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17. August 2026

Rezension [Hörbuch]: "The exquisite Torment of loving your Enemy" von Brigitte Knightley


Titel: The exquisite Torment of loving your Enemy
Autorin: Brigitte Knightley
Sprecher: Gabrielle Pietermann, Vincent Fallow
Verlag: Random House Audio
Preis: 25,95€
Seiten: 512
Dauer: 13h 27m

„The irresistible Urge to fall for your Enemy“ war eines meiner Highlights im gesamten letzten Jahr. Ich habe dieses Hörbuch vergöttert und habe darauf hingefiebert, dass endlich Teil zwei erscheint. Wie geht es mit Osric und Aurienne weiter? Diese Frage quälte mich lange, bis der Reihenabschluss herauskam. Selbstverständlich steht dieser in Sachen Titelwahl seinem Vorgänger in nichts nach. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ ist ein furioses Finale dieser Dilogie, an das ich allerdings hohe Erwartungen hatte. Wurden sie erfüllt? Zum Glück ja! Es wird rasant, es wird spannend und am Ende heißt es Zittern!

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern auf den letzten Blick – genauer gesagt den allerletzten: Widerwillig hat die Heilerin Aurienne es vollbracht, dem Assassinen Osric zu helfen, indem sie das Versiegen seiner Magie verlangsamte. Nun will sie testen, ob sie die Degeneration umkehren kann. Doch was Aurienne nicht ahnt: Bösewicht Osric leidet an einer neuen Erkrankung – sein Herz gehört nicht mehr ihm! Zu allem Überfluss befindet sich Aurienne in Gefahr, vor der sie nur ein höchst unzurechnungsfähiger verliebter Auftragsmörder zu schützen vermag.

Schon im ersten Teil war ich von dieser anderen, aber absolut coolen Welt, die Brigitte Knightley erschaffen hat, fasziniert. Ein alternatives England, das in Königreiche (Tiendoms) eingeteilt ist, von Königen und Königinnen regiert wird und in dem es acht Orden mit besonderen Fähigkeiten gibt. Zwei dieser Orden sind die Fyren – die Auftragskiller – und die Haelen – die Heiler. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Mitglieder dieser Orden jemals freundlichen Kontakt zueinander haben, ist gleich null. Doch da Osric nur von einer einzigen Frau auf dieser Welt von seiner Saes-Fäule befreit werden könnte (Achtung, Konjunktiv), entsteht über abstruse Wege eben doch eine Zusammenarbeit. Osric ist Auriennes Forschungsprojekt. Zumindest macht sie sich das weis. Dass er das längst nicht mehr ist, sollte jedem Hörer und Leser nach dem ersten Teil klar sein. Aber haben die beiden überhaupt eine realistische Chance? Und wollen sie die überhaupt haben? Diese Frage beantwortet „The Torment“ am Ende glücklicherweise. Doch der Weg bis zum Ende ist extrem steinig. Und es heißt nicht umsonst "Slow Burn".
Dieser Folgeband setzt tatsächlich genau dort ein, wo Band eins aufhört. Die Geschichte geht also nahtlos weiter, nur mit dem Unterschied, dass Osric durchaus bewusst ist, dass er Gefühle für Aurienne entwickelt hat. Er versucht sie allerdings zu leugnen. Ist sicherer. Doch die beiden müssen sich wegen den Heilungen zu jedem Vollmond wiedersehen. Leugnen ist also irgendwann zwecklos. Es wäre aber ja gelacht, wenn Osrics Heilung komplikationslos oder einfach wäre. Aurienne und Osric begeben sich in „The Torment“ auf eine unglaublich spannende Reise. Es wird abenteuerlich und spannend. Schon im ersten Teil entdeckten die beiden eine Verschwörung, der sie nun weiter auf den Grund gehen. Die Haupthandlung ist eigentlich die Heilung von Osric, doch es entstehen viele Nebenhandlungen, die hervorragend in alles eingebettet sind. Die Autorin hat eine grandiose Welt erschaffen und all ihre Handlungen fügen sich perfekt in das Konzept. Da es sich um einen zweiten Teil handelt, kommt der Hörer bei „The Torment“ auch in einem Setting an, das er schon kennt. Das führt dazu, dass Brigitte Knightley uns noch tiefer in diese verrückte Welt eintauchen lässt. Man lernt zum Beispiel auch endlich die anderen sechs Orden genauer kennen, von denen einer faszinierender ist als der andere. Gerade die Einzelheiten über die Orden, deren Fähigkeiten und die Zusammenarbeit untereinander fand ich sehr spannend. Mir gefiel die ganze Welt noch genauso gut wie in Band eins. Es ist abwechslungsreich, kreativ und fantasievoll.
Und dann wäre da ja noch der größte Pluspunkt aus „The Urge“: der Humor. Oder sollte ich besser ‚Sarkasmus‘ sagen?! An Band eins habe ich vor allem diesen schwarzen Humor geliebt, der wirklich in jedem Kapitel vorkommt. Ich persönlich empfand ihn in Band zwei ein kleines bisschen schwächer, jedoch ist die Art zu erzählen immer noch unglaublich lustig. Ich habe wirklich oft geschmunzelt.
Dazu trug übrigens auch wieder die unglaubliche Stimme und Interpretation der Figur Osric vom Sprecher Vincent Fallow bei. Er ist so, so gut! Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Auch Gabrielle Pietermann, die die Kapitel von Aurienne liest, ist toll. Sie hat eine sehr schöne Stimme, die wunderbar zu Auriennes Wesen passt. Aber Fallow macht etwas Besonderes aus Osric und damit aus der ganzen Geschichte. Der Sarkasmus, der aus jedem Wort trieft, das Fallow liest, ist überragend. Solltet ihr euch fragen, ob ihr das Buch hören oder lesen solltet, dann spricht dieser herausragende Sprecher absolut dafür, sich das Hörbuch zuzulegen!
An diesem Buch sind noch so viel mehr Dinge wirklich toll. Mir hat zum Beispiel der finale Kampf sehr gut gefallen. Es ist spannend, verlustreich und trotz verrücktem Setting authentisch. Außerdem gefiel mir, dass es drei Epiloge gibt. Ich meine…warum auch nicht?! Ich habe noch nie mehr als einen Epilog gelesen, aber ich fand auch das sehr innovativ und passend zur Geschichte. Ein weiterer Pluspunkt, den ich erwähnen möchte, ist die Episodenhaftigkeit. Brigitte Knightley wirft den Hörer direkt in ihre Welt, ohne viel davon zu erklären. Es ergibt sich eben so. Und auch nachdem die Geschichte um Osric und Aurienne auserzählt ist, ist es die Welt eben nicht. Die beiden sind nur eine kleine Handlung in dieser großen innovativen Welt. Manche Dinge werden nicht aufgelöst (Was zum Beispiel ist Tristan? Eine Göttin?), es bleiben Lücken. Aber genau das fand ich authentisch. Die Geschichte geht eben weiter, nachdem der Fokus nicht mehr auf Osric und Aurienne liegt. Die Welt steht einem Bürgerkrieg bevor und es gibt eben nicht immer ein Happy End für alles und jeden. Das imponierte mir.
Nun aber auch eine Sache, die mir tatsächlich nicht gefiel. Der Schreibstil der Autorin ist sehr ausschweifend und das gehört auch irgendwie dazu. Den Humor habe ich ja schon genug gewürdigt. Aber manche Beschreibungen, vor allem wenn es um die mystischen Szenen ging, waren mir zu lang und zu bildgewaltig. Manchmal schweifte ich beim Hören dann einfach ab, ohne es wirklich zu merken. Das ist aber hinsichtlich all der tollen Dinge nur eine Randnotiz.
Noch ein letztes Wort zu den spicy Szenen. Ohne diese lassen sich Bücher heute ja kaum noch verkaufen. Und ja, es gibt auch einige heiße Szenen in „The Torment“. Wenn ich mich nicht irre, werden sie alle ausnahmslos aus Auriennes Perspektive erzählt. Das finde ich als weibliche Hörerin tatsächlich gut, ist aber auch nicht entscheidend. Sie sind auf jeden Fall sehr passend zur Geschichte, nicht vulgär sondern einfach gelungen.

