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27. Juli 2026

Rezension: "Quartett" von Natasha Korsakova


Titel: Quartett
Autorin: Natasha Korsakova
Verlag: Septime Verlag
Preis: 25,00€
Seiten: 288
 

Es ist kein Geheimnis, dass ich selten Ausflüge in das Krimi-Genre mache. Doch inzwischen ist es ebenfalls keines, dass ich für ein Buch von Natasha Korsakova sofort einen solchen unternehme. Denn die Autorin ist nicht nur eine hervorragende Krimiautorin, sondern vor allem eine begnadete Musikerin. Wenn Korsakova statt zur Violine zur Feder greift, weiß man, dass es einen Mord in der römischen Musikbranche gegeben hat. Und wie keine zweite kann sie das Setting der Klassik einfangen, sodass man in der Szenerie versinkt, gemeinsam mit Commissario Di Bernados Team ermittelt und sich den Intrigen der Musikindustrie hingibt. „Quartett“ ist der vierte Fall von Dionisio Di Bernardo, in dem er mit der klassischen Musik konfrontiert wird. Und zum vierten Mal schafft die Autorin es, ihre Leserschaft in ihren Bann zu ziehen!


Rom, Spätherbst 2025: Nach einem gefeierten Konzert endet der Abend für den ersten Geiger des berühmten »Arcimboldo«-Quartetts tödlich: Lorenzo Verro wird in einem düsteren Durchgang nahe dem Teatro Argentina in Rom erstochen aufgefunden. Für Commissario Di Bernardo beginnt ein verzwickter Fall, der ihn erneut in die widersprüchliche Musikerwelt führt – und in die Schatten dahinter. Zwischen den verletzten Egos, Rivalitäten und verschwiegenen Affären stößt er auf ein Geflecht aus Lügen, das bis in die feinsten Strukturen des Quartetts reicht. Was für ein Mensch steckte hinter der Fassade des Primarius? Warum musste er sterben? Und welche Rolle spielt der schillernde Klarinettist, was hat er zu verbergen? Als Di Bernardo glaubt, endlich ein Muster zu erkennen, ist der Täter ihm einen Schritt voraus: Ein zweiter Mord bricht das fragile Gerüst aus Schweigen. Vor der Kulisse des nächtlichen Roms entdeckt Di Bernardos Team Abgründe, die weit über die Bühne hinausreichen. Und je weiter sie den Geheimnissen auf die Spur kommen, desto erschütternder wird die Wahrheit.

Zuerst muss ich sagen, dass der Titel „Quartett“ absolut perfekt ist. Natasha Korsakova überlässt selten etwas dem Zufall und das wird auch bei der Titelwahl deutlich. Im Fokus der Geschichte steht das „Arcimboldo“-Quartett, in dessen Reihen es einen Mord gegeben hat. Außerdem ist es der vierte Fall von Di Bernardo und somit auch Korsakovas viertes Buch, sodass der Titel mit der Geschichte absolut harmoniert. Das Cover trifft meinen persönlichen Geschmack zwar nicht unbedingt, passt aber trotzdem.
Was geschah nun aber nach dem Konzert des Quartetts? Der erste Geiger Lorenzo Verro verlässt nur kurz das Restaurant, in dem die Musiker feiern und wird ermordet. Natürlich ermittelt Di Bernardo in diesem Fall, schließlich hat er – leider – schon einige Erfahrung, was Morde in der Musikbranche betrifft. Es entsteht ein spannender Kriminalfall, in dem der Kreis der Verdächtigen sehr klein ist. Denn bald ist klar: Es muss einer der anderen Musiker gewesen sein.
Oder?
Und vor allem, warum?
Der Leser wird auf eine spannende Reise mitgenommen und das Setting ist absolut authentisch. Das ist einer der größten Pluspunkte des Buches. Man merkt sofort, dass die Autorin ein Profi auf dem Gebiet der Klassik ist. Sie beschreibt so bildlich, dass die Authentizität des Musiksettings hervorsticht. Man wird quasi von der Musik tief eingesogen und erwacht erst wieder, wenn man das Buch zuklappt. Dabei ist vor allem die Detailverliebtheit klasse. Im Buch gibt es acht QR-Codes, die alle zu Stücken führen, die entweder im Buch direkt eine Rolle spielen oder anders relevant sind. Auch hier gibt es keine Zufälle. Die Videos wurden eigens für das Buch hochgeladen. Einige Stücke spielt Korsakova sogar selbst, was den Zugang zur Geschichte noch einmal vertieft. Ich habe es geliebt, die Stücke im Anschluss an die Kapitel zu hören. Zu lesen und zu hören hat bei mir übrigens nicht geklappt. Zu dicht sind die Beschreibungen der Musik im Buch, die ich einfach nachempfinden wollte. Lässt man sich als Leser auf diese Art der Unterhaltung ein, ist „Quartett“ ein echtes Geschenk, das sich von normalen Krimis einfach abhebt.
Insgesamt ist das Buch aber auch nicht gewöhnlich. Die Autorin legt viel Wert darauf, das italienische Flair einzufangen. Sei es, indem die römischen Straßen oder aber die Süßigkeiten die del Pino immer isst, detailgetreu beschrieben werden. Man kann sich die Szenerie sehr gut vorstellen.
Hinzu kommt, dass Korsakova die gleiche Detailliebe, die sie in ihre Handlungsorte steckt, auch in ihren Figuren zu finden ist. Kennt man einen der Vorgänger von „Quartett“, trifft man lieb gewonnene Figuren auch hier wieder. Alles richtet sich natürlich nach Di Bernardo aus. Aber auch Del Pino oder Fedi spielen weiterhin eine große Rolle. Im Kommissariat passiert eine ganze Menge, doch ob das Team mit diesen Veränderungen klar kommt, ist unklar. Eine Veränderung heißt der Commissario aber willkommen: seine neue Ermittlerin Guilia. So bleibt zwar der liebgewonnen Kern des Teams bestehen, doch damit es nicht langweilig wird, wird er um Guilias (spannende) Geschichte erweitert. Mir kam es manchmal so vor, als wenn der eigentliche Kriminalfall um Lorenzo Verro vor lauter liebevoller Charakterarbeit und Hinwendung zur Musik in den Hintergrund gerät.
Am Fall selbst gefiel es mir tatsächlich nicht so gut, dass der Kreis der Verdächtigen so unglaublich klein war. Ich wollte aber natürlich auch auf gewisse Weise nicht wahrhaben, dass einer der anderen Musiker der Täter ist. Auch die Flashbacks, die bereits im Prolog auftauchen, von denen man aber nie genau weiß, aus wessen Sicht sie sind, geben dem Leser (zu) viele Hinweise auf das Motiv. Das fand ich etwas schade. Mein einziger weiterer Kritikpunkt, der vielleicht mit meinem eigenen Gedächtnis zu tun hat, ist die Benennung zweier Figuren. Ich habe einfach immer „Emanuele“ und „Enrico“ verwechselt. Das kann man eigentlich nicht als Kritik durchgehen lassen, war für mich aber trotzdem ein klitzekleines Bisschen anstrengend. Nichtsdestotrotz ist der Fall spannend und vor allem extrem kurzweilig. Ich konnte kaum glauben, wie schnell man im Buch vorankommt. Besonders am Ende wird es rasant. Ich war traurig, als das Buch zu Ende war, denn mich beschlich das Gefühl, dass so viele Dinge noch ungeklärt sind. Aber vielleicht wird es ja eine Auflösung geben. Vielleicht ein Mord in einem „Quintett“?!

