Posts mit dem Label Humor werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Humor werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

17. August 2026

Rezension [Hörbuch]: "The exquisite Torment of loving your Enemy" von Brigitte Knightley


Titel: The exquisite Torment of loving your Enemy
Autorin: Brigitte Knightley
Sprecher: Gabrielle Pietermann, Vincent Fallow
Verlag: Random House Audio
Preis: 25,95€
Seiten: 512
Dauer: 13h 27m

„The irresistible Urge to fall for your Enemy“ war eines meiner Highlights im gesamten letzten Jahr. Ich habe dieses Hörbuch vergöttert und habe darauf hingefiebert, dass endlich Teil zwei erscheint. Wie geht es mit Osric und Aurienne weiter? Diese Frage quälte mich lange, bis der Reihenabschluss herauskam. Selbstverständlich steht dieser in Sachen Titelwahl seinem Vorgänger in nichts nach. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ ist ein furioses Finale dieser Dilogie, an das ich allerdings hohe Erwartungen hatte. Wurden sie erfüllt? Zum Glück ja! Es wird rasant, es wird spannend und am Ende heißt es Zittern!

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern auf den letzten Blick – genauer gesagt den allerletzten: Widerwillig hat die Heilerin Aurienne es vollbracht, dem Assassinen Osric zu helfen, indem sie das Versiegen seiner Magie verlangsamte. Nun will sie testen, ob sie die Degeneration umkehren kann. Doch was Aurienne nicht ahnt: Bösewicht Osric leidet an einer neuen Erkrankung – sein Herz gehört nicht mehr ihm! Zu allem Überfluss befindet sich Aurienne in Gefahr, vor der sie nur ein höchst unzurechnungsfähiger verliebter Auftragsmörder zu schützen vermag.

Schon im ersten Teil war ich von dieser anderen, aber absolut coolen Welt, die Brigitte Knightley erschaffen hat, fasziniert. Ein alternatives England, das in Königreiche (Tiendoms) eingeteilt ist, von Königen und Königinnen regiert wird und in dem es acht Orden mit besonderen Fähigkeiten gibt. Zwei dieser Orden sind die Fyren – die Auftragskiller – und die Haelen – die Heiler. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Mitglieder dieser Orden jemals freundlichen Kontakt zueinander haben, ist gleich null. Doch da Osric nur von einer einzigen Frau auf dieser Welt von seiner Saes-Fäule befreit werden könnte (Achtung, Konjunktiv), entsteht über abstruse Wege eben doch eine Zusammenarbeit. Osric ist Auriennes Forschungsprojekt. Zumindest macht sie sich das weis. Dass er das längst nicht mehr ist, sollte jedem Hörer und Leser nach dem ersten Teil klar sein. Aber haben die beiden überhaupt eine realistische Chance? Und wollen sie die überhaupt haben? Diese Frage beantwortet „The Torment“ am Ende glücklicherweise. Doch der Weg bis zum Ende ist extrem steinig. Und es heißt nicht umsonst "Slow Burn".
Dieser Folgeband setzt tatsächlich genau dort ein, wo Band eins aufhört. Die Geschichte geht also nahtlos weiter, nur mit dem Unterschied, dass Osric durchaus bewusst ist, dass er Gefühle für Aurienne entwickelt hat. Er versucht sie allerdings zu leugnen. Ist sicherer. Doch die beiden müssen sich wegen den Heilungen zu jedem Vollmond wiedersehen. Leugnen ist also irgendwann zwecklos. Es wäre aber ja gelacht, wenn Osrics Heilung komplikationslos oder einfach wäre. Aurienne und Osric begeben sich in „The Torment“ auf eine unglaublich spannende Reise. Es wird abenteuerlich und spannend. Schon im ersten Teil entdeckten die beiden eine Verschwörung, der sie nun weiter auf den Grund gehen. Die Haupthandlung ist eigentlich die Heilung von Osric, doch es entstehen viele Nebenhandlungen, die hervorragend in alles eingebettet sind. Die Autorin hat eine grandiose Welt erschaffen und all ihre Handlungen fügen sich perfekt in das Konzept. Da es sich um einen zweiten Teil handelt, kommt der Hörer bei „The Torment“ auch in einem Setting an, das er schon kennt. Das führt dazu, dass Brigitte Knightley uns noch tiefer in diese verrückte Welt eintauchen lässt. Man lernt zum Beispiel auch endlich die anderen sechs Orden genauer kennen, von denen einer faszinierender ist als der andere. Gerade die Einzelheiten über die Orden, deren Fähigkeiten und die Zusammenarbeit untereinander fand ich sehr spannend. Mir gefiel die ganze Welt noch genauso gut wie in Band eins. Es ist abwechslungsreich, kreativ und fantasievoll.
Und dann wäre da ja noch der größte Pluspunkt aus „The Urge“: der Humor. Oder sollte ich besser ‚Sarkasmus‘ sagen?! An Band eins habe ich vor allem diesen schwarzen Humor geliebt, der wirklich in jedem Kapitel vorkommt. Ich persönlich empfand ihn in Band zwei ein kleines bisschen schwächer, jedoch ist die Art zu erzählen immer noch unglaublich lustig. Ich habe wirklich oft geschmunzelt.
Dazu trug übrigens auch wieder die unglaubliche Stimme und Interpretation der Figur Osric vom Sprecher Vincent Fallow bei. Er ist so, so gut! Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Auch Gabrielle Pietermann, die die Kapitel von Aurienne liest, ist toll. Sie hat eine sehr schöne Stimme, die wunderbar zu Auriennes Wesen passt. Aber Fallow macht etwas Besonderes aus Osric und damit aus der ganzen Geschichte. Der Sarkasmus, der aus jedem Wort trieft, das Fallow liest, ist überragend. Solltet ihr euch fragen, ob ihr das Buch hören oder lesen solltet, dann spricht dieser herausragende Sprecher absolut dafür, sich das Hörbuch zuzulegen!
An diesem Buch sind noch so viel mehr Dinge wirklich toll. Mir hat zum Beispiel der finale Kampf sehr gut gefallen. Es ist spannend, verlustreich und trotz verrücktem Setting authentisch. Außerdem gefiel mir, dass es drei Epiloge gibt. Ich meine…warum auch nicht?! Ich habe noch nie mehr als einen Epilog gelesen, aber ich fand auch das sehr innovativ und passend zur Geschichte. Ein weiterer Pluspunkt, den ich erwähnen möchte, ist die Episodenhaftigkeit. Brigitte Knightley wirft den Hörer direkt in ihre Welt, ohne viel davon zu erklären. Es ergibt sich eben so. Und auch nachdem die Geschichte um Osric und Aurienne auserzählt ist, ist es die Welt eben nicht. Die beiden sind nur eine kleine Handlung in dieser großen innovativen Welt. Manche Dinge werden nicht aufgelöst (Was zum Beispiel ist Tristan? Eine Göttin?), es bleiben Lücken. Aber genau das fand ich authentisch. Die Geschichte geht eben weiter, nachdem der Fokus nicht mehr auf Osric und Aurienne liegt. Die Welt steht einem Bürgerkrieg bevor und es gibt eben nicht immer ein Happy End für alles und jeden. Das imponierte mir.
Nun aber auch eine Sache, die mir tatsächlich nicht gefiel. Der Schreibstil der Autorin ist sehr ausschweifend und das gehört auch irgendwie dazu. Den Humor habe ich ja schon genug gewürdigt. Aber manche Beschreibungen, vor allem wenn es um die mystischen Szenen ging, waren mir zu lang und zu bildgewaltig. Manchmal schweifte ich beim Hören dann einfach ab, ohne es wirklich zu merken. Das ist aber hinsichtlich all der tollen Dinge nur eine Randnotiz.
Noch ein letztes Wort zu den spicy Szenen. Ohne diese lassen sich Bücher heute ja kaum noch verkaufen. Und ja, es gibt auch einige heiße Szenen in „The Torment“. Wenn ich mich nicht irre, werden sie alle ausnahmslos aus Auriennes Perspektive erzählt. Das finde ich als weibliche Hörerin tatsächlich gut, ist aber auch nicht entscheidend. Sie sind auf jeden Fall sehr passend zur Geschichte, nicht vulgär sondern einfach gelungen.