Man kann es sich schon denken: Ich habe nicht nur den ersten Teil dieser Dilogie geliebt. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ erzählt den zweiten Teil einer herausragenden Geschichte, die ich euch als Hörbuch nur ans Herz legen kann. Die Welt ist innovativ und fantastisch, die Charaktere sind vielschichtig und sehr unterhaltsam und die Sprecher dieses Buches sind großartig. Der Humor ist einzigartig, was mir viele wunderbare Hörstunden beschert hat. Meine kleine Kritik ändert nichts am Gesamteindruck. Auch Band zwei hat sich die fünf Sterne verdient. Meine klare Lese-/Hörempfehlung!



24. Juni 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Heartbreakers" von Ali Novak

 



Titel: Ich und die Heartbreakers
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Ann-Kathrin Hinz
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 9h 57m
Seiten: 416
Preis: 21,95€

Im Dschungel der New Adult-Bücher verirre ich mich inzwischen oft. Dann bin ich froh, wenn mich das Chaos Richtung Young Adult leitet und ich bei soliden Autorinnen wie Ali Novak ankomme. Denn für mich muss es nicht immer explizit werden und am College spielen. Ein relativ unschuldiges Setting tut es eben auch. Nachdem ich – ich muss es einfach ehrlich zugeben – „Ich und die Walter Boys“ geliebt habe, war ich sehr gespannt auf Novaks nächste Reihe. Auch wenn ich den Titel wenig inspirierend finde, hat mir „Ich und die Heartbreakers“ wirklich wahnsinnig gut gefallen. Spritzige Charaktere, eine Storyline zum Hineinträumen und natürlich die große Liebe. Perfekt für den Sommer!

Stella tut alles für ihre kranke Schwester. Sogar bis nach Chicago fahren und sich stundenlang die Füße platt stehen, um ein Autogramm von Caras Lieblings-Boygroup zu ergattern, den »Heartbreakers«. Aber da muss Stella durch – ihr Geburtstagsgeschenk für Cara soll so richtig krachen. Kurioserweise läuft es dann komplett anders als gedacht: Stella kommt nicht nur mit einem Autogramm zurück, sondern verliebt bis über beide Ohren. In wen? Ausgerechnet in Oliver Perry, den Leadsänger der »Heartbreakers«!

