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27. Juli 2026

Rezension: "Quartett" von Natasha Korsakova


Titel: Quartett
Autorin: Natasha Korsakova
Verlag: Septime Verlag
Preis: 25,00€
Seiten: 288
 

Es ist kein Geheimnis, dass ich selten Ausflüge in das Krimi-Genre mache. Doch inzwischen ist es ebenfalls keines, dass ich für ein Buch von Natasha Korsakova sofort einen solchen unternehme. Denn die Autorin ist nicht nur eine hervorragende Krimiautorin, sondern vor allem eine begnadete Musikerin. Wenn Korsakova statt zur Violine zur Feder greift, weiß man, dass es einen Mord in der römischen Musikbranche gegeben hat. Und wie keine zweite kann sie das Setting der Klassik einfangen, sodass man in der Szenerie versinkt, gemeinsam mit Commissario Di Bernados Team ermittelt und sich den Intrigen der Musikindustrie hingibt. „Quartett“ ist der vierte Fall von Dionisio Di Bernardo, in dem er mit der klassischen Musik konfrontiert wird. Und zum vierten Mal schafft die Autorin es, ihre Leserschaft in ihren Bann zu ziehen!


Rom, Spätherbst 2025: Nach einem gefeierten Konzert endet der Abend für den ersten Geiger des berühmten »Arcimboldo«-Quartetts tödlich: Lorenzo Verro wird in einem düsteren Durchgang nahe dem Teatro Argentina in Rom erstochen aufgefunden. Für Commissario Di Bernardo beginnt ein verzwickter Fall, der ihn erneut in die widersprüchliche Musikerwelt führt – und in die Schatten dahinter. Zwischen den verletzten Egos, Rivalitäten und verschwiegenen Affären stößt er auf ein Geflecht aus Lügen, das bis in die feinsten Strukturen des Quartetts reicht. Was für ein Mensch steckte hinter der Fassade des Primarius? Warum musste er sterben? Und welche Rolle spielt der schillernde Klarinettist, was hat er zu verbergen? Als Di Bernardo glaubt, endlich ein Muster zu erkennen, ist der Täter ihm einen Schritt voraus: Ein zweiter Mord bricht das fragile Gerüst aus Schweigen. Vor der Kulisse des nächtlichen Roms entdeckt Di Bernardos Team Abgründe, die weit über die Bühne hinausreichen. Und je weiter sie den Geheimnissen auf die Spur kommen, desto erschütternder wird die Wahrheit.

Zuerst muss ich sagen, dass der Titel „Quartett“ absolut perfekt ist. Natasha Korsakova überlässt selten etwas dem Zufall und das wird auch bei der Titelwahl deutlich. Im Fokus der Geschichte steht das „Arcimboldo“-Quartett, in dessen Reihen es einen Mord gegeben hat. Außerdem ist es der vierte Fall von Di Bernardo und somit auch Korsakovas viertes Buch, sodass der Titel mit der Geschichte absolut harmoniert. Das Cover trifft meinen persönlichen Geschmack zwar nicht unbedingt, passt aber trotzdem.
Was geschah nun aber nach dem Konzert des Quartetts? Der erste Geiger Lorenzo Verro verlässt nur kurz das Restaurant, in dem die Musiker feiern und wird ermordet. Natürlich ermittelt Di Bernardo in diesem Fall, schließlich hat er – leider – schon einige Erfahrung, was Morde in der Musikbranche betrifft. Es entsteht ein spannender Kriminalfall, in dem der Kreis der Verdächtigen sehr klein ist. Denn bald ist klar: Es muss einer der anderen Musiker gewesen sein.
Oder?
Und vor allem, warum?
Der Leser wird auf eine spannende Reise mitgenommen und das Setting ist absolut authentisch. Das ist einer der größten Pluspunkte des Buches. Man merkt sofort, dass die Autorin ein Profi auf dem Gebiet der Klassik ist. Sie beschreibt so bildlich, dass die Authentizität des Musiksettings hervorsticht. Man wird quasi von der Musik tief eingesogen und erwacht erst wieder, wenn man das Buch zuklappt. Dabei ist vor allem die Detailverliebtheit klasse. Im Buch gibt es acht QR-Codes, die alle zu Stücken führen, die entweder im Buch direkt eine Rolle spielen oder anders relevant sind. Auch hier gibt es keine Zufälle. Die Videos wurden eigens für das Buch hochgeladen. Einige Stücke spielt Korsakova sogar selbst, was den Zugang zur Geschichte noch einmal vertieft. Ich habe es geliebt, die Stücke im Anschluss an die Kapitel zu hören. Zu lesen und zu hören hat bei mir übrigens nicht geklappt. Zu dicht sind die Beschreibungen der Musik im Buch, die ich einfach nachempfinden wollte. Lässt man sich als Leser auf diese Art der Unterhaltung ein, ist „Quartett“ ein echtes Geschenk, das sich von normalen Krimis einfach abhebt.
Insgesamt ist das Buch aber auch nicht gewöhnlich. Die Autorin legt viel Wert darauf, das italienische Flair einzufangen. Sei es, indem die römischen Straßen oder aber die Süßigkeiten die del Pino immer isst, detailgetreu beschrieben werden. Man kann sich die Szenerie sehr gut vorstellen.
Hinzu kommt, dass Korsakova die gleiche Detailliebe, die sie in ihre Handlungsorte steckt, auch in ihren Figuren zu finden ist. Kennt man einen der Vorgänger von „Quartett“, trifft man lieb gewonnene Figuren auch hier wieder. Alles richtet sich natürlich nach Di Bernardo aus. Aber auch Del Pino oder Fedi spielen weiterhin eine große Rolle. Im Kommissariat passiert eine ganze Menge, doch ob das Team mit diesen Veränderungen klar kommt, ist unklar. Eine Veränderung heißt der Commissario aber willkommen: seine neue Ermittlerin Guilia. So bleibt zwar der liebgewonnen Kern des Teams bestehen, doch damit es nicht langweilig wird, wird er um Guilias (spannende) Geschichte erweitert. Mir kam es manchmal so vor, als wenn der eigentliche Kriminalfall um Lorenzo Verro vor lauter liebevoller Charakterarbeit und Hinwendung zur Musik in den Hintergrund gerät.
Am Fall selbst gefiel es mir tatsächlich nicht so gut, dass der Kreis der Verdächtigen so unglaublich klein war. Ich wollte aber natürlich auch auf gewisse Weise nicht wahrhaben, dass einer der anderen Musiker der Täter ist. Auch die Flashbacks, die bereits im Prolog auftauchen, von denen man aber nie genau weiß, aus wessen Sicht sie sind, geben dem Leser (zu) viele Hinweise auf das Motiv. Das fand ich etwas schade. Mein einziger weiterer Kritikpunkt, der vielleicht mit meinem eigenen Gedächtnis zu tun hat, ist die Benennung zweier Figuren. Ich habe einfach immer „Emanuele“ und „Enrico“ verwechselt. Das kann man eigentlich nicht als Kritik durchgehen lassen, war für mich aber trotzdem ein klitzekleines Bisschen anstrengend. Nichtsdestotrotz ist der Fall spannend und vor allem extrem kurzweilig. Ich konnte kaum glauben, wie schnell man im Buch vorankommt. Besonders am Ende wird es rasant. Ich war traurig, als das Buch zu Ende war, denn mich beschlich das Gefühl, dass so viele Dinge noch ungeklärt sind. Aber vielleicht wird es ja eine Auflösung geben. Vielleicht ein Mord in einem „Quintett“?!