Man kann es sich schon denken: Ich habe nicht nur den ersten Teil dieser Dilogie geliebt. „The exquisite Torment of loving your Enemy“ erzählt den zweiten Teil einer herausragenden Geschichte, die ich euch als Hörbuch nur ans Herz legen kann. Die Welt ist innovativ und fantastisch, die Charaktere sind vielschichtig und sehr unterhaltsam und die Sprecher dieses Buches sind großartig. Der Humor ist einzigartig, was mir viele wunderbare Hörstunden beschert hat. Meine kleine Kritik ändert nichts am Gesamteindruck. Auch Band zwei hat sich die fünf Sterne verdient. Meine klare Lese-/Hörempfehlung!



4. Februar 2026

Rezension [Hörbuch]: "Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen"

 


Titel: Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen
Autorin: Judith Rossell
Sprecherinnen: Merete Brettschneider, Maria Hartman
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 6h 49m
Seiten: 320
Preis: 15,95€

Jedes kleine Mädchen hatte wahrscheinlich einmal den Wunsch, Detektivin zu werden. So sein wie Hanni und Nanni im Internat oder all die anderen Kinder, die spannende Abenteuer erlebten. In die Reihe von den „Fünf Freunden“ und Co. darf sich nun eine weitere Gruppe eintragen: die Mädchen des Midwatch Instituts. Denn diese jungen Mädchen können mit den genannten Detektiven definitiv mithalten. „Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen“ ist ein grandioses Kinderbuch, das ich vor allem Mädchen ab neun Jahren unbedingt empfehlen würde! Freundschaft, Zusammenhalt und das Stärken des eigenen Selbstbewusstseins stehen hier in Verbindung mit Spaß und Humor und machen dieses Hörbuch zu einem wundervollen Hörerlebnis.

Maggie Fishbone wird auf das Midwatch-Institut für unerwünschte Mädchen geschickt. Doch Maggie stellt bald fest, dass das Institut nicht der schreckliche Ort ist, für den ihn alle halten. Im Gegenteil: The Midwatch heißt die verstoßenen Mädchen willkommen und ermutigt sie, ihre Talente einzusetzen und weitere nützliche Fähigkeiten wie Schlösserknacken und Morsen zu erlernen. Denn es sind die verstoßenen Mädchen des Midwatch-Instituts, die mit ihren besonderen Fähigkeiten Kriminalfälle lösen und die Stadt vor Bösewichten beschützen.