Natürlich ist die Grundstory alt: Mädchen von nebenan trifft Rockstar und verdreht ihm den Kopf. Alles in allem beschreibt das „Ich und die Heartbreakers“ schon ziemlich gut und trotzdem ist die Geschichte mehr. Das hat vor allem mit der Protagonistin zu tun. Stella ist ein Drilling. Allein das fand ich ziemlich cool. Natürlich ist das speziell, aber die Geschwisterverbundenheit, die dadurch einen großen Teil im Buch einnimmt, ist einfach toll. Stella hat einen Bruder, Drew, und eine Schwester namens Cara. Alle drei sind kurz vor ihrem 18. Geburtstag, was das Buch schon einmal in den Young Adult-Bereich platziert – Pluspunkt bei mir. Drew ist ein sportlicher, frecher Kerl, der mein Herz sofort erobert hat. Wer Stella aber vielmehr prägt, ist Cara. Und hier kommen wir zur tragenden Grundstory von „Ich und die Heartbreakers“. Cara hat eine Form von Krebs. Sie kämpft, aber selbstverständlich ist das für die Familie sehr belastend. Ich persönlich kann mir die Situation nicht vorstellen. Es muss grauenhaft sein, wenn ein Familienmitglied an Krebs erkrankt. Die Welt kann einfach so unfair sein. Das empfindet auch Stella so. Denn seit Cara krank ist, hat sich ihr Leben um 180 Grad gedreht. Für sie zählt nichts als Cara. Und nun ist wohl auch jedem klar, warum dieses Buch eben nicht nur eine heitere Geschichte ist. Natürlich verpackt Ali Novak die Krankheit in eine Art „Wohlfühlrahmen“ und trotzdem ist das Thema ernst. Das Buch nimmt es auch ernst, was mir sehr imponiert hat. Alle Charaktere im Buch kämpfen gegen den Krebs und irgendwie bleibt das immer im Hinterkopf. Natürlich ist es aber auch Anlass für die schöne Geschichte, die Stella erleben darf.
Cara schwärmt für die „Heartbreakers“, eine Band, die Stella absolut verachtet. Für Cara wollen sie und Drew aber versuchen, ein Autogramm von den vier Jungen zu bekommen. Durch Zufall trifft Stella den Frontsänger in einem Café. Nun beginnen die Klischees, denn natürlich weiß Stella nicht, wer er ist. Stichwort Meet Cute. Das ein oder andere unlogische Szenario reiht sich an das nächste und schon ist man mittendrin in einer wunderschönen „Girl next door“-Geschichte mit Rockstar-Flair.
Mich hat die Geschichte insgesamt an die Teenagerfilme meiner Jugend erinnert. Nicht viel Nachdenken, süße Liebesgeschichten und Wohlfühlvibes. Genau, wonach mir gerade war. Wirklich toll an „Ich und die Heartbreakers“ sind die Charaktere. Stella ist super authentisch. Sie musste durch die Krankheit ihrer Schwester schneller erwachsen werden und macht sich Gedanken über Dinge, die das Leben einer 17-Jährigen eigentlich nicht betreffen sollten. Ihre größte Leidenschaft ist das Fotografieren. Obwohl ich wirklich keine Ahnung von diesem Sujet habe, fand ich es gut umgesetzt. Ihr Hobby zieht sich durch die ganze Geschichte und spielt eine große Rolle. Auch ansonsten ist Stella sehr liebeswürdig. Trotzdem schätzt sie sich nicht falsch ein oder macht auf schüchternes Mädchen. Ich fand sie sehr selbstbewusst und bodenständig. Für mich machte es absolut Sinn, dass sie ein Drilling ist, denn sie hat eine Stärke, die man glaube ich besonders durch so enge Bindungen – wie eben zu ihren Geschwistern – haben kann. Wenn wir schon bei den Geschwistern sind, auch Drew und Cara fand ich toll. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein junges Mädchen, das an dieser Krankheit leidet, genauso ist wie Cara. Manchmal mutig, manchmal mutlos und trotzdem entschlossen. Dann wären da noch die vier Heartbreakers. Tatsächlich nehmen alle vier Jungen viel Raum in der Geschichte ein. Am wenigsten kann ich über Sander sagen. Aber JJ ist der lustige, Alec der Ruhige und Nachdenkliche und Oliver…tja, Oliver. Oliver ist der Leadsänger und natürlich Traum aller Mädchen. Die Liebesgeschichte zwischen Oliver und Stella ist wirklich süß und unschuldig. Es ist kein ewiges Hin und Her, hat aber genug Aufs und Abs, um spannend zu sein. Mir hat alles daran sehr gut gefallen. Zwischen den Jungen und Stella entwickelt sich eine ernstzunehmende Freundschaft, die wunderbar zur Geschichte passt. Auch das Thema Musik spielt natürlich eine große Rolle.
Das einzige, was meine Wertung ein kleines bisschen runterzieht, ist der Faktor Logik. Denn natürlich ist unglaublich vieles an „Ich und die Heartbreakers“ eher unlogisch oder sagen wir zumindest unwahrscheinlich. Aber das machte die Geschichte für mich nicht weniger hörenswert. Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, mitgelitten und mich mitgefreut. Insgesamt habe ich das Buch einfach sehr gern gehört.
Dazu trug auch die angenehme Stimme von Ann-Kathrin Hinz bei, die sehr gut zu Stella passt. Ein wirklich gutes Match! Auch der jugendliche Stil von Ali Novak macht das Buch so frisch, wie es eben ist. Ihre Beschreibungen passen super ins Setting und lassen junge (oder in meinem Fall ältere) Mädchen von Rockstarherzen träumen.

„Ich und die Heartbreakers“ ist ein schönes Hörbuch mit einer süßen Liebesgeschichte, einem sehr ernsten Thema und dem großen Setting „Freundschaft“. Lediglich die Tatsache, dass vieles in der Geschichte ziemlich unwahrscheinlich ist, hält mich von der Höchstwertung ab. Denn insgesamt konnte ich bei diesem Hörbuch super abschalten und habe mich immer auf das Hören gefreut. Deswegen vergebe ich 4,5 Sterne und spreche meine Empfehlung für heiße Sommertage aus.