„Quartett“ ist ein kurzweiliger und sehr besonderer Krimi. Selten habe ich eine solche Authentizität in den Beschreibungen des Settings und der Handlung selbst erlebt. Die Musik ist die eigentliche Protagonistin in der Geschichte und das gefiel mir ganz besonders gut. Für die tolle Atmosphäre, die gute Unterhaltung und die detailreichen Figuren muss man die Höchstwertung geben. Ein ganz kleiner Abzug kommt von mir lediglich hinzu, da ich die Auflösung durch den kleinen Kreis der Verdächtigen etwas vorhersehbar fand. Somit vergebe ich 4,5 Sterne für „Quartett“ und hoffe, dass es nicht Di Bernardos letzter Ausflug in die Musikbranche war.



24. Juni 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Heartbreakers" von Ali Novak

 



Titel: Ich und die Heartbreakers
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Ann-Kathrin Hinz
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 9h 57m
Seiten: 416
Preis: 21,95€

Im Dschungel der New Adult-Bücher verirre ich mich inzwischen oft. Dann bin ich froh, wenn mich das Chaos Richtung Young Adult leitet und ich bei soliden Autorinnen wie Ali Novak ankomme. Denn für mich muss es nicht immer explizit werden und am College spielen. Ein relativ unschuldiges Setting tut es eben auch. Nachdem ich – ich muss es einfach ehrlich zugeben – „Ich und die Walter Boys“ geliebt habe, war ich sehr gespannt auf Novaks nächste Reihe. Auch wenn ich den Titel wenig inspirierend finde, hat mir „Ich und die Heartbreakers“ wirklich wahnsinnig gut gefallen. Spritzige Charaktere, eine Storyline zum Hineinträumen und natürlich die große Liebe. Perfekt für den Sommer!

Stella tut alles für ihre kranke Schwester. Sogar bis nach Chicago fahren und sich stundenlang die Füße platt stehen, um ein Autogramm von Caras Lieblings-Boygroup zu ergattern, den »Heartbreakers«. Aber da muss Stella durch – ihr Geburtstagsgeschenk für Cara soll so richtig krachen. Kurioserweise läuft es dann komplett anders als gedacht: Stella kommt nicht nur mit einem Autogramm zurück, sondern verliebt bis über beide Ohren. In wen? Ausgerechnet in Oliver Perry, den Leadsänger der »Heartbreakers«!

Natürlich ist die Grundstory alt: Mädchen von nebenan trifft Rockstar und verdreht ihm den Kopf. Alles in allem beschreibt das „Ich und die Heartbreakers“ schon ziemlich gut und trotzdem ist die Geschichte mehr. Das hat vor allem mit der Protagonistin zu tun. Stella ist ein Drilling. Allein das fand ich ziemlich cool. Natürlich ist das speziell, aber die Geschwisterverbundenheit, die dadurch einen großen Teil im Buch einnimmt, ist einfach toll. Stella hat einen Bruder, Drew, und eine Schwester namens Cara. Alle drei sind kurz vor ihrem 18. Geburtstag, was das Buch schon einmal in den Young Adult-Bereich platziert – Pluspunkt bei mir. Drew ist ein sportlicher, frecher Kerl, der mein Herz sofort erobert hat. Wer Stella aber vielmehr prägt, ist Cara. Und hier kommen wir zur tragenden Grundstory von „Ich und die Heartbreakers“. Cara hat eine Form von Krebs. Sie kämpft, aber selbstverständlich ist das für die Familie sehr belastend. Ich persönlich kann mir die Situation nicht vorstellen. Es muss grauenhaft sein, wenn ein Familienmitglied an Krebs erkrankt. Die Welt kann einfach so unfair sein. Das empfindet auch Stella so. Denn seit Cara krank ist, hat sich ihr Leben um 180 Grad gedreht. Für sie zählt nichts als Cara. Und nun ist wohl auch jedem klar, warum dieses Buch eben nicht nur eine heitere Geschichte ist. Natürlich verpackt Ali Novak die Krankheit in eine Art „Wohlfühlrahmen“ und trotzdem ist das Thema ernst. Das Buch nimmt es auch ernst, was mir sehr imponiert hat. Alle Charaktere im Buch kämpfen gegen den Krebs und irgendwie bleibt das immer im Hinterkopf. Natürlich ist es aber auch Anlass für die schöne Geschichte, die Stella erleben darf.
Cara schwärmt für die „Heartbreakers“, eine Band, die Stella absolut verachtet. Für Cara wollen sie und Drew aber versuchen, ein Autogramm von den vier Jungen zu bekommen. Durch Zufall trifft Stella den Frontsänger in einem Café. Nun beginnen die Klischees, denn natürlich weiß Stella nicht, wer er ist. Stichwort Meet Cute. Das ein oder andere unlogische Szenario reiht sich an das nächste und schon ist man mittendrin in einer wunderschönen „Girl next door“-Geschichte mit Rockstar-Flair.
Mich hat die Geschichte insgesamt an die Teenagerfilme meiner Jugend erinnert. Nicht viel Nachdenken, süße Liebesgeschichten und Wohlfühlvibes. Genau, wonach mir gerade war. Wirklich toll an „Ich und die Heartbreakers“ sind die Charaktere. Stella ist super authentisch. Sie musste durch die Krankheit ihrer Schwester schneller erwachsen werden und macht sich Gedanken über Dinge, die das Leben einer 17-Jährigen eigentlich nicht betreffen sollten. Ihre größte Leidenschaft ist das Fotografieren. Obwohl ich wirklich keine Ahnung von diesem Sujet habe, fand ich es gut umgesetzt. Ihr Hobby zieht sich durch die ganze Geschichte und spielt eine große Rolle. Auch ansonsten ist Stella sehr liebeswürdig. Trotzdem schätzt sie sich nicht falsch ein oder macht auf schüchternes Mädchen. Ich fand sie sehr selbstbewusst und bodenständig. Für mich machte es absolut Sinn, dass sie ein Drilling ist, denn sie hat eine Stärke, die man glaube ich besonders durch so enge Bindungen – wie eben zu ihren Geschwistern – haben kann. Wenn wir schon bei den Geschwistern sind, auch Drew und Cara fand ich toll. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein junges Mädchen, das an dieser Krankheit leidet, genauso ist wie Cara. Manchmal mutig, manchmal mutlos und trotzdem entschlossen. Dann wären da noch die vier Heartbreakers. Tatsächlich nehmen alle vier Jungen viel Raum in der Geschichte ein. Am wenigsten kann ich über Sander sagen. Aber JJ ist der lustige, Alec der Ruhige und Nachdenkliche und Oliver…tja, Oliver. Oliver ist der Leadsänger und natürlich Traum aller Mädchen. Die Liebesgeschichte zwischen Oliver und Stella ist wirklich süß und unschuldig. Es ist kein ewiges Hin und Her, hat aber genug Aufs und Abs, um spannend zu sein. Mir hat alles daran sehr gut gefallen. Zwischen den Jungen und Stella entwickelt sich eine ernstzunehmende Freundschaft, die wunderbar zur Geschichte passt. Auch das Thema Musik spielt natürlich eine große Rolle.
Das einzige, was meine Wertung ein kleines bisschen runterzieht, ist der Faktor Logik. Denn natürlich ist unglaublich vieles an „Ich und die Heartbreakers“ eher unlogisch oder sagen wir zumindest unwahrscheinlich. Aber das machte die Geschichte für mich nicht weniger hörenswert. Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, mitgelitten und mich mitgefreut. Insgesamt habe ich das Buch einfach sehr gern gehört.
Dazu trug auch die angenehme Stimme von Ann-Kathrin Hinz bei, die sehr gut zu Stella passt. Ein wirklich gutes Match! Auch der jugendliche Stil von Ali Novak macht das Buch so frisch, wie es eben ist. Ihre Beschreibungen passen super ins Setting und lassen junge (oder in meinem Fall ältere) Mädchen von Rockstarherzen träumen.