Greift man zu diesem Hörbuch, muss man sich des Adressaten natürlich bewusst sein. Das Buch ist definitiv für Kinder geschrieben und genau für diese ist es absolut wunderbar! Laut Klappentext geht es um die kleine Maggie Fishbone, die zusammen mit zwei anderen Mädchen ins Institut kommt. Eine richtig zentrale Protagonistin ist Maggie allerdings nicht. Ihre Freundinnen Nell und Sophie stehen ebenso im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Harriet oder all die anderen Mädchen. Sie bilden gemeinsam ein Team. Und damit wären wir bei einem großen Thema des Buches: Freundschaft. Judith Rossell zeigt auf eine sehr schöne Art, wie Freunde das eigene Selbstbewusstsein stärken und wie man selbst daran wächst. Maggie ist am Ende ein anderes Mädchen und findet im Midwatch-Institut nicht nur neue Freunde, sondern sogar Familie.
Die kleinen Mädchen sind tolle Protagonistinnen. Insgesamt sind in „Midwatch – Schule der unerwünschter Mädchen“ ein Haufen schrulliger und skurriler Persönlichkeiten zu finden. Einige sind natürlich überzeichnet, wie zum Beispiel die Bösewichte, aber das passt insgesamt sehr gut zum Charakter des Buches. Die Mädchen müssen einen kniffligen Kriminalfall lösen, der sehr spannend ist. Das Setting hat mich hierbei anfangs ein wenig verwirrt. Denn obwohl „Midwatch“ kein Fantasy-Buch ist, gibt es durchaus fantastische Elemente. Zum Beispiel ist ein ganz normales Fortbewegungsmittel in Maggies Welt das Zeppelin. Ansonsten scheint die Geschichte etwa in den 20er Jahren zu spielen und das heißt auch, dass Glanz und Glamour auf eine gewisse Art nicht fehlen dürfen: schicke Hotels oder der Tanz Charleston sind beispielsweise an der Tagesordnung.
Auf der Tagesordnung von Maggie stehen ziemlich interessante Fächer: Morsen, Knoten knüpfen, Fechten, Schweizerdeutsch, Charleston oder Verstecken. Und ganz ehrlich…welches Mädchen hätte als Kind nicht gern solche Fächer in der Schule gehabt?! Tatsächlich kann man nebenbei noch eine ganze Menge aus „Midwatch“ lernen. Alle paar Kapitel taucht nämlich ein kleines Exkurs-Kapitel mit dem Titel „Nützliche Dinge, die jedes Mädchen wissen sollte“ auf. In einem wird zum Beispiel das gesamte Morse-Alphabet erklärt, in einem anderen verschiedene Knotentechniken gezeigt. Als Hörbuch funktioniert das nur semigut, aber im Buch ist es für junge Leser sicher ein Highlight!
Der Schreibstil ist wirklich gut. Er ist flüssig und sehr fantasievoll. Vor allem aber ist das gesamte Szenario unglaublich humorvoll und charmant. Es gibt kein böses Wort zwischen den Mädchen, dafür aber viel zu Lachen. Die Sprecherin Merete Brettschneider macht ihre Sache gut. Sie liest zeitgemäß und sehr passend zur Geschichte. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich als Erwachsene beim Hören manchmal etwas abgedriftet bin. Die Nützliches-Wissen Kapitel werden von Maria Hartmann gelesen. Auch hier gibt es keinerlei Kritik.


Die größte Stärke dieses Buches sind wirklich die Werte, die Judith Rossel transportiert. Sie zeigt, wie wichtig Freundschaft ist, wie man zusammenhält und so aus jeder Klemme kommt. Denn zusammen ist man stark. Das lernen Maggie und ihre Freundinnen während dieses spannenden Kriminalabenteuers ganz nebenbei. Für junge Mädchen, aber sicher auch Jungen ist es ein wirklich tolles Buch, das ich sofort verschenken würde. Ich persönlich musste mit dem Setting erst zurechtkommen, vergebe aber gern 4,5 Sterne, die es verdient haben, aufgerundet zu werden.



23. September 2025

Rezension [Hörbuch]: "The irresistible Urge to fall for your enemy" von Brigitte Knightley


Titel: The irresistible Urge to fall for your enemy
Autorin: Brigitte Knightley
Sprecher: Gabrielle Pietermann, Vincent Fallow
Verlag: Randomhouse Audio
Seiten: 480
Dauer: 12h 23m
Preis: 25,95€

Ich muss zugeben, der lange und etwas sperrige Titel hat mich anfangs abgeschreckt. „The irresistible Urge to fall for your enemy“ hat meine Aufmerksamkeit durch sein Cover geweckt, dazu kam der interessante Klappentext und schon war ich neugierig. Handelt es sich um eine simple Enemies-to-lovers Geschichte, die es wie Sand am Meer gibt? Auf gar keinen Fall! „The Urge“ (wie ich die Geschichte im Folgenden nenne) ist so viel mehr! Es ist eine spannende Geschichte, die in einem außergewöhnlichen Setting spielt und vor allem eines hat: sarkastischen Humor. Durch Letzteres, gepaart mit tollen Hörbuchsprechern, wird diese Geschichte zu einem absoluten Highlight, bei dem ich in jedem Kapitel mehrfach schmunzeln musste!