  


8. April 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance"


Titel: Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Aileen Wrozyna
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 9h 51m
Seiten: 400
Preis: 21,95€

 

Obwohl mich die Serie „My Life with the Walter Boys“ nie vollends überzeugt hat, hat mich doch irgendetwas daran gecatcht. So sehr sogar, dass ich die Buchvorlage kennen wollte. Das erste Buch gefiel mir tatsächlich wirklich gut. Umso gespannter war ich auf den zweiten Teil. Ist er inhaltlich gleich zur zweiten Staffel? Kann er doch gar nicht sein, schließlich endet das Buch ganz anders. Kein Fokus auf dem LOVE-triangle. Oder etwa doch? Ich war gespannt. Also hörte ich "Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance“ mit Neugier. Mein Fazit? Absolut süß und für mein Teenieherz genau das richtige.

Jackie Howard brauchte Abstand – und hat ihn auch bekommen. Doch nach einem ereignisreichen Sommer in New York kehrt sie zurück auf die Walter-Ranch. Jackie hat keine Ahnung, wie es mit ihr und Cole Walter nach dem Abschiedskuss weitergehen soll. Im Laufe des Sommers hat sie aufgehört, ihm Nachrichten zu schreiben. Aber sie hat nie aufgehört, an ihn zu denken. Da Cole mittlerweile in der Stadt lebt, bevor er aufs College geht, denkt Jackie, dass es einfach sein wird, ihm aus dem Weg zu gehen. Als sie ihm jedoch plötzlich gegenübersteht, muss sie feststellen, dass es unmöglich ist, ihm zu widerstehen. Und die Dinge werden immer komplizierter: Cole ist der Junge, der ihr nicht aus dem Kopf geht, und die Walters sind die Familie geworden, die sie liebt und braucht. Wie soll Jackie weiterkommen, wenn sie Angst hat, den nächsten Schritt zu machen?


Das Tolle an Band zwei der „Walter Boys“ war von Anfang an, dass ich keine Ahnung hatte, wie es weitergeht. Aber das wollte ich unbedingt wissen. Für mich war die Chemie zwischen Jackie und Cole unglaublich gut, sodass ich mich wirklich immer darauf gefreut habe, weiterzuhören. Dafür habe ich meine freien Minuten sofort genutzt. Mich haben so viele Fragen beschäftigt: Küssen sie sich noch einmal? Sind sie jetzt eigentlich zusammen? Oder schiebt Jackie wieder irgendeinen komischen Grund vor, weshalb es nicht funktionierten kann? Denn das ist das einzig etwas Nervige an der Geschichte. Es ist eben ein Young-Adult Buch. Das finde ich grundsätzlich klasse, denn die Handlung ist zu unschuldig für irgendwelche Sexszenen. Das heißt aber im Übrigen nicht, dass es nicht heiß werden kann. Insgesamt ist das Hin und Her von Jackies Gefühlschaos aber etwas viel und natürlich auch unnötig. Das ist aber auch schon das Ende meiner Kritik. Für mich war die Entwicklung der Beziehung zwischen Jackie und Cole entscheidend und die war wirklich toll. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob man allein mit der Frage, ob zwei Menschen zusammen kommen können, die eigentlich eh schon etwas miteinander haben, ein ganzes Buch füllen kann. Denn nein, das geht nicht. Aber zum Glück sind es ja insgesamt 12 Walter-Kinder, sodass es durchaus weitere Handlungen gibt. Viel zu wenig taucht leider Danny auf, aber das war in der Idee schon logisch. Viel mehr Raum nehmen die Geschichten um Nathan und Isaac ein. Beide haben mir in ihrer Auflösung tatsächlich sehr gut gefallen. Isaacs Handlungsfaden war einfach unterhaltsam. Er hat immer für Chaos gesorgt, was manchmal auch sehr lustig war. Bei Nathan hingegen war ich gespannt, ob er so verschlossen ist, weil er sich outen will. Bekanntlich ist sein Charakter in der Serie schwul. Dass Nathans Geschichte im Buch etwas anders und auch auf andere Art emotional ist, fand ich gut. „Die zweite Chance“ bietet also durchaus noch Überraschungen. 

Zu den Charakteren brauche ich nicht mehr viel zu sagen. Jackie und Cole sind gute Protagonisten und Cole bleibt der Traum aller Mädchen. Wir brauchen nicht über Logik reden. Natürlich schafft das “neue Mädchen” es, den Traumtypen zu bändigen, getreu dem Motto „she falls first, he falls harder“. Denn Coles Aktionen sind wirklich süß. Er war definitiv mein Favorit in diesem Band. Auch die anderen Walters sind schöne Figuren, die aber nicht so viel Präsenz haben haben. Alex kommt deutlich weniger vor, auch Jackies Freundinnen bestimmen nicht unbedingt das Geschehen. Der Fokus liegt auf der Liebesgeschichte und das hat Ali Nowak wirklich gut hinbekommen. 

Manchmal plätschert die Handlung vor sich hin, manchmal gibt es einfach ZU viele Zufälle (Thema Lieblingscafé). Und trotzdem hat mir das gesamte Handlungskonstrukt super gefallen. Vielleicht sollte man einfach nicht zu viel drüber nachdenken und stattdessen einfach genießen.

