kinder?! :'D Anders wird es wohl nicht klappen ;) Aber auch so versuche ich natürlich kleine Fortschritte zu erzielen. Ist gar nicht so leicht, wenn der eigene SuB nicht einmal mehr konkrete Lesetipps gibt. Aber vielleicht lese ich dem Kleinen ja wirklich bald Weltliteratur vor ;)


Wie ist es bei euch, habt ihr einen Bibliotheksausweis? Nutzt ihr auch die "Onleihe"? Und wie sehen eure Zwischenfazits aus?


Liebst,
eure Julia


PS: Erst jetzt, wo ich den Titel eingegeben habe, sehe ich, dass es das 100. SuB-Interview war O.o Oh mein Gott! Wie krass ist das denn?! Dazu muss ich beim nächsten Mal glaube ich ein paar Zeilen schreiben. Hier aber schon mal einen kleinen Glückwunsch an meinen Lieblings-SuB *.*

24. Juni 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Heartbreakers" von Ali Novak

 



Titel: Ich und die Heartbreakers
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Ann-Kathrin Hinz
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 9h 57m
Seiten: 416
Preis: 21,95€

Im Dschungel der New Adult-Bücher verirre ich mich inzwischen oft. Dann bin ich froh, wenn mich das Chaos Richtung Young Adult leitet und ich bei soliden Autorinnen wie Ali Novak ankomme. Denn für mich muss es nicht immer explizit werden und am College spielen. Ein relativ unschuldiges Setting tut es eben auch. Nachdem ich – ich muss es einfach ehrlich zugeben – „Ich und die Walter Boys“ geliebt habe, war ich sehr gespannt auf Novaks nächste Reihe. Auch wenn ich den Titel wenig inspirierend finde, hat mir „Ich und die Heartbreakers“ wirklich wahnsinnig gut gefallen. Spritzige Charaktere, eine Storyline zum Hineinträumen und natürlich die große Liebe. Perfekt für den Sommer!

Stella tut alles für ihre kranke Schwester. Sogar bis nach Chicago fahren und sich stundenlang die Füße platt stehen, um ein Autogramm von Caras Lieblings-Boygroup zu ergattern, den »Heartbreakers«. Aber da muss Stella durch – ihr Geburtstagsgeschenk für Cara soll so richtig krachen. Kurioserweise läuft es dann komplett anders als gedacht: Stella kommt nicht nur mit einem Autogramm zurück, sondern verliebt bis über beide Ohren. In wen? Ausgerechnet in Oliver Perry, den Leadsänger der »Heartbreakers«!