„Ich und die Heartbreakers“ ist ein schönes Hörbuch mit einer süßen Liebesgeschichte, einem sehr ernsten Thema und dem großen Setting „Freundschaft“. Lediglich die Tatsache, dass vieles in der Geschichte ziemlich unwahrscheinlich ist, hält mich von der Höchstwertung ab. Denn insgesamt konnte ich bei diesem Hörbuch super abschalten und habe mich immer auf das Hören gefreut. Deswegen vergebe ich 4,5 Sterne und spreche meine Empfehlung für heiße Sommertage aus.


  


12. November 2025

Rezension: "Heartbreak is the National Anthem" von Rob Sheffield

 


Titel: Heartbreak is the National Anthem -
Wie Taylor Swift die Popmusik neu erfand
Autor: Rob Sheffiled
Verlag: Penguin
Preis: 18,00€
Seiten: 224

Es wird Zeit für ein Bekenntnis: Ich bin ein Swiftie. Von ganzem Herzen. Ich liebe die Musik von Taylor Swift, liebe ihre Songtexte und wie sie es schafft, sich immer wieder neu zu erfinden. Man kann sich mit ihren Liedern identifizieren oder sie einfach zwischendurch hören. Seit Jahren schon begleitet sie mich durch meinen Alltag. Deswegen ist es kein Wunder, dass das neu aufgelegte „Heartbreak is the National Anthem – Wie Taylor Swift die Popmusik neu erfand“ sofort meine Aufmerksamkeit erregte. Denn obwohl ich bekennender Swiftie bin – ich bin keiner von der Sorte, der all ihre Geheimnisse aus den Songs herausarbeitet. Der wie ein Detektiv an ihre Musik geht. Ich bin einfach ein kleiner, stolzer Swiftie. Doch im Vergleich zu Rob Sheffiled, dem Rolling-Stone Journalisten, der schon seit vielen Jahren ein Ranking all der Swift-Songs führt, bin ich eine absolute Anfängerin. Das und vieles mehr hat mir diese Lektüre gezeigt. Ein Muss für Fans der Pop-Ikone? Definitiv! Und eigentlich auch für alle anderen.

Niemand kennt Taylor Swift und ihre musikalischen Epochen – die Eras – so gut wie Rob Sheffield. In seiner mitreißenden Biografie „Heartbreak is the National Anthem“ beleuchtet der preisgekrönte Rolling Stone-Journalist die außergewöhnliche Karriere der Pop-Ikone. Dieses Buch ist ein absolutes Muss für alle Swifties und Musikliebhaber.
Taylor Swift ist mehr als nur eine Sängerin – sie ist ein globales Phänomen. Ihre Songs bewegen Millionen, ihre Texte erzählen Geschichten, die Generationen verbinden. Vom Country-Teenager zur internationalen Pop-Sensation: Taylor Swift hat die Musikindustrie revolutioniert – als Songwriterin, Performerin und kulturelle Stimme unserer Zeit.
Rob Sheffield begleitet Taylor Swift seit ihren Anfängen. Mit einzigartigem Insiderwissen und großer Leidenschaft analysiert er ihre Alben, Songtexte, Live-Auftritte und die besondere Verbindung zu ihren Fans. „Heartbreak is the National Anthem“ ist das erste Buch, das den gesamten kulturellen und musikalischen Einfluss von Taylor Swift umfassend darstellt – von Fearless bis zur Eras Tour.

 