Der Schreibstil der Autorin ist gut und auch die Sprecherin Aileen Wrozyna  macht wieder einen tollen Job. Für mich war ihre Stimme eins zu eins die von Jackie. Da es die gleiche Sprecherin wie in Band eins ist, kommt hier außerdem wieder das "Nach-Hause-Kommen"-Gefühl zum Vorschein.

Bekommen Jackie und Cole sich endlich? Das ist die große Frage in „Die zweite Chance“. Die Liebesgeschichte trägt die Handlung und rund herum werden kleine Geschichten um die Nebenfiguren gebaut. Insgesamt ist das Buch wirklich unterhaltsam und hat mich abgeholt. Ich hatte unglaublich viel Freude beim Hören und bin den Charakteren verfallen. Wenn man sich auf eine Teenie-Geschichte einlassen will, ohne zu viel denken zu müssen, dann sollte man dringend Jackie und Cole kennenlernen. Lediglich das Hin und Her bewirkt einen kleinen Abzug und so vergebe ich 4,5 Sterne.





17. März 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Walter Boys" von Ali Nowak



Titel: Ich und die Walter Boys
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Aileen Wrozyna
Verlag: der Hörverlag
Preis: 22,95€
Seiten: 448
Dauer: 11h 8m

 

Obwohl ich inzwischen auf dem Papier wohl zu alt für Teenieserien und große Liebesdramen bin, bin ich in meinem Herzen noch immer das Mädchen, das in den 2000ern keinen Romance-Film ausgelassen hat. Wohl auch deswegen schaue ich noch immer voller Leidenschaft alle Neuveröffentlichungen, in denen die Storyline simple ist: Sie - unscheinbar. Er - der Star. Hinderungsgrund der Beziehung - variabel. Wichtig - Happy End.
In dieses Beuteschema passt natürlich auch die Serie "My life with the Walter Boys". Die Serie war solide. Aber wie so oft, war ich neugierig auf die Buchvorlage. Ist sie besser oder schlechter als die Serie? Meine Antwort? Zusammen sind sie perfekt!


Jackie hasst unvorhersehbare Ereignisse. Als perfekte Tochter hat sie ihr Leben in New Yorks High Society fest im Griff und sonnt sich in der Aussicht auf eine erfolgreiche Zukunft. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Mit einer Lawine unvorhersehbarer Ereignisse: 1. Jackie steht plötzlich alleine da. 2. Sie muss zu ihrer Vormundfamilie, den Walters, nach Colorado ziehen. 3. Die Walters haben nicht nur Pferde, sondern auch zwölf Söhne! Mitten in der Pampa, allein unter Jungs von 6 bis 21, für die Privatsphäre ein Fremdwort ist, lautet Jackies erster Gedanke: Nichts wie weg. Und ihr zweiter: Moment...ein paar der Kerle sehen unfassbar gut aus!