Natürlich ist die Grundstory alt: Mädchen von nebenan trifft Rockstar und verdreht ihm den Kopf. Alles in allem beschreibt das „Ich und die Heartbreakers“ schon ziemlich gut und trotzdem ist die Geschichte mehr. Das hat vor allem mit der Protagonistin zu tun. Stella ist ein Drilling. Allein das fand ich ziemlich cool. Natürlich ist das speziell, aber die Geschwisterverbundenheit, die dadurch einen großen Teil im Buch einnimmt, ist einfach toll. Stella hat einen Bruder, Drew, und eine Schwester namens Cara. Alle drei sind kurz vor ihrem 18. Geburtstag, was das Buch schon einmal in den Young Adult-Bereich platziert – Pluspunkt bei mir. Drew ist ein sportlicher, frecher Kerl, der mein Herz sofort erobert hat. Wer Stella aber vielmehr prägt, ist Cara. Und hier kommen wir zur tragenden Grundstory von „Ich und die Heartbreakers“. Cara hat eine Form von Krebs. Sie kämpft, aber selbstverständlich ist das für die Familie sehr belastend. Ich persönlich kann mir die Situation nicht vorstellen. Es muss grauenhaft sein, wenn ein Familienmitglied an Krebs erkrankt. Die Welt kann einfach so unfair sein. Das empfindet auch Stella so. Denn seit Cara krank ist, hat sich ihr Leben um 180 Grad gedreht. Für sie zählt nichts als Cara. Und nun ist wohl auch jedem klar, warum dieses Buch eben nicht nur eine heitere Geschichte ist. Natürlich verpackt Ali Novak die Krankheit in eine Art „Wohlfühlrahmen“ und trotzdem ist das Thema ernst. Das Buch nimmt es auch ernst, was mir sehr imponiert hat. Alle Charaktere im Buch kämpfen gegen den Krebs und irgendwie bleibt das immer im Hinterkopf. Natürlich ist es aber auch Anlass für die schöne Geschichte, die Stella erleben darf.
Cara schwärmt für die „Heartbreakers“, eine Band, die Stella absolut verachtet. Für Cara wollen sie und Drew aber versuchen, ein Autogramm von den vier Jungen zu bekommen. Durch Zufall trifft Stella den Frontsänger in einem Café. Nun beginnen die Klischees, denn natürlich weiß Stella nicht, wer er ist. Stichwort Meet Cute. Das ein oder andere unlogische Szenario reiht sich an das nächste und schon ist man mittendrin in einer wunderschönen „Girl next door“-Geschichte mit Rockstar-Flair.
Mich hat die Geschichte insgesamt an die Teenagerfilme meiner Jugend erinnert. Nicht viel Nachdenken, süße Liebesgeschichten und Wohlfühlvibes. Genau, wonach mir gerade war. Wirklich toll an „Ich und die Heartbreakers“ sind die Charaktere. Stella ist super authentisch. Sie musste durch die Krankheit ihrer Schwester schneller erwachsen werden und macht sich Gedanken über Dinge, die das Leben einer 17-Jährigen eigentlich nicht betreffen sollten. Ihre größte Leidenschaft ist das Fotografieren. Obwohl ich wirklich keine Ahnung von diesem Sujet habe, fand ich es gut umgesetzt. Ihr Hobby zieht sich durch die ganze Geschichte und spielt eine große Rolle. Auch ansonsten ist Stella sehr liebeswürdig. Trotzdem schätzt sie sich nicht falsch ein oder macht auf schüchternes Mädchen. Ich fand sie sehr selbstbewusst und bodenständig. Für mich machte es absolut Sinn, dass sie ein Drilling ist, denn sie hat eine Stärke, die man glaube ich besonders durch so enge Bindungen – wie eben zu ihren Geschwistern – haben kann. Wenn wir schon bei den Geschwistern sind, auch Drew und Cara fand ich toll. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein junges Mädchen, das an dieser Krankheit leidet, genauso ist wie Cara. Manchmal mutig, manchmal mutlos und trotzdem entschlossen. Dann wären da noch die vier Heartbreakers. Tatsächlich nehmen alle vier Jungen viel Raum in der Geschichte ein. Am wenigsten kann ich über Sander sagen. Aber JJ ist der lustige, Alec der Ruhige und Nachdenkliche und Oliver…tja, Oliver. Oliver ist der Leadsänger und natürlich Traum aller Mädchen. Die Liebesgeschichte zwischen Oliver und Stella ist wirklich süß und unschuldig. Es ist kein ewiges Hin und Her, hat aber genug Aufs und Abs, um spannend zu sein. Mir hat alles daran sehr gut gefallen. Zwischen den Jungen und Stella entwickelt sich eine ernstzunehmende Freundschaft, die wunderbar zur Geschichte passt. Auch das Thema Musik spielt natürlich eine große Rolle.
Das einzige, was meine Wertung ein kleines bisschen runterzieht, ist der Faktor Logik. Denn natürlich ist unglaublich vieles an „Ich und die Heartbreakers“ eher unlogisch oder sagen wir zumindest unwahrscheinlich. Aber das machte die Geschichte für mich nicht weniger hörenswert. Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, mitgelitten und mich mitgefreut. Insgesamt habe ich das Buch einfach sehr gern gehört.
Dazu trug auch die angenehme Stimme von Ann-Kathrin Hinz bei, die sehr gut zu Stella passt. Ein wirklich gutes Match! Auch der jugendliche Stil von Ali Novak macht das Buch so frisch, wie es eben ist. Ihre Beschreibungen passen super ins Setting und lassen junge (oder in meinem Fall ältere) Mädchen von Rockstarherzen träumen.

„Ich und die Heartbreakers“ ist ein schönes Hörbuch mit einer süßen Liebesgeschichte, einem sehr ernsten Thema und dem großen Setting „Freundschaft“. Lediglich die Tatsache, dass vieles in der Geschichte ziemlich unwahrscheinlich ist, hält mich von der Höchstwertung ab. Denn insgesamt konnte ich bei diesem Hörbuch super abschalten und habe mich immer auf das Hören gefreut. Deswegen vergebe ich 4,5 Sterne und spreche meine Empfehlung für heiße Sommertage aus.