Der Klappentext verspricht eine ganze Menge. Doch ehrlich? Er hält auch all das Angekündigte! Das hängt vor allem mit Rob Sheffield als Person zusammen. Der Autor dieser Pop-Biographie (nur im weitesten Sinne eine Biographie, wenn ihr mich fragt) ist eben nicht nur Autor. Oder Musik-Journalist. Er ist ein Fan von Taylor Swift seit der ersten Stunde. Und vor allem ist er ein ganz normaler Mensch. Ein Mensch, der sich für Swifts Musik begeistert, ohne diese zu verherrlichen. Das imponierte mir ganz besonders. Es ist gar nicht abzustreiten, dass Sheffield eine sehr tiefe Leidenschaft für Swifts Musik empfindet. Doch er ist nicht unkritisch. Deswegen ist „Heartbreak ist the National Anthem“ auch keine Lobeshymne, keine Schmeichelei oder sogar Heuchlerei. Denn Sheffield geht zwischenzeitlich sogar recht hart mit Taylor ins Gericht. Er kritisiert sie, nennt ihre Fehltritte oder Schwächen ihres Charakters. Das Authentische ist, dass er sie eben wirklich kennt und das seit vielen, vielen Jahren. Das kann einen Swiftie als Leser nur begeistern. Hinzu kommt der Witz, mit dem er dieses Buch schreibt. Mir haben sein unterbewusster Humor und manchmal auch die kleinen Spitzen in Richtung der Pop-Ikone sehr gut gefallen. Er schafft es auf magische Weise neben diesen kritischen Anmerkungen seine tiefe Liebe für die Musik von Swift ganz ehrlich darzustellen. Und so nimmt er dir Leserschaft mit auf eine Reise durch den swiftischen Kosmos. Er bettet ihr musikalisches Schaffen allerdings in ein großes Ganzes ein, schafft viele Bezüge zu anderen Musik-Legenden und schreibt zwischendurch eben auch über ganz andere Leute. Ich muss zugeben, dass ich nicht einmal die Hälfte all seiner Musikbezüge kannte. Dass dieser Mann Ahnung vom Musik-Buisness hat, ist am Ende auf jeden Fall jedem klar.
Das Buch ist halbwegs chronologisch aufgebaut, ohne eine klare Biographie zu sein. Es geht nicht um Taylors Kindheit, Jugend, frühe Erwachsenenphase oder etwas in der Art. Die meisten Kapitel haben Songtitel als Titel, anhand derer sich der Autor an ihrem Leben abarbeitet. Oft geht es aber im Vordergrund eben auch um diese Songs, ihre Texte und was sie mit Taylors Leben zu tun haben. Ganz nebenbei arbeitet Sheffield dabei immer wieder persönliche und ganz private Züge heraus. Dieses Persönliche macht das Buch so authentisch. Es ist eine Lektüre eines verehrenden Swifties für andere Swifties. Und da ich mich als solcher bezeichne, konnte ich gar nicht anders, als die Lektüre zu lieben. Tatsächlich habe ich auch unglaublich viel über die Frau gelernt, die die ganze Welt kennt. Besonders spannend fand ich die Kapitel über „Taylors Version“ und „Folklore“. Im Nachhinein finde ich mich selbst nämlich ziemlich blind, dass mir manche Querverweise zwischen einzelnen Songs nie aufgefallen sind. Diese Aha-Momente hatte ich immer wieder. Ich bin mir sicher, dass auch die krassesten Fans der Sängerin hier noch das ein oder andere Detail lernen können.
Die Lektüre geht wirklich unglaublich schnell. Der Schreibstil ist klasse, auch wenn bei der Übersetzung der ein oder andere Wortwitz natürlich verloren geht. Auch deswegen sind häufiger mal unübersetzte englische Sätze mit drin. Die Kapitel sind alle recht kurz oder zumindest kurzweilig. Ich würde nicht empfehlen, das Buch an einem Stück zu lesen. Es macht viel mehr Spaß, einzelne Etappen zu genießen und im Nachhinein einige der Songs oder die erwähnten Alben erstmal zu hören und zu untersuchen, ob Sheffield wirklich recht hat. Ich habe das getan und konnte Taylors Musik so noch einmal ganz neu für mich entdecken. Das einzige, was ich noch ziemlich cool gefunden hätte, wären QR-Codes im Buch gewesen. Diese hätten natürlich zu Taylors Songs führen können, wenn es gerade um einen bestimmten ging. Vielmehr hätte man so aber all die anderen erwähnten Künstler, Songs und Alben verknüpfen können, von denen der Normalo, der kein Musik-Journalist ist, vielleicht keine Ahnung hat. Ein Normalo wie mich. Aber das nur am Rand. Man kann schließlich auch auf eigene Faust recherchieren.

Ich war Swiftie. Ich bin Swiftie. Und dank diesem Buch werde ich wohl ewig Swiftie bleiben. Rob Sheffield hat mich mit „Heartbreak ist the National Anthem“ noch viel tiefer in die Welt von Taylor Swift entführt, von der ich dachte, dass ich längst tief in ihr leben würde. Man bekommt ganz private Anekdoten, Fakten, Witze und vor allem sehr viel Liebe und Wissen zu Taylors Songs. Das alles ist verpackt in eine authentische Art zu erzählen und deswegen muss ich meine Empfehlung – und die verdienten fünf Sterne – aussprechen. You know..."I can still make the whole place shimmer"! ;)


  


18. November 2023

Rezension: "Di Bernardo" von Natasha Korsakova


Titel: Di Bernardo
Autorin: Natasha Korsakova
Verlag: Septime
Preis: 24,00€
Seiten: 264
 

Obwohl ich selten Ausflüge ins Krimi-Genre mache, gibt es doch etwas, das mich immer wieder dazu bewegen würde: ein neuer Roman von Natasha Korsakova. Die Autorin hat mich mit ihren ersten beiden Büchern über den Detektiv Dionisio Di Bernardo, der in Rom ermittelt, absolut überzeugt. Das Besondere an ihnen ist der Musikcharakter. Denn was man wissen muss, Korsakova ist eigentlich professionelle Violinistin. Kein Wunder also, dass di Bernardo immer mal wieder in der Musikwelt ermitteln muss. So auch diesmal in Korsakovas neustem Buch, das genauso heißt, wie seine Hauptfigur. Und obwohl ich an "Di Bernardo" durchaus kleine Kritikpunkte habe, muss ich sagen, dass mich das Buch trotzdem absolut in seinen Bann gezogen hat!

Rom. Ein grausamer Doppelmord hat sich neben der Basilica di San Giovanni in Laterano ereignet. Alessandro Ferro, ein bekannter römischer Komponist, liegt tot in einer riesigen Blutlache, eine Pistole in der Hand. Dagegen scheint niemand die junge Frau zu kennen, die nur wenige Meter entfernt von ihm erschossen wurde – mutmaßlich von Alessandro selbst. Commissario Di Bernardo, der zusammen mit seinem Inspettore Roberto Del Pino schon Jahre zuvor in der illustren Musikwelt ermittelt hat, wird mit dem Fall beauftragt. Schon bald gibt es eine Handvoll Verdächtige. Eine von ihnen ist Alessandros Ex-Freundin Elisa – eine Geigerin, die mit Umweltaktivisten sympathisiert, die sich gegen den illegalen Holzhandel starkmachen. Eine andere Spur führt Di Bernardo zu einem römischen Bogenbauer, der die gefährdeten Tropenhölzer quasi mit Gold aufwiegt.
Ohne es zu ahnen, betritt Di Bernardo eine Welt, die von Habgier, Existenzängsten und Konkurrenzdruck gleichermaßen regiert wird.
Doch wie weit kann man für die eigenen Ziele gehen? Eine Frage, die auch der Commissario sich stellen muss, als die dritte Leiche gefunden wird und alle seine bisherigen Hypothesen zunichte gemacht werden …