Wie zur Hölle kann ausgerechnet ein Assassine todkrank sein? Natürlich ist die einzige Person, die Osric noch helfen kann, die schlagfertige Heilerin Aurienne. Das Problem daran: Beide können sich überhaupt nicht ausstehen. Nachdem Aurienne sich weigert, von Osric entführt zu werden, besticht er sie erfolgreich mit Geld für ihre Forschung. Beide sind nur wenig begeistert von ihrer erzwungenen Zusammenarbeit, und während ihrer gemeinsamen Zeit versuchen sie vehement ihre Anziehung zu leugnen – was die Stimmung zwischen ihnen allerdings nur noch mehr zum Knistern bringt …

Man sollte sich keinesfalls täuschen lassen. Das niedliche Cover mit seinen Rosa-Elementen, den Herzchen, dem Schwan oder den gezeichneten Figuren lässt vermuten, dass dieses Buch romantisch und nett werden könnte. Das trifft auf „The Urge“ aber keine Sekunde lang zu. Obwohl die Geschichte durchaus etwas Verspieltes hat. Schon gleich zu Beginn wird deutlich, dass die Autorin Brigitte Knightley nicht auf Brutalität verzichtet und vor allem mit einem Element arbeitet – Sarkasmus. Der Hörer wird nicht geschont. Osric, der männliche Protagonist der Geschichte, ist ein Assassine, der dem Fyren-Orden angehört. Er ist skrupellos, tötet unzählige Menschen und besitzt ganz sicher kein Gewissen. Zum Teil werden seine Tätigkeiten genauestens beschrieben und dabei wird nicht auf Blut, Eingeweide oder Fäkalien verzichtet. Das heile-Welt-Cover passt aber trotzdem irgendwie zur Geschichte. Denn sowohl Osric, als auch die weibliche Protagonistin Aurienne, begegnen ihrer Welt mit unglaublich viel schwarzem Humor. Und betrachtet man den brutalsten Mord mit Osrics Beschreibungen, schafft er es vielleicht sogar, dem Hörer ein kleines Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern. Absurd, ich weiß. Aber wahr. Der Humor beider Figur ist das Highlight dieses Hörbuchs. Er ist die Kirsche oben drauf und zwar auf einer Geschichte, die mit sehr viel Kreativität glänzt. Ich habe so oft geschnaubt, den Kopf geschüttelt und gelächelt, während ich der Geschichte gelauscht habe. Es ist einfach witzig und dadurch wollte ich immer weiter hören. Die eigentliche Handlung und auch die Slow-Burn-Liebesgeschichte stehen wahrlich nicht im Vordergrund. Denn der Star von „The Urge“ ist der Sarkasmus. Punkt.
Nichtsdestotrotz wäre die Geschichte nur mit Sarkasmus keinesfalls so gut, wie sie ist, wäre da nicht auch das großartige Setting. Brigitte Knightley hat eine Welt entworfen, in die man ganz selbstverständlich hineingeworfen wird. Eigentlich gibt es keine Erklärung zur Welt selbst. Die Autorin geht davon aus, dass sich der Handlungsort selbst erklärt. Und das tut er auch. „The Urge“ spielt in einem – ich sage mal – alternativen England. In welcher Zeit genau? Keine Ahnung. In diesem England gibt es Könige und Lords und vor allem Orden. Die Orden haben sich bestimmten Tätigkeiten verschrieben. Der Fyren-Orden zum Beispiel sind die Auftragsmörder des Landes. Die Haelan hingegen sind die Heiler, Forscher und auch ein Stück weit Wissenschaftler. Das klingt jetzt alles banal, aber hinzu kommt noch eine Art Magie. Und genau das ist das Problem von Osric. Sein Saes fließt nicht mehr richtig. Ohne Saes kein Orden. Aber wenn er nicht mehr töten kann, wird er selbst getötet. Es braucht also dringend Heilung. Leider kann ihm niemand helfen, außer eine bestimmte Haelen. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Die Welt, die die Autorin erschaffen hat, ist wirklich cool, allerdings auch komplex. Mir hat die Selbstverständlichkeit gefallen, mit der alle Details eingearbeitet werden, wie zum Beispiel die Benutzung von Wegsteinen oder Ähnlichem.
Der Plot selbst ist gut durchdacht und folgt einem roten Faden. Es geht um Osrics Heilung, allerdings gibt es mehrere Nebenhandlungen. Am Ende wird die Geschichte deutlich größer und die Nebenhandlungen werden Teil der Geschichte selbst. Das hat die Autorin sehr gut umgesetzt. So bleibt es immer spannend und es entstehen Wendungen.
Die beiden Protagonisten haben neben ihrem Humor weitere interessante Eigenschaften. Vor allem sind sie sehr stark und beide behalten auch am Ende ihre Geheimnisse. Für den Hörer sind sie keine offenen Bücher, sodass man nicht sofort weiß, was als nächstes geschehen wird. Die Entwicklung der Liebesgeschichte ist nicht so klassisch, wie in anderen Büchern. Denn die anfänglichen „Enemies“ sind richtige Feinde. Bis aufs Blut! Es geht nicht darum, dass Osric und Aurienne sich nicht leiden können. Anfangs würden sie es wirklich befürworten, wenn der andere jeweils tot ist! Deswegen handelt es sich bei „The Urge“ auch keinesfalls um eine Kindergeschichte – haltet die Jugend also fern von diesem Buch. Bis auf zwei klitzekleine Szenen, gibt es allerdings keine Erotik im Roman, was ich wirklich, wirklich gut fand. Trotzdem ist Sex kein Tabuthema – im Gegenteil. Die Mischung macht es irgendwie und die hat die Autorin sehr gut getroffen.
Auch die beiden Sprecher Gebrielle Pietermann und Vincent Fallow sind herausragend. Mir hat vor allem Fallows Interpretation von Osric gefallen. Er bringt eine so sarkastische Note in die Figur, dass mir der Antagonist absolut ans Herz gewachsen ist. Dabei ist er ein Meuchelmöder… Auch Pietermann liest sehr überzeugend. Beide verleihen den Charakteren Spritzigkeit, die für viele lustige Momente sorgt.