Hat man zuerst eine Verfilmung gesehen, hat man immer ein Problem mit der Buchvorlage: Man stellt sich die Charaktere und die Handlungsorte genauso vor, wie im Film oder in diesem Fall wie in der Serie. Man ist eben nicht mehr unvoreingenommen. Jackie Howard sieht im Buch beispielsweise vollkommen anders aus, ebenso Alex. In meinem Kopf waren es trotzdem die Gesichter der Schauspieler. Doch man sollte "Ich und die Walter Boys" nicht an der Serie messen. Bleiben wir also beim Buch.
Woran ich mich allerdings zuerst gewöhnen musste, war der Umstand, dass es im Buch noch mehr Kinder sind, als in der Serie. Insgesamt leben bei den Walters 12 Kinder/heiße Jugendliche. Über die Absurdität dieser Vorstellung brauchen wir glaube ich nicht zu diskutieren. Doch im Buchkontext funktioniert das tatsächlich sehr gut. Eigentlich ist es schade, dass einige Figuren später gestrichen wurden.
Da mir das Setting und die Handlung gewissermaßen vertraut waren, fühlte ich mich in der Geschichte sofort wohl. Jackie ist eine unverbesserliche Perfektionistin, die ich trotzdem als erfrischend empfand. Irgendwie hat man gemerkt, dass die Erstausgabe der Geschichte schon zehn Jahre alt ist. Denn Jackie ist eine Protagonistin, die viel zweifelt. Die auch oft falsche Schlüssel zieht und total subjektiv handelt. Von außen denkt man immer wieder "Wiesoooo?", aber irgendwie hat mir das typische Teenagerverhalten von ihr gefallen! Denn heute sind mir viele Protagonistinnen zu selbstbewusst und straight. Alle wissen immer, was sie wollen und insgesamt geht es viel zu sehr um Sex. Das ist hier ganz anders und dafür war ich dankbar! 
Jackie ist ein ganz gewöhnlicher Teenager, der mit einem grausamen Schicksalsschlag zurecht kommen muss. Dieses Thema wurde meiner Meinung nach gut umgesetzt und passte in die Geschichte. Neben der Trauerbewältigung sind Themen wie Freundschaft, Verliebtsein, Eifersucht und Familie sehr wichtig. Zusammenhalt wird bei den Walters großgeschrieben. Das imponierte mir. Insgesamt hat mir die Welt, in die Jackie geworfen wird, sehr gut gefallen. Das liegt natürlich vor allem an den "Boys". Bei dieser Vielzahl an verschiedenen Jungstypen ist natürlich für jedes Mädchenherz etwas dabei. Auch deswegen funktioniert die Geschichte ja so gut. Mein Herz hatte direkt Danny erobert. In der Serie muss ich ja auch gestehen, dass ich Cole gegenüber sehr distanziert war. Im Buch sind die Lager da schon klarer. Alex ist ein super süßer Kerl. Dass Jackies Herz aber für Cole schlägt, ist nicht zu übersehen. Und ich muss zugeben, dass Cole in "Ich und die Walter Boys" auch wirklich süß ist. Er hat sich seinen Status irgendwie nicht ausgesucht, sondern hat eben dieses Charisma. Er wäre wohl auch ein komischer Typ, würde ihm das nicht gefallen.
Ich fand die Szenen zwischen den beiden schön und authentisch. Da Jackie die Ich-Erzählerin ist, weiß man aber auch sehr schnell, dass Alex eher eine Art Notlösung ist. Die Spannung dahingehend war also eher schwach. Trotzdem bleibt bis zum Ende nicht klar, wofür Jackie sich entscheiden wird. Einen Jungen oder doch eben sich selbst?
Die Charaktere im Buch sind vielseitig und spannend. Wie ich schon sagte, ist für jeden etwas dabei. Schön waren auch die Szenen, in denen Jackie neue Freunde gefunden hat. Es ist wirklich schade, dass einige der Mädchen es nicht in die Serie geschafft haben, wie Heather zum Beispiel. Gleichzeitig muss man sich aber nichts vormachen. Die Autorin spielt natürlich auch mit Klischees. Ich bin keine Hörerin, die das stark hinterfragt. Denn solange die Figuren die Handlung nach vorn bringen, bin ich fine damit. Trotzdem sei hier erwähnt, dass viele Figuren Stereotypen entsprechen.
Der Schreibstil von Ali Nowak ist flüssig und jugendlich. Er passt super zum Buch und ist ein weiterer Wohlfühlfaktor. Die Sprecherin des Hörbuchs Aileen Wrozyna macht ihre Sache ebenfalls toll. Ihre Stimme hat super zu Jackie gepasst. Sie fängt die Atmosphäre gut ein, sodass man sich schnell mit Jackie identifiziert.
Zum Schluss noch ein letztes Thema. Lohnt es sich, das Buch zu lesen, wenn man die Serie schon kennt? Wenn einem die Serie gut gefallen hat, dann auf jeden Fall! Die Serie hat tatsächlich den Vorteil, komplexer sein zu können. Das Buch ist auf Jackies Sicht beschränkt. Die Serie kann die Gefühle vieler Figuren einfangen und baut so neue Handlungen auf, die es im Buch tatsächlich gar nicht gibt. Daher ist die Serie irgendwie eine schöne Ergänzung zum Original. Denn natürlich bietet auch "Ich und die Walter Boys" Szenen, die es eben nicht in der Serie gibt. Ich persönlich kann Jackie nach dem Hören der Geschichte viel besser verstehen, schaue aber auch die Serie wirklich gern weiter. Teenie forever.


"Ich und die Walter Boys" ist eine schöne Geschichte für vor allem jugendliche Hörerinnen, die nicht zu viel nachdenken wollen. Natürlich ist das Setting nicht immer realistisch und abgesehen von Jackies fürchterlichem Schicksalsschlag fehlen große Probleme. Aber ist man ein Teenager und zum ersten Mal verliebt, ist eben genau das das große Problem. Jackie meistert das im Kontext der 12 Jungs ziemlich gut und hat mich die ganze Zeit gut unterhalten. Als Hörbuch funktioniert die berühmte Geschichte ebenfalls klasse, weshalb ich vier von fünf Sternen vergebe.



16. Oktober 2025

Rezension [Hörbuch]: "What happens at the lake" von Vi Keeland


Titel: What happens at the lake
Autorin: Vi Keeland
Verlag: Der Hörverlag
Dauer: 10h 2m
Seiten: 384
Preis: 21,95€


Ich kann es nicht genau benennen, aber irgendetwas am Klappentext von Vi Keelands „What happens at the lake“ zog mich an. War es das Grumpy x Sunshine-Trope? Das versprochene Geheimnis aus der Vergangenheit? Oder vielmehr der Charme der Kleinstadt? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Festhalten muss man, dass dieser Roman mit allen drei Themen aufwartet und nicht enttäuscht. Josie und Fox sind Protagonisten einer soliden und süßen Liebesgeschichte, die aber vor allem mit einem glänzt: liebevollen Details. Einziges Manko? Der männliche Hörbuchsprecher. Leider.

Nach einer Tragödie lässt Josie Preston ihr New Yorker Leben überstürzt hinter sich und zieht ins malerische Laurel Lake. Dort hat ihr Vater ihr ein Haus am See vermacht. Laurel Lake wurde wiederholt zur freundlichsten Kleinstadt Amerikas gewählt – Josies neuer Nachbar anscheinend nicht mitgerechnet. Fox Cassidy, ein unverschämt attraktiver ehemaliger Eishockey-Star, ist verschlossen und abweisend, und Sonnenschein Josie geht ihm ganz besonders auf die Nerven. Doch je öfter die beiden aneinandergeraten, desto mehr scheint die Luft zwischen ihnen zu knistern. Wenn jemand Fox’ harte Schale knacken kann, dann Josie. Aber will sie wirklich wissen, warum er sein Herz so verbissen schützt?