Commissario Di Bernardo war für mich wahrlich kein Unbekannter. Schon Korsakovas Debüt „Tödliche Sonate“ ließ mich zu einer Anhängerin des Kommissars werden. Ich war also sehr gespannt, wie sich die Figur entwickelt hat und was sein neuster Fall bringen würde. Tatsächlich finde ich, dass Di Bernardo selbst und seine Entwicklung in diesem Buch mehr im Fokus stehen, als in den beiden Vorgängern. Daher ist wahrscheinlich auch sein Name als Titel gewählt worden. Wenn ich gerade an diesem Punkt bin, muss ich hier aber leider auch meine Kritik äußern. So sehr ich den Mitfünfziger mag und seine Denkweise schätze, seinen eher leisen Humor liebe und wirklich gern lese, wie er sich um sein Team kümmert, so muss ich doch festhalten, dass der Titel „Di Bernardo“ der Geschichte einfach nicht gerecht wird. Meiner Meinung nach hätte man hier wirklich etwas Aufmerksamkeitserregenderes wählen sollen. Denn, ja! Natürlich ist Di Bernardo die Figur, die die Handlung trägt. Aber nichtsdestotrotz gibt es noch so viele tolle Nebenfiguren und eben auch die Morde haben titeltechnisch wirklich viel mehr Potenzial.
Aber gut. Daran will ich mich nicht aufhalten. Der Titel stört mich eben auch nur deswegen, weil ich ihn für ein mögliches Publikum so wenig aussagekräftig finde. Und das ist schade. Denn die Geschichte hatte mich sofort in ihren Bann gezogen!
Der Leser findet sich als erstes in einem Prolog wieder, deren Charaktere gänzlich unbekannt sind. Wir sind in Rumänien und werden Zeuge eines Beseitigungsmordes. Schon hier kochten meine Emotionen hoch, denn die Autorin versteht es wirklich gut, auch die Abgründe des Menschen darzustellen und nichts schönzureden. Die Welt ist in vielen Teilen unfair und das wird hier sehr deutlich. Zu keinem Zeitpunkt versucht das Buch irgendwelche Kompromisse zu machen oder unlogische Handlungsstränge aufzubauen, nur damit es möglicherweise ein Happy End gibt. Und genau das führt dazu, dass man mit den Figuren mitfühlt. Ich konnte Di Bernardos Verzweiflung an vielen Stellen so nachfühlen, wenn er in den Ermittlungen auf der Stelle trat. Gerade der Mord an der jungen Livia ist bewegend und wirft Rätsel auf. Wie der Klappentext schon vermuten lässt, ist die Handlung und die darin enthaltene Ermittlung vielschichtig. Es gibt mehrere Spuren und alle scheinen ins Leere zu führen. Lange sind Di Bernardo, Del Pinio und das restliche Team ratlos. Das sorgt aber keinesfalls für Langeweile beim Leser. Im Gegenteil. Leerstellen werden mit privaten Angelegenheiten gefüllt, sodass die Figuren sehr menschlich werden und das Szenario unglaublich realistisch wird. Auch Korsakovas Beschreibungen von Orten oder Straßen sorgen dafür, dass ich immer wieder dachte, ich sei wirklich in Rom. Ihre Sprachvielfalt ist gewaltig. Und gleichzeitig ist der Schreibstil sehr flüssig und immer gut lesbar. Meines Erachtens schreibt sie auf eine gewisse Weise intelligent und spricht damit genau ihre Zielgruppe an.
Über Di Bernardo selbst habe ich glaube ich genug gesagt. Die Nebenfiguren der Geschichte sind ebenfalls sehr sympathisch. Roberto Del Pino ist eigentlich schon keine Nebenfigur mehr und der jüngere Ermittler übernimmt auch in diesem Fall eine sehr große Rolle. Er zweifelt erstmals deutlich an sich und man bemerkt seine Verletzbarkeit. Doch auch die Gerichtsmedizinerin Isabella oder Personen wie Andrea, Anna oder Frederica sind authentisch gestaltet und nehmen ihre Position in der Handlung gut ein. Das gesamte Figurenkonstrukt ist gelungen. Und dann wären da noch die Verdächtigen. An diesen mangelt es anfangs definitiv. Doch auch die finale Auflösung hat mir sehr gut gefallen. All die falschen Fährten führten zwar nicht unbedingt zur Lösung, doch sie hinterlassen beim Leser oft Denkimpulse. Hier meine ich vor allem den Umweltschutz. Denn wem, der kein professioneller Musiker ist, ist schon klar, dass die Geige durchaus umweltschädlich ist? Ich fand diesen Kontext sehr spannend, obwohl er manchmal auch verwirrend für den Leser sein kann. Als „verwirrend“ empfinde ich auch noch immer ein paar kurze Kapitel im Buch. Eine Handvoll sind aus einer recht unklaren Perspektive in kursiven Lettern geschrieben. Ehrlich gesagt bin ich mir immer noch nicht sicher, was mir diese kurzen Absätze sagen sollen, weshalb ich sie für die Handlung als nicht wirklich notwendig empfinde. Aber wahrscheinlich hat sich mir der höhere Sinn einfach nicht erschlossen.
Neben meinen kleinen Kritikpunkten muss ich aber auch eine Sache noch hervorheben. Im Buch sind insgesamt fünf QR-Codes abgedruckt, zumeist zu Kapitelbeginn. Diese führen zu Youtube-Aufnahmen der Autorin. Hier kann sich dann tatsächlich jeder überzeugen, dass Korsakova nicht nur eine unglaublich tolle Autorin, sondern auch eine atemberaubende Musikerin ist. Es macht schon Sinn, die Codes zu scannen, während man liest und entweder mit der Musik im Hintergrund weiterzulesen oder sich ihr ganz allein hinzugeben. Es macht doch etwas mit einem als Leser, wenn man dies tut. Und so schwer ist es in unserer digitalen Welt ja nun einmal nicht. Toll an den Stücken ist auch, dass so noch einmal viel deutlicher wird, dass die Musik die ganze Zeit Teil der Ermittlung und auch ein alter Bekannter ist.

Meine Kritik an „Di Bernardo“ lässt sich schnell zusammenfassen: Der Titel (und übrigens auch das Cover) ist mir zu wenig aussagekräftig und der Geschichte unwürdig. Kurze Abschnitte im Buch haben sich mir nicht erschlossen. Und das war’s. Punkt.
Der Rest wird zu einer Lobeshymne. Mich hat dieser Kriminalfall sehr gut unterhalten. Ich habe immer gern weitergelesen und bekam auch von der Entwicklung der Figuren nicht genug. Di Bernardo und Del Pinio sind ein tolles Team, das sehr realistisch in einem authentischen Rom ermittelt. Hier bleiben keine Emotionen auf der Strecke, im Gegenteil: Als Leser muss man sich einigen menschlichen Abgründen stellen und auch ein bisschen weiterdenken. Die Themen, die eher nebensächlich angesprochen werden, sind gesellschaftlich relevant und tagesaktuell. Alles in allem: ein großartige Lektüre, die ich (trotz Kritik) mit fünf Sternen bewerte.




17. Januar 2020

Autrenspecial: Interview mit Natasha Korsakova


Hallo ihr Lieben!