„Quartett“ ist ein kurzweiliger und sehr besonderer Krimi. Selten habe ich eine solche Authentizität in den Beschreibungen des Settings und der Handlung selbst erlebt. Die Musik ist die eigentliche Protagonistin in der Geschichte und das gefiel mir ganz besonders gut. Für die tolle Atmosphäre, die gute Unterhaltung und die detailreichen Figuren muss man die Höchstwertung geben. Ein ganz kleiner Abzug kommt von mir lediglich hinzu, da ich die Auflösung durch den kleinen Kreis der Verdächtigen etwas vorhersehbar fand. Somit vergebe ich 4,5 Sterne für „Quartett“ und hoffe, dass es nicht Di Bernardos letzter Ausflug in die Musikbranche war.



24. Juni 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Heartbreakers" von Ali Novak

 



Titel: Ich und die Heartbreakers
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Ann-Kathrin Hinz
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 9h 57m
Seiten: 416
Preis: 21,95€

Im Dschungel der New Adult-Bücher verirre ich mich inzwischen oft. Dann bin ich froh, wenn mich das Chaos Richtung Young Adult leitet und ich bei soliden Autorinnen wie Ali Novak ankomme. Denn für mich muss es nicht immer explizit werden und am College spielen. Ein relativ unschuldiges Setting tut es eben auch. Nachdem ich – ich muss es einfach ehrlich zugeben – „Ich und die Walter Boys“ geliebt habe, war ich sehr gespannt auf Novaks nächste Reihe. Auch wenn ich den Titel wenig inspirierend finde, hat mir „Ich und die Heartbreakers“ wirklich wahnsinnig gut gefallen. Spritzige Charaktere, eine Storyline zum Hineinträumen und natürlich die große Liebe. Perfekt für den Sommer!

Stella tut alles für ihre kranke Schwester. Sogar bis nach Chicago fahren und sich stundenlang die Füße platt stehen, um ein Autogramm von Caras Lieblings-Boygroup zu ergattern, den »Heartbreakers«. Aber da muss Stella durch – ihr Geburtstagsgeschenk für Cara soll so richtig krachen. Kurioserweise läuft es dann komplett anders als gedacht: Stella kommt nicht nur mit einem Autogramm zurück, sondern verliebt bis über beide Ohren. In wen? Ausgerechnet in Oliver Perry, den Leadsänger der »Heartbreakers«!