„What happens at the lake“ spielt in Laurel Lake, einer amerikanischen Kleinstadt, die mehrfach als die „freundlichste Stadt Amerikas“ gewählt wurde. Ehrlich gesagt, hat mich das gecatcht. Ich bin ein großer Anhänger der Gilmore Gilrs und fühlte mich vielleicht auch deswegen in Laurel Lake so wohl. Der komplette Keinstadtcharme ist sehr gut eingefangen und die einzigartigen Charaktere sorgen für viel Stimmung. Humor kommt in diesem Hörbuch generell nicht zu kurz. Vi Keeland hat eine stets amüsierte Art zu erzählen, sodass man sich als Hörer schnell wohlfühlt. Das ein oder andere mag überspitzt sein, passt aber gut ins Genre.
Gar nicht freundlich ist die Art von Fox Kessidy, dem männlichen Protagonisten der Geschichte. Natürlich ist jedem klar, dass er sich in seine neue Nachbarin Josie früher oder später verlieben wird. Kein Hörer erwartet etwas anderes. Doch obwohl die Handlung voraussehbar ist, hat sie mir gefallen. Das lag vor allem an den liebevollen Details der Autorin. Hierzu zähle ich auch den Beinamen der Stadt in Punkto Freundlichkeit. Noch viel besser hat mir aber Josies Tick gefallen, Weihnachtskarten zu verschicken. Um nicht zu spoilern, gehe ich nicht weiter darauf ein. Doch das Schreiben und Empfangen der Weihnachtskarten wird in einem so liebevollen Rahmen erzählt, dass einem das Herz aufgeht. Josie ist generell ein sehr liebevoller, aber auch liebesuchender Charakter. Manchmal war sie mir etwas zu perfekt, doch im Grunde hat sie authentische Ecken und Kanten. Und tatsächlich mochte ich sie lieber als ihren männlichen Gegenpart. Ich meine…wer hat kein Herz für jemanden, der eine männliche Ente rettet und sie anschließend auf einen eindeutig weiblichen Namen tauft? Genau.
Fox hingegen ist grummelig, wortkarg und abweisend. Zu jedem. Selbstverständlich würden wir uns in der falschen Geschichte befinden, würde er nicht eine grauenhafte Vergangenheit mit sich herumtragen und nur Josie kann den Zugang zu seinem Herzen finden. Das geschieht übrigens auch mehrfach auf eine recht heiße Art. Die Sexszenen sind gut geschrieben und kommen auch nicht unverhältnismäßig häufig vor, was mir gefallen hat.
Kommen wir zu dem einen Punkt, der mir leider gar nicht gefallen hat: Die Auswahl der Sprecher des Hörbuchs. Versteht mich nicht falsch. Lisa Martelli macht ihre Sache wirklich gut. Ich finde, sie hat die perfekte Stimme, um Josie Leben einzuhauchen. Sie ist witzig, spritzig und das Sonnenschein-Gemüt von Josie kommt gut rüber. Das Hörbuch wird jedoch im Wechsel erzählt, sodass viele Kapitel auch aus Fox Sicht sind. Für mich war Niklas Wünsche leider nicht die richtige Wahl, Fox zu lesen. Ich konnte die Stimme gar nicht mit dem Mann vereinbaren, von dem Josie so verliebt erzählt. Für mich passte das nicht zusammen. So, als wären es zwei völlig verschiedene Menschen. Leider liest er meines Erachtens auch nicht sehr überzeugend, besonders nicht bei den prickelnden Szenen. Das hat mir das Hörbuch an manchen Stellen etwas kaputt gemacht.

Man muss sich auf „What happens at the lake“ einlassen und keinen Handlungsstrang überbewerten. Ansonsten könnte man zu dem Schluss kommen, dass es etwas zu viel des Guten ist. Tut man das aber, kann man mit der Geschichte viel Spaß haben. Vor allem die Protagonistin und das Setting sind wirklich super. Die Liebe zum Detail der Autorin kommt gut herüber und als Hörer ertappt man sich manchmal dabei, wie man mitschmunzelt. Insgesamt vergebe ich vier Sterne für die Geschichte, die mit einem passenderen männlichen Sprecher noch besser sein könnte.




14. Juli 2025

Rezension [Hörbuch]: "Temple of Swoon" von Jo Segura


Titel: Temple of Swoon
Autorin: Jo Segura
Sprecher: Marie Seith und Tore Herzig
Verlag: Radom House Audio
Preis: 21,95€
Seiten: 416
Dauer: 10h 49m
 

Ich bin ein großer Fan von Archäologie! Nicht umsonst habe ich Geschichte studiert. Helden wie Indiana Jones oder Lara Croft befeuern zusätzlich die Fantasie und erwecken die Sehnsucht nach uralten Artefakten. Was gibt es also Besseres, als ein Abenteuer auf einer geheimnisvollen Expedition, um dem Alltag zu entfliehen? Ganz genau. Und deswegen hat das Hörbuch „Temple of Swoon“ trotz sehr verspieltem Cover sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Die Geschichte der unerfahrenen Archäologin Miri Jacobs versprach spannend und romantisch zugleich zu werden. Eine verborgene Stadt, Bösewichte und die große Liebe werden vom Klappentext angerissen. Aber klappt diese Kombination? Allerdings, denn das Hörbuch hält was es verspricht: ein romantisches Abenteuer, das man allerdings nicht immer hinterfragen sollte.