Es gibt nur eines, was ich an „The irresistible Urge to fall for your enemy“ kritisieren muss. Nämlich, dass es sich um eine Dilogie handelt und ich keine Ahnung habe, wann der zweite Teil erscheinen wird. Das Buch ist lustig, unterhaltsam und spannend. Obwohl die Welt so komplex ist, ist sie authentisch und kreativ und am liebsten hätte ich noch viel länger dort verweilt. Ich muss unbedingt wissen, wie es mit Osric und Aurienne weitergeht und auch, ob sie ihn heilen kann. Denn ich traue der Autorin auch die Brutalität zu, dass es gar kein Happy End gibt. Das werden wir irgendwann erfahren. Aber bis dahin vergebe ich zunächst fünf Sterne für diesen absoluten Hörgenuss!



14. Juli 2025

Rezension [Hörbuch]: "Temple of Swoon" von Jo Segura


Titel: Temple of Swoon
Autorin: Jo Segura
Sprecher: Marie Seith und Tore Herzig
Verlag: Radom House Audio
Preis: 21,95€
Seiten: 416
Dauer: 10h 49m
 

Ich bin ein großer Fan von Archäologie! Nicht umsonst habe ich Geschichte studiert. Helden wie Indiana Jones oder Lara Croft befeuern zusätzlich die Fantasie und erwecken die Sehnsucht nach uralten Artefakten. Was gibt es also Besseres, als ein Abenteuer auf einer geheimnisvollen Expedition, um dem Alltag zu entfliehen? Ganz genau. Und deswegen hat das Hörbuch „Temple of Swoon“ trotz sehr verspieltem Cover sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Die Geschichte der unerfahrenen Archäologin Miri Jacobs versprach spannend und romantisch zugleich zu werden. Eine verborgene Stadt, Bösewichte und die große Liebe werden vom Klappentext angerissen. Aber klappt diese Kombination? Allerdings, denn das Hörbuch hält was es verspricht: ein romantisches Abenteuer, das man allerdings nicht immer hinterfragen sollte.

Dr. Miriam »Miri« Jacobs soll die Expeditionsleitung zur sagenumwobenen Verlorenen Stadt des Mondes übernehmen, weil ihre Mentorin Dr. Corrie Mejía ausfällt – ihre große Chance, sich zu beweisen! Journalist Rafael »Rafa« Monfils begleitet das Team, um die Expedition zu dokumentieren. In Wahrheit will er die Gruppe von der Stadt fernhalten und das Erbe seiner Mutter schützen. Sein Plan: Sie auf den falschen Weg führen. Doch jede falsche Fährte befeuert nur Miris Entschlossenheit. Und ehe er sich versieht, verdreht die eigenwillige Archäologin ihm den Kopf. Noch während sie sich durch den gefährlichen Amazonas schlagen, merken die beiden, dass es noch jemanden gibt, der nach der Stadt des Mondes sucht. Plötzlich sind ihre aufkeimenden Gefühle nicht mehr ihre einzigen Sorgen...