Natürlich ist die Grundstory alt: Mädchen von nebenan trifft Rockstar und verdreht ihm den Kopf. Alles in allem beschreibt das „Ich und die Heartbreakers“ schon ziemlich gut und trotzdem ist die Geschichte mehr. Das hat vor allem mit der Protagonistin zu tun. Stella ist ein Drilling. Allein das fand ich ziemlich cool. Natürlich ist das speziell, aber die Geschwisterverbundenheit, die dadurch einen großen Teil im Buch einnimmt, ist einfach toll. Stella hat einen Bruder, Drew, und eine Schwester namens Cara. Alle drei sind kurz vor ihrem 18. Geburtstag, was das Buch schon einmal in den Young Adult-Bereich platziert – Pluspunkt bei mir. Drew ist ein sportlicher, frecher Kerl, der mein Herz sofort erobert hat. Wer Stella aber vielmehr prägt, ist Cara. Und hier kommen wir zur tragenden Grundstory von „Ich und die Heartbreakers“. Cara hat eine Form von Krebs. Sie kämpft, aber selbstverständlich ist das für die Familie sehr belastend. Ich persönlich kann mir die Situation nicht vorstellen. Es muss grauenhaft sein, wenn ein Familienmitglied an Krebs erkrankt. Die Welt kann einfach so unfair sein. Das empfindet auch Stella so. Denn seit Cara krank ist, hat sich ihr Leben um 180 Grad gedreht. Für sie zählt nichts als Cara. Und nun ist wohl auch jedem klar, warum dieses Buch eben nicht nur eine heitere Geschichte ist. Natürlich verpackt Ali Novak die Krankheit in eine Art „Wohlfühlrahmen“ und trotzdem ist das Thema ernst. Das Buch nimmt es auch ernst, was mir sehr imponiert hat. Alle Charaktere im Buch kämpfen gegen den Krebs und irgendwie bleibt das immer im Hinterkopf. Natürlich ist es aber auch Anlass für die schöne Geschichte, die Stella erleben darf.
Cara schwärmt für die „Heartbreakers“, eine Band, die Stella absolut verachtet. Für Cara wollen sie und Drew aber versuchen, ein Autogramm von den vier Jungen zu bekommen. Durch Zufall trifft Stella den Frontsänger in einem Café. Nun beginnen die Klischees, denn natürlich weiß Stella nicht, wer er ist. Stichwort Meet Cute. Das ein oder andere unlogische Szenario reiht sich an das nächste und schon ist man mittendrin in einer wunderschönen „Girl next door“-Geschichte mit Rockstar-Flair.
Mich hat die Geschichte insgesamt an die Teenagerfilme meiner Jugend erinnert. Nicht viel Nachdenken, süße Liebesgeschichten und Wohlfühlvibes. Genau, wonach mir gerade war. Wirklich toll an „Ich und die Heartbreakers“ sind die Charaktere. Stella ist super authentisch. Sie musste durch die Krankheit ihrer Schwester schneller erwachsen werden und macht sich Gedanken über Dinge, die das Leben einer 17-Jährigen eigentlich nicht betreffen sollten. Ihre größte Leidenschaft ist das Fotografieren. Obwohl ich wirklich keine Ahnung von diesem Sujet habe, fand ich es gut umgesetzt. Ihr Hobby zieht sich durch die ganze Geschichte und spielt eine große Rolle. Auch ansonsten ist Stella sehr liebeswürdig. Trotzdem schätzt sie sich nicht falsch ein oder macht auf schüchternes Mädchen. Ich fand sie sehr selbstbewusst und bodenständig. Für mich machte es absolut Sinn, dass sie ein Drilling ist, denn sie hat eine Stärke, die man glaube ich besonders durch so enge Bindungen – wie eben zu ihren Geschwistern – haben kann. Wenn wir schon bei den Geschwistern sind, auch Drew und Cara fand ich toll. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein junges Mädchen, das an dieser Krankheit leidet, genauso ist wie Cara. Manchmal mutig, manchmal mutlos und trotzdem entschlossen. Dann wären da noch die vier Heartbreakers. Tatsächlich nehmen alle vier Jungen viel Raum in der Geschichte ein. Am wenigsten kann ich über Sander sagen. Aber JJ ist der lustige, Alec der Ruhige und Nachdenkliche und Oliver…tja, Oliver. Oliver ist der Leadsänger und natürlich Traum aller Mädchen. Die Liebesgeschichte zwischen Oliver und Stella ist wirklich süß und unschuldig. Es ist kein ewiges Hin und Her, hat aber genug Aufs und Abs, um spannend zu sein. Mir hat alles daran sehr gut gefallen. Zwischen den Jungen und Stella entwickelt sich eine ernstzunehmende Freundschaft, die wunderbar zur Geschichte passt. Auch das Thema Musik spielt natürlich eine große Rolle.
Das einzige, was meine Wertung ein kleines bisschen runterzieht, ist der Faktor Logik. Denn natürlich ist unglaublich vieles an „Ich und die Heartbreakers“ eher unlogisch oder sagen wir zumindest unwahrscheinlich. Aber das machte die Geschichte für mich nicht weniger hörenswert. Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, mitgelitten und mich mitgefreut. Insgesamt habe ich das Buch einfach sehr gern gehört.
Dazu trug auch die angenehme Stimme von Ann-Kathrin Hinz bei, die sehr gut zu Stella passt. Ein wirklich gutes Match! Auch der jugendliche Stil von Ali Novak macht das Buch so frisch, wie es eben ist. Ihre Beschreibungen passen super ins Setting und lassen junge (oder in meinem Fall ältere) Mädchen von Rockstarherzen träumen.

„Ich und die Heartbreakers“ ist ein schönes Hörbuch mit einer süßen Liebesgeschichte, einem sehr ernsten Thema und dem großen Setting „Freundschaft“. Lediglich die Tatsache, dass vieles in der Geschichte ziemlich unwahrscheinlich ist, hält mich von der Höchstwertung ab. Denn insgesamt konnte ich bei diesem Hörbuch super abschalten und habe mich immer auf das Hören gefreut. Deswegen vergebe ich 4,5 Sterne und spreche meine Empfehlung für heiße Sommertage aus.


  


10. Mai 2026

Rezension [Hörbuch]: "Love me, love me - Unsere Herzen ziehen sich an" von Stefania S.

 


Titel: Love me, love me - Unsere Herzen ziehen sich an
Autorin: Stefania S.
Sprecherin: Belinda Zettelmeier-Jürga u.a.
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 17h 14m
Seiten: 688
Preis: 29,95€

Manchmal passiert es, dass man sich von einem Buch hinters Licht geführt fühlt. Der Klappentext klingt gut. Unschuldig. Schön. Macht Lust auf mehr. Und dann: Boom. Eine ganz andere Geschichte als erwartet, grauenhafte Sprache und mein offen stehender Mund aufgrund der Thematiken. Tja. So ging es mir mit „Love me, love me – Unsere Herzen ziehen sich an“ von Stefania S. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte. Aber definitiv nicht das. Ich musste mich wirklich überwinden, dieses Hörbuch zu beenden. Leider fällt mein Fazit auch dementsprechend aus: einfach nur schlimm.

Als ihre Mutter wieder einmal umzieht, steht June White in Laguna Beach, Kalifornien, erneut ein Neuanfang bevor. Für sie, die sich lieber in ihrem Zimmer verkriecht und auf Netflix Dokumentationen über Kriminalfälle anschaut, statt auf Partys zu gehen, ist es nie leicht, Freunde zu finden. Besonders nicht im letzten Jahr der Highschool. Doch überraschenderweise geben ihre Mitschüler ihr sofort das Gefühl, willkommen zu sein.
Alle außer James Hunter. Der attraktive James ist der Inbegriff eines Bad Boys mit einer dunklen und bewegten Vergangenheit. Ganz anders sein bester Freund William, der June mit offenen Armen empfängt. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein, doch mindestens einer von ihnen verbirgt etwas vor ihr, während er ihr Herz aus dem Takt bringt.