Dr. Miriam »Miri« Jacobs soll die Expeditionsleitung zur sagenumwobenen Verlorenen Stadt des Mondes übernehmen, weil ihre Mentorin Dr. Corrie Mejía ausfällt – ihre große Chance, sich zu beweisen! Journalist Rafael »Rafa« Monfils begleitet das Team, um die Expedition zu dokumentieren. In Wahrheit will er die Gruppe von der Stadt fernhalten und das Erbe seiner Mutter schützen. Sein Plan: Sie auf den falschen Weg führen. Doch jede falsche Fährte befeuert nur Miris Entschlossenheit. Und ehe er sich versieht, verdreht die eigenwillige Archäologin ihm den Kopf. Noch während sie sich durch den gefährlichen Amazonas schlagen, merken die beiden, dass es noch jemanden gibt, der nach der Stadt des Mondes sucht. Plötzlich sind ihre aufkeimenden Gefühle nicht mehr ihre einzigen Sorgen...

Ich kann mich nur wiederholen: Ich liebe, liebe, liebe Geschichten im Stil von Indiana Jones. Ausgrabungen haben mich schon immer fasziniert und tun dies bis heute. Aber wenn auch noch ein Action-Faktor hinzukommt, bin ich verloren. Deswegen passte das Hörbuch auch so wunderbar in mein Beuteschema. Eines kann ich sofort versprechen: Wer ein solches Abenteuer erwartet, wird nicht enttäuscht! Denn die Autorin Jo Segura hat durchaus Ahnung von dem, was sie beschreibt. Sie schafft es, den Hörer in ein wirklich tolles Setting zu entführen und den Expeditionscharme zu versprühen. Die Archäologie rückt nicht zu sehr in den Hintergrund, sodass das Gesamtkonstrukt authentisch bleibt. Nichtsdestotrotz sollte man es mit der Logik in diesem Buch auf gar keinen Fall zu genau nehmen. Woher zum Beispiel gibt es die Liste an Hinweisen, um den Weg zur Stadt des Mondes zu finden? Wieso taucht in den entscheidenden Momenten immer die richtige Person auf usw. ... Wer aber bereit ist, über solcherlei Dinge hinweg zu sehen, kann mit dem Buch viel Spaß haben.
Im Fokus steht natürlich das Abenteuer. Vielmehr geht es aber natürlich auch um die Entwicklung der Protagonisten – und wie sollte es anders sein: die Liebe. Die Hauptfigur ist Dr. Miriam Jacobs, die bisher eher als Assistentin fungiert und in ihrer Karriere noch nicht allzu viel vorzuweisen hat. Aber sie hat Leidenschaft, Entschlossenheit und vor allem Mut. Ich mochte Miri wirklich sehr. Des Weiteren finde ich, dass sie eine schöne Entwicklung durchmacht. Es ist logisch, dass sie sich oft unterschätzt. Dass letztendlich dann alles so wunderbar aufgeht, würde ich wieder unter den Punkt „Logik und darüber hinweg sehen“ packen. Der zweite Protagonist ist Rafa, ein extrem attraktiver Journalist, der Miri eigentlich sabotieren will. Dass zwischen den beiden etwas entsteht, ist kein Geheimnis. Die zwei sind eigentlich ziemlich niedlich miteinander und die Liebe zu ihrer Arbeit verbindet sie. Mich hat hier lediglich gestört, dass beide von Anfang an eine Schwäche füreinander hatten. Aber das ist in dem Genre ja generell so. Die prickelnden Szenen hätten für mich persönlich nicht sein müssen, halten sich aber sogar in Grenzen, sodass es nicht Überhandnimmt. Etwas plump oder eben vorhersehbar ist die Liebesgeschichte aber eben doch.
Die Handlung hingegen hat durchaus einen Plottwist auf Lager, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Die Geschichte ist zu keiner Zeit langweilig, sondern sogar sehr unterhaltsam. Insgesamt ist es eine tolle Mischung. Die Charaktere reifen, die Expedition nimmt Fahrt auf, die Gefühle steigern sich und das Abenteuer und die Konkurrenz tauchen plötzlich auf. Der rote Faden ist super umgesetzt und die Geschichte ist schlüssig. Hinzu kommen das tolle Setting des Amazonas und die schönen Beschreibungen der Vegetation. Etwas gewundert habe ich mich manchmal über manche Ortswechsel. Als die Bösewichte beispielsweise auftauchen, lassen sie die Expeditionsmitglieder einfach wieder gehen. Hä? Aber okay. Und woher kommt eigentlich die Unterkunft, wo Miri und Co. Quartier beziehen…mitten im Dschungel...naja. Ich sag ja: Man muss nicht alles hinterfragen.
Die Kapitel sind im Wechsel der Perspektiven von Miri und Rafa geschrieben. Beide Figuren haben auch ihren eigenen Sprecher. Das empfand ich beim Hören als angenehm. Beide Stimmen passen gut zu den Charakteren. Für mich war Marie Sophie Seith noch etwas authentischer als Tore Herzig. Aber das mag an der Identifikation liegen. Insgesamt lesen beide sehr gut, flüssig und vor allem humorvoll. Denn Humor ist eine Sache, mit dem dieses Hörbuch glänzt. Ich würde es deswegen durchaus auch als Rom-Com durchgehen lassen.


Insgesamt hat „Temple of Swoon“ mich wirklich überzeugt und vor allem unterhalten. Das Thema der Expedition war für mich von Anfang an der entscheidende Faktor und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Figuren sind sehr gelungen, die Sprecher machen ihren Job gut und der Themenmix überzeugt. Es gibt Action, Abenteuer, Liebe und Humor. Nur durch manche Logiklücken oder Dinge, die man vielleicht nicht ganz hinterfragen sollte, ziehe ich einen Stern ab und vergebe wunderbare vier Sterne für die Geschichte.