Und da ist er nun, der Abschluss des kleinen "Autorenspecials" über Natasha Korsakova, die ich euch in den letzten beiden Posts ja bereits vorgestellt habe. Nachdem ihr also nun etwas über die Autorin und Musikerin aus zweiter Hand erfahren habt und nachlesen konntet, wie eine Lesung von und mit ihr so aussieht, kommt heute Natasha selbst zu Wort. 

Es war gar nicht so leicht, den Fragenkatalog zu erstellen, da mich persönlich eine ganze Menge bezüglich Natashas Musik, Leben und Bücher interessiert hat. Ich hoffe, ihr findet die Fragen, welche ein buntes Potpourri aus Musik und Literatur darstellen, genauso interessant, wie ich! 

Solltet ihr selbst noch Fragen haben, gebe ich sie natürlich gern weiter!




1.     Liebe Natasha, ich kenne dich inzwischen etwas besser. Doch viele meiner Leser tun das leider noch nicht. Erzähle uns deswegen kurz etwas über dich.
OK! Kurz gefasst: bin eine internationale Violinsolistin aus einer sehr musikalischen (fünfte Generation) russisch-griechischen Familie. Seit einigen Jahren schreibe ich leidenschaftlich Kriminalromane, die in Italien spielen. Bin verrückt nach Tieren (v.a. Katzen), und habe als Weltenbummlerin trotz riesiger Flugangst unzählige Kilometer im Flugzeug zurückgelegt.

2.     Du bist Violinistin. Welche Violine spielst du?
Meine Violine wurde im Jahr 1870 in Paris von Jean-Baptiste Vuillaume gebaut. Es ist die genaue Kopie der wertvollsten Violine der Welt, der „Messias“ von Antonio Stradivari. Vuillaume selbst war ein genialer Geigenbauer, und er war von Stradivaris Arbeit generell, vor allem aber von der „Messias“ ganz besonders angetan. Außer meinem Instrument befinden sich ca. 30-40 Messias-Kopien auf der Welt.  


3.     Hat man als Musikerin ein besonderes Verhältnis zu seinem Instrument?
Ja, das hat man bestimmt, denn es braucht immer eine gewisse Zeit, bis man sich an das Instrument gewöhnt und es optimal kennengelernt hat. Danach entwickelt sich im besten Fall ein (gegenseitiges) tolles Verhältnis, doch manchmal kommt es leider nicht dazu. Abgesehen von dem Klang, hängt es von vielen Details und Kleinigkeiten ab.  

4.     Hast du einen Lieblingskomponisten für die Violine?
Oft ist es so, dass ich mich in einen Komponisten verliebe, wenn ich sein/ihr Stück gerade lerne bzw. damit auftrete. Spontan kommt mir die herrliche Musik von Henri Vieuxtemps (1820-1881) in den Sinn, der seinerzeit ein großer Violinvirtuose war. Großartig sind auch die Kompositionen von EugeneYsaye, Heinrich Wilhelm Ernst und Henryk Wieniawsky. Die Musik von dem großen Niccolò Paganini bevorzuge ich lieber zu hören, als selber zu spielen.

5.     Gibt es ein Stück, das du selbst besonders gern spielst?
Alle Violinkonzerte von W. A. Mozart, Violinkonzerte von P. Tschaikowsky und L. van Beethoven, alle 3 Sonaten von J. Brahms, die Fantasie von F. Schubert D934, „Die letzte Rose des Sommers“ von H. W. Ernst, Tangos von A. Piazzolla und alle Bearbeitungen von G. Gershwins Musik... Und damit wäre die Liste erst eröffnet J




6.     Wie kam es, dass du dich neben der Musik dem Schreiben zugewandt hast?
Das Schreiben gefiel mir schon in der Schule – Kurzgeschichten, ein paar Gedichte... Wenn ich Violine spiele, so sind die Werke von den verschiedenen Komponisten bereits entstanden, d.h. die Musik ist bereits vorgegeben. Meine Aufgabe ist, sie kreativ und persönlich zu interpretieren. Dagegen  kreiere ich beim Schreiben von Anfang an mein eigenes Werk, das die ganze Fantasie und schöpferische Kraft verlangt. Ich liebe es, Personen zu erfinden, die irgendwann auch mal für den Autoren entscheiden was zu tun ist – faszinierend.

7.     Du hast kürzlich eine Lesungsreise mit deinem neuen Roman „Römisches Finale“ durch Deutschland und Österreich gemacht. Erzähle uns kurz von den Highlights der Tour.
Jede Lesung, jede Buchpräsentation war für mich persönlich ein Highlight. Meine allerersten Lesungen haben im Oktober 2018 stattgefunden, und es fühlt sich immer noch neu und aufregend an. Das Gefühl, auf Lesereise zu gehen und Menschen zu sehen, die an meinen Geschichten und Charakteren interessiert sind, ist unbeschreiblich schön. Außerdem ist es jedes Mal ein wunderbares Erlebnis, die Buchhändler persönlich kennenzulernen.

8.     Deine Lesungen sind etwas ganz Besonderes, da du neben den Buchauszügen, die du liest, auch kurze Stücke passend zur Geschichte spielst. Was macht dir dabei mehr Spaß: Das Lesen oder das Spielen?
Ganz ehrlich: die Mischung aus beidem. Dabei ist es bei weitem nicht immer einfach, unmittelbar nach längerem Lesen bzw. Erzählen ein virtuoses Stück zu spielen. Die unterschiedliche Konzentration und die Finger werden ziemlich schnell kalt... Aber Musik gehört eben zu meinen Krimis, und so soll sie auch bei den Lesungen nicht fehlen. 

9.     Du hast bisher zwei Bücher über Commissario di Bernardo und seine Fälle in Rom geschrieben. Hast du einen Lieblingscharakter aus der Reihe?
Neben dem Commissario Di Bernardo steht mir Roberto Del Pino besonders nahe – natürlich nicht nur, weil wir beide das (gute) Essen schätzen! Ich mag seine freche, aber nicht arrogante Art, und wäre manchmal auch gerne so direkt wie er. Nur bezüglich der Kleidung gehen unsere Geschmäcke auseinander...

10. Wieso gerade Rom als Schauplatz?
Rom hat sich eher zufällig ergeben, u.a. weil ich dort auch Verwandte habe und öfter Konzerte spiele. Wiederum Italien als Schauplatz stand von Anfang an fest: alleine schon wegen der historischen Violinbau-Tradition und der Familie Stradivari in der „Tödlichen Sonate“.

11.  Hast du die Schauplätze aus „Tödliche Sonate“ und „Römisches Finale“ selbst besucht? Beim Lesen hat man nämlich genau diesen Eindruck!
In der Tat habe ich jede Location außer Benevento und San Luca („Römisches Finale“) besucht. Es erleichtert so viel beim Schreiben, wenn man den Lokalkolorit nicht nur aus den Büchern oder von den Bildern kennt, sondern es erleben und auf sich einwirken lassen kann.