Ich habe mich wirklich hinterfragt. Habe den Klappentext noch einmal im Nachhinein gelesen und überlegt, ob ich mich wirklich so irren konnte. Einer meiner Fehler war aber wohl, dass ich gar nicht wusste, dass es bereits eine Amazon-Verfilmung gibt. Hätte ich diese gesehen, hätte ich vielleicht die Finger vom Buch gelassen. Doch ehrlich gesagt, weiß ich das nicht. Das pastellfarbene Cover ist ja nicht das einzig irreführende dieser Kategorie. Aber „Love me, love me“ ist wirklich noch eine Nummer härter.
Mir hat so unglaublich viel an diesem Hörbuch nicht gefallen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Beginnen wir vielleicht einfach beim Anfang. Inzwischen ist es ja Gang und Gäbe, dass eine Triggerwarnung im New Adult Bereich vorweg geschaltet ist. Bei Hörbüchern müsste ich dafür den letzten Track hören. Das tat ich nicht, denn ich wollte mich inhaltlich nicht spoilern. Als ich ihn dann ganz am Ende gehört habe, kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Ich meine, ich hatte das Buch ja gehört. Ich kannte den Inhalt. Aber trotzdem. Die Liste ist krass. Und lang. Sage und schreibe vierzehn Themen findet man darauf. Vierzehn Themen, die potenziell triggernd sind. Ich bin da gar nicht so sensibel, weil mich eines dieser Themen irgendwie selbst triggert, aber ich finde die Masse einfach unglaublich. Und ganz ehrlich, das muss doch nicht sein. Was ist das denn für eine Welt, in der vierzehn potenziell triggernde Inhalte deinen Lebensalltag bestimmen?! Kann es wirklich solche Menschen geben, die mit all solchen Themen in Berührung kommen? An einer Highschool? Ich weiß es nicht.
Vielleicht hätte mich das ein oder andere auch gar nicht so sehr gestört, wenn nicht auch der Rest des Buches so schlecht wäre. Ich habe zu keiner Sekunde einen Zugang zu einer der Figuren bekommen. Die Sprache ist vulgär und derb. Gut geschrieben ist das Buch ebenfalls nicht. Die Figuren sind unsympathisch und handeln ambivalent. Und irgendwie gibt es eigentlich keine Handlung. Das wäre die Kurzversion. Natürlich hole ich aber gern aus.
Es gibt eine Fülle von Figuren. Das an sich finde ich gar nicht schlimm. Dass es aber gleich sieben Perspektiven und somit auch sieben verschiede Sprecher und Sprecherinnen im Hörbuch sind, ist einfach zu viel. Manche davon lesen auch lediglich ein Kapitel. Für mich war das unnötig und führte nicht zur Glaubwürdigkeit der Geschichte. Ich hatte das Gefühl, die Autorin wollte jede Perspektive bedienen und dem Hörer alle möglichen Dinge zeigen. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wäre die Sicht beschränkter gewesen, sodass es vielleicht auch noch ein paar Dinge gegeben hätte, die im Dunkeln geblieben wäre. Aber nein. Man hat ein ziemlich umfassendes Bild von der Highschool, auf die June kommt. Und damit kommen wir doch endlich zur Geschichte selbst.
Für mich klang der Klappentext wirklich nach einer Dreiecksgeschichte im Highschool-Setting. „Love me, love me“ hat mit einer solchen allerdings sehr wenig zu tun. Die Liebesgeschichte steht überhaupt nicht im Vordergrund. Man will eigentlich auch fragen „Welche Liebesgeschichte?“, denn June hat zwar was mit William, kann sich auf ihn aber nicht einlassen. (By the way, sein Paket ist natürlich auch ein sehr großes.) Von James ist June fasziniert, hört aber nie damit auf, zu beteuern, wie sehr sie ihn hasst. Tja, und steht er vor ihr, verlieren die beiden sich in sinnlosen Sticheleien, die zu nichts führen – außer, dass es June anturnt. James ist ja sowieso mit jedem Mädchen der Schule im Bett gewesen. Klar. Badboy und so. Auch das ist ja gar nicht das Problem, schließlich entspricht es dem Konzept beinahe jedes New Adult Buches. Aber James ist schon etwas krasser. Auch sein Charakter hat die Ehre, ein Kapitel aus der eigenen Sicht zu schildern. In diesem tat er mir al Figur beinahe leid. Aber wer so oft in wenigen Minuten das Wort „ficken“ sagen kann, entzieht sich auch schnell meinem Mitleid. Für mich hatte er absolut nichts Liebeswürdiges an sich. Er würdigt Menschen herab, nimmt jeden Tag Drogen, betrinkt sich, vögelt jeden Abend eine andere (Sex kommt im Hörbuch sowieso nicht zu kurz) und rutscht natürlich in kriminelle Kreise ab. Aber Achtung: Man darf natürlich nicht vergessen, dass er dabei mörderisch gut aussieht. Das macht schließlich einiges wett. Ist ja klar.
James ist für mich schon mal durchgefallen. June aber leider auch. Ich habe selten eine so zickige und ambivalent handelnde Protagonistin gesehen. Sie ist nicht ehrlich zu sich selbst, entscheidet sich dauernd um (versteht natürlich nicht, wieso) und glaubt dabei, dass sie total selbstbewusst und schlagfertig ist. Ach ja, und sie findet sich natürlich nicht hübsch. Zu dicke Oberschenkel, nichts Besonderes bla bla. Komisch, dass alle Jungs der Schule das anders sehen.Najaaaaaaa.
Ich weiß nicht. Mir hängt das einfach zum Hals hinaus. Aber auch so fand ich June ehrlich gesagt ziemlich unerträglich. Auch ihrer Mutter konnte ich nichts abgewinnen. Es ist eigentlich kein Wunder, dass June zum Teil so sein muss. Nach allem, was sie erstens durchgemacht hat, aber eben auch zweitens von ihrer Mutter vorgelebt bekommt. Dass die Familienverhältnisse von wirklich jedem anderen Charakter in diesem Buch ebenfalls zerrüttet sind, ist ja ebenfalls logisch. Warum sollte es in der High Society auch etwas geben, das ansatzweise normal sein könnte.
Ich würde ja jetzt gern sagen, dass der rote Faden der Geschichte immerhin vorhanden ist. Ist er aber nicht. Es gibt eigentlich keinen. Daher plätschert die Handlung eigentlich nur so vor sich hin. Jeder hat seine Intrigen, seine Geheimnisse und natürlich darf bloß nichts ans Tageslicht kommen. James wirft June immer wieder vor, zu schnüffeln und zu neugierig zu sein. Und auch, wenn ich James ungern zustimme: Hier hat er Recht!
Als Hörer fragt man sich handlungstechnisch eigentlich nur, wer June jetzt entjungfern wird: Will oder James? Keine Sorge, die Frage beantworte ich nicht. Es war aber wirklich beinahe die einzige, die ich mir gestellt habe. Neben der zweiten: Wann ist es endlich vorbei?
Für mich waren auch der Schreibstil und vor allem das Vokabular des Buches eine Zumutung. Das f-Wort habe ich bereits erwähnt und das schreckt an sich ja auch nicht ab. Aber hier ist es gewaltiger. Es geht einfach pausenlos um Sex. Jeder mit jedem. Außerdem stehen Beleidigungen auf wirklich fast jeder Seite. Es geht sogar arg ins Gewalttätige hinein, was mir gar nicht gefiel. Die Welt, die Stefania S. entwirft, war für mich einfach nur abschreckend und manchmal auch unglaublich unlogisch. Es gibt beispielsweise einen Club „irgendwo in der Wüste“ bei L.A. Dort geschehen so allerlei illegale Dinge. Das wird June in einer Szene zu viel, weshalb sie den Schauplatz einfach verlässt und nach Hause laufen will. Klar. Macht man ja auch so, wenn man vorher eine Weile mit dem Auto durch die Wüste dahin fährt. Wer macht denn sowas?! Egal.
Ihr merkt, ich bin mit dem Hörbuch nicht sehr gut klargekommen. Wenn ich etwas Positives sagen will, dann vielleicht, dass einige der triggernden Inhalte natürlich auch eine thematische Vielfalt bieten. Außerdem lesen die Sprecher und Sprecherinnen nicht schlecht. Ich konnte mit dem Inhalt aber einfach gar nichts anfangen.