Ich kann mich nur wiederholen: Ich liebe, liebe, liebe Geschichten im Stil von Indiana Jones. Ausgrabungen haben mich schon immer fasziniert und tun dies bis heute. Aber wenn auch noch ein Action-Faktor hinzukommt, bin ich verloren. Deswegen passte das Hörbuch auch so wunderbar in mein Beuteschema. Eines kann ich sofort versprechen: Wer ein solches Abenteuer erwartet, wird nicht enttäuscht! Denn die Autorin Jo Segura hat durchaus Ahnung von dem, was sie beschreibt. Sie schafft es, den Hörer in ein wirklich tolles Setting zu entführen und den Expeditionscharme zu versprühen. Die Archäologie rückt nicht zu sehr in den Hintergrund, sodass das Gesamtkonstrukt authentisch bleibt. Nichtsdestotrotz sollte man es mit der Logik in diesem Buch auf gar keinen Fall zu genau nehmen. Woher zum Beispiel gibt es die Liste an Hinweisen, um den Weg zur Stadt des Mondes zu finden? Wieso taucht in den entscheidenden Momenten immer die richtige Person auf usw. ... Wer aber bereit ist, über solcherlei Dinge hinweg zu sehen, kann mit dem Buch viel Spaß haben.
Im Fokus steht natürlich das Abenteuer. Vielmehr geht es aber natürlich auch um die Entwicklung der Protagonisten – und wie sollte es anders sein: die Liebe. Die Hauptfigur ist Dr. Miriam Jacobs, die bisher eher als Assistentin fungiert und in ihrer Karriere noch nicht allzu viel vorzuweisen hat. Aber sie hat Leidenschaft, Entschlossenheit und vor allem Mut. Ich mochte Miri wirklich sehr. Des Weiteren finde ich, dass sie eine schöne Entwicklung durchmacht. Es ist logisch, dass sie sich oft unterschätzt. Dass letztendlich dann alles so wunderbar aufgeht, würde ich wieder unter den Punkt „Logik und darüber hinweg sehen“ packen. Der zweite Protagonist ist Rafa, ein extrem attraktiver Journalist, der Miri eigentlich sabotieren will. Dass zwischen den beiden etwas entsteht, ist kein Geheimnis. Die zwei sind eigentlich ziemlich niedlich miteinander und die Liebe zu ihrer Arbeit verbindet sie. Mich hat hier lediglich gestört, dass beide von Anfang an eine Schwäche füreinander hatten. Aber das ist in dem Genre ja generell so. Die prickelnden Szenen hätten für mich persönlich nicht sein müssen, halten sich aber sogar in Grenzen, sodass es nicht Überhandnimmt. Etwas plump oder eben vorhersehbar ist die Liebesgeschichte aber eben doch.
Die Handlung hingegen hat durchaus einen Plottwist auf Lager, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Die Geschichte ist zu keiner Zeit langweilig, sondern sogar sehr unterhaltsam. Insgesamt ist es eine tolle Mischung. Die Charaktere reifen, die Expedition nimmt Fahrt auf, die Gefühle steigern sich und das Abenteuer und die Konkurrenz tauchen plötzlich auf. Der rote Faden ist super umgesetzt und die Geschichte ist schlüssig. Hinzu kommen das tolle Setting des Amazonas und die schönen Beschreibungen der Vegetation. Etwas gewundert habe ich mich manchmal über manche Ortswechsel. Als die Bösewichte beispielsweise auftauchen, lassen sie die Expeditionsmitglieder einfach wieder gehen. Hä? Aber okay. Und woher kommt eigentlich die Unterkunft, wo Miri und Co. Quartier beziehen…mitten im Dschungel...naja. Ich sag ja: Man muss nicht alles hinterfragen.
Die Kapitel sind im Wechsel der Perspektiven von Miri und Rafa geschrieben. Beide Figuren haben auch ihren eigenen Sprecher. Das empfand ich beim Hören als angenehm. Beide Stimmen passen gut zu den Charakteren. Für mich war Marie Sophie Seith noch etwas authentischer als Tore Herzig. Aber das mag an der Identifikation liegen. Insgesamt lesen beide sehr gut, flüssig und vor allem humorvoll. Denn Humor ist eine Sache, mit dem dieses Hörbuch glänzt. Ich würde es deswegen durchaus auch als Rom-Com durchgehen lassen.


Insgesamt hat „Temple of Swoon“ mich wirklich überzeugt und vor allem unterhalten. Das Thema der Expedition war für mich von Anfang an der entscheidende Faktor und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Figuren sind sehr gelungen, die Sprecher machen ihren Job gut und der Themenmix überzeugt. Es gibt Action, Abenteuer, Liebe und Humor. Nur durch manche Logiklücken oder Dinge, die man vielleicht nicht ganz hinterfragen sollte, ziehe ich einen Stern ab und vergebe wunderbare vier Sterne für die Geschichte.




21. Mai 2024

Rezension [Hörbuch]: "Better than the movies" von Lynn Painter

 


Titel: Better than the movies
Autorin: Lynn Painter
Sprecherin: Nina Reithmeier
Verlag: der Hörverlag
Preis: 22,95€
Seiten: 384
Dauer: 11h 1m

Vor einiger Zeit habe ich die Bücher von Lynn Painter für mich entdeckt. Sie zählt zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen und keines ihrer New Adult Bücher hat mich je enttäuscht. Nun hat sie einen Ausflug in das Genre Young Adult gemacht. Also weniger Knistern und damit weniger spannend? Weit gefehlt! Denn der Roman „Better than the movies“ ist ein fantastisches Jugendbuch, das ich jede Sekunde lang geliebt habe! Eine quirlige Protagonistin, ein Bad Boy und ganz viele Filmbezüge machen aus diesem Roman eine Geschichte, die zum Träumen einlädt!

Liz träumt vom perfekten Prom-Date. Doch dafür müsste sie erst einmal ein Liebesleben haben. Als ihr Kindheits-Crush Michael zurück in die Stadt zieht, sieht sie ihr Glück in greifbarer Nähe. Zu dumm, dass Michael in ihr immer noch die niedliche kleine Liz von früher sieht. Damit sich das ändert, braucht sie die Hilfe von Wes: Der beliebte Bad Boy, der nebenan wohnt, raubt ihr zwar seit sie denken kann den letzten Nerv, ist aber mit Michael befreundet und damit ihr Türöffner. Wes tut alles, damit Liz und Michael zusammenfinden. Allerdings bringen seine Bemühungen auch ihn und Liz einander näher. Und Liz muss sich fragen, wem ihr Herz wirklich gehört …