12. Würden dich neben dem Krimigenre auch andere Genres interessieren?
Was das Lesen angeht, so mag ich gerne verschiedene Genres: Science-Fiction, historische Romane (vor allem das Mittelalter), Liebesgeschichten, ab und zu eine Biographie. Beim Schreiben fühle ich mich derzeit dennoch am wohlsten bei den Krimis. Aber mal sehen was später kommt.

13.  Zu deinem ersten Buch „Tödliche Sonate“ gibt es ein herausragendes Hörbuch, auf dem du auch ein paar Stücke spielst. War das Hörbuch die Idee des Verlags oder war es dir wichtig, dieses Medium aufgrund der Vielseitigkeit der Geschichte zu verwenden?
An sich war mein Gedanke ursprünglich, eine CD zum Buch aufzunehmen. Viele Musikstücke werden in der Geschichte „aufgeführt“, einige spielen inhaltlich eine wichtige Rolle, und so schien es mir, dass es für die Leser interessant sein könnte, diese Musik tatsächlich nachhören zu können. Doch der Heyne-Verlag hatte eine noch bessere Idee, nämlich im Hörbuch zwischen den gesprochenen Texten die Musikstücke einzubinden. So haben wir es auch gemacht.

14. Du bist in Russland geboren, hast russisch-griechische Wurzeln, einen italienischen Adoptivvater und lebst in der Schweiz. Außerdem sprichst du fünf Sprachen. Kann man sich dein Leben so international vorstellen, wie es sich anhört?
Sogar mehr als das! Ich habe auch viele Jahre in Deutschland verbracht, sowie ein paar Jahre in Amsterdam. Bin eine Europa-Bürgerin und fliege außerdem jährlich ca. 3 mal in die USA. Natürlich hat es sowohl Vor- als auch Nachteile, keine richtige Wurzeln zu haben. Am wichtigsten ist für mich trotz allem ein Zuhause, das ich hier in Tessin zum Glück gefunden habe. Wir wohnen zwar in einer sehr kleinen Stadt, brauchen aber nur eine Dreiviertelstunde Fahrzeit bis nach Mailand, denn ab und zu brauchte ich die rasante Atmosphäre einer Großstadt.

15.  Aufgrund deines Berufes kommst du viel in der Welt herum. Was bedeutet dir das Reisen?
Das Reisen fand ich schon als Kind total spannend; das muss wohl im Blut liegen, u.a. weil meine Eltern beruflich (beide Musiker) oft unterwegs auf der ganzen Welt waren. Ich finde es wichtig, die anderen Länder und verschiedene Kulturen zu erleben und von ihnen zu lernen, mit diversen Menschen Erfahrungen auszutauschen. Gleichzeitig ist es schön, meine Leidenschaft für Fremdsprachen auszuleben.

16.  Gibt es eine Stadt oder ein Land, in der/dem du besonders gern bist?
Ach, es gibt viel zu viele, um sie aufzuzählen! Ich versuch’s deshalb „kurz“: an sich fühle ich mich überall wohl. Deutschland bleibt für mich aufgrund der vielen wunderbaren Jahre, die ich dort verbracht habe, jederzeit ein Zuhause. Ansonsten genieße ich als ausgeprägter Sommermensch die südliche Länder; doch auch im Norden hat es unvergessliche Moment gegeben, wie z. B. die Nordlichter und Geysire in Island. Wien ist für jeden Musiker ein Traum, und mit Rom verbindet mich einfach so vieles. Viel von dem Essen in Taiwan hätte ich glatt mit nach Hause nehmen können. USA, vor allem die Ostküste, ist für mich immer wieder einer Reise wert. Leider hat sich eine längere Reise nach Australien noch nicht ergeben, ein Grönland-Besuch steht auch noch auf der Liste.
Und, last but not least: meine besondere Liebe gehört Apulien, der Heimat meines Adoptivvaters und Commissario di Bernardo J

17.  Darfst du uns etwas über deine anstehenden Projekte verraten?
Im Moment bereite ich mich auf mehrere musikalische Lesungen mit dem „Römischen Finale“ vor, sowie auf eine Konzerttournee in den USA. Es reift außerdem langsam ein neues Buchprojekt – mal sehen wohin es führen wird!

18. Kann man dich in nächster Zeit in Deutschland treffen (auf Buchmessen, Konzerten o.Ä.)?
Im Januar, März und Mai wird es deutschlandweit viele Lesungen geben, Konzerte gibt es in Italien. Auf der Seite von Randomhouse-Verlag wird darüber regelmäßig ein Update gemacht.


Vielen lieben Dank für deine Zeit und die wunderbar kreativen Antworten :)


Na, zu viel versprochen? Findet ihr auch, dass Natashas Leben so surreal und aufregend klingt? Lasst mich euch aber versichern, dass sie ein absolut bodenständiger, zugänglicher und sehr freundlicher Mensch ist! Und Schreiben kann sie auch noch.... :'D

Ich hoffe sehr, dass ich euch durch mein kleines "Special" Natasha, ihre Musik und natürlich vor allem ihre Bücher näher bringen konnte. Solltet ihr noch Anmerkungen oder andere Fragen an Natasha haben, dann sagt gern Bescheid :)

Dann bleibt mir nur "Danke fürs Lesen" zu sagen und euch eine schöne Zeit zu wünschen!

Liebst,
eure Julia

14. Januar 2020

Autorenspecial: Lesungsbericht zu Natasha Korsakovas "Römisches Finale" - Lesung mit Musik

Hallo ihr Lieben!

Und herzlich willkommen zum zweiten Teil meines kurzen Autorenspecials zu Natasha Korsakova. Im letzten Beitrag habe ich euch die Autorin etwas näher gebracht und diese vielseitig talentierte Frau, die sich nicht nur Violinistin, sondern auch noch Autorin nennen darf, vorgestellt.

Heute möchte ich euch mithilfe eines kleinen Erlebnisberichts Einblick in eine ihrer Lesungen geben.

Natasha Korsakova hat im Zuge des Erscheinens ihres zweiten Kriminalromans "Römisches Finale" eine Lesungsreise durch Deutschland und Österreich gemacht.
Im Zuge dieser Reise kam sie auch in den niedlichen und beschaulichen Ort namens Thedinghausen. Wenn ihr von dieser atemberaubenden Weltstadt noch nichts gehört haben solltet, so liegt der Fehler ganz sicher nicht bei euch. Thedinghausen ist ein überschaubarer Ort in Niedersachsen, der allerdings wunderschön ist. 