Tatsächlich habe ich mich gefragt, warum ich das Buch zu Ende gehört habe, wenn ich es doch so furchtbar fand. Leider kann ich das selbst nicht sagen. Vielleicht wollte ich wissen, ob noch irgendetwas Spannendes passiert. Das tat es für mich leider nicht, obwohl es einen Cliffhänger gibt, der für viele sicher interessant ist.
Ich kann den Hype um „Love me, love me“ wirklich nicht verstehen und bin unglaublich abgeschreckt von der Geschichte. Mit mehr als einem Auge zugedrückt, vergebe ich 1,5 Sterne und bin ehrlich gesagt froh, dass ich um Band zwei einen großen Bogen machen kann.




8. April 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance"


Titel: Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Aileen Wrozyna
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 9h 51m
Seiten: 400
Preis: 21,95€

 

Obwohl mich die Serie „My Life with the Walter Boys“ nie vollends überzeugt hat, hat mich doch irgendetwas daran gecatcht. So sehr sogar, dass ich die Buchvorlage kennen wollte. Das erste Buch gefiel mir tatsächlich wirklich gut. Umso gespannter war ich auf den zweiten Teil. Ist er inhaltlich gleich zur zweiten Staffel? Kann er doch gar nicht sein, schließlich endet das Buch ganz anders. Kein Fokus auf dem LOVE-triangle. Oder etwa doch? Ich war gespannt. Also hörte ich "Ich und die Walter Boys - Die zweite Chance“ mit Neugier. Mein Fazit? Absolut süß und für mein Teenieherz genau das richtige.

Jackie Howard brauchte Abstand – und hat ihn auch bekommen. Doch nach einem ereignisreichen Sommer in New York kehrt sie zurück auf die Walter-Ranch. Jackie hat keine Ahnung, wie es mit ihr und Cole Walter nach dem Abschiedskuss weitergehen soll. Im Laufe des Sommers hat sie aufgehört, ihm Nachrichten zu schreiben. Aber sie hat nie aufgehört, an ihn zu denken. Da Cole mittlerweile in der Stadt lebt, bevor er aufs College geht, denkt Jackie, dass es einfach sein wird, ihm aus dem Weg zu gehen. Als sie ihm jedoch plötzlich gegenübersteht, muss sie feststellen, dass es unmöglich ist, ihm zu widerstehen. Und die Dinge werden immer komplizierter: Cole ist der Junge, der ihr nicht aus dem Kopf geht, und die Walters sind die Familie geworden, die sie liebt und braucht. Wie soll Jackie weiterkommen, wenn sie Angst hat, den nächsten Schritt zu machen?