Ich gebe es zu: Der Klappentext klingt nach einer sehr vorhersehbaren Geschichte. Mich stört so etwas aber ja weniger, denn ich liebe auch „Gute-Laune-Bücher“. Und dass „Better than the movies“ ein solches sein würde, war mir schon klar, als ich den Namen der Autorin las. Aber auch das Cover ist meiner Meinung nach ein absoluter Traum und schreit schon nach Rom-Com! Dieses Buch hat einfach alles, was ich mir erhofft und erwartet habe, erfüllt.
Liz ist eine verträumte und verspielte Person, die nichts mehr liebt, als alte Liebeskomödien. Ihre verstorbene Mutter war Drehbuchautorin, weshalb sie eine solche Passion für die alten DVDs hat. Sie wünscht sich ein Leben, wie in einer Liebeskomödie. Und als ihr alter Schwarm in der Stadt auftaucht, möchte sie nichts mehr, als das perfekte Prom-Date mit Michael. Diese Storyline schreit so sehr nach Klischee, dass es schon wieder amüsant ist. Liz ist das nette Mädchen von nebenan, das irgendwie schräg ist. Sie trägt Vintage-Kleider, erstellt heimlich Playlists zu potenziellen Paaren und spielt Klavier. Neue Modetrends oder Highschool-Streiche interessieren sie nicht. Und irgendwie hat sie mir das alles sofort sympathisch gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass Liz überhaupt kein Problem damit hat, nicht zu den coolen und beliebten Leuten an ihrer Schule zu gehören. Sie weiß auf eine verrückte Art, wer sie ist – und gleichzeitig auch nicht. Denn um zu erfahren, wieso sie das ein oder andere so macht, braucht es den männlichen Protagonisten der Geschichte. Wes schafft es, Liz in mancherlei Hinsicht die Augen zu öffnen, was mir sehr gut gefiel.
Wes wird als Bad Boy deklariert. Er ist frech, beliebt und lustig. Für mich war er von Anfang an kein richtiger Bad Boy, aber so passt es eben besser in Liz‘ Wahrnehmung. Die Protagonisten haben von Beginn an eine tolle Chemie und vor allem sind alle ihre Begegnungen einfach amüsant und irgendwie liebevoll. Das Buch ist insgesamt sehr humorvoll! Liz und Wes kabbeln sich, schaukeln sich hoch und sind gleichzeitig sehr ehrlich zueinander. Langsam aber sicher verändert sich ihre Beziehung und dass eigentlich Michael immer Liz‘ Ziel war, gerät in den Hintergrund.
Aber es wäre keine richtige Rom-Com, wenn den Liebenden nicht immer wieder etwas im Wege stehen würde. Die Geschichte hat also tatsächlich ein paar Wendungen parat, die ich gern anders gehabt hätte. Aber am Ende muss ich sagen, dass mir jede Szene einfach nur gefallen hat. Auch die Nebencharaktere machen die Handlung so flüssig. Der ziemlich oberflächliche Schwarm Michael sorgt für einige nachdenkliche Momente und Liz‘ beste Freundin Joss zeigt, wie schwierig Freundschaften sein können, ohne dass man weiß wieso. Hinzu kommen noch die Figuren Helena und der Vater von Liz. Helena ist ihre Stiefmutter, die sich sehr bemüht, zu der Liz aber eigentlich keine Mutter-Tochter-Beziehung will. Sie wird als „blonde Lorelai Gilmore“ beschrieben, womit ich als großer Gilmore Girls Fan natürlich sofort etwas anfangen konnte. Durch sie als Figur wird aus „Better than the movies“ nicht nur eine süße Liebesgeschichte, sondern es kommen Themen wie Verlust, Erwachsenwerden und Trauer hinzu. Es gibt also durchaus auch eine ernste Seite in dieser witzigen Geschichte.
Was auch noch unbedingt erwähnt werden muss, sind die vielen Filmbezüge. Allein der Titel bietet es natürlich an, aber trotzdem kann niemand erwarten, dass die Autorin die Filme so unauffällig passend einarbeitet. Filme sind in der Handlung irgendwie immer präsent. Es passt einfach toll. Zu Beginn jedes Kapitels steht auch ein Filmzitat, das irgendwie den Kapitelinhalt widerspiegelt. Ich fand das einfach nur fantastisch.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört. Der Stil von Lynn Painter ist klasse. Die Geschichte wird sehr mündlich aus der Sicht von Liz erzählt. Sie ist selbstironisch und so ist auch der Schreibstil. Gelesen wird das Buch von Nina Reithmeier. Ihre Stimme passt super in das Highschool-Liebessetting und vervollständigte mein Bild der etwas schrägen Liz. Reithmeier liest sehr gut und trägt das Hörbuch gewissermaßen.

Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber „Better than the movies“ ist großartig! Lynn Painter hat hier eine so tolle Liebesgeschichte rausgehauen, dass ich das letzte Kapitel sogar gleich zwei Mal gehört habe. Ich liebe die Geschichte von Liz und Wes mit all ihren schönen, kleinen Details und dem vielen Humor. Ich habe gelesen, dass es noch einen zweiten Teil gibt, auf den ich mich jetzt schon sehr freue! Natürlich vergebe ich volle fünf Sterne und merke mir das Buch schon einmal als Geheimtipp für mein Jahreshighlight.



22. Februar 2024

Rezension [Hörbuch]: "Love Game" von Lynn Painter

 


Titel: Love Game
Autorin: Lynn Painter
Verlag: der Hörverlag
Preis: 17,95€
Seiten: 336
Dauer: 8h 2min

Lynn Painter sorgte im letzten Jahr überraschend für eines meiner Jahreshighlights und zwar mit „Mr. Wrong Number“. Dieses Buch war so unerwartet witzig, voller Romantik und Prickeln und einfach nur toll. Deswegen horchte ich sofort auf, als ich sah, dass ein neuer Roman von ihr im Genre Romance erscheint. „Love Game“ musste unbedingt angeschafft werden. Wie auch bei „Mr. Wrong Number“ griff ich zur Hörbuchversion, die durch die beiden verschiedenen Sprecher besonders liebevoll gemacht ist. Aber meine Erwartungen waren hoch, denn ich freute mich unglaublich darauf, von Hallie und Jack unterhalten zu werden. Hohe Erwartungen sind immer schlecht. Aber in diesem Fall wurden sie vollauf erfüllt, „Love Game“ ist ein grandioses Buch!