Wie ihr wisst, komme ich selbst aus Bremen und deswegen war der Lesungsort nur einen Katzensprung entfernt. Wie ich bereits im letzten Beitrag erwähnt hatte, war Natasha so freundlich, Kontakt mit mir aufzunehmen. Und der hielt an. 
Für mich war es eine ganz besondere Erfahrung, mit Natasha zusammenzuarbeiten und es war wahrlich eine Freude. Natürlich gehört es zur Bloggerarbeit dazu, mit Autoren ins Gespräch zu kommen, für sie zu werben und zu lesen und vielleicht auch regelmäßig mit ihnen in Kontakt zu treten. Doch ob man einen wirklichen "Draht" zueinander bekommt, ist oft ungewiss. An dieser Stelle möchte ich aber unbedingt betonen, dass es so viele wunderbare und zugängliche Autoren gibt, die unseren Job als Blogger eben so schön machen. Und eine davon ist definitiv Natasha Kosrakova. Denn zwischen uns gab es von Beginn an keinerlei Berührungsängste und so ging die ein Mail in die nächste über.

Als Natasha mich dann zur Lesung in Thedinghausen einlud, war ich Feuer und Flamme. Ich akquirierte meinen Freund, kaufte zwei Lesungstickets und fuhr gemeinsam mit Max am besagten Tag nach Thedinghausen.

Lasst mich eines vorweg nehmen: Es war der Hammer.


Denn egal, wie unbedeutend Thedinghausen zu sein scheint, so hat dieser Ort doch etwas ganz Besonderes: Ein absolutes Märchenschloss. Und genau dort, im Renaissance-Saal, fand die Lesung statt. Allein den Vorhof des Schlosses Erbhof zu betreten, das weihnachtlich angestrahlt wurde, war ein Erlebnis. Ebenso beeindruckend ging es weiter, nachdem man die Stufen des Schlosses bestiegen hatte und den Renaissance-Saal betrat. Hier wird normalerweise übrigens geheiratet.
Die Location war nicht nur atemberaubend schön, sondern auch noch ausverkauft. Und so freuten Max und ich uns auf einen unterhaltsamen Abend.

Und das wurde er.

Diese Lesung unterschied sich von den meisten Lesungen der Autorin insofern, dass sie nicht selbst las. An ihrer Seite stand für den Abend ein Schauspieler und Kabarettist, der aus der Nähe kam: Pago Balke. Natasha selbst spielte einige Stücke auf ihrer Jean Baptiste Vuillaume "Messias" und moderierte mit vielen humorvollen Anekdoten und Einblicken in das Leben eines Musikers den Abend. 

Sie eröffnete den Abend mit dem Stück "Chaconne" von Tomaso Antonio Vitali und zog damit alle Zuschauer direkt in ihren Bann. Die Akustik des Saals war dabei atemberaubend und das Stück schuf sofort die richtige Atmosphäre für den Einstieg in die Geschichte von "Römisches Finale", da es sich dabei um ein "Beerdigungslied" handelt, das außerordentlich gut zum Prolog des Buches passt. Pago Balke las im Anschluss genau diesen und ab dann entstand eine wunderbare Dynamik zwischen den beiden Künstlern. Balke las verschiedene Abschnitte des Buches gekonnt und akzentuiert, während Natasha Korsakova immer wieder Hintergründe zum Buch, zu Italien, zu ihrer eigenen Geschichte, den gespielten Musikstücken oder  ihren Figuren lieferte. Die Autorin trat dabei quirlig, liebenswürdig und authentisch auf. Max und mein Fazit war schnell klar: Sie ist ein musikalischer Wirbelwind. 

Und das bewies sie immer wieder, nämlich wenn sie ihre Geige zur Hand nahm und die Besucher der Lesung in eine andere Welt entführte. Sie spielte unter anderem "L'Aurore" von von Ysaye, "Largo" von Sebastian Bach und ein selbst bearbeitetes Piazolla-Medley mit eingearbeiteten Themen nach Rachmaninov. Jedes einzelne Stück war fantastisch! Natasha trat dabei so selbstbewusst und virtuos auf, wie man es sich nur wünschen konnte. Als Zuschauer brauchte man kaum hinzusehen, um zu erkennen, dass sie voll und ganz in der Musik aufging und genau dort zu Hause ist. Sah man doch hin, um sich zu überzeugen, so war der Anblick der spielenden Violinistin umso beeindruckender. 

Ich gebe wirklich mein Bestes, um zu beschreiben, welche Atmosphäre diese Lesung heraufbeschwor. Doch es ist schwer zu schildern, war man nicht dabei. Insgesamt war der Abend auf jeden Fall eine Mischung aus Spannung, Humor und Musik, der garantiert jeden Zuschauer beeindruckt hat.

Nach der wundervollen Lesung war der Abend für uns glücklicherweise aber noch nicht vorbei. Denn Natasha hatte uns zu einem kleinen Abschlussumtrunk aller Beteiligten an der Lesung eingeladen und diese Einladung nahmen wir selbstverständlich gern an!
Für mich war es eine tolle Gelegenheit, endlich persönlich mit ihr ins Gespräch zu kommen. All meine Eindrücke aus der digitalen Welt bestätigten sich absolut und meine Bewunderung für sie als Musikerin und Autorin stieg weiter an, sofern das noch möglich war. 
Natasha ist ein freundlicher, aufgeschlossener und talentierter Mensch, der seine Berufung in der Kombination der Musik und Literatur gefunden hat. Man kann mit ihr über Gott und die Welt sprechen oder einfach gemeinsam lachen. Ich hoffe wirklich sehr, dass ich sie eines Tages wieder treffen werde, bin aber guter Dinge. Als Abschluss des doch schon sehr spät gewordenen Abends, gab es dann noch das obligatorische Foto, über das ich mich natürlich bis heute sehr freue. 

Die Möglichkeit, Natasha live lesen und spielen zu hören besteht übrigens noch!

Sollte euch die Lesung also neugierig gemacht haben, so könnt ihr Natasha in den nächsten zwei Monaten noch in 

Bad Kissingen (17.01), 
Moers (08.03),
Lübbecke (09.03), 

Fulda (11.03),
Marburg (15.03) 
Stuttgart (18.03) 
und Bad Lauterberg (15.05)
sehen.

Normalerweise liest sie die Passagen ihrer Bücher selbst, spielt aber trotzdem eine Reihe von Stücken auf der Violine. Also auch, wenn sie keinen Schauspieler an ihrer Seite haben sollte, so lohnt sich ein Besuch ihrer Lesungen definitiv!
Die Termine findet ihr auch noch einmal hier!



Und schon ist auch der zweite Teil des Autorenspecials geschrieben. Es folgt noch ein Interview mit Natasha, in dem sie sowohl über die Musik, als auch ihre Bücher spricht. Wenn es euch also interessiert, dann schaut unbedingt wieder hier vorbei. 

Liebst,
eure Julia


Die Bilder des Artikels entstammen alle der Instagramseite von Natasha Korsakova, die somit auch die Bildrechte hat. Schaut gern bei ihr vorbei!