Das Tolle an Band zwei der „Walter Boys“ war von Anfang an, dass ich keine Ahnung hatte, wie es weitergeht. Aber das wollte ich unbedingt wissen. Für mich war die Chemie zwischen Jackie und Cole unglaublich gut, sodass ich mich wirklich immer darauf gefreut habe, weiterzuhören. Dafür habe ich meine freien Minuten sofort genutzt. Mich haben so viele Fragen beschäftigt: Küssen sie sich noch einmal? Sind sie jetzt eigentlich zusammen? Oder schiebt Jackie wieder irgendeinen komischen Grund vor, weshalb es nicht funktionierten kann? Denn das ist das einzig etwas Nervige an der Geschichte. Es ist eben ein Young-Adult Buch. Das finde ich grundsätzlich klasse, denn die Handlung ist zu unschuldig für irgendwelche Sexszenen. Das heißt aber im Übrigen nicht, dass es nicht heiß werden kann. Insgesamt ist das Hin und Her von Jackies Gefühlschaos aber etwas viel und natürlich auch unnötig. Das ist aber auch schon das Ende meiner Kritik. Für mich war die Entwicklung der Beziehung zwischen Jackie und Cole entscheidend und die war wirklich toll. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob man allein mit der Frage, ob zwei Menschen zusammen kommen können, die eigentlich eh schon etwas miteinander haben, ein ganzes Buch füllen kann. Denn nein, das geht nicht. Aber zum Glück sind es ja insgesamt 12 Walter-Kinder, sodass es durchaus weitere Handlungen gibt. Viel zu wenig taucht leider Danny auf, aber das war in der Idee schon logisch. Viel mehr Raum nehmen die Geschichten um Nathan und Isaac ein. Beide haben mir in ihrer Auflösung tatsächlich sehr gut gefallen. Isaacs Handlungsfaden war einfach unterhaltsam. Er hat immer für Chaos gesorgt, was manchmal auch sehr lustig war. Bei Nathan hingegen war ich gespannt, ob er so verschlossen ist, weil er sich outen will. Bekanntlich ist sein Charakter in der Serie schwul. Dass Nathans Geschichte im Buch etwas anders und auch auf andere Art emotional ist, fand ich gut. „Die zweite Chance“ bietet also durchaus noch Überraschungen. 

Zu den Charakteren brauche ich nicht mehr viel zu sagen. Jackie und Cole sind gute Protagonisten und Cole bleibt der Traum aller Mädchen. Wir brauchen nicht über Logik reden. Natürlich schafft das “neue Mädchen” es, den Traumtypen zu bändigen, getreu dem Motto „she falls first, he falls harder“. Denn Coles Aktionen sind wirklich süß. Er war definitiv mein Favorit in diesem Band. Auch die anderen Walters sind schöne Figuren, die aber nicht so viel Präsenz haben haben. Alex kommt deutlich weniger vor, auch Jackies Freundinnen bestimmen nicht unbedingt das Geschehen. Der Fokus liegt auf der Liebesgeschichte und das hat Ali Nowak wirklich gut hinbekommen. 

Manchmal plätschert die Handlung vor sich hin, manchmal gibt es einfach ZU viele Zufälle (Thema Lieblingscafé). Und trotzdem hat mir das gesamte Handlungskonstrukt super gefallen. Vielleicht sollte man einfach nicht zu viel drüber nachdenken und stattdessen einfach genießen.

Der Schreibstil der Autorin ist gut und auch die Sprecherin Aileen Wrozyna  macht wieder einen tollen Job. Für mich war ihre Stimme eins zu eins die von Jackie. Da es die gleiche Sprecherin wie in Band eins ist, kommt hier außerdem wieder das "Nach-Hause-Kommen"-Gefühl zum Vorschein.

Bekommen Jackie und Cole sich endlich? Das ist die große Frage in „Die zweite Chance“. Die Liebesgeschichte trägt die Handlung und rund herum werden kleine Geschichten um die Nebenfiguren gebaut. Insgesamt ist das Buch wirklich unterhaltsam und hat mich abgeholt. Ich hatte unglaublich viel Freude beim Hören und bin den Charakteren verfallen. Wenn man sich auf eine Teenie-Geschichte einlassen will, ohne zu viel denken zu müssen, dann sollte man dringend Jackie und Cole kennenlernen. Lediglich das Hin und Her bewirkt einen kleinen Abzug und so vergebe ich 4,5 Sterne.





17. März 2026

Rezension [Hörbuch]: "Ich und die Walter Boys" von Ali Nowak



Titel: Ich und die Walter Boys
Autorin: Ali Novak
Sprecherin: Aileen Wrozyna
Verlag: der Hörverlag
Preis: 22,95€
Seiten: 448
Dauer: 11h 8m

 

Obwohl ich inzwischen auf dem Papier wohl zu alt für Teenieserien und große Liebesdramen bin, bin ich in meinem Herzen noch immer das Mädchen, das in den 2000ern keinen Romance-Film ausgelassen hat. Wohl auch deswegen schaue ich noch immer voller Leidenschaft alle Neuveröffentlichungen, in denen die Storyline simple ist: Sie - unscheinbar. Er - der Star. Hinderungsgrund der Beziehung - variabel. Wichtig - Happy End.
In dieses Beuteschema passt natürlich auch die Serie "My life with the Walter Boys". Die Serie war solide. Aber wie so oft, war ich neugierig auf die Buchvorlage. Ist sie besser oder schlechter als die Serie? Meine Antwort? Zusammen sind sie perfekt!


Jackie hasst unvorhersehbare Ereignisse. Als perfekte Tochter hat sie ihr Leben in New Yorks High Society fest im Griff und sonnt sich in der Aussicht auf eine erfolgreiche Zukunft. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Mit einer Lawine unvorhersehbarer Ereignisse: 1. Jackie steht plötzlich alleine da. 2. Sie muss zu ihrer Vormundfamilie, den Walters, nach Colorado ziehen. 3. Die Walters haben nicht nur Pferde, sondern auch zwölf Söhne! Mitten in der Pampa, allein unter Jungs von 6 bis 21, für die Privatsphäre ein Fremdwort ist, lautet Jackies erster Gedanke: Nichts wie weg. Und ihr zweiter: Moment...ein paar der Kerle sehen unfassbar gut aus!