Als Hallie Piper aus dem Hotelzimmer eines One-Night-Stands schleicht, wird ihr klar: Es ist Zeit, erwachsen zu werden. Und weil dazu eine Beziehung gehört, meldet sie sich bei einer Dating-App an. Diese schlägt Hallie ausgerechnet Jack Marshall vor, den Mann, mit dem sie besagte Nacht verbracht hat. Jack ist nicht nur extrem sexy, sondern bringt sie auch zum Lachen. Aber er kann nicht der Richtige sein, schließlich hatte er sich gerade erst von seiner fast Verlobten getrennt, als es zu der heißen Nacht mit Hallie kam. Also gibt sie ihm via App eine Abfuhr. Aber die beiden schließen trotzdem Freundschaft, und es kommt zu einer Wette: Wer zuerst die Liebe findet, gewinnt. Blöd nur, dass sie ihre Zeit lieber miteinander verbringen als mit der Suche nach Traumpartnern ...

Das Buch hält alles, was der Klappentext verspricht. Denn ich finde, dieser macht wirklich neugierig und Lust auf mehr. Hallie ist eine interessante Protagonistin. Sie ist eigentlich ziemlich tough, hat aber mit allen Selbstzweifeln zu kämpfen, die jeder von uns kennt. Bin ich gut genug? Warum klappt es mit der Liebe nicht? Sollte ich lieber noch mehr arbeiten? All diese Fragen bringen Hallie völlig aus dem Konzept, obwohl sie eigentlich ein so lustiger und optimistischer Mensch ist. Und so kommt es auch, dass sie am Ende einer Hochzeit, auf der sie ausgeholfen hat, mit dem Bruder der Braut im Bett landet. Dass sie Jack noch einmal wiedersehen würde, war so nicht zu erwarten. Doch durch die Zufallsbegegnung auf der App bleiben die beiden eben doch in Kontakt und es entwickelt sich eine tolle Freundschaft. Beide daten, was das Zeug hält, denn schließlich will jeder die Wette für sich gewinnen.
Dass sie sich ineinander verlieben ist natürlich vorprogrammiert, aber die Autorin gestaltet den Weg dahin wirklich toll. Jack steht Hallie als starker männlicher Protagonist in nichts nach. Er ist erfolgreich, sexy und selbstbewusst. Seine einzige Schwäche ist wohl, dass er die Liebe zu sehr erzwingen will. Zusammen haben die beiden Charaktere unglaublich viel Spaß und das färbt auch auf den Hörer ab. Denn ich habe wirklich oft mitgeschmunzelt und bei vielen Dialogen die Mundwinkel verzogen. Hallie und Jack passen toll zueinander und die Chemie stimmt einfach. Zum Ende des Buches hin kommen auch einige prickelnde Szenen. Diese sind nicht ganz so explizit, wie sie vielleicht sein könnten, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch. Genauso passt es gut zur Geschichte.
Nebencharaktere müssen eigentlich nicht erwähnt werden. Auch wenn Hallies Mitbewohnerin spannend und ihr bester Freund irgendwie süß ist, sind doch weder Ruthie noch Chuck so richtig wichtige Charaktere. Beide haben allerdings tolle Macken, die einem im Gedächtnis bleiben. Das ist dann auch die einzige Kritik, die man „Love Game“ vielleicht vorwerfen kann. Ich persönlich störe mich nicht daran, weil ich beim Lesen und Hören einfach nur unterhalten werden will, wer aber kritischer ist, merkt schnell, dass Hallie und Jack relativ stereotypisch sind. Sie haben zwar beide Charakterschwächen, aber oberflächlich betrachtet, haben beide gute Jobs und sehen umwerfend aus. Aber gut.
Der Schreibstil von Lynn Painter ist wunderbar. Sie macht den Perspektivwechsel zwischen Jack und Hallie immer gut deutlich und das Erzählen bleibt trotzdem flüssig. Ein großer Pluspunkt des Hörbuchs ist natürlich, dass es zwei Sprecher hat. Hallies Parts werden von Chantal Busse gesprochen und Jacks Anteile von Jesse Grimm übernommen. Beide haben angenehme Stimmen, die gut zur jeweiligen Figur passen. Beide lesen auch sehr gut und die Redeanteile sind auch nicht unverhältnismäßig. Hier gibt es einfach eine tolle Mischung und auch die beiden Sprecher haben irgendwie einen Draht zueinander, sodass man ihnen die Geschichte abnimmt.

Ich habe ehrlich gesagt alles an „Love Game“ genossen und war traurig, als das Hörbuch schon vorbei war. Die Handlung ist stringent und total unterhaltsam. Der Witz kommt nie zu kurz und die Chemie zwischen den Protagonisten stimmt von Anfang an. „Love Game“ macht einfach Spaß und deswegen bewerte ich es auch mit fünf Sternen. Das Hörbuch kann ich wirklich nur empfehlen, denn Busse und Grimm entführen euch gekonnt in Hallies und Jacks Welt. Und die ist wirklich unterhaltsam.