Hat man zuerst eine Verfilmung gesehen, hat man immer ein Problem mit der Buchvorlage: Man stellt sich die Charaktere und die Handlungsorte genauso vor, wie im Film oder in diesem Fall wie in der Serie. Man ist eben nicht mehr unvoreingenommen. Jackie Howard sieht im Buch beispielsweise vollkommen anders aus, ebenso Alex. In meinem Kopf waren es trotzdem die Gesichter der Schauspieler. Doch man sollte "Ich und die Walter Boys" nicht an der Serie messen. Bleiben wir also beim Buch.
Woran ich mich allerdings zuerst gewöhnen musste, war der Umstand, dass es im Buch noch mehr Kinder sind, als in der Serie. Insgesamt leben bei den Walters 12 Kinder/heiße Jugendliche. Über die Absurdität dieser Vorstellung brauchen wir glaube ich nicht zu diskutieren. Doch im Buchkontext funktioniert das tatsächlich sehr gut. Eigentlich ist es schade, dass einige Figuren später gestrichen wurden.
Da mir das Setting und die Handlung gewissermaßen vertraut waren, fühlte ich mich in der Geschichte sofort wohl. Jackie ist eine unverbesserliche Perfektionistin, die ich trotzdem als erfrischend empfand. Irgendwie hat man gemerkt, dass die Erstausgabe der Geschichte schon zehn Jahre alt ist. Denn Jackie ist eine Protagonistin, die viel zweifelt. Die auch oft falsche Schlüssel zieht und total subjektiv handelt. Von außen denkt man immer wieder "Wiesoooo?", aber irgendwie hat mir das typische Teenagerverhalten von ihr gefallen! Denn heute sind mir viele Protagonistinnen zu selbstbewusst und straight. Alle wissen immer, was sie wollen und insgesamt geht es viel zu sehr um Sex. Das ist hier ganz anders und dafür war ich dankbar! 
Jackie ist ein ganz gewöhnlicher Teenager, der mit einem grausamen Schicksalsschlag zurecht kommen muss. Dieses Thema wurde meiner Meinung nach gut umgesetzt und passte in die Geschichte. Neben der Trauerbewältigung sind Themen wie Freundschaft, Verliebtsein, Eifersucht und Familie sehr wichtig. Zusammenhalt wird bei den Walters großgeschrieben. Das imponierte mir. Insgesamt hat mir die Welt, in die Jackie geworfen wird, sehr gut gefallen. Das liegt natürlich vor allem an den "Boys". Bei dieser Vielzahl an verschiedenen Jungstypen ist natürlich für jedes Mädchenherz etwas dabei. Auch deswegen funktioniert die Geschichte ja so gut. Mein Herz hatte direkt Danny erobert. In der Serie muss ich ja auch gestehen, dass ich Cole gegenüber sehr distanziert war. Im Buch sind die Lager da schon klarer. Alex ist ein super süßer Kerl. Dass Jackies Herz aber für Cole schlägt, ist nicht zu übersehen. Und ich muss zugeben, dass Cole in "Ich und die Walter Boys" auch wirklich süß ist. Er hat sich seinen Status irgendwie nicht ausgesucht, sondern hat eben dieses Charisma. Er wäre wohl auch ein komischer Typ, würde ihm das nicht gefallen.
Ich fand die Szenen zwischen den beiden schön und authentisch. Da Jackie die Ich-Erzählerin ist, weiß man aber auch sehr schnell, dass Alex eher eine Art Notlösung ist. Die Spannung dahingehend war also eher schwach. Trotzdem bleibt bis zum Ende nicht klar, wofür Jackie sich entscheiden wird. Einen Jungen oder doch eben sich selbst?
Die Charaktere im Buch sind vielseitig und spannend. Wie ich schon sagte, ist für jeden etwas dabei. Schön waren auch die Szenen, in denen Jackie neue Freunde gefunden hat. Es ist wirklich schade, dass einige der Mädchen es nicht in die Serie geschafft haben, wie Heather zum Beispiel. Gleichzeitig muss man sich aber nichts vormachen. Die Autorin spielt natürlich auch mit Klischees. Ich bin keine Hörerin, die das stark hinterfragt. Denn solange die Figuren die Handlung nach vorn bringen, bin ich fine damit. Trotzdem sei hier erwähnt, dass viele Figuren Stereotypen entsprechen.
Der Schreibstil von Ali Nowak ist flüssig und jugendlich. Er passt super zum Buch und ist ein weiterer Wohlfühlfaktor. Die Sprecherin des Hörbuchs Aileen Wrozyna macht ihre Sache ebenfalls toll. Ihre Stimme hat super zu Jackie gepasst. Sie fängt die Atmosphäre gut ein, sodass man sich schnell mit Jackie identifiziert.
Zum Schluss noch ein letztes Thema. Lohnt es sich, das Buch zu lesen, wenn man die Serie schon kennt? Wenn einem die Serie gut gefallen hat, dann auf jeden Fall! Die Serie hat tatsächlich den Vorteil, komplexer sein zu können. Das Buch ist auf Jackies Sicht beschränkt. Die Serie kann die Gefühle vieler Figuren einfangen und baut so neue Handlungen auf, die es im Buch tatsächlich gar nicht gibt. Daher ist die Serie irgendwie eine schöne Ergänzung zum Original. Denn natürlich bietet auch "Ich und die Walter Boys" Szenen, die es eben nicht in der Serie gibt. Ich persönlich kann Jackie nach dem Hören der Geschichte viel besser verstehen, schaue aber auch die Serie wirklich gern weiter. Teenie forever.


"Ich und die Walter Boys" ist eine schöne Geschichte für vor allem jugendliche Hörerinnen, die nicht zu viel nachdenken wollen. Natürlich ist das Setting nicht immer realistisch und abgesehen von Jackies fürchterlichem Schicksalsschlag fehlen große Probleme. Aber ist man ein Teenager und zum ersten Mal verliebt, ist eben genau das das große Problem. Jackie meistert das im Kontext der 12 Jungs ziemlich gut und hat mich die ganze Zeit gut unterhalten. Als Hörbuch funktioniert die berühmte Geschichte ebenfalls klasse, weshalb ich vier von fünf Sternen vergebe.



4. Februar 2026

Rezension [Hörbuch]: "Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen"

 


Titel: Midwatch - Schule der unerwünschten Mädchen
Autorin: Judith Rossell
Sprecherinnen: Merete Brettschneider, Maria Hartman
Verlag: der Hörverlag
Dauer: 6h 49m
Seiten: 320
Preis: 15,95€

Jedes kleine Mädchen hatte wahrscheinlich einmal den Wunsch, Detektivin zu werden. So sein wie Hanni und Nanni im Internat oder all die anderen Kinder, die spannende Abenteuer erlebten. In die Reihe von den „Fünf Freunden“ und Co. darf sich nun eine weitere Gruppe eintragen: die Mädchen des Midwatch Instituts. Denn diese jungen Mädchen können mit den genannten Detektiven definitiv mithalten. „Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen“ ist ein grandioses Kinderbuch, das ich vor allem Mädchen ab neun Jahren unbedingt empfehlen würde! Freundschaft, Zusammenhalt und das Stärken des eigenen Selbstbewusstseins stehen hier in Verbindung mit Spaß und Humor und machen dieses Hörbuch zu einem wundervollen Hörerlebnis.

Maggie Fishbone wird auf das Midwatch-Institut für unerwünschte Mädchen geschickt. Doch Maggie stellt bald fest, dass das Institut nicht der schreckliche Ort ist, für den ihn alle halten. Im Gegenteil: The Midwatch heißt die verstoßenen Mädchen willkommen und ermutigt sie, ihre Talente einzusetzen und weitere nützliche Fähigkeiten wie Schlösserknacken und Morsen zu erlernen. Denn es sind die verstoßenen Mädchen des Midwatch-Instituts, die mit ihren besonderen Fähigkeiten Kriminalfälle lösen und die Stadt vor Bösewichten beschützen.

Greift man zu diesem Hörbuch, muss man sich des Adressaten natürlich bewusst sein. Das Buch ist definitiv für Kinder geschrieben und genau für diese ist es absolut wunderbar! Laut Klappentext geht es um die kleine Maggie Fishbone, die zusammen mit zwei anderen Mädchen ins Institut kommt. Eine richtig zentrale Protagonistin ist Maggie allerdings nicht. Ihre Freundinnen Nell und Sophie stehen ebenso im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Harriet oder all die anderen Mädchen. Sie bilden gemeinsam ein Team. Und damit wären wir bei einem großen Thema des Buches: Freundschaft. Judith Rossell zeigt auf eine sehr schöne Art, wie Freunde das eigene Selbstbewusstsein stärken und wie man selbst daran wächst. Maggie ist am Ende ein anderes Mädchen und findet im Midwatch-Institut nicht nur neue Freunde, sondern sogar Familie.
Die kleinen Mädchen sind tolle Protagonistinnen. Insgesamt sind in „Midwatch – Schule der unerwünschter Mädchen“ ein Haufen schrulliger und skurriler Persönlichkeiten zu finden. Einige sind natürlich überzeichnet, wie zum Beispiel die Bösewichte, aber das passt insgesamt sehr gut zum Charakter des Buches. Die Mädchen müssen einen kniffligen Kriminalfall lösen, der sehr spannend ist. Das Setting hat mich hierbei anfangs ein wenig verwirrt. Denn obwohl „Midwatch“ kein Fantasy-Buch ist, gibt es durchaus fantastische Elemente. Zum Beispiel ist ein ganz normales Fortbewegungsmittel in Maggies Welt das Zeppelin. Ansonsten scheint die Geschichte etwa in den 20er Jahren zu spielen und das heißt auch, dass Glanz und Glamour auf eine gewisse Art nicht fehlen dürfen: schicke Hotels oder der Tanz Charleston sind beispielsweise an der Tagesordnung.
Auf der Tagesordnung von Maggie stehen ziemlich interessante Fächer: Morsen, Knoten knüpfen, Fechten, Schweizerdeutsch, Charleston oder Verstecken. Und ganz ehrlich…welches Mädchen hätte als Kind nicht gern solche Fächer in der Schule gehabt?! Tatsächlich kann man nebenbei noch eine ganze Menge aus „Midwatch“ lernen. Alle paar Kapitel taucht nämlich ein kleines Exkurs-Kapitel mit dem Titel „Nützliche Dinge, die jedes Mädchen wissen sollte“ auf. In einem wird zum Beispiel das gesamte Morse-Alphabet erklärt, in einem anderen verschiedene Knotentechniken gezeigt. Als Hörbuch funktioniert das nur semigut, aber im Buch ist es für junge Leser sicher ein Highlight!
Der Schreibstil ist wirklich gut. Er ist flüssig und sehr fantasievoll. Vor allem aber ist das gesamte Szenario unglaublich humorvoll und charmant. Es gibt kein böses Wort zwischen den Mädchen, dafür aber viel zu Lachen. Die Sprecherin Merete Brettschneider macht ihre Sache gut. Sie liest zeitgemäß und sehr passend zur Geschichte. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich als Erwachsene beim Hören manchmal etwas abgedriftet bin. Die Nützliches-Wissen Kapitel werden von Maria Hartmann gelesen. Auch hier gibt es keinerlei Kritik.


Die größte Stärke dieses Buches sind wirklich die Werte, die Judith Rossel transportiert. Sie zeigt, wie wichtig Freundschaft ist, wie man zusammenhält und so aus jeder Klemme kommt. Denn zusammen ist man stark. Das lernen Maggie und ihre Freundinnen während dieses spannenden Kriminalabenteuers ganz nebenbei. Für junge Mädchen, aber sicher auch Jungen ist es ein wirklich tolles Buch, das ich sofort verschenken würde. Ich persönlich musste mit dem Setting erst zurechtkommen, vergebe aber gern 4,5 Sterne, die es verdient haben, aufgerundet zu werden.